{"id":14017,"date":"2010-12-21T00:00:00","date_gmt":"2010-12-21T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14017"},"modified":"2010-12-21T00:00:00","modified_gmt":"2010-12-21T00:00:00","slug":"14017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/14017\/","title":{"rendered":"Europa im Zentrum des Kampfes"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht von der Diskussion zu Europa beim 10. Weltkongress des CWI<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  von Robin Clapp, Kongressdelegierter der Socialist Party (CWI in England   &amp; Wales)<\/h4>\n<p>  Die stark ver&#228;nderte &#246;konomische, soziale und politische Lage bildete   den Hintergrund f&#252;r die inspirierende Diskussion &#252;ber Europa auf dem 10.   Weltkongress des CWI, die von Tony Saunois vom Internationalen   Sekretariat eingeleitet wurde.<\/p>\n<p>  Die Auswirkungen der weltweiten Krise haben Europa hart getroffen. Auf   die &#8222;Rettungspakete&#8220; folgen jetzt beispiellose Angriffe auf die Rechte   von ArbeiterInnen, auf Arbeitspl&#228;tze, Renten und Arbeitsbedingungen.<\/p>\n<p>  In L&#228;ndern wie Portugal, Spanien und sogar Belgien besteht weiterhin die   Gefahr von staatlichen Schuldenkrisen. In Griechenland und Irland droht   trotz aller Interventionen von IWF und EU der Staatsbankrott. Der   Zerfall der Eurozone und sogar einer Untergrabung der EU in ihrer   bestehenden Form ist m&#246;glich. Die Financial Times hat davor gewarnt,   dass ein Ausfall der irischen oder griechischen Staatsschulden heftigere   Folgen h&#228;tte als der Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008.<\/p>\n<p>  Innerhalb der herrschenden Klasse bestehen weiterhin gewisse   Meinungsverschiedenheiten und Spaltungen zwischen den Anh&#228;ngern harter   K&#252;rzungspakete und den Anh&#228;ngern, die betonen, dass die Nachfrage weiter   angekurbelt werden m&#252;sse. Die vorherrschende Position der B&#252;rgerlichen   ist jedoch die Durchf&#252;hrung von K&#252;rzungsma&#223;nahmen auf dem R&#252;cken der   arbeitenden Bev&#246;lkerung. Das schlie&#223;t jedoch weitere Konjunkturma&#223;nahmen   zu einem sp&#228;teren Zeitpunkt, wenn sie f&#252;r n&#246;tig erachtet werden, nicht   aus.<\/p>\n<p>  Europa hat begonnen sich vollkommen zu ver&#228;ndern. Es wird immer   offensichtlicher, dass der Kapitalismus nicht in der Lage ist, jedem und   jeder einen Arbeitsplatz und gute Bildung zu erm&#246;glichen. In   Griechenland liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 40 Prozent, in Spanien   offiziell bei 30 Prozent. In Irland und anderswo werden Menschenleben   zerst&#246;rt. Die brutalen Angriffe haben auch die Mitelschichten getroffen   und ziehen alle Bereiche in den Strudel des Elends und des Kampfes. Zum   ersten Mal seit Generationen entscheiden sich irische Jugendliche   beispielsweise wieder daf&#252;r, auszuwandern.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend weiterhin viele Lohnabh&#228;ngige noch eine der ehemaligen   traditionellen Arbeiterparteien als &#8222;kleineres &#220;bel&#8220; zu den   christlich-konservativen Parteien w&#228;hlen, schwinden die verbliebenen   Illusionen in dieses vermeintlich kleiner &#220;bel auch schnell wieder. Wie   fest diese ehemaligen Arbeiterparteien im pro-kapitalistischen Lager   verankert sind hat das Beispiel der PASOK-Regierung in Griechland   gezeigt. Die bittere Erfahrung mit heftigen Angriffen solcher   Regierungen kann zu massenhafter Ablehnung gegen&#252;ber allen politischen   Parteien f&#252;hren. Eine Stimmung, die sich in Argentinien 2001 in dem   Slogan &#8222;Out with all of you&#8220; (Raus mit euch allen) ausgedr&#252;ckt hat.