{"id":37965,"date":"2019-05-18T06:12:28","date_gmt":"2019-05-18T04:12:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37965"},"modified":"2019-05-19T21:31:53","modified_gmt":"2019-05-19T19:31:53","slug":"sudan-russland-1917-muss-sich-wie-khartum-2019-angefuehlt-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2019\/05\/sudan-russland-1917-muss-sich-wie-khartum-2019-angefuehlt-haben\/","title":{"rendered":"Sudan: \u201cRussland 1917 muss sich wie Khartum 2019 angef\u00fchlt haben\u201d"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_37966\" aria-describedby=\"caption-attachment-37966\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37966\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Sudan-Revolution-Afrika-260x173.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Sudan-Revolution-Afrika-260x173.jpg 260w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Sudan-Revolution-Afrika-768x512.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Sudan-Revolution-Afrika-521x347.jpg 521w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Sudan-Revolution-Afrika-600x400.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Sudan-Revolution-Afrika.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-37966\" class=\"wp-caption-text\">M.Saleh [CC BY-SA 4.0 (https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0)]<\/figcaption><\/figure><strong>Nach dem Sturz von Omar al Bashir k\u00f6nnen die Massen nur auf ihre eigene Kraft vertrauen<\/strong><\/p>\n<p>Der Sturz von Omar al Bashir durch die sudanesischen Massen am 11. April ist eines der gewaltigsten Ereignisse in der modernen Geschichte der sudanesischen Massen, auf dem (afrikanischen) Kontinent und im Nahen Osten. Es hat gleichzeitig die Massen in ganz Afrika inspiriert und den despotischen Regimen in der Region Angst eingefl\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p><em>Von Weizmann Hamilton, Mitglied der Workers\u2019 and Socialist Party, Schwestersektion der SAV in S\u00fcdafrika<\/em><\/p>\n<p>Eine Journalistin der Financial Times, die diese turbulenten Ereignisse beobachtet, f\u00fchlte sich bewegt zu schreiben: &#8222;Man kann nicht mit Sicherheit sagen, wie sich Russland 1917 beim Sturz des Zaren oder Frankreich 1871 in den berauschenden, idealistischen Tagen der kurzlebigen Pariser Kommune anf\u00fchlte. Aber es muss sich in etwa so wie Khartum im April 2019 angef\u00fchlt haben.&#8220;<\/p>\n<p>Der London Guardian (5.05.2019) berichtet, dass &#8222;innerhalb weniger Tage nach der Entfernung von Bashir wurden die saudischen Geldbeutel ge\u00f6ffnet. Zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sagte sie ein Hilfspaket in H\u00f6he von 3 Milliarden Dollar zu, um die sudanesische Wirtschaft und damit die milit\u00e4rische \u00dcbergangsregierung zu st\u00fctzen\u2026 Gulf News gab ein Profil des derzeitigen Vorsitzenden des \u00dcbergangs-Milit\u00e4rrats heraus und betonte, dass er &#8222;w\u00e4hrend des Krieges im S\u00fcdsudan und in der Region Darfur wichtige Positionen innehatte, haupts\u00e4chlich aufgrund seiner zivilen Manieren und seines professionellen Verhaltens&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Der Leitartikel begann mit einer panischen Hommage an den Sudan als &#8222;eines