{"id":11973,"date":"2007-02-22T00:58:57","date_gmt":"2007-02-22T00:58:57","guid":{"rendered":".\/?p=11973"},"modified":"2007-02-22T00:58:57","modified_gmt":"2007-02-22T00:58:57","slug":"11973","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11973\/","title":{"rendered":"Klima killen &#8211; Kasse machen"},"content":{"rendered":"<p>  <i><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Klimakatastrophe2.jpg\">  Wie &#8222;sauber&#8220; sind UN, EU und G8?<\/i><br \/>In einer Welt, die   in konkurrierende Nationalstaaten zerteilt ist, sind Ma&#223;nahmen zum   Schutz der Erdatmosph&#228;re schwierig &#8211; wenn nicht gar unm&#246;glich. Dies   zeigt ein Blick auf die Geschichte des internationalen Klimaschutzes.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Philipp L&#252;hrs, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  1992 trafen sich im Rahmen der Vereinten Nationen (UN) Vertreter aller   wichtigen Staaten in Rio de Janeiro, um erstmals auf internationaler   Ebene &#252;ber die Verringerung der Emission von Treibhausgasen zu beraten.   Das Ergebnis war bescheiden. Man einigte sich darauf, sich ein anderes   Mal wieder zu treffen.<\/p>\n<h4>  Kyoto-Protokoll<\/h4>\n<p>  Erst f&#252;nf Jahre sp&#228;ter wurden in Kyoto bindende Vereinbarungen &#252;ber den   Aussto&#223; von Kohlendioxid (CO2) unterzeichnet. Dieses Kyoto-Protokoll hat   jedoch gleich mehrere Haken.<\/p>\n<p>  Erstens: Die Erf&#252;llung der Verpflichtungen durch die Vertragsstaaten   bedeutet nicht weniger CO2-Produktion, sondern mehr. Lediglich der   weltweite Anstieg soll verlangsamt werden, in dem einige Vertragsstaaten   ihre Qualmerei mindern. Der Anstieg der Temperaturen soll so um 0,1 Grad   Celsius geringer ausfallen, als es ohne Kyoto der Fall w&#228;re. Bei einer   zu erwartenden Erw&#228;rmung um zwei bis drei Grad oder mehr bis 2050, w&#228;re   daher selbst die Bezeichnung &#8222;Tropfen auf den hei&#223;en Stein&#8220; zu hoch   gegriffen. Es ging nie darum, die zu erwartende Katastrophe abzuwenden,   sondern nur darum, etwas langsamer auf sie zu zusteuern.<\/p>\n<p>  Zweitens: Der Vertrag sah vor, erstmal gar nichts zu unternehmen. Denn   er sollte erst in Kraft treten, wenn Staaten, die zusammen f&#252;r 55   Prozent des CO2-Aussto&#223;es verantwortlich sind, das Kyoto-Protokoll   ratifiziert haben. Das konnte dauern. Erst im Februar 2005 trat der   Vertrag &#8211; durch den Beitritt Russlands &#8211; endlich in Kraft. Dreizehn   Jahre nach der Konferenz von Rio.<\/p>\n<p>  Der dritte Haken des Kyoto-Protokolls ist der, dass der gr&#246;&#223;te   CO2-Produzent der Erde &#8211; die USA &#8211; sich &#252;berhaupt nicht am Kyoto-Prozess   beteiligt. Die einzigen L&#228;nder, die ihre CO2-Emissionen gegen &#252;ber 1990   tats&#228;chlich gesenkt haben, sind die L&#228;nder des ehemaligen Ost-Blocks   (einschlie&#223;lich Ostdeutschland). Sie pusten heute fast 40 Prozent   weniger Treibhausgase in die Luft als vor 17 Jahren. Allerdings beruht   dieser R&#252;ckgang nicht auf Klimaschutzma&#223;nahmen, sondern auf dem   Zusammenbruch ihrer Industrie durch die Wiedereinf&#252;hrung des   Kapitalismus. Der so genannte &#8222;Klimaschutz&#8220; der UN ist also keineswegs   ein Schutz f&#252;r die Erdatmosph&#228;re, sondern eine gegenseitige   Vereinbarung, das Weltklima weiterhin zu sch&#228;digen.<\/p>\n<h4>  Emissionshandel der EU<\/h4>\n<p>  Doch so einfach wie fr&#252;her d&#252;rfen Konzerne unsere Lebensgrundlagen nicht   mehr zerst&#246;ren. Denn die EU-Staaten haben sich dazu verpflichtet, ihre   CO2-Emissionen bis 2012 im EU-Durchschnitt um acht Prozent gegen&#252;ber   1990 zu senken. Das widersprach zun&#228;chst den Profitinteressen der   Konzerne. Um Profit und &#8222;Klimaschutz&#8220; zu verbinden, musste also ein   Instrument gefunden werden, mit dem aus Schei&#223;e Geld gemacht werden   kann. Dieses Instrument ist der so genannte Emissionshandel. Also der   Handel mit &#8222;Verschmutzungsrechten.