{"id":36405,"date":"2018-07-10T12:52:13","date_gmt":"2018-07-10T10:52:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36405"},"modified":"2018-07-09T12:58:42","modified_gmt":"2018-07-09T10:58:42","slug":"weltbeziehungen-offene-spaltung-bei-g7-gipfel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/07\/weltbeziehungen-offene-spaltung-bei-g7-gipfel\/","title":{"rendered":"Weltbeziehungen: Offene Spaltung bei G7-Gipfel"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_36406\" aria-describedby=\"caption-attachment-36406\" style=\"width: 259px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1024px-Donald_Trump_with_G7_2018_sign.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-36406\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1024px-Donald_Trump_with_G7_2018_sign-259x173.jpg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1024px-Donald_Trump_with_G7_2018_sign-259x173.jpg 259w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1024px-Donald_Trump_with_G7_2018_sign-768x512.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1024px-Donald_Trump_with_G7_2018_sign-520x347.jpg 520w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1024px-Donald_Trump_with_G7_2018_sign-600x400.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1024px-Donald_Trump_with_G7_2018_sign.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-36406\" class=\"wp-caption-text\">By The White House (official Flickr account) (Flickr) [Public domain], via Wikimedia Commons<\/figcaption><\/figure><strong>G7 scheitern, Strafz\u00f6lle spiegeln kapitalistisches Chaos wider<\/strong><\/p>\n<p>Trumps Euphorie nach seinem Treffen mit Kim Jong-un in Singapur steht in gro\u00dfem Kontrast zur niedergeschlagenen Stimmung der meisten Staatschefs, die kurz zuvor mit ihm beim G7-Gipfel in Kanada waren.<\/p>\n<p><em>von Robert Bechert, Internationales Sekretariat des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale (KAI\/CWI)<\/em><\/p>\n<p>Dieser G7-Gipfel markiert einen Tiefpunkt, da er nicht \u00fcber die immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Differenzen zwischen den etablierten kapitalistischen M\u00e4chten hinwegt\u00e4uschen kann, die seit Beginn dieser Gipfeltreffen nie so gro\u00df waren, wie heute. Zu den Schl\u00fcsselfragen, mit denen die Welt heute konfrontiert ist, hatte diese Ansammlung der m\u00e4chtigsten kapitalistischen F\u00fchrer nichts zu sagen. Der Niedergang der G7 wurde deutlich symbolisiert, als Trump die Unterst\u00fctzung der USA f\u00fcr die Abschlusserkl\u00e4rung direkt wieder zur\u00fcckzog. Diesem gro\u00dfspurigen Beispiel f\u00fcr Trumps \u201eAmerica first\u201c-Politik folgte etwas noch bedeutsameres: die Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Z\u00f6lle auf eine Reihe von chinesischen Exporten in die Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p>Nachdem bereits Sonderz\u00f6lle auf Stahl- und Aluminiumimporte in die USA eingef\u00fchrt wurden, haben diese Schritte unter den Gegnern Trumps, darunter auch wichtigen Teilen des US-Business, die Angst vor einem Handelskrieg oder zumindest einer Bremsung der Weltwirtschaft ausgel\u00f6st. All diese Schritte und andere Entwicklungen, wie das vermehrte Eingreifen Russlands im Nahen Osten und anderswo, er\u00f6ffnen eine neue Phase der internationalen Beziehungen.