{"id":12094,"date":"2007-05-01T00:02:56","date_gmt":"2007-05-01T00:02:56","guid":{"rendered":".\/?p=12094"},"modified":"2007-05-01T00:02:56","modified_gmt":"2007-05-01T00:02:56","slug":"12094","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/05\/12094\/","title":{"rendered":"Mai-Empfang: Ein Tag aus dem Leben der Sozialpartnerschaft"},"content":{"rendered":"<p>  Der Hamburger Senat l&#228;dt VertreterInnen des DGB zum &#8222;Maiempfang&#8220;. Hier   ist die Welt der Sozialpartnerschaft noch in Ordnung. Ein   Augenzeugenbericht.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Andreas aus Hamburg<\/i><\/p>\n<h4>  Endlich mal VIP&#8230;<\/h4>\n<p>  &#8222;Der Senat der freien und Hansestadt Hamburg bittet zum Mai Empfang&#8220;.   Dank dieser Einladung auf bl&#252;tenwei&#223;em Papier waren an diesem Tag die   Tore des Rathauses f&#252;r GewerkschafterInnen ge&#246;ffnet. Ausnahmsweise   versperrten Absperrungen, Polizisten und Sicherheitsdienst einem nicht   den Weg. So wandelte man auf rotem Teppich und Marmortreppen an   vergoldeten Statuen vorbei in den Festsaal. Wie viel Geld und Arbeit ist   wohl in dem unn&#252;tzen Prunk des Rathauses verbaut worden? Aber das nur   nebenbei. Oben angekommen befand man sich in einer lustigen Runde von   GewerkschafterInnen, Abgeordneten und dem Klerus.<\/p>\n<h4>  Der Traum des Innensenators von der Interessenharmonie<\/h4>\n<p>  In dem Festsaal ergriff unser gesch&#228;tzter Innensenator Nagel das Wort.   Zun&#228;chst erkl&#228;rte er uns GewerkschafterInnen die Geschichte des ersten   Mai. Dass nicht immer alles friedlich war, aber heute zum Gl&#252;ck der   Interessenausgleich im Vordergrund steht. Deswegen bezog sich der   Innensenator positiv auf das DGB-Motto &#8222;Du hast mehr verdient&#8220;. Schade,   dass unser Senat erst jetzt zu dieser Erkenntnis gelangt ist. Beim   Streik im &#214;ffentlichen Dienst war nicht viel von Interessenausgleich zu   sp&#252;ren. Aber das war ja gestern. Auch der &#8222;erfolgreiche Sicherheitskurs&#8220;   soll weiter fortgesetzt werden. Angesichts des martialischen Vorgehens   gegen Studentenproteste oder Gewerkschaftsproteste bei Naziaufm&#228;rschen,   k&#246;nnen wir dieses Versprechen des Innensenator nur als Drohung   auffassen. Was eine Stadt zu einer &#8222;weltoffenen Metropole&#8220; macht, welche   massenweise Menschen abschiebt und Abschiebelager in abgelegenen   Gebieten einrichtet, bleibt ebenso das Geheimnis des Innensenators. &#8222;Das   schwere Schicksal der Arbeitslosigkeit&#8220; lag ihm ebenfalls am Herzen.   Dank der 1-Euro Zwangsarbeit und den Zwangsumz&#252;gen hat der Senat ja auch   einiges zu diesem Schicksal beigetragen. Ja, die Interessenharmonie   zwischen Gewerkschaften und dem Senat war fast zu greifen, w&#228;re nicht   die l&#228;stige Wirklichkeit au&#223;erhalb des goldverzierten Festsaals gewesen. <\/p>\n<h4>  Kaviar und die Strukturprobleme des Kapitalismus<\/h4>\n<p>  Anschlie&#223;end ergriff der DGB-Vorsitzende Pumm das Wort. In seiner Rede   wurden Strukturprobleme des kapitalistischen Wirtschaftssystems, die   Spaltung in arm und reich, Ausbeutung und Jugendarbeitslosigkeit   erw&#228;hnt. Nur leider wartete man vergeblich auf die Schlussfolgerungen   dieser Analyse. Denn nach einem kurzen Auftritt des JAV-Vorsitzenden von   Airbus aus Hamburg ging es schon an das Buffet. Vielleicht wurde an den   Tischen voll Roastbeef oder Cremet&#246;rtchen weiter &#252;ber das Problem von   Armut nachgedacht, wer wei&#223;. Ja, in den Hallen voll Marmorstatuen,   riesigen Kristallkronleuchtern und Blattgold l&#228;sst es sich doch am   besten &#252;ber die Spaltung in arm und reich nachsinnen. Beim Maiempfang   ist die Welt der Sozialpartnerschaft noch in Ordnung.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die Logik der Sozialpartnerschaft<\/p>\n<p>  Au&#223;erhalb des Maiempfangs sieht die Welt aber anders aus. Die zehn   reichsten Hamburger besitzen ein Verm&#246;gen von 28,45 Milliarden w&#228;hrend   in Hamburg rund 200.000 in Armut leben. 40.000 Menschen sind in Hamburg   langzeitarbeitslos. Was tut der Senat? Er f&#252;hrt Studiengeb&#252;hren ein,   ordnet Zwangsarbeit an, baut Prestigeobjekte und verkauft &#246;ffentliches   Eigentum. In seinen Taten haben sich die Herrschenden in Hamburg und ihr   Ausschuss im Senat schon l&#228;ngst von der Sozialpartnerschaft des   Nachkriegsaufschwungs verabschiedet. Der Maiempfang ist ein sinnloses   Ritual. Anstatt fein angezogen beim Senat H&#228;ppchen zu essen und sich   Phantastereien &#252;ber Interessenharmonie anzuh&#246;ren, ist es an der Zeit   ernsthaft Widerstand zu organisieren. Wieso wird kaum Unterst&#252;tzung f&#252;r   die KollegInnen der Telekom organisiert. Wo bleibt der Streik- und   Protesttag gegen die soziale Ungerechtigkeit hier in Hamburg? Der DGB   Hamburg stellt keine Busse zum G8-Protest, weil &#8222;,man ja nicht &#252;berall   sein kann&#8220; laut dem zust&#228;ndigen Sekret&#228;r. Klar, wenn man im Festsaal des   Rathauses am B&#252;ffet steht, kann man nicht auf der Stra&#223;e protestieren &#8211;   das ist die Logik der Sozialpartnerschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Der Hamburger Senat l&#228;dt VertreterInnen des DGB zum &#8222;Maiempfang&#8220;. Hier<br \/>\n      ist die Welt der Sozialpartnerschaft noch in Ordnung. 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