{"id":37677,"date":"2019-03-12T06:00:32","date_gmt":"2019-03-12T05:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37677"},"modified":"2019-06-11T14:18:46","modified_gmt":"2019-06-11T12:18:46","slug":"fuer-einen-sozialistischen-feminismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2019\/03\/fuer-einen-sozialistischen-feminismus\/","title":{"rendered":"F\u00fcr einen sozialistischen Feminismus"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37678 alignleft\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/53274703_570112453508298_4442709377798897664_n-260x173.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/53274703_570112453508298_4442709377798897664_n-260x173.jpg 260w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/53274703_570112453508298_4442709377798897664_n-768x512.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/53274703_570112453508298_4442709377798897664_n-521x347.jpg 521w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/53274703_570112453508298_4442709377798897664_n-600x400.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/53274703_570112453508298_4442709377798897664_n.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/>Neues Frauenprogramm der SAV<\/strong><\/p>\n<p>Die SAV bringt zu den Sozialismustagen 2019 ein neues Frauenprogramm heraus. Anders als im b\u00fcrgerlichen Feminismus, sehen Sozialist*innen die Notwendigkeit, den Kampf f\u00fcr die Gleichstellung mit dem allgemeinen Kampf der arbeitenden Bev\u00f6lkerung gegen K\u00fcrzungen und f\u00fcr soziale Verbesserungen zu verkn\u00fcpfen. Dabei gilt: Die Befreiung der Frau kann vollst\u00e4ndig nur in einer Gesellschaft frei von Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung erreicht werden. Deshalb ist auch die Perspektive der \u00dcberwindung des Kapitalismus hin zum Sozialismus notwendiger Bestandteil.<\/p>\n<p><em>von Aleksandra Setsumei, Aachen<\/em><\/p>\n<p>Seit einigen Jahren sehen wir in vielen L\u00e4ndern neue, massenhafte und Mut machende Proteste gegen Diskriminierung und Benachteiligung von Frauen. Es geht um gleiche Rechte, um ein Ende der Gewalt, um das Recht auf Selbstbestimmung, um \u00f6konomische Gleichstellung, um die Zukunft.<\/p>\n<p>Nach den Frauenm\u00e4rschen 2017 \u2013 den gr\u00f6\u00dften Demonstrationen an einem Tag in der US-Geschichte und den gr\u00f6\u00dften weltweit seit 2003 \u2013 nahmen an den M\u00e4rschen 2018 bis zu 2,5 Millionen Menschen in US-St\u00e4dten teil. In Lateinamerika gab es eine Reihe von Massenmobilisierungen durch die Kampagne Ni una menos (dt. nicht eine weniger), um gegen die t\u00f6dliche Gewalt gegen Frauen vorzugehen. In Chile besetzten Studierende monatelang Universit\u00e4ten, um gegen Sexismus im Bildungsbereich zu protestieren. In Spanien gab es 2018 und 2019 feministische Streiks mit Beteiligung von Millionen Frauen und M\u00e4nnern. In Polen gab es massive Proteste gegen die Versch\u00e4rfung der Gesetze zu Schwangerschaftsabbr\u00fcchen. In Irland gelang es, mithilfe einer jahrelangen kontinuierlichen Kampagne, ein Referendum durchzusetzen, das das Verbot von Schwangerschaftsabbr\u00fcchen aus der Verfassung entfernte. In Deutschland waren es im Jahr 2015 mehrheitlich Frauen, die mit den Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst f\u00fcr eine Aufwertung der Berufe und mit dem ersten Kampf f\u00fcr mehr Personal an der Berliner Charit\u00e9 mit dazu beitrugen, dass die Presse von der \u201cStreikrepublik Deutschland\u201d sprach. Es entstanden hier weitere K\u00e4mpfe im Gesundheitswesen, wo mehrheitlich Frauen besch\u00e4ftigt sind.<\/p>\n<p>Die Bewegungen werden sich weiter entwickeln. Denn Gleichberechtigung, wie sie zumindest in den &#8222;westlichen Demokratien&#8220; als hinreichend gegeben angenommen wird, wird in der Realit\u00e4t nicht erf\u00fcllt. Das liegt am kapitalistischen System, das auf Profite ausgerichtet ist und ohne Diskriminierung und Spaltung nicht auskommt.<\/p>\n<h4>K\u00e4mpfen lohnt sich<\/h4>\n<p>Es ist frustrierend, dass in den letzten Jahren viele Probleme trotz enormer M\u00f6glichkeiten nicht gel\u00f6st wurden, sondern sich versch\u00e4rft haben. Doch es ist gerade die Energie und die Macht der emporstrebenden Frauenbewegung, die die klare Botschaft vermittelt: \u201eEs muss nicht so bleiben, wie es ist!