{"id":36882,"date":"2018-10-21T07:01:30","date_gmt":"2018-10-21T05:01:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36882"},"modified":"2018-10-10T13:09:03","modified_gmt":"2018-10-10T11:09:03","slug":"was-tun-gegen-personalmangel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/10\/was-tun-gegen-personalmangel\/","title":{"rendered":"Was tun gegen Personalmangel?"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-36883 alignleft\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Personal-Gesundheit-Krankenhaus-280x158.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Personal-Gesundheit-Krankenhaus-280x158.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Personal-Gesundheit-Krankenhaus-768x432.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Personal-Gesundheit-Krankenhaus-560x315.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Personal-Gesundheit-Krankenhaus-600x338.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Personal-Gesundheit-Krankenhaus.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/>Arbeitsbedingungen und Bezahlung m\u00fcssen verbessert werden<\/strong><\/p>\n<p>Bis zum Jahr 2030 werden dem deutschen Arbeitsmarkt aufgrund der demographischen Entwicklung nach offiziellen Sch\u00e4tzungen bis zu 3,5 Millionen Arbeitskr\u00e4fte fehlen. Aber schon jetzt ist der Arbeitsmarkt in manchen Regionen oder Bereichen f\u00fcr bestimmte Bereiche, wie Pflegekr\u00e4fte oder ErzieherInnen, leergefegt. Das wird als Argument gebracht, dass die dringend notwendige Aufstockung von Personal nicht erfolgen kann. Doch diese Probleme sind hausgemacht. Was kann getan werden, um jetzt Personal f\u00fcr die \u00f6ffentliche Daseinsvorsorge zu gewinnen?<\/p>\n<p><em>von Holger Dr\u00f6ge<\/em><\/p>\n<p>Es ist nicht die Aufgabe von Linken, sich den Kopf \u00fcber Personalmangel in der privaten Wirtschaft zu zerbrechen. Die Ideologen des Kapitals sprechen gerne davon, wie Angebot und Nachfrage die Preise regulieren. Nur bei der Ware Arbeitskraft wollen sie gerne eine Ausnahme machen. Jeder Kapitalist will so wenig wie m\u00f6glich bezahlen und so viel Profit wie m\u00f6glich aus seinen Arbeitskr\u00e4ften pressen. Aber das kann nicht unser Problem sein.<\/p>\n<p>Wenn sich zum Beispiel Betriebe beschweren, dass sie keine Auszubildenden finden k\u00f6nnen, dann ist die einfache Antwort darauf, dass sie Arbeitsbedingungen und L\u00f6hne bieten m\u00fcssen, die diese Jobs attraktiv machen. Es ist doch kein Wunder, dass Jugendliche sich nicht f\u00fcr wenige hundert Euro im Monat ausbeuten lassen wollen.<\/p>\n<h4>Personalmangel im \u00d6ffentlichen Dienst<\/h4>\n<p>Laut Statistischem Bundesamt arbeiten in Deutschland rund 4,74 Millionen Besch\u00e4ftigte im \u00f6ffentlichen Sektor (Stichtag 30. Juni 2017). 1991 waren es noch 6,73 Millionen. Im gleichen Zeitraum stieg die Bev\u00f6lkerung Deutschlands aber um zwei Millionen. Es hat also einen massiven Abbau \u00f6ffentlicher Dienstleistungen durch Privatisierung, Outsourcing und Arbeitsverdichtung gegeben. Gleichzeitig wurde durch die Einf\u00fchrung von TV\u00d6D und TVL das Lohnniveau im \u00f6ffentlichen Dienst abgesenkt. Das hat eine Situation geschaffen, wo heute nun Personal an allen Ecken und Enden fehlt.