{"id":36141,"date":"2018-04-26T12:15:16","date_gmt":"2018-04-26T10:15:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36141"},"modified":"2018-04-26T12:35:51","modified_gmt":"2018-04-26T10:35:51","slug":"tvoed-ergebnis-negativrekord-bei-der-laufzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/04\/tvoed-ergebnis-negativrekord-bei-der-laufzeit\/","title":{"rendered":"TV\u00d6D-Ergebnis: Negativrekord bei der Laufzeit"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/nw-logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-24167\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/nw-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/nw-logo.jpg 120w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/nw-logo-92x92.jpg 92w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/a>Stellungnahme des Netzwerks f\u00fcr eine k\u00e4mpferische und demokratische ver.di<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem die dritte Verhandlungsrunde in die Verl\u00e4ngerung gegangen war, pr\u00e4sentierte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske das Ergebnis stolz und einvernehmlich an der Seite des neuen Bundesinnenministers Horst Seehofer.<\/p>\n<p>Doch in der Mitgliedschaft h\u00e4lt sich die Euphorie in Grenzen. Etliche, auch langj\u00e4hrige Gewerkschaftsmitglieder sind von dem Ergebnis eher entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Ein Blick zur\u00fcck zeigt, worum es eigentlich ging. Die zentralen Forderungen von ver.di waren:<\/p>\n<ul>\n<li>Erh\u00f6hung der Entgelte um 6 Prozent, aber mindestens um 200 Euro<\/li>\n<li>Erh\u00f6hung der Entgelte f\u00fcr Auszubildende und PraktikantInnen um 100 Euro monatlich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das alles bei einer Laufzeit von 12 Monaten!<\/p>\n<p>Aber auch die \u00dcbernahme von Auszubildenden nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung, war ein wichtiger Punkt. Weiterhin formulierte der verdi-Vorstand weitere \u201eErwartungen\u201c an die Arbeitgeberseite, wozu unter anderem die Anhebung des Zusatzurlaubs f\u00fcr Wechselschicht- und Schichtarbeit um f\u00fcnfzig Prozent und die schon l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Angleichung der Jahressonderzahlungen Ost an das Niveau West ging.<\/p>\n<p>Es wurden einige beeindruckende und von der Stimmung her k\u00e4mpferische Warnstreik-Aktionen organisiert. Hier gab es auch Fortschritte in Bezirken, die fr\u00fcher nur schwach mobilisieren konnten. Doch im Vergleich zu vergangenen Tarifrunden, wo mehrere Warnstreikwellen organisiert wurden, wurden diesmal weniger Bereiche aufgerufen und \u00a0es gab kaum gr\u00f6\u00dfere regionale Mobilisierungen.<\/p>\n<h4>K\u00e4mpferische Stimmung<\/h4>\n<p>Nichtsdestotrotz war unter den TeilnehmerInnen der Warnstreiks eine k\u00e4mpferische Stimmung vorhanden. Vielen KollegInnen ist bewusst, dass es in der Verantwortung der Politik liegt, wenn die Schere zwischen Arm und Reich stetig w\u00e4chst. Anstatt jedes Jahr neue Rekordgewinne f\u00fcr Unternehmen und Vergeudung von Steuergeldern in teure Prestigeprojekte w\u00e4re es n\u00f6tig, endlich mehr in den \u00f6ffentlichen Dienst zu investieren.<\/p>\n<p>2017 wurde ein \u00dcberschuss an Steuereinnahmen bei Bund, L\u00e4ndern und Kommunen von etwa vierzig Milliarden Euro erreicht, die nach Sch\u00e4tzungen von Wirtschaftsforschungsinstituten in den Jahren 2018 und 2019 mit 45 beziehungsweise f\u00fcnfzig Milliarden Euro nochmals \u00fcbertroffen werden sollen. Da die Lohnentwicklung im \u00f6ffentlichen Dienst schon mit etwa vier Prozent hinter der privaten Wirtschaft hinterherhinkt, w\u00e4ren sechs Prozent Lohnerh\u00f6hung absolut nachvollziehbar und gerechtfertigt.