der strategischsten L\u00e4nder Afrikas und der arabischen Welt&#8220;. Ein hochrangiger Minister der Vereinigten Arabischen Emirate versuchte letzte Woche, das pl\u00f6tzliche Interesse und die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit f\u00fcr den Sudan als weise Vorsichtsma\u00dfnahme nach dem Aufruhr des arabischen Fr\u00fchlings darzustellen. &#8222;Wir haben in der Region ein totales Chaos erlebt und vern\u00fcnftigerweise brauchen wir nicht mehr davon&#8220;, erkl\u00e4rte er.<\/p>\n<p>&#8222;Aber diese neu gefundene Zuneigung zu dem ach so strategischem Sudan und seinen zivilisierten Milit\u00e4rf\u00fchrern hat mehr mit der gestiegenen Unsicherheit der saudischen K\u00f6nigsfamilie \u00fcber ihr eigenes Schicksal zu tun als mit der Aufrechterhaltung der Stabilit\u00e4t. Die Gefahr einer sudanesischen Revolution liegt in ihrer Optik, im Sinne der M\u00f6glichkeit, die sie suggeriert\u2026 Regimewechsel.&#8220;<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass Bashir in der Lage war, mehrere Krisen zu \u00fcberwinden, hatte zu Wahnvorstellungen der Unverwundbarkeit gef\u00fchrt. Dieser Aufstand war anders. W\u00e4hrend in der Vergangenheit Brutalit\u00e4t das Regime aufrecht erhielt, konnte diesmal die weit verbreitete Repression einschlie\u00dflich der Verhaftung von Aktivist*innen und einer Zahl von etwa 60 Todesopfern die Massen nicht abschrecken.<\/p>\n<p>Dieser Mut und diese Entschlossenheit spiegelte sich in der Tatsache wider, dass die Massen am 6. April entschieden die Revolution direkt zum Sitz seiner Diktatur, dem Milit\u00e4rkomplex, in dem sich seine Residenz befand, wo sich die Massen seitdem niedergelassen haben, zu tragen. Innerhalb von f\u00fcnf Tagen war Bashirs 30-j\u00e4hrige Herrschaft beendet.<\/p>\n<p>Die Bewegung wurde ausgel\u00f6st durch die Entscheidung des Bashir-Regimes, dem Rat des IWF zu folgen und die Subventionen f\u00fcr Treibstoff und Weizen zu streichen. In einem Land, in dem nur 3 % des Staatshaushalts f\u00fcr Bildung und noch weniger f\u00fcr Gesundheit ausgegeben werden und Unsummen f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung von Aufst\u00e4nden in den Regionen S\u00fcd-Kurdufan, Darfur und der Blauen Nil Region aufgewendet werden, fiel die Last dieser Ma\u00dfnahmen direkt auf die Arbeiter*innenklasse und die Armen in Stadt und Land.<\/p>\n<p>Die Aufhebung der US-Sanktionen im Jahr 1997 war nicht in der Lage wirtschaftliche Entlastung zu bieten. Die wirtschaftliche Situation hatte sich seit der Unabh\u00e4ngigkeit des \u00f6lreichen S\u00fcdsudans im Jahr 2011 deutlich verschlechtert. Die den Verlust von \u00d6leinnahmen, die sich auf S\u00fcd-Sudan konzentrierten, bedeutet hat. Beschleunigt durch die Abwertung des sudanesischen Pfunds auf Empfehlung des IWF stieg die Inflation auf 72%, die zweith\u00f6chste der Welt nach Venezuela. Die Wirtschaftskrise wurde noch versch\u00e4rft durch heftige Pl\u00fcnderungen, die den Sudan auf Platz 175 von 180 L\u00e4ndern des Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International platzieren konnten. Koffer mit mehr als 351.000 Dollar, 6 Millionen Euro und f\u00fcnf Milliarden sudanesischen Pfund (105 Millionen Dollar) wurden in Herrn Bashirs Haus gefunden.