{"id":37884,"date":"2019-04-27T06:31:58","date_gmt":"2019-04-27T04:31:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37884"},"modified":"2019-04-29T15:09:20","modified_gmt":"2019-04-29T13:09:20","slug":"die-herausragende-bedeutung-von-leo-trotzkis-theorie-der-permanenten-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2019\/04\/die-herausragende-bedeutung-von-leo-trotzkis-theorie-der-permanenten-revolution\/","title":{"rendered":"Die Bedeutung von Leo Trotzkis &#8222;Theorie der permanenten Revolution&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37885 alignleft\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Permanente-Revolution-Sudan-140x173.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Permanente-Revolution-Sudan-140x173.jpg 140w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Permanente-Revolution-Sudan-768x950.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Permanente-Revolution-Sudan-280x347.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Permanente-Revolution-Sudan-600x742.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Permanente-Revolution-Sudan.jpg 776w\" sizes=\"(max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/>Die Massenbewegungen in Algerien und dem Sudan unterstreichen die Relevanz von Trotzkis Theorie<\/strong><\/p>\n<p>Die revolution\u00e4ren Bewegungen, die den Sudan und Algerien ersch\u00fcttern, und Massenunruhen in anderen Teilen der neokolonialen Welt, unterstreichen die Relevanz von Leo Trotzkis \u201eTheorie der permanenten Revolution&#8220;. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die internationale Arbeiter*innenbewegung und revolution\u00e4re Sozialist*innen sowie f\u00fcr die heldenhaften Massen, die in Algerien und Sudan sowie in ganz Afrika, Asien und Lateinamerika f\u00fcr grundlegende Ver\u00e4nderungen k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><em>Von Tony Saunois, Generalsekret\u00e4r des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale (engl. CWI, internationale Organisation, welcher die SAV angeh\u00f6rt)<\/em><\/p>\n<p>Die verheerende wirtschaftliche und soziale Krise in Asien, Afrika und Lateinamerika f\u00fchrt zu sozialen Ersch\u00fctterungen und hat das Leben von Millionen Menschen ruiniert.<\/p>\n<p>Das Abschlachten von Millionen in Kriegen im Nahen Osten und in Afrika, die direkten Folgen der Intervention der imperialistischen M\u00e4chte in Verbindung mit miserablen \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen, ist auf der Basis von Kapitalismus und Gro\u00dfgrundbesitzertum in diesen L\u00e4ndern die Lebenswirklichkeit. F\u00fcr Millionen bedeutet Kapitalismus \u201eHorror ohne Ende&#8220;.<\/p>\n<p>Dennoch stellt sich f\u00fcr die Massen die entscheidende Frage, wie man dem ein Ende setzen kann. In den L\u00e4ndern der neokolonialen Welt gibt Trotzkis Theorie der permanenten Revolution&#8220; die Antwort, indem sie einen Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der beteiligten Klassenkr\u00e4fte sowie des Programms und der Aufgaben, vor denen die Arbeiter*innenklasse steht, liefert.<\/p>\n<p>In der Folge der Ereignisse der ersten Russischen Revolution 1905 war es Trotzki, der in der Hauptstadt St. Petersburg eine f\u00fchrende Rolle spielte, m\u00f6glich, Schlussfolgerungen zu ziehen, die auf brillante Weise die Herausbildung der Klassenkr\u00e4fte, die am siegreichen Ausgang der Russischen Revolution im Oktober 1917 beteiligt waren, voraussahen. Russland war damals, wie heute auch Indien und andere L\u00e4nder, ein halb-feudales System, das Sklaverei f\u00fcr die Masse der Bev\u00f6lkerung bedeutete, die gezwungen war, auf schmalen Landstrichen zu existieren. In den st\u00e4dtischen Zentren, die eine rasante Entwicklung der Industrie verzeichnet hatten, wurde die industrielle Arbeiter*innenklasse r\u00fccksichtslos ausgebeutet und unterdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Russland hatte in dieser Periode die b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolutionen von L\u00e4ndern wie England im 16. Jahrhundert und Frankreich im 18. Jahrhundert nicht vollendet. Die wichtigsten historischen Aufgaben dieser Revolutionen bestanden in der Eliminierung der feudalen und halb-feudalen Beziehungen auf dem Land und der Vereinigung des Landes zu einem Nationalstaat.