<\/p>\n<p>  Im krisengesch&#252;ttelten Irland ist die Popularit&#228;t von Premierminister   Brian Cowen in den Umfragen auf 8 Prozent abgest&#252;rzt und die   Hauptregierungspartei Fianna Fail zerf&#228;llt. Teile der irischen Medien   sprechen von &#8222;nationaler Schande&#8220; und vergleichen das letzte brutale   Paket des IWF mit einem mordernen &#8222;Versailler Vertrag&#8220;. Die durch die   Schulden entstehenden Zinslasten verbrauchen jetzt unglaubliche 10   Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dabei ist das irische   Haushaltsdefizit mit 32% gemessen am BIP schon jetzt das gr&#246;&#223;te ist,   dass es in Friedenszeiten jemals gegeben hat.<\/p>\n<p>  Wie gro&#223; die Verachtung in der irischen Arbeiterklasse gegen&#252;ber den   herrschenden Politikern ist, zeigt sich auch daran, dass der IWF zwar   nicht als Retter, aber zumindest als gewissen Fortschritt gegen&#252;ber den   Gaunern, Gesch&#228;ftemachern und Geldw&#228;schern gesehen wird, die den   &#8222;Keltischen Tiger&#8220; zum Absturz brachten.<\/p>\n<p>  Vor einer Zahlungsunf&#228;higkeit Irlands zittert das Kapital europaweit,   weil alle gr&#246;&#223;eren europ&#228;ischen L&#228;nder bei irischen Banken investiert   haben. Weil der britische Handel mit Irland 7 Prozent des BIPs ausmacht   (ein gr&#246;&#223;erer Anteil als der Handel mit China und Indien zusammen) ist   klar, dass die Bereitschaft der britischen Regierung, ihren Anteil der   Hilfe f&#252;r Dublin zu tragen, durch die Panik sich &#8222;anzustecken&#8220; motiviert   ist.<\/p>\n<p>  Auf dem letzten Weltkongress standen politische Ereignisse in   Lateinamerika im Vordergrund. Bei diesem Kongress standen die Ereignisse   in Europa und die Klassenk&#228;mpfe der Arbeiterklasse in Europa im Zentrum   der Diskussion.<\/p>\n<h4>  Generalstreiks<\/h4>\n<p>  &#220;ber zehn Millionen Menschen nahmen am 24-st&#252;ndigen Generalstreik im   September in Spanien teil. In Portugal kam es zum gr&#246;&#223;ten Massenstreik   seit der portugiesischen Revolution in den siebziger Jahren. 85 Prozent   der ArbeiterInnen streikten gegen das harte K&#252;rzungsprogramm der   Regierung.<\/p>\n<p>  Wir haben bereits auf fr&#252;heren internationalen Treffen diskutiert, dass   die Versuche der herrschenden Klassen in ganz Europa die ArbeiterInnen   f&#252;r die Krise ihres Systems zahlen zu lassen zu verallgemeinertem   Protest in einem Umfang f&#252;hren w&#252;rde, den es seit Jahrzehnten nicht   gegeben hat. Diese Vorhersage wurde in Italien, in Frankreich und vor   allem in Griechenland erf&#252;llt, wo es sieben Generalstreiks gab.<\/p>\n<p>  Nur sechs Monate nachdem eine konservativ-liberale Koalition in   Gro&#223;britannien an die Macht gekommen ist und mit ihrem Generalangriff   auf Arbeiter und Jugendliche begonnen hat, haben Jugendliche den Kampf   aufgenommen. Gegen die Verdreifachung von Studiengeb&#252;hren und die   Abschaffung von Unterst&#252;tzungszahlungen f&#252;r &#228;rmere   Oberstufensch&#252;lerInnen kam es zu einer Serie von bedeutenden Gro&#223;demos   und Studierendentreiks.<\/p>\n<p>  Trotz der bekundeten Entschlossenheit, die K&#252;rzungspolitik fortzusetzen   besteht bei den pro-kapitalistischen Regierungen eine Angst vor den   Auswirkungen dieser Politik auf die sozialen Verh&#228;ltnisse. Das   IWF\/EU-&#8220;Hilfspaket&#8220; f&#252;r Irland reiht sich nach dem griechischen   &#8222;Rettungspaket&#8220; ein in eine Kette von Angriffen, die soziale und   politische Explosionen verursachen wird.<\/p>\n<p>  Alles, was einst sicher erschien, ist jetzt unsicher geworden. Das   sogenannte Rettungspaket f&#252;r die griechische Wirtschaft schien die   M&#228;rkte zu beruhigen und einen Schlussstrich unter die   Staatsschuldenkrise zu ziehen, nur damit die Krise in Irland umso   heftiger zuschl&#228;gt.