<\/p>\n<p>Die Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen einzelnen F\u00fchrungsfiguren sind nicht nur das Ergebnis von Trumps Dreistigkeit, Ego, \u201ealternativen Fakten\u201c und pl\u00f6tzlichen politischen Kurswechseln \u2013 vielmehr sind sie der Ausdruck der politischen und wirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen auf der Welt, wo Rivalit\u00e4ten und Instabilit\u00e4t ansteigen, da die Weltwirtschaft immer noch nicht die Wirkungen der Krise seit 2007\/08 \u00fcberwunden hat.<\/p>\n<p>Eine zentrale Entwicklung war der Aufstieg Chinas als neue kapitalistische Macht und die relative Schw\u00e4chung des US-Imperialismus. Diese Schw\u00e4chung ist ein Grund f\u00fcr Trumps Zollpolitik gegen\u00fcber China \u2013 wie jede f\u00fchrende Wirtschaftsmacht sind die USA aufgrund ihrer Dominanz \u00fcber den Weltmarkt in der vergangenen Epoche noch f\u00fcr Freihandel eingetreten (so wie Gro\u00dfbritannien im 19. Jahrhundert). Au\u00dferdem ist die internationale strategische Vorherrschaft, welche die USA nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlangt hatten, zum Ende gekommen. Doch trotz Chinas Aufstieg und seiner zunehmenden internationalen Bedeutung sind die Vereinigten Staaten heute nach wie vor die f\u00fchrende Wirtschafts- und Milit\u00e4rmacht der Welt.<\/p>\n<p>Diese unberechenbare Weltlage wird au\u00dferdem bestimmt durch eine Versch\u00e4rfung von Umweltthemen wie der Wasserversorgung und das rapide Bev\u00f6lkerungswachstum einiger L\u00e4nder, das ebenfalls zu Ver\u00e4nderungen der regionalen Kr\u00e4ftegleichgewichte beitr\u00e4gt, w\u00e4hrend sich immer dramatischer die Frage stellt, was die Zukunft f\u00fcr zig Millionen junger Menschen bringen wird.<\/p>\n<p>Vor allem f\u00fcr junge Menschen werfen die weitreichenden strukturellen Ver\u00e4nderungen der Volkswirtschaften und der Weltwirtschaft durch technologische Entwicklungen (Stichwort: Digitalisierung) die Frage nach dem Charakter der Arbeit der Zukunft auf. Eine Schl\u00fcsselfrage ist, wer von diesen Ver\u00e4nderungen profitiert: die Kapitalisten und eine kleine Elite oder die ganze Menschheit? Gegenw\u00e4rtig werden viele dieser Entwicklungen genutzt, um Profite in die H\u00f6he zu treiben und die Konkurrenz auf Kosten der ArbeiterInnen zu forcieren.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund gab es wieder ein Wachstum der Weltwirtschaft, allerdings geringer als vor der Krise von 2007\/08. Und ein Gro\u00dfteil dieses Wachstums basiert auf der Verschuldung, mit der versucht wurde, die Auswirkungen dieser Krise einzud\u00e4mmen. 2017 stieg die weltweite Verschuldung auf 237 Billionen US-Dollar an (das entspricht 30.000 Dollar f\u00fcr jeden Menschen auf der Welt), was \u00c4ngste vor einer neuen Finanzkrise befeuert.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist die Europ\u00e4ische Union mit eigenen Problemen konfrontiert: Spannungen zwischen den Mitgliedsstaaten, Auswirkungen des Brexit, Gefahr einer neuen Euro-W\u00e4hrungskrise, Umgang mit Migration und internationalem Bedeutungsverlust. Es war kein Zufall, dass die italienische Regierung die einzige war, die beim G7-Gipfel den Anschein erweckte, mit einigen Positionen Trumps zu sympathisieren.<\/p>\n<p>All das hat zu einem versch\u00e4rften Wettbewerb zwischen den rivalisierenden M\u00e4chten gef\u00fchrt, um ihren Anteil an einem nur langsam wachsenden und immer st\u00e4rker umk\u00e4mpften Markt zu erhalten oder auszudehnen. Trumps \u201eAmerica first\u201c ist ein grelles Beispiel daf\u00fcr \u2013 er dr\u00fcckt nur viel offener und gr\u00f6ber aus, was alle Kapitalisten anstreben. Die Trump-Administration schert sich nicht um die Instabilit\u00e4t, die ihre Aktionen hervorbringen \u2013 sie wollen damit ihre Rivalen aus dem Gleichgewicht bringen und den US-Imperialismus von einingen Einschr\u00e4nkungen befreien, welche die Zusammenarbeit mit anderen Kr\u00e4ften mit sich bringt. Die herrschende Klasse der USA ist l\u00e4ngst nicht die einzige, die ihre eigenen Interessen durchsetzt \u2013 Trump spricht dies nur viel unverbl\u00fcmter aus, als andere. Der deutsche Imperialismus ist derzeit etwas vorsichtiger in seinem Vorgehen, die EU zu steuern, obwohl er 2015 sehr brutal an die Unterwerfung Griechenlands ging.