{"id":37438,"date":"2019-01-15T11:29:26","date_gmt":"2019-01-15T10:29:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37438"},"modified":"2019-06-11T14:12:27","modified_gmt":"2019-06-11T12:12:27","slug":"ich-kann-nicht-schweigen-das-leben-martin-luther-kings","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2019\/01\/ich-kann-nicht-schweigen-das-leben-martin-luther-kings\/","title":{"rendered":"\u201eIch kann nicht schweigen\u201c &#8211; das Leben Martin Luther Kings"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_37439\" aria-describedby=\"caption-attachment-37439\" style=\"width: 218px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-37439 size-medium\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/756px-Civil_Rights_March_on_Washington_D.C._Dr._Martin_Luther_King_Jr._and_Mathew_Ahmann_in_a_crowd._-_NARA_-_542015_-_Restoration-218x173.jpg\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/756px-Civil_Rights_March_on_Washington_D.C._Dr._Martin_Luther_King_Jr._and_Mathew_Ahmann_in_a_crowd._-_NARA_-_542015_-_Restoration-218x173.jpg 218w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/756px-Civil_Rights_March_on_Washington_D.C._Dr._Martin_Luther_King_Jr._and_Mathew_Ahmann_in_a_crowd._-_NARA_-_542015_-_Restoration-437x347.jpg 437w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/756px-Civil_Rights_March_on_Washington_D.C._Dr._Martin_Luther_King_Jr._and_Mathew_Ahmann_in_a_crowd._-_NARA_-_542015_-_Restoration-600x476.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/756px-Civil_Rights_March_on_Washington_D.C._Dr._Martin_Luther_King_Jr._and_Mathew_Ahmann_in_a_crowd._-_NARA_-_542015_-_Restoration.jpg 755w\" sizes=\"(max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-37439\" class=\"wp-caption-text\">Martin Luther King beim B\u00fcrgerrechtsmarsch in Washington<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Am 15. Januar 1929 wurde Martin Luther King, einer der bedeutendsten F\u00fchrer der US-B\u00fcrgerrechtsbewegung geboren<\/strong><\/p>\n<p>\u201eMeine Tr\u00e4ume kennen keine Grenzen, bis eine Kugel ihnen ein Ende setzt\u201c, hatte der lateinamerikanische Revolution\u00e4r Ernesto Che Guevara zu seinen Lebzeiten einem Journalisten entgegnet, der von ihm wissen wolle, wie weit er noch gehen w\u00fcrde. Als Partisan hatte er in drei Revolutionen und Revolutionsversuchen mit der Waffe in der Hand gegen Unterdr\u00fcckung gek\u00e4mpft. Am 9. Oktober 1967 wurde er, nach seiner Gefangennahme durch Regierungstruppen, ermordet. Che Guevara glaubte nicht daran, dass man ein unterdr\u00fcckerisches Regime vollkommen gewaltfrei w\u00fcrde bezwingen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>von Steve Hollasky, Dresden<\/em><\/p>\n<p>Nicht einmal ein halbes Jahr nach jenem Mord ereignete sich ein weiterer: Martin Luther King jr., einer der entscheidenden F\u00fchrer der Bewegung gegen die Unterdr\u00fcckung der Afroamerikaner*innen, wurde in Memphis, in Tennessee am Vorabend einer geplanten Gro\u00dfdemonstration von Streikenden vor seinem Hotelzimmer mit einem Kopfschuss get\u00f6tet. Und auch King hatte eine Traum gehabt, wie er im gluthei\u00dfen August 1963 vor nicht weniger als einer Viertelmillion Demonstrant*innen in der US-amerikanischen Hauptstadt ausrief: \u201eIch habe einen Traum, dass man meine drei kleinen Kinder nicht nach der Farbe ihrer Haut, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.\u201c So fern wie diese S\u00e4tze damals \u2013 im Angesicht rassistischer Gesetze und militanter rechter Gruppen &#8211; klangen, so fern scheinen sie mitunter heute, im Angesicht des weltweiten Erstarkens rechter und rassistischer Kr\u00e4fte.<\/p>\n<h4>Rassistische Unterdr\u00fcckung in den USA<\/h4>\n<p>Nach dem Ende des US-B\u00fcrger*innenkrieges, in dem der industrialisierte Norden \u00fcber den S\u00fcden triumphierte, in dem schwarze Sklav*innen auf Plantagen den Reichtum erwirtschaftet hatten, glaubten viele Afroamerikaner*innen an ihre Gleichberechtigung. Und zun\u00e4chst sah sogar Vieles danach aus: Ausgerechnet in dem ehemaligen Sklavenhatlerstaat South Carolina war die Mehrheit der Parlamentsabgeordneten schwarz. Doch das wei\u00dfe Establishment war nicht bereit diese Entwicklung hinzunehmen. Der Ku Klux Klan, eine schlagkr\u00e4ftige Truppe wei\u00dfer Rassisten \u00fcberfiel und ermordete zahlreiche Schwarze. Wei\u00dfe Unternehmer, auf der Suche nach billigen Arbeitskr\u00e4ften, erwirkten die Einf\u00fchrung von Gesetzen in allen S\u00fcdstaaten, die nur denen das Wahlrecht zubilligten, deren Gro\u00dfv\u00e4ter schon hatten w\u00e4hlen d\u00fcrfen. Diese Gro\u00dfv\u00e4tergesetze nahmen den Schwarzen das Wahlrecht.