<\/p>\n<p>Laut Beamtenbund fehlen im \u00f6ffentlichen Dienst derzeit 185.000 MitarbeiterInnen. Besonders problematisch sei die hohe Zahl von 130.000 fehlenden ErzieherInnen in den Kommunen (Zeit, 3.1.18). An Schulen fehlten 32.000 MitarbeiterInnen. 162.000 Stellen fehlen nach Hochrechnungen von ver.di in Krankenh\u00e4usern, allein 70.000 in der Pflege. Aber auch in den Verwaltungen fehlt Personal. In Berlin kann die Bearbeitung eines Elterngeld-Antrags auch schon Mal f\u00fcnf Monate dauern. Wer einen Termin beim Amt will, kann sich auf wochenlange Wartezeiten einstellen.<\/p>\n<p>Der Personalmangel wird zus\u00e4tzlich in den kommenden Jahren dadurch versch\u00e4rft, dass 1,5 Millionen Besch\u00e4ftigte in den Ruhestand gehen. Trotz der erwartbaren Neueinstellungen bleibt eine Personall\u00fccke von mehreren Hunderttausend Mitarbeitern.<\/p>\n<h4>Weniger Ausbildung<\/h4>\n<p>Gleichzeitig wurde die Ausbildung im \u00f6ffentlichen Dienst massiv zur\u00fcckgefahren. So schreibt selbst das Bundesinstitut f\u00fcr Berufsbildung im Datenreport 2017:<\/p>\n<p>\u201cIm Langzeitvergleich ist aber auch in diesem Zust\u00e4ndigkeitsbereich [dem \u00f6ffentlichen Dienst] die Bestandszahl an Auszubildenden seit 1992 deutlich r\u00fcckl\u00e4ufig. 1992 lag der Bestand hier noch bei 71.355 und ist im Laufe der Jahre nahezu kontinuierlich mit 36.087 Ausbildungsverh\u00e4ltnissen im Jahr 2015 auf nunmehr nahezu die H\u00e4lfte gesunken (-49,4%). Der Abw\u00e4rtstrend nach 1994 geht \u2013 neben der demografischen Entwicklung \u2013 vor allem auf die Privatisierung im Post- und Bahnbereich [&#8230;] zur\u00fcck.\u201d<\/p>\n<p>Dabei wurde nicht nur die Zahl der Ausbildungspl\u00e4tze reduziert, sondern auch die Bandbreite. Ein Beispiel: Das Universit\u00e4tsklinikum Aachen bildete in den 90er Jahren neben den medizinischen Berufen auch zahlreiche andere Berufe aus, um den eigenen Bedarf zu decken: KlimaanlagentechnikerInnen, B\u00fcrokaufleute, medizinische FotografInnen, ElektrikerInnen, ArzthelferInnen und noch viele mehr. Heute ist die Ausbildung dort auf sechs medizinische Berufe reduziert.<\/p>\n<p>Das alles ist vor allem ein Ausdruck davon, wie stark die \u00f6ffentliche Daseinsvorsorge in den letzten drei\u00dfig Jahren durch eine Politik von Stellenabbau und Sozialk\u00fcrzungen zerst\u00f6rt wurde. Gleichzeitig wird damit deutlich, dass die Probleme bei der Personalgewinnung eine Folge dieser Politik sind.<\/p>\n<h4>Arbeitskr\u00e4fte aus dem Ausland holen?<\/h4>\n<p>Die Antwort auf den Personalmangel hier soll ein angeblicher Arbeitskr\u00e4fte\u00fcberschuss in anderen L\u00e4ndern sein. So plant die Bundesregierung tausende Pflegekr\u00e4fte aus Albanien, dem Kosova und anderen L\u00e4ndern abzuwerben.<\/p>\n<p>Schon jetzt arbeiten rund 317.000 nicht-deutsche Pflegekr\u00e4fte hier. Die gr\u00f6\u00dfte Gruppe kommt aus Polen (rund 70.000). Weitere gr\u00f6\u00dfere Zuwanderergruppen, die als Pflegekr\u00e4fte t\u00e4tig sind, kommen aus der Russischen F\u00f6deration (32.000), aus Kasachstan (31.000), aus Rum\u00e4nien (19.000), aus der T\u00fcrkei (13.000) sowie aus Bosnien und Herzegowina (12.000).