{"id":36128,"date":"2018-04-18T17:23:17","date_gmt":"2018-04-18T15:23:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36128"},"modified":"2018-04-26T12:38:41","modified_gmt":"2018-04-26T10:38:41","slug":"bericht-vom-linksjugend-solid-bundeskongress-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/04\/bericht-vom-linksjugend-solid-bundeskongress-2018\/","title":{"rendered":"Bericht vom Linksjugend [&#8217;solid] Bundeskongress 2018"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/image-e1524063891977.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-36129\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/image-e1524063891977-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/image-e1524063891977-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/image-e1524063891977-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/image-e1524063891977-768x475.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/image-e1524063891977-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/image-e1524063891977-600x371.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/image-e1524063891977-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/image-e1524063891977.jpg 1216w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Demokratische Mitgliederrechte im Jugendverband verteidigen!<\/strong><\/p>\n<p>Der diesj\u00e4hrige Bundeskongress der Linksjugend [&#8217;solid] war \u00fcberschattet vom Antrag auf Unvereinbarkeit mit der Sozialistischen Alternative (SAV), der Doppelmitgliedschaften in SAV und Linksjugend [&#8217;solid] unterbinden sollte. Das war ein klarer Angriff auf organisierte, linke Str\u00f6mungen im Jugendverband. Der Antrag erhielt jedoch nicht die n\u00f6tige Mehrheit. In der kommenden Zeit muss das demokratische Recht aller Linksjugend-Mitglieder, sich frei in Str\u00f6mungen zu organisieren, verteidigt werden!<\/p>\n<p>Gleichzeitig waren Diskussionen um die Positionierung des Verbandes nach wie vor kontrovers und Mehrheitsverh\u00e4ltnisse nicht immer eindeutig. Zumindest in Worten wurde eine verst\u00e4rkte Orientierung auf die arbeitende Klasse und eine gute Position zu den Auseinandersetzungen in der Partei DIE LINKE angenommen. Diesen Beschl\u00fcssen m\u00fcssen jetzt Taten folgen.<\/p>\n<p><em>von Katharina Doll, Hamburg<\/em><\/p>\n<h4>Zur beantragten Unvereinbarkeit mit der SAV<\/h4>\n<p>Unter dem Titel \u201eWer die Befreiung fordert, darf seine Mitglieder nicht unfrei machen\u201c wurde die Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft des Jugendverbands mit der SAV-Mitgliedschaft beantragt. Es sollte der Eindruck entstehen, die Methode der Unvereinbarkeit w\u00e4re keine b\u00fcrokratische Ma\u00dfnahme, sondern ein notwendiger, ein \u201elinker\u201c Schritt hin zu mehr Pluralismus. Das wurde unter anderem damit begr\u00fcndet, dass sich SAV-Mitglieder aufgrund von inhaltlichen Differenzen aktiv am Aufbau der Str\u00f6mung \u201eRevolution\u00e4re Linke\u201c beteiligen und dort auch Material zu Themen ver\u00f6ffentlicht wird, zu denen thematische Arbeitskreise der Linksjugend arbeiten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde bereits im Antragstext mit Unwahrheiten um sich geworfen: die SAV w\u00fcrde organisiert Mitgliederversammlungen der Linksjugend \u00fcberrennen. Das s\u00e4he man daran, dass f\u00fcnf von sieben LandessprecherInnen und der jugendpolitische Sprecher des Verbandes in NRW Mitglieder der SAV seien. Das eigentliche Problem seien aber nicht Basismitglieder der SAV, sondern ihre angeblich hierarchische Struktur , die sie Strukturen innerhalb der Linksjugend (gemeint ist der Bundesarbeitskreis Revolution\u00e4re Linke) aufzwingen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nichts an diesen Vorw\u00fcrfen ist wahr. Nur zwei Landessprecher