{"id":13962,"date":"2010-11-05T00:00:00","date_gmt":"2010-11-05T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13962"},"modified":"2010-11-05T00:00:00","modified_gmt":"2010-11-05T00:00:00","slug":"13962","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13962\/","title":{"rendered":"Wer protestiert gegen Stuttgart 21?"},"content":{"rendered":"<p>  Die Proteste gegen Stuttgart 21 aus der Sicht der Meinungsforschung<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am 18. Oktober erhielten 1.500 TeilnehmerInnen der Montagsdemo gegen   Stuttgart 21 einen Fragebogen des Wissenschaftszentrum Berlin f&#252;r   Sozialforschung (WZB). Obwohl die Befragten nur eine kurze Frist zum   Ausf&#252;llen des umfangreichen Fragebogens hatten, haben 54 Prozent ihn   zur&#252;ckgesendet. Am 27. Oktober wurden erste Ergebnisse ver&#246;ffentlicht   und in der Stuttgarter Presse ausf&#252;hrlich diskutiert. In den Kommentaren   der online-Ausgaben der Presse haben LeserInnen Ergebnisse angezweifelt,   die mit ihrer Wahrnehmung nicht &#252;berein stimmten. Sicherlich sind die   TeilnehmerInnen der Montagsdemo kein Spiegelbild der GegnerInnen von   Stuttgart 21 insgesamt, sondern eine besonderes aktive Schicht innerhalb   der GegnerInnen. Und nat&#252;rlich kommen auch nicht zu allen Montagsdemos   die gleichen Leute. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass die Umfrage   einigen Aufschluss gibt &#252;ber die Schicht der &#8222;MontagsdemonstrantInnen&#8220;.   Und da wir als MarxistInnen regelm&#228;&#223;ig an den Montagsdemos teilnehmen,   lohnt es sich f&#252;r uns, uns die Ergebnisse anzuschauen &#8211; und zwar das vom   WZB ver&#246;ffentlichte Handout im <a href=\"http:\/\/www.wzb.eu\/aktuell\/pdf\/Handout_final.pdf\">Original<\/a>,   weil wir uns als MarxistInnen doch manchmal f&#252;r andere Daten   interessieren als die b&#252;rgerlichen Medien.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein<\/i><\/h4>\n<p>  Ein interessanter Aspekt ist auch, dass das WZB bereits bei der   Anti-Irakkrieg-Demonstration am 15. Februar 2003 und bei 4   Hartz-Demonstrationen (in Berlin, Leipzig, Magdeburg und Dortmund) am   13. September 2004 Fragebogen verteilt hat und teilweise die Ergebnisse   vergleicht.<\/p>\n<h4>  Alterszusammensetzung<\/h4>\n<p>  In der Presse ist stark betont worden, dass der Anteil der RentnerInnen   nicht so hoch sei. Nach der Umfrage betrug der Anteil der &#252;ber   64-J&#228;hringen 15 Prozent, das ist deutlich niedriger als ihr Anteil an   der Bev&#246;lkerung (20 Prozent), aber deutlich h&#246;her als an den   Hartz-Protesten (10 Prozent) oder der Irak-Demo (8 Prozent). Aber wer   hat denn die Bewegung gegen Stuttgart 21 als Bewegung von RentnerInnen   dargestellt? Das war ein Teil der Pro-Stuttgart-21-Propaganda, die   Stuttgart 21 gebetsm&#252;hlenartig als &#8222;modern&#8220; ausgibt, ohne zu erkl&#228;ren,   was daran modern sein soll, einen leistungsf&#228;higen Bahnhof durch einen   weniger leistungsf&#228;higen zu ersetzen. Im Gegenzug wurde der Protest als   Bewegung von RentnerInnen dargestellt, die sich dem Fortschritt entgegen   stellen. Aber von Zeitungen, die zur S&#252;dwestdeutschen Medienholding   geh&#246;ren, also zur Stuttgart-21-Mafia, wird man jetzt wohl keine   Selbstkritik erwarten k&#246;nnen. Richtig ist allerdings, dass bei   Protestaktionen, die anders als die Montagsdemos zu Zeiten stattfinden,   an denen die meisten Erwerbst&#228;tigen arbeiten m&#252;ssen, der Anteil von   RentnerInnen relativ hoch ist.