<\/p>\n<p>Erschreckende Arbeits- und Lebensbedingungen, besonders in den S\u00fcdstaaten fesselten die weit \u00fcberwiegende Mehrzahl der afroamerikanischen Familien in bitterer Armut. St\u00e4ndige \u00dcberf\u00e4lle und Morde waren an der Tagesordnung. Bestraft wurden selten die T\u00e4ter*innen, viel h\u00e4ufiger jedoch die Opfer, wenn sie sich zur Wehr gesetzt hatten. Polizei und Gerichte, der Staatsapparat, war von Rassist*innen durchdrungen.<\/p>\n<p>In allen S\u00fcdstaaten wurde die sogenannte \u201eRassentrennung\u201c, die Trennung der Bev\u00f6lkerung nach Hautfarbe, Realit\u00e4t. Der Grundsatz \u201eseperate but equal\u201c war schon deshalb blo\u00dfe Kosmetik, weil die Schulen f\u00fcr Schwarze erschreckend aussahen. Schulen, Bibliotheken, Busse, Kinos, selbst Toiletten durften Schwarze und Wei\u00dfe nicht gemeinsam benutzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Schwarzen waren die Kirchen, besonders die Baptistengemeinden, die einzigen Orte, an denen sie einigerma\u00dfen sicher waren, sich austauschen, diskutieren und Trost finden konnten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_37441\" aria-describedby=\"caption-attachment-37441\" style=\"width: 257px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37441\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Rosa-Parks-257x173.png\" alt=\"\" width=\"257\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Rosa-Parks-257x173.png 257w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Rosa-Parks-515x347.png 515w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Rosa-Parks.png 560w\" sizes=\"(max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-37441\" class=\"wp-caption-text\">Rosa Parks<br \/>(UnknownUnknown author [Public domain], via Wikimedia Commons)<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Initialz\u00fcndung Montgomery<\/h4>\n<p>Es war das Mantra der Marxistin Rosa Luxemburg: \u201eAussprechen was ist, bleibt eine revolution\u00e4re Tat\u201c, wiederholte sie immer wieder. Den Vorhang der unhinterfragten Normalit\u00e4t zu l\u00fcften und der \u00d6ffentlichkeit die schonungslose Wahrheit \u00fcber die kapitalistische Realit\u00e4t zu zeigen, ersetzt weder den Aufstand, noch lie\u00df es ihn zum Automatismus werden. Aber es bildete schon immer die Voraussetzung zum Handeln.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Dezembers 1955 war es eine afroamerikanische N\u00e4herin, Rosa Parks, die diesen Vorhang l\u00fcftete. Im Grunde war Rosa Parks einfach sitzen geblieben. Nichts Gro\u00dfartiges &#8211; so k\u00f6nnte man meinen. Aber zu einer Zeit, in der es schwarzen Fahrg\u00e4sten in den \u00f6ffentlichen Bussen Montgomerys untersagt war vorn im Bus zu sitzen und ihnen selbst das Sitzen auf den hinteren Pl\u00e4tzen nur erlaubt war, solange wei\u00dfe Fahrg\u00e4ste diese nicht verlangten, war Parks Tat an Mut schwer zu \u00fcberbieten.<\/p>\n<p>Es kam wie es im Alabama der 50er Jahre kommen musste: Parks wurde verhaftet, weil sie als N\u00e4herin nach einem Arbeitstag in ihrer Fabrik nicht mehr stehen wollte! Man legte die Kaution auf 100 US-Dollar fest. F\u00fcr eine Arbeiterin in diesen Jahren unbezahlbar.<\/p>\n<p>Ein schwarzer Gewerkschafter \u2013 E.D. Nixon \u2013 nahm sich ihres Falles an: Er besorgte eine Anwalt, stellte Kaution und benachrichtigte eine schwarze Frauenorganisation \u00fcber Rosa Parks Schicksal. Dann kontaktierte er Martin Luther King. Der junge Familienvater hatte Zweifel. Dennoch \u00f6ffnete er seine Kirche f\u00fcr eine Beratung all derer, die in dem Fall aktiv werden wollten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Tag der Gerichtsverhandlung, den 5. Dezember, forderte man die afroamerikanische Bev\u00f6lkerung Montgomerys auf das Mitfahren in den Bussen der Stadt zu verweigern. Martin predigte dies von der Kanzel seiner Kirche am Sonntagmorgen und am n\u00e4chsten Tag wurde er Zeuge eines kaum zu erwartenden Erfolges. Er selbst hatte mit einer Verweigerung von bestenfalls 50 Prozent gerechnet. Doch es fuhr fast kein Schwarzer in Montgomery mit dem Bus.