<\/p>\n<h4>Die Entstehung der Arbeiter*innenklasse<\/h4>\n<p>Diese Ver\u00e4nderungen in den sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen ebneten den Weg f\u00fcr die letztendliche Entwicklung der Industrie und der Arbeiter*innenklasse. Parallel zu diesen Entwicklungen wurden grundlegende b\u00fcrgerlich-demokratische Rechte eingef\u00fchrt, darunter das Wahlrecht, Pressefreiheit, die Wahl eines Parlaments &#8211; \u00fcblicherweise gewonnen als Folge bitterer und langer K\u00e4mpfe der Massen. Die Aufgaben der b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution wurden jedoch von der russischen herrschenden Klasse nicht abgeschlossen &#8211; wie sie in der neokolonialen Welt auch heute noch nicht vollst\u00e4ndig erf\u00fcllt wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der modernen Zeit des Kapitalismus und Imperialismus sind die Aufgaben der b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution auch mit dem Bruch mit der Vorherrschaft des Imperialismus verbunden. Im Falle Russlands 1917 konzentrierte sich dies insbesondere auf den anglo-franz\u00f6sischen Imperialismus, der Russland zu dieser Zeit als eine faktische Kolonie betrachtete.<\/p>\n<p>Marxist*innen hatten gedacht, es sei wahrscheinlicher, dass die sozialistische Revolution zuerst in den fortgeschrittenen kapitalistischen L\u00e4ndern durchgef\u00fchrt w\u00fcrde, angesichts der Entwicklung einer modernen Industrie und einer m\u00e4chtigen industriellen Arbeiter*innenklasse. Die Frage, die sich 1917 in Russland stellte, lautete: Was w\u00fcrde passieren, wenn die Revolution dort zuerst ausbr\u00e4che, und nicht in Deutschland, Frankreich oder Gro\u00dfbritannien, wo die b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution bereits durchgef\u00fchrt worden war?<\/p>\n<p>Die kapitalistische Klasse in der neokolonialen Welt kam zu sp\u00e4t auf die B\u00fchne der Geschichte und war zu schwach und an den Imperialismus gebunden, um die Aufgaben der b\u00fcrgerlichen Revolution zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Das gleiche Problem stellt sich heute in der gesamten neokolonialen Welt. Selbst in L\u00e4ndern wie Argentinien, in denen es keine feudalen Landbesitzverh\u00e4ltnisse gibt, ist die kapitalistische Klasse an den Imperialismus gebunden und ist unf\u00e4hig, eine vollkommen unabh\u00e4ngige Rolle zu spielen.<\/p>\n<p>In anderen L\u00e4ndern wie Indien bleiben sowohl kapitalistische als auch feudale Strukturen auf dem Land und sogar Sklaverei bestehen. Dies zeigt sich in Brasilien, obwohl es eine kapitalistische Klasse und einige hoch entwickelte Bereiche moderner Industrie gibt. Wie Trotzki erkl\u00e4rte, handelt es sich dabei um die Frage der \u201ekombinierten und ungleichen Entwicklung&#8220;, die Merkmale einer modernen kapitalistischen Wirtschaft beinhaltet, die Seite an Seite mit Elementen des Feudalismus existiert.<\/p>\n<p>Die Ideen der permanenten Revolution sind entscheidend f\u00fcr die Arbeiter*innenklasse in der neokolonialen Welt. Die kapitalistische Klasse antizipiert die Entwicklung einiger L\u00e4nder, die die Merkmale einer entwickelten kapitalistischen Wirtschaft mit Elementen des Feudalismus und der Sklaverei verbinden. Trotz der Entwicklung in L\u00e4ndern wie Brasilien und Indien haben sie sich jedoch nicht von der Herrschaft der imperialistischen Gro\u00dfm\u00e4chte befreit. Sie haben die Aufgaben der b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution nicht vollst\u00e4ndig erf\u00fcllt. Die Masse der Bev\u00f6lkerung schwimmt weiterhin in einem Meer des Elends. Die viel gelobte industrielle Entwicklung Brasiliens hat sich umgekehrt und wurde geschw\u00e4cht. Sie ist heute st\u00e4rker von Rohstoffen abh\u00e4ngig, die 65 % ihrer Exporte ausmachen, als noch vor zwanzig Jahren. Die zunehmende Globalisierung der Weltwirtschaft hat diese L\u00e4nder zusammen noch mehr an die imperialistischen Gro\u00dfm\u00e4chte gebunden.