der Linksjugend NRW sind Mitglieder der SAV, der jugendpolitische Sprecher ist es nicht. Auch ist der Bundesarbeitskreis Revolution\u00e4re Linke nicht die einzige Gruppierung, die im Jugendverband str\u00f6mungspolitische Positionen vertritt, und es hat nichts mit Pluralismus zu tun, eine solche Arbeit zu unterbinden. Auch der Vorwurf , die SAV w\u00fcrde Beschl\u00fcsse generell von oben nach unten treffen und Strukturen wie dem Bundesarbeitskreis Revolution\u00e4re Linke (RL) eine undemokratische Arbeitsweise aufzwingen, ist an den Haaren herbeigezogen. Die Revolution\u00e4re Linke ist keine undemokratische Gruppe, sondern ein Zusammenschluss von \u00fcber 200 Mitgliedern der Linksjugend, in dem Beschl\u00fcsse in solidarischer Diskussion von unten auf Mitgliedertreffen getroffen werden. Jede und jeder der daran zweifelt, ist herzlich eingeladen, sich auf einem Treffen der Revolution\u00e4ren Linken selbst davon zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Und auch die SAV selbst vertritt demokratischere Prinzipien, als es die AntragsstellerInnen des Unvereinbarkeitsantrags tun. Alle Gremien und Funktionstr\u00e4gerInnen in der SAV sind rechenschaftspflichtig und abw\u00e4hlbar. Es gibt keine Privilegien von Abgeordneten oder Vorstandsmitgliedern. Hauptamtliche und Funktionstr\u00e4gerInnen erhalten nicht mehr als einen Facharbeiterlohn. H\u00f6chstes beschlussf\u00e4higes Gremium der SAV ist die Bundeskonferenz (vergleichbar mit dem Bundeskongress der Linksjugend). Die Bundesleitung der SAV ist gew\u00e4hlt und abw\u00e4hlbar, um in der Zeit in der sich keine anderen demokratisch legitimierten Gremien auf Bundesebene treffen, Entscheidungen f\u00fcr die Organisation zu f\u00e4llen. Allgemein gilt das Prinzip \u201eFreiheit in der Diskussion und Entscheidung, Einheit im Handeln\u201c. Das hei\u00dft aber nicht, dass Entscheidungen von oben durchgedr\u00fcckt werden oder Minderheiten in der SAV keine Rechte h\u00e4tten. Alle die die SAV kennen, wissen, dass es dort lebendige demokratische Debatten gibt.<\/p>\n<p>Im Falle von ernsthaften politischen Differenzen vertritt die SAV in der Tradition der Auseinandersetzung mit dem Stalinismus ein Fraktionsrecht, das Ver\u00f6ffentlichungen von Fraktionen gestattet und Minderheitsmeinungen sch\u00fctzen soll. In ihrem Statut schreibt die SAV dazu: \u201eGrunds\u00e4tzlich haben alle Mitglieder das Recht, eine abweichende Meinung in Wort und Schrift zu verbreiten. Dar\u00fcber hinaus haben Unterst\u00fctzerInnen einer bestimmten Position das Recht, sich zu einer Fraktion zusammenzuschlie\u00dfen, um die Diskussion und Weiterentwicklung ihrer Position zu erm\u00f6glichen und sie in die Diskussion zu tragen\u201c. Die Fraktionsrechte innerhalb der SAV umfassen unter anderem das Recht, sich innerhalb der Organisation eigenst\u00e4ndig zu organisieren, einen eigenen Finanzbeitrag zu erheben, bundesweite Debatten um Kritikpunkte zu beantragen und eigene Publikationen in der Organisation zu verbreiten und vieles mehr. Diese Freiheiten gehen \u00fcber das hinaus, was die Str\u00f6mung Revolution\u00e4re Linke innerhalb der Linksjugend derzeit f\u00fcr sich einfordert.<\/p>\n<p>Die Freiheit der Organisation in Str\u00f6mungen innerhalb der Linksjugend muss verteidigt werden, denn sie ist ein grundlegendes demokratisches Recht aller Mitglieder! Str\u00f6mungen innerhalb von breiten linken Strukturen sind nichts undemokratisches, im Gegenteil. Sie k\u00f6nnen an Stellen, wo grunds\u00e4tzliche Fragen zur Diskussion stehen, zum Austausch der Mitglieder und zur Klarheit in der Debatte beitragen \u2013 wenn man Auseinandersetzungen mit den richtigen Mitteln f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Dass mit vielen Unwahrheiten im Unvereinbarkeitsantrag argumentiert