{"id":37268,"date":"2018-12-09T07:17:26","date_gmt":"2018-12-09T06:17:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37268"},"modified":"2018-12-11T11:22:42","modified_gmt":"2018-12-11T10:22:42","slug":"problemfelder-der-us-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/12\/problemfelder-der-us-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Problemfelder der US-Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37269 alignleft\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/USA-Krise-260x173.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/USA-Krise-260x173.jpg 260w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/USA-Krise-768x512.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/USA-Krise-521x347.jpg 521w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/USA-Krise-600x400.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/USA-Krise.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/>Die Anzeichen f\u00fcr das Bevorstehen einer neuen Rezession verst\u00e4rken sich<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Zehn Jahre nach der Krise von 2008 haben wir es mit einer offiziell niedrigen Erwerbslosenquote und hohen Aktienkursen zu tun. Dabei nehmen viele arbeitende Menschen etwas ganz anderes wahr: stagnierende L\u00f6hne, immens steigende Lebenshaltungskosten und Schuldenblasen, die au\u00dfer Kontrolle geraten sind.<\/p>\n<p><em>Tony Gong und Anthony D&#8217;Amico, \u201eSocialist Alternative\u201c (Sympathisant*innen des CWI in den USA)<\/em><\/p>\n<h4>\u00d6konomische Schwachpunkte unter der Oberfl\u00e4che<\/h4>\n<p>Die Unf\u00e4higkeit des Kapitalismus, f\u00fcr eine stabile Wirtschaft zu sorgen, hat Str\u00f6me an eigentlich profittr\u00e4chtigen Investitionen versiegen lassen. Diese Investitionen waren in die Ausweitung der Produktion geflossen. Verglichen mit vor 50 Jahren investieren die Konzerne nur noch die H\u00e4lfte ihrer Profite. Stattdessen parken sie Billionen Dollar in Steueroasen oder machen Aktion\u00e4r*innen durch Aktien-R\u00fcckk\u00e4ufe noch reicher.<\/p>\n<p>Investitionen in den produktiven Sektor sind von entscheidender Bedeutung, weil sie der Antrieb f\u00fcr \u00f6konomische Expansion sind und zu g\u00fcnstigeren Bedingungen f\u00fcr Arbeitnehmer*innen f\u00fchren, die auf der Suche nach besseren Arbeitspl\u00e4tze sind oder h\u00f6here L\u00f6hne anstreben. Dass die Investitionst\u00e4tigkeit im Bereich des produktiven Gewerbe dauerhaft niedrig bleibt, deutet auf die grundlegende Schw\u00e4che der US-amerikanischen Wirtschaft hin. Und daraus folgen verschiedene \u00f6konomische Probleme.<\/p>\n<p>Weniger Investitionen bedeuten, dass eine geringere Anzahl an Produktionsst\u00e4tten er\u00f6ffnet werden und die Forschungst\u00e4tigkeit zugunsten produktiver Technologien zur\u00fcckgeht. Eine Konsequenz daraus ist, dass Amerikas Produktivit\u00e4tssteigerung in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent zur\u00fcckgegangen ist. Allein im Bereich der verarbeitenden Industrie hat das Produktivit\u00e4tswachstum 83 Prozent eingeb\u00fc\u00dft! Wenn die Produktivit\u00e4t stagniert, dann hat das Folgen f\u00fcr die Profitrate. Gleichzeitig gilt aber, dass die \u201eWall Street\u201c von den Unternehmen stetig steigende Profite verlangt.<\/p>\n<p>Der Wirtschaft ist nicht damit geholfen, wenn den Unternehmen noch gr\u00f6\u00dfere Profite erm\u00f6glicht werden, wie es Trump mit seinen Steuerverg\u00fcnstigen und Strafz\u00f6llen umsetzt. Die Chefetagen haben Investitionen blockiert, Produktivit\u00e4t- und Lohnzuw\u00e4chse sind ausgeblieben, w\u00e4hrend die F\u00fchrungsebene der Arbeiter*innenbewegung es nicht vermocht hat, die Kapitalist*innen entschieden genug herauszufordern. Dieses Wirtschaftssystem ist parasit\u00e4r und bietet den Besch\u00e4ftigten wie auch dem Land insgesamt keine Zukunft.<\/p>\n<h4>M\u00f6gliche Ausl\u00f6ser einer Rezession<\/h4>\n<p>In den sp\u00e4ten 1990er Jahre kam es zur \u201eDot-com-Blase\u201c. In den sp\u00e4ten 2000ern war es die Immobilien-Blase. Heute sieht es so aus, als bef\u00e4nden wir uns in der \u201ealles\u201c-Blase, die mit allen erdenklichen Nachwirkungen zum Platzen bestimmt ist. Die Kosten f\u00fcr Wohnraum haben neue Rekordh\u00f6hen erreicht und liegen heute rund zehn Prozent \u00fcber dem Level von 2007. Dieser in zunehmendem Ma\u00dfe unbezahlbare Wohnraum hat dazu gef\u00fchrt, dass Hausbesitzer*innen nur wenig angespart haben auf das sie im Falle eines Abschwunges zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Neben der Immobilien-Blase schie\u00dfen Investor*innen gro\u00dfe Summen in Technologie-Aktien, die kaum produktive Innovation zu bieten haben. Der B\u00f6rsenkurs von \u201eamazon\u201c ist 397 Mal mehr wert als das, was der Konzern tats\u00e4chlich einnimmt. Und in der Tat macht die Einzelhandelssparte von \u201eamazon\u201c mit ihrem online-Gesch\u00e4ft nicht mehr Gewinn als \u201eWalmart\u201c mit seinen momentan nur hauchd\u00fcnnen Gewinnmargen. Der starke Anstieg bei der Gr\u00fcndung von Fahrgemeinschaften hat zu einer Blase von 1,22 Billionen Dollar bei den Autokrediten gef\u00fchrt, die bereits zu platzen beginnt, da die Autofahrer*innen aufgrund niedriger L\u00f6hne hinter ihre Zahlungsverpflichtungen zur\u00fcckfallen. Die Blase der Studienkredite, die einem Wert von 1,5 Billionen Dollar entspricht (das ist beinahe ein Zehntel des BIP), und die im Gesundheitssekttor (fast ein F\u00fcnftel des BIP) sind weitere gro\u00dfe Blasen, die geradezu darauf warte, dass sie platzen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Trumps Handelskrieg mit China Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrdet, was am Umfang chinesischer Investitionen im Bereich der Produktion in den USA liegt.