{"id":37397,"date":"2019-01-02T15:54:56","date_gmt":"2019-01-02T14:54:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37397"},"modified":"2019-06-11T14:13:17","modified_gmt":"2019-06-11T12:13:17","slug":"vor-60-jahren-revolution-auf-kuba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2019\/01\/vor-60-jahren-revolution-auf-kuba\/","title":{"rendered":"Vor 60 Jahren: Revolution auf Kuba"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-23522\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166.jpg 729w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><strong>Guerilla siegt gegen Diktator Batista<\/strong><\/p>\n<p><em>Wir ver\u00f6ffentlichen hier einen Artikel des englischen Marxisten Peter Taaffe aus &#8222;Peter Taaffe: Castros Kuba \u2013 eine marxistische Kritik&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>(Das Buch kann f\u00fcr 2,50 Euro inklusive Versand bei der SAV bestellt werden: 030-24723802 oder\u00a0<a href=\"mailto:finanzen@sav-online.de\">finanzen@sav-online.de<\/a>)<\/em><\/p>\n<p>Die Ereignisse in Afrika und der Karibik haben dazu gef\u00fchrt, dass Kuba wieder die B\u00fchne der Weltpolitik betreten hat. Der US-Imperialismus hatte S\u00fcdafrika gedr\u00e4ngt , mit seinen Truppen in Angola einzufallen, um die Revolution niederzuschlagen. Doch er sch\u00e4umte vor Wut, als kubanische Truppen und Material eingesetzt wurden, um die MLPA zu unterst\u00fctzen. Das war m\u00f6glicherweise f\u00fcr die Wende zugunsten der MLPA ausschlaggebend und f\u00fchrte zur Abschaffung von Gro\u00dfgrundbesitz und Kapitalismus in Angola.<\/p>\n<p>Kuba war auch zu einem Anziehungspunkt f\u00fcr die L\u00e4nder der Karibik wie Jamaika und Guayana geworden, die durch den wirtschaftlichen Einbruch von 1974-75 schwer getroffen worden waren. F\u00fcr die Massen in Lateinamerika wirkte Kuba angesichts von Milit\u00e4rdiktaturen und Hungersn\u00f6ten \u2013 wie in Argentinien und Chile \u2013 wie ein sicherer Hafen des Fortschritts und der Ruhe. In den entwickelten kapitalistischen L\u00e4ndern betrachten Teile der Jugend die charismatischen F\u00fchrer der kubanischen Revolution wie Fidel Castro und den ermordeten Che Guevara ganz anders als die grauen Figuren wie Breschnjew und Kossygin [die sowjetischen Staatsf\u00fchrer in den 70er und fr\u00fchen 80er Jahren]. Selbst Arthur Scargill [der Vorsitzende der britischen Bergarbeitergewerkschaft] sagte k\u00fcrzlich bei einem TV-Interview, Kuba w\u00e4re ein Modell einer Gesellschaft, wie er sie anstrebe.<\/p>\n<p>Kann Kuba f\u00fcr die Arbeiter und Bauern der unterentwickelten L\u00e4nder oder die Arbeiterbewegung in den entwickelten L\u00e4ndernein ein Vorbild im Kampf gegen den Kapitalismus sein? Welchen Charakter hat das kubanische Regime? Diese Fragen k\u00f6nnen nur gekl\u00e4rt werden, wenn man die Ursachen und die Entwicklung der kubanischen Revolution untersucht.<\/p>\n<p>Vor der Revolution war Kuba ein Paradies f\u00fcr die Reichen \u2013 eine Spielwiese vor allem f\u00fcr die amerikanischen Touristen \u2013 aber ein Alptraum f\u00fcr die Arbeiter und Bauern. 1950-54 betrug das Pro-Kopf-Durchschnittseinkommen in Delaware, dem reichsten US-Bundesstaat, 2.279 Dollar, in Kuba waren es lediglich 312 Dollar, 6 Dollar pro Woche. Selbst in Mississippi, dem \u00e4rmsten Staat der USA, betrug das Pro-Kopf-Einkommen 829 Dollar. F\u00fcnfzig Prozent der Landbev\u00f6lkerung verf\u00fcgten nicht \u00fcber Toiletten \u2013 sie hatten nicht einmal ein Plumpsklo. Tuberkulose und Syphilis waren weit verbreitet. 25 Prozent waren Analphabeten, ebenso hoch war die Arbeitslosigkeit . In den 50er Jahren besuchten anteilsm\u00e4\u00dfig weniger Sch\u00fcler im schulf\u00e4higen Alter die Schule als in den 20er Jahren. Der Grund und Boden war in den H\u00e4nden weniger konzentriert, in gro\u00dfen Latifundien. 114 Farmen, weniger als 0,1 Prozent aller Farmen, umfassten 20,1 Prozent des Landes. Acht Prozent aller Farmen verf\u00fcgten \u00fcber 71,1 Prozent des Bodens, w\u00e4hrend andererseits 39 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe b\u00e4uerliche Kleinbetriebe mit weniger als einem Hektar Land waren. Sie umfassten nur 3,3 Prozent des Bodens.<\/p>\n<h4>Die Dominanz des Imperialismus<\/h4>\n<p>Au\u00dferdem wurde die kubanische Wirtschaft durch die riesigen US-Monopole dominiert. US-Firmen besa\u00dfen 90 Prozent der Telekommunikation und des Elektrizit\u00e4tssektors, ca. 50 Prozent der \u00f6ffentlichen Dienstleistungen und 40 Prozent der Rohzuckerproduktion. Da Kuba an die US-Wirtschaft gekettet war, war das Land gezwungen, sich auf die Produktion eines landwirtschaftlichen Erzeugnisses f\u00fcr den amerikanischen Markt, des Zuckers, zu konzentrieren. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der kubanischen Zuckers wurde in die USA exportiert, j\u00e4hrliche Quoten und Preise waren festgesetzt. Die Kr\u00f6nung dieser Verh\u00e4ltnisse war die Diktatur des Gangsters Batista. Sch\u00e4tzungen ergaben, dass zwischen seiner zweiten Macht\u00fcbernahme 1953 und seinem Sturz 1959 20.000 Menschen von seinen Soldaten und Folterern umgebracht wurden.<\/p>\n<p>Die Aufgaben der kapitalistisch-demokratischen Revolution waren im Kuba der 50er Jahre noch nicht erledigt worden. Die Bauern hatten kein Land erhalten, die Befreiung von der ausl\u00e4ndischen wirtschaftlichen und politischen Dominanz und der Aufbau einer modernen Industrie hatten nicht stattgefunden. Die Erfahrung der russischen Revolution, die von Leo Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution theoretisch brillant vorweggenommen wurde, zeigte, dass in den unterentwickelten L\u00e4ndern nur die Arbeiterklasse die Nation zur Vollendung dieser Aufgaben f\u00fchren konnte. Nachdem sie einmal an die Macht gekommen war und die Aufgaben der kapitalistisch-demokratischen Revolution durchgef\u00fchrt hatte, ging die Arbeiterklasse zu den sozialistischen Aufgaben weiter \u2013 wie der Verstaatlichung der entscheidenden Teile der Wirtschaft \u2013 und gab damit auch einen Anschub f\u00fcr den Beginn der internationalen sozialistischen Revolution.