{"id":13574,"date":"2010-03-04T00:00:00","date_gmt":"2010-03-04T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13574"},"modified":"2010-03-04T00:00:00","modified_gmt":"2010-03-04T00:00:00","slug":"13574","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13574\/","title":{"rendered":"Erdbeben in Chile zeigt die krasse Unf&#228;higkeit des Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p>  .Erkl&#228;rung von Socialismo Revolucionario, Schwesterorganisation der SAV   in Chile<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Das Erdbeben vom Samstag, den 27. Februar zeigt ungeschminkt, wie   ineffizient und unf&#228;hig der chilenische Staat ist. Es scheint nicht mal   ein alternatives Kommunikationsnetz zu geben, um bspw. von den   Satelliten- und Mobilfunktelefonen unabh&#228;ngig zu sein &#8211; all die Arroganz   der herrschenden Eliten und ihr Stolz auf das im Land vorherrschende   neoliberale Wirtschaftssystem haben keinerlei Bezug zur Realit&#228;t.<\/p>\n<p>  Ihre Vorschl&#228;ge f&#252;r eine L&#246;sung oder Eind&#228;mmung der dringendsten   Probleme weiter Teile der Bev&#246;lkerung sind extrem langsam und uneffektiv   gewesen. Die &#228;rmsten Bev&#246;lkerungsschichten haben heute keine   Lebensmittel &#8211; im Unterschied zu den am besten verdienenden Schichten,   die Vorratskeller mit Essen und Wein in ihren H&#228;usern haben. Die   Mehrheit der &#228;rmeren Bev&#246;lkerungsschichten lebt von der Hand in den Mund   und hat nur Lebensmittel f&#252;r ein oder zwei Tage.<\/p>\n<p>  Dies ist nur eins von vielen Beispielen f&#252;r die schlechte   Einkommensverteilung in diesem Land, wo sehr wenige im &#220;berfluss   schwelgen, die gro&#223;e Mehrheit aber in absolutem Elend lebt und von   Schuldenbergen erdr&#252;ckt wird.<\/p>\n<p>  Der Wasser- und Strommangel ist eine weitere Seite der Ineffizienz des   Systems &#8211; die Wasserunternehmer tun nichts, um dieses lebenswichtige   Element mittels ihrer Tankwagen zu verteilen, denn dann k&#246;nnten sie   seine Verteilung ja nicht mehr kontrollieren und den Menschen trotz   ihrer bedauerlichen Lage Geld daf&#252;r abkn&#246;pfen<\/p>\n<p>  Der Lebensmittel- und Wassermangel hat die Menschen in eine verzweifelte   Lage gebracht &#8211; niemand will seine Kinder vor Hunger oder Durst weinen   sehen! Der Grund f&#252;r die gewaltsame &#214;ffnung von Superm&#228;rkten ist der   Bedarf an Grundnahrungsmitteln f&#252;r die Familien.<\/p>\n<h4>  Gesellschaftliche Verwahrlosung<\/h4>\n<p>  Die Verzweifelung der Erdbebenopfer angesichts des Mangels an Wasser,   geschlossener Superm&#228;rkte und des Fehlens von Bargeld (man muss   bedenken, dass vielerorts auch Familien mit Sparguthaben diese nicht   abheben k&#246;nnen), aber eben auch die Ausschreitungen wie Angriffe und   Pl&#252;nderungen von H&#228;uschen und Tante-Emma-L&#228;den in Arbeitervierteln,   zeigen die Tiefe der sozialen Zersplitterung im heutigen Chile. Es gab   auch viele bewegende Solidarit&#228;tsaktionen, aber angesichts der extrem   gro&#223;en Schere zwischen arm und reich im Land &#8211; einer der h&#246;chsten   Unterschiede weltweit &#8211; und des Einflusses des chilenischen   Turbokapitalismus wachsen die soziale Verwahrlosung und der   Individualismus.