{"id":36912,"date":"2018-10-16T14:38:22","date_gmt":"2018-10-16T12:38:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36912"},"modified":"2018-10-17T11:46:21","modified_gmt":"2018-10-17T09:46:21","slug":"containern-ist-kein-verbrechen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/10\/containern-ist-kein-verbrechen-2\/","title":{"rendered":"Containern ist kein Verbrechen!"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-34020 alignleft\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/P7090027-231x173.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/P7090027-231x173.jpg 231w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/P7090027-768x576.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/P7090027-463x347.jpg 463w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/P7090027-600x450.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/>M\u00fcnchen: Aktivistinnen sollen 2400 Euro zahlen, weil sie bei Edeka Lebensmittel aus dem M\u00fcll entnommen haben<\/strong><\/p>\n<p>Franzi und Caro sind zwei junge Frauen aus Olching im M\u00fcnchner Umland. Sie sind \u2013 wie fast alle Menschen \u2013 \u00fcberhaupt nicht damit einverstanden, dass tonnenweise genie\u00dfbare Lebensmittel in Deutschland weggeworfen werden. Also haben sie etwas naheliegendes getan: Sie sind zum Abfallcontainer eines Edeka-Supermarktes in ihrer N\u00e4he gegangen und haben das gute Essen dort herausgeholt, \u201egerettet\u201c.<\/p>\n<p><em>Von Christian Walter, Aachen<\/em><\/p>\n<h4>\u201eContainern\u201c erfreut sich wachsender Beliebtheit<\/h4>\n<p>Franzi und Caro sind damit nicht allein. Tausende gehen in Deutschland regelm\u00e4\u00dfig containern. Die Motivation kann dabei durchaus unterschiedlich sein: Viele machen es ideologisch motiviert, wollen praktisch etwas dagegen tun, dass genie\u00dfbare Lebensmittel weggeworfen werden. Andere wiederum haben einfach nicht genug Geld, um sich genug Essen zu kaufen (geschweige denn gesundes Essen \u2013 und gerade mit Gem\u00fcse und Obst sind die Tonnen oft besonders voll). Ob das Containern nun ein wirksames Mittel gegen Lebensmittelvernichtung ist, ob dadurch die Produktionsmenge, also die \u00dcberproduktion, beeinflusst wird, kann man durchaus diskutieren. Unabh\u00e4ngig davon jedoch handeln Containernde aus durchaus verst\u00e4ndlichen Motiven.<\/p>\n<p>Es gibt nur ein Problem: Es ist verboten.<\/p>\n<h4>M\u00fcll ist Eigentum<\/h4>\n<p>Denn M\u00fcll ist in Deutschland Eigentum: Erst vom Supermarkt, irgendwann vom Entsorgungsunternehmen. Und wer anderen das Eigentum wegnimmt, begeht einen Diebstahl. So absurd das ist, so viel absurder, dass deswegen tats\u00e4chlich Menschen angezeigt werden. Trotzdem kommt es immer wieder dazu.\u00a0So auch in Olching: Franzi und Caro wurden angezeigt, sollen zusammen 2400\u20ac Strafe zahlen.<\/p>\n<h4>Protest wirkt<\/h4>\n<p>In Aachen ist die Staatsanwaltschaft mit einem \u00e4hnlichen Kriminalisierungsversuch ziemlich auf die Nase gefallen. Wie jetzt im Olchinger Fall wurden zwei Menschen angezeigt. \u201eSchwerer Diebstahl\u201c lautete die Anklage. Doch damit sind sie nicht durchgekommen. Mit Unterst\u00fctzung einer Solidarit\u00e4tsgruppe wurden Kundgebungen durchgef\u00fchrt, Flyer verteilt, eine Online-Petition erreichte 127.000 Unterschriften. Zwischenzeitlich wurde \u00f6ffentlich zum gemeinsamen Containern aufgerufen, bis zu 65 Menschen beteiligten sich an diesen Touren. Es gab vier Ans\u00e4tze, die Sache vor Gericht zu verhandeln. Jedes Mal wurden Proteste angek\u00fcndigt, jedes Mal die Verhandlung verschoben. Letztlich wurde sie ohne Auflagen eingestellt.<\/p>\n<h4>Unterst\u00fctzt die Olchingerinnen<\/h4>\n<p>Auch der Olchinger Fall wurde bereits ein Mal verschoben. Auch wenn ein anderer Grund angegeben wurde: Kurz vorher wurde zu einer Kundgebung und zur Prozessbegleitung aufgerufen. In der Aachener Kampagne wurde deutlich, wie wenig Verst\u00e4ndnis es in der Bev\u00f6lkerung gibt, dass Lebensmittelretter*innen verfolgt werden, statt denjenigen, die das Essen vernichten (lassen). Unternehmen und Staatsanwaltschaften haben deswegen eine gro\u00dfe Angst vor \u00d6ffentlichkeit. Und genau deswegen wird nun auch in Olching in die \u00d6ffentlichkeit gegangen.