<\/p>\n<h4>\u201eFortschrittlich\u201c<\/h4>\n<p>Die kubanische KP vertrat wie die meisten \u201ekommunistischen\u201c Parteien Lateinamerikas eine Linie, die diesen Erfahrungen und den Methoden von Lenin und den Bolschewiki diametral entgegen stand. Sie wollte ein B\u00fcndnis mit der sogenannten \u201efortschrittlichen nationalen Bourgeoisie\u201c, um die \u201eantimperialistische patriotische und demokratische Revolution\u201c zu verwirklichen. Aber die kubanischen Kapitalisten investierten in Landbesitz und die Besitzer gro\u00dfer Latifundien in die Industrie. F\u00fcr eine ernsthafte Landreform waren die kubanischen Kapitalisten nicht zu haben. Genauso wenig waren sie in der Lage, einen Kampf gegen den US-Imperialismus zu f\u00fchren. Sie st\u00fctzten sich auf ihn, um sich gegen die kubanischen Massen zu verteidigen. Die Suche nach der geheimnisvollen \u201efortschrittlichen nationalen Bourgeoisie\u201c f\u00fchrte die kubanische KP so weit, dass sie Batista schon bald nach seiner ersten Macht\u00fcbernahme 1933 unterst\u00fctzte.<\/p>\n<p>Zu Anfang beschimpfte der Parteif\u00fchrer Blas Roca Batista als \u201ediesen nationalen, vom Imperialismus bezahlten Verr\u00e4ter\u201c. Aber 1938 fand das KP-Zentralkomitee heraus, dass Batista \u201enicht mehr die f\u00fchrende Person im reaktion\u00e4ren Lager\u201c sei! Die wunderbare Verwandlung kam dadurch zustande, dass Batista von niemand anders als dem USPr\u00e4sidenten Franklin Delano Roosevelt das Pr\u00e4dikat \u201edemokratisch\u201c verliehen worden war. Die bescheidene Herkunft von \u201eSergeant Batista\u201c f\u00fchrte nun dazu, dass er den Segen der \u201ekommunistischen\u201c Partei erhielt. Batista revanchierte sich 1938, indem er die KP legalisierte.<\/p>\n<p>Vier Jahre sp\u00e4ter holte er zwei KP-Minister in sein Kabinett. Blas Roca \u2013 der auch sp\u00e4ter in Castros Regierung sa\u00df \u2013 erschien 1942 zusammen mit Batista auf dem Balkon, um die Huldigungen der Massen entgegenzunehmen. Trotz dieser Unterst\u00fctzung wurde Batista 1944 aus dem Amt vertrieben. Fidel Castro wurde von der KP 1947 als \u201eGangster\u201c angegriffen. Selbst sp\u00e4ter noch, als die Verh\u00e4ltnisse sie zwangen, ihre Position zu Fidel Castro zu ver\u00e4ndern, bezweifelte die KP, dass Batista durch die Guerilla gest\u00fcrzt werden k\u00f6nne und forderte im November 1958 eine \u201edemokratische Koalitionsregierung\u201c.<\/p>\n<p>Batistas zweiter Putsch 1952 provozierte breite Opposition in Kuba, vor allem seitens der Studierenden und Intellektuellen, darunter Fidel Castro und sein Bruder Ra\u00fal. Sie griffen mit 120 Anh\u00e4ngern am 26. Juli 1953 die Moncada-Kaserne an. Die Revolte wurde niedergeschlagen, Castro wurde inhaftiert. Nach seiner Freilassung ging er nach Mexiko, um dort die Guerilla-Truppe zu organisieren, die 1956 in Kuba landete. In einem drei Jahre w\u00e4hrenden heldenhaften Kampf bezwang die Guerilla mit Hilfe der verarmten Bauernschaft die zahlenm\u00e4\u00dfig vielfach \u00fcberlegenen Truppen Batistas. Einige Soldaten Batistas und selbst Offiziere gingen auf die Seite der Guerilla \u00fcber.<\/p>\n<h4>Harmonie<\/h4>\n<p>Castro behauptete 1961, w\u00e4hrend Kuba gegen den US-Imperialismus auf Leben und Tod k\u00e4mpfte, er sei \u201eim Herzen schon immer ein Marxist-Leninist\u201c gewesen. In seinem Buch \u201eGuerillas in Power\u201c merkt KS Karol allerdings ironisch an: \u201eEinige seiner Genossen, zu denen dieses Etikett noch weniger passte, sagten, sie w\u00e4ren die ganze Zeit schon Marxisten gewesen ohne es zu wissen. Andere waren niemals Antikommunisten gewesen und waren offen daher f\u00fcr die Bekehrung.\u201c<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich war Castro bis zu diesem Zeitpunkt nichts anderes als ein radikaler Mittelklasse-Demokrat, dessen Ideal das demokratische kapitalistische Amerika war. Er erkl\u00e4rte in einem Interview mit dem US-Journalisten Herbert Matthews w\u00e4hrend des Kampfes gegen Batista: \u201eSie k\u00f6nnen sicher sein, dass wir die USA und das amerikanische Volk nicht ablehnen \u2026 Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr ein demokratisches Kuba und das Ende der Diktatur.\u201c In einem Dokument von Castros Bewegung \u2013 der Bewegung 26. Juli \u2013 hie\u00df es 1956, man vertrete eine \u201eJeffersonsche Philosophie\u201c, wurde die \u201eLincoln-Formel\u201c unterst\u00fctzen und bekr\u00e4ftigte die Absicht \u201eeinen Zustand von Solidarit\u00e4t und Harmonie zwischen Kapital und Arbeit zu erreichen, um die Produktivit\u00e4t zu steigern.\u201c<\/p>\n<p>Selbst nach Batistas Sturz erkl\u00e4rte Castro am 6. M\u00e4rz 1959 vor einem Treffen von B\u00e4nkern, dass er mit ihnen zusammenarbeiten wolle. Laut dem US-amerikanischem News and World Report sagt er au\u00dferdem, er h\u00e4tte \u201ekeine Absicht, irgendwelche Industrien zu verstaatlichen\u201c. War das etwa ein Trick, um die Gro\u00dfgrundbesitzer und Kapitalisten an der Nase herumzuf\u00fchren? Im Gegenteil. Alles weist darauf hin, dass Castro und seine Anh\u00e4nger ihren Kampf nicht mit klaren sozialistischen Perspektiven und Programm begannen, wie es Lenin und die Bolschewiki in Russland taten. Lenin st\u00fctzte sich auf die Arbeiterklasse. Er ging davon aus, dass die Arbeiter die arme Bauernschaft in den Kampf gegen den Zarismus f\u00fchren w\u00fcrden. Castro und Guevara st\u00fctzten sich auf die Landbev\u00f6lkerung. Die Arbeiterklasse trat erst mit einem Generalstreik in Havanna in den Kampf, als die Guerilla schon gesiegt hatte und Batista um sein Leben lief. Die russische Arbeiterklasse spielte die f\u00fchrende Rolle. Die bewusste Kontrolle und Verwaltung von Staat und Wirtschaft wurde durch Arbeiter- und Bauernr\u00e4te ausge\u00fcbt \u2013 die demokratischsten Institutionen, die man je gesehen hatte. Dies f\u00fchrte zu einer machtvollen Bewegung der Arbeiterklasse in der ganzen Welt, die sich der Sache ihrer russischen Br\u00fcder anschloss. Die Arbeiter versuchten, die russische Revolution in ihren eigenen L\u00e4ndern nachzuahmen.