{"id":36043,"date":"2018-03-26T19:10:49","date_gmt":"2018-03-26T17:10:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=36043"},"modified":"2018-03-26T19:10:49","modified_gmt":"2018-03-26T17:10:49","slug":"die-katalanische-jugend-in-aktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/03\/die-katalanische-jugend-in-aktion\/","title":{"rendered":"Die katalanische Jugend in Aktion"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/borja-e1522084167356.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-36044\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/borja-167x173.jpg\" alt=\"\" width=\"167\" height=\"173\" \/><\/a>Vorbemerkung: Dieses Interview wurde vor der Verhaftung des katalanischen Exil-Politikers Carles Puigdemont in Schleswig-Holstein und den Massenprotesten der letzten Tage, die diese ausgel\u00f6st hatte, gef\u00fchrt. Die SAV fordert die sofortige Freilassung von Puigdemont, dessen Verhaftung Teil der Repression gegen die berechtigten Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen des katalanischen Volkes sind. Mehr zum Thema findet sich in diesem <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2018\/02\/kampf-um-katalonien\/\">Artikel<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Interview mit Borja Latorre Campos<\/strong><\/p>\n<h4>Wie ist die Stimmung unter jungen Menschen in Bezug auf den Kampf f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens?<\/h4>\n<p>Ein sehr gro\u00dfer Teil der katalanischen Jugend ist f\u00fcr eine Katalanische Republik, weil sie sich von deren Errichtung die Abschaffung der Monarchie, der Repression und der antidemokratischen Angriffe des Spanischen Staates sowie die R\u00fccknahme der Verschlechterungen der Arbeits- und Sozialgesetzgebung versprechen.<\/p>\n<h4>Welche Rolle spielen Jugendliche in der Bewegung?<\/h4>\n<p>Sowohl StudentInnen als auch junge ArbeiterInnen haben bei den Mobilisierungen und Streiks eine entscheidende Rolle gespielt. Auch am 1. Oktober selbst waren sie sehr aktiv. Ihre Entschlossenheit und Kampfbereitschaft war einer der Schl\u00fcssel zum Sieg, der trotz der brutalen Gewalt der staatlichen Repressionsorgane am Tag des Referendums errungen wurde.<\/p>\n<h4>Welche Aktivit\u00e4ten organisierte dabei die Sch\u00fclerInnen- und Studierendengewerkschaft Sindicato de Estudiantes?<\/h4>\n<p>Wir haben gro\u00dfe Mobilisierungen von September bis November angesto\u00dfen. Und schon davor hatten wir Vollversammlungen unserer Mitglieder und SympathisantInnen organisiert, um jeden Schritt zu diskutieren \u2013 dadurch konnten wir unseren Einfluss kontinuierlich steigern.<\/p>\n<p>Als erstes initiierten wir mit unserem Aufruf den Sch\u00fclerstreik vom 28. September, weil uns klar war, dass der Spanische Staat das Referendum vom 1. Oktober nicht erlauben w\u00fcrde und darum eine massenhafte Mobilisierung zur Erh\u00f6hung des Drucks notwendig sein w\u00fcrde, um das Selbstbestimmungsrecht zu verteidigen und die Abstimmung vorzubereiten. An der Streikdemo am 28.9. nahmen mehr als 150.000 Sch\u00fclerInnen teil und brachten auf den Stra\u00dfen von Barcelona ihren Willen zum Ausdruck, das ungerechte Gesetz zu missachten und das Wahlrecht auszu\u00fcben.<\/p>\n<p>Am Tag nach dem Referendum riefen wir zu einem kombinierten Schul- und Unistreik auf, um uns dem historischen Generalstreik am 3. Oktober anzuschlie\u00dfen. Das wirtschaftliche Leben Kataloniens kam zum Erliegen und wir alle nahmen an der gr\u00f6\u00dften Demonstration seiner Geschichte teil. Drei Wochen darauf riefen wir zu einem zweit\u00e4gigen Sch\u00fclerstreik am 25.\/26. Oktober auf, um deutlich zu machen, dass wir Sch\u00fclerInnen nicht nachgeben werden. Wieder gab es eine beeindruckende Beteiligung mit zehntausenden auf den in vier katalanischen St\u00e4dten organisierten Demos.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem riefen wir zu einem weiteren Sch\u00fclerstreik am 8. November auf, dem Tag des n\u00e4chsten Generalstreiks, und stie\u00dfen die Demonstration des 11. Novembers an, die fast zwei Millionen Menschen auf die Stra\u00dfe brachte.<\/p>\n<p>Als Sindicato de Estudiantes sind wir \u00fcberzeugt, dass der Kampf auf der Stra\u00dfe der einzige Weg ist, die Bourgeoisie (sowohl die spanische als auch die katalanische) und ihren Repressionsapparat zu besiegen, der die Bewegung des katalanischen Volkes f\u00fcr einen Wandel zerquetschen will und damit nicht zuletzt allen unterdr\u00fcckten spanischen und europ\u00e4ischen V\u00f6lkern eine Warnung geben will, sich nicht gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen.<\/p>\n<h4>W\u00fcrde denn die Unabh\u00e4ngigkeit die Probleme der katalanischen Jugend l\u00f6sen? Welche Forderungen stellt Ihr auf?<\/h4>\n<p>Sowohl das Sindicato de Estudiantes als auch Izquierda Revolucionaria (Revolution\u00e4re Linke, die SAV-Schwesterorganisation im Spanischen Staat, Ad\u00dc) nehmen an der Massenbewegung f\u00fcr eine Katalanische Republik teil. Ein durch Massenmobilisierungen erzielter Sieg w\u00fcrde auch die sozialen K\u00e4mpfe vieler anderer V\u00f6lker ermutigen und die Bildung einer breiten internationalen Bewegung gegen ungerechte Gesetze und f\u00fcr ein Ende der K\u00fcrzungspolitik befeuern.<\/p>\n<p>Eine Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens auf kapitalistischer Grundlage w\u00fcrde aber weder die Lebensbedingungen der Jugend noch diejenigen der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung allgemein verbessern. N\u00f6tig ist eine sozialistische Katalanische Republik, um die Macht der Reichen zu brechen. Tats\u00e4chlich kann eine wirkliche Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens nur erreicht werden durch eine Massenbewegung, die die Grenzen des Kapitalismus sprengt und mittels eines revolution\u00e4ren sozialistischen Programms, gest\u00fctzt auf die Jugend und die Arbeiterklasse, solch eine Republik errichtet. Beide zusammen sind in der Lage, die Verwaltung und die wichtigsten Unternehmen, die Infrastruktur und die Logistikzentren zu leiten. Damit w\u00fcrden sie gleichzeitig eine internationalistische Botschaft an die \u00fcbrigen unterdr\u00fcckten V\u00f6lker senden, ihre K\u00e4mpfe ebenfalls auszuweiten und nicht zuletzt die zu erwartenden Boykottversuche der Kapitalisten gegen\u00fcber einer Katalanischen Republik zunichtezumachen.<\/p>\n<p>Wir haben aktuell folgende Forderungen:<\/p>\n<p>Weg mit dem Artikel 155 der spanischen Verfassung, der die Autonomie Kataloniens zunichtegemacht hat<\/p>\n<p>Freiheit f\u00fcr die politischen Gefangenen und Schluss mit politischer Verfolgung<\/p>\n<p>Abzug der aus anderen Teilen des spanisches Staates zur Unterdr\u00fcckung demokratischer Rechte geschickten Polizeieinheiten<\/p>\n<p>Die politische Linke, Gewerkschaften und soziale B\u00fcndnisse und Bewegungen m\u00fcssen einen strategischen Kampfplan ausarbeiten, der auch Streiks und Demonstrationen beinhaltet, denn um siegen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir die Stra\u00dfe zur\u00fcckgewinnen<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Katalanische Republik des Volkes und der ArbeiterInnen. F\u00fcr ein Katalonien, das mit den K\u00fcrzungen und den Zwangsr\u00e4umungen aufh\u00f6rt. Schluss mit den f\u00fcr ArbeiterInnen sch\u00e4dlichen Verschlechterungen der Arbeitsgesetze. F\u00fcr ein sozialistisches Katalonien, das die Banken und die Schl\u00fcsselsektoren der Wirtschaft verstaatlicht, um einen Sozialplan aufzustellen, der die Armut beendet und die sozialen Bed\u00fcrfnisse aller erf\u00fcllt. F\u00fcr ein sozialistisches Katalonien in Bruderschaft mit den spanischen und europ\u00e4ischen V\u00f6lkern. F\u00fcr eine sozialistische spanische Republik auf der Basis einer freien und freiwilligen Union derjenigen V\u00f6lker, welche derzeit im Staatsgebiet leben.<\/p>\n<h5><em>Das Interview f\u00fchrte Sascha Stanicic. Borja Latorre campos ist Redner auf den <a href=\"http:\/\/www.sozialismustage.de\">Sozialismustagen<\/a>.<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Borja Latorre Campos<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":36044,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[657],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36043"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36043"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36043\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36045,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36043\/revisions\/36045"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36043"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36043"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36043"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}