<\/p>\n<p>  Entgegen dem europ&#228;ischen Trend hat sich der deutsche Kapitalismus von   der ersten Phase der Krise erholt, gest&#252;tzt auf die St&#228;rkung seiner   Exportm&#228;rkte. Jedoch bleibt dieses Wachstum instabil und abh&#228;ngig von   weltweiten Faktoren, wie dem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum   Chinas. Sich entfaltende Staatsschuldenkrisen in Europa beunruhigen die   deutsche herrschende Klasse tief. Kanzlerin Angela Merkel warnt bereits,   dass Berlin finanziell nicht so &#8222;gro&#223;z&#252;gig&#8220; sein werde wie in der   Vergangenheit.<\/p>\n<p>  Diese kaum getarnte Drohung hat sich in heftigen   Meinungsverschiedenheiten &#252;ber Griechenland ge&#228;u&#223;ert, in denen Merkel   andeutete, dass das Euro-Projekt eventuell &#8222;berichtigt&#8220; werden m&#252;sse. In   der Diskussion geht es nicht nur um die M&#246;glichkeit, dass sich einer   oder mehrere schwache Staaten aus der Eurozone herausgedr&#228;ngt werden,   sondern im Extremfall sogar um den Austritt Deutschlands und die   Neuausrichtung des gesamten Projekts. In Wirklichkeit findet die   wirtschaftliche Erholung Deutschlands auf Kosten anderer Eurol&#228;nder   statt. Einige, wie Griechenland, Rum&#228;nien und Lettland, haben weiterhin   negatives Wirtschaftswachstum.<\/p>\n<h4>  K&#228;mpfe und linke Formationen<\/h4>\n<p>  Die wichtigste Eigenschaft dieser ver&#228;nderten Periode ist der Eintritt   der Arbeiterklasse in den Widerstand. Dieser wirft in aller Deutlichkeit   die Frage der Notwendigkeit einer F&#252;hrung der Arbeiterklasse auf, auf   politischem und gewerkschaftlichem Gebiet. Ungl&#252;cklicherweise k&#246;nnte man   wohl eher einen europaweiten Wettbewerb dar&#252;ber abhalten, welches Land   die mieseste Gewerkschaftsf&#252;hrung hat &#8211; das Ergebnis w&#228;re hart umk&#228;mpft.<\/p>\n<p>  Die eint&#228;gigen Generalstreiks in Spanien und Portugal wurden von den   Gewerkschaftsf&#252;hrungen nur als letzter Ausweg ausgerufen. Danach gingen   sie wieder zur Tagesordnung &#252;ber. In Irland haben die   Gewerkschaftsf&#252;hrerInnen die Bewegung f&#252;r eine ganzen Zeitraum   ausgebremst und in den patriotischen Refrain eingestimmt, das Land m&#252;sse   &#8222;zusammenhalten&#8220;. Doch jetzt entwickelt sich erneut eine explosive   Bewegung.<\/p>\n<p>  Die bisherigen Generalstreiks sind eher Demonstrationsstreiks als   Erzwingungsstreiks, die die Machtfrage stellen und damit die Frage des   Sturzes von Regierungen aufwerfen. Dies liegt in der Krise der   politischen F&#252;hrung der Arbeiterklasse und dem Mangel im Bewusstsein   einer gangbaren Alternative zur Marktwirtschaft begr&#252;ndet. Es gibt noch   kein Verst&#228;ndnis der Notwendigkeit unbefristeter Generalstreiks mit dem   Ziel, Regierungen zu st&#252;rzen und die &#220;bernahme der Macht durch die   Arbeiterklasse vorzubereiten.<\/p>\n<p>  Wir stehen keiner kurzen Krisenperiode, sondern einer organischen Krise   des Systems gegen&#252;ber, die zu abrupten Ver&#228;nderungen f&#252;hren kann. Wenn   sich das CWI an K&#228;mpfen beteiligt, setzen wir uns zum Ziel, Vorschl&#228;ge   einzubringen, die konkret die n&#228;chsten Schritte f&#252;r die Bewegungen   aufzeigen. Dies wird sich in den verschiedenen L&#228;ndern unterscheiden,   abh&#228;ngig von der Kampfbereitschaft der Lohnabh&#228;ngigen und dem Stand des   Bewusstseins. In Italien w&#252;rden wir auf der jetzigen Stufe die   Notwendigkeit aufzeigen, einen eint&#228;gigen Generalstreik vorzubereiten.   