{"id":12810,"date":"2008-09-04T00:00:00","date_gmt":"2008-09-03T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12810"},"modified":"2012-05-15T15:26:46","modified_gmt":"2012-05-15T13:26:46","slug":"12810","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/09\/12810\/","title":{"rendered":"&#8222;Vereinbarung zur Tolerierung&#8220;: Wird die LINKE in Hessen zum       Juniorpartner f&#252;r SPD und Gr&#252;ne &#8211; nur ohne Ministerposten?"},"content":{"rendered":"<p>  Einzelfallentscheidungen statt Blankoscheck!<\/p>\n<p>  <i>Stellungnahme der SAV<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p align=\"center\">  [<a href=\"\/?p=12809\">Bericht vom   Landesparteitag der LINKEN Hessen 29.-31. August 2008<\/a>]<\/p>\n<h4>  F&#252;r den Aufbau der LINKEN in Hessen als einer konsequenten,   sozialistischen Kraft<\/h4>\n<p>  SPD und Gr&#252;ne versuchen, die LINKE in Hessen unter Druck zu setzen und   &#8222;verbindliche Vereinbarungen&#8220; &#252;ber die Unterst&#252;tzung der LINKEN f&#252;r ihre   Regierung bis zum Ende der Legislaturperiode zu erzielen. Doch die LINKE   hat bereits verbindliche Ank&#252;ndigungen getroffen: Ihren W&#228;hlerInnen und   Unterst&#252;tzerInnen gegen&#252;ber. Der Ma&#223;stab f&#252;r alle Entscheidungen im   Landtag kann nur sein: Nutzt das konkrete Vorhaben den Besch&#228;ftigten,   Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen? Ja oder Nein.<\/p>\n<p>  Gesamtpakete (egal ob sie Tolerierungsvertrag genannt werden oder als   &#8222;Absprachen bez&#252;glich der Tolerierung&#8220; deklariert werden) lehnen wir ab.   Wer anf&#228;ngt, f&#252;r Vereinbarungen mit den Parteien der Schr&#246;der-Agenda   Kr&#246;ten zu schlucken, endet wie SPD und Gr&#252;ne selbst. Oder wie die PRC in   Italien mit ihrem Wahldesaster nach ihren Prodi-Unterst&#252;tzungen. Oder   wie die PDS in Berlin, die sich zwar durch die bundesweiten   Entwicklungen gerade bei Umfragen erholt, aber f&#252;r ihre   Regierungspolitik 180.000 Stimmen verlor (die H&#228;lfte ihrer   Wahlunterst&#252;tzung).<\/p>\n<p>  Die hessische LINKE steht vor wichtigen Fragen: Wird der Kurs gegen eine   Regierungsbeteiligung als Juniorpartner der SPD bei der erstbesten   Gelegenheit aufgegeben? Oder wird die Opposition gegen alle Parteien,   die f&#252;r Sozialabbau und Privatisierungen stehen, fortgesetzt? Folgt nun   der erste West-Landesverband der Berliner Trag&#246;die? (J&#252;ngstes Beispiel,   Berliner Tarifflucht &#224; la Koch: Der SPD-LINKE-Senat erkl&#228;rte nach 5   Jahren ohne Lohnerh&#246;hung im &#214;ffentlichen Dienst die Verhandlungen   einseitig f&#252;r beendet und will die KollegInnen mit einer Einmalzahlung   abspeisen!)<\/p>\n<p>  Der Landesparteitag der LINKEN in Hessen am 29. bis 31. August hat mit   seiner Entscheidung f&#252;r eine dauerhafte Tolerierung und entsprechenden   Absprachen mit Rot-Gr&#252;n eine f&#252;r die LINKE und f&#252;r die arbeitende   Bev&#246;lkerung gef&#228;hrliche und falsche Entscheidung getroffen.<\/p>\n<h4>  Koch muss weg!<\/h4>\n<p>  Die Wut &#252;ber Koch &#8211; unter anderem nach Tarifflucht, Studiengeb&#252;hren und   rassistischem Wahlkampf &#8211; ist riesig. Es ist richtig, gegen Koch und &#8211;   unter den gegebenen schlechten parlamentarischen Verh&#228;ltnissen &#8211; f&#252;r   Ypsilanti und ihre Regierung zu stimmen. Doch f&#252;r eine grundlegend   andere Politik braucht es mehr. Die Politik aller SPD-gef&#252;hrten   Regierungen der letzten Jahre zeigt, f&#252;r welche Interessen diese Partei   Politik macht.