{"id":10967,"date":"2004-08-26T09:13:36","date_gmt":"2004-08-26T09:13:36","guid":{"rendered":".\/?p=10967"},"modified":"2004-08-26T09:13:36","modified_gmt":"2004-08-26T09:13:36","slug":"10967","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/08\/10967\/","title":{"rendered":"&#x84;Linkspartei&#x93; im Aufwind"},"content":{"rendered":"<p>Die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) hat ein enormes Potenzial &#x96; wird sie es nutzen?<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nSeit ihrer Gr&uuml;ndung im Juli ist die WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit) auf mehrere Tausend Mitglieder in mehr als 70 Gruppen angewachsen. Im Oktober sollen &uuml;berall Landeskonferenzen stattfinden, auf denen Delegierte f&uuml;r den Bundeskongress vermutlich am 27. November gew&auml;hlt werden. Auf diesem Kongress sollen dann die Weichen f&uuml;r eine Urabstimmung &uuml;ber die Gr&uuml;ndung einer Partei gestellt werden. <br \/>  Tats&auml;chlich hat die WASG die M&ouml;glichkeit, zu einer neuen Partei mit Zehntausenden von Mitgliedern zu werden und 2006 deutlich in den Bundestag einzuziehen. <br \/>  Sollte Oskar Lafontaine, Ex-SPD-Vorsitzender und Ex-Finanzminister, bei der WASG eintreten, kann ihr das nochmals einen enormen Auftrieb verschaffen (siehe Standpukt). Entscheidend bleibt trotzdem, ob sich AktivistInnen aus Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen in ihr organisieren und selbst aktiv werden. Der Aufbau einer neuen Arbeiterpartei, einer Interessensvertretung der Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen und ihrer Familien wie es die SPD urspr&uuml;nglich war, ist sicherlich komplizierter. Dazu ist es n&ouml;tig, dass aus zuk&uuml;nftigen Wellen von Klassenauseinandersetzungen Hunderttausende und Millionen die Schlussfolgerung ziehen, selbst aktiv zu werden und ihr Schicksal nicht mehr irgendwelchen Politikern zu &uuml;berlassen.<br \/>  Doch m&ouml;glich w&auml;ren heute Schritte in diese Richtung, um diesen Prozess zu beschleunigen und einen Bezugspunkt zu schaffen.<br \/>  Die Dynamik der Entstehung der WASG zeigt zumindest, welcher Bedarf nach einer solchen neuen Partei besteht. Ihre Gr&uuml;ndung ist Ausdruck der enormen Geschwindigkeit, mit der sich die Klassenbeziehungen ver&auml;ndern und in der politische Landschaft in Deutschland nieder schlagen. Das hat wichtige R&uuml;ckwirkungen auf diesen Prozess selbst. <br \/>  Doch die Politik der bisherigen F&uuml;hrung der WASG stellt ihren Erfolg in Frage. Ihr Programm setzt auf Krisenmanagement des Kapitalismus und Glaube an den Sozialstaat innerhalb dieses Systems. Sie setzt nicht darauf, selbst aktiv K&auml;mpfe zu f&uuml;hren, sondern will &#x84;parlamentarischer Arm&#x93; sein. Ihre Methoden sind nicht darauf ausgerichtet, neue Leute voll und demokratisch einzubeziehen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">K&auml;mpfe f&uuml;hren<\/span><\/p>\n<p>  Die Vorstellung, als Arm der Bewegung in den Parlamenten etwas zu ver&auml;ndern, ist wunderlich. Nichts dagegen, Parlamente zu nutzen, um f&uuml;r die Interessen der ArbeitnehmerInnen lautstark einzutreten &#x96; die Macht der Banken und Konzerne wird aber nur dann herausgefordert werden, wenn Hunderttausende und Millionen aktiv werden. Deshalb muss die WASG selbst in die Auseinandersetzungen eingreifen, Vorschl&auml;ge machen, Erfahrungsaustausch und Debatten &uuml;ber Strategie und Alternativen anbieten. <br \/>  In einigen Orten, zum Beispiel in Berlin, hat sich die WASG an den Montagsprotesten gegen Hartz IV beteiligt. Das muss ausgeweitet und bundesweit koordiniert werden. N&ouml;tig ist, dass die WASG selbst in Stadtteilen und Betrieben f&uuml;r die Montagsdemos mobilisiert, Infotische macht und Flugbl&auml;tter verteilt. Gleichzeitig muss die WASG aber auch aufzeigen, dass Demonstrationen alleine nicht reichen werden. Notwendig ist der gemeinsame Kampf von Besch&auml;ftigen, Arbeitslosen und allen anderen Betroffenen. Deshalb muss sich die WASG politisch daf&uuml;r einsetzen, dass die Gewerkschaften statt z&ouml;gerlicher Proteste Streiks bis hin zu einem eint&auml;gigen Generalstreik organisieren.