<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch in anderen L\u00e4ndern hoch qualifizierte Besch\u00e4ftigte. Doch die Probleme hier sollten nicht dadurch gel\u00f6st werden, dass anderswo die Probleme versch\u00e4rft werden. Denn zum Beispiel Pflegekr\u00e4fte werden auch in diesen L\u00e4ndern dringend ben\u00f6tigt. Ein Beispiel aus dem Tagesspiegel: \u201cDer Tod der zweieinhalbj\u00e4hrigen Dominika aus Skiernewicy r\u00fcttelte vor einem Monat ganz Polen auf. Zwei Mal verweigerte der v\u00f6llig \u00fcberlastete Notarzt einen Hausbesuch. Als das Kind nach siebenst\u00fcndiger Wartezeit endlich ins Krankenhaus kam, war es bereits zu sp\u00e4t. Der Mangel an medizinischem Personal in Polen nimmt immer dramatischere Z\u00fcge an. Eine Kontrolle der Nacht- und Sonntagspraxen ergab [&#8230;], dass etwa ein Drittel der Praxen unter gravierendem Personalmangel leiden. Dabei fehlten in 33 Prozent der F\u00e4lle \u00c4rzte und in 28,5 Prozent der F\u00e4lle Krankenschwestern. In jeder zwanzigsten Praxis arbeiteten Kranken- und Laborschwestern, die gleichzeitig in einer weiteren Notpraxis Schicht leisteten. Nicht zum ersten Mal schlagen Mediziner deshalb Alarm: Polen hat halb so viele Einwohner wie Deutschland, aber nur ein Viertel so viele \u00c4rzte. Jeder f\u00fcnfte polnische Arzt ist zudem \u00e4lter als 70. Sie k\u00f6nnen nicht in Rente gehen, denn ihre jungen Kollegen wandern lieber aus \u2013 nach Gro\u00dfbritannien und auch nach Deutschland. Der gr\u00f6\u00dfte Mangel herrscht an An\u00e4sthesiologen, Chirurgen und Radiologen. Aber auch Rettungs\u00e4rzte, medizinisches Krankenwagenpersonal und einfache Krankenschwestern fehlen.\u201d<\/p>\n<p>Es ist nicht zu verurteilen, dass Pflegekr\u00e4fte aus Polen nach Deutschland kommen, k\u00f6nnen sie hier doch mehr Geld verdienen als zu Hause.<\/p>\n<p>Aber dieser \u201cBraindrain\u201d, der neben den L\u00e4ndern der neokolonialen Welt auch L\u00e4nder wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien betrifft, ist auch eine Folge der imperialistischen Welthandelsbeziehungen und der Austerit\u00e4tspolitik der Europ\u00e4ischen Union. Diesen L\u00e4ndern wurden massive Privatisierungsprogramme, Lohn- und Sozialk\u00fcrzungen diktiert. Auswanderung ist hier oft noch die einzige Chance, die Familie zu ern\u00e4hren.<\/p>\n<p>Wir setzen uns f\u00fcr ein Ende der Ausbeutung durch EU und imperialistische Politik in der neokolonialen Welt, S\u00fcd- und Osteuropa ein. Wir fordern ein Ende aller Auslandseins\u00e4tze westlicher Armeen und ein Verbot aller R\u00fcstungsexporte. Das w\u00fcrde die Lage in diesen L\u00e4ndern mittel- und langfristig verbessern.<\/p>\n<p>Wir sind aber gleichzeitig nicht dagegen, dass Menschen jede Chance auf ein besseres Leben nutzen wollen. F\u00fcr das Kapital ist Freiz\u00fcgigkeit normal. Wer reich ist kennt keine Grenzen, die er oder sie nicht passieren kann. Doch Menschen aus der Arbeiterklasse werden durch rassistische Gesetze und Visa gehindert.<\/p>\n<p>Aber einige grunds\u00e4tzliche Bedingungen m\u00fcssen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte in Deutschland gelten: Gleicher Lohn, gleiche Arbeitsbedingungen, Volle Anerkennung von Berufsabschl\u00fcssen, gleiche demokratische und soziale Rechte. Kein Ausschluss vom Kindergeld oder anderen Sozialleistungen. Dann k\u00f6nnten sie auch nicht als Lohndr\u00fcckerInnen durch die Kapitalisten missbraucht werden.