<\/p>\n<h4>Viele Abstriche<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend einige KollegInnen davon ausgingen, dass es in der dritten Runde um alles oder nichts gehen w\u00fcrde, war dann das pr\u00e4sentierte Ergebnis eher ern\u00fcchternd. Nicht nur, dass die Ergebnisse noch weit hinter den Forderungen geblieben sind, hat die extrem lange Laufzeit von drei\u00dfig Monaten teilweise zu echter Emp\u00f6rung unter ver.di-Mitgliedern gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Entgeltforderungen wurden auf die lange Laufzeit gerechnet wieder mal nicht durchgesetzt. Dabei ist es Sch\u00f6nrechnerei, von 7,5 Prozent zu sprechen. Dabei sind 3,19 beziehungsweise 3,01 Prozent mehr f\u00fcr 2018 und 2019 besser als in vergangenen Jahren. Auch die Erh\u00f6hung bei den Anfangsgeh\u00e4ltern machen deutlich, dass auch aus Arbeitgebersicht ein Ergebnis her musste, um bessere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Rekrutierung von neuem Personal zu haben. Dennoch: durch die lange Laufzeit wurde eigentlich nur die H\u00e4lfte der Forderung erreicht; und in der dritten Stufe liegt die Erh\u00f6hung sogar nur bei 1,06 Prozent. \u00a0Wenn im Flugblatt von ver.di steht, dass f\u00fcr niemanden die Erh\u00f6hung unter 175 Euro betr\u00e4gt, so bezieht sich das nicht auf zw\u00f6lf Monate, sondern zweieinhalb Jahre. Das macht einen gro\u00dfen Unterschied.<\/p>\n<h4>Kein Sockelbetrag<\/h4>\n<p>Die 200 Euro Mindestbetrag f\u00fcr die unteren Entgeltgruppen hat die Verhandlungen nicht \u00fcberlebt. \u00dcbrig geblieben sind gerade mal 250 Euro Einmalzahlung f\u00fcr die Entgeltgruppen 1 bis 6, also auf die Laufzeit gerechnet gerade mal 8,34 Euro pro Monat brutto (ohne Tabellenwirksamkeit). Der Sockelbetrag ist bisher immer ein wichtiger Bestandteil der Forderungen gewesen, der daf\u00fcr sorgen sollte, die unteren Entgeltgruppen nicht zu weit abzuh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Bei den Auszubildenden und PraktikantInnen werden die Entgelte um jeweils f\u00fcnfzig Euro 2018 und 2019 angehoben, um dann auf die hundert Euro zu kommen. Immerhin bekommen sie nun auch drei\u00dfig Tage Urlaub. Bez\u00fcglich der \u00dcbernahmeregelungen hat es keine Verbesserung gegeben. Die Wiederaufnahme f\u00fcr den Bund beziehungsweise Beibehaltung f\u00fcr die Kommunen des Paragraphen 16a TVA\u00f6D bedeutet, dass eine \u00a0\u00dcbernahme nur f\u00fcr ein Jahr garantiert wird. Nur, wenn dieses erfolgreich absolviert wird, wird dann der Arbeitsvertrag entfristet. Das ist ein Problem, was schon l\u00e4nger an der Basis und nicht nur unter Auszubildenden diskutiert wird.<\/p>\n<p>Auch die Angleichung der Jahressonderzahlung Ost an das Westniveau wird als Erfolg bezeichnet. Doch diese zieht sich in vier Schritten von derzeit 75 Prozent ab 2019 bis in das Jahr 2022, wo die Angleichung dann also nach 33 Jahren \u2013 fast ein Berufsleben \u2013 endlich vollzogen wird.<\/p>\n<h4>Was tun?<\/h4>\n<p>Gewerkschaftsmitglieder, die mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind, sollten mit Nein stimmen, um ein Zeichen zu setzen. Schon machen die Arbeitgeber und Politiker der etablierten Parteien klar, dass sie auf Konfrontation gehen wollen, wenn sie davon sprechen, dass nun ein weiterer Stellenabbau folgen m\u00fcsse. Wenn sie den \u00f6ffentlichen Dienst kaputt sparen wollen, dann muss entschlossene Gegenwehr erfolgen. Da die Forderung nach einer Arbeitszeitreduzierung bei vollem Lohn und mit Personalausgleich schon jetzt auf viel Zuspruch gesto\u00dfen ist, w\u00e4re das eine Forderung, die ganz sicher noch mehr Besch\u00e4ftigte mobilisieren w\u00fcrde als reine Geldforderungen.<\/p>\n<p>Das \u201eNetzwerk f\u00fcr eine k\u00e4mpferische demokratische verdi\u201c will einen Beitrag leisten, um schon jetzt die Forderungsdiskussion zu beginnen und sich f\u00fcr eine k\u00e4mpferische Strategie f\u00fcr das Jahr 2020 einzusetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme des Netzwerks f\u00fcr eine k\u00e4mpferische und demokratische ver.di<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24167,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17,18],"tags":[1236,1102,1174,799],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36141"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36141"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36141\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36142,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36141\/revisions\/36142"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24167"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36141"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36141"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36141"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}