{"id":37681,"date":"2019-03-12T16:02:54","date_gmt":"2019-03-12T15:02:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37681"},"modified":"2019-06-11T14:18:43","modified_gmt":"2019-06-11T12:18:43","slug":"an-diesem-kampf-koennen-wir-uns-ein-beispiel-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2019\/03\/an-diesem-kampf-koennen-wir-uns-ein-beispiel-nehmen\/","title":{"rendered":"An diesem Kampf k\u00f6nnen wir uns ein Beispiel nehmen!"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37682 alignleft\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Schottland-Frauen-Streik-Gewerkschaft-280x149.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"149\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Schottland-Frauen-Streik-Gewerkschaft-280x149.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Schottland-Frauen-Streik-Gewerkschaft-560x298.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Schottland-Frauen-Streik-Gewerkschaft-600x319.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Schottland-Frauen-Streik-Gewerkschaft.jpg 620w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/p>\n<p><strong>Glasgow: Wichtiger Teilsieg im Kampf um Lohngleichheit<\/strong><\/p>\n<p>Am 7. Februar feierten Besch\u00e4ftigte der Gewerkschaften Unison und GMB vor dem Glasgower Stadtrat einen historischen Sieg: Nach einem jahrelangen Kampf war der Stadtrat gezwungen, Kompensationszahlungen von 500 Millionen Pfund an die weiblichen Besch\u00e4ftigten der Stadt zuzustimmen.<\/p>\n<p><em>von Katharina Doll, Hamburg<\/em><\/p>\n<p>Diese Zahlungen sollen sie daf\u00fcr entsch\u00e4digen, dass in frauendominierten Berufen \u00fcber Jahre trotz gleicher Eingruppierung niedrigere L\u00f6hne ausgezahlt wurden.<\/p>\n<p>Brian Smith, Gewerkschaftssekret\u00e4r bei Unison und Mitglied der Socialist Party Schottland (Schwesterorganisation der SAV), sagte dazu: \u201eDiese Vereinbarung bedeutet, dass gro\u00dfe Summen an Verm\u00f6gen an die Arbeiter*innenfamilien der Stadt weitergereicht werden und ist deswegen ein herausragender Sieg f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten.\u201c<\/p>\n<h4>48-Stunden-Streik f\u00fcr Lohngleichheit<\/h4>\n<p>Dem ging ein langer Kampf voraus. Im letzten Jahr riefen die Gewerkschaften Unison, GMB, Unite und andere dann zu einem 48-st\u00fcndigen Streik f\u00fcr Lohngleichheit auf. 8000 \u00fcberwiegend weibliche Reinigungskr\u00e4fte und Besch\u00e4ftigte aus der Pflege folgten dem Aufruf.<\/p>\n<p>Es war ein wichtiger Schritt, dass auch viele m\u00e4nnliche Kollegen den Streik der Frauen aktiv unterst\u00fctzten. Hunderte m\u00e4nnliche Angestellte der Stadtreinigung, Stra\u00dfenarbeiter und Parkplatzw\u00e4rter weigerten sich, den Streik ihrer Kolleginnen zu brechen und wurden nach Hause geschickt oder schlossen sich den Streikposten an.<\/p>\n<p>Diese Solidarisierung war wichtig, denn die Chefs bei der Stadt haben alles getan, um die Streikenden beim Rest der Bev\u00f6lkerung zu diffamieren und die Solidarit\u00e4t zu brechen. Sie nutzten repressive Anti-Streik-Gesetze, um die Bewegung zu bek\u00e4mpfen. Ihre Politiker und Medien versuchten, die \u00f6ffentliche Stimmung gegen die Streikenden zu drehen. Sie verbreiteten die L\u00fcge, eine bessere Bezahlung der Frauen m\u00fcsse \u00fcber Lohnk\u00fcrzungen der m\u00e4nnlichen Kollegen finanziert werden. Andere Bl\u00e4tter berichteten, die Stadt m\u00fcsse \u201ebeliebte \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude\u201c verkaufen, sollte es zu Entsch\u00e4digungszahlungen an die Kolleginnen kommen. Ein Vertreter des Stadtrats beschwerte sich, die Stra\u00dfen seien verschmutzt und die M\u00fclltonnen w\u00fcrden \u00fcberquellen.<\/p>\n<p>Schmutzige Stra\u00dfen und \u00fcberf\u00fcllte M\u00fclltonnen: Das w\u00e4re leicht zu verhindern gewesen! Doch das Beispiel beweist, dass Gleichstellung nicht vom Himmel f\u00e4llt, sondern erk\u00e4mpft werden muss. Es zeigt auch, dass gleiche L\u00f6hne f\u00fcr Frauen kein Ding der Unm\u00f6glichkeit sind, sondern dass Entscheidungen der Arbeitgeber f\u00fcr die Lohndiskriminierung verantwortlich sind.