{"id":37940,"date":"2019-05-08T06:32:44","date_gmt":"2019-05-08T04:32:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37940"},"modified":"2019-05-08T14:37:57","modified_gmt":"2019-05-08T12:37:57","slug":"feminismus-fuer-die-99-prozent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2019\/05\/feminismus-fuer-die-99-prozent\/","title":{"rendered":"Feminismus f\u00fcr die 99 Prozent"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37941 alignleft\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/LyC-1-247x173.jpg\" alt=\"\" width=\"247\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/LyC-1-247x173.jpg 247w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/LyC-1-768x538.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/LyC-1-496x347.jpg 496w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/LyC-1-600x420.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/LyC-1.jpg 980w\" sizes=\"(max-width: 247px) 100vw, 247px\" \/>Ein Manifest, die Welt zu ver\u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p>Welche Kraft braucht es, um die Diskriminierung und Spaltung zu beenden, die aufgrund das kapitalistischen Systems besteht? K\u00f6nnen globale Frauenbewegungen zur entscheidenden Triebfeder f\u00fcr den Wandel werden? Ist die organisierte Arbeiter*innenklasse somit redundant? Christine Thomas rezensiert eine neue Ver\u00f6ffentlichung, die mit der Behauptung aufwartet, Antworten auf diese Fragen zu haben.<\/p>\n<p><em>Christine Thomas, aus der Mai-Ausgabe der \u201eSocialism Today\u201c, Monatsmagazin der \u201eSocialist Party\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England und Wales)<\/em><\/p>\n<p>Am Internationalen Frauentag sind in diesem Jahr wieder Millionen von Frauen und M\u00e4nnern auf die Stra\u00dfe gegangen und haben sich ein weiteres Mal an weltweiten Protesten gegen geschlechtsspezifische Unterdr\u00fcckung beteiligt. In einigen wenigen L\u00e4ndern waren auch \u201efeministische\u201c Streiks zum Bestandteil dieses Widerstands-Tages geworden ist. Kurz vor dem 8. M\u00e4rz haben 24 prominente Autorinnen und Aktivistinnen aus neun L\u00e4ndern eine gemeinsame Erkl\u00e4rung unterzeichnet, in sie dazu dazu aufrufen, den feministischen Kampf auf eine neue Ebene zu heben. Vorgeschlagen wird darin die Organisation \u201etransnationaler Treffen und Versammlungen der Bewegungen\u201c als \u201eNotbremse\u201c, \u201edie in der Lage ist, den kapitalistischen Zug aufzuhalten, der mit voller Fahrt unterwegs ist und alles Humanit\u00e4re sowie den Planeten, auf dem wir leben, in die Barbarei treibt\u201c.<\/p>\n<p>Drei dieser Feministinnen, die Autorinnen Cinzia Arruzza, Tithi Bhattacharya und Nancy Fraser, haben sich zusammengetan und gewisserma\u00dfen ein zuversichtliches Programm f\u00fcr die globale Frauenbewegung verfasst. Es ist ein feministisches Manifest f\u00fcr die viel zitierten 99 Prozent der Bev\u00f6lkerung. Darin behaupten sie, die Bewegung erfinde und definiere alles neu: den Streik, die Arbeiter*innenklasse und den Klassenkampf. Das sind mutige Thesen. W\u00e4hrend es in diesem Manifest einiges gibt, das wir unterst\u00fctzen w\u00fcrden, so weist es dennoch politische und theoretische Schw\u00e4chen auf, die die weltweiten Frauenbewegungen durchdringen und von denen sogar einige Marxist*innen beeinflusst werden.<\/p>\n<p>Die Autorinnen positionieren sich eindeutig auf dem antikapitalistischen Fl\u00fcgel der Bewegung. Der Kapitalismus, so argumentieren sie, wird bestimmt von einer schonungslosen Jagd nach Profit und n\u00e4hrt sich selbst durch die Ausbeutung der Arbeitskr\u00e4fte und der Selbstbedienung in der Natur, an \u00f6ffentlichen G\u00fctern und unbezahlter Arbeit. Die aktuelle Krise findet nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene statt sondern ist als systemisch zu bezeichnen. Es handelt sich demnach um eine Krise, die zeitgleich in den Bereichen \u00d6konomie, \u00d6kologie, Politik und sowie der gesellschaftlichen Reproduktion stattfindet. Diese Krise \u201eepochalen Ausma\u00dfes\u201c f\u00fchrt zum Absturz der Lebensstandards, einer drohenden Umweltkatastrophe, verheerenden Kriegen, massenhafter Flucht, Rassismus, Xenophobie und einer R\u00fccknahme hart erk\u00e4mpfter sozialer und politischer Rechte. Der Feminismus f\u00fcr die 99%, so halten sie entgegen, muss antirassistisch, anti-imperialistisch, gegen den Krieg, \u00f6ko-sozialistisch und \u2013 vor allem \u2013 antikapitalistisch sowie internationalistisch sein.