{"id":36165,"date":"2018-04-29T09:46:57","date_gmt":"2018-04-29T07:46:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36165"},"modified":"2018-05-04T13:02:59","modified_gmt":"2018-05-04T11:02:59","slug":"gegen-den-allmaechtigsten-algorithmus-den-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/04\/gegen-den-allmaechtigsten-algorithmus-den-kapitalismus\/","title":{"rendered":"Gegen den allm\u00e4chtigsten Algorithmus: den Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/VERDI-Farbe_ohne-Schriftzug.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35822\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/VERDI-Farbe_ohne-Schriftzug-173x173.png\" alt=\"\" width=\"173\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/VERDI-Farbe_ohne-Schriftzug-173x173.png 173w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/VERDI-Farbe_ohne-Schriftzug-768x768.png 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/VERDI-Farbe_ohne-Schriftzug-347x347.png 347w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/VERDI-Farbe_ohne-Schriftzug-600x600.png 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/VERDI-Farbe_ohne-Schriftzug.png 1031w\" sizes=\"(max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/a>Bericht vom Digitalisierungskongress von ver.di und input Consulting am 12\/13. April 2018 in Berlin<\/strong><\/p>\n<p><em>von Alexandra Arnsburg, Mitglied im ver.di LBV Berlin-Brandenburg (nur zur Kenntlichmachung der Person)<\/em><\/p>\n<p>Bereits zum f\u00fcnften Mal, diesmal unter dem Motto \u201eGemeinwohl in der digital vernetzten Gesellschaft\u201c, organisierten die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die gewerkschaftsnahe Gesellschaft \u201einput Consulting\u201c einen Kongress zum Thema Digitalisierung.<\/p>\n<p>Die Pl\u00e4tze waren sehr begehrt, ungef\u00e4hr 140 TeilnehmerInnen diskutierten in mehreren Plenen und 12 Workshops mit VertreterInnen von ver.di, dem DGB aus der Wissenschaft und aus der betrieblichen Praxis. \u201eWir arbeiten dran\u201c, so der zuversichtliche Untertitel des Kongresses. Das l\u00e4sst vermuten, dass dies erst der Beginn der Auseinandersetzung mit diesem Thema ist. Viele Fragen bleiben am Ende des zweit\u00e4gigen Kongressen offen.<\/p>\n<p>Die Diskussion war sehr vielf\u00e4ltig und teilweise kontrovers. Vertreter der Verbraucherzentrale und des Frauenhofer Instituts forderten \u201eCodes nach ethischen Grunds\u00e4tzen\u201c, also das Hinterlegen von sogenannten gesellschaftlichen Werten durch ProgrammiererInnen. Der Arbeitgebervertreter vom BDA rief nach der \u201eEinheit von Arbeitgebern und Gewerkschaften\u201c, was von einem Gewerkschaftsvertreter mit dem Wunsch nach einem Update der Mitbestimmung und einer Robotersteuer geschm\u00fcckt wurde. Letztere W\u00fcnsche wurden nicht n\u00e4her erl\u00e4utert, aber der aktuellen Diskussion auf mehreren Konferenzen zufolge ist damit die Erweiterung der bestehenden betrieblichen Mitbestimmung auf Themen des digitalen und mobilen Arbeitens und eine Steuer auf Rationalisierungsgewinne durch den Einsatz von Robotern gemeint.<\/p>\n<p>Der Vertreter vom \u201eChaos Computer Club\u201c brachte die Frage nach Entscheidungsmacht und Eigentum an Technologien und Daten in die Debatte und bekam gro\u00dfen Applaus daf\u00fcr. Was die Bundesregierung mache, w\u00e4re nur Selbstbesch\u00e4ftigung der NGOs, damit keine wirklichen Strategie entwickelt werde, sagte Rieger und machte seine Kritik an B\u00fcndnissen \u00e1 la \u201eZukunft der Industrie\u201c und an wirtschaftsdemokratischen Ans\u00e4tzen deutlich.<\/p>\n<p>Damit sprach er die Kernfragen der Debatte an: Wie soll sich die Gewerkschaftsbewegung ausrichten? L\u00e4sst sich der Kapitalismus in B\u00fcndnissen z\u00e4hmen? Steuern wir auf die n\u00e4chste Krise zu? K\u00f6nnen wir der zunehmenden Prekarisierung nur mit Gesetzen f\u00fcr das Recht auf Qualifizierung und einigen guten Betriebsvereinbarungen beikommen? Sind letztere nur f\u00fcr die besser verdienenden, besser gesch\u00fctzten, tarifierten Besch\u00e4ftigten m\u00f6glich? Oder muss die Systemfrage auf die Tagesordnung gesetzt werden, beginnend mit einem Kampf um Arbeitszeitverk\u00fcrzung und Umverteilung des Reichtums?