\u201c und es wird nicht so bleiben, wie es ist! Wir k\u00f6nnen die Gegenwart und die Zukunft ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die Geschichte hat gezeigt, dass uns nichts geschenkt wird. Jede Errungenschaft und jede Verbesserung muss erk\u00e4mpft und verteidigt werden. Die Geschichte hat aber auch gezeigt, dass sich der Kampf f\u00fcr diese Errungenschaften lohnt. Die neuen Frauenproteste feiern ihre ersten Erfolge \u2013 sei es in Polen, wo der gesetzliche Angriff auf Reproduktionsrechte nach wenigen Tagen massiver Proteste zur\u00fcckgenommen wurde, oder in Irland, wo durch lange Kampagnen eine Abstimmung \u00fcber das Recht auf Schwangerschaftsabbruch erreicht und gewonnen wurde. Das kann nur der Anfang sein.<\/p>\n<h4>Sexismus als Spaltungsmechanismus<\/h4>\n<p>Die herrschende Politik hat kein Interesse an einer Verbesserung der Lage der Frauen, wenn es nicht der Regierung oder Unternehmen selbst nutzt. Zwar behaupten etablierte Politiker*innen, sich f\u00fcr Frauen einzusetzen. Doch es sind die gleichen Politiker*innen, die den Hartz-IV-Empf\u00e4nger*innen das Kindergeld streichen, wohl wissend, dass dies vor allem alleinerziehende M\u00fctter treffen wird.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus profitiert von der Schlechterstellung von Frauen und basiert auf Diskriminierung und Spaltung. Er ist ein System, in dem eine kleine Minderheit fast den gesamten Reichtum der Welt besitzt, w\u00e4hrend die gro\u00dfe Mehrheit den Rest untereinander aufteilen muss. Um diese Macht- und Eigentumsverh\u00e4ltnisse aufrechtzuerhalten, ist eine Spaltung von M\u00e4nnern und Frauen, von Menschen mit und ohne deutschem Pass, von Jung und Alt notwendig. Lohndumping, schlechtere Arbeitsbedingungen, kostenlose Pflege von alten Menschen zu Hause und vieles mehr sind f\u00fcr Unternehmer*innen hochprofitabel. Deshalb gibt es ein objektives Interesse an einer Reproduktion sexistischer Vorstellungen und der Spaltung der Arbeiter*innenklasse. Denn wer nicht gemeinsam f\u00fcr bessere L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen f\u00fcr alle streitet, fragt auch nicht, wo der riesige Reichtum bleibt \u2013 n\u00e4mlich bei Banken und Konzernen in Form von Milliardengewinnen und bei den Reichen in Form von Milliardenverm\u00f6gen.<\/p>\n<h4>Gemeinsamer Kampf<\/h4>\n<p>Der Kapitalismus basiert auf Ausbeutung, Spaltung und Unterdr\u00fcckung der Lohnabh\u00e4ngigen. Deswegen kann er sich nicht leisten, ein Ende der Frauendiskriminierung zuzulassen. Befreiung kann nur durch eine revolution\u00e4re Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen erreicht werden.<\/p>\n<p>Doch nicht nur Frauen haben ein Interesse an einer solchen Ver\u00e4nderung. Der Kapitalismus macht das Leben der gro\u00dfen Mehrheit der Menschen zur H\u00f6lle auf Erden \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie M\u00e4nner oder Frauen sind: Hunger, unmenschliche Arbeitsbedingungen, kein Zugang zu sauberem Wasser oder Medikamenten geh\u00f6ren f\u00fcr viele Menschen zur traurigen Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Um den Kapitalismus zu st\u00fcrzen, ist eine Vereinigung und Organisierung aller Lohnabh\u00e4ngigen, Erwerbslosen, Rentner*innen und Jugendlichen notwendig. Dabei sind wir so stark wie wir einig sind. Ein Ausschluss der H\u00e4lfte durch sexistische Diskriminierung wird eine Revolution unm\u00f6glich machen. Aus dem Grund muss eine sozialistische Bewegung gegen jede Art der Diskriminierung k\u00e4mpfen. Und deswegen hat auch jede*r einzelne Lohnabh\u00e4ngige, Erwerbslose, Rentner*in und Jugendliche ein objektives Interesse daran, dass sich die Situation von Frauen verbessert und diese mit ihr bzw. ihm f\u00fcr eine sozialistische Welt k\u00e4mpfen.