<\/p>\n<p>Die Autorinnen des Manifests verorten die geschlechtsspezifische Unterdr\u00fcckung ganz klar in den Strukturen der kapitalistischen Gesellschaft. Sie liegen richtig, wenn sie sagen, dass der Kapitalismus die Unterordnung der Frau nicht erfunden hat, weil sie bereits in verschiedenen Formen in allen vorangegangenen Klassen-Gesellschaften existiert hat. Doch der Kapitalismus verf\u00fcgt \u00fcber seine eigenen, modernen Formen des Sexismus, untermauert von neuen institutionellen Strukturen. Geschlechtsspezifische Gewalt basiert auf hierarchischen Machtstrukturen, die die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Geschlecht mit der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer \u201eRasse\u201c und zur gesellschaftlichen Klasse verkn\u00fcpft. Der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt muss daher systemisch gef\u00fchrt, und mit dem Kampf f\u00fcr Reformen auf rechtlicher Ebene und mit einer \u201eexit option\u201c f\u00fcr \u00dcberlebende (Fl\u00fcchtlinge, Wohnraum usw.) sowie mit dem Kampf gegen jegliche Form von Gewalt in der kapitalistischen Gesellschaft verbunden werden.<\/p>\n<p>Auf gleiche Weise kann der Kampf, um die Sexualit\u00e4t vom \u201eZeugungsakt, normativen Familienstrukturen und an die Klassen-Zugeh\u00f6rigkeit und das Geschlecht gekn\u00fcpfte Restriktionen sowie vom Rassismus\u201c und vom \u201eKonsumdenken\u201c zu befreien, sich nicht darauf beschr\u00e4nken, Gesetze zu sichern. Die strukturellen Bedingungen d\u00fcrfen nicht unangetastet bleiben. Sexualit\u00e4t zu befreien erfordert \u201eeine nicht-kapitalistische Form von Gesellschaft, die die materielle Grundlage f\u00fcr die sexuelle Befreiung sicherstellen kann\u201c. Gerechtigkeit im Reproduktionsprozess kann nicht isoliert betrachtet werden von der Forderung nach einer kostenlosen und f\u00fcr alle zug\u00e4nglichen Gesundheitsversorgung, die nicht am Profit ausgerichtet ist. Gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit sollte nicht dazu f\u00fchren, dass alle zu den gleichen schlechten Bedingungen arbeiten. Die Forderung nach Lohngleichheit sollte verbunden werden mit der Forderung nach einem gro\u00dfz\u00fcgigen Mindestlohn, Arbeitnehmerrechten und neuen Wegen zur Organisation der Haus- und Pflegearbeit. Die Emanzipation auf rechtlicher Ebene muss Hand in Hand gehen mit der Bereitstellung einer \u00f6ffentlichen Daseinsversorgung und sozialem Wohnungsbau. Kurz: \u201eOhne den R\u00fcckbau des Kapitalismus kann die sexuelle und geschlechtsspezifische Unterdr\u00fcckung nicht beendet werden\u201c.<\/p>\n<p>Besondere Kritik \u00fcben die Autorinnen an der liberalen (b\u00fcrgerlichen) Form des Feminismus. Hierbei geht es um den \u201ekonzernfreundlichen Feminismus\u201c von \u201efacebook\u201c-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Sheryl Sandberg, die Frauen ermahnt, sich n\u00e4her an die Chefetagen der Unternehmen heranzuwagen. Dieser \u201eFeminismus der oberen 1%\u201c, sagen Arruzza, Bhattacharya und Fraser, f\u00fchrt nur dazu, dass Frauen der herrschenden Klasse die gleichen M\u00f6glichkeiten wie die M\u00e4nner ihrer gesellschaftlichen Klasse haben, um die Ausbeutung am Arbeitsplatz und gesellschaftliche Unterdr\u00fcckung zu verwalten. Demgegen\u00fcber zielt der Feminismus der 99 Prozent darauf ab, die Anliegen der verarmten Frauen, der Frauen aus der Arbeiter*innenklasse, aus ethnischen Minderheiten und Frauen aus den migrantischen Communities in den Vordergrund zu r\u00fccken.