{"id":14010,"date":"2010-12-15T00:00:00","date_gmt":"2010-12-15T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14010"},"modified":"2010-12-15T00:00:00","modified_gmt":"2010-12-15T00:00:00","slug":"14010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/14010\/","title":{"rendered":"&#8220;Es kommen riesige Klassenkonflikte.&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>  &#220;ber die Krise in Irland und die Gr&#252;ndung des neuen Linksb&#252;ndnisses. Ein   Interview mit Kevin McLoughlin.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b><i>Kevin McLoughlin ist nationaler Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der Socialist   Party in Irland und Koordinator der &#8216;Vereinten Linksallianz&#8217; (United   Left Alliance &#8211; ULA)<\/i><\/b><\/p>\n<h4>  Was steckt hinter dem so genannten Rettungsprogramm f&#252;r Irland und wird   es funktionieren?<\/h4>\n<p>  Der unmittelbare Grund war die Rettung von Schl&#252;sselbanken in den   wichtigsten EU-Staaten einschlie&#223;lich Deutschland, Frankreich und   Gro&#223;britannien. Es ging aber auch darum die Situation von Portugal und   Spanien auf den Finanzm&#228;rkten zu beruhigen und damit der Instabilit&#228;t   des Euro entgegen zu wirken.<\/p>\n<p>  Angela Merkels Bemerkung, dass auch private Anleger f&#252;r einen Teil der   Verluste, die aus der Banken- und Schuldenkrise entstanden sind,   &#252;bernehmen sollen, provozierte eine Reaktion der &#8220;M&#228;rkte&#8221;, die ein   Rettungspaket erzwangen, damit sie ausgezahlt werden. Die EU hat sich   dem Diktat der M&#228;rkte gebeugt.<\/p>\n<p>  Die irischen Banken, die faktisch insolvent und von den internationalen   Geldm&#228;rkten ausgeschlossen sind, standen kurz vor einen neuen Crash, der   wiederum sofort die europ&#228;ischen Gl&#228;ubigerbanken und auch die   Europ&#228;ische Zentralbank, die ihnen in der letzten Zeit 90 Milliarden   Euro gegeben hatten, getroffen h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Wirklich funktioniert hat das Rettungspaket bisher nicht, der Euro und   auch Portugal und Spanien sind weiterhin sehr instabil. Kurz- und   mittelfristig gibt es keinen Motor, der die irische Wirtschaft wieder   ins Laufen bringen k&#246;nnte. Das vom Parlament beschlossene Sparprogramm   wird au&#223;erdem die Krise versch&#228;rfen. Das Rettungspaket hat also keine   Verbesserung der Situation in Irland zur Folge, sondern wird die   Schuldenkrise nur versch&#228;rfen und eine Zahlungsunf&#228;higkeit ist   unausweichlich.<\/p>\n<h4>  Das Sparpaket ist massiv. Was wird es f&#252;r die arbeitende Bev&#246;lkerung und   die Jugend in Irland bedeuten?<\/h4>\n<p>  Der am 7. Dezember beschlossene Haushalt beinhaltet K&#252;rzungen von sechs   Milliarden Euro, weitere neun Milliarden Euro sollen in den n&#228;chsten   drei Jahren folgen. Bis 2017 will die Regierung die Staatsausgaben um   fast 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 2007 gek&#252;rzt haben!<\/p>\n<p>  Und das obwohl Irland schon jetzt in einer schlechteren   Ausgangssituation hinsichtlich &#246;ffentlicher Dienstleistungen im   Vergleich zu anderen Staaten der Eurozone ist. Die K&#252;rzungen werden   katastrophale Auswirkungen auf das Leben der Bev&#246;lkerung haben. Irland   w&#252;rde zur wirtschaftlichen Ein&#246;de werden, die Erwerbslosigkeit w&#252;rde auf   weit &#252;ber zwanzig Prozent steigen. Die Masse der Jugend hat nur noch   zwei Alternativen: auswandern oder k&#228;mpfen.<\/p>\n<h4>  Wie sieht die Reaktion in der Arbeiterklasse bisher aus? Es gab ja eine   erste gro&#223;e Demonstration. Werden wir in Irland eine Revolte sehen, wie   es sie in Griechenland gab?<\/h4>\n<p>  Am 27. November demonstrierten in Dublin 70.000 gegen den von der EU und   IWF aufgezwungenen Sparplan. Wenn es nicht eiskalt gewesen w&#228;re und   gehagelt h&#228;tte, weswegen viele Leute nicht zur Demonstration anreisen   konnten, w&#228;re die Demo noch viel gr&#246;&#223;er geworden.<\/p>\n<p>  Die Stimmung und das Bewusstsein der Teilnehmer war bedeutend. Obwohl es   nat&#252;rlich einen Wunsch nach Einheit gibt, hat ein gro&#223;er Teil der   Demonstranten die Gewerkschaftsf&#252;hrer ausgepfiffen, weil diese unt&#228;tig   waren. Immer wieder wurden diese mit Sprechch&#246;ren &#8220;haut ab!&#8221;   konfrontiert.