<\/p>\n<p>  Aus der Umfrage ergibt sich, dass der Anteil von jungen Menschen (unter   25) immer noch verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig gering ist, was sich mit unserer   Erfahrung deckt. Nach der Umfrage waren es 7 Prozent, w&#228;hrend ihr Anteil   an der Gesamtbev&#246;lkerung (und an den TeilnehmerInnen der Irak-Demo) 25   Prozent betr&#228;gt. Am auff&#228;lligsten ist aber, dass sich die   Alterszusammensetzung der Stuttgart-21-Proteste und der Hartz-Proteste   kaum unterscheidet. Die &#220;bereinstimmungen sind wirklich verbl&#252;ffend   angesichts des zeitlichen Abstands und der thematischen etc.   Unterschiede.<\/p>\n<h4>  Klassenzusammensetzung<\/h4>\n<p>  In den Medien und auch von gro&#223;en Teilen der Bewegung gegen Stuttgart 21   wurde oft von einer &#8222;b&#252;rgerlichen Bewegung&#8220; und &#8222;b&#252;rgerlichem Protest&#8220;   geschrieben. Wir haben dagegen betont: &#8222;In der Bundesrepublik geh&#246;ren   &#252;ber 90 Prozent aller im erwerbsf&#228;higen Alter heute zur Arbeiterklasse,   zur Klasse der Lohnabh&#228;ngigen. Allein deshalb m&#252;ssen bei Protesten von   10.000, 20.000 und mehr auch Teile der arbeitenden Bev&#246;lkerung vertreten   sein. Schon bei den Montagsdemonstrationen im letzten Halbjahr, vor dem   Anschwellen der Proteste, waren viele Besch&#228;ftigte unter den   TeilnehmerInnen. Weniger Metallarbeiter, vor allem LehrerInnen,   Sozialarbeiter oder Angestellte waren anwesend.&#8220; (<a href=\"\/?p=13838\">Aron   Amm, Aufruhr in Stuttgart, 21. 8. 2010<\/a>) Jetzt best&#228;tigt die Umfrage   diese Einsch&#228;tzung: Die gr&#246;&#223;te Gruppe sind einfache Angestellte und   BeamtInnen (27,49 Prozent), die n&#228;chste Gruppe sind leitende Angestellte   und BeamtInnen (15,01 Prozent). Da in der Umfrage Angestellten und   BeamtInnen nur die beiden Kategorien &quot;einfach&quot; und &quot;leitend&quot; zur Auswahl   gestellt wurden, k&#246;nnen wir davon ausgehen, dass bei den 15,01 Prozent   auch z.B. Abteilungsleiter oder Meister enthalten sind, die zu den   Oberschichten der Arbeiterklasse zu rechnen sind. Die n&#228;chstgr&#246;&#223;ere   Gruppe sind Hausfrauen und -m&#228;nner (14 Prozent), von denen die meisten   sicher nicht Ehefrauen und -m&#228;nner von KapitalistInnen sein d&#252;rften.   FreiberuflerInnen machen nur 12,61 Prozent aus, Arbeitgeber in Betrieben   bis 10 Besch&#228;ftigte 2,52 Prozent, Arbeitgeber in Betrieben &#252;ber 10   Besch&#228;ftigte nur 1,01 Prozent. Auf der anderen Seite sind 9,71 Prozent   arbeitslos. Allerdings bezeichnen sich nur 3,28 Prozent als   FacharbeiterInnen, 0,5 Prozent als ungelernte ArbeiterInnen und 0,13   Prozent als VorarbeiterInnen. Das h&#228;ngt sicher mit dem geringen Anteil   von Besch&#228;ftigten des produziernden Gewerbes zusammen (siehe unten)<\/p>\n<p>  Wenn CDU-Politiker die Bewegung als Bewegung von Hartz-IV-Empf&#228;ngern   darstellen, ist das genauso absurd, wie wenn SPD-Politikern sie als   Bewegung der Halbh&#246;he darstellen (da Stuttgarts Innenstadt in einem   Talkessel liegt, liegen die &#8222;besseren&#8220; Wohngebiete in Halbh&#246;henlage).   Das sagt aber viel &#252;ber die Zielgruppen aus, die diese beiden Fl&#252;gel der   Stuttgart-21-Mafia mit ihrer Demagogie erreichen wollen: Die CDU will   auf Bild-Zeitungs-Niveau an Vorurteile gegen angebliche   &#8222;Sozialschmarotzer&#8220; ankn&#252;pfen; von der Vergangenheit der SPD als   Arbeiterpartei ist nur noch &#252;brig, dass sie zum Schutz der Profite von   Baukonzernen und Immobilienspekulanten ArbeiterInnen gegen eine Bewegung   zu hetzen versucht, deren AktivistInnen mehrheitlich ebenfalls als   Lohnabh&#228;ngige oder Arbeitslose oder RentnerInnen zur Arbeiterklasse   geh&#246;ren.