<\/p>\n<p>Die Autorinnen liegen v\u00f6llig richtig, wenn sie \u00fcber die \u201ezunehmende Abgrenzung\u201c zwischen Frauen aus der Oberschicht und dem Leben der Mehrheit schreiben. Und es ist sicherlich auch wahr, dass die kapitalistische Krise offenbart hat, wie bankrott der liberale Feminismus in den Augen vieler Frauen ist. Zu sagen, dass der liberale Feminismus bei der US-Pr\u00e4sidentschaftswahl 2016 \u201esein Waterloo erlebt\u201c hat, als Hillary Clinton die weibliche W\u00e4hlerschaft nicht motivieren konnte, ist allerdings eine \u00dcbertreibung und untersch\u00e4tzt gleichzeitig die Rolle, die liberale Feminist*innen in einigen Frauenbewegungen in der Welt noch spielen werden. Letzteres gilt vor allen Dingen f\u00fcr die USA selbst, wo die drei Autorinnen aktiv sind. Die Krise hat der Unterst\u00fctzung f\u00fcr liberalen Feminismus sicherlich einen D\u00e4mpfer verpasst. Diese Spielart des Feminismus ist am Boden, aber nicht bereits vollkommen \u00fcberwunden, und sozialistische Feminist*innen m\u00fcssen ihr mit aller Kraft entgegengetreten.<\/p>\n<h4>Theorie der sozialen Reproduktion<\/h4>\n<p>Das Manifest ist gepr\u00e4gt von der \u201eTheorie der sozialen Reproduktion\u201c, die auch unter dem Begriff \u201epeople making\u201c firmiert, und ihrer Bedeutung f\u00fcr das \u201eprofit making\u201c. Es handelt sich hierbei um eine vergleichsweise breit angelegte Theorie mit zahlreichen Varianten. Ein Aspekt bezieht sich dabei allerdings auf die unbezahlte Arbeit, die im famili\u00e4ren Bereich verrichtet wird. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Industriekapitalismus also eine Trennung zwischen bezahlter Arbeit, die au\u00dferhalb der Familienhaushalte verrichtet wird, und unbezahlter Arbeit, die in der Familie von Frauen ausge\u00fcbt wird, vollzogen hat. Diese Arbeit sorgt f\u00fcr den Erhalt der aktuellen Generation an Arbeitskr\u00e4ften und das Aufziehen der n\u00e4chsten, wobei die Haltungen und Werte, die f\u00fcr das Funktionieren des kapitalistischen System zweckm\u00e4\u00dfig sind, weitergegeben werden. Es sei diese geschlechtsspezifische Aufteilung der Arbeit, die zum Unterbau f\u00fcr die untergeordnete Rolle der Frau in der Gesellschaft geworden ist. Und der Kapitalismus st\u00fctzt sich bis heute auf die Haushaltsf\u00fchrung und Erziehung in der Familie, die vornehmlich ohne Anerkennung bleiben und in hohem Ma\u00dfe ans weiblich Geschlecht gekoppelt sind.<\/p>\n<p>Diese Analyse stimmt in weiten Teilen mit dem \u00fcberein, was wir in fr\u00fcheren Artikeln schon in der \u201eSocialism Today\u201c geschrieben haben. Ein Teil der h\u00e4uslichen Arbeit ist vom Kapitalismus zur Ware gemacht worden. Dennoch existiert, wie die Autorinnen geltend machen, ein klarer Unterschied zwischen wohlhabenden Frauen und Frauen aus armen Schichten bzw. der Arbeiter*innenklasse. W\u00e4hrend erstere in der Lage sind, f\u00fcr andere (\u00fcblicher Weise \u00e4rmere Frauen) zu zahlen, damit diese ihre H\u00e4user putzen oder f\u00fcr ihre Kinder oder die pflegebed\u00fcrftigen Eltern sorgen, sehen sich letztere in zunehmendem Ma\u00dfe gezwungen, doppelte Arbeit zu verrichten. Durch den Einsatz eines \u201eRechners f\u00fcr unbezahlte Arbeit\u201c, die auf Eink\u00fcnften im Dienstleistungssektor basiert, ist das \u201eUK Office for National Statistics\u201c zu dem Ergebnis gekommen, dass sich der Wert der unbezahlten im Haushalt verrichteten Arbeit im Jahr 2014 in Gro\u00dfbritannien (inklusive Heimwerker-Arbeiten) auf insgesamt \u00fcber eine Billiarde brit. Pfund belief. Das entspricht 56 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 60 Prozent dieser Arbeit wurde demzufolge von Frauen verrichtet.<\/p>\n<p>\u00dcber die Jahre hat es etliche Versuche gegeben, mit denen die Bedeutung der Reproduktion hervorgehoben werden sollte, um diese innerhalb eines marxistischen Rahmens mit der kapitalistischen Warenproduktion in Verbindung zu setzen und L\u00f6sungen zur \u00dcberwindung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung anzubieten. W\u00e4hrend f\u00fcr Karl Marx nur Waren (inklusive der Dienstleistungen), die auf dem Markt verkauft werden, einen Tauschwert haben, haben Mariarosa Dalla Costa und andere \u201eautonom-marxistische Feminist*innen\u201c in den 1970er Jahren versucht, Marx zu \u00fcberarbeiten, indem sie einwendeten, dass unbezahlte h\u00e4usliche Arbeit nicht nur einen Gebrauchswert sondern auch einen Tauschwert hat. Davon abgeleitet ist diese Arbeit ein Teil der \u00f6konomischen Beziehungen im Kapitalismus. Diese verkehrte Interpretation der marxistischen Wirtschaftslehre bildete die theoretische Grundlage f\u00fcr die \u201eLohn f\u00fcr Hausarbeit-Kampagne\u201c, die in jener Zeit aufkam.