<\/p>\n<h4>Demokratische Smart City \u2013 das Modell Barcelona<\/h4>\n<p>Ein interessanter Ansatz wurde durch Francesca Bria, \u201eTechnologie und Innovation Officer\u201c der Stadt Barcelona, dargestellt. Sie stellte ein v\u00f6llig neues Konzept der St\u00e4dteplanung und Verwaltung vor. Ihrer Aussage nach bekomme hier die Bev\u00f6lkerung per \u201eOpen Source Plattformen\u201c und \u00f6ffentliche Investitionen in Schulung und Personal mehr Transparenz \u00fcber Daten wie Verkehr, M\u00fcll und Umweltfaktoren und k\u00f6nne sich dadurch auch selbst einbringen. Dabei w\u00fcrde sie nicht die Kontrolle \u00fcber ihre Daten abgeben. In Barcelonas St\u00e4dteplanung werden laut Bria neue Technologien im Sinne der NutzerInnen durch sie selbst genutzt und kontrolliert. Ganz anders s\u00e4he es bei dem Modell der Smart City im Stadtteil von Toronto in Kanada aus, wo die Daten an Google verkauft werden. In Gro\u00dfbritannien wurden PatientInnendaten erst vor kurzem an Deep Mind (Google) durch das noch staatliche britische NHS abgegeben.<\/p>\n<h4>Betriebliche Praxis<\/h4>\n<p>Immer wieder drehte sich die Diskussion um die Grenzen von Mitbestimmung durch Betriebs- und Personalr\u00e4te und Gewerkschaften. Die von den Gewerkschaften geforderte Teilhabe w\u00e4re eine Teilhabe an nichts, da man nichts regulieren k\u00f6nne, was einem nicht geh\u00f6rt, konstatierte der Betriebsrat Kahlert von den Wasserwerken Westfalen. Viele Bespiele aus der Praxis best\u00e4tigten das. Eine Betriebsr\u00e4tin bei T-Systems veranschaulichte, wie trotz guter Arbeitsbedingungen und vielf\u00e4ltige Mitsprache der Besch\u00e4ftigten, die meisten dennoch unter dem gro\u00dfen Druck, st\u00e4ndiger Erreichbarkeit und steigender Arbeitsintensit\u00e4t durch digitalisiertes Arbeiten leiden. Gleiches hat eine Sonderstudie des DGB ergeben, die k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlicht wurde. Eine Betriebsr\u00e4tin von zeit-online beklagte trotz verbesserter gewerkschaftlicher Organisierung der gr\u00f6\u00dftenteils mobil arbeitenden Besch\u00e4ftigten , einschlie\u00dflich \u201eCrowdworker\u201c, eine immer noch sehr hohe Befristungsquote von 70 Prozent. Ein Beitrag aus der Pflege zeigte Licht und Schatten von eingesetzten Technologien. Diese sollten Besch\u00e4ftigte unterst\u00fctzen und PatientInnen und zu Pflegende mehr Selbstst\u00e4ndigkeit zusichern, aber nicht die pers\u00f6nliche Pflege durch Fachpersonal ersetzen.<\/p>\n<h4>Eigentumsfrage stellen<\/h4>\n<p>Auch Lothar Schr\u00f6der vom ver.di Bundesvorstand fragte, wie angesichts von Machtkonzentration bei einigen wenigen Konzernen wie Facebook, Google, Amazon, Apple, und im Lichte von Datenskandalen und Missbrauch zugunsten von Profiten der Prozess der Digitalisierung zu demokratisieren sei. Mehrmals warfen RednerInnen und ReferentInnen die Frage auf, wem die Digitalisierung eigentlich geh\u00f6re.<\/p>\n<p>Diese Kernfrage muss auch in den Gewerkschaften diskutiert werden. Solange die neuen Technologien im Besitz der Herrschenden und Besitzenden ist, wird auch der Fortschritt in ihrem Interesse genutzt. Die Produktionsmittel und die Konzerne m\u00fcssen in Gemeineigentum \u00fcberf\u00fchrt werden, damit Forschung und Fortschritt demokratisch kontrolliert werden k\u00f6nnen und sie so nach den Bed\u00fcrfnissen der Mehrheit auszurichten. Der Einsatz von neuen Technologien f\u00fchrt nicht von selbst zu besseren Arbeitsbedingungen. Bislang mussten alle Verbesserungen von ArbeiterInnen erk\u00e4mpft und den Kapitalinteressen abgerungen werden.<\/p>\n<h4>Gegenwehr statt Co-Management<\/h4>\n<p>Die Technologie, um alles zu \u00e4ndern, ist vorhanden, die Gewerkschaften wollen jedoch vor allem den Status Quo beibehalten, so Frank Rieger vom \u201eChaos Computer Club\u201c weiter. Um den Kampf gegen Arbeitshetze, Entgrenzung, Arbeitsplatzvernichtung, Prekarisierung und gegen den \u201eBlackbox-, Plattform- und \u00dcberwachungskapitalismus\u201c zu gewinnen, muss es einen Kurswechsel der Gewerkschaften weg vom Co-Management hin zur Gegenwehr geben. Das bedeutet, nicht vor einem \u201eallm\u00e4chtigen Kapitalismus\u201c zu kapitulieren. Die Gewerkschaften d\u00fcrfen auch vor Forderungen nicht zur\u00fcckschrecken, die die herrschenden Eigentumsverh\u00e4ltnisse angreifen. Die derzeitige Diskussion um Arbeitszeiten sollten die Gewerkschaften in eine Kampagne f\u00fcr eine Arbeitszeitverk\u00fcrzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich gie\u00dfen, die auf breiter Basis diskutiert und umgesetzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht vom Digitalisierungskongress von ver.di<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35822,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[262,1246,980,926,799],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36165"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36165"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36165\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36166,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36165\/revisions\/36166"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35822"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}