In Griechenland ist es nach sieben Generalstreiks notwendig einen   Schritt weiter zu gehen und umfassendere Aktionen zu entwickeln, die die   Bewegung auf eine h&#246;here Stufe stellt und mehr Besch&#228;ftigte in den Kampf   einbezieht.<\/p>\n<p>  Wo Linksparteien existieren, wie in Griechenland und Portugal, haben sie   in der neuen Situation ihre Unzul&#228;nglichkeiten offenbart. Das dr&#252;ckt   sich in Griechenland im Rechtsruck der Syriza-F&#252;hrung und dem schlechten   Ergebnis bei den Wahlen 2009 aus. Bei den sp&#228;teren Kommunalwahlen gab es   eine niedrige Wahlbeteiligung und wenig Enthusiasmus f&#252;r Syrizas   abstrakte Position zur Frage, wie der Widerstand aufgebaut werden kann.   W&#228;hrend Syriza in einer tiefen Krise steckt, unterscheidet sich die   Politik des Linksblocks in Portugal kaum von der der portugiesischen   Sozialdemokratie.<\/p>\n<p>  In Italien steht die PRC vor dem Abgrund. Politisch fortgeschrittenere   Arbeiter und AktivistInnen suchen nach einer Alternative. Manche haben   sich der FIOM (Metallarbeitergewerkschaft des linken Dachverbands CGIL)   zugewandt. Die FIOM bekommt derzeit auch Mitgliedschaftsantr&#228;ge von   Besch&#228;ftigten au&#223;erhalb der Metallindustrie, weil sie ein   Anziehungspunkt darstellt f&#252;r diejenigen, die verzweifelt nach einer   Formation suchen, die eine gangbare Alternative zu den Angriffen von   Regierung und Unternehmern aufbauen wollen.<\/p>\n<h4>  Vakuum auf der Linken<\/h4>\n<p>  Das Vakuum auf der Linken kann rechtsradikalen Kr&#228;ften Zulauf   erm&#246;glichen, sowohl aus den Mittelschichten als auch von demoralisierten   Arbeitern. Die Neofaschisten konnten vor kurzem bei der Stadtratswahl in   Athen einen Erfolg erzielen. Bei den Wahlen in Schweden konnte die   radikale Rechte zum ersten Mal seit &#252;ber 20 Jahren Gewinne verbuchen,   w&#228;hrend die Sozialdemokraten ihr schlechtestes Ergebnis seit fast einem   Jahrhundert bekamen. In Ungarn erreichte die ultrarechte Jobbik-Partei,   deren F&#252;hrer sich offen zu seiner faschistischen Herkunft bekennt, bei   der Parlamentswahl 16 Prozent.<\/p>\n<p>  Neue EU-Regelungen werden die Arbeitsm&#228;rkte der EU im Mai 2011 f&#252;r   B&#252;rgerInnen der neuen EU-Mitgliedsstaaten &#246;ffnen. Auf der Basis der   kapitalistischen Krise wird das die Feindseligkeit gegen&#252;ber   migrantischen ArbeiterInnen verschlimmern und muss durch die gemeinsame   Aktion gegen Lohnk&#252;rzungen und Sozialabbau beantwortet werden.<\/p>\n<p>  Auch die nationale Frage kann wieder aufflackern, nicht zuletzt in   Belgien wo die traditionellen Parteien seit beinahe sechs Monaten   unf&#228;hig sind. eine Regierung zu bilden. Belgische Banken sind ebenfalls   sehr krisenanf&#228;llig. Ein Professor der Universit&#228;t Gent warnte k&#252;rzlich,   dass sich Belgien auf dem Weg befindet, zum &#8222;Schlachthaus&#8220; des IWF zu   werden!<\/p>\n<p>  Die Entwicklung der verschiedenen linken Formationen ist jedoch   unterschiedlich. DIE LINKE in Deutschland kann weiterhin gewisse   Wahlerfolge verbuchen, w&#228;hrend die Izquierda Unida (IU &#8211; Vereinigte   Linke) in Spanien in der Lage war mit einem linkeren Programm und   Auftreten neue Schichten k&#228;mpferischer ArbeiterInnen und Jugendlicher zu   gewinnen. Die Partei steht in den Umfragen aktuell bei 7,5 Prozent, hat   jedoch teilweise noch Schwierigkeiten ihr Programm so zu formulieren,   dass es auch verstanden wird. So antwortete ein f&#252;hrendes Mitglied der   IU k&#252;rzlich auf die Frage nach der Alternative zur Diktatur der Banken:   &#8222;Die Diktatur des Proletariats&#8220;. In dieser Periode ist so eine Antwort   nat&#252;rlich abstrakt. Dagegen versuchen Sektionen des CWI die   &#220;bergangsmethode anzuwenden und Forderungen aufzustellen, die am   bestehenden Bewusstsein ankn&#252;pfen und eine Br&#252;cke bilden zu einer   sozialistischen Ver&#228;nderung der Gesellschaft.