{"id":37088,"date":"2018-11-04T07:00:58","date_gmt":"2018-11-04T06:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=37088"},"modified":"2018-11-03T10:50:54","modified_gmt":"2018-11-03T09:50:54","slug":"sozialismus-konferenz-2018-in-israelpalaestina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/11\/sozialismus-konferenz-2018-in-israelpalaestina\/","title":{"rendered":"Sozialismus-Konferenz 2018 in Israel\/Pal\u00e4stina"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-37089 alignleft\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Israel-Pal\u00e4stina-Konferenz-280x147.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"147\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Israel-Pal\u00e4stina-Konferenz-280x147.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Israel-Pal\u00e4stina-Konferenz-768x403.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Israel-Pal\u00e4stina-Konferenz-560x294.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Israel-Pal\u00e4stina-Konferenz-600x315.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Israel-Pal\u00e4stina-Konferenz.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/>Bericht \u00fcber die Sozialismus-Konferenz unserer Schwesterorganisation in Israel\/Pal\u00e4stina<\/strong><\/p>\n<p>Mehr als 160 Teilnehmer*innen besuchten die \u201eSozialismus-Konferenz 2018\u201c, die vom 27. bis 29. September in Tel Aviv stattfand und von \u201eTnua&#8217;t Maavak Sozialisti\u201c\/\u201eHarakat Nidal Eshtaraki\u201c ausgerichtet worden ist. Unter den Teilnehmer*innen waren Arbeiter*innen, junge Leute, Gewerkschafter*innen und linke Aktivist*innen, J\u00fcd*innen aus Israel, Pal\u00e4stinenser*innen und einige internationale G\u00e4st*innen.<\/p>\n<p><em>Shahar Benhorin, \u201eTnua&#8217;t Maavak Sozialisti\u201c\/\u201eHarakat Nidal Eshtaraki\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Israel\/Pal\u00e4stina)<\/em><\/p>\n<p>Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund einer langwierigen Phase politischer Reaktion statt, die von der aggressiven rechtsgerichteten Regierung Netanjahu umgesetzt wird. Auf Seiten des Widerstands kommt es aber gleichzeitig auch zu einigen wichtigen Entwicklungen.<\/p>\n<p>Dazu z\u00e4hlen in erster Linie die anhaltenden Proteste im Gazastreifen, die vor kurzem durchgef\u00fchrten gemeinsamen Proteste von J\u00fcdinnen, Juden und Araber*innen gegen das neue Nationalit\u00e4ten-Gesetz, bedeutsame Proteste und Streiks gegen die LGBTQ-Diskriminierung in Israel, Proteste gegen eine umweltsch\u00e4dliche Gasf\u00f6rderanlage, etwas l\u00e4nger zur\u00fcckliegende Proteste, mit denen die Abschiebung afrikanischer Asylsuchender verhindert werden konnte, sowie Proteste gegen die Korruption in der Regierung vor gut einem Jahr.<\/p>\n<p>Im Zeitraum des letzten halben Jahres sind im Gazastreifen \u00fcber 200 unbewaffnete pal\u00e4stinensische Demonstrant*innen von israelischen Scharfsch\u00fctz*innen erschossen worden. 20.000 Teilnehmer*innen an Protestkundgebungen wurden verletzt, viele von ihnen lebensgef\u00e4hrlich. Doch trotz dieser feindseligen milit\u00e4rischen Repression, die \u2013 abgesehen von den Opfern \u2013 darauf abzielt, das Entstehen einer pal\u00e4stinensischen Massenbewegung zu verhindern, demonstrieren bis zu 20.000 Pal\u00e4stinenser*innen jeden Freitag unerschrocken zum Grenzzaun und bis an die Linie, an der sie auf die israelische Armee treffen.