<\/p>\n<h4>Sackgasse<\/h4>\n<p>Castro kam durch eine \u00fcberwiegend l\u00e4ndliche Bewegung an die Macht. Davon war der gesamte Charakter seiner Bewegung gepr\u00e4gt. Nur eine besondere Kombination von Umst\u00e4nden f\u00fchrte dazu, dass Castro bei der Enteignung der Gro\u00dfgrundbesitzer und Kapitalisten federf\u00fchrend war. Er hatte zu Beginn nicht die Perspektive, \u00fcber den Rahmen des Kapitalismus hinauszugehen. Auf der einen Seite gab es auf der Grundlage des bankrotten kubanischen Kapitalismus keinen Ausweg aus der Sackgasse. Auf der anderen Seite existierte ein gewaltiger Druck seitens der Bauernschaft und der Arbeiterklasse. Nach der Niederlage Batistas besetzten die Bauern das Land. Die Arbeiterklasse forderte Lohnerh\u00f6hungen und die Wiedereinstellung der unter dem altem Regime Entlassenen. Im Fr\u00fchjahr forderten 6.000 Arbeiter der kubanischen Elektrizit\u00e4ts-Gesellschaft eine 20prozentige Lohnerh\u00f6hung. 600 Arbeiter, die zuvor entlassen worden waren, begannen einen Protest vor dem Pr\u00e4sidentenpalast. Die Massen waren bewaffnet und bildeten Milizen. Wegen der Radikalisierung der kubanischen Massen verfiel der Vertreter des US-Imperialismus, Pr\u00e4sident Eisenhower, in Panik und versuchte, die kubanische Regierung zu erpressen und zum Gehorsam gegen\u00fcber den USA zu zwingen.<\/p>\n<h4>Widerstand<\/h4>\n<p>Dies spitzte sich zu, als Russland auf der Grundlage eines im Januar 1960 unterzeichneten Handelsabkommens mit Kuba Roh\u00f6l zu liefern begann. Im Juni verweigerten die drei gro\u00dfen \u00d6lkonzerne (Jersey Standard, Texaco und Shell) unter dem Druck der US-Regierung die Raffinierung des russischen \u00d6ls. Aber die kubanische Regierung griff ein und setzte die Bearbeitung des \u00d6ls durch. Die Konzerne griffen zu Vergeltungsma\u00dfnahmen und verweigerten, \u00d6l aus Venezuela anzuliefern. Kuba entschied sich, s\u00e4mtliches \u00d6l aus Russland zu beziehen. Die Eisenhower-Regierung schlug im Juli zur\u00fcck, indem sie die Abnahme der im Abkommen vereinbarten 700.000 Tonnen kubanischen Zuckers verweigerte. Sie spekulierte darauf, damit das Castro-Regime zu Boden zu zwingen. Aber Russland sprang ein und garantierte, die 700.000 Zucker zu kaufen. Am 6. August wurden die kubanische Telefongesellschaft, die Elektrizit\u00e4tsgesellschaft sowie alle \u00d6l- und Zucker-Raffinerien \u2013 bei denen es zuvor nur ein \u201eMitspracherecht\u201c der Regierung gab \u2013 verstaatlicht. In den folgenden vier Monaten wurden Schl\u00e4ge und Gegenschl\u00e4ge ausgeteilt, nach und nach wurden s\u00e4mtliche im Besitz des US-Kapitals befindlichen Betriebe \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Im September wurden die kubanischen Au\u00dfenstellen der US-Konzerne in \u00f6ffentliches Eigentum \u00fcberf\u00fchrt. Kubanische Gesellschaften wurden im Oktober verstaatlicht. Ende 1960 war der Kapitalismus in Kuba ausradiert. Der US-Imperialismus schlug zur\u00fcck: er verh\u00e4ngte ein totales Handels-Embargo und bereitete sich auf die milit\u00e4rische Intervention vor, um die kubanische Revolution zu zerschlagen. Der Druck der Massen, die Schw\u00e4che des kubanischen Kapitalismus und die Fehlkalkulationen und Schnitzer des US-Imperialismus waren Faktoren, die in ihrer Kombination Castro zur Enteignung von Gro\u00dfgrundbesitz und Kapital dr\u00e4ngten.<\/p>\n<p>Wir konnten so in Kuba die Best\u00e4tigung von Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution in einer karikaturhaften Form beobachten. Die kapitalistisch-demokratische Revolution konnten nur gegen den Widerstand der Kapitalisten in Kuba und international vollzogen werden. Dies f\u00fchrte dazu, dass Castro sich im Gegenzug auf die Massen st\u00fctzen, die Gro\u00dfkonzerne verstaatlichen und eine geplante Wirtschaft einf\u00fchren musste. Anders als bei Lenin und Trotzki in der russischen Revolution gab es keine ausgearbeitete Vorstellung oder bewusste Voraussicht. Wenn man Castro vor der Revolution einen Film \u00fcber seine nachfolgende Entwicklung gezeigt h\u00e4tte, h\u00e4tte er dies als eine monstr\u00f6se F\u00e4lschung bezeichnet.<\/p>\n<p>Die Sowjets sowie die demokratische Verwaltung und Kontrolle des Staates waren zusammen mit dem Bewusstsein der Massen, dass das Schicksal der Revolution vom Sieg der weltweiten Revolution abh\u00e4ngt, ausschlaggebend daf\u00fcr, dass der russischen Revolution die revolution\u00e4re Bewegung der Arbeiterklasse in Europa und der ganzen Welt folgte. Weltweit unterst\u00fctzten die Arbeiter ihre russischen Schwestern und Br\u00fcder und versuchten, ihnen w\u00e4hrend der bewegten Zeiten 1918 und 1919 nachzueifern, weil sie ihre Klasse in Russland an der Macht sahen, egal, welche monstr\u00f6sen L\u00fcgen die Herrschenden des eigenen Landes auch verbreiten mochten. Die kubanische Revolution hatte die Folgen eines Erdbebens, vor allem in Lateinamerika. Aber wegen der beteiligten Kr\u00e4fte \u2013 einer \u00fcberwiegend b\u00e4uerlichen Armee \u2013 und dem Fehlen der bewussten Kontrolle durch die Arbeiterklasse und die armen Bauern konnte sie nicht die selben Folgen haben wie die russische Revolution. Es wurde ein Arbeiterstaat direkt vor der Nase der USA errichtet, aber die Macht war in den H\u00e4nden einer Schicht privilegierter Funktion\u00e4re konzentriert.<\/p>\n<h4>Die Macht in den H\u00e4nden einer b\u00fcrokratischen Elite<\/h4>\n<p>Die Abschaffung von Gro\u00dfgrundbesitz und Kapitalismus in Kuba 1960 ersch\u00fctterte Nord- und S\u00fcdamerika. Der US-Imperialismus wollte die Revolution so schnell wie m\u00f6glich ersticken und finanzierte und bewaffnete die Invasionsstreitmacht, die im April am Playa Gir\u00f3n (Schweinebucht) landete. Die Invasoren spielten sich als \u201eRetter\u201c der kubanischen Revolution auf. Die Tatsache, das die 1.500 M\u00e4nner der Streitmacht zuvor eine Million Hektar Land, 10.000 H\u00e4user, 70 Fabriken, f\u00fcnf Bergwerke, zwei Banken und zehn Zuckerraffinerien besessen hatten, war nat\u00fcrlich rein zuf\u00e4llig! Doch die Massenbasis der Revolution f\u00fchrte zu ihrer Niederlage und der aller konterrevolution\u00e4ren Angriffe, die von den vom CIA unterst\u00fctzen Emigranten unternommen wurden. Ohne Zweifel, das Castro-Regime genoss eine enorm gro\u00dfe Unterst\u00fctzung im Volk. Die Massen waren bewaffnet und in der 200.000 Mann starken Arbeiter- und Bauernmiliz organisiert. Der konservative Historiker Hugh Thomas gab den Kommentar eines 15j\u00e4hrigen bewaffneten Schuljungen von 1961 wider: \u201eWir Kubaner sind ein bewaffnetes Volk.