<\/p>\n<p>  Wir wollen uns in Zukunft nicht mehr zwischen den beiden &#220;beln Koch und   Ypsilanti entscheiden, sondern durch eine starke LINKE, durch kr&#228;ftige   Opposition in Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen ganz   andere Spielr&#228;ume erk&#228;mpfen. Dem muss die parlamentarische T&#228;tigkeit der   LINKEN untergeordnet werden. Ein einmalige Wahl f&#252;r Ypsilanti und ihre   Regierung ringt uns ab, das &#8222;kleinere &#220;bel&#8220; zu w&#228;hlen. W&#252;rde das an der   LINKEN scheitern, w&#228;re das f&#252;r viele unserer Unterst&#252;tzerInnen   unverst&#228;ndlich, da wir bei dieser Abstimmung keine ernsthafte   Alternative haben und viele Hoffnungen da sind, dass alles besser sei   als eine Fortsetzung der Koch-Regierung. Doch beim Haushalt und anderen   Gesetzesvorhaben stellen sich die Fragen grundlegend anders. Jede   weitere Abstimmung wird zur inhaltlichen Frage: Nutzt sie der Masse der   Bev&#246;lkerung? Dienst sie dem Aufbau des Widerstands gegen Sozialabbau,   Privatisierungen und Tarifflucht?<\/p>\n<p>  Denn auf den Widerstand und Mobilisierung in Betrieben und   Gewerkschaften sowie von sozialen Bewegungen kommt es an. Das Beispiel   Studiengeb&#252;hren belegt: So kann eine andere Politik erk&#228;mpft werden.   Entscheidend ist au&#223;erdem, dass die LINKE solche K&#228;mpfe aufgreift,   unterst&#252;tzt und immer wieder auch selbst initiiert. Gemeinsam k&#246;nnen wir   die LINKE aufbauen, um endlich eine Kraft zu haben, die konsequent die   Interessen der Masse der Bev&#246;lkerung vertritt und nicht &#8211; wie alle   anderen im Bundestag vertretenen Parteien &#8211; die des Kapitals.<\/p>\n<h5>  Das schlie&#223;t einen Tolerierungsvertrag oder andere sinngleiche   Vereinbarungen aus, die die LINKE an Kompromisse und Kr&#246;ten binden   sollen.<\/h5>\n<h4>  &#8222;Tolerierung ist doch keine Koalition&#8220;?<\/h4>\n<p>  Gerade im hessischen Landesverband der LINKEN gab es starke Opposition   zu Koalitionen mit der SPD. Nach all den Erfahrungen ist das auch   absolut n&#246;tig. Doch ein Tolerierungsvertrag oder &#8222;Verabredungen zur   Tolerierung&#8220; &#8211; also eine Vereinbarung &#252;ber gemeinsame Politik f&#252;r den   Rest der Amtszeit des Landtags &#8211; ist nichts anderes als ein   Koaltionsvertrag ohne Minister.<\/p>\n<p>  1994 stimmte die PDS in Sachsen-Anhalt einem solchen Modell zu, da sie   sich erhoffte, damit ihre &#8222;Regierungsf&#228;higkeit&#8220; unter Beweis stellen zu   k&#246;nnen und f&#252;r die SPD &#8222;koalitionsf&#228;hig&#8220; zu werden. Diese Anpassung ging   so weit, dass die Sozialabbau-Koaltionen in Mecklenburg-Vorpommern   (Vernichtung von Zehntausenden von Landesstellen) und Berlin   (Lohnabsenkung, Privatisierung von &#252;ber 100.000 Wohnungen, K&#252;rzungen im   Jugendbereich, &#8230;) folgten.<\/p>\n<p>  Das war ein Beitrag zum Niedergang der PDS, der erst durch die   Zusammenarbeit mit der WASG gestoppt wurde. Die LINKE ist zu wichtig f&#252;r   ArbeitnehmerInnen als dass sie diesen Weg gehen d&#252;rfte!<\/p>\n<h4>  Prinzipien statt Verbesserungen f&#252;r die Menschen?