{"id":35992,"date":"2018-03-13T13:07:07","date_gmt":"2018-03-13T12:07:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35992"},"modified":"2018-03-13T13:13:02","modified_gmt":"2018-03-13T12:13:02","slug":"solidaritaet-mit-afrin-nein-zum-krieg-gegen-die-kurdinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/03\/solidaritaet-mit-afrin-nein-zum-krieg-gegen-die-kurdinnen\/","title":{"rendered":"Solidarit\u00e4t mit Afrin: Nein zum Krieg gegen die KurdInnen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/afrin_soli-e1520942804315.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35993\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/afrin_soli-e1520942804315-252x173.jpg\" alt=\"\" width=\"252\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/afrin_soli-e1520942804315-252x173.jpg 252w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/afrin_soli-e1520942804315.jpg 442w\" sizes=\"(max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><\/a>Interview mit Ismail N. Okay zum t\u00fcrkischen Einmarsch in Nordsyrien<\/strong><\/p>\n<p><em>Vorbemerkung: Die Lage im kurdischen Afrin spitzt sich in diesen Tagen dramatisch zu. Nach Medienberichten hat die t\u00fcrkische Armee die 300.000 sich noch in der Stadt befindenden EinwohnerInnen eingekesselt. Bisher sollen 300 ZivilistInnen ermordet und 700 verletzt worden sein. Das t\u00fcrkische Milit\u00e4r hat \u00a0Telefonleitungen, Wasser- und Elektrizit\u00e4tswerke zerst\u00f6rt, den Maydanki-Staudamm eingenommen, und versucht Afrin komplett zu isolieren. In der Stadt gibt es einen Mangel an Medikamenten und G\u00fctern des t\u00e4glichen Bedarfs. Erdogan k\u00fcndigt derweil an, dass er die Milit\u00e4roffensive auf andere Teile der selbstverwalteten Region Rojava, einschlie\u00dflich Kobane, ausweiten will, wenn Afrin eingenommen wird.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Wir ver\u00f6ffentlichen hier ein Interview mit Ismail N. Okay, das Ende Februar gef\u00fchrt wurde und zuerst in der M\u00e4rz-Ausgabe der SAV-Zeitung &#8222;Solidarit\u00e4t&#8220; erschien. Die SAV ruft zur Solidarit\u00e4t mit der bev\u00f6lkerung Afrins und zur Beteiligung an den gerade in ganz Deutschland stattfindenden Protestdemonstrationen auf &#8211; auch um die Komplizenschaft der Bundesregierung mit dem Erdogan-Regime anzuklagen. Wir fordern ein Ende der Waffenexporte an die T\u00fcrkei und den R\u00fcckzug der Bundeswehr-Soldaten von den NATO-St\u00fctzpunkten in der T\u00fcrkei.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Flugblatt der SAV findet sich<a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/?wpfb_dl=2139\"> hier<\/a>.<\/em><\/p>\n<h4>Was steckt Deiner Meinung nach hinter dem Einmarsch t\u00fcrkischer Truppen in Afrin?<\/h4>\n<p>Hinter diesem Einmarsch des AKP-Regimes in Afrin stecken drei Hauptmotive. Das erste ist die anti-kurdische Politik des t\u00fcrkischen Staates, also ein Vorgehen gegen die Bestrebungen der Kurdinnen und Kurden, ein Selbstbestimmungsrecht durchzusetzen. Der t\u00fcrkische Staat wurde auf einem t\u00fcrkisch-islamisch-sunnitischen Selbstverst\u00e4ndnis gegr\u00fcndet, das Staatsdoktrin ist. Das ist der Grund, warum sich &#8211; au\u00dfer echten Marxistinnen &#8211; alle politischen Kr\u00e4fte in der T\u00fcrkei schnell einig sind, wenn es gegen die KurdInnen geht. Selbst geringste Errungenschaften der kurdischen Bev\u00f6lkerung, innerhalb oder au\u00dferhalb der T\u00fcrkei, werden als Bedrohung angesehen. Eine in Syrien entstehende &#8222;Nordsyrische Kurdenregion&#8220; ist aus Sicht des t\u00fcrkischen Staates eine Entwicklung, die mit allen Mitteln verhindert werden muss.<\/p>\n<p>Der andere Grund ist die sogenannte neoosmanisch-imperiale Politik des Erdogan-Regimes mittels derer die T\u00fcrkei in der Region zu einer Regionalmacht werden soll. Erdogan und die Herrschenden haben den Syrienkonflikt als eine Gelegenheit zur Umsetzung dieser Politik gesehen.<\/p>\n<p>Drittens: Erdogan nutzt diesen milit\u00e4rischen Vormarsch um von den sozialen Problemen in der T\u00fcrkei abzulenken. Vor dem Einmarsch in Afrin standen in Umfragen die sozialen Probleme, wie die Senkung des Lebensstandard, die niedrigen L\u00f6hne, der Anstieg der Arbeitslosigkeit und die Inflation im Vordergrund. Nun sind diese Themen pl\u00f6tzlich in den Hintergrund ger\u00fcckt. Erdogan sch\u00fcrt mit dem Einmarsch Nationalismus und hofft dadurch die wichtigen Wahlen im n\u00e4chsten Jahr zu gewinnen.