<\/p>\n<p>Franzi und Caro sind selbstbewusst. Auf ihrem Blog olchiscontainern1.blogsport.de schreiben sie:<\/p>\n<p><em>\u201eDas Thema Lebensmittelverschwendung ist ein gesellschaftliches. Wir f\u00fchlen uns nicht \u201eschuldig\u201c in dem Sinne, wie uns vonseiten der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird. Stattdessen sollten Gesetzgeber, Superm\u00e4rkte und Gesellschaft Verantwortung \u00fcbernehmen. Es w\u00e4re einfacher und eventuell g\u00fcnstiger gewesen, den Forderungen des Strafbefehls nachzukommen und die 2400 Euro zu bezahlen. Damit h\u00e4tten wir jedoch unsere Schuld gestanden und h\u00e4tten uns dem Kriminalisierungsversuch ergeben. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, unseren Fall \u00f6ffentlich und politisch zu f\u00fchren.\u201c<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Am Mittwoch, den 17. Oktober wird um 19:30 Uhr in M\u00fcnchen im Eine-Welt-Haus, Schwanthalerstrasse 80, eine Unterst\u00fctzungsgruppe gegr\u00fcndet. Schon jetzt bekommen die beiden viel Unterst\u00fctzung aus ihrem Freundeskreis, aber auch von Mitgliedern der linksjugend [&#8217;solid] und der SAV. Auf dem Treffen sollen Strategien und Aktionen diskutiert werden.<\/li>\n<li>\u00a0Der Prozess ist derzeit f\u00fcr den 12. November angesetzt \u2013 kann aber nat\u00fcrlich wieder verschoben werden. Aktuelle Infos, ebenso wie ein Spendenkonto, gibt es auf dem Blog olchiscontainern1.blogsport.de<\/li>\n<\/ul>\n<p><em><a href=\"https:\/\/manifest-buecher.de\/produkt\/containern\/\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-34786 size-medium\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/containern-173x173.png\" alt=\"\" width=\"173\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/containern-173x173.png 173w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/containern-347x347.png 347w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/containern.png 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/containern-32x32.png 32w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/containern-200x200.png 200w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/containern-300x300.png 300w\" sizes=\"(max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Christian Walter betreibt das Facebook-Blog \u201eAachen Containert\u201c und hat mit anderen die Aachener Containern-Kampagne durchgef\u00fchrt. Erfahrungen sowie Hintergr\u00fcnde zum Containern und zu Lebensmittelvernichtung hat er in seinem Buch \u201eVolle B\u00e4uche statt volle Tonnen\u201c zusammengefasst. Es kann hier bezogen werden:\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/manifest-buecher.de\/containern\">manifest-buecher.de\/containern<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen: Aktivistinnen sollen 2400 Euro zahlen, weil sie bei Edeka Lebensmittel aus dem M\u00fcll entnommen haben<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":34020,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[116],"tags":[262,803,1315,1436,1254,804,822,948],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36912"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36912"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36912\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36926,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36912\/revisions\/36926"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34020"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36912"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36912"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36912"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}