<\/p>\n<p>  In Griechenland haben unsere GenossInnen die Forderungen nach   Schuldenstreichung und der Verstaatlichung aller Banken unter   Arbeiterkontrolle und -verwaltung in den Mittelpunkt gestellt und damit   konkret auf die aufgeworfenen politischen Fragen reagiert und deutlich   gemacht, was n&#246;tig w&#228;re.<\/p>\n<p>  Auch in Bezug auf die Machtfrage m&#252;ssen wir heute in einigen L&#228;ndern   konkrete Antworten geben. In Griechenland war es 2008 f&#252;r die   GenossInnen des CWI nicht ausreichend, den Syriza-Slogan &#8222;Nieder mit der   Regierung&#8220; zu &#252;bernehmen. Sie stellten ihm die Forderung nach der Wahl   einer linken Arbeiterregierung gest&#252;tzt auf Syriza und KKE entgegen.   Diese muss mit der Frage der Streichung der Schulden verbunden werden.   Gerade die Tatsache, dass die F&#252;hrung von Syriza keine klaren Vorschl&#228;ge   programmatisch und strategisch aufgezeigt hat, hat zur tiefen Krise von   Syriza gef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Die NPA (neue antikapitalistische Partei) in Frankreich hat noch   Potential, aber ob sie eine Massenkraft der Arbeiterklasse aufbauen   kann, ist alles andere als klar. Die NPA fordert eine Regierung auf der   Basis des Widerstandes. Wir m&#252;ssen dagegen expliziter eine   Arbeiterregierung fordern. Das ist keine Haarspalterei, sondern dr&#252;ckt   aus, dass es notwendig ist, Massenparteien von Besch&#228;ftigten und   Erwerblosen aufzubauen, die das Vakuum auf der Linken f&#252;llen k&#246;nnen, die   aktuell in vielen L&#228;ndern besteht.<\/p>\n<p>  In der Bewegung in Frankreich im September und Oktober gingen Millionen   Menschen auf die Stra&#223;e. Obwohl nur eine Minderheit gestreikt hat, gab   es bisher acht Protesttage. Die Renten-&#8220;Reform&#8220; wurde zum Ventil f&#252;r die   angestaute Wut in der Gesellschaft. Die Bewegung war jedoch nicht in der   Lage das Rentengesetz zu stoppen und jetzt gibt es erstmal eine Pause im   Widerstand. In diesem Kampf haben ArbeiterInnen Raffinerien blockiert   und versucht die &#214;lversorgung des Charles-de-Gaulle-Flughafens zu   unterbrechen. Allerdings ist das noch weit von den Ereignissen im Jahr   1968 entfernt, als ArbeiterInnen ihre Fabriken besetzten.<\/p>\n<p>  Zusammen gerechnet haben acht Millionen Lohnabh&#228;ngige an einer   Demonstration oder einem Streik teilgenommen. N&#246;tig sind jedoch   politische Forderungen und eine Strategie, um K&#228;mpfe voranzubringen. Die   Drohung mit und der Einsatz der Staatsgewalt um die Bewegung zu bremsen   hatte einen gewissen einsch&#252;chternden Effekt.<\/p>\n<p>  Die Ausrufung des ersten Ausnahmezustands seit den Jahren der   Francodiktatur und die Militarisierung der Flugh&#228;fen durch die spanische   Regierung als Reaktion auf einen Arbeitskampf der Fluglotsen ist ein   weiteres Beispiel f&#252;r die zunehmenden autorit&#228;ren Ma&#223;nahmen, die   prokapitalistische Regierungen gegen Streiks einsetzen werden.   Repressive Ma&#223;nahmen k&#246;nnen vor&#252;bergehend Erfolg haben, werden aber die   Feindseligkeit gegen&#252;ber der Regierung weiter vertiefen und mehr   Sprengstoff in den Klassenbeziehungen produzieren.<\/p>\n<p>  In Britannien versucht Camerons Koalitionsregierung Proteste durch   stundenlange Einkesselung von Demonstranten zu zerm&#252;rben. In ganz Europa   bereitet sich die herrschende Klasse auf zunehmende Klassenk&#228;mpfe vor,   die diese Periode unvermeidlich pr&#228;gen werden.