<\/h4>\n<p>  Das ist nicht gleichbedeutend mit politischer Enthaltsamkeit. Wir wollen   nicht nur Opposition bleiben. Doch warum sollte die LINKE die   Verantwortung f&#252;r eine Regierung mit einer Partei &#252;bernehmen, die   bundesweit daf&#252;r sorgt, dass die Reichen reicher werden und die   &#246;ffentlichen Haushalte geleert? Wird die LINKE in Hessen dann per   Tolerierungsvereinbarung zustimmen, unter solchen Bedingungen die   Politik &#8222;mitzugestalten&#8220;, das hei&#223;t die Sachzw&#228;nge umzusetzen?<\/p>\n<p>  Bleibt die LINKE ihrer Basis, den abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten und ihren   Familien, treu, dann prallen ihre Ziele zusammen mit der von SPD und   Gr&#252;nen verfolgten Unterordnung der Politik unter die Logik der   kapitalistischen Sachzw&#228;nge. Daher ist eine Vereinbarung &#252;ber gemeinsame   Politik &#252;ber Einzelfragen hinaus mit ihnen weder kommunal, noch landes-   oder bundesweit m&#246;glich, ohne dass die LINKE ihrerseits anfangen w&#252;rde,   ihre Unterst&#252;tzerInnen zu entt&#228;uschen.<\/p>\n<p>  Diese prinzipielle Ablehnung solcher Regierungsbeteiligungen steht   konkreten Verbesserungen f&#252;r die Bev&#246;lkerung nicht im Weg: Jede   Gesetzesinitiative von Rot-Gr&#252;n zugunsten von Jugendlichen,   Besch&#228;ftigten, Erwerbslosen oder RentnerInnen k&#246;nnte sicherlich sofort   auf eine Mehrheit im Parlament bauen &#8211; wenn denn SPD und Gr&#252;ne   geschlossen daf&#252;r w&#228;ren!<\/p>\n<p>  Diese Prinzipien k&#246;nnen aber verhindern, dass die LINKE die n&#228;chste   Partei mit sozialistischem Anspruch wird, die trotz hehrer Ziele in   Regierungsbeteiligungen mit Sozialabbau-Parteien landet.<\/p>\n<h4>  Eine andere Landesregierung ist m&#246;glich<\/h4>\n<p>  Eine andere Landesregierung ist m&#246;glich: Die Landesregierung k&#246;nnte   genutzt werden im Widerstand gegen die Bundesregierung. Sie k&#246;nnte um   jeden Cent f&#252;r die Masse der Bev&#246;lkerung zulasten der Superreichen   k&#228;mpfen. Sie k&#246;nnte Ma&#223;nahmen zum Arbeitsplatzerhalt und zur   Verteidigung gegen die kapitalistische Krise durch Vergesellschaftung   der Schl&#252;sselindustrien ergreifen (nach Landesverfassung, &#167;39, muss   keine Entsch&#228;digung bei &#8222;monopolistischer Machtzusammenballung&#8220; gezahlt   werden). Wenn Ypsilanti das tun wollte &#8211; wunderbar. Dann wird ihr eine   konsequente Unterst&#252;tzung in jedem Einzelfall helfen. Davon ist   allerdings nicht auszugehen.<\/p>\n<p>  Es ist offensichtlich: Eine solche Regierungspolitik scheitert an SPD   und Gr&#252;nen. Ziel muss es aber sein, daf&#252;r Unterst&#252;tzung zu gewinnen. Die   LINKE wird den Kapitalismus nicht besser managen als CDU und SPD oder   ihnen durch Tolerierung dabei den richtigen Weg weisen. Sie kann aber   eine Alternative dazu aufzeigen und dar&#252;ber eine starke Kraft werden,   die in der Lage ist, die Gesellschaft zu ver&#228;ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Einzelfallentscheidungen statt Blankoscheck!\n    <\/p>\n<p>\n      <i>Stellungnahme der SAV<\/i>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12810"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12810"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12810\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12810"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12810"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12810"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}