<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden, obwohl die vom IWF diktierten Ma\u00dfnahmen der Tropfen war der das Fass zum \u00fcberlaufen brachte, sollte diese Bewegung nicht wie in so vielen anderen L\u00e4ndern als blo\u00df ein weiterer &#8222;IWF-Lebensmittel-Aufstand&#8220; enden. Ab Mitte Dezember in Atbara, einer Stadt im Bundesstaat Nil, etwa 180 Meilen von Khartum entfernt, startend breiteten sie sich die Proteste im ganzen Land aus, fegten \u00fcber selbst marginalisierte Randgebiete wie El-Gadarif im Osten des Sudans und Nyala und El Fashir in Darfur, wo Tausende get\u00f6tet und Hunderte von D\u00f6rfern bei der Bek\u00e4mpfung von Aufst\u00e4nden zerst\u00f6rt wurden. Dies ist die l\u00e4ngste, am weitesten verbreitete und anhaltende Bewegung der sudanesischen Massen in der postkolonialen Zeit.<\/p>\n<p>Die Intensit\u00e4t der Proteste l\u00f6ste Panik in der Koalition der Gener\u00e4le, Sicherheitschefs und islamistischen Politiker innerhalb der regierenden National Congress Party aus. Die Hardliner dr\u00e4ngten auf eine brutale Niederschlagung, aber die Armeekommandanten sprachen sich f\u00fcr Zur\u00fcckhaltung aus. Diese internen Konflikte spiegelten sich in der Intervention von einfachen Soldaten in der Armee wider, die die Massen sch\u00fctzten, als Milizen und Einheiten der gef\u00fcrchteten National Intelligence and Security Services Tr\u00e4nengas und scharfe Munition auf die Demonstrant*innen feuerten.<\/p>\n<p>Unter dem hei\u00dfen Atem der Revolution wurde das Milit\u00e4r innerhalb von vierundzwanzig Stunden gezwungen, den Ersatz von al Bashir, Generalleutnant Ahmed Awad Ibn Auf, der von den Massen als zu nah am al-Bashir-Regime abgelehnt wurde, zusammen mit General Abdel-Fattah Burhan zu ersetzen.<\/p>\n<p>Zum Zeitpunkt des Schreibens h\u00e4lt die Pattsituation zwischen den Massen und dem Milit\u00e4r, die sich aus dem revolution\u00e4ren Aufstand ergab, der Omar al Bashir aus dem Amt zwang, an. Aus Angst, dass der Sturz des ehemaligen Diktators durch die direkte Aktion der revolution\u00e4ren Bewegung die Frage nach dem Aufbau einer neuen Ordnung unter der F\u00fchrung der Massen selbst aufwerfen w\u00fcrde, ergriff das Milit\u00e4r Ma\u00dfnahmen zur Abwehr der Bewegung, f\u00fchrte einen Putsch durch und zwang Omar al Bashir aus dem Amt. Dies war ebenso ein Palastrevolte gegen Bashir wie ein konterrevolution\u00e4rer Akt der Armeegener\u00e4le gegen die Massen.<\/p>\n<p>Als sympathisch f\u00fcr die Ziele der Massen posierend, warnt die Armee vor &#8222;Chaos und Anarchie&#8220; und bef\u00fcrwortet einen &#8222;geordneten \u00dcbergang&#8220;. Das Milit\u00e4r hat einen \u00dcbergangsrat unter der Leitung von Generalleutnant Abdel Fattah Abdelrahman Burhan eingerichtet, der versprochen hat, das Regime &#8222;zu entwurzeln&#8220;, gelobte, staatliche Institutionen umzustrukturieren und die n\u00e4chtliche Ausgangssperre zu beenden. Die Armee setzte die Verfassung aus, l\u00f6ste die Regierung auf, erkl\u00e4rte einen dreimonatigen Ausnahmezustand, verh\u00e4ngte eine einmonatige Ausgangssperre und schloss die Grenzen und den Luftraum des Landes. Leutnant General Burhan k\u00fcndigte auch die Freilassung aller politischen Gefangenen an.