<\/p>\n<p>  Die Socialist Party hat mehr als 500 Exemplare ihrer Zeitung &#8216;The   Socialist&#8217; verkaufen k&#246;nnen und 5.000 Menschen nahmen an der   alternativen Kundgebung teil, die stattfand nachdem die   Gewerkschaftsf&#252;hrer die Stra&#223;e wieder verlassen hatten. Unsere Forderung   nach einem eint&#228;gigen Generalstreik erhielt eine enthusiastische   Unterst&#252;tzung bei dieser Kundgebung.<\/p>\n<p>  Da die Gewerkschaftsf&#252;hrung keine Strategie f&#252;r den Widerstand anbietet   und es im Februar sehr wahrscheinlich zu Neuwahlen kommen wird, ist zu   erwarten, dass die erste Reaktion der Bev&#246;lkerung auf das   K&#252;rzungsprogramm darin bestehen wird, die aus der b&#252;rgerlichen Fianna   Fail und den Gr&#252;nen bestehende Regierung bei den Wahlen abzustrafen.   Aber Widerstand gegen die K&#252;rzungen wird unausweichlich kommen und wir   werden in den n&#228;chsten Monaten und Jahren riesige Klassenkonflikte   erleben.<\/p>\n<h4>  Wie wird die Linke auf die vorgezogenen Neuwahlen reagieren?<\/h4>\n<p>  Vor einigen Monaten haben wir von der Socialist Party eine Diskussion   &#252;ber eine gemeinsame Kandidatur linker und sozialistischer Kr&#228;fte   angesto&#223;en. Am 29. November wurde die &#8216;Vereinte Linksallianz&#8217; (ULA &#8211;   United Left Alliance) auf einer &#252;berf&#252;llten Veranstaltung mit 400   Menschen, wieder bei katastrophalem Wetter, gegr&#252;ndet.<\/p>\n<p>  Die Vereinte Linksallianz besteht aus der Socialist Party, dem B&#252;ndnis   &#8216;Menschen vor Profite&#8217; und der Arbeiter- und Arbeitslosen-Aktionsgruppe   in Tipperary. Die ULA hat jetzt schon viel Interesse geweckt und wird   sehr wahrscheinlich in mehr als der H&#228;lfte der 42 Wahlkreise in Irland   KandidatInnen und Kandidaten aufstellen.<\/p>\n<p>  Wir werden in den n&#228;chsten Wochen sehen, wie sich die ULA entwickeln   wird, aber wir sind sicher, dass jetzt der richtige Zeitpunkt f&#252;r diese   Initiative ist. Die ULA wird alle Formen von Sparpolitik und K&#252;rzungen   ablehnen, spricht sich f&#252;r eine Nichtzahlung der Schulden an die   Profiteure der Jahre des Aufschwungs und der Gl&#228;ubiger aus, fordert die   Verstaatlichung der Banken und ein Investitionsprogramm in den Bereichen   Infrastruktur und Soziales, um die Bed&#252;rfnisse der Menschen zu   befriedigen und hunderttausende Arbeitspl&#228;tze zu schaffen. Die ULA   fordert auch das demokratische, &#246;ffentliche Eigentum am Reichtum und den   Ressourcen des Landes.<\/p>\n<p>  Zur Zeit gibt es im irischen Parlament keinen linken oder   sozialistischen Abgeordneten. Nur ins Europaparlament ist mit Joe   Higgins ein Mitglied der Socialist Party gew&#228;hlt worden. Die ULA hat   jetzt die Chance eine Gruppe von Abgeordneten zu bekommen und angesichts   der Krise und der Aussicht darauf, dass die Labour Party in der n&#228;chsten   Regierung vertreten sein wird, kann sie zu einem starken Attraktionspol   zur Mobilisierung des Widerstands und zur Schaffung einer neuen Partei,   die wirklich die Interessen der Arbeiterklasse vertritt. Das k&#246;nnte   schon in der nahen Zukunft gro&#223;e Auswirkungen auf die irische   Gesellschaft haben.<\/p>\n<h4>  Was sind die Forderungen der Socialist Party?<\/h4>\n<p>  Zus&#228;tzlich zu den Forderungen der ULA sagen wir, dass die Abh&#228;ngigkeit   von den M&#228;rkten f&#252;r Investitionen und Arbeitspl&#228;tze beendet werden muss.   Die Investitionen sind um 50 Prozent zur&#252;ck gegangen. Bevor die Bosse   wieder ernsthaft in die irische Wirtschaft investieren werden, werden   ganze Generationen in der Arbeitslosigkeit verk&#252;mmern.<\/p>\n<p>  Wir m&#252;ssen das kapitalistische Eigentum an dem Reichtum und den   Ressourcen der Gesellschaft abschaffen und brauchen eine sozialistische   Politik, die die Wirtschaft nach den Bed&#252;rfnissen der Menschen statt   nach den Profiterwartungen demokratisch plant. Die Finanzm&#228;rkte, Banken   etc. m&#252;ssen in demokratisches &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt werden,   aber das bedarf der vereinten internationalen Aktion der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>  Wir treten ein f&#252;r die koordinierte Aktion aller Arbeiter in ganz Europa   gegen die K&#252;rzungspolitik der EU und f&#252;r eine sozialistische F&#246;deration   der europ&#228;ischen Staaten. Das ist der einzige Ausweg aus dem Desaster.<\/p>\n<p>  <b><i>Das Gespr&#228;ch f&#252;hrte Sascha Stanicic.<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#220;ber die Krise in Irland und die Gr&#252;ndung des neuen Linksb&#252;ndnisses. 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