{"id":13995,"date":"2010-12-01T00:00:00","date_gmt":"2010-11-30T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13995"},"modified":"2012-07-02T18:46:08","modified_gmt":"2012-07-02T16:46:08","slug":"13995","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/13995\/","title":{"rendered":"Jobbik-Partei sch&#228;ndet Statue des ersten ungarischen Pr&#228;sidenten"},"content":{"rendered":"<p>  Der 16. November 2010 war kein Grund zum Feiern in Ungarn, obwohl an   diesem Tag vor 91 Jahren die erste Republik ausgerufen wurde.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der Grund ist, dass an diesem Tag die Statue von Mihaly Karolyi in der   N&#228;he des ungarischen Parlaments in Budapest durch die rechte   Jobbik-Partei gesch&#228;ndet wurde. Die Jobbik-Partei hing der Statue ein   Schild um mit der Aufschrift &#8222;Ich bin Schuld an Trianon&#8220; und setzte dem   Abbild des ersten ungarischen Pr&#228;sidenten eine Kippah auf.<\/p>\n<p>  <i>von Konstantin Schmied, z.Zt. Budapest<\/i><\/p>\n<h4>  Weshalb sch&#228;ndet die Jobbik-Partei diese Statue?<\/h4>\n<p>  Mihaly Karolyi, aus dem b&#252;rgerlichen Lager kommend, war nach dem Ersten   Weltkrieg der erste b&#252;rgerliche Pr&#228;sident Ungarns. Nicht nur das ist f&#252;r   die faschistische Jobbik-Partei Grund genug seine Statue zu sch&#228;nden,   sondern auch Karolyis Beitrag an der Unterzeichnung des   Trianon-Vertrages durch Ungarn nach dem Ende des ersten Weltkrieges.<\/p>\n<h4>  Welche Rolle spielte bei dieser Gewalttat der durch die Jobbik-Partei   verbreitete Nationalismus?<\/h4>\n<p>  Im Trianon-Vertrag wurden f&#252;r Ungarn umfangreiche Gebietsabtretungen   (Slowakei, Transsylvanien, Kroatien und weitere Teile), Reparationen und   weitere Einschr&#228;nkungen festgelegt. Die Jobbik-Partei nutzt dieses   Ereignis f&#252;r ihre revanchistische Politik mit dem Ziel, alle Ungarn in   einem &#8222;Gro&#223;ungarn&#8220; zu vereinen. Mihaly Karoly gilt in den Augen der   Jobbik-Partei als ein Verr&#228;ter &#8222;Gro&#223;ungarns&#8220;. So hei&#223;t es in einem   Bericht des rechtsextremen Szent Korona Radio(s), dass &#8222;(d)er Politiker   (&#8230;) weder Statue noch Kr&#228;nze (verdiene)&#8220;, da er &#8222;die 900j&#228;hrige   Ungarische Apostolische Monarchie gest&#252;rzt&#8220; habe.<\/p>\n<h4>  Arbeiten ungarischer Nationalismus und rechter Populismus Hand in Hand?<\/h4>\n<p>  Neben dem Kampf gegen die ohnehin schon schwachen Linken dient die   Sch&#228;ndung der rechtsextremen Jobbik-Partei auch dazu, ihre gef&#228;hrlichen   nationalistischen Hetzparolen in der Bev&#246;lkerung zu verbreiten. Die   Popularit&#228;t dieser Partei spiegelt sich darin wieder, dass die Sch&#228;ndung   der Statue nicht im Schutze der Nacht stattfand, sondern am helllichten   Tage auf einer von der Budapester Polizei zugelassenen Demonstration zum   Gedenken an den adligen Hitler-Verb&#252;ndeten Horthy. Schlie&#223;lich versuchte   (sogar) eine Gruppe, die Statue mit Seilen umzurei&#223;en. Dieses Vorgehen   macht deutlich, dass die Jobbik bereit ist, ihr rechtsradikales   &#8222;Gedankengut&#8220; handgreiflich durchzusetzen, um ihre nationalistische   Position in Ungarn zu st&#228;rken.<\/p>\n<h4>  Wie reagierten verschiedene antifaschistische Str&#246;mungen auf diesen   verbrecherischen Akt?<\/h4>\n<p>  Es gab linke Gruppen wie &#8222;uj spartacus&#8220;, die bereits am Tag der   Sch&#228;ndung versucht haben, eine Gegendemonstration zu organisieren. Diese   Demonstration wurde von der Budapester Polizei verboten, weil, so die   Begr&#252;ndung, ein gro&#223;es Polizeiaufgebot die &#8222;Ruhe in der Stadt und den   Stra&#223;enverkehr beeintr&#228;chtigten w&#252;rde. Ein Linker versuchte trotz des   f&#252;r die Linken ausgesprochenen Demonstrationsverbots auf die rechte   Demonstration zu gelangen, um gegen die Verunglimpfung des   demokratischen Politikers Mihaly Karoly zu protestieren. Daraufhin wurde   er von den rechten Ordnern angegriffen. Die Polizei sah tatenlos zu.   Dieses Ereignis macht deutlich, dass es in Ungarn zwar einen wagemutigen   linken Kern gibt, aber auch eine Polizei, die auf dem rechten Auge blind   ist.<\/p>\n<p>  Steht das Vorgehen der Budapester Polizei im Zusammenhang mit einem   Gesetz, das die Leugnung kommunistischer Verbrechen unter Strafe stellt   und ein h&#228;rteres Vorgehen gegen Linke rechtfertigen k&#246;nnte? Dieses   Gesetz lie&#223;e sich n&#228;mlich ebenfalls auf prosozialistische Gruppen   ausdehnen.<\/p>\n<h4>  Linke sollten trotz Verbot demonstrieren!!!<\/h4>\n<p>  Einige Tage sp&#228;ter fanden zwei Gegendemonstrationen statt, die eine am   21. und die andere am 25. November. Auf der Demo am 21. November befand   ich mich haupts&#228;chlich unter &#228;lteren Menschen. Junge Menschen, so   versicherte mir ein deutschsprachiger Antifaschist, nehmen an solchen   Demonstrationen kaum teil. Die Kundgebung war ein Zeichen daf&#252;r, dass   sich breite Teile der Gesellschaft gegen die Rechte wehren wollen und   sich die Linken mit j&#252;dischen Bewegungen solidarisieren. Einen   Demonstrationsumzug gab es leider nicht, so war die Veranstaltung recht   schnell beendet.<\/p>\n<p>  Diese Ereignisse machen einmal mehr deutlich, dass es in Ungarn an einer   Partei fehlt, die aufrichtig f&#252;r Sozialismus k&#228;mpft und alle   k&#228;mpferischen Str&#246;mungen vereint. Denn ohne eine schlagkr&#228;ftige   sozialistische Partei werden die Rechten ihren Siegeszug fortsetzen. Das   was auf der Horthy-Gedenkveranstaltung mit den linken Gegendemonstranten   passierte, ist nur ein Vorgeschmack dessen, was passieren wird, wenn die   Jobbik-Partei mehr Einfluss gewinnen w&#252;rde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der 16. 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