<\/p>\n<p>Das Patt zwischen der Organisation, die die Massen in Aktion rief, der Sudanesische Fachkr\u00e4fte Allianz Sudanese Professionals Association (Sudanese Professionals Association SPA, Dachverband 15 sudanesischer Gewerkschaften, Anm. d. \u00dcbers.) und dem Milit\u00e4r besteht in der Zusammensetzung des \u00dcbergangsrates. Die SPA fordert einen 15 Mitglieder umfassenden Rat mit 8 Zivilist*innen und 7 Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen. Der Gegenvorschlag des Milit\u00e4rs ist ein 10 Mitglieder umfassender Rat mit 7 Mitgliedern f\u00fcr das Milit\u00e4r.<\/p>\n<h4>Erfahrungen des arabischen Fr\u00fchling 2011<\/h4>\n<p>Die Erfahrung des arabischen Fr\u00fchlings 2011, insbesondere in \u00c4gypten, wo ein noch repressiveres Regime als das von Mubarak die Macht \u00fcbernommen hat, nachdem das Milit\u00e4r f\u00e4hig war, sich als &#8222;Armee des Volkes&#8220; darzustellen, hat Einfluss auf das Bewusstsein der sudanesischen Massen gehabt. Der arabische Fr\u00fchling hat den Massen beigebracht, v\u00f6llig misstrauisch gegen\u00fcber der Haltung des Milit\u00e4rs zu sein. Das unmittelbare Ziel des Milit\u00e4rs ist es, die revolution\u00e4re Welle zu reiten, sich als neutraler unabh\u00e4ngiger Schiedsrichter darzustellen, der mit den demokratischen Bestrebungen der Massen sympathisiert, auf die Ersch\u00f6pfung zu warten und dann entschlossen zur Wiederherstellung von &#8222;Recht und Ordnung&#8220; \u00fcberzugehen.<\/p>\n<p>Milit\u00e4rratsmitglied, Generalleutnant Salah Abdelkhalik, reagierte auf Berichte \u00fcber Pl\u00e4ne der Armee, die Proteste zu zerstreuen, und sagte den Reporter*innen, dass die Sicherheitskr\u00e4fte &#8222;niemals Gewalt gegen Demonstrant*innen anwenden werden&#8220;. Er distanzierte den Rat auch von der ehemaligen Regierung al-Bashirs und sagte: &#8222;Wir sind Teil der Revolution und nicht Teil des fr\u00fcheren Regimes, wie die Menschen uns sehen.&#8220; (Al Jazeera Online \u2013 30\/04\/2019)<\/p>\n<p>Die sudanesische Inkarnation des arabischen Fr\u00fchlings von vor acht Jahren ist entschlossen, das Schicksal dieses gro\u00dfartigen Aufstands zu vermeiden. Konfrontiert mit den gleichen konterrevolution\u00e4ren Machenschaften des Milit\u00e4rs wie in \u00c4gypten im Jahr 2011, haben die Massen diese Ma\u00dfnahmen mit Trotz beantwortet. Die Proteste wurden mit der Forderung der Massen fortgesetzt, dass die milit\u00e4rische Hand die Kontrolle an das Volk zur\u00fcckgibt. In einem Land, in dem mehr als 60 Prozent der Bev\u00f6lkerung unter 25 und rund 20 Prozent zwischen 15 und 24 Jahren alt sind, sind es die Jugendlichen, die in der Bewegung im Vordergrund stehen. Am signifikantesten ist, dass sch\u00e4tzungsweise 70% der Demonstranten Frauen sind.<\/p>\n<p>Die Massen sind entschlossen, dass es keine Wiederholung einer R\u00fcckkehr der alten Ordnung oder einer direkten Milit\u00e4rregierung geben wird. Ausgehend von dem tiefen Verdacht der Massen hat die SPA, die in die F\u00fchrung der Bewegung gegen das al-Bashir-Regime gedr\u00e4ngt wurde, den Druck auf die Armee erh\u00f6ht. &#8222;Der Milit\u00e4rrat ist eine Kopie des gest\u00fcrzten Regimes. Die Armee versucht, das Sit-in zu zerstreuen, indem sie die Barrikaden entfernt&#8220;, sagte die SPA.