{"id":35971,"date":"2018-03-09T14:52:13","date_gmt":"2018-03-09T13:52:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35971"},"modified":"2018-03-09T15:31:59","modified_gmt":"2018-03-09T14:31:59","slug":"irland-internationaler-frauentag-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/03\/irland-internationaler-frauentag-2018\/","title":{"rendered":"Irland: Internationaler Frauentag 2018"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/socialist-feminism-e1520517075258.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35972\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/socialist-feminism-e1520517075258-280x156.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/socialist-feminism-e1520517075258-280x156.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/socialist-feminism-e1520517075258.jpg 472w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Repeal und Abtreibungsrechte \u2013 ein entscheidender Kampf<\/strong><\/p>\n<p>Der internationale Frauentag 2018 wird auf der irischen Insel vor allem von einem Thema beherrscht: Abtreibung. Das gilt insbesondere f\u00fcr den S\u00fcden, wo durch jahrelange Kampagnen und Mobilisierungen das Recht auf ein entscheidendes Referendum gewonnen wurde, welches nun Ende M\u00e4rz stattfindet. In den letzten f\u00fcnf Jahren sind zehntausende auf die Stra\u00dfe gegangen. Sch\u00fclerInnen und Studierende haben sich organisiert, um ihre Bildungseinrichtungen und Gewerkschaften f\u00fcr das Recht auf Abtreibung zu gewinnen. Das Tragen schwarzer Pullover, die mit dem Wort \u201eRepeal\u201c<a href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a> geschm\u00fcckt sind, wurde allgegenw\u00e4rtig. Enormer politischer Druck wurde durch eine breite \u00f6ffentliche Stimmung von unten erzeugt, die Ver\u00e4nderung sehen will. Wie bereits bei der gleichgeschlechtlichen Ehe 2015 war ein Schl\u00fcsselelement die gro\u00dfe Unterst\u00fctzung unter weiblichen Schichten der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>von Laura Fitzgerald, Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Irland)<\/p>\n<p>Vor f\u00fcnf Jahren initiierten Frauen und LGBTQ-AktivistInnen der Socialist Party am internationalen Frauentag 2013 die Kampagne ROSA, eine sozialistisch-feministische Bewegung. ROSA war seit dem dynamischer und jugendlicher Teil der Pro-Choice-<a href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\">2<\/a>, Frauen- und LGBTQ-Bewegung. Die Socialist Party verlieh gleichzeitig diesem politischen Druck im Dail (dem Parlament) eine Stimme. Kontinuierlich forderte sie dort die Abschaffung des Abtreibungsverbots und Abtreibungsrechte \u00fcber die Abgeordneten von Solidarity.<a href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a> Insbesondere Ruth Coppinger wird als eine der unnachgiebigsten VerteidigerInnen von Abtreibungs- und Frauenrechten angesehen.<\/p>\n<p>Ein Moment, der der Abtreibungsrechtsbewegung in Erinnerung geblieben ist, war der internationale Frauentag 2017, an welchem ein Streikaufruf von tausenden Sch\u00fclerInnen und Studierenden sowie vielen Arbeitenden im ganzen Land befolgt wurde. Im Stadtzentrum Dublins ging an diesem Tag nichts mehr: Der Verkehr wurde stundenlang durch die Stra\u00dfenbesetzungen dieser Jugendbewegung blockiert. Am Abend demonstrierten 20.000 Menschen zum Parlament. Es war eine w\u00fctende, trotzige Demonstration \u2013 angef\u00fchrt durch Sch\u00fclerInnen aus Arbeitervierteln. Am internationalen Frauentag 2018 wird ebenfalls vor dem Parlament demonstriert werden. Frauen, LGBTQ-Personen, Jugendliche, Gewerkschafts- und Nachbarschaftsaktive aus dem ganzen Land setzen so den Aufbau der Ja-Kampagne und Bewegung fort.