<\/p>\n<p>Gleichzeitig versucht Trump, sich die Unterst\u00fctzung seiner W\u00e4hlerbasis zu sichern. Die meisten seiner Tweets richten sich an sie und sind eine Mischung aus Prahlerei \u00fcber seine \u201eTaten\u201c, Nationalismus und populistischen Attacken gegen seine Gegner. Neben seinen Unterst\u00fctzern aus der extremen Rechten sind ein wichtiger Teil von Trumps Basis die Leute, deren Lebensstandards schon vor der Krise fielen und die sich von einem elit\u00e4ren Establishment im Stich gelassen f\u00fchlen. Darum Trumps Versprechen, \u201eAmerika wieder gro\u00df zu machen\u201c und hochwertige Arbeitspl\u00e4tze wiederzubringen sowie seine heuchlerischen Angriffe gegen seine Kumpanen aus der herrschenden Klasse, die es wagen, sich ihm entgegen zu stellen.<\/p>\n<p>Aber in vielerlei Hinsicht ist die Situation in den USA nicht einzigartig. Auf dem ganzen Globus untergraben Wut und Entfremdung die bestehenden Institutionen und Strukturen einschlie\u00dflich der Parlamente und politischen Parteien. Schon vor der Krise von 2007\/08 haben in vielen L\u00e4ndern Jahre der neoliberalen Angriffe und R\u00fcckschl\u00e4ge f\u00fcr die Arbeiterbewegungen zu einer wachsenden Ungleichverteilung des gesellschaftlichen Reichtums und zur Zerst\u00f6rung der Lebensstandards sowohl der Arbeiterklasse als auch von Teilen der Mittelschichten gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Seitdem gab es weitere tiefe Einschnitte der Lebensstandards, \u201eatypische Besch\u00e4ftigung\u201c (befristete Arbeitsvertr\u00e4ge, Prekarisierung, staatliche Niedriglohnpolitik usw.) wurde ausgeweitet und immer gr\u00f6\u00dfere Teile der Bev\u00f6lkerung haben die Hoffnung auf k\u00fcnftigen Wohlstand verloren. Immer mehr Menschen haben die Sorge, dass ihre Kinder und Enkelkinder noch niedrigere Lebensstandards und schlechtere Zukunftsperspektiven haben werden. Zus\u00e4tzlich haben viele den Eindruck, den Preis f\u00fcr eine Krise zu bezahlen, f\u00fcr die die Herrschenden ganz offensichtlich nicht den arbeitenden Massen die Schuld zuschieben k\u00f6nnen. Der Umstand, dass die Banken, die f\u00fcr alle sichtbar die Krise von 2007\/08 verursacht haben, wieder riesige Profite machen, wird diese Verbitterung weiter bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Eine weitere Quelle der Verbitterung ist, dass das (sehr begrenzte) Wirtschaftswachstum der letzten Zeit in den meisten L\u00e4ndern nicht zu wirklichen Verbesserungen der Einkommen und Lebensbedingungen der Arbeiterklasse und Mittelschichten gef\u00fchrt hat. Deutschland, die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft Europas, hat derzeit die h\u00f6chste Besch\u00e4ftigungszahl seiner Geschichte, aber die Gewerkschaften sch\u00e4tzen, dass 20 Prozent der Besch\u00e4ftigten im Niedriglohnsektor arbeiten.