&#8220; (Al Jazeera Online \u2013 30\/04\/2019)<\/p>\n<p>Als Reaktion auf Drohungen der Armee, das &#8222;Chaos&#8220; zu beenden, forderte die SPA am 2. Mai einen &#8222;Millionen starken Marsch&#8220;, um die Blockade bei der Zusammensetzung des \u00dcbergangsrates zu \u00fcberwinden. Was sich in Wirklichkeit abspielt, ist ein Kraftprobe zwischen Revolution und Konterrevolution. Diese Pattsituation kann nicht unbegrenzt andauern. Sie muss zugunsten der Massen oder zugunsten der herrschenden Elite gel\u00f6st werden.<\/p>\n<p>Der sudanesische Aufstand ist eine eindrucksvolle Best\u00e4tigung einer der Grundlagen von Trotzkis Theorie der permanenten Revolution &#8211; der v\u00f6lligen Unf\u00e4higkeit der kolonialen Bourgeoisie, selbst die grundlegendsten Aufgaben der b\u00fcrgerlichen demokratischen Revolution zu erf\u00fcllen, geschweige denn selbst die kleinsten W\u00fcnsche der Massen zu erf\u00fcllen. Die Elite nach der Unabh\u00e4ngigkeit nicht nur verantwortlich f\u00fcr den wirtschaftlichen Niedergang, das Vers\u00e4umnis, den Sudan als einen geeinten Staat zusammenzuhalten, geleitet, sondern auch daf\u00fcr gesorgt, dass das Land zum Spielplatz konkurrierender regionaler M\u00e4chte im Golf und ihrer imperialistischen Herrscher wurde.<\/p>\n<p>Bei der Festlegung des weiteren Vorgehens werden die sudanesischen Massen nicht nur den arabischen Fr\u00fchling als Bezugspunkt nutzen, dessen gr\u00f6\u00dfte Errungenschaft, die Vertreibung eines Diktators, sie bereits erreicht haben, und dessen Grenzen &#8211; die R\u00fcckkehr der alten Ordnung unter das Milit\u00e4r &#8211; sie weiterhin entschlossen sind zu verhindern. Sie werden auch die Erfahrungen ihrer eigenen reichhaltigen Kampfgeschichte wieder entdecken.<\/p>\n<p>Dies ist der sechste Milit\u00e4rputsch seit der Unabh\u00e4ngigkeit. Wichtig, aus der Perspektive der Revolution, ist, dass drei dieser Putsche tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrt wurden, um die Massenaufst\u00e4nde zu \u00fcberwinden und zu unterdr\u00fccken. Aber die Lehren aus der Oktoberrevolution von 1964 und der April-Intifada von 1985 waren, dass beide gegen das Milit\u00e4r erfolgreich waren. Erstere verdr\u00e4ngten das erste Milit\u00e4rregime des Sudans, letztere das zweite.<\/p>\n<p>Es kann kein Vertrauen in das Milit\u00e4r geben. Als bekannte Aktivistenfigur wurde Ali Elhasan im Januar verhaftet und in den so genannten &#8222;K\u00fchlschrank&#8220; im Shandi-Gef\u00e4ngnis gebracht, kehrte aber unmittelbar zu den Protesten am Tag vor der Vertreibung von Bashir zur\u00fcck, betont: Das alte Regime &#8222;ist immer noch in den Sicherheitskr\u00e4ften und in der Wirtschaft vertreten. Sie haben Milizen und sie haben noch Waffen und Geld. Wir haben ein Zeitfenster&#8230;. Wir k\u00f6nnen nicht warten.&#8220;<\/p>\n<p>Die Organisation an der Spitze der Bewegung, die Sudanesische Fachkr\u00e4fte Allianz, ist ein Dachverband von 15 verschiedenen Gewerkschaften, der erstmals im Oktober 2016 gegr\u00fcndet wurde. Unter ihrem Dach befinden sich die \u201eForces of National Consensus\u201c, der \u201eSudan Call\u201c und andere politische Parteien, einschlie\u00dflich der Kommunistischen Partei Sudans. Sie setzte sich f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines Mindestlohns ein und beteiligte sich an Protesten gegen die steigenden Lebenshaltungskosten im Sudan. Prominent in der SPA sind Anw\u00e4lt*innen, \u00c4rzt*innen und Universit\u00e4tsdozent*innen.