{"id":13919,"date":"2010-10-10T11:00:00","date_gmt":"2010-10-10T11:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13919"},"modified":"2010-10-10T11:00:00","modified_gmt":"2010-10-10T11:00:00","slug":"13919","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/10\/13919\/","title":{"rendered":"&quot;Wir klagen an!&quot;"},"content":{"rendered":"<p>Stellungnahme von Stuttgarter Eltern zum Polizeieinsatz gegen ihre Kinder <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Unter dem Motto &#8222;Bildung statt Prestigebahnhof&#8220; sind 2.000 Sch&#252;lerinnen   und Sch&#252;ler am 30.9.2010 auf die Stra&#223;e gegangen. Die friedliche   Sch&#252;lerdemonstration wurde durch einen brutalen Polizeieinsatz im   Mittleren Schlossgarten beendet.<\/p>\n<p>  Unsere Kinder und wir sind von den Ereignissen schockiert. Kinder von   uns sind unter den bis zu 400 physisch Verletzten. Hinzu kommt die   seelische Verletzung bzw. Traumatisierung unserer Kinder.<\/p>\n<p>  Manche von uns waren Augenzeugen des brutalen Polizeieinsatzes im   Schlossgarten.<\/p>\n<p>  Wir widersprechen entschieden den Darstellungen der Polizei und der   Landesregierung &#252;ber die Ereignisse an diesem Tag. Wir halten fest, dass   die Gewalt im Schlossgarten ausschlie&#223;lich von der Polizei ausgegangen   ist. Das sind aus unserer Sicht die Fakten:<\/p>\n<p>  Der genehmigte Sch&#252;lerdemonstration wurde von der Polizei von Anfang an   behindert. Der zugewiesene Ansprechpartner der Polizei war f&#252;r die   Organisatoren der Sch&#252;lerdemo nicht pr&#228;sent und telefonisch nicht   erreichbar. Der Lautsprecherwagen wurde von der Polizei auf der   Schillerstra&#223;e eingekeilt. Die Demoorganisatoren konnten nur noch mit   Megaphon zu den Sch&#252;lern sprechen. <\/p>\n<p>  Sch&#252;ler, die mit einer Sitzblockade die Absperrung des Schlossgartens   zur F&#228;llung von B&#228;umen verhindern wollten wurden mit brutaler Gewalt   weggeschleift.<\/p>\n<p>  Sch&#252;ler, die ein Polizeiauto bekletterten wurden mit unglaublicher H&#228;rte   heruntergeholt. Einem Sch&#252;ler wurde z.B. der Fu&#223; verdreht. <\/p>\n<p>  Von k&#252;rzester Distanz wurde Pfefferspray gegen die friedlichen   Demonstranten eingesetzt<\/p>\n<p>  Das Wasser der Wasserwerfer wurde mit Tr&#228;nengas versetzt.<\/p>\n<p>  Der Wasserdruck wurde auf die H&#246;chststufe 20 bar eingestellt. Dies ist   nur erlaubt, wenn Fahrzeuge und Polizisten angegriffen werden.<\/p>\n<p>  Einem Rentner, der sich sch&#252;tzend vor die Sch&#252;ler stellte, wurde ein   Auge ausgeschossen und das andere schwer verletzt.<\/p>\n<p>  Ein Jugendlicher wurde mit einem Wasserwerfer aus einem Baum geschossen<\/p>\n<p>  Auch auf Sch&#252;ler, die nichtvon k&#252;rzester Distanz wurde Pfefferspray   gegen die friedlichen Demonstranten eingesetzt an der Blockade beteiligt   waren und weiter entfernt standen, wurde mit Wasserwerfern geschossen.<\/p>\n<p>  Sch&#252;ler wurden zu Boden gesto&#223;en, mit Faustschl&#228;gen und Schlagst&#246;cken   maltr&#228;tiert.<\/p>\n<p>  Sch&#252;ler und Erwachsene, die sich gegenseitig halfen und sch&#252;tzten,   wurden brutal attackiert<\/p>\n<p>  Es waren vier bis f&#252;nf mit gelben Warnwesten und der Aufschrift   &#8222;Polizei&#8220; bekleidete M&#228;nner als agent provocateurs eingesetzt, um   Jugendliche zur Gewalt anzustiften. Die Jugendlichen sind darauf nicht   eingegangen.