<\/p>\n<p>In dieser Zeit setzt sich auch die Polarisierung des gesellschaftlichen Reichtums fort. Die Politik der \u201equantitativen Lockerung\u201c, mit der viele Regierungen versuchten, die Auswirkungen der Krise abzufedern, hat tats\u00e4chlich zu einer weiteren Bereicherung der herrschenden Klasse gef\u00fchrt. In Gro\u00dfbritannien haben nach Sch\u00e4tzungen der Bank of England durch die Politik der quantitativen Lockerung die reichsten zehn Prozent der Familien zwischen 2009 und 2014 durchschnittlich 350.000 Pfund, also ein zus\u00e4tzliches Wocheneinkommen von etwa 1.350 Pfund, erhalten \u2013 seitdem d\u00fcrfte es noch mehr geworden sein.<\/p>\n<p>Seit Ausbruch der Krise kam es in einer Reihe von L\u00e4ndern zu Protesten in Form von Arbeitsk\u00e4mpfen, Massendemonstrationen oder der Entstehung neuer politischer Bewegungen. Bislang haben diese Entwicklungen noch nicht zu drastischen Ver\u00e4nderungen gef\u00fchrt. Das liegt vor allem daran, dass es der F\u00fchrung dieser Bewegungen an einem politischen Programm beziehungsweise dem Willen fehlt, das kapitalistische System herauszufordern. Dieser Mangel, der am deutlichsten am Verrat der Syriza-F\u00fchrung in Griechenland zu sehen ist, die seit 2015 Austerit\u00e4tspolitik durchf\u00fchrt, hat h\u00e4ufig den Weg f\u00fcr das Wachstum rechtspopulistischer und rechtsradikaler Parteien geebnet. Diese Kr\u00e4fte haben oft tats\u00e4chliche Fragen und \u00c4ngste aufgegriffen, aber mit ihrer reaktion\u00e4ren, nationalistischen Propaganda die falschen Antworten gegeben.<\/p>\n<p>Trumps Wahlsieg wurzelte zum Teil in der Entt\u00e4uschung dar\u00fcber, dass Obamas Versprechen von \u201eHoffnung\u201c f\u00fcr viele AmerikanerInnen keine Wirklichkeit wurden, sowie in der konzernfreundlichen Verderbtheit von Clintons Wahlkampagne. Obschon Trump zumindest eine Fraktion der herrschenden Klasse der USA repr\u00e4sentiert, zeigen seine \u00dcbernahme der Republikanischen Partei und seine Pr\u00e4sidentschaft, dass viele nationale herrschende Klassen zumindest zeitweise die Kontrolle \u00fcber das politische Geschehen in ihren Staaten verloren haben. Auch in der Vergangenheit waren kapitalistische Regierungen und Staatsapparate nicht nur einfache Marionetten der herrschenden Klassen, haben aber im Allgemeinen ihre breiteren Interessen repr\u00e4sentiert \u2013 das ist bei den derzeitigen Regierungen der USA, Gro\u00dfbritanniens und jetzt auch Italiens nicht mehr der Fall.<\/p>\n<p>Aber die Ereignisse entwickeln sich nicht geradlinig. Trumps Wahlsieg hat die Opposition innerhalb der USA angestachelt \u2013 es sollte nicht vergessen werden, dass er 2016 den \u201epopular vote\u201c (landesweiter Stimmenanteil bei den US-Pr\u00e4sidentschaftswahlen, der aufgrund des Wahlm\u00e4nnersystems nicht wahlentscheidend ist; Anm. d. \u00dc.) verloren hatte und offenbar zuk\u00fcnftige Wahlniederlagen bef\u00fcrchtet. Er versucht verzweifelt, seine Basis zusammen zu halten, indem er sich als \u201eAu\u00dfenseiter\u201c darstellt und all seine Fehler auf andere schiebt.<\/p>\n<p>Trumps plumpe Taktik in der Innen- und Au\u00dfenpolitik, die h\u00e4ufig auf dem Prinzip \u201eteile und herrsche\u201c basiert, kann wiederum Aufruhr und pl\u00f6tzliche Ver\u00e4nderungen provozieren.<\/p>\n<p>Trotz seines internationalen und globalisierten Charakters basiert der Kapitalismus im Grunde auf dem Nationalstaat, was Rivalit\u00e4ten und Zusammenst\u00f6\u00dfe hervorruft und die Quelle stetiger Konflikte und Kriege ist. Dies war auch vor dem Zweiten Weltkrieg der Fall zwischen einstigen Verb\u00fcndeten. Erst 1939 beendete das US-Milit\u00e4r die Weiterentwicklung seines \u201eWar Plan Red\u201c, eines Plans f\u00fcr einen m\u00f6glichen milit\u00e4rischen Konflikt mit Gro\u00dfbritannien, der sogar dann noch f\u00fcr einige Jahre bereitgehalten wurde. Offenbar gibt es heute keine Perspektive f\u00fcr einen Krieg zwischen den USA und Gro\u00dfbritannien, aber die Geschichte spielt bis heute eine Rolle. So warf Trump im Rahmen seiner \u201eAmerica first\u201c-Propaganda Kanada vor, im Jahre 1814 Washington D.C. niedergebrannt zu haben, obwohl es damals um einen Angriff britischer Truppen (im Britisch-Amerikanischen Krieg; Anm. d. \u00dc.) ging.