<\/p>\n<p>Wir haben die Forderung abgelehnt, Hausarbeit zu entlohnen. Unsere Kritik daran begr\u00fcndeten wir nicht allein mit unserem theoretischen Blickwinkel sondern auch deshalb, weil diese Forderung die Geschlechter-Stereotype sowie die traditionelle Rolle der Frau als Pflegepersonal und Hausarbeiterinnen im Endeffekt verst\u00e4rkt. Stattdessen haben wir die Forderung nach einer Vergesellschaftung der unbezahlten Arbeit aufgestellt, die im Haushalt ausge\u00fcbt wird. Demzufolge muss die Hausarbeit von \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Diensten \u00fcbernommen werden: Kinderbetreuung, Altenpflege, \u00f6ffentliche Restaurants etc. Damit einhergehen muss nat\u00fcrlich ein garantiertes und angemessenes Mindesteinkommen f\u00fcr diejenigen, die aus welchen Gr\u00fcnden auch immer nicht in der Lage sind, Zugang zu einem bezahlten Arbeitsverh\u00e4ltnis zu bekommen.<\/p>\n<h4>Frauen im Streik<\/h4>\n<p>Die \u201eTheorie der sozialen Reproduktion\u201c, wie sie von den Autorinnen des nun vorliegenden Manifests interpretiert wird, legt nicht dar, dass unbezahlte Hausarbeit einen Tauschwert hat. Dennoch wird darin angef\u00fchrt, dass das Funktionieren des Kapitalismus zutiefst von dieser abh\u00e4ngt, da sie die Arbeitskraft der Arbeitskr\u00e4fte erschafft, aufrecht erh\u00e4lt und wiederherstellt. Und die zuletzt Genannten sind es schlie\u00dflich, die den Mehrwert erschaffen, aus dem sich der Profit der Kapitalist*innen generiert. Indem sie sich auf diese Theorie st\u00fctzen, argumentieren die Autorinnen, dass die globalen Frauenbewegungen am letzten 8. M\u00e4rz den Klassenkampf durch die \u201eNeuerfindung\u201c des Streiks aus dem \u201eengen\u201c, \u201ealthergebrachten\u201c marxistischen Korsett der Lohnausbeutung am Arbeitsplatz herausbef\u00f6rdert haben. Das ist eine reduktionistische Konzeption des Klassenkampfs, die wie niemals geteilt haben.<\/p>\n<p>Wenn Frauen sich \u201enicht nur bei bezahlter Arbeit, sondern auch bei Hausarbeit, Sex und L\u00e4cheln\u201c zur\u00fcckhalten, so geht aus dem Manifest hervor, dann machen sie die unbezahlte Arbeit sichtbar und verdeutlichen, welche enorme Macht sie potentiell haben. Schlie\u00dflich sei es die Frau, \u201ederen bezahlte wie unbezahlte Arbeit die Welt am Laufen h\u00e4lt\u201c. Es ist zwar immer hilfreich und wichtig, die Aufmerksamkeit darauf zu richten, wie der Kapitalismus finanziellen wie ideologischen Nutzen ebenso aus der unbezahlten Arbeit von Frauen in der Familie wie auch aus der Rolle zieht, die diesem Umstand zukommt, wenn es um die Aufrechterhaltung und Verst\u00e4rkung der Unterdr\u00fcckung von Frauen geht. Die Einsch\u00e4tzung der Autorinnen, was die Wirksamkeit des Streiks im Bereich der gesellschaftlichen Reproduktion angeht, ist jedoch bei weitem \u00fcbertrieben. Um es ganz offen zu sagen: Wer nimmt denn Notiz davon, wenn Frauen nicht kochen oder putzen, sich nicht mehr um ihre Kinder k\u00fcmmern oder einen Tag lang Sex verweigern? &#8211; Lediglich ihre engsten Familienangeh\u00f6rigen und ihr pers\u00f6nliches Umfeld! Wenn man die Idee eines Streiks in der Reproduktionst\u00e4tigkeit aufwirft, so kann das eines gewissen propagandistischen Wert haben. Der Vorschlag ist aber kein Beitrag, der den Weg zur \u00dcberwindung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung in puncto Hausarbeit weisen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es ist auf jeden Fall eine positive Entwicklung, dass die Idee des Streiks seit 2017 zum zentralen Aspekt des 8. M\u00e4rz geworden ist, der damit die Blumen- und Aromatherapie abgel\u00f6st hat, welche den Weltfrauentag in vielen L\u00e4ndern schon fast zu einem zweiten Muttertag gemacht zu haben schien. Mit dem Streik kommt es zu einer R\u00fcckbesinnung auf die Geschichte und die k\u00e4mpferischen Wurzeln des Klassenkampfs, die der Internationale Frauentag hat. Das Manifest nimmt allerdings keine klare Unterscheidung zwischen dem Streik auf reproduktiver Ebene und dem im Betrieb vor, als seien beide gleichwertig und gleich effektiv.