{"id":36167,"date":"2018-05-01T09:48:29","date_gmt":"2018-05-01T07:48:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36167"},"modified":"2018-04-29T09:53:32","modified_gmt":"2018-04-29T07:53:32","slug":"kampf-statt-co-management","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/05\/kampf-statt-co-management\/","title":{"rendered":"Kampf statt Co-Management!"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/s10_igm.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-36091\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/s10_igm-280x158.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/s10_igm-280x158.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/s10_igm-768x432.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/s10_igm-560x315.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/s10_igm-600x338.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/s10_igm.jpg 1098w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Warum wir eine Vernetzung k\u00e4mpferischer GewerkschafterInnen brauchen<\/strong><\/p>\n<p>1,5 Millionen Besch\u00e4ftigte der Metall- und Elektroindustrie, 220.000 im \u00d6ffentlichen Dienst, viele Tausende mehr bei Telekom, Post und aus verschiedenen Branchen beteiligten sich in diesem Jahr an Warnstreiks. Anders als im Jahr 2015, wo es wochenlange Arbeitsk\u00e4mpfe von Besch\u00e4ftigten im Sozial- und Erziehungsdienst sowie bei der Post gab, sprachen die Medien jedoch nicht von Deutschland als \u201eStreikland\u201c. Das h\u00e4tte anders sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Von Angelika Teweleit, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Wenn die F\u00fchrungen von IG Metall und ver.di es darauf angelegt h\u00e4tten, w\u00e4re gen\u00fcgend angestauter Unmut und Bereitschaft der KollegInnen da gewesen, in Hunderttausenden f\u00fcr deutlich h\u00f6here L\u00f6hne, aber auch f\u00fcr Entlastung, mehr Personal und k\u00fcrzere Arbeitszeiten auf die Stra\u00dfe zu gehen.<\/p>\n<h4>M\u00e4\u00dfige Tarifabschl\u00fcsse<\/h4>\n<p>In den letzten zwei Jahrzehnten wurden die Fl\u00e4chentarifvertr\u00e4ge massiv untergraben. Durch eine Zunahme von Privatisierungen und Ausgr\u00fcndungen in viele Tochterunternehmen ist die Ausgangsposition f\u00fcr Tarifk\u00e4mpfe allgemein schwieriger geworden. Zu einer weiteren Zersplitterung haben die Gewerkschaftsf\u00fchrungen selbst beiget ragen, zum Beispiel mit der Einf\u00fchrung neuer Tarifstrukturen (wie zum Beispiel TV\u00d6D und ERA) sowie der Zustimmung zu \u00d6ffnungsklauseln in den Tarifvertr\u00e4gen. Dazu kommt aber, dass die Gewerkschaftsf\u00fchrungen die Tarifrunden immer mehr zu Routineveranstaltungen verkommen lassen. Die Ergebnisse liegen fast gesetzm\u00e4\u00dfig bei der H\u00e4lfte des Geforderten und werden dann sch\u00f6n gerechnet, indem die verschiedenen Stufen der Erh\u00f6hung der ebenso regelm\u00e4\u00dfig l\u00e4ngeren Laufzeiten einfach addiert werden.<\/p>\n<h4>Chancen vertan<\/h4>\n<p>Auch in diesem Jahr wurden Chancen vertan. Seit langem l\u00e4ge auf der Hand, KollegInnen in verschiedenen Tarifk\u00e4mpfen gemeinsam auf die Stra\u00dfe zu bringen. Auf gemeinsamen Streikkundgebungen k\u00f6nnte Solidarit\u00e4t geschaffen und St\u00e4rke demonstriert werden. Es k\u00f6nnte eine gro\u00dfe Bewegung entstehen, in der grundlegend gegen die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich und gegen die massive angestiegene Arbeitshetze mobilisiert w\u00fcrde. Doch eine solche kraftvolle Bewegung scheuen die jetzigen Gewerkschaftsf\u00fchrungen wie der Teufel das Weihwasser. Im Gegenteil, mit den extrem langen Laufzeiten wie jetzt sogar zweieinhalb Jahre im \u00f6ffentlichen Dienst werden lange Zeiten der Friedenspflicht eingegangen. Was anderes ist zu erwarten, als dass die Bundesregierung in dieser Zeit ihre krisenhafte Politik fortsetzt, der \u00f6ffentliche Dienst weiter ausgeblutet wird? Es besteht auch die Gefahr von Angriffen gegen alle Besch\u00e4ftigten, wie in der Frage des Arbeitszeitgesetzes.