wurde, zeigt, dass es um politische Differenzen geht, die mit b\u00fcrokratischen Methoden aus dem Weg ger\u00e4umt werden sollen. Anders als in der Antragsbehandlung auf dem Bundeskongress behauptet, soll mit einem Unvereinbarkeitsantrag (offensichtlich!) keine politische Diskussion \u00fcber das Arbeiten der SAV und ihre Positionen angesto\u00dfen, sondern beendet werden. Eine Ma\u00dfnahme wie die beantragte Unvereinbarkeit dient dem Interesse, Positionen mehrheitsf\u00e4hig zu machen, die von Mitgliedern der SAV kritisiert werden. Ohne SAV-Mitglieder h\u00e4tte es dieses Jahr vielleicht keine Beschl\u00fcsse zur Orientierung auf die soziale Frage oder zur Lage der LINKEN gegeben und h\u00e4tten klare antimilitaristische Positionen gegen Auslandseins\u00e4tze und eine Aussprache gegen Regierungsbeteiligungen keine Mehrheit gefunden. Es ist schon sehr absurd, in einem solchen Antrag den Versuch zu sehen, mehr Pluralit\u00e4t und eine offenere Debatte herzustellen. Es geht den AntragsstellerInnen letztlich darum f\u00fcr ihre eigenen Interessen die Mehrheiten zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>SAV-Mitglieder haben sich in den letzten Jahren an etlichen Kampagnen des Jugendverbandes beteiligt, sie angesto\u00dfen und den Verband aktiv von unten mit aufgebaut. So spielt die Linksjugend Mainz, in der auch SAV-Mitglieder mitarbeiten, eine wichtige Rolle im Widerstand gegen faschistische Strukturen in der Region. In Kassel h\u00e4tte ohne die aktive Aufbauarbeit auch durch Mitglieder der SAV im Dezember kein so erfolgreicher Schulstreik stattgefunden. In Hamburg g\u00e4be es ohne Mitwirken der SAV-Mitglieder im Jugendverband keine regelm\u00e4\u00dfigen Frauendemonstrationen, und h\u00e4tte es auch keine Kampagne der Linksjugend gegen den Thor-Steinar-Laden in Hamburg Barmbek gegeben. In NRW haben SAV-Mitglieder geholfen, Streitigkeiten im Verband zu beenden, die Debatte zu politisieren und den Landesverband wieder auf Proteste und Bewegungen auszurichten. Gerade in Zeiten, wo die Rechte in Europa erstarkt und ein Jens Spahn Gesundheitsminister wird, geh\u00f6rt ein Ausschluss marxistischer Organisationen aus linken Strukturen sicherlich nicht zu den Methoden, die den Aufbau einer geeinten und k\u00e4mpferischen linken Bewegung st\u00e4rken.<\/p>\n<p>In der linksjugend [&#8217;solid] gibt es schon l\u00e4nger einen Teil von Mitgliedern, vor allem aus den ostdeutschen Landesverb\u00e4nden, die Mitgliedern der SAV gegen\u00fcber sehr feindlich eingestellt sind. Sie schafften es, bei diesem Kongress f\u00fcr den Unvereinbarkeitsantrag 58 Prozent der Stimmen zu bekommen, da sie unter den AntragstellerInnen und Bef\u00fcrworterInnen einige Personen zusammenbekommen haben, mit denen sie au\u00dfer f\u00fcr den Ausschluss der SAV, wenig Einigkeit hatten.<\/p>\n<p>Die Motivation daf\u00fcr hat sicherlich mit den gro\u00dfen Erfolgen im Aufbau der Revolution\u00e4ren Linken und der Unterst\u00fctzung f\u00fcr SAV Mitglieder in ihren Landesverb\u00e4nden zu tun. Die AntragsstellerInnen konnten neuere Mitglieder gewinnen, da sie die Abstimmungen in den letzten Monaten mit viel Energie vorbereitet haben. Dass die AntragsstellerInnen in der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit aus Landesverb\u00e4nden kommen, in denen die SAV nicht aktiv ist, zeigt, dass die Zustimmung zum Antrag nicht etwa das Produkt einer realen Unzufriedenheit in der Zusammenarbeit mit der SAV ist, sondern das Ergebnis von Unwahrheiten, die \u00fcber die Arbeit der SAV gestreut wurden. Da es am ersten Tag nur eine kurze Debatte dazu mitten in der Nacht gab, konnten die Delegierten, welche die SAV noch nicht kannten, auch nicht mehr vom Gegenteil \u00fcberzeugt werden.<\/p>\n<h4>Debatten in der Sache austragen!