{"id":37699,"date":"2019-03-14T16:00:12","date_gmt":"2019-03-14T15:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37699"},"modified":"2019-06-11T14:18:15","modified_gmt":"2019-06-11T12:18:15","slug":"altersarmut-stoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2019\/03\/altersarmut-stoppen\/","title":{"rendered":"Altersarmut stoppen"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37700 alignleft\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/finger-2573745_1920-227x173.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/finger-2573745_1920-227x173.jpg 227w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/finger-2573745_1920-768x585.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/finger-2573745_1920-455x347.jpg 455w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/finger-2573745_1920-600x457.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/finger-2573745_1920.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/>F\u00fcr eine Rente, von der man gut leben kann<\/strong><\/p>\n<p>Die SPD legt ihr Konzept einer Grundrente vor, um wieder an Zustimmung zu gewinnen. Doch das gesamte Konzept ist eine Nullnummer. Zwar w\u00fcrden bis zu vier Millionen einen Zuschlag erhalten, aber darunter auch Leute, die schon heute gut gestellt sind. Etwa der Gatte der Zahn\u00e4rztin, den sie f\u00fcr 15 Stunden in der Woche in ihrer Praxis angestellt hatte. Oder die Ehefrau eines pensionierten Bundesrichters, die selbst Teilzeit gearbeitet hat. Gleichzeitig bleiben hunderttausende in der Grundsicherung, da auch mit den Zuschl\u00e4gen das Geld nicht zum Leben reicht.<\/p>\n<p><em>von Holger Dr\u00f6ge, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Die SAV ist der Meinung, dass die Rente f\u00fcr ein vern\u00fcnftiges und menschenw\u00fcrdiges Leben reichen muss. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, soll im Alter nicht auf Almosen angewiesen sein.<\/p>\n<ul>\n<li>Monatliche Mindestrente von 750 Euro plus Warmmiete<\/li>\n<li>Sofortige Erh\u00f6hung des allgemeinen gesetzlichen Rentenniveaus auf 57 Prozent (OECD-Durchschnitt) als erster Schritt hin zu 75 Prozent<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Versorgungsniveau, das die gesetzliche Rentenversicherung Besch\u00e4ftigten mit durchschnittlichem oder niedrigem Einkommen bietet, liegt in Deutschland deutlich unter dem Niveau anderer OECD-L\u00e4nder. So betr\u00e4gt die Brutto-Ersatzrate, die von der \u201eOrganisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung\u201c (OECD) f\u00fcr internationale Vergleiche berechnet wird, bei deutschen Durchschnittsverdienern derzeit lediglich 37,5 Prozent, gemessen am durchschnittlichen Einkommen. In \u00d6sterreich sind es 73,3 Prozent. Im OECD-Durchschnitt erreichen vergleichbare Versicherte hingegen eine Ersatzrate von gut 57 Prozent. Beim Alterssicherungsniveau von GeringverdienerInnen rangiert Deutschland unter den 34 OECD-Mitgliedern sogar an letzter Stelle.<\/p>\n<h4>Renteneinstiegsalter senken<\/h4>\n<p>Die Rente mit 67 Jahren wird nicht das Ende der Rentenk\u00fcrzungen sein. Schon jetzt wird vereinzelt \u00fcber die Rente mit 70 Jahren diskutiert. Die Erh\u00f6hung des Renteneinstiegsalters dient nur dazu, die Renten weiter abzusenken. Wer zum Beispiel mit sechzig Jahren in Rente geht, weil er eh arbeitslos war, erh\u00e4lt dann Abz\u00fcge (0,3 Prozent weniger Rente pro Monat, den man fr\u00fcher in Rente geht) f\u00fcr sieben statt f\u00fcr f\u00fcnf Jahre.<\/p>\n<p>Aber vor allem hat der Arbeitsdruck in den Betrieben enorm zugenommen. Durch Arbeitszeitverl\u00e4ngerung auf vierzig oder mehr Stunden wird der Druck weiter erh\u00f6ht. Schon heute stirbt ein Drittel aller ArbeiterInnen vor Erreichen des Rentenalters. Die Antwort darauf ist nicht l\u00e4nger arbeiten, sondern k\u00fcrzer.