<\/p>\n<p>Die SPA-Vorschl\u00e4ge f\u00fcr einen \u00dcbergangsrat, der auch das Milit\u00e4r einbeziehen wird, legen nahe, dass es weder die Lehren aus dem arabischen Fr\u00fchling noch aus der Oktoberrevolution von 1964 und der Intifada von 1985 gezogen hat. Sie spiegeln den b\u00fcrgerlichen Charakter der SPA-F\u00fchrung und die Bereitschaft wider, einen imagin\u00e4ren Mittelweg zwischen der Diktatur des Bashir und einem wirklich demokratischen Regime auf der Grundlage der Arbeiter*innenklasse und der Armen zu finden.<\/p>\n<p>Der Aktivist Elhasan geh\u00f6rt zu einer Gruppe, die schon fr\u00fch mit den Protesten f\u00fcr t\u00e4gliche Demonstrationen begann, im Gegensatz zur SPA, die sich einen langsameren Ansatz w\u00fcnschte: &#8222;Ich habe hier geschlafen, seit ich frei gekommen bin&#8220;, sagte er in einem Stra\u00dfencaf\u00e9 beim Protest. &#8222;Wir werden nicht zulassen, dass Entscheidungen abseits der Menschen getroffen werden. Sie m\u00fcssen transparent sein. Wir sind hier, um den Druck auf die [Oppositionskoalition] aufrechtzuerhalten, damit sie verstehen, dass ihre Verhandlungen mit dem \u00dcbergangsmilit\u00e4rrat im Namen der Demonstrant*innen gef\u00fchrt werden.&#8220;<\/p>\n<p>Zum Milit\u00e4r geh\u00f6rt auch General Auf, der die Milit\u00e4rakademie in Kairo absolviert hat und enge Beziehungen zu dem \u00e4gyptischen Pr\u00e4sidenten Abdel Fattah el-Sisi unterh\u00e4lt. Sie wird von Durhan geleitet, der neben der von Saudi-Arabien gef\u00fchrten Koalition im Jemen f\u00fcr die Operationen des Sudan verantwortlich ist. Der stellvertretende F\u00fchrer Mohammad Hamdan aka Himeidti ist der Kommandant der \u201eRapid Support Forces\u201c, einer privaten Streitmacht, die teilweise in den Milit\u00e4r- und Sicherheitsdienst integriert wurde. Die Einheit wird von vielen als eine umbenannte Version der Janjaweed-Milizen angesehen, zu denen Himeidti selbst geh\u00f6rte, die 2003 in Darfur Massaker ver\u00fcbten. Er hat 7.000 Soldaten im Jemen auf der saudi-arabischen Gehaltsliste. Zum Milit\u00e4r geh\u00f6rt auch der r\u00fccksichtslose und ehrgeizige Chef der Geheimdienste, Salah Abdalla Gosh, der m\u00e4chtige Streitkr\u00e4fte in der Hauptstadt kontrolliert und enge Verbindungen zu Geheimdiensten, einschlie\u00dflich der C.I.A., unterh\u00e4lt und in j\u00fcngster Zeit besonders mit den Vereinigten Arabischen Emiraten in Verbindung gebracht wurde.<\/p>\n<h4>Politik der Klassenkollaboration<\/h4>\n<p>Es gen\u00fcgt, diese Fakten darzulegen, um den schwerwiegenden Fehler der SPA anzuerkennen. Auch die Kommunistische Partei Sudans bietet keinen Ausweg. Sie fordert &#8222;Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit&#8220; und f\u00e4hrt fort: &#8222;Revolution ist die Entscheidung des Volkes. Die Kommunistische Partei Sudans und alle Oppositionskr\u00e4fte sind entschlossen, den Kampf bis zur Bildung einer Zivilregierung fortzusetzen, die die Massen vertritt und das von allen Kr\u00e4ften, der SPA und den bewaffneten Gruppen akzeptierte demokratische Alternativprogramm umsetzt.