<\/p>\n<p>Auch wenn wir uns f\u00fcr das Recht von MigrantInnen einsetzen, hier zu arbeiten, lehnen wir die massive Abwerbung von Arbeitskr\u00e4ften ab. Probleme, die hausgemacht sind, m\u00fcssen auch hier gel\u00f6st werden.<\/p>\n<h4>Personalgewinnung im \u00f6ffentlichen Dienst<\/h4>\n<p>Immer wieder hei\u00dft es: \u201cWir w\u00fcrden ja gerne mehr Personal einstellen, k\u00f6nnen es aber nicht, weil es keine Fachkr\u00e4fte auf dem Arbeitsmarkt gibt.\u201d Es stimmt, dass sich im l\u00e4ngerfristigen Trend ein deutlicher R\u00fcckgang der Arbeitslosigkeit von Pflegekr\u00e4ften zeigt. Insbesondere bei den examinierten Altenpflegekr\u00e4ften hat sich ihre Zahl zwischen 2008 und 2011 etwa halbiert (Arbeitsagentur, Blickpunkt Arbeitsmarkt, Mai 2018). Doch knapp vier von f\u00fcnf arbeitslosen Altenpflegekr\u00e4ften suchen eine Vollzeitstelle. Demgegen\u00fcber ist nur jede f\u00fcnfte gemeldete Arbeitsstelle als reine Vollzeitstelle ausgeschrieben (ebenda). Eine Umwandlung von Teil- in Vollzeitstellen w\u00fcrde also die Versorgungslage schon verbessern.<\/p>\n<p>Auch die Arbeitsbedingungen in den Krankenh\u00e4usern sind katastrophal. W\u00e4hrend die Zahl der PatientInnen in Krankenh\u00e4usern von 2003 bis 2011 von 17,3 Millionen auf 18,34 Millionen stieg, sank die Zahl der Pflege\u00adkr\u00e4fte im gleichen Zeit\u00adraum von 320.158 auf 310.817 (Statistisches Bundesamt). Mit einem durch\u00adschnittlichen Personal\u00adschl\u00fcssel von 10,3:1 teilt sich Deutschland im EU-Vergleich zusammen mit Spanien den letzten Platz, weit hinter den Spitzen\u00adreitern Norwegen (3,8:1), Niederlande (4,9:1), Schweiz (5,5). (Internationale Pflegestudie RN4Cast). So verwundert es nicht, dass die Verweil\u00addauer im Beruf in der Alten\u00adpflege mit 8,4 Jahren und in der Kranken\u00adpflege mit 7,5 Jahren \u00e4u\u00dferst niedrig liegt (DBfK).<\/p>\n<p>Mehr Personal f\u00fcr Krankenh\u00e4user kann aber gewonnen werden, wenn die Arbeitsbedingungen deutlich verbessert und die L\u00f6hne massiv angehoben werden. Dazu m\u00fcssen verbindliche Personalbemessungsstandards geh\u00f6ren, die nicht unterschritten werden d\u00fcrfen, die Arbeitszeiten m\u00fcssen drastisch verk\u00fcrzt werden und ein volles R\u00fcckkehrrecht nach Elternzeit geschaffen werden. Dies alles gilt auch f\u00fcr alle anderen Berufe der \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung plant Pr\u00e4mien f\u00fcr WiedereinsteigerInnen in der Pflege. Damit lie\u00dfe sich ein gro\u00dfes Potential an Pflegekr\u00e4ften erschlie\u00dfen, aber eine einmalige Pr\u00e4mie wird die Situation nicht grundlegend \u00e4ndern, wenn sich die Grundbedingungen nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<h4>Ausbildung massiv erh\u00f6hen<\/h4>\n<p>Auch wenn es immer wieder hei\u00dft, dass der Arbeitsmarkt leergefegt sei, so ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland weiterhin zu hoch. Allein die offizielle Arbeitslosigkeit im Juli 2018 betrug 2.324.746 