&#8220; Emissionshandel bedeutet, dass die   Umwelt einen Marktwert erh&#228;lt und ihre Zerst&#246;rung somit einen   (Markt-)Preis. Doch die Konzerne m&#252;ssen die &#8222;Verschmutzungsrechte&#8220; nur   zu einem geringen Teil kaufen. Den gr&#246;&#223;ten Teil bekommen sie durch den   Nationalen Allokationsplan vom Staat geschenkt.<\/p>\n<p>  Da sich in den Endpreisen der G&#252;ter, bei deren Herstellung CO2 anf&#228;llt   (zum Beispiel beim Strom) aber der Gesamtwert der f&#252;r die Herstellung   erforderlichen Emissionsrechte niederschl&#228;gt und nicht nur der Wert der   zugekauften CO2-Zertifikate, ergibt sich nach Berechnungen der   Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) folgende   Gleichung: Die vier gro&#223;en Stromkonzerne RWE, E.on, EnBW und Vattenfall   m&#252;ssen j&#228;hrlich f&#252;r etwa 332 Millionen Euro &#8222;Verschmutzungsrechte&#8220; auf   dem Emissionsmarkt kaufen. Gleichzeitig bekommen sie j&#228;hrlich   &#8222;Umweltzerst&#246;rungsrechte&#8220; im Wert von acht Milliarden Euro geschenkt.   Und da das Recht zur Luftverschmutzung nun einen Marktwert hat, l&#228;sst   sich dieses Recht in bares Geld umsetzen.<\/p>\n<p>  Das Prinzip ist das eines Kettenrauchers, der sich in ein Restaurant   setzt und sich von den anderen G&#228;sten daf&#252;r bezahlen l&#228;sst, dass er   nicht soviel raucht wie er rauchen k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Diese Extra-Profite durch den Emissionshandel werden in den n&#228;chsten   Jahren noch steigen. Denn die Stromkonzerne planen f&#252;r die n&#228;chsten   Jahre den Bau von Kraftwerken, die weniger CO2 verursachen. Dadurch   werden sie selbst weniger Emissionsrechte ben&#246;tigen. Sie k&#246;nnen ihr   &#8222;Recht&#8220; zur Luftverschmutzung also an andere Firmen gewinnbringend   weiter verkaufen, die dann ihrerseits umso mehr Kohlendioxid aus ihren   Schornsteinen herauspusten d&#252;rfen.<\/p>\n<h4>  Tony Blair und die G8<\/h4>\n<p>  Doch die Kapitalistenklasse und ihre Politiker stecken in einer   vertrackten Lage. Einerseits sind sie strukturell unf&#228;hig, das Problem   des Klimawandels wirksam zu bek&#228;mpfen. Denn die Konkurrenz zwischen den   Unternehmen und die Konkurrenz der Nationalstaaten untereinander   verhindert zwangsl&#228;ufig gemeinsames Handeln auf internationaler Ebene. <\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite sehen viele Kapitalisten ihre Investitionen   bedroht, seit Wissenschaftler mit immer dramatischeren Szenarien des   Klimawandels und seiner wirtschaftlichen Folgen Alarm schlagen. Denn die   Katastrophen, die durch den Klimawandel verursacht werden, richten nicht   nur konkreten Sachschaden an. Sie k&#246;nnen durch die Zerst&#246;rung von   Produktionsst&#228;tten, Infrastruktur und Kreditsicherheiten die   Weltwirtschaft in Krisen von (un)vorstellbaren Ausma&#223;en st&#252;rzen, die   sich durch die selbstm&#246;rderische Eigendynamik kapitalistischer Krisen   noch weiter steigern.<\/p>\n<p>  Auch politische Instabilit&#228;t in Folge des Klimawandels ist vorhersehbar.   Bei dem zu erwartenden Anstieg des Meeresspiegels um 80 Zentimeter,   w&#252;rden Gebiete mit 100 Millionen Einwohnern &#252;berflutet (vor allem in   Bangladesh und im Nil-Delta). F&#252;r die betroffenen Menschen eine   Katastrophe &#8211; f&#252;r die Herrschenden ein unkalkulierbares Risiko. <\/p>\n<p>  Die gefeierte &#8222;Umweltrede&#8220; von Tony Blair, der ank&#252;ndigte, den   Klimaschutz zu einem Hauptthema der G8-Runde in Heiligendamm zu machen,   war daher keine Heuchelei. Sie dr&#252;ckt die ernste Besorgnis der   herrschenden Klasse um ihre Investitionen aus. Zugleich ist jedoch die   Vorstellung, die acht Regierungschefs k&#246;nnten gemeinsam etwas zum Schutz   der Erdatmosph&#228;re tun, naiv. Keiner von ihnen hat alleine irgendetwas   f&#252;r den Schutz der Atmosph&#228;re zustande gebracht. Schlie&#223;lich haben die   Regierungen im Interesse der nationalen Kapitalistenklasse zu agieren.   