{"id":14013,"date":"2010-12-18T00:00:00","date_gmt":"2010-12-18T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14013"},"modified":"2010-12-18T00:00:00","modified_gmt":"2010-12-18T00:00:00","slug":"14013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/14013\/","title":{"rendered":"Der heilige Heiner und das Wunder von Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p>  Ein Weihnachtsm&#228;rchen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Es begab sich in einer Stadt und einem Land in dem jahrhundertelang die   F&#252;rsten, Landesv&#228;ter und Stadtoberen unangefochten geherrscht hatten. So   manchen Unsinn hatten sie verf&#252;gt und immer musste das Volk daf&#252;r   bezahlen.<\/p>\n<p>  Manchmal hatte die Menschen gemurrt aber am Ende waren sie brave   Untertanen geblieben und hatten sich in ihr Schicksal gef&#252;gt. Doch jetzt   wollte man ihnen auch noch das Wenige nehmen, was ihnen geblieben war:   den Kopfbahnhof, den Rest frische Luft, die sch&#246;nen B&#228;ume und ihre   Quellen.<\/p>\n<p>  Und die Untertanen standen auf, erst Dutzende, dann Tausende, dann   Zehntausende. Die Herrscher und die Stadtoberen lie&#223;en nichts   unversucht, um ihre Pl&#228;ne zu retten. Doch das Volk wurde nur noch   zorniger und entschlossener. Bald mussten die alten Potentaten sogar um   ihre Macht f&#252;rchten. Nur ein Wunder konnte ihnen jetzt noch helfen. Und   so wurde der heilige Heiner um Hilfe angerufen.<\/p>\n<p>  Der heilige Heiner erkannte, warum das Volk seinen Glauben an seine   Herrscher verloren hatte. Seit Jahrhunderten hatten diese regiert,   Volkes Wille hatte sie noch nie interessiert, ihr Auftreten war anma&#223;end   und hochm&#252;tig. Deshalb schonte er die Herrschenden in seinen Reden   nicht. Er k&#246;nne sie retten, versprach ihnen der heilige Heiner, aber sie   m&#252;ssten von ihrem hohen Ro&#223; steigen und mit dem Volk reden &#8211; &#246;ffentlich.<\/p>\n<p>  Und da geschah, was zuvor niemand f&#252;r m&#246;glich gehalten hatte. Gestern   noch hatten die Herrschenden das Volk beschimpft und verunglimpft, die   Menschen aus ihrem Park gepr&#252;gelt, ja selbst den Kindern Gewalt angetan,   einem der Aufbegehrenden sogar das Augenlicht genommen. Doch derselbe   Landesvater, dieselben Stadtoberen und ihre Kumpane begannen von einem   auf den anderen Tag mit Engelszungen zu reden. Sie taten, als h&#246;rten sie   zu und sie f&#252;hrten Gespr&#228;che &#8211; stundenlang.<\/p>\n<p>  Das Volk aber erfuhr auf diesem Wege, dass das was ihre Herrscher im   Herzen ihrer Stadt vorhatten, noch schlimmer war, als sie selber geahnt   hatten.<\/p>\n<p>  Auch der heilige Heiner konnte seine Augen davor nicht verschlie&#223;en. Da   war guter Rat teuer. Wie sollten die Herrschenden ihre Pl&#228;ne jetzt noch   gegen das Volk durchsetzen und obendrein ihr Gesicht waren?<\/p>\n<p>  Da erkannte der heilige Heiner, dass ein Wunder nicht reichen w&#252;rde.   Dazu brauchte es mehr als ein Wunder &#8211; ein Wunder plus.<\/p>\n<p>  Und er trat vor die Menschen von Stadt und Land und verk&#252;ndete ihnen   seine Vision:<\/p>\n<p>  Das erste Wunder sollte sein: Die B&#228;ume sollten erhalten bleiben und   doch weichen. Gesunde B&#228;ume m&#252;ssten &#252;ber Nacht krank oder altersschwach   werden, damit sie ruhigen Gewissens gef&#228;llt werden k&#246;nnten. Da staunten   die Menschen, denn so etwas hatten sie noch nie erlebt. Und uralte B&#228;ume   sollten verpflanzt werden und weiter wachsen. Da wunderten sich die   Menschen, denn das war noch niemals zuvor gelungen.<\/p>\n<p>  Die Frischluftschneise sollte bebaut werden und doch Frischluftschneise   bleiben. Der heilige Heiner wollte dem Wind befehlen, im Zickzack   zwischen den H&#228;userzeilen hindurch zu str&#246;men. Und wieder staunten die   Menschen, denn dass jemand den freien L&#252;ften ihren Weg aufzwingen kann,   hatten sie selbst von einem Heiligen noch nicht geh&#246;rt.<\/p>\n<p>  Damit nicht genug: Auf dem s&#252;ndhaft teuren Boden sollten Wohnungen   gebaut werden, f&#252;r Familien mit Kindern und alte Menschen und zu   erschwinglichen Preisen. Da staunten die Menschen noch mehr, denn im   ganzen Erdenrund war keine Innenstadt, in der es so etwas gegeben h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Aber dennoch war das nichts im Vergleich zu dem Wunder, welches im Falle   eines Feuers zu vollbringen sein w&#252;rde. Wenn sich bei&#223;ender Qualm und   eine H&#246;llenglut durch Tunnel und unterirdische G&#228;nge fressen w&#252;rden,   dann w&#252;rde der heilige Heiner den Alten und Lahmen zurufen: Steht auf   und rennt. Und alle, -die Gehbehinderten und die Sehbehinderten-, w&#252;rden   sich von ihren Rollst&#252;hlen und Rollatoren l&#246;sen, w&#252;rden ihre St&#246;cke und   Kr&#252;cken wegwerfen und sie w&#252;rden nicht nur wieder gehen k&#246;nnen &#8211; sie   w&#252;rden rennen wie selbst ein Gesunder noch nie gerannt ist.<\/p>\n<p>  Wahrlich das staunten alle Menschen die das h&#246;rten, denn auch die   &#196;ltesten und die Frommsten unter ihnen hatten noch nie zuvor von solch   einem Wunder geh&#246;rt und auch nicht in der Bibel gelesen.<\/p>\n<p>  Nachdem der heilige Heiner so zu den Menschen gesprochen hatte, da waren   einige unter ihnen, die verunsichert waren und die gar nicht mehr   wussten, ob sie das alles glauben sollten. Und sie sprachen mit ihren   Nachbarn, ihren Kollegen und Mitsch&#252;lerInnen. Und als sie feststellten,   dass niemand unter ihnen war, nicht einmal unter ihren entferntesten   Verwandten und Bekannten, der auch nur eines der Wunder schon mal erlebt   hatte, da kamen sie zu dem Schluss, dass es keine Wunder gibt und auch   keine Wunder plus.<\/p>\n<p>  Und fortan wollten sie sich wieder nur noch auf sich selbst verlassen.<\/p>\n<p>  (Georg K&#252;mmel)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ein Weihnachtsm&#228;rchen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14013"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14013"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14013\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14013"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14013"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14013"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}