<\/p>\n<p>Am diesj\u00e4hrigen 8. M\u00e4rz wird niemand Notiz von nicht geputzten Haushalten und nicht zubereiteten Mahlzeiten genommen haben. Sehr wohl aber davon, dass in einigen St\u00e4dten keine Busse und Z\u00fcge gefahren sind. Die Verweigerung bezahlter Arbeit \u2013 auch wenn es nur f\u00fcr einen Tag geschieht \u2013 kann gerade deshalb effektiv sein, weil damit die Abl\u00e4ufe im kapitalistischen System zum Erliegen kommen oder zumindest in Frage gestellt und weil damit die Profite geschm\u00e4lert werden. Auf diese Weise bekommen die abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten \u2013 ganz gleich ob m\u00e4nnlich oder weiblich \u2013 einen Eindruck davon, welche kollektive Macht sie eigentlich haben. Dar\u00fcber hinaus wird so die zentrale Rolle klar, die die Kolleg*innen spielen k\u00f6nnen und m\u00fcssen, um dieses System zu beenden, das nur Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung hervorbringt.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu einem unbefristeten Streik, der so lange fortgesetzt wird, bis die Forderungen der Arbeiter*innen erf\u00fcllt sind, ist auch der eint\u00e4gige Streik eine angemessene Protestform. Ein h\u00f6heres Niveau w\u00e4re nat\u00fcrlich erreicht, wenn es zum Generalstreik kommt, der auf die Frage zul\u00e4uft, die bislang ohne Antwort geblieben ist: Wer h\u00e4lt die Gesellschaft am Laufen \u2013 die Kapitalist*innen oder die Arbeiter*innenklasse? F\u00fcr die Autorinnen des Manifests hat der Streik hingegen einen rein symbolischen Wert, mit dem das Problem der Unterdr\u00fcckung der Frau herausstellt wird, der jedoch nicht zum Bestandteil einer Strategie wird, um dieses Problem zu beenden.<\/p>\n<h4>Forderungen nach Soziallohn<\/h4>\n<p>Konfuser wird es, wenn die Autorinnen ihre Definition dessen darlegen, was die gesellschaftliche Reproduktion jenseits der unbezahlten Hausarbeit ausmacht. Wir w\u00fcrden zustimmen, dass vergangene K\u00e4mpfe, die in reicheren L\u00e4ndern von der Arbeiter*innenklasse gef\u00fchrt worden sind, ein wichtiger Faktor gewesen sind, um den Staat zu zwingen, die Verantwortung f\u00fcr einige Bereiche der gesellschaftlichen Reproduktion zu \u00fcbernehmen, die zuvor in den \u201eprivaten\u201c Haushalten bedient worden sind. Dies ist in der Form von Sozialleistungen geschehen (z.B. f\u00fcr Rentner*innen, Erwerbslose oder \u00fcber das Kindergeld) oder durch \u00f6ffentliche Dienstleistungen. Marx betrachtete diese Arbeit als \u201eunproduktiv\u201c \u2013 auf gar keinen Fall im abwertenden Sinn sondern insofern, als dass durch sie keine Waren produziert werden, die dann in den Verkauf gehen und aus der sich somit ein Mehrwert ableiten l\u00e4sst. Dennoch ist sie Bestandteil des \u201eSoziallohns\u201c, einer Leistung f\u00fcr die abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten, die \u00fcber Steuern aus dem Gesamt-Mehrwert finanziert wird, den sie selbst geschaffen haben.<\/p>\n<p>Angesichts einer Profitabilit\u00e4tskrise und aufgrund des zu Ende gehenden Wirtschaftsaufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Kapitalist*innen und ihre politischen Repr\u00e4sentant*innen einen gnadenlosen Feldzug begonnen, der sich nicht nur gegen die L\u00f6hne und die Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen beschr\u00e4nkt, sondern auch gegen den Soziallohn. Diese Angriffe sind durch die Austerit\u00e4tspolitik versch\u00e4rft worden, die seit der Wirtschaftskrise von 2008 in vielen L\u00e4ndern losgetreten worden ist. Durch K\u00fcrzungen und Privatisierungen im Bereich der staatlichen Dienst- und Sozialleistungen sind die Kapitalist*innen in zweierlei Hinsicht erfolgreich gewesen: Auf diese Weise haben sie sowohl ihren Anteil am Steueraufkommen reduziert als auch diese Form von Arbeit zur Ware gemacht. Das hat neue profitable M\u00e4rkte geschaffen, die sie ausbeuten k\u00f6nnen. Die Menschen (und vor allem die Frauen) aus der Arbeiter*innenklasse sind dadurch in eine unhaltbare Situation geraten. Sie m\u00fcssen nun f\u00fcr Dienstleistungen zahlen, die pl\u00f6tzlich als Ware angeboten werden, und sollen dies mit L\u00f6hnen oder Sozialleistungen bew\u00e4ltigen, die heruntergefahren worden sind. Die Alternative besteht nur noch darin, dass sie die entsprechenden Aufgaben als zus\u00e4tzliche B\u00fcrde selbst tragen, normalerweise zus\u00e4tzlich zu ihrer au\u00dferhalb des privaten Haushalts bezahlten Arbeit.