<\/p>\n<p>Geplant war urspr\u00fcnglich, dass diese Proteste unter dem Motto \u201eMarsch der R\u00fcckkehr\u201c Bestandteil einer auf sechs Wochen angelegten Kampagne sein sollten. Allerdings \u00fcberdauerte diese beispiellose Bewegung, gegen die brutale Belagerung von zwei Millionen verarmten Menschen in diesem zerst\u00f6rten K\u00fcstenstreifen und f\u00fcr die Rechte der Pal\u00e4stinenser*innen, einen wesentlichen l\u00e4ngeren Zeitraum.<\/p>\n<p>Parallel dazu hat das Ausbleiben substantieller Zugest\u00e4ndnisse seitens der israelischen Regierung (aber auch des mitschuldigen Regimes in \u00c4gypten) im Zusammenspiel mit brutaler Repression die Grundlage f\u00fcr verzweifelte Taktiken, wie Brandanschl\u00e4ge auf isrealisches Gebiet, geschaffen. Dieses Vorgehen wird auf politischer Ebene von der Regierung in Israel ausgeschlachtet, um aufzuwiegeln und Kriegshetze zu betreiben. Auf diese Weise will man die israelische \u00d6ffentlichkeit dazu bringen, die Repression und sogar neue abscheuliche Kriege im Gazastreifen zu bef\u00fcrworten.<\/p>\n<p>Von daher war es ein Privileg, dass wir im Rahmen der \u201eSozialismus-Konferenz 2018\u201c eine Video-Live-Schaltung zu `Issam Hammad anbieten konnten. Er ist Vertreter der Linken im \u201eHigh National Committee\u201c, dem offiziellen F\u00fchrungsgremium der Bewegung im Gazastreifen. Das war f\u00fcr sich genommen nicht nur ein seltener und bewegender Moment, sondern auch ein Beitrag zur politischen Bildung sowie ein Bericht, der zum Nachdenken und zur Diskussion anregte \u00fcber die Gaza-Krise, die Proteste dort und eine linke und sozialistische Perspektive f\u00fcr eine tragf\u00e4hige L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gab es Diskussionsrunden zu den K\u00e4mpfen gegen Rassismus und das Nationalit\u00e4ten-Gesetz, gegen die Regierung Netanjahu und f\u00fcr eine politische Alternative.<\/p>\n<p>Avi Yalo, f\u00fchrender j\u00fcdischer Aktivist gegen den Rassismus in Israel, \u00e4thiopischer Abstammung, sprach sich in sehr k\u00e4mpferischer Manier gegen das Nationalit\u00e4ten-Gesetz und die \u201eTeile-und-Herrsche\u201c-Taktik der herrschenden Elite aus. Dabei ging er auch auf die komplizierte Aufgabe ein, gegen die krasse Hetze angehen zu m\u00fcssen, die sich gegen die Linke in Israel richtet. Auch griff er die Notwendigkeit auf, die verschiedenen und manchmal sehr pl\u00f6tzlich entstehenden sozialen K\u00e4mpfe miteinander verbinden zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Podiumsdiskussion \u00fcber die feministische Bewegung hob Samah Salaima, pal\u00e4stinensische Aktivistin gegen Frauenmorde, hervor wie die Unterdr\u00fcckung nationaler Minderheiten den Kampf um Befreiung, den die arabisch-pal\u00e4stinensischen Frauen f\u00fchren, in Israel weiter verkompliziert. Es gibt sogar Diskriminierung beim Umgang mit Anzeigen gegen gewaltt\u00e4tige M\u00e4nner und mangelnde Verfolgung f\u00fcr M\u00e4nner die f\u00fcr Frauenmorde verantwortlich sind. Ein weiteres Problem besteht aus m\u00e4nnlichen chauvinistischen Elemente in der Politik, die verhindern, dass arabische Frauen auf politischer Ebene vertreten werden. Abgesehen davon umfassen politische B\u00fcndnisse unter dem Banner der \u201enationalen Einheit\u201c (wie beispielsweise die \u201eGemeinsame Liste\u201c) sogar reaktion\u00e4re Politiker*innen, die \u2013 genau wie ihre Gegenspieler auf j\u00fcdischer Seite \u2013 Attacken auf die Frauenrechte bef\u00fcrworten \u2013 so z.B. auf das Abtreibungsrecht.