{"id":13637,"date":"2010-04-09T14:00:00","date_gmt":"2010-04-09T14:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13637"},"modified":"2010-04-09T14:00:00","modified_gmt":"2010-04-09T14:00:00","slug":"13637","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/04\/13637\/","title":{"rendered":"Kirgistan: Revolution&#228;rer Aufstand st&#252;rzt Regierung"},"content":{"rendered":"<p>  Regierung des &#8220;Volksvertrauens&#8221; erkl&#228;rt, sie habe die Macht &#252;bernommen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h5>  <i><b>Bericht zusammengestellt von Rob Jones, Aynur Kurmanow und Zhenya   Otto, und einem Augenzeugen aus Bischkek<\/b><\/i><\/h5>\n<p>  In bemerkenswerten 24 Stunden brachen in in Talas, im Norden Kirgistans,   Massenproteste aus, die sich schnell im Land verbreiteten. Die   Hauptstadt, Bischkek, wurde bald von einem Massenaufstand ersch&#252;ttert,   den die Beh&#246;rden mit Scharfsch&#252;tzen und gepanzerten Truppentransportern   zu ersticken versuchten. Obwohl Dutzende erschossen wurden dr&#228;ngten die   Massen vorw&#228;rts, griffen Regierungsgeb&#228;ude an, bewaffneten sich um sich   gegen die Polizei zu wehren, bis diese die Seiten wechselte und begann,   den Aufstand zu unterst&#252;tzen. Am Abend, war die Regierung zur&#252;ckgetreten   und der Pr&#228;sident, Bakijew, war Berichten zu Folge mit seinem   Regierungsjet von der US-Luftwaffenbasis Manas am Stadtrand aus Bischkek   geflohen. Ger&#252;chten zu Folge war sein Ziel entweder seine Heimatstadt   Osh im S&#252;den, das nahe gelegene Almaty in Kasachstan oder sogar Prag.   Diese Ereignisse sind eine scharfe Warnung an alle anderen   diktatorischen Herrscher in Zentralasien und der GUS, die angesichts   wachsender Opposition die Repression verst&#228;rken. Die britische   Tageszeitung Financial Times zitierte den im Exil lebenden   Oppositionsf&#252;hrer Edil Baisalow: &#8220;Was wir sehen ist ein klassischer   Volksaufstand. Das ist eine Revolution, und sie ist blutig.&#8221; Er gab die   Schuld f&#252;r die Unruhen dem autorit&#228;ren Verhalten der Regierung und f&#252;gte   hinzu: &#8220;Das passiert wenn man den Deckel zu fest auf dem Kochtopf h&#228;lt &#8211;   er explodiert.&#8221; (FT Aril 8 2010).<\/p>\n<p>  Pr&#228;sident Bakijew kam erst vor f&#252;nf Jahren in Folge der   &#8220;Tulpenrevolution&#8221; an die Macht, als die pro-kapitalistische Opposition,   gest&#252;tzt auf die riesige Unzufriedenheit der kirgisischen Massen mit den   Ergebnissen neoliberaler Politik, eine Massenprotestbewegung   organisierte, um den damaligen Pr&#228;sidenten Akajew zu st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Die damaligen Ereignisse kommentierte das CWI wie folgt: &#8222;&#8230; w&#228;hrend   die &#8216;Macht der Stra&#223;e&#8217; ausreicht um Regierungen zu st&#252;rzen gen&#252;gt sie   allein nicht um eine alternative Regierung zu errichten, die in der Lage   ist die Korruption und Armut zu beenden die die Region ergriffen hat. In   Kirgistan, wurde lediglich Akajew gezwungen zu fliehen w&#228;hrend seine   ehemaligen loyalen Lakaien wieder an die Macht gekommen sind&#8221;.