\u201c<\/p>\n<p>Es gab in der ersten Phase der Revolution unzweifelhaft Elemente von Arbeiterkontrolle in den Betrieben. Jeder H\u00e4userblock und jede Stra\u00dfe hatte ein \u201eKomitee zur Verteidigung der Revolution\u201c. Anzeichen f\u00fcr die breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Regime waren die riesigen Menschenmengen, die sich in Havanna versammelten, um Castros Reden zu h\u00f6ren. Bei der Versammlung, bei der Castro die Rede vortrug, die als \u201eZweite Erkl\u00e4rung von Havanna\u201c bekannt wurde, str\u00f6mte am 4. Februar 1962 eine Million Menschen \u2013 bei einer Gesamtbev\u00f6lkerung von sechs Millionen! \u2013 auf dem Plaza de la Revoluci\u00f3n zusammen. Aber gleichzeitig hatten die Massen nicht den Staatsapparat unter ihrer Kontrolle. KS Karol kommentiert in seinem Buch \u201eGuerillas in Power\u201c, in dem er stark mit Castro und der kubanischen Revolution symphatisiert, seinen Besuch in Kuba 1961: \u201eDiese enthusiastischen Menschen [die Arbeiterklasse und die armen Bauern] sollten eigentlich \u00fcber ihre \u201aR\u00e4te\u2019 und \u00fcber ihre \u201asozialistischen Pl\u00e4ne\u2019 reden (wenn die Revolution mit Russland oder dem spanischen B\u00fcrgerkrieg vergleichbar w\u00e4re). Ich hatte allerdings vergebens versucht an der Basis, sowohl in der Provinz als auch in Havanna, Zeichen gro\u00dfer Begeisterung f\u00fcr eines der beiden Dinge zu finden. Es gab eine beeindruckend gro\u00dfe Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Revolution, aber das Fehlen politischer Initiativen selbst innerhalb der Miliz und das eher primitive Verst\u00e4ndnis von Sozialismus waren doch \u00fcberraschend.\u201c<\/p>\n<p>Der rein plebiszit\u00e4re Charakter der Staates \u2013 ein Bestandteil des Bonapartismus \u2013 zeigte sich in den Massenveranstaltungen, die von Castro geleitet wurden. Die Arbeiter waren aufgerufen, \u201eS\u00ed\u201c oder \u201eNo\u201c zu sagen, aber nicht, die Angelegenheiten zu diskutieren und zu entscheiden.<\/p>\n<h4>Ungarische Revolution<\/h4>\n<p>Doch ohne die bewusste Kontrolle der Massen ist die Entstehung einer neuen Elite unvermeidlich. Selbst in Russland war trotz brillanter F\u00fchrer wie Lenin und Trotzki und trotz der bewussten Teilnahme der Arbeiterklasse an der Verwaltung der Gesellschaft die b\u00fcrokratische Entartung unvermeidbar, so lange die Revolution in einem r\u00fcckst\u00e4ndigen Land isoliert blieb.<\/p>\n<p>Die Bolschewiki hatten die Vorstellung, dass die russische Revolution die Revolution in Europa ausl\u00f6sen w\u00fcrde, welche im Gegenzug Russland mit wirtschaftlicher Unterst\u00fctzung, Technikern usw. zu Hilfe kommen w\u00fcrde. Der Beginn des Sozialismus und damit verbunden das Absterben des Staates ist nur auf der Grundlage h\u00f6herer Produktivit\u00e4t als im h\u00f6chstproduktiven kapitalistischen Land, d.h. der USA, m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die vereinigten sozialistischen Staaten von Europa als Schritt zum weltweiten sozialistischen Staatenbund h\u00e4tten dies ohne Zweifel erm\u00f6glicht. Aber die Isolation der Revolution in einem Land, einem r\u00fcckst\u00e4ndigen noch dazu, f\u00fchrte zur b\u00fcrokratischen Degeneration, die von Stalin verk\u00f6rpert wurde. Die Massen wurden von der b\u00fcrokratischen Elite beiseite gefegt und hatten nichts mehr zu sagen.<\/p>\n<p>In Kuba waren Kontrolle und Verwaltung gleich von Beginn an in den H\u00e4nden Castros und seiner Anh\u00e4nger konzentriert, bei den Staatsfunktion\u00e4ren, der regierenden Partei, der Armee usw. Der Charakter des Regimes lie\u00df sich an der Haltung der russischen B\u00fcrokratie gegen\u00fcber Kuba ablesen, die ganz anders war als ihre Haltung zur ungarischen Revolution 1956. Die Existenz von R\u00e4ten in Ungarn und die Macht in den H\u00e4nden der Massen waren eine t\u00f6dliche Gefahr f\u00fcr die b\u00fcrokratischen Empork\u00f6mmlinge. H\u00e4tte man die Revolution gew\u00e4hren lassen, h\u00e4tten \u00e4hnliche Aufst\u00e4nde \u2013 politische Revolutionen \u2013 auf Osteuropa und Russland selbst \u00fcbergegriffen. Es konnte f\u00fcr die B\u00fcrokratie keinen Kompromiss mit der ungarischen Revolution geben. Der \u201eliberale\u201c Chruschtschow war entschlossen, die Revolution in Blut zu ertr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Dem Castro-Regime reichte die russische B\u00fcrokratie ihre Hand. Tats\u00e4chlich w\u00e4re die kubanische Revolution ohne russische Hilfe im Volumen von einer Million Dollar pro Tag zusammengebrochen. 40 Prozent des kubanischen Au\u00dfenhandels werden mit Russland abgewickelt. 95 Prozent der \u00d6limporte kommen aus Russland. Die russische B\u00fcrokratie bezahlt heute 30 Cent f\u00fcr ein Pfund kubanischen Zuckers. Als das Abkommen 1975 unterzeichnet wurde, waren es nur 14 Cent, urspr\u00fcnglich sollte dieses Abkommen bis 1980 gelten. Au\u00dferdem wurde die Bezahlung der enormen Schulden Kubas bei Russland, die zwischen 3 und 4 Milliarden Dollar lagen, durch das selbe Abkommen aufgeschoben.<\/p>\n<p>\u201eWess\u2019 Brot ich ess, dess\u2019 Lied ich sing\u2019.\u201c Angeblich hat ein russischer Botschaftsangestellter w\u00e4hrend eines Streits mit dem kubanischen Regime arrogant verk\u00fcndet: \u201eWir m\u00fcssen nur sagen, dass die Reparaturen in Baku drei Wochen lang gestoppt werden m\u00fcssen und das w\u00e4r\u2019s dann.\u201c<\/p>\n<p>Es gab nat\u00fcrlich Differenzen zwischen Castro und der russischen B\u00fcrokratie sowie mit deren Messdienern in den \u201ekommunistischen\u201c Parteien Lateinamerikas. Aber die kubanische Revolution war keine Bedrohung f\u00fcr die privilegierte Elite in Russland. Im Gegenteil, der Aufbau eines dem eigenen \u00e4hnelnden Regimes vor der Haust\u00fcr des US-Imperialismus half, die Macht und das Prestige der russischen B\u00fcrokratie zu festigen.<\/p>\n<h4>Geplante Wirtschaft<\/h4>\n<p>Die gewaltige Wirtschaftshilfe und die aus einer geplanten Wirtschaft resultierenden Vorteile f\u00fchrten zu einer starken Entwicklung der kubanischen Gesellschaft, vor allem im Vergleich mit der Arbeitslosigkeit, dem Hunger und Elend, die den Rest Lateinamerikas plagen. Praktisch in jedem Bereich ist der Lebensstandard der Kubaner weit h\u00f6her als bei den lateinamerikanischen Nachbarn. Die Sterblichkeitsrate bei Kindern war 1975 mit 27,4 pro Tausend Geburten die geringste in ganz Lateinamerika.