{"id":12709,"date":"2008-07-07T00:00:00","date_gmt":"2008-07-07T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12709"},"modified":"2008-07-07T00:00:00","modified_gmt":"2008-07-07T00:00:00","slug":"12709","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/07\/12709\/","title":{"rendered":"Steigende Arbeitshetze bei Daimler in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Mustafa Efe, IG-Metall-Betriebsratsmitglied* im Werk   Berlin-Marienfelde. Mit ihm sprach Johannes Burczyk<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  In den letzten Jahren weitete der Daimler-Konzern seine Produktion   stetig aus und erzielte j&#228;hrlich neue Rekordprofite. Jetzt sinken bei   Euch im Werk die St&#252;ckzahlen. Deshalb wurden schon einige Schichten   abgesagt. Weitere sollen folgen. Was bedeutet das f&#252;r die Besch&#228;ftigten?<\/p>\n<p>  Das bedeutet einerseits, dass die Existenz vieler Arbeitspl&#228;tze in   Gefahr ger&#228;t. Davon sind dann zuerst die befristet eingestellten   Kollegen betroffen, deren Vertr&#228;ge nicht verl&#228;ngert werden w&#252;rden. Die   ausgelernten Azubis werden nicht hier im Werk eingesetzt, sondern an   andere Standorte verliehen.<\/p>\n<p>  Andererseits wird die Arbeitshetze f&#252;r die &#252;brigen Kollegen   intensiviert. Das Unternehmen schraubt die Taktzeiten &#8211; also die Zeit,   in der ein Montagearbeiter sein Produkt herstellen soll &#8211; immer weiter   runter. Parallel dazu wird die &#220;berwachung und Kontrolle der   Besch&#228;ftigten durch Technik und Meister versch&#228;rft.<\/p>\n<p>  Dabei w&#228;re die Verk&#252;rzung der Arbeitszeit f&#252;r alle und die Anhebung der   Taktzeiten die richtige Antwort &#8211; auf Kosten der Konzernprofite. Wie ist   die Stimmung bei den Kollegen?<\/p>\n<p>  Sehr unterschiedlich. Viele haben seit vielen Jahren die Erfahrung   gemacht, dass sich die Arbeitsbedingungen st&#228;ndig verschlechtern und   dass die IG Metall und die betrieblichen Vertreter dem kaum etwas   entgegensetzen. Die Anpassung der Gewerkschafts- und Betriebsratsspitzen   an die Interessen des Kapitals, erinnert sei nur an das Pforzheimer   Abkommen und den Zukunftssicherungsvertrag von 2004, f&#252;hrte zu   Entt&#228;uschung und Passivit&#228;t bei vielen Kollegen. Viele sind aus der IG   Metall ausgetreten.<\/p>\n<p>  Und die Kollegen, die in den Gewerschaften f&#252;r einen k&#228;mpferischen Kurs   einstehen, werden oft mit autorit&#228;r-b&#252;rokratischen Man&#246;vern des   Gewerkschafts-Apparates konfrontiert. So wurden im Fr&#252;hjahr diesen   Jahres die Wahlen zur IG-Metall-Delegiertenversammlung in Stuttgart vom   Apparat abgebrochen, weil ihnen unangenehme Mehrheiten drohten.<\/p>\n<p>  In dieser Situation versuchen viele Kollegen einen individuellen Ausweg   f&#252;r sich zu finden, um der Arbeitshetze und dem Druck durch die Meister   zu entgehen.<\/p>\n<p>  Manche haben einen Zweitjob, gehen nebenbei zur Schule oder nehmen eine   Abfindung an, um sich selbstst&#228;ndig zu machen. Aufgrund des   Arbeitsdrucks nimmt der Missbrauch von Alkohol, Drogen, von Spielsucht   und so weiter zu.<\/p>\n<p>  Alleine schafft man das nicht, diese Probleme wirklich zu l&#246;sen. Der   individuelle Weg bringt da nichts. Die tiefere Ursache liegt im   kapitalistischen System. Dagegen hilft nur der gemeinsame Kampf f&#252;r   unsere Rechte und bessere Arbeitsbedingungen und die Abschaffung des   Kapitalimus. Ich setze mich f&#252;r eine sozialistische Gesellschaft ein, in   der alle die gleichen Chancen und M&#246;glichkeiten haben, sich gem&#228;&#223; ihren   F&#228;higkeiten an der Gesellschaft zu beteiligen.<\/p>\n<h4>  Bei euch im Werk wird monatlich die oppositionelle Betriebszeitung   Alternative herausgegeben. Welche Strategie wird damit verfolgt?<\/h4>\n<p>  Der jetzige Kurs der Gewerkschafts- und Betriebsratsf&#252;hrung wird   unweigerlich zu weiteren Niederlagen f&#252;r die Arbeiter f&#252;hren. Wir   brauchen aber Gewerkschaften und Betriebsr&#228;te, die konsequent die   Interessen der Kollegen vertreten. In der jetzigen Periode muss es darum   gehen, k&#228;mpferische Kollegen und gewerkschaftliche Aktivisten zu sammeln   und in den Betrieben klassenk&#228;mpferische Gruppen aufzubauen, um   innerhalb der IG Metall eine politische und personelle Alternative zur   Linie des Verzichts und der Anpassung zu schaffen. Die Alternative will   dazu einen Beitrag leisten. Ziel der Alternative ist es nicht,   stellvertretend f&#252;r die Kollegen zu handeln. Wir wollen mit den Kollegen   die Diskussion f&#252;hren, Entscheidungen f&#228;llen und &#8211; bei Bedarf &#8211;   gemeinsam mit Aktionen und Streiks t&#228;tig werden. Nicht von oben nach   unten, sondern von unten nach oben.<\/p>\n<h4>  *Angabe der Funktion dient nur zur Kenntlichmachung der Person<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Mustafa Efe, IG-Metall-Betriebsratsmitglied* im Werk<br \/>\n      Berlin-Marienfelde. 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