<\/p>\n<p>  Diese Vorhersage hat sich erf&#252;llt. Bakijew zerstritt sich bald mit   seinen Verb&#252;ndeten. Viele der heutigen Oppositionsf&#252;hrer waren   urspr&#252;nglich in seiner Regierung.<\/p>\n<p>  Eine der wichtigsten Beschwerden der Massen ist, dass Korruption und   Vetternwirtschaft unter Bakijew noch st&#228;rker geworden sind. Das Land   geh&#246;rt jetzt weltweit zu den zwanzig L&#228;ndern mit der gr&#246;&#223;ten Korruption.   Bakijew entschuldigt das mit Kommentaren wie: &#8222;Es ist sehr schwierig,   sich von seinen Wurzeln und seiner Erziehung zu l&#246;sen&#8221;. Sein Bruder ist   zum Beispiel Chef der Sicherheitspolizei und sein Sohn ist jetzt Leiter   der zentralen Entwicklungs-, Investment- und Innovationsbeh&#246;rde, die vor   kurzem die Mehrheit der Aktien der &#8216;Kyrgyzalten&#8217;-Goldmine &#252;bernommen hat   &#8211; dieses Unternehmen liefert 40 Prozent der Industrieproduktion des   Landes! Jetzt wurde die Verfassung ge&#228;ndert, wodurch das Pr&#228;sidentenamt   faktisch zu einer erblichen Position wird.<\/p>\n<p>  Bis Bakijew an die Macht kam stand Kirgistan in dem Ruf, relativ   demokratisch zu sein &#8211; umgeben von China, Usbekistan, Kasachstan und   Tadschikistan war es nicht schwer, relativ frei zu wirken. Aber in   Wahrheit war das neoliberale Regime, das nach 1991 an die Macht kam   durchaus repressiv, nur war sein Staatsapparat zu schwach und   zerstritten um effektive Ma&#223;nahmen zu ergreifen. Seit dem Sieg Bakijews   wurde die Staatsmaschinerie immer mehr zentralisiert, der Pr&#228;sident   &#252;bernahm mehr diktatorische Machtbefugnisse.<\/p>\n<h4>  Gro&#223;e Armut<\/h4>\n<p>  Dies passiert vor dem Hintergrund gro&#223;er Armut f&#252;r die Massen. Der   durchschnittliche Monatslohn liegt immer noch bei 30 bis 50 US-Dollar,   trotzdem hat die Regierung in diesem Jahr eine Verdopplung der   Strompreise und einen f&#252;nf- bis zehnfachen Anstieg der Heizkosten   angek&#252;ndigt. Die allgemeine Armut ist die treibende Kraft der aktuellen   Proteste.<\/p>\n<p>  Die Proteste begannen in der n&#246;rdlichen Stadt Talas. Unter Berufung auf   feudale Traditionen veranstaltet der Pr&#228;sident einmal j&#228;hrlich ein   &#8222;Kurultaya&#8220; &#8211; eine Audienz mit der Bev&#246;lkerung um seine Politik und   seine Handlungen zu erkl&#228;ren. Dieser &#8220;Dialog mit dem Volk&#8221; geschieht in   Form von Massenversammlungen auf den zentralen Pl&#228;tzen von St&#228;dten im   ganzen Land. In diesem Jahr sollte Bakijew die Notwendigkeit der   Preissteigerungen erkl&#228;ren. Durch &#246;ffentlichen Druck wurde er sogar   gezwungen, Redefreiheit zu garantieren und seine Br&#252;der aus ihren   Machtpositionen zu entfernen.<\/p>\n<p>  Die Opposition entschied, ein eigenes Kurultaya abzuhalten. W&#228;hrend   ihrer Treffen stellte sie der Regierung ein Ultimatum: &#8220;Die   Preissteigerungen sollen annulliert werden, Kyrghyzantel und das   Stromversorgungsunternehmen sollen wieder verstaatlicht werden und die   Verwandten des Pr&#228;sidenten sollen aus ihren Positionen entfernt werden&#8221;.   Die Freilassung aller politischen Gefangenen wurde gefordert.