<\/p>\n<h4>F\u00fcr k\u00e4mpferische Gewerkschaften<\/h4>\n<p>Die derzeitige Ausrichtung der Gewerkschaftsf\u00fchrungen h\u00e4lt politisch an der so genannten Sozialpartnerschaft fest. Auf betrieblicher Ebene wird Co-Management betrieben und viele KollegInnen haben nicht mehr das Gef\u00fchl, wirklich vertreten zu werden. Um von einer solchen Politik weg zu kommen hin zu einer k\u00e4mpferischen Ausrichtung, ist n\u00f6tig, sich in den Gewerkschaften gemeinsam daf\u00fcr einzusetzen und zu organisieren.<\/p>\n<p>Durch einen R\u00fcckgang von Aktivit\u00e4ten in Betrieben und Gewerkschaften waren die M\u00f6glichkeiten in den letzten Jahren begrenzt. Strukturen und Gruppen von Gewerkschaftslinken sind teilweise \u00fcberaltert und haben kaum neuen Zulauf erfahren. Doch hat sich, durch konkrete Auseinandersetzungen und K\u00e4mpfe, in einigen Bereichen ein neuer Stamm von Aktiven in einigen Betrieben gebildet: in Krankenh\u00e4usern, im Bereich Sozial- und Erziehungsdienste, im Einzelhandel, in einigen ausgegliederten Niedriglohnbereichen. Sogar in der IG Metall gibt es ein neues Netzwerk von linken Hauptamtlichen.<\/p>\n<p>Deshalb sollte die Chance nicht verpasst werden, einen Neuanfang zu machen, gerade auch um neue betriebliche Aktive zu erreichen, die nicht selten frustrierende Erfahrungen mit der Begrenztheit des offiziellen gewerkschaftlichen Angebots machen.<\/p>\n<p>Ziel sollte sein, sich zusammen zu schlie\u00dfen, \u00fcber Alternativen zur Politik des Co-Managements zu diskutieren und diese f\u00fcr weitere KollegInnen h\u00f6r- und sichtbar zu machen. Auch um derzeitige lokale Arbeitsk\u00e4mpfe zum Erfolg zu f\u00fchren, ist es sinnvoll, sich zusammen zu tun und gegenseitig zu unterst\u00fctzen, wie der Bereich Krankenh\u00e4user zeigt (siehe Interview). Mittel- und langfristig muss es auch darum gehen, gemeinsam eine grundlegend k\u00e4mpferische Ausrichtung in der Gewerkschaft durchzusetzen. Dabei sollte gemeinsam an konkreten Projekten gearbeitet werden.<\/p>\n<h4>Arbeitszeitverk\u00fcrzung \u2013 bei vollem Lohn!<\/h4>\n<p>Als n\u00e4chstes Projekt w\u00e4re zum Beispiel m\u00f6glich, sich langfristig auf die n\u00e4chste Tarifrunde im \u00d6ffentlichen Dienst im Herbst 2020 vorzubereiten. Viele KollegInnen wollen endlich eine Antwort auf die massiv zugenommene Arbeitsbelastung haben. Deshalb sollten sich Gewerkschaftslinke zum Ziel setzen, die Forderung nach Arbeitszeitverk\u00fcrzung mit vollem Lohn- und Personalausgleich in die n\u00e4chsten Tarifrunden einzubringen. Das ist auch eine gute Gegenstrategie gegen Versuche der Arbeitgeber, die gesetzlichen Regelungen bei der Arbeitszeit auszuh\u00f6hlen. Dabei muss der Logik entgegen getreten werden, dass Arbeitszeitverk\u00fcrzung gegen eine Entgelterh\u00f6hung beziehungsweise geringere L\u00f6hne eingetauscht werden muss.<\/p>\n<p>Auch beim Kampf um Arbeitszeitverk\u00fcrzung geht es um die Verteilung des Mehrprodukts, anstatt in Form von Lohn hier in Form von Arbeitszeit. Deshalb haben die Arbeitgeber von jeher ein Interesse daran, die Arbeitszeiten auszuweiten. Im Gegensatz dazu liegt es im Interesse der Besch\u00e4ftigten, die Arbeitszeiten zu verringern, aber nicht auf Kosten der L\u00f6hne. Zus\u00e4tzlich sollte eingefordert werden, dass entsprechend der k\u00fcrzeren Arbeitszeiten neue Stellen geschaffen werden, was mit der Formulierung \u201evoller Personalausgleich\u201c gemeint ist.