<\/p>\n<h4>Diskussion \u00fcber die Gewerkschaftsbewegung und gewerkschaftliche K\u00e4mpfe<\/h4>\n<p>Verschiedene Gewerkschafter*innen \u2013 sowohl vom \u201eetablierten\u201c israelischen Dachverband \u201eHistadrut\u201c als auch Mitglieder der unabh\u00e4ngigen demokratischen Gewerkschaftsf\u00f6deration \u201eDie Macht den Arbeiter*innen\u201c, an deren Gr\u00fcndung im Jahr 2007 \u201eMaavak\u201c beteiligt war) \u2013 haben an den diversen Arbeitskreisen, zu diesem Schwerpunktthema, teilgenommen. Es ging dabei nicht nur um die Frage, wie der Kampf f\u00fcr st\u00e4rkere Gewerkschaften und f\u00fcr mehr innergewerkschaftliche Demokratie aussehen muss, sondern auch um das Problem der Spaltung entlang nationaler Identit\u00e4ten sowie aufgrund des Nationalit\u00e4ten-Gesetzes, welches von der Gewerkschaft \u201eDie Macht den Arbeiter*innen\u201c \u00fcbrigens offiziell und berechtigt abgelehnt worden ist.<\/p>\n<p>Ein Vertreter der linksgerichteten Organisation der Sozialarbeiter*innen (\u201eUnsere Zukunft\u201c), die im Januar die F\u00fchrung der israelischen Gewerkschaft der Sozialarbeiter*innen \u00fcbernommen hat, berichtete von den Bem\u00fchungen innerhalb dieser Struktur, die F\u00fchrungsebene verst\u00e4rkt in die Verantwortung zu nehmen und die Gewerkschaftsbasis viel st\u00e4rker in die Arbeit mit einzubeziehen. Er beschrieb, wie diese Tendenz geradewegs zu einer neuen Qualit\u00e4t an K\u00e4mpfen f\u00fchrt, erkl\u00e4rte aber auch, wie das Thema der nationalen Spaltung innerhalb der Gewerkschaft zu Debatten f\u00fchrt. Bedauerlicherweise (aber auch als Ausdruck der real existierenden Spannungen und des Drucks auf die Gewerkschaften in Israel) hat sich ihre F\u00fchrung k\u00fcrzlich dazu entschieden, sich nicht klar gegen das neue Nationalit\u00e4ten-Gesetz auszusprechen.<\/p>\n<p>Diese Gewerkschaft war vor kurzem Ziel berechtigter Kritik durch die pal\u00e4stinensische Sozialarbeiter*innen-Gewerkschaft und die \u201eInternationalen F\u00f6deration der Sozialarbeiter*innen\u201c f\u00fcr ihren Verzicht auf eine prinzipienfesten Position gegen die Besatzung. Diesen Aspekt hat \u201eMaavak\u201c ganz bewusst in die Debatte dieses Arbeitskreises eingebracht. Auch in Zukunft werden wir uns daf\u00fcr einsetzen, dass eine klare Ablehnung der Besatzung von den Gewerkschaften vertreten und auch formal angenommen wird, leider ist das aktuell noch nicht einmal bei vielen linksgerichteten Gewerkschaftsf\u00fchrer*innen der Fall.<\/p>\n<p>Ein weiterer Teilnehmer der \u201eSozialismus-Konferenz 2018\u201d war auch der Vorsitzende des Komitees der Arbeiter*innen der \u201eInternational Bank\u201d, der de facto als f\u00fchrender Kopf der linken Opposition innerhalb des \u201eHistadrut\u201d agiert. Damit steht er dem aktuell amtierenden, pro-kapitalistischen, antidemokratischen und chauvinistischen Vorstand des Dachverbands gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Er kritisierte unter anderem den Umstand, dass innerhalb des \u201eHistadrut\u201d, die Fraktion \u201eHadash\u201d (\u201eDemokratische Front f\u00fcr Frieden und Gleichheit\u201d, kontrolliert von der \u201eKommunistischen Partei\u201d), Bestandteil des F\u00fchrungskoalition bleibt, die linke Initiativen kontinuierlich niederstimmt.<\/p>\n<p>Der Vorsitzende der \u201eHadash -Fraktion, der selbst arabisch-pal\u00e4stinensischer Herkunft ist und ebenfalls Teilnehmer unserer Veranstaltung war, sprach \u2013 ohne \u00fcberzeugende Argumente f\u00fcr die Beteiligung an der genannten Liste liefern zu k\u00f6nnen \u2013 \u00fcber den Kampf gegen Arbeitsunf\u00e4lle auf Baustellen sowie \u00fcber die Notwendigkeit, den Kampf gegen das Nationalit\u00e4ten-Gesetz und gegen Rassismus vorzuanbringen.