<\/p>\n<p>  Auch unsere Einsch&#228;tzung der Branchenzusammensetzung wird von der   Umfrage best&#228;tgt: 29,83 Prozent sind im &#214;ffentlichen Dienst t&#228;tig, 8,01   Prozent in Handel, Gastgewerbe und Verkehr, 28,18 Prozent in sonstigen   Dienstleistungen. Dagegen sind nur 14,01 Prozent im produzierenden   Gewerbe t&#228;tig. Angesichts des hohen Anteils von Autoindustrie und   Maschinenbau in der Region Stuttgart besteht da offensichtlich ein   Missverh&#228;ltnis. Fast 59 Prozent der 814 Befragten (und 66 Prozent der   724 Befragten, die diese Frage beantwortet haben) arbeiten im   Dienstleistungsbereich. Wenn wir davon FreiberuflerInnen etc. abziehen,   d&#252;rften fast die H&#228;lfte der MontagsdemonstrantInnen zur Klientel von   ver.di (oder GEW etc.) geh&#246;ren. Um so unverst&#228;ndlicher ist es, dass   ver.di auf der einen Seite die Proteste gegen Stuttgart 21 unterst&#252;tzt,   auf der anderen Seite gegen die K&#252;rzungspolitik der Regierung   mobilisiert, aber beides kaum verbindet.<\/p>\n<h4>  Die Linke<\/h4>\n<p>  F&#252;r Die Linke muss die Umfrage ein Alarmsignal sein. Es wurden auch   Fragen gestellt, was die Befragten bei der letzten Bundes- bzw.   Landtagswahl gew&#228;hlt haben und bei der n&#228;chsten w&#228;hlen w&#252;rden. Es ist   bekannt, dass Menschen auf die Frage, was sie bei der letzten Wahl   gew&#228;hlt haben, nicht immer wahrheitsgem&#228;&#223; antworten. Bei   Meinungsumfragen unter der Gesamtbev&#246;lkerung kann man die   Befragungsergebnisse einfach mit den tats&#228;chlichen Wahlergebnissen   vergleichen und findet oft gro&#223;e Diskrepanzen. (Wenn Leute angeben, bei   der letzten Landtagswahl die Linke gew&#228;hlt zu haben, die damals noch   nicht existierte, 2006 kandidierte noch die WASG, best&#228;tigt das den   begrenzten Wert der Angabe.)<\/p>\n<p>  Deshalb kann man aus den Umfrageergebnissen nicht einfach auf   Wahlergebnisse schlie&#223;en &#8230; aber man kann doch annehmen, dass Leute bei   der Umfrage angeben, dass sie bei der letzten Wahl nicht Die Linke   gew&#228;hlt haben, es aber bei der n&#228;chsten tun w&#252;rden, wenn Die Linke in   der monate- und jahrelangen Bewegung einen positiven Eindruck auf sie   gemacht hat (schlie&#223;lich geben 56,5 Prozent an, im November 2009 oder   fr&#252;her gegen Stuttgart 21 aktiv geworden zu sein). Aber 11,1 Prozent   sagen, sie h&#228;tten bei der letzten Landtagswahl Die Linke gew&#228;hlt,   w&#228;hrend die Zahl der Befragten, die Die Linke w&#228;hlen w&#252;rden, wenn morgen   Landtagswahl w&#228;re, nur minimal h&#246;her ist (11,5 Prozent). Bei der   Bundestagswahl ist das Ergebnis sogar r&#252;ckl&#228;ufig: 15 Prozent sagen, sie   h&#228;tten Die Linke bei der letzten Wahl gew&#228;hlt, nur 13,2 Prozent w&#252;rden   sie w&#228;hlen, wenn morgen Bundestagswahl w&#228;re.<\/p>\n<p>  Das ist um so erschreckender, als die Antwort auf die Frage &#8222;Welche drei   Argumente gegen Stuttgart 21 sind f&#252;r Sie am wichtigsten?