<\/p>\n<h4>Die St\u00e4rke der Arbeiter*innenklasse<\/h4>\n<p>Gleichzeitig ist die Arbeiter*innenklasse in der gesamten neokolonialen Welt viel st\u00e4rker als zu der Zeit, in der Trotzki seine Theorie der permanenten Revolution entwickelte. Dies spiegelt sich in der Explosion der urbanen Zentren und St\u00e4dte wider. Zum ersten Mal in der Geschichte konzentrierten sich bis 2014 \u00fcber 50 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung in den St\u00e4dten. In Afrika leben \u00fcber 50 Prozent der Bev\u00f6lkerung in urbanen Gebieten, verglichen mit den 14,7 Prozent zur Zeit der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen in den 1950er Jahren. In Lateinamerika leben heute vier F\u00fcnftel der Bev\u00f6lkerung in St\u00e4dten. Der gleiche Trend wiederholt sich in Asien mit der Explosion massiver St\u00e4dte und Gro\u00dfst\u00e4dte. Diese werden von den urbanen Armen, einer zunehmend \u201eproletarisierten&#8220; Mittelschicht und potenziell m\u00e4chtigen Teilen der Arbeiter*innenklasse bev\u00f6lkert, insbesondere in L\u00e4ndern wie Mexiko. Dies bietet die Aussicht auf einen kollektiven Klassenkampf.<\/p>\n<p>Im vorrevolution\u00e4ren Russland sahen alle Str\u00f6mungen der sozialistischen Weltanschauung die Hauptaufgabe in der Vollendung der b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution. Die Menschewiki \u2013 rechte, reformistische Sozialist*innen \u2013 glaubten jedoch, dass die Aufgabe der Arbeiter*innenklasse an den Rockzipfeln des so genannten liberalen Fl\u00fcgels der Kapitalistenklasse h\u00e4ngen sollte, der ihrer Meinung nach die Hauptrolle bei der Revolution spielte. Die Arbeiter*innenklasse sollte die zweite Geige spielen.<\/p>\n<p>Obwohl Karl Marx und Friedrich Engels die Ideen der permanenten Revolution nicht so entwickelt hatten, wie es Trotzki konnte, pr\u00e4gten sie bereits in den 1850er Jahren den Begriff \u201epermanente Revolution&#8220;. Sie benutzten ihn, um f\u00fcr eine Strategie zu pl\u00e4dieren, mit der die revolution\u00e4re Klasse einen Kampf f\u00fcr ihre eigenen Klasseninteressen und Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fchren sollte, und sie verurteilten entschieden die feige Rolle der Bourgeoisie.<\/p>\n<p>Die Menschewiki sahen die Revolution als eine rein \u201enationale russische&#8220; Angelegenheit an. Diese &#8222;menschewistischen&#8220; Ideen finden sich heute in der gesamten neokolonialen Welt wieder. Sie verweisen die Frage des Sozialismus in die dunkle und ferne Zukunft. Stattdessen betonen sie zun\u00e4chst die \u201edemokratische Revolution&#8220;, der eine Periode kapitalistischer Entwicklung und Demokratie folgen soll. Diese Ideen wurden von den stalinistischen Parteien und anderen auf der linken Seite aufgegriffen.<\/p>\n<p>In letzter Zeit wurde oft eine neue &#8222;Stufe&#8220; hinzugef\u00fcgt: dass es notwendig ist, den \u201eneoliberalen Kapitalismus&#8220; zuerst zu besiegen und erst dann einen \u201ehumaneren&#8220; Kapitalismus zu entwickeln. In Bolivien wurde von Pr\u00e4sident Evo Morales und anderen die Idee einer Periode des \u201eAnden-Kapitalismus&#8220; unterst\u00fctzt, bevor es m\u00f6glich sein w\u00fcrde, den Kampf f\u00fcr den Sozialismus aufzunehmen!<\/p>\n<p>Die Versuche, eine ernsthafte Landreform oder Reformen f\u00fcr die Arbeiter*innenklasse durchzuf\u00fchren, sind jedoch immer mit den Interessen der Kapitalisten und Gro\u00dfgrundbesitzer kollidiert. Diese Klassen sind miteinander verbunden; die Gro\u00dfgrundbesitzer investieren in die Industrie und die Kapitalisten in das Land. Beide sind \u00fcber die Banken und multinationalen Unternehmen untrennbar mit dem Imperialismus verbunden. Sie werden f\u00fcr ihren eigenen Klasseninteressen gegen die der Arbeiter*innenklasse und der Bauernschaft agieren. Dies zeigt sich immer wieder in Asien, Afrika und Lateinamerika. Dies war auch ein Merkmal der spanischen Revolution und des B\u00fcrgerkriegs in den 1930er Jahren.<\/p>\n<p>Mit der Theorie der permanenten Revolution konnte Leo Trotzki gl\u00e4nzend voraussehen, wie der scheinbare Widerspruch der Vollendung der Aufgaben der b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution erreicht werden sollte, wenn die Bourgeoisie zu schwach oder zu feige war, dies zu tun. Seine Prognose sollte sich in der russischen Revolution 1917 best\u00e4tigen.