<\/p>\n<p>Die Lebenserwartung in Kuba liegt jetzt bei 69,2 Jahren, verglichen mit 45,3 Jahren in Bolivien, 58,8 in Kolumbien, 59,7 in Brasilien und 60,6 in Chile. Vor 1959 gingen rund die H\u00e4lfte aller Kinder im Grundschulalter \u00fcberhaupt nicht zur Schule. Heute gehen alle zur Schule, es gibt fast 2 Millionen Grundsch\u00fcler verglichen mit weniger als 720.000 vor 1959, au\u00dferdem 79.000 Grundschullehrer, 1959 waren es 17.000. F\u00fcr alle Kinder gibt es vom 45. Tag an Kinderkrippen. Hugh Thomas gesteht zu: \u201eNur wenige sterben wegen Unterern\u00e4hrung. Auf dem Land, vor allem in der Provinz Oriente, scheinen die sehr armen Bauern besser ern\u00e4hrt als vor der Revolution \u2026 die Arbeitslosigkeit ist ohne Zweifel gefallen, obwohl viele Frauen, die vorher an Heim und Herd gefesselt waren, jetzt in die Wirtschaft gehen.\u201c<\/p>\n<p>Man vergleiche das mit Argentinien, wo gesch\u00e4tzt wurde, dass der Lebensstandard um 50 Prozent gefallen ist, seitdem die Armee an die Macht gekommen ist. Auch aus einer unerwarteten Richtung kam eine Best\u00e4tigung der Entwicklung Kubas seit der Revolution. Pat Holt, Sekret\u00e4r des Senatausschusses f\u00fcr ausw\u00e4rtige Beziehungen, sagte im Juni 1974: \u201e1973 hatte das Land das zweith\u00f6chste Pro-Kopf-Einkommen Lateinamerikas (1.578 Dollar)nach Venezuela.\u201c Und Venezuela liegt nur wegen seiner reichhaltigen \u00d6lreserven vor Kuba.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist Kuba ein \u00fcberwiegend agrarisches Land mit Zucker als wichtigstes Produkt geblieben. 1974 kamen 85 Prozent der Gewinne aus dem Au\u00dfenhandel vom Zucker. Gleichzeitig gab es eine Entwicklung der Industrie. Zwischen 1959 und 1965 stieg die industrielle Produktion um 50 Prozent. 1975 wuchs die Wirtschaft um ca. 9 Prozent. Nickel hat Tabak als zweitwichtigstes Exportgut des Landes nach Zucker \u00fcberholt. Die Stahlproduktion soll in der n\u00e4chsten Phase um ca. eine Million Tonnen erh\u00f6ht werden. So beeindruckend diese Erfolge sind, sie sind nichts im Vergleich mit dem, was auf der Basis der Arbeiterdemokratie h\u00e4tte erreicht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Missmanagement, gewaltige Verschwendung und ein Zick-Zack-Kurs in der Wirtschaftspolitik sind ohne die Planung, den Abgleich, die Kontrolle und die Initiative unvermeidlich, die nur durch Arbeiterdemokratie entstehen k\u00f6nnen. Die Planwirtschaft braucht dies wie der K\u00f6rper den Sauerstoff. Ohne Arbeiterdemokratie verstopfen die Poren der Wirtschaft und es ist unvermeidlich, dass der gesellschaftliche Organismus von Krankheiten befallen wird. Diese Situation sehen wir jetzt in Russland und Osteuropa, wo die b\u00fcrokratische Kaste um Breschnjew und Co. zu einer absoluten Bremse f\u00fcr die weitere Entwicklung der Gesellschaft geworden ist. In einem unterentwickelten Land wie Kuba kann die B\u00fcrokratie noch immer eine relativ fortschrittliche Rolle dabei spielen, die Industrie zu entwickeln, indem sie die Technologie der entwickelten L\u00e4nder nutzt und versucht, gegen\u00fcber ihnen aufzuholen \u2013 allerdings zu hohen Kosten. Misswirtschaft und Verschwendung sind seit den ersten Tagen der kubanischen Revolution bekannt.<\/p>\n<p>1963 akzeptierte Castor in einer ersten Welle von Enthusiasmus Chruschtschows Angebot von 1.000 Traktoren, um die Zuckerernte zu mechanisieren. Erst nachdem sie nach Kuba geliefert worden waren, wurde festgestellt, dass sie f\u00fcr das Schneiden von Zuckerrohr, f\u00fcr das Spezialmaschinen n\u00f6tig sind, ungeeignet sind. Zur gleichen Zeit beschimpfte Che Guevara in einer geheimen Rede \u201ef\u00fcr die private Verwendung politischer und wirtschaftlicher F\u00fchrer\u201c (Karol, \u201eGuerillas in Power\u201c) die Manager wegen der miesen Qualit\u00e4t vieler Produkte: \u201eEs gibt zur Zeit einen Mangel an Zahnpasta \u2026 Erst als die Reserven zur Neige gingen und keine neuen Rohstoffe mehr kamen, handelten die Verantwortlichen \u2026 unverzagt schafften es die Genossen, eine Zahnpasta zu machen, die dem Auge gefiel und so wei\u00df war wie jede andere, aber die nach einer Weile hart wird \u2026 nach einigen Monaten werden sich die Leute beschweren, weil wir ihnen Steine in Tuben verkaufen.\u201c<\/p>\n<h4>Von oben nach unten<\/h4>\n<p>Guevara und Castro klagten \u00fcber die Symptome aber waren nicht in der Lage, die Krankheit zu diagnostizieren oder gar die heilenden Mittel zu verschreiben. Eigenm\u00e4chtige Entscheidungen und Produkte niedriger Qualit\u00e4t sind eine Begleiterscheinung jedes Regimes, wo die \u201eMacher\u201c sich nicht der Kritik der Massen, Wahlen und Abwahl stellen m\u00fcssen. So hatten Krisen und Kurs\u00e4nderungen in der Wirtschaftspolitik das Castro-Regime von Beginn an gepr\u00e4gt. 1961 sagte Guevara voraus, dass Kuba in 12 Monaten ein Industrieland werden w\u00fcrde! Angesichts der Schw\u00e4che der kubanischen Wirtschaft war solch eine Perspektive vollkommen utopisch, selbst mit der enormen Hilfe der russischen B\u00fcrokratie. Kurze Zeit sp\u00e4ter musste diese Perspektive der Konzentration auf die Landwirtschaft und vor allem der auf den Zucker weichen. Aber die Ziele der Zucker-Produktion wurden durch die Spitzen entschieden und den Massen lediglich pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Die wirklichen Potenziale einer geplanten Wirtschaft k\u00f6nnen nur durch eine umfassende Diskussion unter den Massen ermittelt werden. So k\u00f6nnen diese die notwendigen Korrekturen, Erg\u00e4nzungen usw. vornehmen. Ohne diese Diskussion und ohne das Sich-St\u00fctzen auf die Initiative der Massen werden Fehler und St\u00fcmperei bei der Umsetzung der Pl\u00e4ne unvermeidlich. Dies bewahrheitete sich in Kuba in Bezug auf die Zuckerindustrie. Castro erkl\u00e4rte, Kuba w\u00fcrde es bis 1970 schaffen, 10 Millionen Tonnen Zucker zu produzieren. Doch die folgenden Jahre machten deutlich, und selbst dann w\u00e4ren immer noch die Launen des Wetters und dessen Auswirkungen auf die Landwirtschaft zu bedenken gewesen, dass dies nur auf der Basis der Mechanisierung der Landwirtschaft und der Entwicklung der Industrie