<\/p>\n<p>Die Zeit war reif gewesen und Rosa Parks mutige Tat hatte das Fanal gesetzt. Trotz aller Anschl\u00e4ge und Angriffe durch Rassist*innen blieb der Boykott aufrecht. Und die Klage vor dem Obersten Gerichtshof in Alabama gegen die Segregation von Schwarz und Wei\u00df war ein voller Erfolg. Allen Rufen von der Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte zum Trotz, w\u00e4re der Sieg vor Gericht ohne die Massenbewegung in Montgomery unvorstellbar gewesen. Und selbst dann setzte das Gericht auf Verz\u00f6gerungen und stellte den Gerichtsbescheid nicht an die Stadt Montgomery zu. Der Boykott fand sein Ende erst mit der Annahme des Beschlusses durch die Stadt.<\/p>\n<h4>Kompromisslose Gewaltfreiheit<\/h4>\n<p>Anders als der eingangs zitierte Che Guevara &#8211; der in Lateinamerika und Afrika bewaffnet gegen Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung k\u00e4mpfte, weil er an eine tiefgreifende Reformierbarkeit des kapitalistischen Systems nicht glaubte &#8211; war Martin Luther King lange Zeit der festen \u00dcberzeugung, man k\u00f6nne, ja man m\u00fcsse die Spielr\u00e4ume des Systems zur Verbesserung des Lebens f\u00fcr alle ausnutzen. \u201eEiner der Glanzpunkte der Demokratie ist das Recht f\u00fcr das Recht k\u00e4mpfen zu d\u00fcrfen\u201c, hatte er seinen Anh\u00e4nger*innen zu Beginn des Busboykotts in Montgomery zugerufen. Die Schwarzen in den USA waren f\u00fcr ihn vor allem eines: B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger eben jenes Landes. Sie sollten nur nicht mehr B\u00fcrger*innen zweiter Klasse sein! Also musste es darum gehen das Land in eine Land f\u00fcr alle dort lebenden Menschen zu verwandeln.<\/p>\n<p>Daraus leitete King auch einen absoluten Verzicht auf Gewalt ab. Wie sein gro\u00dfes Vorbild Gandhi, der die britische Kolonialherrschaft \u00fcber Indien mit seinem gewaltlosen Widerstand ins Wanken brachte, wollte auch King die Unterdr\u00fcckung in den Vereinigten Staaten durch Aktionen, die ganz bewusst auf Gewalt verzichteten beenden.<\/p>\n<p>Selbst, als w\u00e4hrend des Busboykotts ein Anschlag auf sein Haus erfolgte, bei dem seine Ehefrau und seine gerade erst geborene Tochter nur mit viel Gl\u00fcck mit dem Leben davon gekommen waren, rief King weiter dazu auf keine Gewalt anzuwenden und die wei\u00dfen Br\u00fcder und Schwestern und selbst die Rassisten den Ku Klux Klans zu lieben.<\/p>\n<p>Genau hierin lag vielleicht einer der entscheidenden Fehler Kings, der ihm ab Mitte der 60er Jahre zunehmend Unterst\u00fctzung kosten w\u00fcrde. W\u00e4hrend des Busboykotts von Montgomery auf einen friedlichen Verlauf der Aktionen zu achten war schon deshalb geboten, weil ansonsten der Einsatz der von Rassisten durchsetzten Nationalgarde drohte.<\/p>\n<p>Doch es ist eben etwas anderes, ob man aus taktischen oder prinzipiellen Erw\u00e4gungen heraus agiert. Prinzipiell, auch in Notwehrsituationen, auf Gewalt zu verzichten, bedeutete Aktivist*innen dem Terror des Ku Klux Klans und anderer rassistischer Organisationen auszusetzen. Zudem malte es mitunter das Bild als k\u00f6nnten die Afroamerikaner*innen allein dar\u00fcber entscheiden, ob es zur Anwendung von Gewalt kommen w\u00fcrde. Nur ging die Gewalt eben von der anderen Seite \u2013 von Polizei, Gerichten und Rassist*innen \u2013 aus.<\/p>\n<h4>Kennedy will Pr\u00e4sident werden<\/h4>\n<p>Auf die Strategie der Gewaltlosigkeit, die nach King zudem den Vorzug besa\u00df die Gewalt wei\u00dfer Rassist*innen und der staatlichen Beh\u00f6rden offenzulegen, setzte King auch in den Jahren 1959 und 1960. Ermutigt von dem Erfolg in Montgomery versuchten \u2013 vorrangig Studierende aller Hautfarben \u2013 die \u201eRassentrennung\u201c in Kaufh\u00e4usern und in Cafes und Restaurants zu bek\u00e4mpfen. Sie setzten sich in Bars und Imbissstuben auf Pl\u00e4tze, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr Wei\u00dfe vorgesehen waren. Lie\u00df man sie nicht in die L\u00e4den hinein, organisierten sie Sitzstreiks an den Zug\u00e4ngen. Polizei pr\u00fcgelte auf sie ein. Wei\u00dfe Frauen und M\u00e4nner beschimpften sie, bewarfen sie mit Essensresten und schlugen nicht selten zu.