<\/h4>\n<p>Trotz der l\u00e4ngere Zeit vorbereiteten und auf Unwahrheiten aufgebauten Kampagne zur Unvereinbarkeit mit der SAV, haben sich die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse auf den letzten zwei Bundeskongressen nicht gravierend ver\u00e4ndert. Eine Reihe von SAV-Mitgliedernerhielten bei den Wahlen f\u00fcr Delegierte des Bundesparteitags \u00e4hnliche Stimmergebnisse wie das letzte Mal , und auch die Stimmenverh\u00e4ltnisse bei strittigen Antr\u00e4gen wie beispielsweise zu den Themen Islamismus oder dem Einwanderungsgesetz waren weiterhin knapp.<\/p>\n<p>Ein zentrales Thema des Bundeskongresses war die Haltung von LINKE und Linksjugend zur EU. Auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Europa, die den Bundeskongress am Freitag einleitete, formulierten besonders die Parteivorstandsmitglieder Judith Benda und Raul Zelik scharfe Kritik am undemokratischen, neoliberalen und militaristischen Charakter der EU und hielten ihre Reformierung f\u00fcr utopisch. Ein diesbez\u00fcglicher Antrag, der sp\u00e4ter auf dem Kongress beschlossen wurde, l\u00e4sst die Haltung der Linksjugend zur EU leider etwas offener.<\/p>\n<p>Daneben wurde ein Antrag des Bundesarbeitskreises Revolution\u00e4re Linke mit dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/revolutionaerelinke.wordpress.com\/2018\/04\/18\/gemeinsam-kaempfen-kein-weiter-so-mit-niedrigloehnen-und-sozialabbau-zurueckschlagen-gegen-die-unsoziale-politik-der-merkel-regierung\/\">Kein \u201eWeiter so\u201c mit Niedrigl\u00f6hnen und Sozialabbau! Zur\u00fcckschlagen gegen die unsoziale Politik der Merkel-Regierung!\u201c<\/a> beschlossen, der eine verst\u00e4rkte Orientierung des Verbandes auf die soziale Frage forderte. Da dieser Antrag angenommen wurde, ist der BundessprecherInnenrat nun aufgefordert, in Zusammenarbeit mit dem Bundesarbeitskreis Revolution\u00e4re Linke Material zu Themen wie Ausbildungsgehalt, Arbeitszeitverk\u00fcrzung oder Personalbemessungsgesetz in Krankenh\u00e4usern und Pflegeeinrichtungen zu erarbeiten. Dass eine solche Orientierung n\u00f6tig ist, wird auch daran sichtbar, dass sich in den \u00fcber 200 Seiten in den drei Antragsheften zum Bundeskongress kaum ein Text mit der sozialen Lage in Deutschland oder Gewerkschaften besch\u00e4ftigt hat. Am Rande wurde auf dem Kongress \u00fcber die Auseinandersetzungen in den deutschen Krankenh\u00e4usern gesprochen, ein Besch\u00e4ftigter bekam unabh\u00e4ngig von Antr\u00e4gen die Zeit \u00fcber die Situation in seinem Krankenhaus zu sprechen, im Workshop zum Antrag der Revolution\u00e4ren Linken gab es dazu weitere Beitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Es gab au\u00dferdem einen weiteren <a href=\"https:\/\/revolutionaerelinke.wordpress.com\/2018\/04\/18\/was-fuer-eine-linke-wollen-wir\/\">Antrag<\/a> des Bundesarbeitskreises Revolution\u00e4re Linke, der sich mit den aktuellen Diskussionen in der Partei DIE LINKE besch\u00e4ftigte. Der Antrag zeichnete ein Bild davon, wie eine demokratische, linke Mitgliederpartei aussehen sollte. Er richtete sich gegen die Tendenz, dass Funktionstr\u00e4gerInnen der Partei nach au\u00dfen Positionen vertreten, auf die sich die Partei nie verst\u00e4ndigt hat. Das gilt aktuell besonders f\u00fcr die Vorst\u00f6\u00dfe von Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht, sich einem \u201elinken Fl\u00fcgel\u201c von SPD und Gr\u00fcnen f\u00fcr eine \u201elinke Sammlungsbewegung\u201c anzubieten. Au\u00dferdem forderte der Antrag, dass sich die Partei nicht auf b\u00fcrgerliche Parteien, sondern auf soziale Bewegungen als B\u00fcndnispartner orientieren sollte. Das hei\u00dft auch, dass die Partei die Interessen einfacher Lohnabh\u00e4ngiger zu vertreten hat, und diese nicht in einer Regierungsbeteiligung verraten darf. Zu diesen Interessen