<\/p>\n<p>Das Referendum soll den achten Verfassungszusatz abschaffen und so das seit 35 Jahren in Irland bestehende, verfassungsrechtlich abgesicherte Abtreibungsverbot aufheben. Diese frauenverachtende Gleichsetzung einer Frau mit einem F\u00f6tus wurde auf Gehei\u00df der katholischen Kirche in die Verfassung eingef\u00fcgt. Seitdem mussten 150.000 Frauen unter gro\u00dfem Aufwand und Schwierigkeiten ins Ausland reisen, um Zugang zu einer Abtreibung zu bekommen. Auch gab es Tote, einschlie\u00dflich Savita Halappanavar im Jahr 2012. Ihr Tod l\u00e4utete eine neue Bewegung ein, die nun im Referendum resultiert.<\/p>\n<p>Im Norden werden die Augen von Frauen und Jugendlichen auf die Entwicklungen im S\u00fcden gerichtet sein. Die Forderung nach Abtreibungsrechten im Norden wird massiven Zulauf erfahren, wenn im S\u00fcden eine Legalisierung erk\u00e4mpft wird. Jede Form der Abschaffung des Achten im S\u00fcden wird der Forderung nach einer Ausweitung des Gesetzes von 1967 auf den Norden Schwung verleihen. Dieses Gesetz legalisierte damals Abtreibungen in Gro\u00dfbritannien. Frauen und LGBTQ-Aktive in der Socialist Party in Nordirland haben ROSA \u2013 Sozialistisch-Feministische Bewegung gegr\u00fcndet und werden Freiwillige aus dem Norden mobilisieren, um die Ja-Kampagne zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Alle Zeichen sprechen f\u00fcr eine aufkeimende Jugendrevolte f\u00fcr das Ja, welche in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten zu erwarten ist. Die junge Generation ist unmissverst\u00e4ndlich pro-choice und sieht Abtreibungen als ein Grundrecht und als Frage der k\u00f6rperlichen Selbstbestimmung an. 75 Prozent der 18- bis 24-j\u00e4hrigen unterst\u00fctzen den Vorschlag, Abtreibungen auf Nachfrage f\u00fcr bis zu zw\u00f6lf Wochen nach Beginn der Schwangerschaft zu erlauben. Neben den Jugendlichen sehen auch andere Generationen von Frauen und ArbeiterInnen diesen Kampf als bahnbrechend an. Denn der Kampf f\u00fcr Abtreibungsrechte trifft den Nerv des Wunsches der Mehrheit nach einem s\u00e4kularen, progressiven Staat \u2013 einem Staat, aus dem die dunklen Tage der Einmischung durch die katholische Kirche in Staatsangelegenheiten f\u00fcr immer verbannt sind. Im ersten Kampagnenvideo von ROSA wird das folgenderma\u00dfen zusammengefasst:<\/p>\n<p>\u201eDas Irland der Abtreibungsgegner ist eines der Versklavung armer Frauen in Magdalenenheimen, von Massengr\u00e4bern in den Mutter- und Kindheimen, der Folterpraxis namens Symphysiotomie und des Verbots von Verh\u00fctungsmitteln &#8212; das war ihre Zeit &#8212; jetzt ist unsere Zeit &#8212; sei dabei wenn 2018 Geschichte geschrieben wird &#8212; mach mit bei der Ja-Kampagne von ROSA &#8212; f\u00fcr Abtreibungsrechte, f\u00fcr k\u00f6rperliche Selbstbestimmung, f\u00fcr Freiheit &amp; Gleichberechtigung!\u201c<\/p>\n<h4>Zw\u00f6lf Wochen auf Verlangen &amp; Abtreibungspillen<\/h4>\n<p>Das politische Establishment im Staat ist von Haus aus reaktion\u00e4r. Die Parteien des kapitalistischen Establishments waren in all den oben genannten Verbrechen Komplizen. Es ist ein \u201evon Pfaffen durchsetzter\u201c Staat, wie James Joyce es scherzhaft ausdr\u00fcckte. Mit diesem Wissen im Hinterkopf ist es besonders bemerkenswert und wichtig, dass die Regierung angedeutet hat, dass wenn es zu einer Abschaffung durch das Referendum kommen sollte, sie Gesetze veranlassen will, welche nicht nur Abtreibungen bei Gef\u00e4hrdung der Gesundheit sondern auch auf Verlangen innerhalb der ersten zw\u00f6lf Wochen umfassen sollen. Das betrifft 92 Prozent aller Abtreibungen. Die Idee w\u00fcrde bedeuten, dass die Mehrheit der Abtreibungen von \u00f6rtlichen Allgemein\u00e4rzten per Pille durchgef\u00fchrt werden kann. Das w\u00fcrde Zugang zu Abtreibungen zur Realit\u00e4t werden lassen und w\u00e4re somit ein riesiger Erfolg.