<\/p>\n<p>Die Studierenden hielten Schilder mit Zitaten von Martin Luther King in die Luft und verpflichteten sich zur Gewaltlosigkeit. King war sofort begeistert. Er reiste nach Atlanta und beteiligte sich an den Aktionen, was die mediale Aufmerksamkeit auf den Kampf der Studierenden lenkte. W\u00e4hrend einer Aktion gegen die Kaufhauskette \u201eRich\u2018s\u201c, die auch Restaurants unterhielt, wurden King und 80 weitere Aktivist*innen von der rassistisch aufgehetzten Polizei festgenommen.<\/p>\n<p>\u00dcber Tage hinweg erfuhr Coretta nicht wo sich ihr Ehemann genau befand oder wie es ihm ginge. Zudem wurde Martin Luther King jeder Kontakt mit einem Anwalt verwehrt.<\/p>\n<p>In diesen Tagen rief ein junger Senator bei den Kings an. Er stellte sich als John Fitzgerald Kennedy und Pr\u00e4sidentschaftskandidat der Demokraten vor und bot Coretta Hilfe an. Auf ihre Bitte, setzte er kraft seines Amtes durch, dass Martin Luther King mit der Au\u00dfenwelt Kontakt aufnehmen konnte.<\/p>\n<p>Kennedys Einsatz f\u00fcr King war taktisch motiviert: Bei den Wahlen stand ein knappes Ergebnis bevor. Wollte sich Kennedy als jugendlicher Reformer gegen den republikanischen Mitbewerber Richard Nixon durchsetzen, musste er zur Frage der Befreiung der afroamerikanischen Bev\u00f6lkerung Stellung beziehen, was er damit tat. Nicht vergessen darf man auch, dass Martin Luther King mit der von ihm ins Leben gerufenen Organisation Southern Christian Leadership Conference (SCLC) gegen die \u201eGro\u00dfv\u00e4tergesetze in den S\u00fcdstaaten k\u00e4mpfte. Die Eintragung hunderttausender Schwarzer in die W\u00e4hler*innenverzeichnisse stand bevor. Sie w\u00fcrden wom\u00f6glich die Wahlen entscheiden.<\/p>\n<p>Die Freilassung Kings zu erwirken blieb jedoch Sache der Aktivist*innen und Anw\u00e4lte um ihn herum. Dennoch sollte sich der Telefonanruf Kennedys f\u00fcr ihn auszahlen: Gerade 100.000 Stimmen lag Kennedy in 1961 vor Nixon. Nicht weniger als 85 Prozent der Afroamerikaner*innen, die inzwischen w\u00e4hlen durften, gaben ihre Stimme dem jungen, demokratischen Kandidaten.<\/p>\n<h4>Kein verl\u00e4sslicher B\u00fcndnispartner<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend die Bewegung sich nun auch auf die \u00dcberlandbusse ausweitete und auch dort die Abschaffung der Trennung nach Hautfarbe forderte, tat die Kennedy-Administration so gut wie nichts, um den \u201eFreedom Riders\u201c, die durch die Vereinigten Staaten fuhren zu helfen. Ebenso nahm das Wei\u00dfe Haus kaum Anteil an der Sit-in-Bewegung, die weiterhin gegen ausschlie\u00dflich f\u00fcr wei\u00dfe bestimmte Kinos und Restaurants zu Felde zog. Insgesamt beteiligten sich 70.000 Menschen \u2013 Schwarze und zunehmend auch Wei\u00dfe \u2013 an diesen Auseinandersetzungen. Nicht weniger als dreieinhalbtausend wurden verhaftet. Beteiligte Studierende wurden nicht selten von ihren Unis verwiesen, 38 Professoren wurden aus Amt und W\u00fcrden gehoben, weil sie Teil der Proteste waren.<\/p>\n<p>Als Martin Luther King in Albany gegen die \u201eRassentrennung\u201c demonstrierte, und Justizminister Robert Kennedy, den Bruder des Pr\u00e4sidenten, telefonisch um Hilfe bat, forderte der von King einen Abbruch der Demonstrationen in der Stadt \u2013 und King willigte ein! Der Kampf der Schwarzen um ihre Rechte hatte l\u00e4ngst begonnen die Grundfeste der US-Gesellschaft infrage zu stellen. An einer derartigen Zuspitzung hatte die Kennedy-Administration kein Interesse.<\/p>\n<p>Martin Luther King verlie\u00df die Stadt. F\u00fcr den Rest seines Lebens w\u00fcrde er sich dar\u00fcber immer wieder schwere Vorw\u00fcrfe machen. Es war der vielleicht schwerste Fehler Kings auf die Einfl\u00fcsterer der Kennedy-Regierung zu h\u00f6ren. Nie wieder w\u00fcrde er diesen Fehler begehen!