<\/p>\n<p>  Wir f&#252;gen diesen Forderungen die Notwendigkeit des Kampfes f&#252;r alle   demokratischen Rechten hinzu, darunter: Das Recht zur Gr&#252;ndung freier   und unabh&#228;ngiger Gewerkschaften, das Recht sich frei zu versammeln, eine   demokratisch kontrollierte freie Presse und die Einberufung einer   wirklich repr&#228;sentativen Versammlung aller Menschen, darunter   ArbeiterInnen, Jugendliche, Studierende, Kleinh&#228;ndlerInnen und die   Landbev&#246;lkerung.<\/p>\n<p>  Bakijew entschied, das Ultimatum mit Repression zu beantworten. Am 6.   April wurde Bolot Sherniyazow, F&#252;hrer der Oppositionspartei &#8216;Ata Meken&#8217;   (Vaterland) verhaftet, um ihn daran zu hindern an einer weiteren   Versammlung teilzunehmen. In der Stadt brach explosionsartig der   Aufstand aus.<\/p>\n<p>  Tausende Protestierende versammelten sich um das Polizeihauptquartier   und forderten die Freilassung von Bolot Sherniyazow. Die Polizei gab   schnell auf und behauptete, sie habe ihn nur verh&#246;ren wollen. Doch der   Appetit der Massen wuchs, sie zogen zum B&#252;ro des Regionsgouverneurs und   forderten ihn auf, sich &#8222;auf die Seite des Volkes zu stellen&#8221;. Mit   seiner Ansprache konnte der Gouverneur die Demonstranten nicht von   seiner Position &#252;berzeugen und eine Gruppe griff Polizeiabsperrungen an,   durchbrach sie, besetzte das Geb&#228;ude des Gouverneurs und erkl&#228;rte, ein   anderer Regionsgouverneur sei gew&#228;hlt worden.<\/p>\n<p>  Bakijew und seine Unterst&#252;tzer versuchten so zu tun, als sei alles unter   Kontrolle. Sie unterbrachen die Telefonverbindungen in der Stadt, die   Handynetze wurden abgeschaltet und sogar das Internet war stark   betroffen. Landesweit wurde berichtet, der Protest sei mit Tr&#228;nengas und   Gummigeschossen erfolgreich niedergeschlagen worden.<\/p>\n<p>  Allerdings erz&#228;hlt unser Korrespondent eine andere Geschichte. Er sagt,   dass die DemonstrantInnen anschlie&#223;end die Polizei bek&#228;mpften und   mehrere Regierungsgeb&#228;ude besetzen konnten. Das Geb&#228;ude des Stadtrats   wurde angez&#252;ndet, ebenso einige Polizeiautos. Sie besetzten den   Flughafen. Am Abend des 6. April war die Stadt lahmgelegt von   Barrikaden, die von Jugendlichen mit Molotowcocktails verteidigt wurden.   Unser Korrespondent weist darauf hin, dass die Bereitschaftspolizei vor   kurzem mit Geldern von der Organisation f&#252;r Sicherheit und   Zusammenarbeit in Europa (OSZE) neu ausger&#252;stet wurde &#8211; der   Organisation, die Demokratie auf dem Kontinent garantieren soll.   &#8220;Besonderer Dank an die OSZE daf&#252;r!&#8221; sagt er.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend sich diese Ereignisse abspielten, verk&#252;ndete die Regierung, dass   die alternativen Versammlungen die am 7. April landesweit stattfinden   sollten illegal seien. F&#252;hrende Mitglieder der &#8222;Vereinigten   Volksbewegung&#8220; (Vereinigung der wichtigsten Oppositionsparteien) wurden   verhaftet &#8211; sieben Schl&#252;sselfiguren und Dutzende von AktivistInnen   wurden allein in Bischkek eingesperrt.<\/p>\n<p>  Es sollte keine Illusionen dar&#252;ber geben, wen diese   Oppositionsf&#252;hrerInnen repr&#228;sentieren. Ein Atambajew, F&#252;hrer der   &#8222;Sozialdemokratischen Partei&#8220;, war bis 2007 Bakijews Premierminister. Er   wurde f&#252;r die Niederschlagung einer Protestdemonstration durch die   Polizei bekannt, als er sagte die Protestierenden seien &#8222;Schafe, die von   einer Ziege in die Schlacht gef&#252;hrt werden!