{"id":37399,"date":"2019-01-04T15:49:52","date_gmt":"2019-01-04T14:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37399"},"modified":"2019-06-11T14:13:02","modified_gmt":"2019-06-11T12:13:02","slug":"fall-relotius-oder-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2019\/01\/fall-relotius-oder-mehr\/","title":{"rendered":"\u201eFall Relotius\u201c oder mehr?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_37400\" aria-describedby=\"caption-attachment-37400\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/450px-Der_Spiegel_-_Sagen_was_ist-e1546527223649.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37400\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/450px-Der_Spiegel_-_Sagen_was_ist-e1546527223649-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/450px-Der_Spiegel_-_Sagen_was_ist-e1546527223649-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/450px-Der_Spiegel_-_Sagen_was_ist-e1546527223649-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/450px-Der_Spiegel_-_Sagen_was_ist-e1546527223649.jpg 418w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-37400\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: https:\/\/magazin.spiegel.de\/EpubDelivery\/image\/title\/SP\/2018\/52\/2048<br \/>Urheber: Katja Kollmann, Johannes Unselt, Suze Barret, Iris Kuhlmann<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"LEFT\"><strong>\u00dcber die Rolle der Medien in der kapitalistischen Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Eine vorweihnachtliche \u00dcberraschung der besonderen Art erreichte das Nachrichtenmagazin \u201eDer Spiegel\u201c. Der Reporter Claas Relotius, soll \u00fcber Jahre hinweg Artikel geschrieben haben, die deutlich von der Wahrheit abwichen. \u201eEr schrieb \u00fcber Leute, die er nicht getroffen oder sogar erfunden hatte, er beschrieb Szenen, die es so nie gab.\u201c (Stellungnahme der Chefredaktion des \u201eSpiegel\u201c vom 20.12.18). Dieser \u201eFall\u201c hat nicht nur den \u201eSpiegel\u201c aufgeschreckt, sondern die ganze deutsche Medienlandschaft.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Von Torsten Sting, Rostock<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Der \u201eSpiegel\u201c geht offensiv mit der Aff\u00e4re um. Auf seiner Website nahm f\u00fcr einige Tage die Berichterstattung gro\u00dfen Raum ein, die Titelgeschichte des Wochenmagazins vor Weihnachten ist dem Fall gewidmet. Es werden Fehler einger\u00e4umt und eine breite Untersuchung ank\u00fcndigt. Bei den gro\u00dfen Verlagen schimmert weniger Schadenfreude durch, denn die Angst in den Strudel mitgerissen zu werden ist gro\u00df. Aus guten Gr\u00fcnden. Wird mit dieser Aff\u00e4re doch die eh schon stark angeschlagene Reputation der Medien (und allgemein der Herrschenden) weiter untergraben. Zudem: Claas Relotius hat f\u00fcr fast alle gro\u00dfen, bundesweiten Zeitungen in den letzten zehn Jahren geschrieben und galt als einer der Shooting Stars der Branche, der viele Preise abger\u00e4umt hat. Ob \u201eDie Welt\u201c, \u201eFAZ\u201c oder \u201eDie Zeit\u201c. Sie alle haben jetzt \u201eaufzukl\u00e4ren\u201c, inwiefern der Autor in ihrem Namen, M\u00e4rchen erz\u00e4hlt hat.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Ver\u00e4nderungen in der Medienlandschaft<\/h4>\n<p align=\"LEFT\">In den letzten Tagen wurde viel \u00fcber journalistische Standards, Moral und die Pers\u00f6nlichkeit des betreffenden Autors, aber weniger \u00fcber die generelle Entwicklung der Branche geschrieben. Es stellt sich die Frage, was ist der N\u00e4hrboden, auf dem der \u201eFall Relotius\u201c gedeihen konnte?