<\/p>\n<figure id=\"attachment_37442\" aria-describedby=\"caption-attachment-37442\" style=\"width: 264px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37442\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-birmingham-264x173.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-birmingham-264x173.jpg 264w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-birmingham-529x347.jpg 529w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-birmingham.jpg 544w\" sizes=\"(max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-37442\" class=\"wp-caption-text\"><br \/>(Martin Luther King nach seiner Verhaftung in Birmingham)<br \/>Birmingham AL police dept [Public domain], via Wikimedia Commons<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Brimingham, Alabama<\/h4>\n<p>Einer der vielleicht schwersten K\u00e4mpfe der B\u00fcrgerrechtsbewegung fand in Brimingham statt. Die Industriestadt war strikt segregiert und die Stadtherren erkl\u00e4rten in Reden immer wieder, dass sich daran nichts \u00e4ndern w\u00fcrde. Der Polizeichef Eugene \u201eBull\u201c Connor war bekennender Rassist und stand mit dem Ku Klux Klan in Verbindung. Schon vor Beginn der Kampagne des SCLC in dieser Stadt erkl\u00e4rte er, dass er mit unmissverst\u00e4ndlicher H\u00e4rte vorgehen werde.<\/p>\n<p>Doch auch King und der SCLC wollten es auf eine Auseinandersetzung ankommen lassen. Hatte der den Busboykott noch als \u201eNoncooperation\u201c, als \u201eNicht-Zusammenarbeit\u201c, bezeichnet; gab er der Kampagne in Birmingham den Namen: \u201eProject C\u201c &#8211; \u201eProject Confrontation\u201c!<\/p>\n<p>Wochenlang demonstrierten die Aktivist*innen um King durch die Stadt. \u201eBull\u201c Connor griff jede Demonstration an. Er hatte die Wasserwerfer derart hart einstellen lassen, dass sie die Rinde von den B\u00e4umen kratzte. Tausende wurden festgenommen. \u201eBull\u201c Connor wies die Polizei der Stadt sogar an Sch\u00fcler*innen festzunehmen. Selbst Kinder im Alter von 8 Jahren wurden verhaftet. Anfang Mai 1963 reichten die Haftr\u00e4ume in Birmingham nicht mehr aus, weil allein 2.500 Kinder und Jugendliche im Gef\u00e4ngnis sa\u00dfen.<\/p>\n<p>Nun traten die Unternehmer der Stadt an King heran, um mit ihm ein Abkommen zur Aufhebung der \u201eRassentrennung\u201c zu vereinbaren. Der wochenlange Kampf hatte ihre Einnahmen empfindlich geschm\u00e4lert. King verstand mehr als genug vom kapitalistischen System als dass er wusste, dass deren Druck auf die Stadtspitze ausreichen w\u00fcrde, um die Segregation dort f\u00fcr immer zu beenden und so ging er auf das Angebot ein.<\/p>\n<p>Und dennoch verweigerte King die Unterschrift. Er hatte den Angeh\u00f6rigen der Inhaftierten und den Eltern der Kinder zugesichert, er werde Birmingham erst verlassen, wenn deren Schicksal gekl\u00e4rt w\u00e4re. Seine Berater redeten auf King ein, sie beschworen ihn zu unterzeichnen. King wies das entschieden von sich. Und wieder schaltete sich die Kennedy-Administration ein. Robert Kennedy wollte endlich Ruhe im S\u00fcden. Die Regierung f\u00fcrchtete die Unterst\u00fctzung wei\u00dfer, rassistischer Abgeordneter in Kongress und Senat zu verlieren, wenn sie King nicht stoppte. Doch der blieb stur und unbeirrbar. Er w\u00fcrde den Fehler von Albany nicht wiederholen.<\/p>\n<p>King entschloss sich zu einem Schritt, der viele beinahe schockierte. Er bat den \u00f6rtlichen AFL-CIO, den Dachverband der Gewerkschaften, um Hilfe. Der war zwar vorrangig wei\u00df gepr\u00e4gt. Doch jedes f\u00fcnfte Mitglied war afroamerikanischer Abstammung. Damit waren Schwarze in den Reihen des AFL-CIO im Vergleich zur US-Bev\u00f6lkerung, deutlich \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Der wochenlange Kampf war am \u00f6rtlichen AFL-CIO nicht spurlos vor\u00fcbergegangen, seine b\u00fcrokratische F\u00fchrung geriet unter Druck und drohte mit Arbeitskampfma\u00dfnahmen, sollte Kings Forderung nicht nachgegeben werden. Allein das reichte aus, Unternehmer und Stadt willigten ein.