<\/p>\n<h4>  Die Regierungsvertreter sorgen sich mehr um Kameraauftritte als um   L&#246;sungen<\/h4>\n<p>  Es ist klar, dass auch Kriminelle die Lage nutzen, um Pl&#252;nderungen oder   den Diebstahl von Elektronikartikeln und Haushaltsger&#228;ten durchzuf&#252;hren   &#8211; was wiederum die Regierungsvertreter nutzen, um ihre Unf&#228;higkeit zu   verschleiern, wirkliche und konkrete L&#246;sungen f&#252;r die Bev&#246;lkerung zu   geben. Sie beschimpfen uns einfach alle als kriminell und veranlassen   Repressionsma&#223;nahmen.<\/p>\n<p>  Keiner der oben beschriebenen Vorf&#228;lle h&#228;tte sich ereignet, wenn die   Beh&#246;rdenvertreter und die Supermarktketten Lebensmittel in geordneter   Weise an alle, die ihrer bed&#252;rfen, abgegeben h&#228;tten. Leider streben die   Kapitalisten nach h&#246;herem und wollen die Preise noch weiter steigern,   weshalb sie zur Versch&#228;rfung der Ausweglosigkeit der Lage beitragen.<\/p>\n<h4>  Laut Bachelet h&#228;tte es keinen Tsunami gegeben<\/h4>\n<p>  Die Fischerh&#252;tten und Touristenanlagen der K&#252;stengebiete sind verw&#252;stet.   Auf das Erdbeben folgte der Tsunami. Pr&#228;sidentin Bachelet sagte im Radio   unmittelbar nach dem Erdbeben, dass laut den Spezialisten des   Armee-&#220;berwachungsdienstes keine Tsunamigefahr best&#252;nde.<\/p>\n<p>  Angesichts der folgenden &#246;ffentlichen Emp&#246;rung hat der   Verteidigungsminister die Armee &#246;ffentlich der Fehleinsch&#228;tzung   bezichtigt, aber die Beschuldigten ver&#246;ffentlichten ihr Warn-Dossier, in   welchem sie auf die Gefahr von Seebeben hingewiesen hatten.<\/p>\n<p>  Es gibt zahlreiche Berichte, aus denen hervor geht, dass es vor allem   Nachbarn, lokale Polizisten und Feuerwehrleute waren, die zur   Evakuierung aus den K&#252;stenregionen in h&#246;her gelegene Gebiete aufriefen.   Sie verlie&#223;en sich eher auf ihren gesunden Menschenverstand als auf die   Regierung (letztere hatte keine offizielle Warnung verschickt) und   retteten so tausende Leben. Es scheint, dass die Regierung mehr darum   besorgt war, Ruhe auszustrahlen und die Schwere des Ereignisses   herunterzuspielen. Dies wiegt um so schwerer, als es wahrscheinlich f&#252;r   viele Tote verantwortlich ist.<\/p>\n<p>  Pr&#228;sidentin Michelle Bachelet und der zuk&#252;nftige Pr&#228;sident Sebastian   Pi&#241;era haben sich ihren Helikopterrundfl&#252;gen gewidmet und   publikumswirksame Fernsehbilder produziert, aber an konkreten Aktionen   machen sie nichts. So mussten Feuerwehrleute und Rettungsspezialkr&#228;fte   mit schwerem R&#228;umger&#228;t l&#228;nger als 24 Stunden darauf warten, in die am   st&#228;rksten betroffenen Zonen verlegt zu werden und Menschen aus   zusammengest&#252;rzten H&#228;usern retten zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Zahlreiche Regierungen anderer L&#228;nder boten rasch an, Material und   Rettungsdienste mit Spezial&#228;rzten zu entsenden, aber die chilenische   Regierung antwortete arrogant, dass sie ausreichend eigene Ressourcen   habe. Es verstrichen viele kostbare Stunden, in denen eingeklemmte   Personen nicht gerettet und eingest&#252;rzte Krankenh&#228;user nicht ersetzt   werden konnten, ehe die Regierung angesichts der offensichtlichen   Unzul&#228;nglichkeit der eigenen Mittel die Annahme externer Hilfe   akzeptierte.