geh\u00f6rt auch der Internationalismus und Antirassismus. Das hei\u00dft, dass die Partei sich nicht an Regierungen beteiligen kann, die k\u00fcrzen oder abschieben und jede Spaltung nach Linien der Herkunft, des Geschlechts oder der Religion klar zur\u00fcckweisen muss. An \u00c4nderungsantr\u00e4gen zu diesem Antrag wurden einmal mehr grunds\u00e4tzliche Fragen zur Ausrichtung der Linksjugend diskutiert. Ein \u00c4nderungsantrag, der bei der Ablehnung von Milit\u00e4reins\u00e4tzen zwischen Kriegs- und Auslandseins\u00e4tzen unterscheiden wollte, wurde abgelehnt. Auch die Aufweichung des Neins zu Regierungsbeteiligungen mit b\u00fcrgerlichen Parteien fand keine Mehrheit. Lediglich ein Antrag, die Vorst\u00f6\u00dfe von Katja Kipping und anderen in Richtung eines \u201elinken\u201c b\u00fcrgerlichen Einwanderungsgesetz nicht zur\u00fcckzuweisen, wurde angenommen. Das macht auch deutlich, dass eine gewisse Unklarheit besteht, wie staatlicher Rassismus nicht nur mit legalen Mitteln \u201evon innen abgeschw\u00e4cht\u201c, sondern g\u00e4nzlich \u00fcberwunden werden kann. (<a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2018\/01\/klasseninteressen-und-einwanderungspolitik\/\">Weiterf\u00fchrender Artikel zum Einwanderungsgesetz<\/a>)<\/p>\n<p>Andere Kontroversen entstanden bei der Religionsfrage. Au\u00dferdem wurde ein Antrag zur Ehrung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 100. Jahrestag ihrer Ermordung, der hart die Rolle der deutschen SPD damals wie heute angriff, abgelehnt. Wie jedes Jahr gab es eine Reihe von Antr\u00e4gen zum Thema Feminismus, in denen unter anderem der Kampf gegen den \u00a7219a (Verbot von Werbung f\u00fcr Schwangerschaftsabbruch) beschlossen wurde. Auch kam es zu einer Diskussion zur Haltung des Verbandes zum Thema feministische Pornografie. Einigkeit besteht im Verband darin, dass die Mainstream-Pornografie ein frauen- und menschenfeindliches Bild von Sexualit\u00e4t vermittelt. Dar\u00fcber hinaus bleibt die Diskussion um die Haltung der Linksjugend zur Sexindustrie kontrovers. Bereits auf dem letzten Bundeskongress in Erfurt kam die Diskussion zur Bewertung von Prostitution im Kapitalismus auf. Die SAV lehnt die kommerzielle Vermarktung des weiblichen K\u00f6rpers und weiblicher Sexualit\u00e4t ab. Viele andere Antr\u00e4ge wurden diskutiert und beschlossen, und k\u00f6nnen sicher bald \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.linksjugend-solid.de\/\">Homepage der Linksjugend [&#8217;solid]<\/a> abgerufen werden.<\/p>\n<p>Das erste Mal seit Jahren gab es wieder zahlreiche Kandidaturen zum Bundessprecher*innenrat, der diesmal sogar zehn Personen umfasst. Die wegen antideutscher Positionen und undemokratischen Handeln umstrittene Bundessprecherin Sarah Rambatz wurde nicht nochmal gew\u00e4hlt, sondern unterlag in einer Stichwahl. Die politische Zusammensetzung des BundessprecherInnenrates hat sich aber kaum ge\u00e4ndert. Um die Wahl der jugendpolitischen Sprecherin und des Jugendkandidaten zur Europawahl gab es kaum Konflikte, wof\u00fcr Franziska Fehst aus Sachsen und Malte Fiedler aus Berlin bestimmt wurden. Politische Konflikte wurden von der Mehrheit erstmal zur\u00fcckgestellt, um die Wahlen hinzubekommen und bei der Unvereinbarkeit keine Angriffsfl\u00e4che zu bieten. Ob das zu gr\u00f6\u00dferer Arbeits- und Kampagnenf\u00e4higkeit f\u00fchrt, wie es sich viele im Verband w\u00fcnschen, bleibt noch abzuwarten.<\/p>\n<p>Neben einer Reihe von Antr\u00e4gen gab es neben dem regul\u00e4ren Programm des Bundeskongresses auch kleinere Aktionen, wie eine Protestaktion gegen ein Volksfest der AfD und ein gemeinsames Gruppenfoto gegen die milit\u00e4rischen Angriffe der T\u00fcrkei auf Kurdistan. Eine l\u00e4ngere Diskussion zu den Angriffen auf Syrien und Kurdistan fand, trotz dr\u00e4ngender Lage, leider nicht statt.