<\/p>\n<p>Der Sieg war teuer erkauft. Noch Monate sp\u00e4ter ver\u00fcbten Rassist*innen unter dem Jubel des Ku Klux Klan Angriffe auf Schwarze und Wei\u00dfe, die die B\u00fcrgerrechtsbewegung unterst\u00fctzt hatten. Als sich gerade der M\u00e4dchenchor der Sixteenth Avenue Baptist Church f\u00fcr den Gesang in der Kirche umzog, explodierte dort eine Bombe, die vier kleine Kinder in den Tod riss und 21 verletzte. Die Predigt trug den Namen \u201eeine Liebe, die vergibt\u201c. Die beiden ermittelten T\u00e4ter wurde wegen Besitzes von Sprengstoff und nicht wegen Mordes verurteilt. So erhielten sie eine sechsmonatige Haftstrafe und hatten 100 Dollar Strafe zu zahlen. Es w\u00e4re eine stets unzureichende Aufz\u00e4hlung des Schreckens, wollte man versuchen alle derartigen Vorf\u00e4lle aufzulisten. Und dennoch war der Sieg gegen den institutionalisierten Rassismus, gegen Staat und Ku Klux Klan nicht mehr auszul\u00f6schen!<\/p>\n<h4><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37443 alignleft\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-Washington-160x173.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-Washington-160x173.jpg 160w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-Washington-320x347.jpg 320w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-Washington.jpg 554w\" sizes=\"(max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/>\u201eIch habe einen Traum\u201c<\/h4>\n<p>Wenige Monate nach dem Ende des Kampfes in Birmingham riefen Martin Luther King und der SCLC ihre Anh\u00e4nger*innen zur Demonstration in Washington auf. Der \u201eMarsch f\u00fcr Arbeit und Freiheit\u201c sollte die an dem Tag im Repr\u00e4sentantenhaus stattfindende Abstimmung \u00fcber ein Gesetzeswerk zur Verbesserung der rechtlichen und sozialen Stellung der Schwarzen in den USA begleiten. Nicht weniger als 250.000 Menschen folgten dem Ruf. In der Nacht hatten Rassist*innen einen Anschlag auf die Anlage, \u00fcber die King sprechen sollte, ver\u00fcbt und die Kabel zerschnitten. Ohne Kings Wissen bat sein Beraterkreis um Hilfe bei der Kennedy-Administration. Diese kommandierte eine Nachrichteneinheit der US-Armee herbei, die die Kabel zusammenflickte. Und dennoch lehnte Martin Luther King es ab, dass ein Vertreter der Regierung auf der Kundgebung reden d\u00fcrfte. Dort formulierte er jenen unvergesslichen Satz, nach dem er hoffe, dass seine Kinder einmal nach ihrem Charakter und nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt w\u00fcrden. Und erkl\u00e4rte, dass man nicht eher ruhen werde, bis jede Form der Benachteiligung der afroamerikanischen Bev\u00f6lkerung Geschichte w\u00e4re und dass man solange weiterk\u00e4mpfe, wie auch nur ein Schwarzer Opfer von Polizeigewalt werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der Tag war ein schwer zu \u00fcberbietender Erfolg f\u00fcr das Ansehen der gesamten Bewegung, obwohl King und der SCLC den Kampf in Birmingham als wesentlich bedeutender einsch\u00e4tzten. Hiernach verdunkelten sich die Wolken \u00fcber der Bewegung deutlich. Kennedy wurde im November Opfer eines Mordanschlages und sein Nachfolger Johnson war vollauf damit besch\u00e4ftigt den imperialistischen Krieg in Vietnam zu f\u00fchren.<\/p>\n<h4><\/h4>\n<figure id=\"attachment_37444\" aria-describedby=\"caption-attachment-37444\" style=\"width: 252px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-37444 size-medium\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Vietnamkrieg-252x173.jpg\" alt=\"\" width=\"252\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Vietnamkrieg-252x173.jpg 252w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Vietnamkrieg-506x347.jpg 506w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Vietnamkrieg-600x412.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Vietnamkrieg.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-37444\" class=\"wp-caption-text\">MLK spricht gegen den Vietnamkrieg an der Universit\u00e4t von Minnesota (Minnesota Historical Society [CC BY-SA 2.0 (https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0)], via Wikimedia Commons)<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Kriegsgegner<\/h4>\n<p>Sp\u00e4testens ab 1964 verstand sich King als Gegner der US-Au\u00dfenpolitik. F\u00fcr ihn war der Krieg in Vietnam ein gro\u00dfes Verbrechen. Doch seine Berater*innen, ja selbst sein Vater warnten ihn immer wieder sich \u00f6ffentlich als Kriegsgegner zu erkennen zu geben. Wollten Schwarze etwas erreichen, m\u00fcssten sie US-amerikanische Patriot*innen sein. Zudem f\u00fcrchteten viele, man w\u00fcrde die letzte Unterst\u00fctzung der US-Regierung verlieren.