&#8220; eigentlich   eine Steilvorlage f&#252;r Die Linke sein m&#252;sste: am h&#228;ufigsten werden die   hohen Kosten von Stuttgart 21 genannt: 377 mal. Und bei aller Kritik hat   Die Linke relativ stark betont, dass f&#252;r Stuttgart 21 Geld ausgegeben   wird, das anderswo (Soziales, Bildung, Gesundheit etc.) fehlt. Schon das   zweith&#228;ufigste Argument ist: &#8222;Profit nur auf Seiten der Banken und   Baukonzerne&#8220; (271 mal genannt). Das m&#252;sst eigentlich Wasser auf die   M&#252;hlen der Linken sein, aber tats&#228;chlich hat Die Linke in ihrem Material   diesen Aspekt bisher kaum erw&#228;hnt, sondern Stuttgart 21 als schlechtes   Verkehrsprojekt statt als Profitprojekt behandelt.<\/p>\n<h4>  Was finden die DemonstrantInnen wichtig &#8230; und wozu gibt es   Kundgebungsreden? Und von wem?<\/h4>\n<p>  Die Antworten auf diese Frage sollten allerdings auch dem Aktionsb&#252;ndnis   insgesamt zu denken geben, denn sie zeigen, dass die Themen, die f&#252;r die   Demo-TeilnehmerInnen wichtig sind, bei den Reden auf den Montagsdemos   total unterbelichtet sind. Wann hat es einen ausf&#252;hrlichen Redebeitrag   zu den Profitinteressen hinter Stuttgart 21 bei einer Montagsdemo   gegeben? Jede Erw&#228;hnung solcher Zusammenh&#228;nge erh&#228;lt st&#252;rmischen Beifall   (man schaue sich nur das Video der Rede von Joe Higgins am 20. September   an), aber fast immer bleibt es bei Erw&#228;hnungen.<\/p>\n<p>  Und bei aller Kritik an der Linken. Die SPD schneidet verdienterma&#223;en   unvergleichlich schlechter ab. 18 Prozent sagen, sie h&#228;tten sie bei der   letzten Bundestagswahl gew&#228;hlt, 2,3 Prozent w&#252;rden sie w&#228;hlen, wenn am   n&#228;chsten Tag Bundestagswahl w&#228;re. 12,8 Prozent sagen, sie h&#228;tten sie bei   der letzten Landtagswahl gew&#228;hlt, 1,5 Prozent w&#252;rden sie w&#228;hlen, wenn am   n&#228;chsten Tag Landtagswahl w&#228;re. F&#252;r die MontagsdemonstrantInnen ist die   SPD zur Splitterpartei geworden. Aber trotzdem werden ihnen immer wieder   RednerInnen dieser Splitterpartei vorgesetzt.<\/p>\n<p>  Aber die gr&#246;&#223;te Kluft zwischen dem Bewusstsein der DemonstrantInnen und   dem Programm der Montagsdemos gibt es bei der Frage des zivilen   Ungehorsams (Blockaden etc.). Immerhin sagten 43,7 Prozent, dass sie an   direkten Aktionen teilgenommen haben, 22,4 Prozent gaben an, dass sie   das machen w&#252;rden. 33,9 Prozent machten keine Angaben. In der   Presseerkl&#228;rung des WZB wurde die Zahl genannt, dass 90 Prozent zu   Aktionen des zivilen Ungehorsams wie Blockaden bereit seien. Diese Zahl   findet sich nicht in den Tabellen im Handout, ist also offenbar ein   Vorgriff auf weitere Ver&#246;ffentlichungen des WZB. Mit einer n&#228;heren   Einsch&#228;tzung dieser Zahl werden wir wohl auf weitere Ver&#246;ffentlichungen   des WZB warten m&#252;ssen. Offensichtlich ist aber, dass es ein riesiges   Potenzial f&#252;r Aktionen wie Massenblockaden gibt, die notwendig sind, um   das Projekt wirklich zu stoppen. Dieses Potenzial besser auszusch&#246;pfen   als im Sommer, als wir den Abriss des Nordfl&#252;gels nur be- aber nicht   verhindern konnten, wird eine der wichtigsten Aufgaben der n&#228;chsten   Wochen und Monate sein. Wir haben als SAV verschiedene Vorschl&#228;ge daf&#252;r   gemacht: ausf&#252;hrliche Redebeitr&#228;ge bei Kundgebungen mit der Schilderung   von Erfolgen und dem Eind&#228;mmen &#252;bertriebener Angst vor rechtlichen   Folgen; Organisierung von zeitlich befristeten Blockaden mit dem Ziel,   sie zu unbefristeten Blockaden auszuweiten; bessere Organisierung mit   Stadtteil-, Betriebs-, Schul- etc. -gruppen, die Schichten bei Blockaden   &#252;bernehmen k&#246;nnen; Organisieren von Streiks, auch, um die Zeit zum   Blockieren zu haben. Der von der Jugendoffensive gegen Stuttgart 21   organisierte Sch&#252;lerstreik am 30. September hat exemplarisch gezeigt,   wie das funktionieren kann.