<\/p>\n<h4>Wie die Welt sein k\u00f6nnte<\/h4>\n<p>In einer sozialistischen Gesellschaft geh\u00f6ren die Fabriken und weitere Produktionsmittel nicht einer kleinen, auf Profitmaximierung ausgerichteten Minderheit, sondern der arbeitenden Bev\u00f6lkerung. So kann die Produktion demokratisch durch die Besch\u00e4ftigten geplant und kontrolliert werden. Als Folge wird der produzierte Wohlstand im Interesse von Menschen und Natur eingesetzt. Die Wirtschaft hat nicht mehr das Ziel, m\u00f6glichst gro\u00dfe Profite abzuwerfen, sondern richtet sich nach den Bed\u00fcrfnissen von Mensch und Umwelt. Durch die Beendigung der \u00dcberproduktion, die der Kapitalismus verursacht, und Abschaffung unproduktiver oder destruktiver Industriezweige (wie Werbe- oder R\u00fcstungsindustrie), werden riesige Kapazit\u00e4ten frei, die zur Abschaffung der Armut und Sicherung des Wohlstandes f\u00fcr alle eingesetzt werden k\u00f6nnen. Erst so werden Grundlagen geschaffen, um Ungleichheit, Diskriminierung und Unterdr\u00fcckung abzuschaffen.<\/p>\n<p>Im Sozialismus werden Probleme und Aufgaben solidarisch auf gesellschaftlicher Basis gel\u00f6st. Dies bedeutet unter anderem, dass es eine breite \u00f6ffentliche Daseinsvorsorge gibt, die niemanden in Armut st\u00fcrzen l\u00e4sst, der oder die aufgrund von Krankheit oder Alter arbeitsunf\u00e4hig wird. Wohnraum und \u00f6ffentliche Infrastruktur werden im ausreichenden Ma\u00df zur Verf\u00fcgung gestellt, die es allen erm\u00f6glicht, selbstbestimmt zu leben. Auch die im Kapitalismus private Hausarbeit wird, sofern es sinnvoll und effizient ist, zu einer kollektiven Aufgabe. Durch gute Planung k\u00f6nnen h\u00e4usliche Arbeiten effizienter, ressourcenschonender und qualitativ besser verrichtet werden. Ein breites Angebot von \u00f6ffentlichen Restaurants, \u00f6ffentlichen W\u00e4schereien, ganzt\u00e4giger Kinderbetreuung und menschenw\u00fcrdiger Pflege von Pflegebed\u00fcrftigen wird sichergestellt.<\/p>\n<p>Das Leben der Frauen in einer solchen Gesellschaft unterscheidet sich diametral von dem im Kapitalismus. Durch die Daseinsvorsorge und Ausbau von Infrastruktur werden Frauen im Sozialismus finanziell unabh\u00e4ngig und k\u00f6nnen selbstbestimmt leben, ohne Angst vor Armut haben zu m\u00fcssen. Durch die Vergesellschaftung der Hausarbeit, werden Frauen endlich von der Last der Reproduktionsarbeit befreit. Verbunden mit einer massiven Arbeitszeitverk\u00fcrzung er\u00f6ffnet sie M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen, gleichberechtigt am \u00f6ffentlichen Leben teilzuhaben.<\/p>\n<p>Das Gesundheitssystem im Sozialismus wird Frauen erm\u00f6glichen, dar\u00fcber zu entscheiden, ob oder wann sie Kinder bekommen m\u00f6chten. Durch Erforschung sicherer und nicht gesundheitsgef\u00e4hrdender Verh\u00fctungsmittel sowie kostenloser M\u00f6glichkeit des Schwangerschaftsabbruchs, erhalten Frauen endlich die echte Entscheidungsfreiheit \u00fcber ihren K\u00f6rper. Die Anzahl der ungewollten Schwangerschaften wird durch Aufkl\u00e4rung, kostenlose Verh\u00fctung und soziale Absicherung sinken.<\/p>\n<p>Die materiellen Grundlagen des Sozialismus, in dem es keine Armut, keinen Mangel und keine gegens\u00e4tzlichen Interessen gibt, wird dazu f\u00fchren, dass nicht nur Sexismus, sondern auch andere Diskriminierungen und Vorurteile, wie Rassismus oder Homophobie, an Einfluss verlieren. Doch sie werden nicht automatisch verschwinden \u2013 dazu ist eine gezielte Aufarbeitung und Bildungsarbeit notwendig. Da im Sozialismus niemand ein Interesse an solchen Spaltungsmechanismen hat, wird dem nichts im Wege stehen. Wenn diese Aufgabe bew\u00e4ltigt wird, werden die k\u00fcnftigen Generationen \u201eSexismus\u201c im Schwarzbuch des Kapitalismus nachschlagen m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neues Frauenprogramm der SAV<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":37678,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[1187,1201,833,1678,1105,712,1643],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37677"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37677"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37677\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38083,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37677\/revisions\/38083"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37678"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37677"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37677"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}