<\/p>\n<p>In den Jahrzehnten nach 1945 wurde der Kapitalismus weltweit durch den Stalinismus herausgefordert. Der Stalinismus war kein Sozialismus, sondern ein totalit\u00e4res Regime, das aus den konterrevolution\u00e4ren Entwicklungen im Russland der 1920er und 1930er Jahre hervorgegangen war. Aber immerhin blieb er f\u00fcr Jahrzehnte ein System, das nicht auf der kapitalistischen Wirtschaftsweise basierte. Einige Zeit, vor allem nach 1945, bef\u00fcrchteten die kapitalistischen M\u00e4chte, dass L\u00e4nder wie Russland und China als Beispiel daf\u00fcr gesehen werden k\u00f6nnten, dass eine Alternative zum Kapitalismus m\u00f6glich sei. Die Existenz nicht-kapitalistischer, wenn auch stalinistischer, L\u00e4nder war eine Art Kleber, der die gro\u00dfen kapitalistischen M\u00e4chte zusammen hielt und ihre Rivalit\u00e4ten und Konflikte im Gleichgewicht hielt. Aber nach dem Zusammenbruch des Stalinismus in der ehemaligen Sowjetunion und Teilen Europas, gefolgt von der Umformung Chinas in eine besondere Art des Staatskapitalismus, l\u00f6ste sich dieser Kleber auf. Das ist einer der Gr\u00fcnde, weshalb Trump und seine Leute die Zeit f\u00fcr reif halten, eine Gegenoffensive gegen die kapitalistischen Rivalen zu beginnen, die gerade auf Kosten der USA Profite machen.<\/p>\n<p>Aber nicht nur Trumps Politik f\u00fchrt zu Verwerfungen. Die Spannungen innerhalb der Europ\u00e4ischen Union eskalieren nicht nur an der Migrationsfrage, sondern auch wieder an der Zukunft der Eurozone, wobei es vor allem um den Umgang mit einer erneuten Bankenkrise geht, die allgemein als drohende Gefahr empfunden wird. Die EU k\u00f6nnte auch damit konfrontiert werden, dass sich L\u00e4nder wie Italien an Trump ann\u00e4hern, um sich besser gegen Deutschland und Frankreich durchsetzen zu k\u00f6nnen \u2013 das w\u00e4re ein Rezept f\u00fcr schwere Zusammenst\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Seit den 1930ern waren die internationalen kapitalistischen Trennlinien nicht mehr so offen sichtbar wie heute. W\u00e4hrend direkte milit\u00e4rische Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen den kapitalistischen Hauptm\u00e4chten zu diesem Zeitpunkt sehr unwahrscheinlich sind, kann die M\u00f6glichkeit regionaler Konflikte, Stellvertreterkriege und sp\u00e4ter sogar von Scharm\u00fctzeln zwischen US-amerikanischen und chinesischen Truppen nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich \u00fcberbieten sich alle Beteiligten an diesen Konflikten mit Heuchelei. Die pro-kapitalistischen Medien der L\u00e4nder, die von Trumps Ma\u00dfnahmen betroffen sind, haben ihn daf\u00fcr kritisiert, mit Kim Jong-un nicht \u00fcber Menschenrechte gesprochen zu haben \u2013 und gleichzeitig das Schweigen ihrer eigenen Regierungen gegen\u00fcber der Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien und anderen Golf-Diktaturen nicht erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Die Polarisierung innerhalb der USA zeigt, wie Trumps Politik, die Selbstbereicherung seiner Familie und sein pers\u00f6nliches Benehmen Widerstand provozieren. Gleichzeitig ermutigt die Kombination aus begrenztem Wachstum und sprunghaften Profitsteigerungen vieler US-Unternehmen immer mehr ArbeiterInnen, ihre eigenen Forderungen aufzustellen. Die Gewerkschaften in den USA wuchsen letztes Jahr um 262.000 Mitglieder an, von denen drei Viertel unter 34 Jahre alt sind. Dieses Jahr gab es eine Welle von Lehrerstreiks, oft von unten durch BasisaktivistInnen organisiert, bei denen mehr Ausgaben f\u00fcr Bildung sowie h\u00f6here L\u00f6hne und bessere Arbeitsbedingungen gefordert wurden.