<\/p>\n<p>Diese Entscheidungen haben f\u00fcr viele von uns fatale Auswirkungen. Viele alleinstehende Frauen haben einen niedrigen Lebensstandard, alleinerziehende M\u00fctter leben mit ihren Kindern in Armut. Frauen geraten schneller in finanzielle Abh\u00e4ngigkeit, und das macht es schwerer, gewaltsamen und belastenden Umst\u00e4nden zu entkommen. Besonders schlimm ist die Situation bei der Rente: In Deutschland erhalten Frauen im Schnitt die H\u00e4lfte der Rente von M\u00e4nnern \u2013 f\u00fcr einige \u00e4ltere Frauen bedeutet das, dass ausgekochte Kohlbl\u00e4tter auf den Tisch kommen und das Geld f\u00fcr die Heizung nicht reicht!<\/p>\n<h4>Gemeinsam k\u00e4mpfen!<\/h4>\n<p>Die Gegner*innen des Streiks in Glasgow haben ein altes M\u00e4rchen wiederholt, mit dem schon immer der Spaltkeil in die Arbeiter*innen-bewegung getrieben werden soll. Sie haben gesagt, dass h\u00f6here L\u00f6hne f\u00fcr Frauen aus den L\u00f6hnen ihrer Kollegen bezahlt werden m\u00fcssten. Eine dreiste L\u00fcge! Auch m\u00e4nnlichen Besch\u00e4ftigten wird nur ein kleiner Teil von dem ausgezahlt, was sie erarbeiten \u2013 der Rest geht als Profit an den Chef. Und auch wenn der Arbeitgeber staatlich ist, wird unter anderem an den L\u00f6hnen gespart, um an anderer Stelle Politik f\u00fcr die Reichen zu machen, zum Beispiel durch Steuererleichterungen f\u00fcr Reiche und Konzerne. Die H\u00f6he der L\u00f6hne ist letztendlich immer eine Frage der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse. Von der Schlechterstellung der Frauen profitieren nicht die m\u00e4nnlichen Kollegen, sondern einzig und allein die Chefs. Allen anderen schadet es nur, wenn L\u00f6hne gedr\u00fcckt werden, indem Frauen oder Migrant*innen als Niedriglohngruppe eingesetzt werden. Genauso wenig n\u00fctzt uns sexistisches Bewusstsein und respektloses Verhalten gegen Frauen, das gemeinsame K\u00e4mpfe erschwert.<\/p>\n<p>Ohne h\u00f6here L\u00f6hne und Renten, niedrigere Mieten und Lebenshaltungskosten, ein besseres Gesundheits- und Sozialsystem und ein Ende der kapitalistischen Klassengesellschaft kann es nie echte Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern geben. Nichts ist verkehrt daran, am 8. M\u00e4rz auch den Haushalt ruhen zu lassen, um sich den Demonstrationen anzuschlie\u00dfen. Aber Ver\u00e4nderungen im eigenen privaten Haushalt reichen nicht. Das \u00f6ffentliche Leben, Arbeit und Sozialsysteme m\u00fcssen sich von Grund auf \u00e4ndern \u2013 und auf diese Lebensbereiche m\u00fcssen wir uns Einfluss erk\u00e4mpfen. Das Beispiel von Glasgow hat gezeigt: der Streik in den Betrieben ist unser m\u00e4chtigstes Mittel, um diese Interessen durchzusetzen. Auch in Deutschland m\u00fcssen wir es nutzen!<\/p>\n<h4>Gewerkschaften m\u00fcssen den Kampf f\u00fchren<\/h4>\n<p>Am 8. M\u00e4rz wollen sich in manchen St\u00e4dten auch Besch\u00e4ftigte der Krankenh\u00e4user an den Demonstrationen beteiligen. Und um weiter Druck aufzubauen \u2013 wie in Glasgow \u2013 brauchen wir die Gewerkschaften. Denn stellt euch vor was w\u00e4re, wenn Millionen Mitglieder des DGB am 8. M\u00e4rz mit uns auf der Stra\u00dfe w\u00e4ren!<\/p>\n<p>Auch m\u00e4nnliche Besch\u00e4ftigte haben ein Interesse an sozialen Verbesserungen und einem Ende von Ausbeutung. Wir wollen nicht den Kampf des einen Geschlechts gegen das andere, sondern Gleichberechtigung und Solidarit\u00e4t. Unser Ziel sind Millionen auf der Stra\u00dfe f\u00fcr ein besseres Leben. M\u00e4nner von diesen K\u00e4mpfen auszuschlie\u00dfen ist nicht nur falsch, sondern aktive Demobilisierung! Die sollten wir \u2013 wie in Glasgow \u2013 lieber dem Arbeitgeber \u00fcberlassen, w\u00e4hrend wir f\u00fcr die Unterst\u00fctzung jeder Kollegin und jedes Kollegen werben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glasgow: Wichtiger Teilsieg im Kampf um Lohngleichheit<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":37682,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,32],"tags":[1452,1187,1525,1246,1453,1679,361,695],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37681"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37681"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37681\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38082,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37681\/revisions\/38082"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37682"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37681"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37681"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}