&#8221;. Er ist einer der reichsten   Menschen in Kirgistan. Die neue Regierungschefin ist Rosa Otunbajewa,   Au&#223;enministerin unter Akajew, eine Verb&#252;ndete Bakijews w&#228;hrend der   Tulpenrevolution und die erfahrenste Botschafterin des Landes. Sie reden   von Bakijews gegen das Volk gerichteter Wirtschafts- und Sozialpolitik,   aber in Wirklichkeit sind diese Oppositionsf&#252;hrerInnen w&#252;tend, weil sie   den auf den Sieg der Tulpenrevolution folgenden Machtkampf verloren   haben.<\/p>\n<p>  Aber der Versuch, die Proteste der Opposition in Talas zu unterdr&#252;cken,   f&#252;hrte nicht nur zu einem Aufstand dort, er verbreitete sich auch   schnell in andere St&#228;dte. Es gibt Berichte &#252;ber gest&#252;rmte und   angez&#252;ndete Regierungsgeb&#228;ude in Naryn, Isykkul und Batken. Bei   Zusammenst&#246;&#223;en zwischen der Polizei und Protestierenden sind Berichten   zu Folge viele Menschen get&#246;tet worden.<\/p>\n<p>  Die Proteste verbreiteten sich schnell in die Hauptstadt Bischkek. In   Abwesenheit der Oppositionsf&#252;hrerInnen waren die Proteste spontan, sie   zeigen die Wut der Bev&#246;lkerung &#252;ber den Anstieg der Wohnkosten und   Nahrungspreise und die Privatisierung von Schl&#252;sselindustrien. Die   Stimmung wurde durch die repressiven Ma&#223;nahmen der Regierung angeheizt,   darunter die Schlie&#223;ung von Internetseiten und nat&#252;rlich das Verbot von   Protesten und die Verhaftungen f&#252;hrender Oppositioneller.<\/p>\n<h4>  <b>Ausz&#252;ge aus Augenzeugenberichten aus Bischkek zeigen, wie sich die   Ereignisse entwickelten: <\/b><\/h4>\n<h4>  <b>7. April 15:11<\/b><\/h4>\n<p>  Eine Demonstration von Tausenden n&#228;hert sich dem Parlamentsgeb&#228;ude. Die   Leute sind so w&#252;tend, dass die Bereitschaftspolizei sie nicht aufhalten   kann.<\/p>\n<p>  Die Menschen haben die Kette durchbrochen und haben angefangen, die   gepanzerten Fahrzeuge zu &#252;bernehmen.<\/p>\n<p>  Die Hauptforderung der Protestierenden ist, dass Kurmanbek Bakijew   zur&#252;cktreten soll.<\/p>\n<p>  Alle Oppositionsf&#252;hrerInnen wurden verhaftet &#8211; unter dem Vorwurf einen   Staatsstreich zu organisieren. Der Protest ist praktisch spontan. Jetzt   versuchen sie, Journalisten zu verhaften. Kirill Stepanyuk, Chef von   Stan TV, wurde gerade mitgenommen. Die Leute haben Angst, dass die   Regierung den nationalen Notstand ausrufen wird. &#8220;Zuerst Akajew, jetzt   Bakijew &#8211; schaut euch um, es gibt keine Jobs. Jetzt schie&#223;en sie auf   uns. Sie werden mit Blut f&#252;r Blut bezahlen,&#8221; sagt ein Demonstrant.<\/p>\n<h4>  <b>7. April 16:10 <\/b><\/h4>\n<p>  In Bischkek findet eine echte Schlacht statt. Die Leute entwaffnen die   Bereitschaftspolizei und nehmen den Polizisten die Schilde, Kn&#252;ppel und   Gasgewehre ab. Die Polizisten weigern sich zu schie&#223;en &#8211; sie kommen   heraus und halten die H&#228;nde hoch. Ich kann sehen das Menschen jetzt ein   Paar Polizeiautos &#252;bernehmen, zwei dunkelgr&#252;ne LKWs &#8211; auf einem davon   ist ein Granatwerfer. Da sind Menschen mit Kalaschnikows in den H&#228;nden.   