<\/p>\n<p>Dabei wurde 2013 eine Erneuerung des irischen Abtreibungsverbots erlassen, welche Gef\u00e4ngnisstrafen von bis zu 14 Jahren f\u00fcr jede und jeden vorsieht, der bzw. die eine illegale Abtreibung (sprich eine Abtreibung in der das eigenen Leben nicht unmittelbar in Gefahr ist) durchf\u00fchrt bzw. bei der Durchf\u00fchrung assistiert. Seit jeher wurden die Forderungen nach Ver\u00e4nderung von unten durch einen Chor der Medien und Politiker abgewiesen, der versuchte, die einzig m\u00f6gliche akzeptierte gesetzliche L\u00f6sung auf \u201eH\u00e4rtef\u00e4lle\u201c von Vergewaltigung und t\u00f6dlicher F\u00f6tenanomalie zu beschr\u00e4nken. Wie sind wir also in die heutige Situation geraten?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst berief die Regierung eine \u201eB\u00fcrgerversammlung\u201c zu Beginn des letzten Jahres ein, welche aus 99 B\u00fcrgerInnen bestand. Diese wurden von einem Unternehmen f\u00fcr Meinungsumfragen ausgew\u00e4hlt und sollten Empfehlungen zum achten Verfassungszusatz und dem Thema Abtreibungen abgeben. Man versuchte sicherzustellen, dass die Konsequenzen der B\u00fcrgerversammlung deutlich harmloser ausfielen, als die sich in der Bev\u00f6lkerung entwickelnde Stimmung hergab. Dieser Versuch ging f\u00fcr das politische und Medienestablishment nach hinten los. Im Grunde genommen beschlossen 99 einfache Menschen, als ihnen alle Fakten zum Thema Abtreibungen pr\u00e4sentiert wurden, sich f\u00fcr Pro-Choice-Politik einzusetzen. Die Empfehlungen beinhalteten: Abtreibungen bis zu zw\u00f6lf Wochen auf Verlangen, bis zu 22 Wochen aus \u201esozio-\u00f6konomischen Gr\u00fcnden\u201c und eine F\u00fclle an anderen fortschrittlichen Vorschl\u00e4gen, einschlie\u00dflich fl\u00e4chendeckender Einf\u00fchrung von qualifizierter Sexualaufkl\u00e4rung und kostenloser Verh\u00fctung. Das war wichtiger R\u00fcckenwind f\u00fcr die Pro-Choice-Bewegung. Hier wurde die M\u00f6glichkeit aufgezeigt, dass \u201eRepeal\u201c auch Abtreibungsrechte in der Realit\u00e4t sicherstellen k\u00f6nnte, statt nur mehr restriktiver Gesetzgebung.<\/p>\n<p>Enorm geholfen hat in dieser Hinsicht auch die Kampagne in Bezug auf Abtreibungspillen, die ROSA seit 2014 in Zusammenarbeit mit WomenOnWeb.org f\u00fchrt und die sich auf zivilen Ungehorsam st\u00fctzt. Der \u201eZug der Abtreibungspillen\u201c, und infolge auch organisierte Busse, haben das irische Abtreibungsrecht ins L\u00e4cherliche gezogen, indem Zugang zu einer sicherer Abtreibung per Pille angeboten wurde. Die Kampagne hat aufgezeigt, dass tagt\u00e4glich Menschen Abtreibungen in diesem Staat trotz des Verbots durchf\u00fchren. Die Aktionen erhielten ein riesiges landesweites und internationales Medienecho und wurden an sich zum Faktor in der Debatte, da mehr und mehr Menschen sich \u00fcber Abtreibungspillen informierten und begannen, diese auch in Irland unter sicheren Bedingungen zu nutzen. ROSA hat in dieser Phase sehr bewusst diese Abtreibungsm\u00f6glichkeit per Pille in den Vordergrund ger\u00fcckt, um den Versuch des Establishments zu unterbinden, die \u00f6ffentliche Diskussion und zuk\u00fcnftige Gesetzgebung auf die \u201eH\u00e4rtef\u00e4lle\u201c zu beschr\u00e4nken. Das