<\/p>\n<p>Doch King beugte sich dem Druck nicht. Immer wieder erkl\u00e4rte er offen seine Gegnerschaft zum Krieg in Fernost. Bis heute ist seine diesbez\u00fcgliche Predigt aus dem Jahr 1967 an Deutlichkeit schwer zu \u00fcberbieten: \u201eVielleicht wisst Ihr es nicht, meine Freunde, aber es wird gesch\u00e4tzt, dass wir 500.000 Dollar aufwenden, um einen feindlichen Soldaten zu t\u00f6ten, w\u00e4hrend wir gleichzeitig nur 53 Dollar f\u00fcr jeden Menschen ausgeben, der in unserem Land als arm eingestuft ist. [\u2026] Und deshalb bin ich immer mehr zu der \u00dcberzeugung gekommen, dass dieser Krieg ein Feind der Armen ist, und deshalb greife ich ihn an.\u201c Der r\u00fccksichtslose Terror gegen die vietnamesische Bev\u00f6lkerung war f\u00fcr King, lange bevor das Massaker von My Lai die US-Bev\u00f6lkerung aufr\u00fcttelte, ein unverzeichliches Verbrechen. Ein Verbrechen noch dazu, welches der US-Gesellschaft den Spiegel vorhalte. Man k\u00f6nne wei\u00dfe und schwarze Soldaten auf den Fernsehbildschirmen sehen \u201ewie sie zusammen t\u00f6ten und sterben f\u00fcr ein Land, das zu Hause nicht in der Lage ist, sie im gleichen Schulzimmer lernen zu lassen. Wir sehen ihnen zu, wie sie in brutaler Solidarit\u00e4t in einem armen Dorf die H\u00fctten niederbrennen, aber wir wissen, dass sie in Chicago oder Atlanta wohl kaum im selben Quartier wohnen w\u00fcrden. Ich kann nicht schweigen angesichts einer solch brutalen Manipulation der Armen.\u201c<\/p>\n<p>Selbst jene Teile der b\u00fcrgerlichen Presse, die ihn gerade wegen seines kompromisslosen Gewaltverzichts gelobt hatte, gossen nun k\u00fcbelweise Unrat \u00fcber Martin Luther King aus. Sie sprachen ihm schlichtweg die Bef\u00e4higung ab, \u00fcber solche Themen sprechen zu k\u00f6nnen. Dass sie damit in rassistische Deutungsmuster vom \u201enaiven und unwissenden Schwarzen\u201c verfielen, schien ihnen schlichtweg egal zu sein.<\/p>\n<p>Doch King war bei Weitem schlagfertig genug, um sich entschieden zur Wehr zu setzen: \u201eSie applaudierten uns bei unseren Freiheitsfahrten, als wir ohne Vergeltung die Schl\u00e4ge hinnahmen. Sie lobten uns in Alabama und in Birmingham und in Selma. Oh, die Presse war so nobel in ihrem Applaus f\u00fcr uns und so nobel in ihrem Lob, als ich sagte: \u201aWendet keine Gewalt an gegen Bull Connor\u2018 und als ich sagte; \u201aWendet keine Gewalt an gegen den rassistischen Sheriff Jim Clark.\u2018 [\u2026]. Das ist doch seltsam widerspr\u00fcchlich an diesem Land und seiner Presse, dass sie dich loben, wenn du sagst: \u201aSeid gewaltlos gegen Jim Clark\u2018, aber dich verdammen und verfluchen, wenn man sagt: \u201aTu kleinen braunen vietnamesischen Kindern keine Gewalt an.\u2018 Mit so einer Presse stimmt etwas nicht.\u201c<\/p>\n<h4>Gegen Kapitalismus<\/h4>\n<p>Was auch die Berater*innen Kings mehr und mehr ersch\u00fctterte, war seine immer st\u00e4rkere Bereitschaft die soziale Frage mit den K\u00e4mpfen gegen Rassismus zu verkn\u00fcpfen. Als King Ende der 50er Jahre mit Coretta durch Indien reiste, sah er erschrocken all die Armut. Gandhi hatte das Kastenwesen nie angegriffen. Dass es arm und reich gab, war f\u00fcr Gandhi nie wichtig gewesen. F\u00fcr Martin Luther King sehr wohl. Schon w\u00e4hrend des Studiums hatte er Briefe an seine sp\u00e4tere Ehefrau geschrieben, in denen er erkl\u00e4rte, er sehe sich \u00f6konomisch eher als Sozialist, denn als Kapitalist.<\/p>\n<p>Nun, Mitte der 60er Jahre, waren genau diese Ansichten immer wieder Thema im Vorstand des SCLC. \u201eEin Haus, das Menschen zu Bettlern macht, muss umgebaut werden\u201c, hatte King stets wiederholt. Nun gesellten sich S\u00e4tze hinzu wie: \u201eEtwas stimmt nicht mit dem kapitalistischen System!