m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Nur das h\u00e4tte die harmonische Entwicklung von Industrie und Landwirtschaft erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Leo Trotzki bewies in seiner Kritik an Stalins St\u00fcmperhaftigkeit in der Agrarfrage, dass ein Regime des b\u00fcrokratischen Absolutismus eine ausgewogene Beziehung zwischen Industrie und Landwirtschaft unm\u00f6glich macht. Castro beging nicht die selben Verbrechen wie Stalin. Doch auch er versuchte, Kubas Mangel an technischen und industriellen Mitteln durch die massive Nutzung freiwilliger Arbeit und manchmal sogar durch Zwangsarbeit auszugleichen, um die beschlossenen Ziele zu erreichen. Bei der Zuckerernte 1970 wurden 400.000 Kubaner mobilisiert, um das Ziel von zehn Millionen Tonnen Zucker zu erreichen. Industriearbeiter, Hausfrauen und Jugendliche wurden zur Einbringung der Ernte mobilisiert, die Kosten der Unterbrechungen und Beeintr\u00e4chtigungen in der Industrie waren gewaltig. Es wurden trotzdem nur 8,5 Millionen Tonnen produziert. 1975 waren es nur 5,4 Millionen Tonnen. F\u00fcr 1980 ist geplant, 8,7 Millionen Tonnen zu produzieren. Das ist eine klare Demonstration, dass die vorherigen Ziele auf der Basis des derzeitigen Regimes praktisch nicht zu erreichen waren.<\/p>\n<p>Diesen Zielen ging die \u201eGro\u00dfe Revolution\u00e4re Offensive\u201c voraus, eine kubanische Version der \u201eKulturrevolution\u201c. Anschuldigungen gegen die \u201eB\u00fcrokratie\u201c und die praktische Militarisierung der Arbeit wurden mit Erkl\u00e4rungen verbunden, Kuba \u201ebewege sich Richtung Kommunismus\u201c sowie mit einer Kampagne, Kleinunternehmen abzuschaffen. 1968 wurden ungef\u00e4hr 58.000 Kleinbetriebe, darunter Gesch\u00e4fte, St\u00e4nde und 9.179 Handwerker, die selbst\u00e4ndig arbeiteten, verstaatlicht. Die Regierung behauptete damals, Kuba sei jetzt das \u201esozialistische Land mit dem gr\u00f6\u00dften verstaatlichten Sektor\u201c. Doch die Abschaffung s\u00e4mtlicher kleiner L\u00e4den, ohne dass die Bedingungen geschaffen waren, die den Staatsbetrieben erm\u00f6glicht h\u00e4tten, ausreichend Produkte \u2013 vor allem Konsumg\u00fcter \u2013 herzustellen, f\u00fchrte zur Versch\u00e4rfung des allgemeinen Mangels. Dies wiederum lie\u00df die Unzufriedenheit anwachsen. Weitere Ziele der Kampagne waren, die Privilegien der B\u00fcrokratie zu beschneiden, um notwendige Mittel f\u00fcr die Industrialisierung und die Mechanisierung der Landwirtschaft freizusetzen sowie eine Versch\u00e4rfung des Tempos, um den Plan zu erf\u00fcllen. Dies war von der Regierung nach eigenem Gutd\u00fcnken entschieden worden. Castro stellte in Bezug auf den Lebensstandard reichlich k\u00fchne Thesen auf. 1960 prophezeite er, Kuba w\u00fcrde bis 1965 einen mit Schweden vergleichbaren Lebensstandard haben. Im darauffolgenden Jahre wurde eine scharfe Rationierung von Lebensmitteln und Kleidung eingef\u00fchrt! Rationierungsma\u00dfnahmen hielten bis in die 70er Jahre an und wurden f\u00fcr einige Konsumg\u00fcter erst in den letzten Jahren aufgehoben oder gelokkert.<\/p>\n<h4>F\u00fcr die vereinigten sozialistischen Staaten der Karibik und Lateinamerikas<\/h4>\n<p>Castro sah sich in der Sackgasse und war gezwungen, seinen Kurs zu \u00e4ndern. So gab er im November 1973 beim Gewerkschaftskongress zu, \u201eKuba war noch nicht reif f\u00fcr den Kommunismus und musste in einigen Bereichten wegen der revolution\u00e4ren Unerfahrenheit vieler Kubaner und der niedrigen Wachstumsrate in einigen Bereichen der Industrie R\u00fcckschritte machen.\u201c Am 14. Januar 1974 gestand er ein, dass \u201emehr Arbeiter f\u00fcr die gleichen Arbeiten gebraucht werden als zu der Zeit, wo die Betriebe US-Konzernen geh\u00f6rten.\u201c<\/p>\n<p>1966 betrug der nationale Durchschnitt in Kuba vier produktive Arbeitsstunden am Tag. Fehlzeiten in der Leichtindustrie waren auf 16 Prozent, in der Nahrungsmittelindustrie auf 31 Prozent angestiegen. Castro erkl\u00e4rte 1975: \u201eDas Volk kann jeden ersetzen, mich eingeschlossen, wenn sie wollen\u201c und rief zu mehr Beteiligung bei Entscheidungen auf. In Wirklichkeit gab es keine demokratischen Kan\u00e4le f\u00fcr die Massen, um die Politik ihrer F\u00fchrer zu ver\u00e4ndern. KS Karol kommentiert: \u201eAlle Organe [der KP] vom Zentralkomitee bis zum B\u00fcro auf niedriger Ebene werden von oben ernannt, durch Fidel Castro und seine engsten Mitstreiter.\u201c<\/p>\n<p>Die castristische kubanische KP wurde 1965 gegr\u00fcndet, hielt ihren ersten Kongress jedoch 1975 ab! Selbst w\u00e4hrend des russischen B\u00fcrgerkrieges hielt die bolschewistische Partei unter Lenin und Trotzki j\u00e4hrlich ihre Konferenz ab.<\/p>\n<p>Es blieb Dr. Jorge Risquest, Castros Arbeitsminister, \u00fcberlassen, zumindest eine Ahnung der wahren Gr\u00fcnde der Misere zu vermitteln. Im Juli 1975 gab er zu, \u201edie wirtschaftlichen Probleme des Landes [resultieren] haupts\u00e4chlich aus dem weitverbreiteten passiven Widerstand der Arbeiter.\u201c Er r\u00e4umte ein, \u201edass es \u201ekeinen angemessenen Beziehungen zwischen den Arbeitern einerseits und der staatlichen Verwaltung, den Funktion\u00e4ren der kommunistischen Partei und den Gewerkschaften andererseits gibt.\u201c Um die sich h\u00e4ufenden Beschwerden gegen die B\u00fcrokratie zu zerstreuen, wurde 1975 ein Entwurf f\u00fcr eine Verfassung vorgelegt, mit der die sogenannte \u201eVolksmacht\u201c errichtet werden sollte. In der Provinz Matanzas wurden im selben Jahr testweise Wahlen zu den \u201est\u00e4dtischen Versammlungen\u201c abgehalten. Normalerweise standen zwei Kandidaten zur Wahl, manchmal nahmen jedoch bis zu 15 an der Wahl teil.