<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Mit dem Aufkommen des Internets hat sich insbesondere die Presselandschaft massiv ver\u00e4ndert. Das klassische Printgesch\u00e4ft geht deutlich zur\u00fcck, die Anzeigenerl\u00f6se sinken tendenziell und setzen somit die Profitmargen unter Druck. Die online-Angebote k\u00f6nnen diese Entwicklung bei vielen Verlagen (noch) nicht ausgleichen. Eine Folge ist, dass einige Zeitungen komplett vom Markt verschwanden, zum Beispiel die deutsche Ausgabe der \u201eFinancial Times\u201c. Andere renommierte Bl\u00e4tter, etwa die \u201eFrankfurter Rundschau\u201c hangeln sich von einer Existenzkrise zur anderen. Diese Entwicklung hat den Konzentrationsprozess erh\u00f6ht, Redaktionen wurden zusammengelegt. Das \u201eRedaktionsnetzwerk Deutschland\u201c oder die \u201eFunke Mediengruppe\u201c sind Beispiele daf\u00fcr. Innerhalb eines Verlages wird ein Gro\u00dfteil der Zeitung f\u00fcr mehrere Bl\u00e4tter zentral erstellt. Die Unterschiede schwinden und machen somit das Produkt noch weniger attraktiv, was zu weiteren Absatzeinbussen f\u00fchrt und den Druck auf die Belegschaften erh\u00f6ht.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">In den letzten zwanzig Jahren hat es bei vielen Verlagen massive Einsparungen beim Personal gegeben. Nur noch wenige Medien verf\u00fcgen \u00fcber ein ausgebautes Netz an eigenen Korrespondent*innen in aller Welt. Viele Journalist*innen sind nicht fest angestellt, sondern m\u00fcssen sich als \u201eFreie\u201c hart durch k\u00e4mpfen. Das erh\u00f6ht den Druck mit aufsehenerregenden Stories die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, um Artikel auch verkaufen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Social Media<\/h4>\n<p align=\"LEFT\">Die rasante Entwicklung der Social Media hat die Krise der klassischen Medien, weiter versch\u00e4rft. Via Facebook oder Twitter ist es heute vielen Usern m\u00f6glich selber \u201eNachrichten zu machen\u201c. Die Schnelligkeit dieses Mediums versch\u00e4rft den Druck, m\u00f6glichst schnell am Markt zu sein, m\u00f6glichst viele Klicks zu generieren um damit die Attraktivit\u00e4t der online-Angebote zu erh\u00f6hen und Werbeeinnahmen zu steigern. Auch das selbsternannte \u201eSturmgesch\u00fctz der Demokratie\u201c, ist dem allgemeinen Trend der Medien hinterhergelaufen. Schaut man sich die Titelgeschichten der letzten Jahre mal an, ist ein eindeutiger Trend zu spektakul\u00e4ren und rei\u00dferischen \u201eAufmachern\u201c festzustellen. Gerade im Hinblick auf die hochstilisierte Gefahr des Islamismus.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Alternative Medien<\/h4>\n<p align=\"LEFT\">Die Arbeiter*innenbewegung und Linke hat allen Grund den Mainstream-Medien grundlegend zu misstrauen. Das bedeutet nicht, dass alles erstunken und erlogen ist, was uns pr\u00e4sentiert wird. Aber wir sollten uns die Nachrichten immer mit dem Wissen aneignen, dass diese nicht von \u201eunabh\u00e4ngigen\u201c und \u201eder Wahrheit verpflichteten Journalist*innen\u201c verk\u00fcndet werden. Medien sind letztlich ein wichtiger Baustein f\u00fcr die Klassenherrschaft der Kapitalisten. Daraus kann es nur eine Schlussfolgerung geben. Die Gewerkschaften, DIE LINKE und soziale Bewegungen brauchen ihre eigenen Massenmedien. Ob klassisch gedruckt oder digital. Wir haben ein Interesse an der wahrheitsgetreuen Darstellung der Realit\u00e4t. Ist diese doch ein wichtiges Mittel um immer mehr Menschen wach zu r\u00fctteln, sie zu ermutigen f\u00fcr ihre eigenen Interessen und gegen den Kapitalismus zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Rolle der Medien in der kapitalistischen Gesellschaft<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":37400,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[1591,1589,1590],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37399"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37399"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37399\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38054,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37399\/revisions\/38054"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37400"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37399"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37399"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37399"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}