Die Handynetze wurden abgeschaltet. Panzer fahren die Stra&#223;e herunter,   sie bringen die schwere Artillerie. Wir haben geh&#246;rt, dass   DemonstrantInnen aus anderen Regionen kommen.<\/p>\n<h4>  <b>7. April 17:03 <\/b><\/h4>\n<p>  Das ist Krieg! Vom Dach des Wei&#223;en Hauses [Hauptquartier der Regierung]   schie&#223;en Scharfsch&#252;tzen mit scharfer Munition in die Menge. Ich kann   vier Tote sehen, ihre K&#246;pfe sind weggeschossen. (Sozialistischer   Widerstand Kasachstan ruft alle Gewerkschaften, Jugendgruppen, Parteien   und Bewegungen dringend auf, gegen diese brutalen Aktionen von Kurmanbek   Bakijew zu protestieren.). Wir haben gerade geh&#246;rt, dass Kirill Stanyuk   (Stan TV) von der Finanzpolizei entlassen wurde.<\/p>\n<h4>  <b>7. April 17:23 <\/b><\/h4>\n<p>  Die Demonstranten haben eben einen der Scharfsch&#252;tzen gefunden. Er war   auf dem Dach des Wei&#223;en Hauses und hat von hinten auf die   Protestierenden geschossen. Er konnte nur knapp entkommen. Im Moment ist   Ruhe.<\/p>\n<p>  Die Regierung kann keinen Notstand ausrufen &#8211; das Parlament ist nicht   beschlussf&#228;hig. Die Opposition ist noch im Gef&#228;ngnis. Die Menschen   organisieren sich selbst. Die DemonstrantInnen haben das TV-Geb&#228;ude   gest&#252;rmt &#8211; sie haben die Sendeanlagen zerst&#246;rt und sind wieder gegangen.<\/p>\n<p>  Von MenschenrechtsaktivistInnen haben wir geh&#246;rt, dass die Situation in   Kirgistan (um 17:09) wie folgt ist:<\/p>\n<p>  Der Gouverneur der Issykulskii-Region ist zur&#252;ckgetreten.<\/p>\n<p>  Das Fernsehsendezentrum wurde besetzt &#8211; weil die TV-Sendeanlagen   zerst&#246;rt wurden wird momentan eine Radiobotschaft vorbereitet.<\/p>\n<p>  Die Geb&#228;ude der Regionalregierungen wurden in Talas, Naryn, Issykul und   Bakten (4 von 6 Regionen) besetzt.<\/p>\n<p>  Stadtregierungsgeb&#228;ude wurden in f&#252;nf St&#228;dten &#252;bernommen,   Polizeihauptquartiere in drei Orten.<\/p>\n<p>  Die Anzahl der DemonstrantInnen in Bischkek w&#228;chst. Es gibt viele Opfer.   Laut der westlichen Presse wurden &#252;ber 100 Menschen von den   Scharfsch&#252;tzen umgebracht. Die Beh&#246;rden verstehen nicht, dass sie die   Massen nur noch w&#252;tender machen indem sie Menschen t&#246;ten. Bakijew &#8211; h&#246;r   auf Menschen zu erschie&#223;en!<\/p>\n<p>  Die Autobahn Kochkor-Bischkek wurde blockiert.<\/p>\n<p>  In Talas verlangt die Menge, dass der Polizeichef seinen Befehl,   Waffengewalt anzuwenden zur&#252;ckzieht. Er wurde stark verpr&#252;gelt.<\/p>\n<h4>  7. April 19:57<\/h4>\n<p>  Die Polizei hat aus dem Wei&#223;en Haus wieder das Feuer er&#246;ffnet. Es gibt   viele Verletzte und Tote. Die DemonstrantInnen bewegen sich zum Wei&#223;en   Haus. In der N&#228;he hat die Menge das B&#252;ro der Staatsanwaltschaft   angegriffen. Es gibt Ger&#252;chte (die sich sp&#228;ter als unwahr   herausstellten) dass der Innenminister in Talas gefangen genommen und   totgeschlagen wurde. Die Oppoisition hat in drei von sechs Regionen die   Macht &#252;bernommen. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen und in den   Regionen, die Bakijew noch unter Kontrolle hat wurde eine Ausgangssperre   verh&#228;ngt.<\/p>\n<h4>  7.April 21:20<\/h4>\n<p>  Die Situation ist au&#223;er Kontrolle. Das Bakijew-Regime versucht sich noch   mit Gewalt an der Macht zu halten. Es gibt aber Ger&#252;chte, dass Bakijews   Familie evakuiert wird und sich unter dem Schutz der Amerikaner im   Luftwaffenst&#252;tzpunkt Manas befindet [die US-Basis auf dem Flughafen von   Bischkek wird von den USA f&#252;r den Krieg in Afghanistan verwendet]. Nach   Angaben von Menschenrechtsgruppen sind in den Krankenh&#228;usern der Stadt   mindestens 56 Tote. Aber trotz der Erschie&#223;ungen geben die   DemonstrantInnen nicht auf. Im Gegenteil, die Menschen versuchen sich zu   bewaffnen, sie &#252;bernehmen Schilde und Schlagst&#246;cke von der Polizei,   einige haben Waffen von der Bereitschaftspolizei. Im Moment wird das   Wei&#223;e Haus belagert,die Geb&#228;ude der Staatsanwaltschaft und der   Sicherheitspolizei und zwei regierungsnahe Fernsehsender wurden besetzt.   Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge sind in den Gro&#223;st&#228;dten auf den   Stra&#223;en. Es ist klar dass die Regierung den Aufstand im Blut ertr&#228;nken   will. Aber in vielen Gebieten haben die Polizei und die Truppen   aufgegeben, sind auf die Seite der DemonstrantInnen &#252;bergelaufen, haben   ihre Uniformen ausgezogen und sich unter die Protestierenden gemischt.   Im russischen Fernsehen wird behauptet, die Protestierenden w&#228;ren   Kriminelle und es gebe Pogrome. Aber die Protestierenden beschweren sich   dar&#252;ber, dass riesige Teile des Staatseigentums vom Pr&#228;sidenten und   seiner Familie &#252;bernommen wurden. Diese Revolution hat viele Elemente   von sozialem Protest &#8211; die Masse der Protestierenden fordern   Verstaatlichung und einen wirtschaftlichen Kurswechsel. Selbst wenn der   Diktator Bakijew noch einmal angreift ist es klar, dass seinem Regime   nicht mehr viel Zeit bleibt. Und wenn die Revolution erfolgreich ist,   wird sich die Perspektive einer Ausbreitung in Nachbarl&#228;nder ergeben.<\/p>\n<h4>  8. April 01:47<\/h4>\n<p>  Es ist durch die Informationen die wir bekommen klar, dass der Aufstand   siegreich war. Die Massen haben heute Nacht das Hauptquartier der   Sicherheitspolizei und das nahegelegene Gef&#228;ngnis gest&#252;rmt. Die zuvor   verhafteten F&#252;hrerInnen der Opposition wurden freigelassen. Das Wei&#223;e   Haus ist gefallen und eine &#8222;Regierung des Volksvertrauens&#8220; wurde   gebildet. Der ehemalige Parlamentssprecher Omurbek Tekebaew erkl&#228;rte im   Fernsehen, dass die Macht jetzt vollst&#228;ndig in den H&#228;nden des Volkes   liegt. Ein Zentrales Exekutivkomitee von 13 Personen wurde gebildet,   gef&#252;hrt von der Chefin der &#8222;Sozialdemokraten&#8220; Rosa Otumbajewa.<\/p>\n<p>  Tekebaew erkl&#228;rte, dass sie selbst die volle Verwantwortung f&#252;r die   F&#252;hrung des Landes &#252;bernehmen w&#252;rden. Tekebaew erkl&#228;rte, dass   &#8222;Volksverteidigungseinheiten&#8220; gebildet w&#252;rden um die Ordnung auf den   Stra&#223;en wiederherzustellen. Neuesten Nachrichten zufolge werden in   einigen Gebieten chinesische Superm&#228;rkte und die H&#228;user der   Bakijew-Familie gepl&#252;ndert und die Verteidigungstrupps versuchen die   Situation zu kontrollieren. Die Regimes in Kasachstan und Usbekistan   haben zus&#228;tzliche Truppen geschickt um ihre Grenzen zu schlie&#223;en.   