<\/p>\n<p>Auch andere Gewerkschaftsaktivist*innen ergriffen bei den Arbeitskreisen und Diskussionsrunden der \u201eSozialismus-Konferenz 2018\u201c das Wort. Unter ihnen war auch das \u201eMaavak\u201c-Mitglied Naor Kapulnik, der k\u00fcrzlich in den Betriebsrat des Unternehmens \u201eLeumi Card\u201c gew\u00e4hlt worden ist. Er ist mit der B\u00fcrokratie der \u201eHistadrut\u201c und seinem eigenen BR-Vorsitzenden aneinandergeraten, weil sie antidemokratisch agieren.<\/p>\n<p>Ein f\u00fchrendes Mitglied von \u201eDie Macht den Arbeiter*innen\u201c brachte die Idee ins Spiel, sich f\u00fcr eine Sonderkonferenz f\u00fcr Gewerkschafter*innen einzusetzen, die als Forum f\u00fcr Diskussionen rund um die dr\u00e4ngenden Herausforderungen dienen soll, vor denen die Organisationen der Arbeiter*innenbewegung stehen.<\/p>\n<h4>Eine Alternative f\u00fcr die n\u00e4chsten Parlamentswahlen<\/h4>\n<p>Ein Arbeitskreis drehte sich um die Frage des Aufbaus einer politischen Alternative zur Regierung Netanjahu und der politischen Rechten. Auch Dov Khenin, Parlamentsabgeordneter von \u201eHadash\u201c und der \u201eGemeinsamen Liste\u201c, nahm an diesem Arbeitskreis teil. Die anderen Redner*innen, in diesem Arbeitskreis waren ein weiteres f\u00fchrendes Mitglied von \u201eHadash\u201c und der au\u00dferparlamentarischen linken Formation \u201eSteht zusammen\u201c, ein weiterer f\u00fchrender Vertreter von \u201eDie Macht den Arbeiter*innen\u201c sowie ein Sprecher von \u201eMaavak\u201c.<\/p>\n<p>Unter anderem vertraten wir dabei die Position, dass man anl\u00e4sslich der kommenden Parlamentswahlen im n\u00e4chsten Jahr f\u00fcr eine Initiative zu einem neuen linken j\u00fcdisch-arabischen Wahlb\u00fcndnis k\u00e4mpfen sollte, um auf diese Weise einen Beitrag f\u00fcr den Aufbau eines linksgerichteten Bezugspunkts zu leisten. Um so der herrschenden, reaktion\u00e4r-chauvinistischen, pro-kapitalistischen und pro-imperialistischen Propaganda wesentlich effektiver begegnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir erkl\u00e4rten in diesem Zusammenhang, dass es sich bei der Gr\u00fcndung der \u201eGemeinsamen Liste\u201c im Jahr 2015 (es handelt sich dabei um ein Parteienb\u00fcndnis, das eine Unterst\u00fctzer-Basis unter der arabisch-pal\u00e4stinensischen Minderheit hat und zu dem linke aber auch rechte Kr\u00e4fte geh\u00f6ren) um einen Fehler gehandelt hat. Diese Liste steht im Widerspruch zur Bildung einer klar links ausgerichteten politischen Alternative. Wir haben demgegen\u00fcber auf das Beispiel der Partei HDP in der T\u00fcrkei hingewiesen (die dort eine W\u00e4hlerbasis unter der kurdischen Bev\u00f6lkerungsminderheit hat) um zu zeigen, dass ein breit aufgestelltes linkes B\u00fcndnis mit g\u00e4nzlich anderem Charakter m\u00f6glich ist (das ebenfalls mit einem national-ethnischen Konflikt, dabei unter schwerwiegender Verfolgung leidet und mit einer extrem hohen Prozenth\u00fcrde zu k\u00e4mpfen hat).<\/p>\n<p>Auch wenn Khenin, ein Mitglied des Politb\u00fcros der israelischen KP, zu denen geh\u00f6rt, die sich ebenfalls gegen die Bildung der \u201eGemeinsamen Liste\u201c positioniert haben, konnte er seine eigene Partei von diesem Standpunkt nicht \u00fcberzeugen. Aktuell ist er nicht der Meinung, dass es Raum f\u00fcr eine breit aufgestellte linke Wahlinitiative bei den Parlamentswahlen g\u00e4be.