<br \/>  Doch solange Gewerkschaftsfunktion&auml;rInnen an der Spitze der WASG stehen, die selbst in ihrer Organisation nicht f&uuml;r einen grundlegend anderen Kurs stehen, wird das schwierig. Klaus Ernst, Mitglied im gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Bundesvorstand der WASG und IG-Metall-Bev&ouml;llm&auml;chtigter in Schweinfurt, organisierte einen der ersten Streiks gegen die Agenda 2010 in Schweinfurt im April 2003. Warum kam von den Gewerkschaftsfunktion&auml;rInnen in der WASG (einige erste Bev&ouml;llm&auml;chtigte der IG-Metall, IG-Metall-Bundesvorstandsmitglieder, ver.di-Bundessekret&auml;rInnen, &#8230;) so wenig danach?!<br \/>  Die WASG kann und soll Gewerkschaften nicht ersetzen. Sie kann aber aufzeigen, welche Alternativen zum Sozialkahlschlag und der kapitalistischen Misere bestehen und wie diese erk&auml;mpft werden k&ouml;nnen. <br \/>  Die etablierten Parteien halten sich im Interesse ihrer Klientel &#x96; den Unternehmern, Banken und Konzernen &#x96; keineswegs mit der Forderung zur&uuml;ck, die Macht der Gewerkschaften zu brechen (FDP-Chef Westerwelle: &#x84;Plage f&uuml;r unser Land&#x93;, CDU-Fi-nanzexperte Merz: &#x84;Sumpf austrocknen&#x93;, und so weiter). Genausowenig kann sich die WASG zur&uuml;ck halten, Wege aufzuzeigen, im Interesse der Mehrheit der Gesellschaft, die Macht der organisierten Arbeiterbewegung zu nutzen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Demokratie<\/span><\/p>\n<p>  Um erfolgreich zu sein, muss die WASG allerdings auch klar machen, dass sie mit den korrupten Parteien der Unternehmer nichts gemein hat. Laut Meinungsforschungsinstituten hat nur noch jeder zehnte in Deutschland Vertrauen in Politiker oder Parteien (Hamburger Abendblatt, 20. August 04). In einer neuen Partei sind Demokratie und Transparenz notwendig. <br \/>  Leider wird bisher von den Initiatoren der WASG eine  b&uuml;rokratische und zentralistische Strategie umgesetzt. So wurde zum Beispiel Lothar N&auml;tebusch, IG-BAU-Vorsitzender in Berlin, gegen den Willen der Berliner Gruppe vom vorl&auml;ufigen Bundesvorstand als Landeskoordinator f&uuml;r Berlin eingesetzt. N&auml;tebusch war vorher nicht einmal in der Berliner Gruppe aktiv. Ebenso wurde der Gruppe mitgeteilt, die f&uuml;r August geplanten Wahlen f&uuml;r eine Landeskoordination d&uuml;rften erst drei Monate sp&auml;ter stattfinden. <br \/>  Ein solch undemokratisches Vorgehen stellt die zuk&uuml;nftige Entwicklung der WASG in Frage: Neue AktivistInnen aus Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen werden von solchen Methoden abgeschreckt. Die SAV setzt sich dagegen in der WASG daf&uuml;r ein, dass lokale Gruppen auf der Basis eines Grundkonsenses die M&ouml;glichkeiten haben m&uuml;ssen, selbst&auml;ndig zu handeln. N&ouml;tig ist, dass mit jederzeitiger W&auml;hl- und Abw&auml;hlbarkeit aller Funktion&auml;rInnen die Mitglieder das Sagen haben. Funktion&auml;rInnen sollen nicht mehr verdienen als ein durchschnittlicher Facharbeiter.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Tinette Schnatterer, Mitglied des Stuttgarter Vorbereitungskreis der WASG und des SAV-Bundesvorstandes<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) hat ein enormes Potenzial &#x96; wird sie es nutzen?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[163],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10967"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10967"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10967\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}