<\/p>\n<p>  F&#252;r alle diese Vorkommnisse gibt es Augenzeugen und Videofilme.<\/p>\n<p>  Trotz dieser Faktenlage und obwohl das Innenministerium die Behauptung,   die Sch&#252;ler h&#228;tten Gewalt angewandt, kurz nach der Ver&#246;ffentlichung am   30.9.2010 wieder zur&#252;ckgenommen hat, behaupten Polizeipr&#228;sident Stumpf,   Ministerpr&#228;sident Mappus, Innenminister Rech und andere Politiker   weiter, die Sch&#252;ler h&#228;tten mit Pflastersteinen, Flaschen und Kastanien   geworfen.<\/p>\n<p>  Da an dem Tag aus verschiedenen Richtungen st&#228;ndig von der Polizei   gefilmt wurde, d&#252;rfte es nicht schwer sein, Beweise zu liefern, wenn es   sie g&#228;be. Die Sache ist klar: es gibt f&#252;r diese dreisten Behauptungen   keine Beweise. Deshalb konnten sie bei der Pressekonferenz der Polizei   am 5.10.2010 nicht vorgelegt werden.<\/p>\n<p>  Wenn Polizisten durch Pfeffersprays verletzt wurden, dann durch ihre   eigene Kollegen. Wenn Polizisten von Kastanien attackiert wurden, dann   deshalb weil die Kastanien durch Wasserwerfer aus den B&#228;umen geschossen   wurden und mit entsprechender Wucht auf Polizisten und Demonstranten   knallten.<\/p>\n<p>  Selbst wenn Sch&#252;ler mit Kastanien, Flaschen und Steinen geworfen h&#228;tten,   w&#228;re dies keine Rechtfertigung f&#252;r den Einsatz von Wasserwerfern,   Pfefferspray und Schlagst&#246;cken. An den Schulen gibt es ein System der   Streitschlichtung, bei dem unseren Kindern Gewaltvermeidung beigebracht   wird. Im Gegensatz dazu sagen unsere Politiker jetzt, dass der Wurf   einer Kastanie oder eines Steins mit Schlagst&#246;cken, Wasserwerfern und   Pfefferspray beantwortet werden m&#252;sste. Ist das die Vorbildfunktion f&#252;r   unsere Kinder?<\/p>\n<p>  Wir wehren uns auch gegen den Vorwurf wir Eltern w&#252;rden unsere Kinder   als &#8222;menschliche Schutzschilde&#8220; instrumentalisieren.<\/p>\n<p>  Der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Peter Hauk, hat z.B. erkl&#228;rt:<\/p>\n<p>  &#8222;Ich finde es unverantwortlich von M&#252;ttern und V&#228;tern, dass sie ihre   Kinder nicht nur mitnehmen, sondern auch in die erste Reihe stellen.&#8220;<\/p>\n<p>  F&#252;r wie bl&#246;d halten diese Politiker eigentlich uns Eltern und f&#252;r wie   bl&#246;d halten sie unsere Kinder?<\/p>\n<p>  Umgekehrt gibt es eine Instrumentalisierung f&#252;r Stuttgart 21, wenn<\/p>\n<p>  in Erdkundeb&#252;chern offen Stellung f&#252;r S 21 bezogen<\/p>\n<p>  Schulen von der Stadtverwaltung Briefe erhalten, dass sie doch bitte   Schulausfl&#252;ge in die Propagandaaustellung f&#252;r Stuttgart 21 im Turmforum   machen sollen in der Schulferienbetreuung Besuche in der Ausstellung   stattfinden sollen.<\/p>\n<p>  Die Sch&#252;ler, die am 30.9.2010 gestreikt und demonstriert haben, haben   das aus eigenem Entschluss und zum Teil mit gro&#223;em Mut gegen angedrohte   Repressalien von Schulleitern oder wie im Fall des Daimler-Gymnasiums   gegen Polizeieinsch&#252;chterung getan.<\/p>\n<p>  Im &#220;brigen weisen wir darauf hin, dass es f&#252;r das Demonstrations- und   Widerstandsrecht kein Mindestalter gibt.