Wahrscheinlich wird das chinesische Regime dasselbe tun.<\/p>\n<h4>  Kommentar des CWI in Kasachstan und Russland (7 April 2010):<\/h4>\n<p>  Diese Ereignisse sind ein Ergebnis der aktuellen Wirtschaftskrise und   der Verzweiflung der Bev&#246;lkerung &#252;ber die Ergebnisse der   Tulpenrevolution 2005. Nach Presseberichten hat die neue Regierung jetzt   die R&#252;cknahme der Erh&#246;hungen der Strom- und Heizungsgeb&#252;hren, die   Wiederverstaatlichung der Goldminen und strategischer Industrien   angek&#252;ndigt. Unter diesen Bedingungen sind Massenproteste die beste   M&#246;glichkeit, sich f&#252;r seine Rechte einzusetzen. Aber ohne ein   sozialistisches Programm und eine Organisation, die diese Rechte auf   Dauer verteidigen kann, k&#246;nnen solche revolution&#228;ren Ereignisse zu einer   weiteren &#8222;Farbrevolution&#8220; f&#252;hren, in der die revolution&#228;re Energie der   Massen von einem anderen Teil des Kapitalistenklasse in deren eigenem   Interesse ausgenutzt wird. Bereits jetzt sagt die neue Regierung in der   selben Sprache, die 2005 verwendet wurde, dass das wichtigste die   &#8222;Wiederherstellung der Ordnung&#8220; sei. Die gleiche Clique wird an die   Macht kommen, nur ohne Bakijew. Sie werden die Ereignisse der letzten   beiden Tage nutzen um die Wut des Volkes zu demonstrieren und Dampf   abzulassen.<\/p>\n<p>  Die Ersetzung eines Pr&#228;sidenten durch einen Anderen wird nichts   ver&#228;ndern. Das System muss ge&#228;ndert werden. Der Kapitalismus muss durch   eine demokratisch organisierte Planwirtschaft ersetzt werden &#8211; nur auf   diesem Weg kann die Wirtschaftskrise &#252;berwunden werden.<\/p>\n<p>  Deshalb rufen wir zur Gr&#252;ndung einer linken Massenpartei auf, mit einem   klaren Programm und einer Strategie gegen Repression und f&#252;r die Rede-   und Organisationsfreiheit, gegen Preiserh&#246;hungen und Arbeitslosigkeit,   f&#252;r ein massives Investitionsprogramm in Wohnungen und die Schaffung von   Arbeitspl&#228;tzen, f&#252;r die Verstaatlichung des Bankensektors, der Goldminen   und der Schl&#252;sselbereiche der Wirtschaft unter demokratischer Kontrolle   und Verwaltung durch die Arbeiterklasse. Hierf&#252;r ist es notwendig ein   &#8222;Kurultaya&#8220; der Lohnabh&#228;ngigen und der Armen zu organisieren und eine   Arbeiterregierung zu bilden, in der alle Schichten der Arbeiterklasse   vertreten sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Regierung des &#8220;Volksvertrauens&#8221; erkl&#228;rt, sie habe die Macht &#252;bernommen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13637"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13637"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13637\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13637"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13637"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13637"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}