Menschen. Doch die tats\u00e4chliche Arbeitslosigkeit im Juli 2018 betrug 3.234.871 Menschen, weil viele Arbeitslose in der Statistik nicht gez\u00e4hlt werden (DIE LINKE). Diese Menschen sollten nicht mit sinnlosen Ma\u00dfnahmen besch\u00e4ftigt werden, sondern die M\u00f6glichkeit erhalten, richtige Berufe zu erlernen, die eine Perspektive auf eine tarifliche Bezahlung im \u00f6ffentlichen Dienst erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Dazu muss die Zahl der Ausbildungspl\u00e4tze im \u00f6ffentlichen Dienst deutlich erh\u00f6ht werden. Wir fordern eine Ausbildungsquote von zehn Prozent (derzeit sind es 3,8 Prozent, Bundesinstitut f\u00fcr Berufsbildung). Es braucht eine vollumfassende Ausbildung f\u00fcr alle Bereiche des \u00f6ffentlichen Dienst. Outsourcing und Privatisierung m\u00fcssen r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden.<\/p>\n<h4>B\u00fcrokratieabbau<\/h4>\n<p>Aber auch eine Demokratisierung des \u00f6ffentlichen Dienstes w\u00fcrde viele Probleme l\u00f6sen. \u00dcberall gibt es Vorgesetzte, die kontrollieren und schikanieren. Viele Entscheidungen dauern viel zu lang. Das ist frustrierend f\u00fcr Besch\u00e4ftigte und NutzerInnen. Eine Menge Arbeitskraft wird daf\u00fcr verschwendet, dass normale Menschen mehr f\u00fcr \u00f6ffentliche Dienstleistungen zahlen und Reiche weniger Steuern.<\/p>\n<p>Gleichzeitig w\u00fcrde die Abschaffung der Fallpauschalen in den Krankenh\u00e4usern eine Menge Arbeit einsparen. So schreibt selbst das Bundesgesundheitsministerium: \u201cSchon lange wird der hohe b\u00fcrokratische Aufwand im Pflegealltag beklagt. [..] Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes wenden Pflegekr\u00e4fte rund 13 Prozent ihrer Arbeitszeit f\u00fcr die Pflegedokumentation auf. Dadurch entstehen pro Jahr Kosten in H\u00f6he von ca. 2,7 Milliarden Euro.\u201d<\/p>\n<p>Aber auch eine Vereinfachung des Steuerrechts mit klarem Fokus auf die Besteuerung gro\u00dfer Einkommen und Verm\u00f6gen, Nulltarif im Nahverkehr, Einf\u00fchrung einer Mindestsicherung statt schikan\u00f6sem Hartz IV, eine R\u00fccknahme von Privatisierungen sind Beispiele, die eine Menge Arbeitskraft f\u00fcr sinnvolle T\u00e4tigkeiten freisetzen w\u00fcrden.<\/p>\n<h4>Investitionsprogramm<\/h4>\n<p>Menschliche Arbeitskraft ist ein kostbares Gut, sie sollte nicht mit unn\u00fctzen T\u00e4tigkeiten verschwendet werden. Doch die K\u00fcrzungspolitik der letzten drei\u00dfig Jahre im \u00f6ffentlichen Sektor hat Spuren hinterlassen. Neue Technik, die die Arbeit erleichtern k\u00f6nnte, wird kaum eingesetzt. Vielerorts m\u00fcssen sich Besch\u00e4ftigte im Gegenteil sogar noch mit v\u00f6llig veralteter Technik rumschlagen. Noch immer ist es in Deutschland notwendig f\u00fcr die Anmeldung eines Kraftfahrzeugs oder nach einem Umzug pers\u00f6nlich zu erscheinen. Erst seit diesem Jahr k\u00f6nnen Steuererkl\u00e4rungen vollumf\u00e4nglich elektronisch abgegeben werden, wobei sie dann immer wieder in den \u00c4mtern ausgedruckt werden und dann als Papierakte zwischen den Abteilungen wechseln. So schreibt die Hertie School of Governance, 2017 in einer Studie zum E-Government: \u201cDie meisten Anwendungen im E-Government wurden bisher nur von einer Minderheit umgesetzt. Hierzu z\u00e4hlen beispielsweise die elektronische Akte (22,9 Prozent), eine elektronische Bezahlfunktion (23,3 Prozent) und die digitalisierte Personalverwaltung (nur 19,6 Prozent).