<\/p>\n<p>Sowohl in den USA als auch international bef\u00fcrchten viele, dass Trumps Politik trotz seines freundschaftlichen Treffens mit Kim Jong-un zu vermehrten milit\u00e4rischen Konflikten, vor allem im Nahen Osten, f\u00fchren k\u00f6nnte. Dies und seine reaktion\u00e4re Politik werden wichtige Faktoren f\u00fcr die Massenproteste sein, die Trumps Gro\u00dfbritannien-Besuch im Juli begleiten werden.<\/p>\n<p>In den USA selbst zeugt das steigende Interesse an Sozialismus von der Suche nach Wegen zu gesellschaftlichem Fortschritt. Viele Menschen, die nach einer Alternative suchen, verstehen, dass die Erfolge der Rechten \u2013 erst George W. Bush und jetzt Trump \u2013 das Ergebnis der weit verbreiteten Entt\u00e4uschung \u00fcber Bill Clintons und Obamas Pr\u00e4sidentschaften waren. Wie die Erfolge rechter Kr\u00e4fte in anderen L\u00e4ndern ist auch Trumps Wahlsieg mit der Unf\u00e4higkeit der traditionellen Republikaner und Hilary Clintons verbunden, Antworten gegen die Rechtspopulisten, Nationalisten und Rechtsradikalen anzubieten, welche Wut und \u00c4ngste der Bev\u00f6lkerung ausschlachteten.<\/p>\n<p>Darum ist der Aufbau einer sozialistischen Alternative zu den Turbulenzen und Ersch\u00fctterungen des Kapitalismus so notwendig. Es werden sich K\u00e4mpfe um so wichtige Themen wie Lebensstandards, Unterdr\u00fcckung, Umweltzerst\u00f6rung und demokratische Rechte sowie Proteste gegen die Politik der pro-kapitalistischen Politiker entz\u00fcnden. Die richtige Politik und Strategie wird notwendig sein, um diese K\u00e4mpfe zu gewinnen \u2013 aber um nachhaltigen Wandel zu erreichen, m\u00fcssen sie mit dem Aufbau bzw. Wiederaufbau einer sozialistischen Bewegung verbunden werden, die unabh\u00e4ngig von kapitalistischen Kr\u00e4ften ist und diesem System den Kampf ansagt. Daf\u00fcr braucht es die Perspektive, mit dem Kapitalismus zu brechen, die wirtschaftlichen Schl\u00fcsselressourcen in \u00f6ffentliches Eigentum zu \u00fcberf\u00fchren und damit zu beginnen, den Einsatz der menschlichen F\u00e4higkeiten und der Ressourcen unseres Planeten im Interesse der Menschheit \u2013 und nicht im Interesse des kapitalistischen Profits \u2013 demokratisch zu planen. Diese Ideen bringen die AktivistInnen von Socialist Alternative in die Bewegungen ein, die sich in den USA entwickeln, und ebenso k\u00e4mpfen daf\u00fcr AktivistInnen des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale (Committee for a Workers&#8216; International, CWI) auf der ganzen Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G7 scheitern, Strafz\u00f6lle spiegeln kapitalistisches Chaos wider<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":36406,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[121,127],"tags":[345,1331,1289,1245,297,1332,789,300],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36405"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36405"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36405\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36407,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36405\/revisions\/36407"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36406"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}