<\/p>\n<h4>Russland 1917<\/h4>\n<p>In Russland entstand eine neu entwickelte Kraft, die in der englischen und franz\u00f6sischen b\u00fcrgerlichen Revolution nicht vorhanden war &#8211; die industrielle Arbeiter*innenklasse. Trotzki wies auf die Angst der liberalen Bourgeoisie davor hin, ein Kampf gegen den Zarismus und die sozialen Grundlagen, auf denen er beruht, k\u00f6nne der Arbeiter*innenklasse gemeinsam mit der Bauernschaft, insbesondere den armen Bauern, alle T\u00fcren \u00f6ffnen. Sie w\u00fcrden ihre eigenen Forderungen auf die Agenda der Revolution setzen, was sie in einen direkten Konflikt mit den Gro\u00dfgrundbesitzern und dem Kapitalismus bringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Trotzki argumentierte zusammen mit Lenin, nur ein B\u00fcndnis von Arbeiter*innenklasse und Bauernschaft k\u00f6nne die b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution durchf\u00fchren. Lenin dr\u00fcckte dies jedoch in seiner Formel der \u201edemokratischen Diktatur der Arbeiter*innenklasse und der Bauernschaft&#8220; aus. Dies war eine \u201ealgebraische&#8220; Formel, die das genaue Verh\u00e4ltnis zwischen der Arbeiter*innenklasse und der Bauernschaft offen lie\u00df, deren Unzul\u00e4nglichkeit Lenin sp\u00e4ter akzeptierte.<\/p>\n<p>Trotzki ging noch weiter und argumentierte, dass die Bauernschaft nie eine unabh\u00e4ngige Rolle gespielt habe. Es m\u00fcsste daher eine der beiden Hauptklassen, die Arbeiter*innenklasse oder die Bourgeoisie, sein, die die Revolution anf\u00fchrte. Aber die liberale Kapitalistenklasse war dazu nicht in der Lage, und so fiel die Rolle der Arbeiter*innenklasse zu. Die Arbeiter*innenklasse k\u00f6nnte in st\u00e4dtischen Gebieten und mit Unterst\u00fctzung der Bauernschaft in den l\u00e4ndlichen Gebieten die Macht \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Mit der Machtergreifung w\u00fcrden die Forderungen der Arbeiter*innenklasse die Revolution unweigerlich \u00fcber die Aufgaben der b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution hinaus treiben, so dass sie die Aufgaben der sozialistischen Revolution umfasst. Damit dies gelingt, m\u00fcsste sich die Revolution auf die industrialisierten kapitalistischen L\u00e4nder, insbesondere Deutschland, Frankreich und Gro\u00dfbritannien, ausbreiten.<\/p>\n<p>Diese Prognose wurde durch die Ereignisse der russischen Revolution und die Macht\u00fcbernahme der Arbeiter*innenklasse im Oktober 1917 vollst\u00e4ndig best\u00e4tigt. Auf diese folgte eine revolution\u00e4re Welle in Europa: Deutschland 1918-23, Ungarn 1919, Italien 1920 und der britische Generalstreik von 1926. Leider wurden diese und andere revolution\u00e4re Bewegungen aufgrund der bedauerlichen verr\u00e4terischen Rolle der F\u00fchrung der sozialdemokratischen Massenparteien besiegt. Dies wurde mit den Schw\u00e4chen und Fehlern der jungen kommunistischen Parteien, die sich herausgebildet hatten, gekoppelt.<\/p>\n<p>Trotzki konnte seine Ideen zum Charakter der Revolution in Russland aus der Erfahrung der Revolution von 1905 und dem Klassenkampf formulieren. Er tat dies auch in Zusammenarbeit mit einem der deutsch-marxistischen Theoretiker der Jahrhundertwende, Alexander Israel Helphand, bekannt als Parvus. Trotz seiner sp\u00e4teren Kapitulation vor dem deutschen Imperialismus &#8211; und seiner Degeneration zum Waffenh\u00e4ndler! &#8211; w\u00fcrdigte Trotzki seinen Beitrag zur Entwicklung der in der Theorie der permanenten Revolution enthaltenen Ideen.<\/p>\n<p>Obwohl Parvus den L\u00f6wenanteil zu diesen Ideen beigetragen hatte, kam er nicht zu Trotzkis weitsichtigen Schlussfolgerungen. Zu einem Zeitpunkt dachte Parvus, die russische Arbeiter*innenklasse w\u00fcrde eine Regierung \u00e4hnlich der reformistischen Labour-Regierung in Australien zu dieser Zeit bilden. Trotzki warf die Notwendigkeit f\u00fcr die Arbeiter*innenklasse auf, die Ma\u00dfnahmen der sozialistischen Revolution zu ergreifen, als Auftakt zur sozialistischen Revolution in den industrialisierten kapitalistischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die sozialen und Klassenbeziehungen in der neokolonialen Welt gestalten sich heute so, dass die Arbeiter*innenklasse mit starken revolution\u00e4ren sozialistischen Parteien an die Macht kommen und in der Praxis die Ideen der permanenten Revolution unter weitaus g\u00fcnstigeren Bedingungen wieder anwenden kann als 1917 in Russland.