{"id":36569,"date":"2018-09-07T13:20:59","date_gmt":"2018-09-07T11:20:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36569"},"modified":"2018-09-06T13:30:42","modified_gmt":"2018-09-06T11:30:42","slug":"filmtipp-gundermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/09\/filmtipp-gundermann\/","title":{"rendered":"Filmtipp: \u201eGundermann\u201c"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gundermann_stills_03-e1536233403397.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-36573\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gundermann_stills_03-e1536233403397-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gundermann_stills_03-e1536233403397-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gundermann_stills_03-e1536233403397-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gundermann_stills_03-e1536233403397-768x474.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gundermann_stills_03-e1536233403397-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gundermann_stills_03-e1536233403397-600x371.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gundermann_stills_03-e1536233403397-534x330.jpg 534w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Eine andere Geschichte der DDR<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Seit fast drei\u00dfig Jahren ist die DDR nun schon Geschichte. Warum dar\u00fcber noch einen Film machen? Weil es so viel zu erz\u00e4hlen gibt. Weil es so vieles gibt, was anders erz\u00e4hlt werden muss, als uns immer wieder von den Medien und b\u00fcrgerlichen Parteien eingetrichtert wird. Weil es letztlich gilt zu verstehen, was die DDR war und was sie nicht war. Um zu lernen, wie eine Alternative zum real existierenden Kapitalismus aussehen kann.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Von Torsten Sting, Rostock<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Eines vorneweg. Es ist ein wunderbarer Film! Du sitzt kaum auf deinem Platz und schon packt dich der Streifen. Und er endet mit dem Abspann, bei dem kein Zuschauer auf den Gedanken kommt, fr\u00fchzeitig zu gehen. Alle bleiben sitzen und es brandet zum Schluss Applaus auf.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Hauptfigur<\/h4>\n<p align=\"LEFT\">Der Film spielt in der DDR der 1970er und 80er Jahre. Die Perspektive wechselt mit den Jahren nach der Wende. Der Film behandelt eine reale Figur, die in der DDR und einige Jahre nach der Wende zu Ber\u00fchmtheit gelangte.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Hauptfigur ist der Baggerfahrer Gerhard Gundermann, der von seinen FreundInnen nur \u201eGundi\u201c genannt wird. Er arbeitet im Braunkohletagebau im Drei-Schicht-Betrieb. Nebenbei macht er Musik und textet selber die Songs. Gundi ist ein Typ mit Ecken und Kanten, mit viel Herz und Leidenschaft. Ein Malocher, der sagt was er denkt, der mit den M\u00e4chtigen aneckt. Jemand der beharrlich um seine gro\u00dfe Liebe k\u00e4mpft.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Politischer Background<\/h4>\n<p align=\"LEFT\">Gundermann sieht sich selber als Kommunist. Anders als die verkn\u00f6cherten SED-Funktion\u00e4re nimmt er die Ideen von Marx ernst. Er k\u00e4mpft um seine Aufnahme in die Partei. Der Zuschauer ahnt, dass es nicht gut ausgehen kann. Zu aufrichtig, zu aufm\u00fcpfig ist er f\u00fcr die SED, zu deutlich spricht der einfache Arbeiter die Widerspr\u00fcche an.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Als ein hoher Funktion\u00e4r den Tagebau besucht um sch\u00f6ne Bilder f\u00fcr die Zeitungen und das Fernsehen produzieren zu lassen, h\u00e4lt sich Gundi nicht ans Protokoll und fragt geradeheraus: \u201eWarum fahrt ihr in Westautos?\u201c Er kritisiert den Abbau der Braunkohle und den damit verbundenen Raubbau an der Natur. Die Reaktion der Funktion\u00e4re ist arrogant und bringt ihn auf die Palme. Einen der ihren boxt er zu Boden und er wird aus der Partei ausgeschlossen. Doch dies geschieht nicht kampflos. Er weigert sich das Parteibuch abzugeben und seinen Ideen abzuschw\u00f6ren. Die DDR ist \u201esein Land\u201c und er will es nicht den Parteib\u00fcrokraten \u00fcberlassen. Daf\u00fcr geht er auch einen Pakt mit dem Teufel ein.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Stasi<\/h4>\n<p align=\"LEFT\">Die Identifikation mit dem Rebellen bekommt Risse, als die ZuschauerInnen erfahren, dass er auch Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi war. Wie kann das sein? Warum l\u00e4sst er sich mit der dunklen Seite der Macht ein? Verr\u00e4t er damit nicht seine Ideale?<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Das Tolle an dem Film ist, dass er plastisch darlegt, dass die Frage der Stasizutr\u00e4ger h\u00e4ufig genug nicht mit einem einfachen schwarz oder wei\u00df zu beantworten ist. Jeder Fall war anders und muss in seiner eigenen Komplexit\u00e4t betrachtet werden. Die Gleichung, IM=Verbrecher ist denkbar einfach. Zu einfach.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Gundermann spitzelte anfangs aus \u00dcberzeugung, so wollte er unter anderem Leute daran hindern, die DDR zu verlassen, weil diese dem Land beim Aufbau fehlen w\u00fcrden. Das geht aber weiter, in dem er Berichte \u00fcber KollegInnen und FreundInnen verfasst. (Die Darstellung im Film weicht allerdings etwas vom realen Fall ab. In einem Beitrag des MDR hei\u00dft es, dass Gundermann, die Stasi benutzen wollte um gegen unliebsame Parteifunktion\u00e4re vorgehen zu k\u00f6nnen). Wie absurd die Stasi das Spitzelwesen auf die Spitze trieb, sieht man daran, dass auch Gundermann von einem Freund \u00fcberwacht wurde und dieser den Auftrag erhielt, seine Beziehung zu zerst\u00f6ren. Nach etwa acht Jahren beendete Gundermann die Zusammenarbeit mit der Stasi. Nach der Wende ist er erschrocken \u00fcber sich selbst, wie weit er gegangen ist und wie vieles er verdr\u00e4ngt hat. Die schwierige Phase der Selbstreflexion und der Versuch mit den Denunzierten ins Gespr\u00e4ch zu kommen, beginnt. Der Film endet mit einem Konzert. Zu dessen Anfang outet er sich als Stasi-IM.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Was bleibt<\/h4>\n<p align=\"LEFT\">Gerade Menschen, die nicht in der DDR gelebt haben, sollten sich den Streifen anschauen. Das wird den Blick weiten. Der Film gibt ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, was die DDR war und daf\u00fcr, was es bedeutet, wenn wir auf dieser Webseite immer wieder von \u201eStalinismus\u201c oder \u201eb\u00fcrokratischer Diktatur\u201c im Zusammenhang mit der DDR oder der Sowjetunion schreiben. Gerhard Gundermann war im Film als auch in der Realit\u00e4t eine besondere Pers\u00f6nlichkeit. Der Film wird durchzogen von dessen besonderer Musik, den Texten die ans Herz gehen. Die Liebe seines Lebens findet er, nach einigen Irrungen und Wirrungen. Gundermann starb fr\u00fch, mit nur 43 Jahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine andere Geschichte der DDR<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":36573,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,68],"tags":[1371,1370],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36569"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36569"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36569\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36574,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36569\/revisions\/36574"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36573"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}