\u201d<\/p>\n<p>Ein massives Investitionsprogramm zur Verbesserung der Ausstattung im \u00f6ffentlichen Dienst ist ein ebenso notwendiger Schritt, die Arbeitsbedingungen zu verbessern.<\/p>\n<h4>Planung<\/h4>\n<p>Das kapitalistische Chaos ist mitverantwortlich f\u00fcr den Personalmangel. Der Personalmangel in Berliner Grundschulen war zum Beispiel lange absehbar. JedeR wei\u00df, dass ein Kind in Deutschland rund sechs Jahre nach der Geburt in die Grundschule kommt. Nach zehn (in manchen Bundesl\u00e4ndern zw\u00f6lf Jahren) auf die weiterf\u00fchrende Schule wechselt, nach zirka 17 Jahren auf die Uni will oder einen Ausbildungsplatz sucht. Mit steigenden Geburtenzahlen war also schon fr\u00fchzeitig absehbar, dass es zu Personalmangel kommen w\u00fcrde. Es w\u00e4re noch genug Zeit gewesen, LehrerInnen und ErzieherInnen auszubilden. Doch stattdessen wurden in Berlin flei\u00dfig Schulgeb\u00e4ude privatisiert, die heute fehlen.<\/p>\n<p>Im Kapitalismus ist das unvermeidbar. Nur eine demokratische Planung entlang der Bed\u00fcrfnisse der Menschen h\u00e4tte das verhindern k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Geld ist genug da<\/h4>\n<p>In den ersten sechs Monaten 2018 haben die \u00f6ffentlichen Haushalte einen \u00dcberschuss von rund f\u00fcnfzig Milliarden Euro erzielt, so viel wie nie zuvor. Seit 2014 sind die \u00f6ffentlichen Haushalte im schwarzen Zahlen. Und das, obwohl die Reichen in diesem Land kaum zu Kasse gebeten werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist Deutschland ein reiches Land. Aber der Reichtum ist h\u00f6chst ungleich verteilt: 25 Prozent des Verm\u00f6gens in Deutschland sind im Besitz von nur 0,02 Prozent der Bev\u00f6lkerung! Eine Verm\u00f6genssteuer f\u00fcr Million\u00e4re von zehn Prozent br\u00e4chte j\u00e4hrlich 200 Milliarden Euro ein.<\/p>\n<p>Das ist sehr viel Geld, was in die Bereiche Bildung, Gesundheit, Soziales flie\u00dfen, also auch f\u00fcr bessere Bezahlung und mehr Personal verwendet werden k\u00f6nnte. Es geht also nicht darum, ob Geld vorhanden ist, sondern wer wieviel an Steuern bezahlt und wof\u00fcr diese ausgegeben werden und darum, ob diese Bereiche in \u00f6ffentlicher oder privater Hand sind.<\/p>\n<p>Holger Dr\u00f6ge ist Mitglied der SAV-Bundesleitung und lebt in Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitsbedingungen und Bezahlung m\u00fcssen verbessert werden<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":36883,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,14],"tags":[990,1110,1173,1431,1241],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36882"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36882"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36882\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36885,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36882\/revisions\/36885"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36883"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}