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich erinnert uns die zunehmende Sensibilit\u00e4t der Aktienm\u00e4rkte daran, dass der Markt \u00fcberhitzt und eine Kurskorrektur l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig ist. Innerhalb von zehn Tagen im Monat Oktober haben die M\u00e4rkte in den USA fast f\u00fcnf Prozent an Wert verloren (so das Ergebnis des \u201eRussell 3000 Index\u201c, der rund 98 Prozent aller US-Wertpapiere abbildet).<\/p>\n<h4>Rezession k\u00e4me ohne Vorbereitung<\/h4>\n<p>Das kapitalistische Establishment ist keiner besonders guten Lage, um wie noch im Jahr 2008 mit \u00f6konomischen Turbulenzen umgehen zu k\u00f6nnen. Die Zentralbanken k\u00f6nnen die Leitzinsen nicht weiter absenken oder Geld f\u00fcr Privatbanken drucken, indem sie erneut das Mittel des \u201equantitative easing\u201c (QE) anwenden. Das haben sie w\u00e4hrend und nach der Gro\u00dfen Rezession noch tun k\u00f6nnen. Die Zinss\u00e4tze sind danach nicht stark genug angehoben worden, als dass man sie nun wieder merklich senken k\u00f6nnte. Und die Zentralbanken m\u00fcssen immer noch gedrucktes Geld aus dem QE-Programm zur\u00fccknehmen bzw. \u201eabwickeln\u201c.<\/p>\n<p>Die weiter reichenden \u00f6konomischen Folgen, die Trumps Steuerk\u00fcrzungsprogramme f\u00fcr Reiche nach sich ziehen, waren bisher eher geringf\u00fcgig, werden aber schon bald st\u00e4rker zu sp\u00fcren sein. Der Hauptfaktor, der die Wirtschaft momentan noch am Laufen h\u00e4lt, besteht aus den Ausgaben, die die Arbeiter*innenklasse und die Mittelschichten t\u00e4tigen. Allerdings sind die Verbraucher*innen \u00fcber die Ma\u00dfen beansprucht und nicht in der Lage, weitere wirtschaftlichen Turbulenzen zu \u00fcberstehen. 71 Prozent der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten sind verschuldet, w\u00e4hrend das zur Verf\u00fcgung stehende Einkommen durch steigende Mieten und Wohnkosten aufgefressen wird. Die Arbeiter*innen sind gezwungen, sich darauf zu konzertieren irgendwie \u00fcber die Runden zu kommen. Das l\u00e4sst die Nachfrage f\u00fcr den Rest der Wirtschaft schrumpfen.<\/p>\n<h4>Kampf f\u00fcr Sozialismus<\/h4>\n<p>Die politischen Folgen, die eine Rezession h\u00e4tte, w\u00e4ren schwerwiegend und k\u00f6nnen Anlass f\u00fcr Arbeitsk\u00e4mpfe sein. Im Vergleich zum Krisenjahr 2008 werden die abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten diesmal jedoch wesentlich schneller auf eine neuerliche Krise reagieren, weil sie \u2013 wie am Beispiel der Lehrkr\u00e4fte oder bei den Besch\u00e4ftigten von \u201egoogle\u201c zu sehen \u2013 damit angefangen haben, die alten Kampf-Traditionen neu f\u00fcr sich zu entdecken. Das Scheitern sowohl des \u201eGlobalismus\u201c von Obama als auch des Nationalismus von Trump (beide haben es nicht vermocht, die Lebensstandards der Arbeiter*innen zu sichern) wird viele Menschen dazu veranlassen, sich die Frage nach einer tats\u00e4chlichen neuen wirtschaftlichen Ausrichtung zu stellen.<\/p>\n<p>Das macht es notwendig aufzubauen was bis dato so sehr fehlt: Eine neue politische Partei, die unabh\u00e4ngig ist von der \u201eWall Street\u201c und den einflussreichen Konzernen und die ein Programm hat, das sich an den Interessen der Arbeiter*innenklasse orientiert. Eine solche Partei w\u00e4re in der Lage, Massenbewegungen zu f\u00fchren und betriebliche Aktionen miteinander zu koordinieren, um den n\u00f6tigen Wandel durchzusetzen. Wenn die Arbeiter*innenklasse die \u00f6konomische wie auch politische Macht erst einmal in den H\u00e4nden hat, dann w\u00e4re es m\u00f6glich, den immensen Reichtum, der sich bislang noch in den H\u00e4nden der Konzerne und Milliard\u00e4r*innen befindet, zu verwenden, um die grundlegenden Bed\u00fcrfnisse (wie z.B. Wohnen, Gesundheit etc.) zu befriedigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anzeichen f\u00fcr das Bevorstehen einer neuen Rezession verst\u00e4rken sich<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":37269,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[35,42],"tags":[1556,345,1289,1129,1295,1557,1554,841,1555,789,300,1553,1496],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37268"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37268"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37268\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37286,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37268\/revisions\/37286"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37269"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}