<\/p>\n<h4>Venezuela: Die negative Best\u00e4tigung der permanenten Revolution<\/h4>\n<p>Die j\u00fcngsten Ereignisse in Venezuela haben gezeigt, dass jede Regierung, die an die Macht kommt, aber nicht bereit ist, die notwendigen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um mit dem Gro\u00dfgrundbesitz und Kapitalismus zu brechen und dem Imperialismus entgegenzutreten, von einer reaktion\u00e4ren herrschenden Klasse in Haft genommen wird, die zur Verteidigung ihrer eigenen Interessen entschlossen ist. Die sich in Venezuela entfaltende soziale und wirtschaftliche Katastrophe ist eine Warnung an alle Arbeiter*innen und Sozialist*innen. In einem negativen Sinne best\u00e4tigt es Trotzkis Ideen zu den Konsequenzen, wenn man die in der Theorie der permanenten Revolution enthaltenen Methoden und Ideen nicht anwendet.<\/p>\n<p>Als Hugo Ch\u00e1vez 1998 an die Macht kam, befanden sich 60 Prozent des Ackerlandes im Besitz von weniger als 1 Prozent der Bev\u00f6lkerung, w\u00e4hrend 5 Prozent der Landbesitzer \u00fcber 75 Prozent des gesamten l\u00e4ndlichen Gebietes kontrollierten. Leider hat das Versagen, den Kapitalismus und das Gro\u00dfgrundbesitzertum auszumerzen, und das Fehlen einer demokratischen Arbeiter*innenkontrolle und -verwaltung zu einer R\u00fccknahme der meisten der ersten Reformen und Errungenschaften gef\u00fchrt, die die Arbeiter*innenklasse w\u00e4hrend der sich entfaltenden Revolution erlangt hat. Eine soziale und wirtschaftliche Krise verschlingt das Land.<\/p>\n<p>W\u00e4ren die Ideen Trotzkis angewendet und der Kapitalismus und das Gro\u00dfgrundbesitzertum vernichtet worden, h\u00e4tten man mit der Ausf\u00fchrung der Aufgaben der sozialistischen Revolution beginnen k\u00f6nnen. Durch die Verbindung zu den revolution\u00e4ren Bewegungen, die damals Bolivien und Ecuador beherrschten, und die Einf\u00fchrung eines echten Systems demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die Arbeiter*innen auf Kuba, h\u00e4tte eine freiwillige, demokratische, sozialistische F\u00f6deration dieser L\u00e4nder entstehen k\u00f6nnen. Dies h\u00e4tte als Anziehungspunkt f\u00fcr die Massen ganz Lateinamerikas und der USA dienen k\u00f6nnen. Leider wurde diese Gelegenheit verpasst, weil es der F\u00fchrung der Bewegung in diesen L\u00e4ndern nicht gelang, die in der permanenten Revolution enthaltenen Ideen zu verstehen und anzuwenden.<\/p>\n<p>Ein Studium dieses hervorragenden theoretischen Beitrags Leo Trotzkis ist eine gro\u00dfe Unterst\u00fctzung und Hilfe f\u00fcr die Arbeiter*innenklasse und einer neuen Generation revolution\u00e4rer Sozialist*innen. Ein gr\u00fcndliches Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Bedeutung revolution\u00e4rer sozialistischer Ideen und Programme kann dazu f\u00fchren, dass sie erfolgreich auf die K\u00e4mpfe angewendet werden, die sich heute in L\u00e4ndern wie Sudan und Algerien sowie auf den Kontinenten Asien, Afrika und Lateinamerika entwickeln.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung von Jens Jaschik, SAV Dortmund<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Massenbewegungen in Algerien und dem Sudan unterstreichen die Relevanz von Trotzkis Theorie<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":37885,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36,91],"tags":[1583,1746,1063,855,1750,909,350,832],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37884"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37884"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37884\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37892,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37884\/revisions\/37892"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37885"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37884"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37884"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}