\u201c<\/p>\n<p>In seinem 1966 erschienen Buch \u201ewohin f\u00fchrt unser Weg\u201c pl\u00e4dierte er mit Nachdruck f\u00fcr ein Zusammengehen der US-B\u00fcrgerrechtsbewegung mit der klassischen Arbeiter*innenbewegung. Am Arbeitsplatz k\u00f6nne Rassismus besser als an vielen anderen Stellen bek\u00e4mpft werden, weil dort das Interesse an m\u00f6glichst gro\u00dfer St\u00e4rke gegen\u00fcber dem Unternehmer schwarze und wei\u00dfe Arbeiter*innen quasi automatisch zusammenf\u00fchren m\u00fcsse. Und irgendwann in jenen Monaten fiel im Vorstand der SCLC auch der Satz: \u201eVielleicht m\u00fcssen sich die USA in Richtung eines demokratischen Sozialismus entwickeln.\u201c<\/p>\n<p>Er formulierte es als Frage, aber es war mehr als das. Es war eine Kampfansage gegen ein System, in dem er immer mehr einen Kreisel aus Rassismus \u2013 Armut \u2013 Krieg zu erkennen glaubte. Demonstrationen f\u00fcr bessere Wohnbedingungen und die Forderung nach staatlichem Wohnungsbau waren die logische Folge dieser Ansichten.<\/p>\n<p>Als King einen seiner (wei\u00dfen) Berater um R\u00fcckkehr bat, der zur\u00fcckgetreten war, weil das FBI seine Kontakte zu marxistischen Gruppen an die \u00d6ffentlichkeit gebracht hatte, war f\u00fcr Hoover, den Chef des FBI alles klar: King war Kommunist. Er musste Kommunist sein, also musste er weg. Mit gef\u00e4lschten erpresserischen Briefen versuchte man ihn in den Selbstmord zu treiben, man platzierte Provokateure in seiner unmittelbaren N\u00e4he, die seine gewaltlosen Proteste eskalieren lassen sollten.<\/p>\n<h4><\/h4>\n<figure id=\"attachment_37445\" aria-describedby=\"caption-attachment-37445\" style=\"width: 259px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37445\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Poor-peoples-campaign-259x173.jpg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Poor-peoples-campaign-259x173.jpg 259w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Poor-peoples-campaign-768x513.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Poor-peoples-campaign-520x347.jpg 520w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Poor-peoples-campaign-600x401.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Martin-Luther-King-Poor-peoples-campaign.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-37445\" class=\"wp-caption-text\">Zeltstadt der Poor peoples campaign in Washington<br \/>(Henry Zbyszynski [CC BY 2.0 (https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0)], via Wikimedia Commons)<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Memphis<\/h4>\n<p>Es half nichts! Martin Luther King k\u00e4mpfte weiter. F\u00fcr den Sommer plante er die gewaltigste Massendemonstration in der Geschichte der USA. Seine \u201ePoor Peoples Campaign\u201c stellte die Forderung auf, die Hilfe f\u00fcr Arme in den USA von j\u00e4hrlich 2 auf 30 Milliarden US-Dollar zu erh\u00f6hen. Dazu sollte nicht nur demonstriert werden. Ringsum das Wei\u00dfe Haus plante King ein riesiges Protestcamp. Sollte Pr\u00e4sident Johnson dann nicht einknicken, w\u00fcrde man die Ministerien belagern und an ihrer Arbeit hindern. Und wenn das noch nicht reichen sollte, w\u00fcrde man ausgew\u00e4hlte Industriebetriebe mittels gewaltiger Proteste stilllegen. Und was das vielleicht Bedeutendste daran war, es sollte ein Kampf f\u00fcr alle US-Amerikaner*innen werden. Nur wenn man die Armut aller Menschen abschaffen werde, werde es auch keinen Rassismus geben. So Kings feste \u00dcberzeugung.<\/p>\n<p>Beginnen sollte die Kampagne im Memphis. Dort streikten die fast ausschlie\u00dflich schwarzen M\u00fcllarbeiter der Stadt schon seit Wochen. Das FBI schleuste Agenten in die Reihen der Protestierenden, die die Demonstrationen gewaltt\u00e4tig ausarten lie\u00dfen. King lie\u00df sich nicht beirren. Er werde nicht aufgeben. Notfalls m\u00fcsse man eben den Streik auf alle afroamerikanischen Arbeiter*innen der Stadt ausweiten.<\/p>\n<p>Am Vortag einer weiteren gewaltigen Demonstration durch Mephis, am 04.04.1968, wurde King erschossen. Den zwei Monate sp\u00e4ter verhafteten T\u00e4ter, den entflohenen Str\u00e4fling James Earl Ray, h\u00e4lt die Familie Martin Luther Kings bis heute f\u00fcr ein Bauernopfer und glaubt an eine Tatbeteiligung des FBI.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. 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