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Weder faul noch hilflos!

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WASG-Jugend aktiv für Ausbildung und Übernahme


 

In Hamburg bilden nur noch 16 Prozent der Betriebe aus! Damit istHamburg das absolute Schlusslicht im Bundesland-Vergleich. Gleichzeitigstieg die Jugendarbeitslosigkeit von 2003 auf 2004 um 44 Prozent! Ausder Statistik weggerechnet wurden diejenigen, die sich in sogenanntenberufsvorbereitenden Maßnahmen, de facto Warteschleifen, befinden. InHamburg allein 5 000.

Dies ist für uns Jugendliche eine nicht hinnehmbare Situation. DieWutist groß und Widerstand längst überfällig!

Mit Zahlen lässt sich leicht hantieren…

Rufen wir uns nochmal ins Gedächtnis, dass uns die verschiedenenParteien seit 1986 eine Ausbildungsplatzumlage versprechen, dievorsieht, dass Betriebe, die nicht ausbilden, zahlen müssen. Doch auch2004 mussten wir uns wieder verarschen lassen: nichts mit Umlage,weniger Plätze als im Vorjahr und gleichzeitig ist unsere Zukunft jetztnoch durch Hartz IV bedroht. Apropos Umlage: Natürlich würde nichtalles gut, wenn wir die Ausbildungsplatzumlage hätten. Schließlichwollen wir Ausbildung und Übernahme, nicht nur Strafzahlungen vonKonzernen – die das teilweise aus der Portokasse begleichen könnten.

In Hamburg gibt es schon 3.600 jugendliche Ein-Euro-Jobber,vorwiegendbeschäftigt im Garten- und Landschaftsbau, das heißt Rasen mähen undHecken schneiden, auch schon mal in `Bonzengärten` im reichen StadtteilBlankenese. Vermarktet wurden die Ein-Euro-Jobs mit der Argumentation `Vorbereitung und Qualifizierung auf Arbeit` – Kippenstummel amElbstrand aufsammeln ist die Praxis.

…doch hinter den Zahlen stehen wir!

Neben wenig bildenden Tätigkeiten stellen die Ein-Euro-Jobs für alleBeschäftigten eine große Gefahr dar: Wir werden einfach als Lohndrückereingesetzt. Ein-Euro-Jobs führen zur Vernichtung regulärerArbeitsplätze. Dazu kommt, dass sich die Chefs durch die große Anzahlan Ausbildungsplatzsuchenden denken, sich jede Frechheit erlauben zukönnen. Die Angst unter Jugendlichen ist groß, keine Ausbildungsplatzzu finden und schnell zu den über 600.000 jugendlichen Arbeitslosenbundesweit zu gehören.

Und hat man eine Stelle gefunden, ist der Druck gewaltig, sich fastalles gefallen zu lassen, aus Angst, noch in der Probezeit entlassen zuwerden. Da wird die Ausbildung zur Hotelfachfrau schnell zum Putzkurs.In der Gastronomie heißt es dann, zehn Stunden Würstchen wenden oderKartoffeln schälen.

Wir kommen aus dieser beschissenen Situation nur durch gemeinsameAktionen, gemeinsamen Kampf für bessere Löhne, Ausbildungsbedingungenund Übernahme! Zu leicht werden wir momentan gegen einanderausgespielt, einfach durch die Knappheit der Ausbildungs- oderArbeitsangebote.

Widerstand jetzt!

Am 5. September haben wir von der WASG-Jugend Hamburg – genauso wieWASGler in Berlin und mehreren anderen Städten – mit ungefähr 40 Leutenin der Handelskammer gegen eine Kürzung der Ausbildungsvergütung auf270 Euro protestiert (Kürzungsvorschlag von Herrn Braun,DIHK-Präsident). Doch das war nur der Anfang. Dadurch, dass wir einfachreingegangen sind, musste die Handelskammer uns einen Vertreterschicken, der uns anhörte. Aber damit ist noch kein Ausbildungsplatzentstanden.

Klar für uns WASG-Jugendliche ist, dass wir die Handelskammer wieder `besuchen` werden, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Dazumüssen wir uns Schwerpunkte setzen. Dies könnte zum Beispiel einbestimmter Betrieb sein, der entweder Ausbildungsstellen kürzt, Azubiskeine Übernahme gewährleistet oder Azubis zu Sklavenlöhnen mitausbildungsfremden Tätigkeiten beschäftigt. Man könnte bei diesemBetrieb eine Outing-Kampagne durchführen, die Einrichtungen regelmäßigaufsuchen, davor protestieren und auf die Situation aufmerksam machen,die Belegschaft informieren und unterstützen.

Als Beispiel kann uns der erfolgreiche Kampf der StuttgarterKlinikum-Azubis dienen, die gerade durch kreative Protestaktionen undUnterschriftensammlungen ihre Übernahme erzwungen haben. In Hamburgsind viele, die bei unserer WASG-Jugendgruppe aktiv sind, in einerErzieherausbildung und haben somit sehr schlechte Chancen, übernommenzu werden. In den Einrichtungen wird seit Jahren gekürzt, viele warenschon bei den Kita-Protesten letztes Jahr aktiv dabei und wollen sichjetzt gegen die Perspektive `Drei Jahre Ausbildung und danacharbeitslos` wehren.

Auf Wirtschaftsbosse und Politiker zu hoffen – genauso wie der Satz: `Das betrifft mich nicht!` – ist für´n Müll. Schluss mit dieserPerspektivlosigkeit. Wir erkämpfen unsere Zukunft selbst, auf denStraßen und in den Betrieben, gemeinsam undsolidarisch!

von Gina Cornehl, Hamburg