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Position stammt leider direkt aus der klassenkollaborativen Politik des Stalinismus, die der Konterrevolution in vielen L\u00e4ndern geholfen hat. Es ist das direkte Gegenteil der Politik von Lenin, Trotzki und den Bolschewiki in der Revolution von 1917, die sich dem Beitritt zu jeder Regierung auf Basis des Kapitalismus widersetzten und sich daf\u00fcr einsetzten, die Mehrheit f\u00fcr eine Arbeiter*innen- und B\u00e4uer*innenregierung zu gewinnen, die mit dem Kapitalismus brechen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Bislang ist die Einheit und Entschlossenheit der Massen ungebrochen. Versuche von religi\u00f6sen F\u00fchrern, die Bewegung zu diskreditieren, wurden zur\u00fcckgewiesen. Behauptungen, dass die Bewegung von der sudanesischen Befreiungsarmee in Darfur inspiriert sei, wurden mit dem trotzigen Gesang beantwortet: &#8222;Wir sind alle Darfur.&#8220;<\/p>\n<p>In Anbetracht der engen kulturellen Verbindungen zwischen der F\u00fchrung des SPA und der sudanesischen Elite rief sie zu einer Reinigungskampagne auf, bei der Frauen im Vordergrund stehen sollten: &#8222;weil es dir mehr bedeutet.&#8220; Es wurde mit Emp\u00f6rung und einer Entschuldigung von der SPA beantwortet. Zu den repressiven Ma\u00dfnahmen gegen Frauen geh\u00f6ren obligatorische Kleiderordnungen bei deren Verletzung sie ausgepeitscht werden. In dem \u00fcberwiegend muslimischen Land, in dem noch immer weibliche Genitalverst\u00fcmmelung praktiziert wird, gibt es keine Gleichstellung der Geschlechter &#8211; fast 90% der sudanesischen Frauen wurden beschnitten. Das SPA war gezwungen, diese Beleidigung zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n<p>Die Energie der Bewegung war ausreichend, um den Aufstand in seine gegenw\u00e4rtige Situation zu bringen. Aber in Abwesenheit einer Massenarbeitspartei ist die SPA in das Vakuum getreten. W\u00e4hrend sich die SPA jedoch gegen die Milit\u00e4rregierung wendet, versucht sie, eine zivil gef\u00fchrte kapitalistische Regierung zu bilden. Aber eine solche Regierung, auch wenn sie als &#8222;\u00dcbergangsregierung&#8220; bezeichnet wird, w\u00fcrde von Natur aus nicht den Griff der herrschenden Klasse und des Imperialismus brechen, was fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Gefahr einer Konterrevolution mit sich bringen w\u00fcrde, wie sie zuvor im Sudan und in anderen Revolutionen beobachtet wurde.<\/p>\n<p>Die Massen m\u00fcssen ihre eigene Macht aufbauen, im Gegensatz zu der des gleichen Regimes, das ohne Bashir weiterlebt, und sogar zu der SPA, auf die Druck ausge\u00fcbt werden muss, um vollst\u00e4ndig mit dem Milit\u00e4r zu brechen. Die Verbr\u00fcderung zwischen den Soldaten, w\u00e4hrend sich die Hardliner im April auf das Durchgreifen vorbereiteten, zeigt die potenzielle Macht der Massen selbst.