<\/p>\n<p>  In dieser aufgeheizten Atmosph&#228;re und ohne die Bildung neuer   Arbeiterparteien k&#246;nnen sich anarchistische und syndikalistische   Stimmungen entwickeln. Die Briefbomben, die vor kurzem an die   Regierungsmitglieder verschiedener europ&#228;ischer Staaten geschickt wurden   zeigen, dass sich unter den am meisten entfremdeten Jugendlichen sogar   terroristische Str&#246;mungen festsetzen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Europa kein &#8222;Modell&#8220; mehr f&#252;r den Kapitalismus<\/h4>\n<p>  In der Zusammenfassung der Kongressdiskussion &#252;ber Europa unterstrich   Niall Mulholland vom Internationalen Sekretariat des CWI, dass wir in   eine neue Periode eingetreten sind, die im Zeichen der Krise der   Eurozone und des Eintretens der Arbeiterklasse in den Kampf steht.   Europa ist nicht mehr das &#8222;Modell&#8220; f&#252;r stabilen und wohlhabenden   Kapitalismus. Elemente Afrikas und Lateinamerikas kommen nach Europa.   Die Ereignisse werden sich in den verschiedenen europ&#228;ischen L&#228;ndern   unterschiedlich schnell entwickeln, aber niedriges Wachstum,   K&#252;rzungspakete und politische und soziale Krisen werden dominieren.<\/p>\n<p>  Wir m&#252;ssen uns auf eine langgezogene Periode des Widerstandes   einstellen. Die Arbeiterklasse kann wegen der Abwesenheit starker   Arbeiterparteien und den zahlenm&#228;&#223;ig noch bescheidenen Kr&#228;ften des   Marxismus vor&#252;bergehend zur&#252;ckgedr&#228;ngt werden oder sogar Niederlagen   erleiden. Von gro&#223;er Bedeutung ist, dass die die Bewegung in Europa   bereits jetzt eine starke internationale Dimension hat. Studierende in   Griechenland werden durch Studierende in Britannien inspiriert, die   wiederum glauben, dass sie k&#228;mpfen k&#246;nnen &#8222;wie in Frankreich&#8220;.   Erbitterter Widerstand kann sich aber auch an anderen Fragen entwickeln,   wie die &#8222;Stuttgart 21&#8220;-Bewegung in Deutschland zeigt.<\/p>\n<p>  Die gemeinsame Eigenschaft aller neuen linken Formationen ist eine   ideologische und organisatorische Schw&#228;che. Verbalradikale Programme   reichen nicht aus. Die kapitalistische Krise muss mit einem Programm   beantwortet werden, dass die Zur&#252;ckweisung der Staatsschulden, die   Verstaatlichung der Banken und die &#220;bernahme der gro&#223;en Konzerne in   &#246;ffentliches Eigentum unter der Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden   Bev&#246;lkerung beinhaltet.<\/p>\n<p>  Das CWI wird weiterhin einen Beitrag leisten, linke Formationen im   Interesse von Lohnabh&#228;ngigen, Erwerbslosen und Jugendlichen aufzubauen.   Wo sich M&#246;glichkeiten ergeben ein Wahlb&#252;ndnis zu st&#228;rken, wie mit der   Gr&#252;ndung der Vereinigten Linksallianz in Irland, werden wir daran   teilnehmen. Es besteht eine reale M&#246;glichkeit, bei der bevorstehenden   Wahl in Irland Sitze im Dail (dem irischen Parlament) zu gewinnen. Wie   sich bereits gezeigt hat, konnte das CWI mit einem Abgeordneten im   Europaparlament, Joe Higgins, in K&#228;mpfen einen echten Unterschied machen.<\/p>\n<p>  In der Zukunft werden neue Fragen gestellt werden, nicht zuletzt die des   m&#246;glichen Zerfalls der Eurozone oder ihres Umbaus in ein Kerneuropa.   Unsere Antwort auf dieses System ist die Forderung nach den Vereinigten   Sozialistischen Staaten von Europa.<\/p>\n<p>  &#8222;Alles Stehende und St&#228;ndige verdampft&#8220;, schrieben Marx und Engels im   Manifest der Kommunistischen Partei als Beschreibung der   Ver&#228;nderlichkeit sozialer Beziehungen und des Lebens an sich. Diese   Worte hallen im neuen Europa wieder &#8211; was vorher existierte, ist nicht   mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht von der Diskussion zu Europa beim 10. 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