<\/p>\n<p>  Aber selbst die vorhandenen Ressourcen werden nicht so eingesetzt, wie   es m&#246;glich und n&#246;tig w&#228;re &#8211; die Rettungsteams der Minenbetriebe aus dem   nicht betroffenen Norden warten z.B. immer noch auf Anweisungen der   Regierung, um in die Katastrophenzonen aufzubrechen.<\/p>\n<h4>  Die skrupellosen Bauunternehmer sind wirkliche Kriminelle<\/h4>\n<p>  Die Menge der eingest&#252;rzten Geb&#228;ude beweist ebenfalls, welch schlimme   Folgen das oft thematisierte Fehlen von Kontrollen und das &#220;berlassen   des Bausektors an &#8222;die Marktgesetze&#8220; hat. Der Pr&#228;sident der   Architektenschule Colegio de Arquitectos, Patricio Gross, hat zurecht   gesagt: &#8222;Kein gut konstruiertes Geb&#228;ude in Chile sollte bei einem   Erdbeben der Stufe 8 einst&#252;rzen oder schwere Sch&#228;den davon tragen, denn   solche Werte kommen hier ziemlich h&#228;ufig vor.&#8220;<\/p>\n<p>  Das Fehlen der Kontrolle hat dazu gef&#252;hrt, dass skrupellose und   kriminelle Unternehmer Geb&#228;ude mit weit unter den geltenden   Bauvorschriften liegenden Standards haben bauen lassen, und das in einem   Land, welches regelm&#228;&#223;ig von seismischen Schwankungen betroffen ist.   Julio Alegr&#237;a, Wissenschaftler an der Universit&#228;t von Talca, dr&#252;ckte   sich sehr klar aus: &#8222;Das liegt an der Aufweichung der   Qualit&#228;tskontrollen. Wir hatten das angesprochen, es war vorhersehbar,   und nun sehen wir die Ergebnisse. Chile hat den Test nicht bestanden.&#8220;<\/p>\n<p>  Das wenigste, das wir fordern k&#246;nnen, sind Gef&#228;ngnisstrafen f&#252;r alle   diese skrupellosen Unternehmer. Au&#223;erdem sollten sie mindestens das   zur&#252;ck zahlen, was sie durch ihre Gaunereien erbeutet haben, und weitere   Geldstrafen kriegen.<\/p>\n<h4>  N&#246;tig sind Solidarit&#228;ts- und Aktionskomitees in allen betroffenen Orten<\/h4>\n<p>  Wir m&#252;ssen uns in unseren Stadtteilen und Nachbarschaften organisieren,   um wirkliche L&#246;sungen f&#252;r die aktuelle Notlage zu fordern und uns   dar&#252;ber zu verst&#228;ndigen, was unsere langfristigen Forderungen sein   sollen. Eine der ersten Forderungen m&#252;sste die Streichung aller   Hypothekenschulden der schwer besch&#228;digten oder unbewohnbar gewordenen   H&#228;user in Wohnvierteln sein. Der Staat muss den Wiederaufbau   subventionieren, und der ganze Prozess muss von den betroffenen   NachbarInnen und Arbeiterorganisationen demokratisch kontrolliert werden.<\/p>\n<p>  Diese Komitees m&#252;ssen uns zun&#228;chst als Schutz- und   Solidarit&#228;tsorganisation aller NachbarInnen der Arbeiterbezirke dienen &#8211;   nat&#252;rlich m&#252;ssen wir uns angesichts des Notfalls organisieren, um auf   unsere Stadtviertel aufzupassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      .Erkl&#228;rung von Socialismo Revolucionario, Schwesterorganisation der SAV<br \/>\n      in Chile\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41,119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13574"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13574"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13574\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13574"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13574"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13574"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}