<\/p>\n<p>Was jetzt dringend notwendig ist, ist die Konsolidierung der Einheit, die bisher die Bewegung vorangetrieben hat. Die Aktionsaussch\u00fcsse in Bereichen wie in Atbera, wo der Aufstand begann, m\u00fcssen im ganzen Land wiederholt werden, um die Grundlage f\u00fcr die unabh\u00e4ngige Macht der Massen zu schaffen. Die grundlegenden Organisationsschritte, die bei der Massenbesetzung au\u00dferhalb des milit\u00e4rischen Hauptquartiers, des sudanesischen Tahrir-Platzes, unternommen wurden, einschlie\u00dflich der Einrichtung von Komitees zur Ern\u00e4hrung der Menschen, zur Sicherheit, zur Kontrolle des Verkehrs, sogar einer Klinik, m\u00fcssen im Rest des Landes durchgef\u00fchrt werden, um die Kontrolle \u00fcber Arbeitspl\u00e4tze und Produktion zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Durch die Verkn\u00fcpfung dieser Aussch\u00fcsse, einschlie\u00dflich lokaler Gewerkschaften, Arbeiter*innen und anderer revolution\u00e4rer Kr\u00e4fte auf lokaler, staatlicher und nationaler Ebene, k\u00f6nnen die Arbeiter*innenaussch\u00fcsse die Grundlage f\u00fcr eine alternative staatliche Struktur schaffen, die die Macht vom Milit\u00e4r \u00fcbernehmen und eine Regierung bilden kann, die von Vertretern der Arbeiter*innen und Armen geleitet wird.<\/p>\n<p>Die sudanesische Gesellschaft kann die Sackgasse des Kapitalismus nur durch eine sozialistische Revolution \u00fcberwinden. Dazu bedarf es einer Massenpartei der Arbeiter*innenklasse auf der Grundlage eines sozialistischen Programms. Um erschwingliche Preise f\u00fcr Nahrungs- und Brennstoffe, Lohnerh\u00f6hungen und eine k\u00fcrzere Arbeitswoche zu erhalten, ist es notwendig, f\u00fcr die Verstaatlichung der Gro\u00dfindustrien und des Landes der Gro\u00dfgrundbesitzer unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung der Arbeiterklasse zu k\u00e4mpfen. Auf der Grundlage eines sozialistischen Plans w\u00e4re es m\u00f6glich, in die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen, menschenw\u00fcrdiges Wohnen, Gesundheitsversorgung und Bildung zu investieren.<\/p>\n<p><strong>So ein Programm w\u00fcrde folgende Forderungen beinhalten:<\/strong><\/p>\n<p>\u2013 die sofortige Abschaffung aller diskriminierenden Gesetze zur Unterdr\u00fcckung von Frauen<\/p>\n<p>\u2013 Religionsfreiheit und Trennung von Kirche und Staat<\/p>\n<p>\u2013 Verteidigung der demokratischen Rechte<\/p>\n<p>\u2013 die Zur\u00fcckweisung von Auslandsverschuldung<\/p>\n<p>\u2013 der Abzug der Truppen aus dem Jemen und die Einstellung der milit\u00e4rischen Unterdr\u00fcckung unterdr\u00fcckter Nationalit\u00e4ten und die Anerkennung des Rechts auf Selbstbestimmung<\/p>\n<p>\u2013 eine Regierung, die von demokratisch gew\u00e4hlten Vertretern der Arbeiter*innen und Armen geleitet wird.<\/p>\n<p>\u2013 f\u00fcr einen sozialistischen Sudan, der auf f\u00f6deraler Basis vereint ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Sturz von Omar al Bashir k\u00f6nnen die Massen nur auf ihre eigene Kraft vertrauen<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":37966,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37965"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37965"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37965\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37980,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37965\/revisions\/37980"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37966"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37965"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37965"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37965"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}