Zusammen werden sie erst recht nichts Brauchbares zustande bringen. Die   unterschiedlichen Interessen der herrschenden Klassen Europas,   Nordamerikas und Russlands werden auch beim G8-Treffen jeden Fortschritt   verhindern. Es ist wie auf der Titanic: Das Schiff sinkt, aber das   Orchester spielt weiter.<\/p>\n<hr>\n<h3>  Grundlagen f&#252;r &#246;kologische Nachhaltigkeit<\/h3>\n<p>  Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und die technischen   M&#246;glichkeiten, um aus der Strahlung der Sonne den Weltbedarf an Strom,   W&#228;rme und Treibstoff zu decken, sind schon viele Jahre bekannt. Die   Sonnenenergie, die jeden Tag auf die Erde trifft, ist etwa 3.000 Mal so   gro&#223; wie der derzeitige Weltenergieverbrauch. Der heute technisch   nutzbare Teil dieser Energie ist etwa dreimal h&#246;her als der derzeitige   Weltenergieverbrauch.<\/p>\n<p>  Kombiniert mit anderen erneuerbaren Energieformen, Energieeinsparung und   Energieeffizienz w&#228;re es m&#246;glich, auf Energiequellen, die CO2-Aussto&#223;   beinhalten, und auf Atomenergie komplett zu verzichten.<\/p>\n<h5>  1. M&#246;glichkeiten regenerativer Energieerzeugung:<\/h5>\n<p>  Wind- und Wasserkraft zur Stromerzeugung, W&#228;rmestrahlung mittels   Sonnenkollektoren zur W&#228;rmeerzeugung, Solarzellen und thermische   Solarkraftwerke zur Stromerzeugung, Wasserstoff als Speichertechnik f&#252;r   erzeugte Energie (und damit ein m&#246;glicher erneuerbarer Treibstoff der   Zukunft), Biomasse (F&#228;kalien, Holz, Pflanzenreste und -&#246;le),   Gezeitenkraftwerke zur Ausnutzung von Ebbe und Flut bei der   Stromerzeugung sowie Geothermie (Erdw&#228;rme).<\/p>\n<h5>  2. Technische Energieeinsparpotenziale:<\/h5>\n<p>  W&#228;rmed&#228;mmung: An Geb&#228;uden kann Heizenergie durch effektive Ma&#223;nahmen   massiv gespart werden, bis zu 75 Prozent bei Alt- und bis zu 100 Prozent   bei Neubauten. Es ist oft nur ein Minimum an Energie zum Betrieb einer   L&#252;ftungspumpe erforderlich. In Kombination mit einer regenerativen   Energiequelle am Geb&#228;ude kann dort mehr Energie erzeugt werden als   verbraucht wird.<\/p>\n<p>  W&#228;rmer&#252;ckgewinnung durch Gegenstr&#246;mung und als &#220;bergangsl&#246;sung bis zur   vollst&#228;ndigen Umstellung auf regenerative Energieerzeugung die   Verbesserung der Effektivit&#228;t von herk&#246;mmlichen Anlagen durch die   Erneuerung von Heizungsanlagen und Kraft-W&#228;rme-Kopplung.<\/p>\n<h5>  3. Weitere Einsparpotenziale:<\/h5>\n<p>  Umleitung der Mittel, die in zerst&#246;rerische (R&#252;stung, AKWs) und sinnlose   Bereiche (Werbung, parallele Produktentwicklung, beabsichtigter   Verschlei&#223;, Verpackungen) gesteckt und verschwendet werden. Wieder   verwendbare Verpackungsmaterialien. Au&#223;erdem der Ausbau des Schienen-   und Busnetzes, um den Auto-, aber auch den Flugverkehr (gerade &#252;ber   mittlere Distanzen) einzuschr&#228;nken; Nulltarif im &#246;ffentlichen   Nahverkehr; G&#252;terverkehr auf die Schiene; Arbeitspl&#228;tze in Wohnortn&#228;he.   Dar&#252;ber hinaus m&#252;sste der vollkommen &#252;berzogene Luxuskonsum der   Superreichen &#8211; die etwa f&#252;nf Prozent der momentan eingesetzten Energie   verbrauchen &#8211; eingespart werden. Dies allein w&#252;rde nat&#252;rlich bei weitem   nicht ausreichen, damit lie&#223;en sich aber auf einen Schlag mehr   Ressourcen freisetzen als s&#228;mtliche Bem&#252;hungen der kapitalistischen   Regierungen zusammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <i><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Klimakatastrophe2.jpg\"><br \/>\n      Wie &#8222;sauber&#8220; sind UN, EU und G8?<\/i><br \/>In einer Welt, die<br \/>\n      in konkurrierende Nationalstaaten zerteilt ist, sind Ma&#223;nahmen zum<br \/>\n      Schutz der Erdatmosph&#228;re schwierig &#8211; wenn nicht gar unm&#246;glich. 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