<\/p>\n<p>Es liegt auf der Hand, dass eine Kandidatur bei den Parlamentswahlen weder den Anfang noch das Ende des Kampfes f\u00fcr den Aufbau einer vereinten politischen Kraft von und f\u00fcr die j\u00fcdische und arabische Arbeiter*innenklasse und die jungen Leute darstellt. Allerdings gilt, dass die parlamentarische bzw. die Wahl-Ebene eine wichtige Rolle spielen kann, um einen Beitrag zum Aufbau einer unabh\u00e4ngigen politischen Stimme f\u00fcr die Arbeiter*innenklasse leisten. Ein guter Wahlkampf kann diesen Prozess beschleunigen und daf\u00fcr sorgen, linke, antikapitalistische und sozialistische Ans\u00e4tze verbreitet werden. Die faktische Abwesenheit einer klar links ausgerichteten Stimme bei den Wahlen 2015 war ein Faktor, der Demoralisierung bef\u00f6rdert hat. Diese Tendenz war bei einer breiten Schicht der Bev\u00f6lkerung festzustellen, die gehofft hatte, dass die Regierung Netanjahu eine Niederlage erleiden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung der linken und aktiven Formation \u201eSteht zusammen\u201c durch Khenin (gegen den Widerstand aus seiner eigenen Partei) und einige seiner Genoss*innen war eine Antwort auf den Sieg von Netanjahu und die daraufhin folgende politische Reaktion. Maysam Jaljuly, eine arabisch-pal\u00e4stinensische Gewerkschaftsaktivistin und die andere treibende Kraft hinter \u201eSteht zusammen\u201c und \u201eHadash\u201c, unterstrich, dass der gemeinsame j\u00fcdisch-arabische Kampf angesichts der national-chauvinistischen Reaktion essentiell ist.<\/p>\n<p>Die Organisator*innen dieser Formation stehen unter dem Einfluss (und bis zu einem gewissem Grad folgen sie) linken Bezugspunkten auf internationaler Ebene wie z.B. PODEMOS in Spanien. Gleichzeitig bestehen sie aber momentan ausdr\u00fccklich darauf, dass es sich bei \u201eSteht zusammen\u201c ausschlie\u00dflich um eine au\u00dferparlamentarische Struktur handelt. Derzeit bringt sie einige j\u00fcdische und arabische Unterst\u00fctzer*innen von \u201eHadash\u201c zusammen, aber auch von \u201eetablierten\u201c Parteien wie \u201eMeretz\u201c und sogar sogar von der rechteren \u201eArbeitspartei\u201c. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Organisation nach Ma\u00dfst\u00e4ben der politischen Landschaft in Israel immer noch klein. Sie kommt bisher lediglich auf einige Dutzend Aktivist*innen.<\/p>\n<p>Wir stimmen mit dem sozialdemokratischen Redner von \u201eDie Macht den Arbeiter*innen\u201c, Ami Vatury, \u00fcberein, dass ein Schritt Richtung Wahlkoalition behutsam durchgef\u00fchrt werden muss. Es ist auch wahr \u2013 wie Vatury erkl\u00e4rte \u2013, dass bei diesem Schritt bedacht werden muss, dass es Leute gibt, die eine Liste auf dem Stimmzettel sehen wollen, die eine realistischer Chance hat, die Prozenth\u00fcrde zu knacken.<\/p>\n<p>Wir vertreten definitiv keinerlei ultralinken Bestrebungen, bei denen die konkreten gegebenen Umst\u00e4nde ignoriert oder unangemessene Hoffnungen gemacht werden. Ein solches Vorgehen w\u00fcrde Gefahr laufen, eine Schicht von Aktivist*innen zu demoralisieren, wie von Khenin unterstellt wurde. Im Gegenteil w\u00fcrde eine ernsthaft vorbereitete linke Wahlalternative eine B\u00fchne bieten linke politische Ideen. Sie w\u00fcrde den Weg weisen f\u00fcr den n\u00f6tigen Kurs, dem unsere Aktivit\u00e4ten verfolgen m\u00fcssen und sie h\u00e4tte das Potential, gen\u00fcgend W\u00e4hler*innen zu motivieren, um die Prozenth\u00fcrde bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Unser Vorschlag lautet, dass Khenin, den wir als derzeit prominentesten Vertreter der politischen Linken im israelischen Parlament betrachten, seinen Bekanntheitsgrad