<\/p>\n<h4>Eine Partei<\/h4>\n<p>Der Trick dabei war, dass alle Kandidaten Mitglieder der \u201ekommunistischen\u201c Partei oder ihren Unterorganisationen wie der dem Bund der jungen Kommunisten sein mussten! Mit anderen Worten, die Wahlen waren ein Farce. Man stelle sich die Reaktion der britischen Arbeiter vor, wenn man ihnen sagen w\u00fcrde, sie k\u00f6nnten bei einer Vertrauensleute- oder Gewerkschaftswahl nur die Kandidaten einer Partei w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrworter des castristischen Regimes \u2013 unter ihnen auch einige angebliche \u201eTrotzkisten\u201c \u2013 wenden ein, dass Castro in der Vergangenheit nicht gez\u00f6gert h\u00e4tte, die B\u00fcrokratie zu beschuldigen, vor allem die russische B\u00fcrokratie, indem er sie als \u201ePseudo-Revolution\u00e4re\u201c bezeichnete. Au\u00dferdem, so sagen sie, h\u00e4tte Castro versucht, die Revolution auf das lateinamerikanische Festland auszubreiten und w\u00e4re dabei in einen Konflikt mit den \u201ekommunistischen\u201c Parteif\u00fchrern der Region geraten. Stalin, Mao Tse-Tung und Tito haben alle zu ihrer Zeit die \u201eB\u00fcrokratie\u201c beschuldigt. Aber sie griffen damit die Exzesse ihres eigenen Systems auf, nutzten die auf\u00e4lligsten und krassesten F\u00e4lle von b\u00fcrokratischer Misswirtschaft, Verschwendung und Gier, um die Privilegien der Kaste, die sie vertraten, insgesamt umso besser verteidigen zu k\u00f6nnen. Castro stie\u00df mit der russischen B\u00fcrokratie zusammen, als die Interessen des kubanischen Staates gef\u00e4hrdet waren. Daher beschuldigte er An\u00edbal Escalante 1962 und 1968 ein Erzb\u00fcrokrat zu sein.<\/p>\n<p>Doch hinter dem Konflikt um Escalante stand der Streit zweier nationaler B\u00fcrokratien. Escalante war schon vor dem Zusammenschluss der \u201eKommunisten\u201c mit den Castristen ein KP-F\u00fchrer gewesen. Er war ein gef\u00fcgiges Werkzeug der russsischen B\u00fcrokratie und verbreitete die Kritik, die diese hinter vorgehaltener Hand an Castro \u00e4u\u00dferte. Er klagte Castro an, \u201eundankbar\u201c gegen\u00fcber seinen russischen Wohlt\u00e4tern zu sein und verurteilte dessen \u201eAbenteurertum\u201c auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Wie mit ihm umgegangen wurde, spricht jedoch auch gegen die Methoden Castros.<\/p>\n<h4>Guerilla-Krieg<\/h4>\n<p>Escalante wurde beschuldigt, eine \u201eMikro-Fraktion\u201c zu organisieren, dieses Verbrechen existierte jedoch laute kubanischem Gesetz gar nicht. Man vergleiche die Haltung Castros mit der Lenins zur Zeit des russischen B\u00fcrgerkrieges. Lenin gestand Bucharin, Radek und anderen zu, eine Tageszeitung zu ver\u00f6ffenlichten, die leidenschaftlich gegen Lenins Haltung zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk und damit zusammenh\u00e4ngenden Angelegenheiten argumentierte.<\/p>\n<p>In der ersten Phase, als die Lava der Revolution noch nicht abgek\u00fchlt war, konnten wir Zeugen der \u201eZweiten Erkl\u00e4rung von Havanna\u201c werden, die brillant das Elend der lateinamerikanischen Massen beschrieb und zur Revolution aufrief. Che Guevara wurde w\u00e4hrend des heldenhaften aber sinnlosen Abenteuers in Bolivien ermordet. Doch Castro griff die opportunistischen \u201ekommunistischen\u201c Parteien \u2013 vor allem in Venezuela \u2013 nicht wegen ihrer Aufgabe der revolution\u00e4ren Perspektive an, sondern wegen ihrer Weigerung, die Waffen zu ergreifen und seiner Guerilla-Strategie zu folgen. Zu keinem Zeitpunkt orientierte sich Castro auf die m\u00e4chtige Arbeiterklasse Lateinamerikas als dem Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr die sozialistische Ver\u00e4nderung. Die Guerilla-Erfahrung der kubanischen Revolution sollte k\u00fcnstlich auf den Kontinent \u00fcbertragen werden, alle Hoffnung wurde auf die Bauernschaft gesetzt. Der Grund f\u00fcr diesen Versuch, die Erfahrung der kubanischen Revolution in Lateinamerika zu wiederholen, war das brutale Handelsembargo, das der US-Imperialismus und seine Satelliten Kuba aufgezwungen hatten.<\/p>\n<p>Die Au\u00dfenpolitik ist die Fortsetzung der Politik im Inneren. Die Festigung der kubanischen B\u00fcrokratie zusammen mit der Abschw\u00e4chung des Boykotts f\u00fchrten zu einer \u00c4nderung der Au\u00dfenpolitik des Regimes. Es gab Versuche, sich mit dem USImperialismus und seiner Gefolschaft in Lateinamerika zu arrangieren, was zur Abschw\u00e4chung<\/p>\n<p>selbst der verbalen Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Revolution im Kontinent f\u00fchrte. Als die getarnte Milit\u00e4rdiktatur im Mexiko im Oktober 1968 mehr als 300 Studenten ermordete kam kein Wort des Protestes von der kubanischen Regierung oder der KP. Die Studenten hatten erkl\u00e4rt, sie w\u00fcrden Kuba unterst\u00fctzen, aber Mexiko war eines der wenigen kapitalistischen L\u00e4nder, welches die diplomatischen Beziehungen mit Kuba aufrechterhalten hatte. Die nationalen Interessen des kubanischen Staates waren hier wichtiger als die internationale Solidarit\u00e4t. Auch herrschte in Havanna eisernes Schweigen, als zehn Millionen Arbeiter in Frankreich die Fabriken besetzten und den Kapitalismus in Europa und weltweit bis in seine Grundfesten ersch\u00fctterten. Nicht einmal eine Solidarit\u00e4tsbotschaft f\u00fcr die franz\u00f6sischen Studierenden kam von der staatlichen kontrollierten Studentenbewegung, der UJC-FEU.<\/p>\n<p>Diese Tendenz wird verst\u00e4rkt werden, wenn der Boykott des US-Imperialismus gegen Kuba aufgehoben und die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden L\u00e4ndern aufgenommen werden. Die Carter-Regierung ist bereit, das kubanische Regime anzuerkennen, wenn es sein Engagement auf dem afrikanischen Kontinent<\/p>\n<p>beendet. Mit unverhohlener Befriedigung hat der US-Imperialismus registriert, dass das Castro-Regime seine fr\u00fcheren \u201eAbenteuer\u201c in Lateinamerika aufgegeben hat.<\/p>\n<h2>Privilegien<\/h2>\n<p>Unter seinen gl\u00fchendsten Anh\u00e4ngern in Lateinamerika hat die Desillusionierung \u00fcber Castro begonnen. 1967 griff Castro die venezolanische \u201ekommunistische\u201c Partei an und unterst\u00fctzte den Guerilla-Kampf von Douglas Bravo. Doch 1970 \u201estoppten die Castristen laut Bravo die Hilfe f\u00fcr die lateinamerikanische Revolution in dem Moment, als sie sich entschieden, sich auf ihre eigenen \u00f6konomischen Probleme zu konzentrieren und enger mit der<\/p>\n<p>Sowjetunion zusammenzur\u00fccken.\u201c Castro unterstrich den Charakter seines Regimes als er die Intervention der russischen B\u00fcrokratie in der Tschechoslowakei 1968 unterst\u00fctze. Kurz danach meinte einer seiner Minister, Llanusa, zu Studenten: \u201eWir sollten hier nicht etwas wie in der Tschechoslowakei erleben.