<\/p>\n<p>Es ist daher nicht \u00fcberraschend, dass einige der am energischsten gef\u00fchrten K\u00e4mpfe in letzter Zeit im Zusammenhang mit der Verteidigung der \u00f6ffentlichen Daseinsversorgung ausgefochten wurden. Auch ist es nicht verwunderlich, dass gerade die Frauen aus der Arbeiter*innenklasse an der Spitze dieser K\u00e4mpfe stehen. Weil Frauen immer noch den Gro\u00dfteil der Verantwortung f\u00fcr die Haushaltsf\u00fchrung und die F\u00fcrsorge noch nicht unabh\u00e4ngiger Haushaltsmitglieder \u00fcbernehmen, haben sie mehr mit staatlichen Dienstleistungen und Dienstleister*innen zu tun und sind st\u00e4rker auf sie angewiesen. Diese gesellschaftliche Rolle erkl\u00e4rt auch, weshalb der Anteil der Frauen bei sozialen K\u00e4mpfen vor Ort oft so hoch ist. Dasselbe gilt f\u00fcr K\u00e4mpfe f\u00fcr den Umweltschutz, zur Verteidigung von Wohnraum oder zu \u00e4hnlichen Problemen, die mit \u201eKonsumption\u201c zu tun haben. Und weil Frauen in vielen L\u00e4ndern einen bedeutenden Teil der Erwerbst\u00e4tigen im \u00f6ffentliche Dienst ausmachen, standen sie bei Streiks in diesem Sektor an vorderster Front.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig \u2013 darauf weisen die Autorinnen in ihrem Manifest hin \u2013 ist es dazu gekommen, dass Nutzer*innen und Anbieter*innen solcher Dienstleistungen in gemeinsamen und vereint gef\u00fchrten K\u00e4mpfen zusammengekommen sind. Die Lehrkr\u00e4fte, die sich in mehreren US-Bundesstaaten an der j\u00fcngsten beeindruckenden Streikbewegung beteiligt haben, haben Forderungen nach besserer Bezahlung f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten mit Forderungen nach einer besseren finanziellen Ausstattung der Schulen insgesamt verbunden. Die streikenden Krankenpflegerinnen und Hebammen in Irland haben dasselbe gemacht, als sie sich sowohl auf die Bezahlung als auch auf die Finanzierung des Gesundheitssystems bezogen haben. Das alles ist aber nicht neu.<\/p>\n<p>Seit der Schaffung des Sozialstaats haben die Menschen aus der Arbeiter*innenklasse heftige K\u00e4mpfe gef\u00fchrt, um den Bereich der \u00f6ffentlichen Dienstleistungen auszuweiten bzw. zu verteidigen. Der Anteil, den die Frauen an diesen K\u00e4mpfen hatten, ist immer sehr hoch gewesen. Dennoch handelt es sich dabei nicht um eine besondere Form \u201efeministischer\u201c K\u00e4mpfe oder ein Bestreiken der \u201egesellschaftlichen Reproduktion\u201c. Es ging und geht immer um K\u00e4mpfe zur Verteidigung und Ausweitung des Soziallohns. Als solche sind sie Bestandteil des Klassenkampfs, bei dem es sich um einen vereinten Kampf der Arbeiter*innenklasse handeln muss, wenn er erfolgreich sein soll. Die Autorinnen sagen, sie wollen gesellschaftliche Reproduktion und Produktion zusammenbringen. In Wirklichkeit stellen sie aber eine falsche Gegens\u00e4tzlichkeit her. Sie stellen das, was sie als neue, radikale und progressive feministische K\u00e4mpfe um die gesellschaftliche Reproduktion erachten, in Kontrast zu den \u201enachlassenden\u201c, \u201efr\u00fcher einmal m\u00e4chtigen\u201c betrieblichen K\u00e4mpfen der Gewerkschaften im m\u00e4nnlich dominierten verarbeitenden Gewerbe. Dar\u00fcber hinaus ist klar, dass die Autorinnen kein Vertrauen in den zuletzt genannten Bereich haben, wenn es um k\u00fcnftige K\u00e4mpfe geht.