nutzen sollte, um dabei zu helfen, einem neuen, linken, j\u00fcdisch-arabischen Wahlb\u00fcndnis die besten Startbedingungen zu verschaffen. Ein solches B\u00fcndnis m\u00fcsste sich an die breite \u00d6ffentlichkeit der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten und an jungen Menschen richten \u2013 beiderlei nationaler Herkunft. Solch eine Initiative k\u00f6nnte zumindest einen Teil von \u201eHadash\u201c mit anderen linken j\u00fcdischen und arabisch-pal\u00e4stinensischen Aktivist*innen zusammenbringen (vor allem Gewerkschaftsaktivist*innen, Betriebsrats-Mitglieder und politisch Aktiven aus der Arbeiter*innenklasse.<\/p>\n<p>Trotz der allgemeinen Ablehnung Khenins, der jeden Schritt in diese Richtung zur\u00fcckweist, brachte Vatury ins Spiel, dass die konkret vorhandene \u201eInfrastruktur\u201c der Kr\u00e4fte vorhanden zu sein scheint, selbst wenn die n\u00e4chsten Wahlen noch zu fr\u00fch f\u00fcr eine derartige Initiative sein sollten. K\u00f6nnte durch die Fortsetzung der Diskussion in weniger als zwei Jahren etwas Substantielles aus so einer Initiative entstehen. Auch wenn wir von \u201eMaavak\u201c nicht der Ansicht sind, dass ein umgehender Vorsto\u00df f\u00fcr eine neue und diesmal links ausgerichtete \u201eGemeinsame Liste\u201c zum jetzigen Zeitpunkt verfr\u00fcht w\u00e4re (es m\u00fcsste um einen Schritt vorw\u00e4rts gehen und eine breit aufgestellte j\u00fcdisch-arabische Linkspartei aufgebaut werden, die auf Arbeiter*innen und jungen Menschen orientiert und sich auf ein sozialistisches Programm st\u00fctzt), begr\u00fc\u00dfen wir es, weitere Diskussionen und Debatten zu dieser Frage. Dabei werden wir eine aktive Rolle spielen.<\/p>\n<h4>Andere Diskussionen<\/h4>\n<p>Im Laufe des Wochenendes kam es zu weiteren spannenden Diskussionen wie z.B. \u00fcber Sozialismus und Marxismus. Zwei Umweltaktivist*innen, die an den j\u00fcngsten Protesten gegen eine umweltsch\u00e4dliche Gasplattform beteiligt sind, waren extra f\u00fcr eine Diskussionsrunde angereist, die sich mit ihrem Kampf und der Frage des Verh\u00e4ltnisses von Kapitalismus und Umwelt befasst hat. \u00c4hnlich motiviert hatte auch ein Asylsuchender den Weg zu uns gefunden, um sich an dem Arbeitskreis \u00fcber die Lehren der erfolgreichen Bewegung gegen Abschiebungen Anfang des Jahres zu beteiligen.<\/p>\n<p>Internationale Redner*innen (von der \u201eWorkers&#8216; and Socialist Party\u201c [WASP] in S\u00fcdafrika, von \u201eSocialist Alternative\u201c aus den USA, der \u201eSocialist Party\u201c in Nordirland und von der \u201eSozialistischen Gerechtigkeitspartei\u201c aus Schweden) machten hervorragende Beitr\u00e4ge in den einzelnen Arbeitskreisen und Diskussionsrunden. Sie brachten nicht nur ihre einzigartigen Erfahrungen ein sondern unterstrichen mit ihrer Anwesenheit auch den internationalen Charakter unserer Veranstaltung. Die internationale Solidarit\u00e4t, die das ganze Wochenende sp\u00fcrbar war, war f\u00fcr sich genommen schon eine Antwort auf die giftige Stimmung, die momentan die politische Atmosph\u00e4re in der israelischen Gesellschaft dominiert. Es war von daher mehr als angemessen, dass die Veranstaltung mit einem Beitrag von Weizmann Hamilton, dem Sekret\u00e4r der WASP aus S\u00fcdafrika, zu Ende ging.