<\/p>\n<h4>Wie verl\u00e4uft der Vormarsch der t\u00fcrkischen Armee? Was wird Deiner Meinung nach das Ergebnis sein?<\/h4>\n<p>Entgegen der t\u00fcrkischen Staatspropaganda verl\u00e4uft der Vormarsch sehr langsam. Auf der anderen Seite ist Afrin fast v\u00f6llg isoliert und au\u00dfer im S\u00fcdosten, wo sich die Milit\u00e4rk\u00e4fte des Assad-Regimes befinden, eingekesselt. Die T\u00fcrkei ist auch milit\u00e4risch \u00fcberlegen und verf\u00fcgt nicht zuletzt \u00fcber Kampfjets und Drohnen. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass Afrin nach einem relativ langen Kampf fallen wird. Aber je mehr sich der Kampf in die L\u00e4nge zieht, umso gr\u00f6\u00dfer werden die Konsequenzen f\u00fcr Erdogan sein.<\/p>\n<h4>Wie siehst Du die B\u00fcndnispolitik der YPG?<\/h4>\n<p>Die YPG spricht davon, eine flexible Taktik bez\u00fcglich ihrer B\u00fcndnispolitik mit den verschiedenen Kr\u00e4ften in der Region, anzuwenden. Ihre Betonung f\u00fcr die Einheit der V\u00f6lker ist auch richtig. Allerdings es ist nicht klar welche Strategie sie diesbez\u00fcglich verfolgt. Die sehr enge Zusammenarbeit mit dem US-Imperialismus, der der Hauptverantwortlicher f\u00fcr die Zust\u00e4nde in Irak und Syrien ist, steht im Widerspruch zu solchen Aussagen.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel, ist die Situation, in der sich die KurdInnen bzw. die PYD\/YPG gerade befinden, sehr schwierig. Ein Volk, das auf vier L\u00e4nder aufgeteilt ist und dort unterdr\u00fcckt wird, hat gleichzeitig vier Gegner, die sich leicht verb\u00fcnden k\u00f6nnen. Das sehen wir gerade in Afrin. Zum Beispiel w\u00e4re der t\u00fcrkische Einmarsch ohne die Zustimmung von Russland bzw. des Assad-Regimes gar nicht m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Es gibt sicher keinen leichten Weg, Selbstbestimmung oder einen \u201edemokratischen Konf\u00f6deralismus\u201c, wie die PYD\/YPG es nennt, zu erreichen. Aus unserer Sicht, ist das nur auf sozialistischer Grundlage m\u00f6glich. Dieses Ziel kann man weder mit Hilfe des US- noch des russischen Imperialismus oder des Assad-Regimes erreichen. Einzig die Arbeiterklasse und die armen Bauern und B\u00e4uerinnen in der Region k\u00f6nnen wahre B\u00fcndnispartner sein, um dieses Ziel zu erreichen.<\/p>\n<h4>Wie ist die Lage f\u00fcr KurdInnen, Linke und die demokratische Opposition in der T\u00fcrkei?<\/h4>\n<p>Es herrscht eine gro\u00dfe nationalistische Stimmung. Ohne Ausnahme betreiben alle Fernsehkan\u00e4le Kriegspropaganda und das nicht nur durch Nachrichtensendungen oder Polit-Talkshows, sondern auch mittels von Fernsehserien.<\/p>\n<p>Nicht nur die Kritiker des Einmarsch werden unter Druck gesetzt, indem ihnen Verrat vorgeworfen wird, sondern auch diejenigen die sich in irgendeiner Form nicht f\u00fcr den Einmarsch ge\u00e4u\u00dfert haben. Gleich in den ersten Tagen nach dem Einmarsch wurden die Spitzenvertreter der T\u00fcrkischen Medizinischen Vereinigung (TTB) festgenommen, weil sie sich gegen \u201eKrieg\u201c ge\u00e4u\u00dfert haben. Auch hunderte von Menschen wurden nur wegen \u00c4u\u00dferungen gegen Krieg in den sozialen Medien festgenommen.<\/p>\n<p>Kurz gesagt es ist grade eine Zeit, in der die Linke gegen die Strom schwimmen muss. n<\/p>\n<h5><em>Ismail N. Okay ist Mitglied von Sosyalist Alternatif, der Schwesterorganisation der SAV in der T\u00fcrkei.<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Ismail N. Okay zum t\u00fcrkischen Einmarsch in Nordsyrien<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35993,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[45],"tags":[1153,809,855,330,721,297,298,329],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35992"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35992"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35992\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35995,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35992\/revisions\/35995"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35993"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35992"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35992"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35992"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}