{"id":36395,"date":"2018-07-20T10:56:42","date_gmt":"2018-07-20T08:56:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36395"},"modified":"2018-07-05T11:02:32","modified_gmt":"2018-07-05T09:02:32","slug":"grossbritannien-streiks-trotz-anti-streik-gesetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/07\/grossbritannien-streiks-trotz-anti-streik-gesetzen\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfbritannien: Streiks trotz Anti-Streik-Gesetzen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/s12_williams-e1530781291133.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-36396\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/s12_williams-e1530781291133-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/s12_williams-e1530781291133-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/s12_williams-e1530781291133-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/s12_williams-e1530781291133.jpg 335w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Schwere Bedingungen f\u00fcr Gewerkschaften<\/strong><\/p>\n<p>Die Wahl des Socialist Party-Mitglieds Amy Murphy zur Pr\u00e4sidentin der Gewerkschaft der Einzelhandelsbesch\u00e4ftigten USDAW im Februar diesen Jahres hat viele in der britischen Gewerkschaftsbewegung \u00fcberrascht. Immerhin war die USDAW jahrzehntelang unter der Kontrolle des rechten Gewerkschafts-<br \/>\nfl\u00fcgels.<\/p>\n<p><em>Von Rob Williams, London<\/em><\/p>\n<p>Die USDAW-F\u00fchrung war ein Beispiel f\u00fcr die schlimmste Form der Sozialpartnerschaft mit den Bossen der gro\u00dfen Supermarktketten. Innerhalb des Gewerkschaftsdachverbands TUC agierte die USDAW-F\u00fchrung als Blockade gegen Versuche, verallgemeinerte Streikaktionen gegen K\u00fcrzungspolitik durchzusetzen. Nun fand im Juni der erste Streik der USDAW seit sieben Jahren statt &#8211; von ArbeiterInnen der Supermarktkette TESCO in London.<\/p>\n<p>Die Wahl von Amy Murphy ist ein kleiner Hinweis auf die unter der Oberfl\u00e4che existierende Unzufriedenheit in der Arbeiterklasse. Obwohl die Anzahl von Streiks weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau liegt, hat es in den letzten zwei Jahren einen kleinen, aber wichtigen Anstieg von Arbeiterprotesten gegeben. Trotzdem war die konservative Regierung in der Lage im letzten Jahr die ohnehin schon undemokratischen Anti-Gewerkschaftsgesetze weiter zu versch\u00e4rfen.<\/p>\n<h4>Neue Gesetze<\/h4>\n<p>Viele der rechten Gewerkschaftsf\u00fchrerInnen und auch einige auf der Linken haben die pessimistische Schlussfolgerung gezogen, dass die neu eingef\u00fchrten Regeln bei Urabstimmungen es verhindern werden, dass landesweite Streikabstimmungen gewonnen werden k\u00f6nnen. Die selben F\u00fchrerInnen haben aber praktisch nichts unternommen, um dieses neue Gesetz zu verhindern.<\/p>\n<p>Die Streiks, die stattgefunden haben, fanden vor allem auf betrieblicher und lokaler Ebene statt und hatten zum Ziel, den sinkenden Lebensstandard etwas entgegenzusetzen \u2013 das Durchschnittseinkommen britischer ArbeiterInnen ist im letzten Jahrzehnt um f\u00fcnfzehn Prozent gefallen.<\/p>\n<h4>Streiks bei der Bahn<\/h4>\n<p>Es gibt au\u00dferdem Aktionen der Eisenbahnergewerkschaften, vor allem der RMT, gegen den Abbau von Sicherheitspersonal, der zum Verlust tausender Arbeitspl\u00e4tze f\u00fchren k\u00f6nnte und einen Angriff auf eine der k\u00e4mpferischsten Gewerkschaften darstellt. Diese Auseinandersetzung l\u00e4uft schon \u00fcber zwei Jahre in f\u00fcnf verschiedenen Eisenbahngesellschaften.<\/p>\n<p>Und es gab erfolgreiche landesweite Urabstimmungen f\u00fcr Streiks. Die Besch\u00e4ftigten der Post (Royal Mail) waren die ersten, die die neuen H\u00fcrden schafften und die Zustimmung war so \u00fcberw\u00e4ltigend, dass die Arbeitgeber ein Angebot machen mussten, was eine Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit um zwei Stunden vorsah und von den KollegInnen angenommen wurde.<\/p>\n<p>Nach einem zweiw\u00f6chigen Streik haben Universit\u00e4tsdozentInnen es geschafft, ihre Rentenanspr\u00fcche gegen Angriffe der Arbeitgeber zu verteidigen. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung wollte die Gewerkschaftsf\u00fchrung einen Kompromiss abschlie\u00dfen, was zu einer Explosion des Unmuts unter den Mitgliedern f\u00fchrte. Hunderte versammelten sich vor dem Gewerkschaftssitz und gro\u00dfe Streikversammlungen lehnten das Angebot ab, was dazu f\u00fchrte, dass der Kampf fortgesetzt wurde und die Arbeitgeber letztlich nachgaben.<\/p>\n<p>Das neue Gesetz hat scheinbar die ungewollte Wirkung, dass Streiks mit einer h\u00f6heren Intensit\u00e4t gef\u00fchrt werden, weil die ArbeiterInnen nach sechs Monaten eine neuerliche Urabstimmung durchf\u00fchren m\u00fcssen. Das f\u00fchrt dazu, dass Streiks schneller eskaliert werden m\u00fcssen, statt der bisher oft angewendeten Praxis von nur eint\u00e4gigen Streiks \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum.<\/p>\n<h4>NSSN<\/h4>\n<p>Mitglieder der Socialist Party und des Nationalen Vertrauensleute-Netzwerks (NSSN) haben in vielen dieser Arbeitsk\u00e4mpfe eine wichtige Rolle gespielt, entweder direkt oder durch Solidarit\u00e4tsarbeit.<\/p>\n<p>Gleichzeitig scheint es nicht zu einer landesweiten koordinierten Streikbewegung f\u00fcr bessere Bezahlung im \u00f6ffentlichen Dienst zu kommen, weil in verschiedenen Kommunen und dem Nationalen Gesundheitswesen (NHS) Abschl\u00fcsse erzielt wurden. Daf\u00fcr ist vor allem die F\u00fchrung der gr\u00f6\u00dften Gewerkschaft des \u00f6ffentlichen Dienstes, UNISON, verantwortlich. Diese wird durch eine neue Vernetzung der Gewerkschaftslinken, UnisonAction, herausgefordert, an der sich Mitglieder der Socialist Party beteiligen.<\/p>\n<p>Die Schw\u00e4che der Tory-Regierung ist aber auch ein Faktor. Nach dem unerwartet guten Abschneiden von Labour aufgrund von Jeremy Corbyns radikalem Anti-K\u00fcrzungs-Wahlprogramm bei den letzten Wahlen, h\u00e4ngt die Regierung am seidenen Faden und wird nur durch ein B\u00fcndnis mit der Democratic Unionist Party aus Nordirland aufrecht erhalten. Ergebnis davon ist, dass sie dazu gezwungen war, Lohnerh\u00f6hungen \u00fcber der seit acht Jahren bestehenden Grenze von einem Prozent zuzugestehen.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaft der Staatsangestellten, PCS, plant nun landesweite Streiks gegen das Einfrieren von L\u00f6hnen. Am 12. Mai fand nun auch endlich eine Demonstration des TUC statt, nachdem k\u00e4mpferische Gewerkschaften und Gruppen wie das NSSN daf\u00fcr Druck gemacht hatten. Eine solche Demo h\u00e4tte aber schon vor einem halben Jahr stattfinden sollen, um das Selbstbewusstsein der KollegInnen im \u00f6ffentlichen Dienst zu st\u00e4rken. Es ist daher die Verantwortung der Gewerkschaftsf\u00fchrung, dass die Demonstration mit einer Beteiligung von 30.000 deutlich kleiner ausfiel als die gro\u00dfe Anti-K\u00fcrzungs-Demonstration von 750.000 im Jahr 2011. Aber die PCS konnte die Demonstration trotzdem nutzen, um f\u00fcr die Streik-Urabstimmung zu mobilisieren. Auch die Lehrergewerkschaft NEU plant eine Streikabstimmung im Herbst und Schichten von jungen, prekarisiert Besch\u00e4ftigten, wie bei McDonald\u2019s, haben sich der Gewerkschaft angeschlossen und begonnen zu k\u00e4mpfen..<\/p>\n<p>Das Potenzial f\u00fcr gro\u00dfe Bewegungen, die die krisengesch\u00fcttelte Tory-Regierung herausfordern k\u00f6nnten, ist da. Trotz ihres Mitgliederr\u00fcckgangs haben die Gewerkschaften immer noch sechs Millionen Mitglieder und gro\u00dfe potenzielle Macht. Diese kann eingesetzt werden, wenn eine k\u00e4mpferische F\u00fchrung sich mit der Basis verbindet und diese mobilisiert. Dieser Aufgabe stellen sich Gewerkschaftslinke in der aktuellen instabilen Lage.<\/p>\n<h5><em>Rob Williams ist Sprecher des nationalen Vertrauensleute-Netzwerks (NSSN): <\/em><br \/>\n<em>www.shopstewards.net\/<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwere Bedingungen f\u00fcr Gewerkschaften<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":36396,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[1329,881,315,1328,1292],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36395"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36395"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36395\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36397,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36395\/revisions\/36397"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36395"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36395"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}