\u201c Diese Entwicklungen sind nicht irgendeine Art von Verirrung. Ideen fallen nicht vom Himmel. Von politischen F\u00fchrern ausgesprochen, widerspiegeln sie die materiellen Interessen von Klassen und sozialen Gruppen in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die kubanische B\u00fcrokratie f\u00fcrchtet inzwischen sowohl die sozialistische Revolution im Westen als auch die politische Revolution im Osten. Beides w\u00fcrde die Ersetzung der b\u00fcrokratischen Elite durch eine Arbeiter- und Bauerndemokratie und die Abschaffung ihrer Privilegien bedeuten. Castro ist der Vertreter und der oberste Gebieter der kubanischen B\u00fcrokratie. Seine Haltung sowohl zu Frankreich als auch zur Tschechoslowakei l\u00e4sst ahnen, welche Angst die wachsende kubanische Elite angesichts dieser Ereignisse ergriffen hatte.<\/p>\n<p>Die Elemente der Arbeiterkontrolle, die Arbeitermilizen usw., die es in der ersten Phase der Revolution gab, sind schon l\u00e4ngst geschw\u00e4cht oder ganz abgeschafft. KS Karol schreibt:\u201eDie Kubaner erz\u00e4hlen nicht mehr stolz von ihrer Arbeitermiliz oder den Komitees zur Verteidigung der Revolution. Letztere haben nur noch rein repressive Funktionen.\u201c Die Privilegien dieser Schicht existierten von Beginn der Revolution an. Aber auf dem niedrigen wirtschaftlichen und kulturellen Niveau konnten die Unterschiede zwischen Arbeiter und Bauern auf der einen, der B\u00fcrokratie auf der anderen Seite, nie so gro\u00df sein wie Russland oder Osteuropa. Trotzdem merkt KS Karol an, dass er schon 1963 in einer Fabrik einen Ingenieur getroffen, der ein 17fach h\u00f6heres Gehalt erhielt als ein Arbeiter. Er nennt andere Verg\u00fcnstigungen und Privilegien der B\u00fcrokratie wie \u201ehochklassige\u201c Restaurants wie \u201eMonse\u00f1or\u201c, das \u201eTorre\u201c, das \u201e1830\u201c, das \u201eFloridita\u201c, welche gewaltige Preise f\u00fcr ein Essen verlangen. Auf der Parteikonferenz der KP 1975 wurde beschlossen, Kubanern zu erlauben, Autos zu kaufen \u2013 was bis dahin ein Vorrecht der Partei- und Staatsfunktion\u00e4re war!<\/p>\n<p>Mit der Weiterentwicklung der kubanischen Wirtschaft werden diese Unterschiede nicht verschwinden, sondern wachsen. Aber mit der Differenzierung der kubanischen Gesellschaft wird auch die Opposition gegen das dr\u00fcckende gesellschaftliche Klima wachsen, das von der herrschenden privilegierten Funktion\u00e4rsschicht geschaffen wurde.<\/p>\n<p>Herrschte in der ersten Phase eine relativ liberale Atmosph\u00e4re, so ist das Niederhalten s\u00e4mtlicher Abweichung zur Norm geworden. 1962 konnte man in Havanna noch die Werke Leo Trotzkis kaufen, Kultur und Kunst bl\u00fchten auf. Jetzt haftet an allem der muffige Geruch der B\u00fcrokratie. Die unorthodoxen Schriftsteller, Dichter und K\u00fcnstler wie Padilla werden vom Regime schikaniert. Wie in Russland, China und Osteuropa scheint die Tolerierung von Freiheiten f\u00fcr K\u00fcnstler die Gefahr heraufzubeschw\u00f6ren, dass die Massen die gleichen Recht auch f\u00fcr sich verlangen. Die ungarische Revolution begann mit der Opposition der Schriftsteller, die sich im Pet\u00f6fi-Kreis versammelten.<\/p>\n<p>Die kubanische Revolution hat das gewaltige Potenzial von Verstaatlichung und einer geplanten Produktion deutlich gemacht. Allein die Statistiken f\u00fcr Gesundheitsversorgung, Bildung, soziale Sicherheit und die Entwicklung der Wirtschaft beweisen, dass sie absolut gerechtfertigt war. Sie hat der Revolution in der Karibik<\/p>\n<p>und Lateinamerika gro\u00dfen Auftrieb gegeben.<\/p>\n<p>Aber weil die Revolution in einem r\u00fcckst\u00e4ndigen Land stattfand, dazu mit einer F\u00fchrung, die sich vorwiegend auf die Bauernschaft st\u00fctzte und gewisserma\u00dfen einen national beschr\u00e4nkten Horizont hatte, war die b\u00fcrokratische Entartung unvermeidlich. Ohne Zweifel hat das Castro-Regime noch immer viel mehr Unterst\u00fctzung im Volk als die stalinistischen Regime in Russland und Osteuropa. Aber die Entwicklung der Industrie wird auch zum Wachstum der Arbeiterklasse f\u00fchren und damit zum verst\u00e4rkten Aufkommen von Forderungen nach Arbeiterdemokratie. Au\u00dferdem werden politische Revolutionen in Osteuropa oder die soziale Revolution in Europa, Amerika oder Japan Auswirkungen auf Kuba haben.<\/p>\n<p>Der Sieg der sozialistischen Revolution zum Beispiel in Argentinien oder Brasilien w\u00fcrde dramatische Auswirkungen auf Kuba haben. In diesen L\u00e4ndern ist das soziale Gewicht der Arbeiterklasse so entscheidend, dass die sozialistische Revolution sich \u00e4hnlich wie die russische Revolution entwickeln w\u00fcrde. Ein Sieg der Arbeiterklasse in einem dieser L\u00e4nder w\u00fcrde zur explosionsartigen Ausbreitung der sozialistischen Revolution auf dem ganzen Kontinent und zu einer neuen Revolution in Kuba f\u00fchren \u2013 dieses Mal zu einer politischen Revolution zur Schaffung einer Arbeiterdemokratie.<\/p>\n<p>Die L\u00e4nder Mittel- und S\u00fcdamerikas, selbst Nordamerikas, w\u00fcrden zusammen mit der Karibik in einen gro\u00dfen sozialistischen Staatenbund von Nord- und S\u00fcdamerika gezogen werden wie Metallsp\u00e4ne in Richtung eines Magneten. Die kubanische Revolution hat das gewaltige Potenzial aufgezeigt, welches in der geplanten Wirtschaft steckt. Aber selbst diese Errungenschaften werden gegen\u00fcber den gro\u00dfartigen M\u00f6glichkeiten verblassen, die sich durch die Arbeiterdemokratie und einen sozialistischen Staatenbund ergeben w\u00fcrden. Die kubanische Revolution zeigt, dass nur die sozialistische Revolution und die Arbeiterdemokratie eine Erl\u00f6sung der Arbeiter und Bauern Lateinamerikas und der Karibik vom Alptraum des Feudalismus und Kapitalismus bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guerilla siegt gegen Diktator Batista<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":23522,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90],"tags":[1587,998,314,1588],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37397"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37397"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37397\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38056,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37397\/revisions\/38056"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}