<\/p>\n<p>Die Forderung nach der 35 Stundenwoche bei vollem Lohn und zur Schaffung neuer Stellen wurde von unten aufgebracht und 1977 auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall gegen den Willen des IG Metall-Vorstands durchgesetzt. Doch es war auch Druck durch aktive und k\u00e4mpferische Betriebsgruppen und Vertrauensleute n\u00f6tig, damit dies 1984 zur Tarifforderung wurde. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl bezeichnete das Anliegen als \u201edumm, dreist, t\u00f6richt\u201c und es war ein mehrw\u00f6chiger Streik n\u00f6tig, der mit Aussperrungen vom Arbeitgeberlager hart bek\u00e4mpft wurde. Welche Wirkung hatten diese Streiks auf das Bewusstsein von Millionen von Besch\u00e4ftigten?! Es verdeutlichte die Macht der Besch\u00e4ftigten, und die Gewerkschaften wurden als starke Organisationen angesehen, mit denen ArbeiterInnen ihre Interessen durchsetzen k\u00f6nnen. Leider tun die jetzigen Gewerkschaftsf\u00fchrerInnen so, als ob es unm\u00f6glich sei, eine so \u201edreiste\u201c Forderung aufzustellen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie damals, muss auch heute zun\u00e4chst ein Kampf darum gef\u00fchrt werden, die Forderung von unten durchzusetzen. Es erfordert zun\u00e4chst auch \u00dcberzeugungsarbeit an der Basis. Damit verkn\u00fcpft sollte auch eine Demokratisierung von Streikf\u00fchrungen eingefordert werden. Um eine solche Kampagne vorzubereiten, sind Treffen und Diskussionen unter den k\u00e4mpferischen und linken KollegInnen n\u00f6tig.<\/p>\n<h4>Kampagne in Krankenh\u00e4usern<\/h4>\n<p>Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Bewegung f\u00fcr mehr Personal in den Krankenh\u00e4usern. Angefangen mit dem Tarifkampf f\u00fcr Entlastung und mehr Personal an der Berliner Charit\u00e9 hat sich hier eine bundesweite Bewegung entwickelt. Es gibt von Seiten der ver.di-F\u00fchrung keine wirkliche Strategie, um diese weiter zu vereinheitlichen und aufzubauen. Doch es bestehen gute lokale Ans\u00e4tze. Hier k\u00f6nnte eine organisierte Netzwerkstruktur von aktiven KollegInnen und Betriebsgruppen einen gro\u00dfen Unterschied machen (siehe Interview rechts).<\/p>\n<h4>F\u00fcr eine organisierte Gewerkschaftslinke<\/h4>\n<p>Ans\u00e4tze f\u00fcr die Organisierung von k\u00e4mpferischen AktivistInnen in den Betrieben und Gewerkschaften existieren. Bei den Konferenzen \u201eErneuerung durch Streik\u201c (die n\u00e4chste findet vom 15. bis 17. Februar 2019 statt) kommen jeweils Hunderte von Aktiven zusammen und tauschen ihre Erfahrungen aus. Das ist wertvoll. Doch dar\u00fcber hinaus ist n\u00f6tig, zu einer wirklichen Vernetzung zu gelangen. Ans\u00e4tze wie die \u201eInitiative f\u00fcr eine Gewerkschaftslinke\u201c (IVG), das \u201eNetzwerk f\u00fcr eine k\u00e4mpferische und demokratische ver.di\u201c, die \u201ever.di Linke NRW\u201c, OKG (\u201eOrganisieren, K\u00e4mpfen, Gewinnen\u201c) sowie Netzwerke von linken Hauptamtlichen in ver.di und der IG Metall sollten sich koordinieren und beraten, wie ein gemeinsamer Neuanfang f\u00fcr eine organisierte Gewerkschaftslinke am besten gelingen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum wir eine Vernetzung k\u00e4mpferischer GewerkschafterInnen brauchen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":36091,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[1248,1246,881,1247,1236],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36167"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36167"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36167\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36168,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36167\/revisions\/36168"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36091"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}