{"id":13952,"date":"2010-11-06T00:00:00","date_gmt":"2010-11-05T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13952"},"modified":"2012-05-15T14:54:20","modified_gmt":"2012-05-15T12:54:20","slug":"13952","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13952\/","title":{"rendered":"Antikapitalismus in rot-rot-gr&#252;nen Regierungen?"},"content":{"rendered":"<p>  LINKE-Programmkonvent und Regierungsfrage<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Was die grunds&#228;tzlichen Ziele angeht, die beim bundesweiten   Programmkonvent am 7. November in Hannover zur Debatte stehen, bleibt   der Programmentwurf der LINKEN zwar hinter den Anspr&#252;chen an ein   konsequentes sozialistisches Programm in der tiefsten Krise des   Kapitalismus seit 80 Jahren zur&#252;ck und verharrt, wenn er konkret wird,   im Rahmen des b&#252;rgerlichen Systems (so wird ein Bekenntnis zur EU   abgegeben). Dennoch hat sich DIE LINKE in ihrem Programmentwurf als   einzige Bundestagspartei auf die Seite der Lohnabh&#228;ngigen gestellt und   sich zur &#220;berwindung des Kapitalismus bekannt. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg, G&#246;ttingen <\/i><\/h4>\n<p>  Die Linkspartei tritt im Programmentwurf f&#252;r die Vergesellschaftung der   &quot;strukturbestimmenden Gro&#223;betriebe&quot; ein, will sie demokratischer   Kontrolle unterordnen und damit die Voraussetzungen f&#252;r eine neue,   sozialistische Gesellschaftsordnung schaffen.<\/p>\n<p>  Um von der politischen Krise zu profitieren, muss die Partei sich   allerdings viel st&#228;rker als bislang in die realen Proteste &#8211; ob gegen   Stuttgart 21, AKW-Politik oder K&#252;rzungen &#8211; einbringen und diese   vorantreiben. Zudem machen aber auch programmatische Aussagen, denen zu   Folge die DDR ein &quot;Sozialismusversuch&quot; gewesen sei, DIE LINKE   angreifbar. Sie m&#252;sste unmissverst&#228;ndlich klarstellen, dass ohne   demokratische Rechte &#8211; wie in der DDR &#8211; eine wirkliche Kontrolle der   Produzenten &#252;ber das &#246;ffentliche Eigentum und damit eine sozialistische   Gesellschaft unm&#246;glich war &#8211; und ist.<\/p>\n<h4>  Glaubw&#252;rdigkeit<\/h4>\n<p>  Das rechte &quot;Forum Demokratischer Sozialismus&quot; (fds) stellt den   antikapitalistischen Kern des Programmentwurfs radikal in Frage und   verteidigt die Marktwirtschaft. Richtschnur f&#252;r die Vorst&#246;&#223;e des fds   sind ausschlie&#223;lich taktische R&#252;cksichten auf die B&#252;ndnispartner der   LINKEN in bestehenden oder angestrebten Regierungskoalitionen. Das gilt   f&#252;r antimilitaristische Grunds&#228;tze, die bedenkenlos zur Disposition   gestellt werden, wenn sie der SPD nicht gefallen. Das gilt zum Beispiel   auch f&#252;r den Mindestlohn. DIE LINKE in Sachsen-Anhalt tritt in ihrem   Wahlprogramm nicht mehr &#8211; wie die Gesamtpartei &#8211; f&#252;r zehn Euro, sondern   &#8211; wie die SPD &#8211; f&#252;r 8,50 Euro ein. R&#252;cksichten auf eine Partei, die   jahrelang zum Lohn- und Sozialabbau aktiv beigetragen hat, sind f&#252;r   manche bereits in ihren Wahlzielen also wichtiger als das, was DIE LINKE   beschlossen hat. Was nach diesem vorauseilenden Gehorsam in   Koalitionsverhandlungen vom Programm der LINKEN &#252;brig bleibt, kann man   in Berlin oder Brandenburg besichtigen. Die unsoziale Regierungspraxis   ist die Hauptquelle f&#252;r die Glaubw&#252;rdigkeitsdefizite der LINKEN.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich ist es wichtig, die Frontalangriffe des fds auf den   antikapitalistischen Kern des Programmentwurfs abzuwehren. Wenn eine   Regierungskoalition mit den Parteien, die den sozialen Kahlschlag   organisiert haben, aber das zentrale Ziel der LINKEN f&#252;r 2013 sein   sollte, wie es das neue &quot;Strategiepapier&quot; von den Vorsitzenden Gesine   L&#246;tzsch und Klaus Ernst sowie Fraktionschef Gregor Gysi vorsieht,   untergr&#228;bt das zus&#228;tzlich die Glaubw&#252;rdigkeit dieser programmatischen   Ziele. Oder will jemand ernsthaft behaupten, dass DIE LINKE in einer von   SPD und Gr&#252;nen dominierten Bundesregierung der Vergesellschaftung der   Gro&#223;konzerne auch nur einen Schritt n&#228;her kommen kann? Das gilt f&#252;r die   programmatischen, aber auch f&#252;r die aktuellen Tagesforderungen. Wie will   DIE LINKE zum Beispiel glaubw&#252;rdig gegen Stuttgart 21 k&#228;mpfen, wenn sie   gleichzeitig zum &quot;Motor&quot; von Regierungsb&#252;ndnissen mit der SPD werden   m&#246;chte, die ausdr&#252;cklich an diesem Projekt festh&#228;lt?<\/p>\n<h4>  Keine Beteiligung an Regierungen mit Hartz-IV-Parteien<\/h4>\n<p>  In dem Programmentwurf werden als Bedingungen f&#252;r eine   Regierungsbeteiligung aufgef&#252;hrt: keine Privatisierungen, kein Sozial-   und Arbeitsplatzabbau, keine Kampfeins&#228;tze der Bundeswehr. Leider wird   diese Frage jedoch in keinen Zusammenhang zur sozialistischen   Ver&#228;nderung gesetzt. Es fehlt eine eindeutige Absage an den Gedanken,   mit pro-kapitalistischen Parteien das Profitsystem zu verwalten. Und es   wird nicht herausgestellt, dass der Platz einer sozialistischen Partei   in erster Linie an der Seite derjenigen sein muss, die sich gegen die   Herrschenden aktiv zur Wehr setzen. Sozialistische Politik auf   Regierungsebene ist nur denkbar, wenn DIE LINKE eine machtvolle Kraft   mit Massenbasis aufgebaut hat, wie das f&#252;r die SPD Ende des 19.   Jahrhunderts zutraf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      LINKE-Programmkonvent und Regierungsfrage\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[231],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13952"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13952"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13952\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13952"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13952"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13952"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}