<\/p>\n<p>Weizmann sprach \u00fcber den historischen Kampf gegen das Apartheid-Regime, an dem er teilgenommen hat, die unvollendete Revolution und \u00fcber das zunehmende Potential f\u00fcr dem Aufbau einer unabh\u00e4ngigen sozialistischen Arbeiter*innenbewegung. Zwei Tage nach unserer Veranstaltung hat er dann noch an einer gemeinsamen Veranstaltung von \u201eMaavak\u201c und \u201eDie Macht den Arbeiter*innen\u201c in Jerusalem teilgenommen. Der kleine Raum, der eigentlich f\u00fcr einen Austausch in bescheidenerer Atmosph\u00e4re vorgesehen war, war gef\u00fcllt mit mehr als 40 Teilnehmenden. Eine \u00e4hnlich gro\u00dfe Anzahl kam zwei Tage sp\u00e4ter zu einem \u00e4hnlichen Treffen in Haifa. Auch dort waren sowohl Vertreter*innen der j\u00fcdisch-israelischen wie auch der arabisch-pal\u00e4stinensischen Community vertreten.<\/p>\n<p>Weizmann nahm auch an einer politischen Rundreise teil, die eine Woche nach unserer \u201eSozialismus-Konferenz\u201c stattgefunden hat. Diese f\u00fchrte auch ins besetzte Hebron\/Khalil und geht ebenfalls auf eine gemeinsame Initiative zur\u00fcck (diesmal von \u201eMaavak\u201c zusammen mit \u201eBreaking the Silence\u201c [dt.: \u201eDas Schweigen brechen\u201c]). Bei \u201eBreaking the Silence\u201c handelt es sich um eine israelische Organisation ehemaliger Soldat*innen, die sich gegen die Besatzungspolitik Israels aussprechen. Die Tour, an der dar\u00fcber hinaus auch eine j\u00fcdisch-arabische Gruppe israelischer Studierender teilgenommen hat, schloss mit einem Treffen und einer kurzen Diskussion mit der \u00f6rtlichen pal\u00e4stinensischen Organisation \u201eYouth Against Settlements\u201c (dt.: \u201eJugend gegen die Siedlungen\u201c) ab.<\/p>\n<p>Wir blicken auf eine sehr produktive und erfolgreiche Woche zur\u00fcck, auch wenn nicht wirklich Zeit daf\u00fcr war, diese Erlebnisse angemessen zu feiern. Seitdem hat \u201eMaavak\u201c mit \u201eAll That&#8217;s Left\u201c, einer amerikanisch-j\u00fcdischen Gruppe, die gegen die Besatzung aktiv ist, zusammengearbeitet. Es ging dabei um eine internationale Solidarit\u00e4tskampagne gegen die \u201eHexenjagd\u201c auf die US-amerikanische Studentin Lara al-Qassem. Lara wurde anf\u00e4nglich die Einreise nach Israel sowie die akademische Arbeit an einer israelischen Universit\u00e4t verweigert, weil sie sich an Aktionen gegen die Besatzungspolitik beteiligt hatte und ihr vorgeworfen wurde Boykottaufrufe gegen Israel unterst\u00fctzt zu haben. Die Solidarit\u00e4tskampagne war am Ende erfolgreich!<\/p>\n<p>Gleichzeitig engagiert sich \u201eMaavak\u201c an Solidarit\u00e4tsaktionen mit dem Kampf der Bewohner*innen von Khan al-Ahmar, einem pal\u00e4stinensischen Beduinen-Dorf im besetzten Westjordanland, dem die umgehende Zerst\u00f6rung droht. Die Einwohner*innen sollen vertrieben werden, um Platz zu machen f\u00fcr eine Ausweitung der kolonialen Siedlungen.<\/p>\n<p>Die Diskussionen und die k\u00e4mpferische Stimmung bei der diesj\u00e4hrigen \u201eSozialismus-Konferenz\u201c waren hilfreich, um sich auf die anstehenden Herausforderungen vorzubereiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht \u00fcber die Sozialismus-Konferenz unserer Schwesterorganisation in Israel\/Pal\u00e4stina<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":37089,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[1063,1463,881,325,1462,623,904],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37088"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37088"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37088\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37090,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37088\/revisions\/37090"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37089"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}