<\/p>\n<h4>Das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis<\/h4>\n<p>Folgt man dem Manifest, so sind die Klasse und der Klassenkampf f\u00fcr den \u201eFeminismus f\u00fcr die 99 Prozent\u201c zwar wichtig, die beiden Kategorien k\u00f6nnen aber nicht l\u00e4nger in herk\u00f6mmlicher Weise betrachtet werden. Die globale Frauenbewegung ver\u00e4ndere demnach die Auffassung von beidem. Im Gegensatz zu den \u201emythischen Marxisten\u201c, wie sie im Manifest bezeichnet werden, sind wir nicht der Ansicht, dass die globale Arbeiter*innenklasse nur diejenigen umfasst, die einer Lohnarbeit nachgehen. Zur Arbeiter*innenklasse z\u00e4hlen auch Erwerbslose, Rentner*innen, Pfleger*innen und die Familien von Arbeiter*innen. Genauso wenig betrachten wir die Arbeiter*innenklasse als \u201eundifferenzierte, homogene Einheit\u201c oder hegen die Annahme, dass es sich bei \u201eden Arbeiter*innen\u201c nur um aufrechte, wei\u00dfe M\u00e4nner handelt, die in Fabriken arbeiten. Die kapitalistischen Prozesse, zu denen es in den letzten Jahrzehnten gekommen ist, haben ganz erheblich dazu beigetragen, dass sich die Zusammensetzung der Arbeiter*innenschaft in vielen L\u00e4ndern merklich ver\u00e4ndert hat. Der Dienstleistungssektor ist gr\u00f6\u00dfer geworden, Arbeit ist prek\u00e4rer geworden und Frauen haben heute zahlenm\u00e4\u00dfig einen viel gr\u00f6\u00dferen Anteil an der Gesamtheit der Erwerbst\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Es gibt, wie die Autorinnen sagen, \u201eKonfliktlinien\u201c aufgrund von Geschlechterzugeh\u00f6rigkeit, ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung etc. Dabei handelt es sich um Unterschiede, die der Kapitalismus \u201ezur Waffe umfunktioniert\u201c hat, um unsere K\u00e4mpfe zu spalten und zu schw\u00e4chen. Wir stimmen mit den Autorinnen vollkommen darin \u00fcberein, wenn sie sagen, dass wir solche Unterschiede anerkennen und sie ernst nehmen sollten und dass wir sie nicht nur an bestimmten Tagen im Kopf haben sollten, wie es einige Anh\u00e4nger*innen der Identit\u00e4tspolitik tun. Stattdessen sollten wir daran arbeiten, Einigkeit und Einheit herzustellen und \u201edas spaltend wirkende Gegeneinander zwischen Identit\u00e4tspolitik und Klassen-Politik \u00fcberwinden\u201c. Dar\u00fcber hinaus stimmen wir v\u00f6llig mit der Idee \u00fcberein, dass der Kampf gegen den Kapitalismus, auf den die unterschiedlich gelagerten Unterdr\u00fcckungsmuster zur\u00fcckgehen und durch den sie verst\u00e4rkt werden, die beste M\u00f6glichkeit darstellt, diese Spaltung zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Nur, wie kann man den Kapitalismus bek\u00e4mpfen? Diese Frage wird an keiner Stelle beantwortet. F\u00fcr Marxist*innen kommt die Hauptrolle in diesem Kampf der Arbeiter*innenklasse mit allen denkbaren Geschlechtern zu. Die Arbeiter*innenklasse ist die Kraft, die aufgrund ihrer Rolle im Produktionsprozess und hinsichtlich der Schaffung des Profits nicht nur ein eindeutiges subjektives Interesse daran hat, die kapitalistische Ausbeutung zu beenden, sie hat auch das Potential, um als kollektive Kraft entsprechend zu agieren. Das bedeutet auch, dass sie die Aufgabe angehen kann, um eine neue Gesellschaft aufzubauen, die auf kollektivem Eigentum und demokratischer Kontrolle ebenso basiert wie auf geplanten Wirtschaftsabl\u00e4ufen.<\/p>\n<p>Das Manifest legt in korrekter Weise dar, dass die Wirtschaftskrise die Glaubw\u00fcrdigkeit der politischen Eliten besch\u00e4digt hat, was zu einer Ablehnung der \u201ePolitik nach herk\u00f6mmlicher Art\u201c gef\u00fchrt hat. Wir erleben einen Moment des \u201epolitischen Erwachens\u201c, eine Chance auf \u201egesellschaftliche Transformation\u201c. Die Ablehnung der etablierten politischen Parteien hat zu einem \u201eeklatanten Vakuum auf der F\u00fchrungs- und Organisationsebene\u201c gef\u00fchrt, und es ist festzustellen, dass viele nach neuen Ans\u00e4tzen, Organisationen und B\u00fcndnisformen Ausschau halten. Welche Form aber wird das alles annehmen? Der \u201eFeminismus f\u00fcr die 99 Prozent\u201c, so verk\u00fcndet das Manifest, z\u00e4hlt zu den gesellschaftlichen Kr\u00e4ften, die \u201ein die Bresche gesprungen\u201c sind \u2013 auch wenn sie das Feld mit rechtsgerichteten Kr\u00e4ften teilen und in Konkurrenz zueinander stehen.