<\/p>\n<p>  Alle Erwachsenen, die bei der Demonstration dabei waren, konnten   erleben, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler aus &#220;berzeugung gehandelt   haben. Sie haben ihr positives und engagiertes Verh&#228;ltnis zu Natur und   Umwelt unter Beweis gestellt, indem sie sich der Abholzung des Mittleren   Schlossgartens in den Weg gestellt haben. Wir Eltern sind deshalb stolz   auf unsere Kinder und diese Sch&#252;lergeneration. Wir best&#228;tigen den   demonstrierenden Sch&#252;lern und den Organisatoren der &#8222;Jugendoffensive   gegen Stuttgart 21&#8220; gro&#223;e Besonnenheit gegen&#252;ber der Polizeiprovokation.   Sch&#252;ler unter 16 Jahren und Sch&#252;ler, die die Situation nicht aushalten   wollten und konnten, wurden von den Streik- und Demoorganisatoren   mehrmals verst&#228;ndnisvoll aufgefordert, sich von der Blockade   zur&#252;ckzuziehen.<\/p>\n<p>  Wir werden uns mit Anzeigen und allen anderen m&#246;glichen juristischen   Mitteln gegen den Polizeieinsatz am 30.9. zur Wehr setzen.<\/p>\n<p>  Wir fordern:<\/p>\n<p>  &#8211; Schluss mit der L&#252;ge, dass die Gewalt am 30.9.2010 von den Sch&#252;lern   ausgegangen sei.<\/p>\n<p>  &#8211; Schluss mit dem Vorwurf, Eltern w&#252;rden ihre Kinder instrumentalisieren<\/p>\n<p>  &#8211; Die Ver&#246;ffentlichung der Polizeivideos vom 30.9.2010.<\/p>\n<p>  Auskunft &#252;ber die Identit&#228;t und Funktion der M&#228;nner mit gelben   Warnwesten und der Aufschrift &#8222;Polizei&#8220;<\/p>\n<p>  Gegen&#252;berstellung der verletzten Sch&#252;ler und Erwachsenen mit den   Polizisten, die sie verletzt haben,<\/p>\n<p>  &#8211; Einen unabh&#228;ngigen Untersuchungsausschuss &#252;ber die Ereignisse im   Schlosspark mit Vertretern der Jugendoffensive, Parksch&#252;tzern,   Aktionsb&#252;ndnis, Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und   Polizisten<\/p>\n<p>  &#8211; Angemessene Schadensersatzzahlung an alle Verletzten durch das Land   Baden W&#252;rttemberg<\/p>\n<p>  &#8211; Keine Disziplinierung von Sch&#252;lern und Lehrern, die an der   Demonstration teilgenommen haben.<\/p>\n<p>  &#8211; Alle Schulb&#252;cher und Unterrichtsmaterialien mit Werbung f&#252;r S 21   m&#252;ssen aus dem Verkehr gezogen werden.<\/p>\n<p>  &#8211; Schulen und Ferienbetreuung d&#252;rfen nicht mehr aufgefordert werden, mit   Schulklassen die S-21-Ausstellung im Turmforum zu besuchen.<\/p>\n<p>  &#8211; Demokratische Diskussionen mit Bef&#252;rwortern und Gegnern von S 21 an   allen Schulen, damit sich alle Sch&#252;lerInnen und Sch&#252;ler, Lehrerinnen und   Lehrer selbst eine Meinung bilden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  &#8211; R&#252;cktritt von Polizeipr&#228;sident Stumpf, Innenminister Rech und   Ministerpr&#228;sident Mappus. Sie tragen die Verantwortung f&#252;r die   Gewaltexzesse und die Verletzten im Schlossgarten.<\/p>\n<p>  <i><b>Eltern von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern, die am 30.9.2010 bei der   Sch&#252;lerdemonstration beteiligt waren. Einige von uns sind selbst Zeugen   der Ereignisse.<\/b><\/i><\/p>\n<h5>  Kontaktperson: Ursel Beck, Terrotstr. 33, 70374 Stuttgart,<\/h5>\n<h5>  ursel.beck@gmx.de, Tel. 0711\/38073372<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme von Stuttgarter Eltern zum Polizeieinsatz gegen ihre Kinder <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13919"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13919"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13919\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}