<\/p>\n<h4>  Und die Gr&#252;nen?<\/h4>\n<p>  Die Gr&#252;nen sind die Partei, die am meisten von Stuttgart 21 profitiert.   Wie erw&#228;hnt, hat die Linke ihre Unterst&#252;tzung bei den   MontagsdemonstrantInnen nicht steigern k&#246;nnen, die Unterst&#252;tzung der SPD   ist kollabiert, FDP und CDU hatten nie viel Unterst&#252;tzung, sind jetzt   praktisch nichtexistent. Von daher ist es nicht &#252;berraschend, dass   &#252;berw&#228;ltigende Mehrheiten angeben, die Gr&#252;nen zu w&#228;hlen, wenn am   n&#228;chsten Tag Bundestags- (74,5 Prozent) oder Landtagswahlen (79,6   Prozent) w&#228;ren. Allerdings geben die Befragten auch mit relativer oder   absoluter Mehrheit an, bei den letzten Bundestags- (48,6 Prozent) oder   Landtagswahlen (61,1 Prozent) die Gr&#252;nen gew&#228;hlt zu haben.<\/p>\n<p>  Andere Angaben deuten aber darauf hin, dass diese Unterst&#252;tzung f&#252;r die   Gr&#252;nen keine feste Bindung, sondern eine taktische Beziehung ist. Die   Befragten sehen eine vor&#252;bergehende Interessenidentit&#228;t, wollen quasi   ein St&#252;ck des Weges gemeinsam gehen, mehr nicht. &#220;ber 80 Prozent stimmen   der Aussage zu: &#8222;Politische Parteien sind nur an meiner Stimme, aber   nicht an meinen Ideen interessiert.&#8220; (39,48 Prozent stimmen v&#246;llig zu,   41,21 Prozent stimmen eher zu). fast drei Viertel lehnen die Aussage ab:   &#8222;Wenn Leute wie ich ihre Meinung gegen&#252;ber Politikern kundtun, dann wird   diese Meinung auch ber&#252;cksichtigt.&#8220; (27,8 Prozent lehnen die Aussage   v&#246;llig ab, 47 Prozent lehnen sie eher ab, weitere 20 Prozent sind   neutral). 84 Prozent sind unzufrieden mit dem Funktionieren der   Demokratie in Deutschland. (Das Handout zitiert den   ARD-Deutschlandtrend, wonach im Juli 51 Prozent der Gesamtbev&#246;lkerung   Deutschlands so dachten.) Das ist nicht gerade eine passende Einstellung   f&#252;r &#252;berzeugte Anh&#228;ngerInnen einer etablierten Partei, die nach den   Meinungsumfragen in wenigen Monaten den gr&#246;&#223;ten Wahlsieg ihrer   Geschichte erwarten kann. Aber diese W&#228;hlerInnen sind eben meist keine   &#252;berzeugten Parteianh&#228;ngerInnen. So entsteht der scheinbare Widerspruch,   dass die gro&#223;e Mehrheit kein Vertrauen in die Politiker hat, aber nur   ein gutes Viertel deshalb &#8222;keinen Nutzen in Wahlen&#8220; sieht (27,9 Prozent   lehnen die Aussage v&#246;llig ab, 31,8 Prozent lehnen sie eher ab, 13,8   Prozent sind neutral) und noch viel weniger sagen, sie w&#252;rden nicht   w&#228;hlen, wenn am n&#228;chsten Tag Wahlen w&#228;ren. AktivistInnen betrachten die   Wahl der Gr&#252;nen als geeignetes Mittel, Stuttgart 21 zu stoppen und mehr   direkte Demokratie zu bekommen, haben aber meist keine tiefere Bindung   an diese Partei. Das entspricht unserer Erfahrung der letzten Monate,   dass die meisten Stuttgart-21-GegnerInnen auf sachlich begr&#252;ndete Kritik   an den Gr&#252;nen &#252;berhaupt nicht feindselig reagieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Proteste gegen Stuttgart 21 aus der Sicht der Meinungsforschung\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13962"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13962"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13962\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}