<\/p>\n<p>Hervorgehoben wird, dass es sich bei der globalen Frauenbewegung nicht um eine isolierte Bewegung handeln darf. Das Manifest fordert, dass sie sich zusammenschlie\u00dfen muss mit antirassistischen und Umweltaktivist*innen, mit Gewerkschafter*innen und Aktiven in den Betrieben, mit Leuten, die sich f\u00fcr die Rechte von Migrant*innen oder der LGBTQ+Community einsetzen und mit jenen, deren Kampagnen mit der \u00f6ffentlichen Daseinsversorgung besch\u00e4ftigen und die sich gegen Krieg und Imperialismus richten. Kurz gesagt geht es um alle Bewegungen, die f\u00fcr die viel zitierten 99 Prozent der Bev\u00f6lkerung k\u00e4mpfen. Die Frauenbewegung muss zu einer gemeinsamen Kraft mit anderen antikapitalistischen Bewegungen auf diesem Erdball werden. \u201eNur auf diese Weise wird es m\u00f6glich sein, die Macht und Vision zu generieren, mit der die gesellschaftlichen Institutionen aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen, die uns unterdr\u00fccken\u201c. Was die Autorinnen nicht erkl\u00e4ren, ist, wie das Verh\u00e4ltnis zwischen den vielgestaltigen B\u00fcndnispartner*innen in dieser Koalition der 99 Prozent aussieht oder wie sie in der Praxis vorgehen muss, um den Kapitalismus abzuschaffen.<\/p>\n<p>Arruzza, Bhattacharya und Fraser stellen eine sehr entscheidende Frage: \u201eWer wird den Prozess der gesellschaftlichen Transformation anf\u00fchren, in wessen Interesse und mit welchem Ergebnis?\u201c. Wenn man ihr Manifest liest kann allerdings die einzige Schlussfolgerung daraus bestehen, dass die Autorinnen meinen, die f\u00fchrende Rolle w\u00fcrde nicht von der organisierten Arbeiter*innenklasse mit all ihren Geschlechtern eingenommen. Stattdessen sei die globale feministische Bewegung zentral f\u00fcr den Wandel. Demzufolge wird es keine politische Partei der 99 Prozent geben, eine Partei, die auf der Arbeiter*innenklasse basiert und welche die Kr\u00e4fte zusammenbringen kann, die kapitalistische Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung in all ihren Formen bek\u00e4mpfen, wozu auch die Frauenbewegung geh\u00f6rt. Von einer solchen Partei, die ein revolution\u00e4res Programm und eine revolution\u00e4re Strategie zur \u00dcberwindung des Kapitalismus verfolgt, ist keine Rede. Es wird von uns erwartet, dass wir vielmehr von einer \u201egerechten Welt\u201c ausgehen, \u201ederen Wohlstand und Naturreserven von allen geteilt werden\u201c, in der \u201eGleichheit und Freiheit Voraussetzungen sind und nicht nur Hoffnungen\u201c. Diese Welt sei durch die globale feministische Bewegung in einem unstrukturierten \u201eantikapitalistischen\u201c B\u00fcndnis erreichbar. Es wird keine Strategie vorgestellt, mit der eine solche Bewegung den Kapitalismus \u00fcberwinden kann &#8211; seine Herrschaft \u00fcber die \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse, seine m\u00e4chtigen Ideologie-Fabriken und staatlichen Apparate &#8211; , um mit der Umwandlung der Gesellschaft im Interesse der 99 Prozent zu beginnen.<\/p>\n<p><em>\u201eFeminism for the 99%: a manifesto\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>von Cinzia Arruzza, Tithi Bhattacharya und Nancy Fraser<\/em><\/p>\n<p><em>Verlag: \u201eVerso\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>2019<\/em><\/p>\n<p><em>7.99 brit. Pfund<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Manifest, die Welt zu ver\u00e4ndern?<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":37941,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[1772,1187,1775,679,1525,1774,712,695,1773],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37940"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37940"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37940\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37948,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37940\/revisions\/37948"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37941"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37940"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37940"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37940"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}