<\/p>\n<h4>Zukunft des Verbands<\/h4>\n<p><span id=\"cch_f3a9d175012192e\" class=\"_mh6 _wsc\"><span class=\"_3oh- _58nk\">Der Bundeskongress war vordergr\u00fcndig weniger polarisiert als die letzten drei Kongresse. Das darf nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass ein Jugendverband, in dem es so eine hohe Zustimmung f\u00fcr b\u00fcrokratischen Ma\u00dfnahmen gibt, wie dem Ausschluss ganzer aktiver Gruppen, seine eigene Zukunft als attraktive k\u00e4mpferische Jugendorganisation gef\u00e4hrdet. Darum ist es wichtig, dass der Bundesarbeitskreis Revolution\u00e4re Linke gest\u00e4rkt wird, damit sich gemeinsam und stark gegen undemokratische Ma\u00dfnahmen und f\u00fcr den Erhalt linker Grunds\u00e4tze eingesetzt werden kann<\/span><\/span>.<\/p>\n<p>Nach wie vor ist der Verband von starken inhaltlichen Differenzen gepr\u00e4gt. Diese werden weiterhin nach innen h\u00e4ufig mit sch\u00e4dlichen Methoden ausgetragen \u2013 RednerInnen werden ausgelacht oder anderweitig eingesch\u00fcchtert. Das f\u00fchrt dazu, dass gerade (aber nicht nur) neuere und weibliche Mitglieder in Diskussionen an den Rand gedr\u00e4ngt werden und es einiges an \u00dcberwindung kostet, sich zu Wort zu melden. Auch dass Mitglieder der Linksjugend unwidersprochen mit Propaganda imperialistischer Milit\u00e4rs wie der IDF (Israel Defence Force &#8211; Israelische Armee) den Bundeskongress besuchen, stimmt nicht gerade hoffnungsvoll. Von einer wirklichen Arbeiterjugendorganisation, in denen Gemeinsamkeiten vor Spaltung stehen, ein respektvoller Umgang herrscht, und Internationalismus und Solidarit\u00e4t gro\u00dfgeschrieben werden, ist diese Organisation auf Bundesebene nach wie vor weit entfernt.<\/p>\n<p>Auch nach au\u00dfen schadet ein solches Auftreten dem Aufbau linker Organisationen. Es ist kaum in Worte zu fassen, welche menschenfeindlichen und unpolitischen Kommentare den Bundeskongress auf Twitter oder Facebook dokumentieren. SAV-Mitglieder beteiligen sich an inhaltlichen Debatten \u2013 nicht aber an w\u00fcsten Beschimpfungen \u00fcber Twitter oder Facebook! In der einfachen Bev\u00f6lkerung wei\u00df heute kaum jemand, was \u201eAntideutsche\u201c sind oder weshalb Menschen in einer linken Organisation sich behandeln als w\u00fcrden sie sich am liebsten gegenseitig an die Gurgel gehen. Szenedebatten in einer linken Organisation &#8211; vor allem aber in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 nach vorne zu stellen, zerst\u00f6rt aktiv Ankn\u00fcpfungspunkte linker Strukturen mit der heute noch unorganisierten Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Dagegen sollten alle im Verband, die das anders sehen, gegenhalten und mit guten auf die Arbeiterklasse orientierten Kampagnen, einer guten Diskussionskultur und einer Politik ohne Ausgrenzung in ihren Landesverb\u00e4nden und Basisgruppen vormachen, wie eine k\u00e4mpferische und sozialistische Jugendorganisation aussehen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Demokratische Mitgliederrechte im Jugendverband verteidigen!<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":36129,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[26],"tags":[643,1236],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36128"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36128"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36128\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36130,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36128\/revisions\/36130"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36129"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36128"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36128"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}