<\/p>\n<h4>Frauenrenten verbessern<\/h4>\n<p>Vor allem Frauen sind von niedrigen Renten und Armut im Alter betroffen. Zwei Drittel der Bezieher*innen von Grundsicherung sind Frauen, denn sie haben deutlich niedrigere Renten als M\u00e4nner. Wegen der niedrigeren L\u00f6hne, Kindererziehung und Pflege von Angeh\u00f6rigen arbeiten Frauen h\u00e4ufig in Teilzeit oder sind gar nicht berufst\u00e4tig. Frauen bekommen nur knapp halb so viel Rente wie M\u00e4nner. Noch gr\u00f6\u00dfer sind die Unterschiede bei der Betriebsrente.<\/p>\n<p>Gleicher Lohn f\u00fcr gleichwertige Arbeit muss die Antwort darauf sein. Wir setzen uns f\u00fcr Ma\u00dfnahmen zur Beseitigung der Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt ein. Das bedeutet: Deutliche Lohnerh\u00f6hungen in frauendominierten Branchen. H\u00f6here L\u00f6hne bedeuten h\u00f6here Renten. Darum ist die Umwandlung von prek\u00e4ren Jobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverh\u00e4ltnisse erforderlich.<\/p>\n<p>Aus Einkommen unter dem Durchschnittslohn sollten sich h\u00f6here Rentenanspr\u00fcche pro hundert Euro Einkommen pro Jahr ergeben, um zumindest die Rente in Richtung der Durchschnittsrente zu erh\u00f6hen. Dies nutzt vor allem Frauen und leistet damit einen Beitrag zur Bek\u00e4mpfung von Frauenarmut.<\/p>\n<p>Kindererziehung ist nach wie vor \u00fcberwiegend Frauensache. Das muss sich \u00e4ndern. Unmittelbar gilt es jedoch die \u00f6konomische Benachteiligung auszugleichen. Neben dem Ausbau der Kinderbetreuung geh\u00f6rt dazu auch, dass es h\u00f6here Rentenanspr\u00fcche f\u00fcr Kindererziehung und Pflege und eine Ausweitung der Anrechnung von Erziehungszeiten gibt. Sind beide Eltern erwerbst\u00e4tig und betreuen Kinder, werden die Anspr\u00fcche auf beide aufgeteilt.<\/p>\n<h4>Einnahmen der Rentenversicherung<\/h4>\n<p>Um dieses Programm zu finanzieren, m\u00fcssen die Einnahmen der Rentenversicherung steigen. Einnahmesteigerungen zu Lasten der Versicherten sind aber der falsche Weg. Stattdessen m\u00fcssen die erwirtschafteten Gewinne von Banken und Unternehmen im Interesse der Sicherung des Lebensstandards der Mehrheit eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Auch wer Miete kassiert, von Honoraren lebt oder Kapitaleink\u00fcnfte bezieht, soll einen Beitrag zur Sozialversicherung leisten. Aber nicht nur die Einnahmen, die mit Sozialversicherungsbeitr\u00e4gen belegt werden, m\u00fcssen erweitert werden, sondern auch die Abschaffung von Beitragsbemessungs- und Versichertenpflichtgrenzen ist notwendig. Wobei oberhalb der bisherigen Bemessungsgrenze zus\u00e4tzliche Rentenanspr\u00fcche nur noch unterproportional erworben werden sollten.<\/p>\n<p>Das bedeutet: Alle zahlen entsprechend ihrer Einkommen ein. Alle Einkommen werden verbeitragt. Alle sind versichert. Alle bekommen eine gute Absicherung im Alter. Sollten diese Einnahmen nicht reichen, sollte der bereits bestehende allgemeine Bundeszuschuss an die Rentenversicherung ausgebaut werden \u2013 finanziert durch eine st\u00e4rkere Besteuerung von Banken und Konzernen sowie der gro\u00dfen Verm\u00f6gen. Es darf keine Erh\u00f6hung \u00fcber eine indirekte Besteuerung (wie Mehrwert- und \u00d6kosteuer) geben.<\/p>\n<p>Die L\u00f6hne m\u00fcssen steigen und die Arbeitslosigkeit bek\u00e4mpft werden. Stattdessen w\u00e4chst aber der Niedriglohnsektor, gibt es mehr Leiharbeit, Werkvertr\u00e4ge und Mini-Jobs und werden damit die Einnahmen der gesetzlichen Sozialversicherung untergraben. Notwendig ist die Umwandlung von Mini-Jobs in voll-sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine Rente, von der man gut leben kann<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":37700,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[112],"tags":[1690,1693,1694,1691,1692,814],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37699"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37699"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37699\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38077,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37699\/revisions\/38077"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37700"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37699"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37699"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}