{"id":36116,"date":"2018-04-15T15:34:14","date_gmt":"2018-04-15T13:34:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36116"},"modified":"2018-04-14T11:25:10","modified_gmt":"2018-04-14T09:25:10","slug":"kapitalismus-macht-krank-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/04\/kapitalismus-macht-krank-4\/","title":{"rendered":"Kapitalismus macht krank"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kapitalismusmachtkrank.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-34924\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kapitalismusmachtkrank-255x173.jpg\" alt=\"\" width=\"255\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kapitalismusmachtkrank-255x173.jpg 255w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kapitalismusmachtkrank-768x521.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kapitalismusmachtkrank-512x347.jpg 512w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kapitalismusmachtkrank-600x407.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kapitalismusmachtkrank.jpg 1341w\" sizes=\"(max-width: 255px) 100vw, 255px\" \/><\/a>Junge Erwachsene sind zunehmend von psychischen Erkrankungen betroffen<\/strong><\/p>\n<p>JedeR sechste StudentIn ist psychisch krank. Diese schockierende Zahl wurde beim Arztreport 2018 ver\u00f6ffentlicht. Die Barmer Ersatzkasse wertete ihre Versichertendaten von 2005 bis 2016 aus und dabei kam heraus, dass psychische Diagnosen bei jungen Erwachsenen drastisch angestiegen sind.<\/p>\n<p><em>Von Marlene Frauendorf, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Vor allem seien StudentInnen betroffen. Dabei galten diese immer als eine vergleichsweise gesunde PatientInnengruppe. Mit 18 sind sie nur halb so oft betroffen, wie Nichtstudierenden in ihrem Alter, im Verlauf des Studiums \u00e4ndert sich das jedoch. W\u00e4hrend bei jungen Nichtstudierenden das Depressionsrisiko ab 25 sinkt, steigt es bei Studierenden. Den jungen Erwachsenen insgesamt geht es jedoch noch schlechter. In dem genannten Zeitraum erhielt jeder vierte Mensch zwischen 18 und 25 eine psychische Diagnose. Allein bei der Diagnose Depression gab es einen Zuwachs von 76 Prozent.<\/p>\n<p>Frauen sind dabei \u00f6fter betroffen als M\u00e4nner und am gr\u00f6\u00dften sind die Raten der psychischen Diagnosen in Ballungszentren wie Berlin, Hamburg und Bremen.<\/p>\n<p>Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass junge Menschen unter einem hohen Druck stehen, auch wenn die Ursachen f\u00fcr psychische Krisen vielf\u00e4ltig und individuell unterschiedlich sind.<\/p>\n<h4>M\u00f6gliche Ursachen<\/h4>\n<p>Bereits in der Schule kommt es durch das mehrgliedrige Schulsystem zu einer Sortierung in gut und schlecht, die daf\u00fcr sorgt, dass vielen Sch\u00fclerInnen eine Berufswahl nach Wunsch verwehrt wird. Das kann zu gro\u00dfen Zukunfts- und Versagens\u00e4ngsten f\u00fchren, wie zu einem niedrigen Selbstwertgef\u00fchl. Wird man von diesem auf Leistung und Konkurrenz basierenden System abgeh\u00e4ngt, ist die Gefahr gro\u00df, in ein Loch zu fallen und das auch in jungem Alter.<\/p>\n<p>Viele StudentInnen arbeiten neben ihrem Studium in prek\u00e4ren, meist befristeten Jobs. Bei immer weiter steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten sind viele junge Erwachsene schon fr\u00fch von Existenz\u00e4ngsten betroffen. Gerade Anfang diesen Jahres machte der Arbeitskampf der studentischen Besch\u00e4ftigten in Berlin, die seit 16 Jahren keine Lohnanpassung mehr hatten, darauf aufmerksam.<\/p>\n<p>Auch Auszubildende arbeiten oft in Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen zu miesen Bedingungen. Viele bekommen eine viel zu niedrige Verg\u00fctung, m\u00fcssen \u00dcberstunden leisten und sind auf Nebenjobs angewiesen. Diese Belastungen f\u00fchren schon bei jungen Erwachsenen zu Burnouts und Depressionen.<\/p>\n<p>Die Auswertung der Versichertendaten ergab auch, dass bei StudentInnen ab dem Alter von 29 das Risiko, an einer Depression zu erkranke,n am h\u00f6chsten ist. Mit 29 haben viele StudentInnen gerade ihren Abschluss und m\u00fcssen sich nun auf dem Arbeitsmarkt zurechtfinden. Die Aussichten sind hier nicht rosig. Es wird sich mit Zusatz- und Sonderqualifikationen \u00fcbertroffen, um in das Profil der Unternehmen zu passen. Es wird erwartet, dass man immer bereit, engagiert und topfit ist. Viele finden sich dann in unsicheren Arbeitsverh\u00e4ltnissen wieder. Meist sind diese befristet und oftmals schlecht bezahlt. Es ist also kein Wunder, dass viele junge Erwachsene von Zukunfts- und Existenz\u00e4ngsten betroffen sind, wenn sie schon so fr\u00fch die neoliberale Profitlogik zu sp\u00fcren bekommen.<\/p>\n<p>Dazu kommt, dass es in unserer Gesellschaft immer noch eine H\u00fcrde gibt, offen mit psychischen Krisen umzugehen. Obwohl sich in dem Punkt schon einiges getan hat, wird oft noch vermittelt, eine depressive Krise sei ein Zeichen von Schw\u00e4che, statt eine ernstzunehmende Erkrankung. Dabei sollten k\u00f6rperliche und psychische Erkrankungen gleicherma\u00dfen ernst genommen werden. Nur, weil eine Depression nicht sichtbar ist, ist sie nicht weniger bedrohlich und bedeutet nicht weniger Leid.<\/p>\n<h4>Hilfsangebote<\/h4>\n<p>Die Barmer schl\u00e4gt niedrigschwellige Hilfsangebote vor. Zusammen mit ForscherInnen und Forschern schufen sie Online Trainings mit denen von psychischen Krisen Betroffene diese selbstst\u00e4ndig meistern sollen. Obwohl Achtsamkeitstrainings auch eine Hilfe sein k\u00f6nnen, um mehr Bewusstsein f\u00fcr sich selbst zu schaffen und es Aufkl\u00e4rung, wie in diesen Online Trainings, braucht, greift dieser Ansatz zu kurz. Anstatt Betroffenen das Gef\u00fchl zu geben, schwierige Phasen alleine meistern zu m\u00fcssen, sind dringend ausreichend Therapiepl\u00e4tze n\u00f6tig. Doch so wichtig es ist, die unmittelbaren Hilfsangebote auszubauen, gilt es vor allem, den gesellschaftlichen Ursachen den Boden zu entziehen. Solange wir in einer Gesellschaft leben, die Konkurrenz- und Leistungsdruck zur Grundlage hat und Krisenherde schafft, werden auch psychische Krisen und Leid bef\u00f6rdert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Junge Erwachsene sind zunehmend von psychischen Erkrankungen betroffen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":34924,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[53],"tags":[1230,694,1231,1232],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36116"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36116"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36116\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36117,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36116\/revisions\/36117"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34924"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}