gesamte Establishment ignorierte v\u00f6llig, dass Frauen jeden Tag Abtreibungen aus vielen verschiedenen Gr\u00fcnden durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Ein bekannter politischer Korrespondent einer \u00f6ffentlichen Fernsehanstalt sagte selbst, dass die Aufgabe des die Empfehlungen der B\u00fcrgerversammlung behandelnden Parlamentsausschusses war, eben jene Empfehlungen und Vorschl\u00e4ge zu verw\u00e4ssern. Aus diesem Grund betonte Ruth Coppinger in ihren Beitr\u00e4gen im Parlamentsausschuss die Forderung nach dem Recht auf Abtreibung auf Verlangen zw\u00f6lf Wochen nach Beginn der Schwangerschaft.<\/p>\n<p>Ruth spielte eine gro\u00dfe Rolle dabei, die Abtreibungspillen (welche bis zu zw\u00f6lf Wochen eingenommen werden k\u00f6nnen) zu einem zentralen Thema des Parlamentsausschusses zu machen, indem sie Abigail Aiken von der Universit\u00e4t Texas aufrief, um ihre Untersuchungen zu pr\u00e4sentieren. Aiken hat bahnbrechende Untersuchungen zur Nutzung von Abtreibungspillen der WomenOnWeb.org-Initiative auf der irischen Insel durchgef\u00fchrt. Aikens Recherchen offenbarten die Realit\u00e4t: T\u00e4glich f\u00fchren heutzutage f\u00fcnf Frauen eine sichere Abtreibung per Pille durch, weitere zehn fahren zu diesem Zweck t\u00e4glich ins Ausland. Ein Teil ihrer Recherche deutete daraufhin, wie wichtig die Rolle von ROSAs Kampagne des zivilen Ungehorsams war, um das Wissen \u00fcber den Zugang zu diesen Pillen zu verbreiten. Aikens Auftreten im Parlamentsausschuss wurde weitgehend als Offenbarung anerkannt \u2013 die Tatsache, dass Abtreibungen eine Realit\u00e4t in diesem Staat sind, macht es sehr schwer politisch weiterhin selbst ein Teilverbot zu vertreten!<\/p>\n<p>Die Pro-Choice-Bewegung als ganzes &#8211; und der bahnbrechende zivile Ungehorsam, den ROSA mit den Abtreibungspillen anf\u00fchrte im Besonderen \u2013 haben die Grundlage geschaffen, dass selbst das konservative, \u00e4rztliche Establishment seine Position ver\u00e4ndert. Wichtige Pers\u00f6nlichkeiten erhoben lauter ihre Stimme f\u00fcr gesetzliche \u00c4nderungen. So waren die Beitr\u00e4ge von medizinischen Fachkr\u00e4ften im Parlamentsausschuss sehr bedeutend \u2013 insbesondere Dr. Peter Boylan (ehemaliger Vorstand der Nationalen Entbindungsklinik) sprach sich stark f\u00fcr die Forderung nach zw\u00f6lf Wochen auf Verlangen aus. Er sagte, dass mit den Abtreibungspillen jetzt \u201eder Geist aus der Flasche gelassen wurde\u201c. Das Ergebnis des Parlamentsausschusses war, dass auch die Abgeordneten von Fianna Fail und Fine Gael (Sinn Fein bemerkenswerterweise nicht) f\u00fcr \u201eZw\u00f6lf Wochen auf Verlangen\u201c stimmten und in ihrer Begr\u00fcndung die Abtreibungspillen als entscheidenden Faktor nannten.<\/p>\n<p>Es wurde immer betont, dass bei einer Abschaffung des achten Verfassungszusatzes es darauf ankommt, welche Abtreibungsgesetzgebung darauf folgen w\u00fcrde. Der aktuelle Stand ist, dass die Regierung erkl\u00e4rt hat, ihre Gesetzesentw\u00fcrfe auf die Empfehlungen des Ausschusses zu gr\u00fcnden. Jedoch hat der Tanaiste (Vize-Premierminister) seine Ablehnung gegen\u00fcber \u201eZw\u00f6lf Wochen auf Verlangen\u201c zum Ausdruck gebracht. Anfragen zu den Positionen der verschieden ParlamentarierInnen deuten darauf hin, dass die Verabschiedung durch das Parlament sehr knapp werden wird. Darum ist der Charakter der Ja-Kampagne im Referendum und der Grad der Unterst\u00fctzung f\u00fcr das \u201eJa\u201c sehr entscheidend, da beides eine Rolle spielen kann, die Politiker unter Druck zu setzen die Gesetzgebung zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<h4>#Time4Choice \u2013 ROSAs Ja-Kampagne<\/h4>\n<p>ROSA hat mit wichtiger Unterst\u00fctzung von AktivistInnen der Socialist Party ihre Ja-Kampagne gestartet: #Time4Choice. Diese Kampagne wird den Aufbau einer breiten Graswurzelbewegung von Jugendlichen, Frauen, LGBTQ-Personen, Nachbarschafts- und BetriebsaktivistInnen unterst\u00fctzen, um ein \u201eJa\u201c zu Abtreibungsrechten zu erzielen. Entscheidenderweise wird #Time4Choice unersch\u00fctterlich fordern, die schwierige, tagt\u00e4gliche Entscheidung von denjenigen zu respektieren, die eine Abtreibung durchf\u00fchren lassen. Es geht darum, es Frauen und Transpersonen zu erm\u00f6glichen, diese Entscheidung privat, ohne rechtliche, finanzielle oder sonstige H\u00fcrden und unter medizinischer Aufsicht zu erm\u00f6glichen. #Time4Choice wird f\u00fcr die Forderung \u201eZw\u00f6lf Wochen auf Verlangen\u201c eintreten. Wenn diejenigen, die mit \u201eJa\u201c stimmen, sich nicht nur f\u00fcr \u201eRepeal\u201c sondern auch f\u00fcr die Umsetzung von Abtreibungsrechten in einer gro\u00dfen Volksabstimmung aussprechen, wird es f\u00fcr Politiker schwer werden, sich dem im Gesetzgebungsprozess zu widersetzen.<\/p>\n<p>Der Charakter der Ja-Kampagne ist eine wichtige Frage. Trotz des Konservatismus der gro\u00dfen Parteien des politischen Establishments wird es das Paradoxon geben, dass diese Parteien als solche zwar f\u00fcr ein \u201eJa\u201c eintreten, aber die einzelnen Abgeordneten in vielen F\u00e4llen durch ihren tiefen Konservatismus in der Abtreibungsfrage im besten Falle halbherzig f\u00fcr, im schlimmsten Falle entscheidend gegen ein \u201eZw\u00f6lf Wochen auf Verlangen\u201c-Recht auftreten werden. Diese Politiker werden unf\u00e4hig sein, ein Votum zugunsten des \u201eJa\u201c herbeizuf\u00fchren. Das politische Establishment wird nicht auf die Angstmache der Gegenkampagne antworten k\u00f6nnen, die den gerechtfertigten Hass auf das Parlament und die Politiker ausnutzen werden. Nichts steht fest, was das Ergebnis angeht. Die B\u00fcrgerversammlung hat die Debatte verschoben \u2013 von Repeal zu Abtreibung. Es wurde gez\u00f6gert eine wirkliche Debatte zum wesentlichen Thema zu f\u00fchren. Jetzt muss dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt werden. Eine Graswurzelbewegung, welche vollkommen unabh\u00e4ngig vom politischen Establishment agiert und entschieden f\u00fcr Abtreibungsrechte einsteht, ist der beste Weg um eine erfolgreiche Abschaffung des achten Verfassungszusatzes zu garantieren.<\/p>\n<h4>Die entscheidenden Wochen &amp; die Notwendigkeit einer sozialistisch-feministischen Bewegung<\/h4>\n<p>Wir stehen mit dem Vorlauf zum Abtreibungsreferendum (welches vermutlich auf den 25. Mai terminiert wird) vor potenziell historischen Monaten. Ein \u201eJa\u201c w\u00fcrde von Frauen, der LGBTQ-Community, der Arbeiterklasse und einer Generation Jugendlicher gefeiert werden, die laut aussprechen: \u201eDie Zeit (von Frauenverachtung und des reaktion\u00e4ren Staats) ist abgelaufen\u201c. Eine Bewegung von unten, die solch einen Sieg erzielt, w\u00e4re ein unglaublich politisierendes und radikalisierendes Ereignis. Je st\u00e4rker das \u201eJa\u201c und je mehr es als Bef\u00fcrwortung von \u201eZw\u00f6lf Wochen auf Verlangen\u201c gesehen wird, um so gr\u00f6\u00dfer der Druck auf die PolitikerInnen das auch umzusetzen. Ein \u201eJa\u201c mit nur geringem Vorsprung w\u00fcrde wahrscheinlich einige im politischen Establishment veranlassen, f\u00fcr einen R\u00fcckzieher bei der versprochenen Gesetzgebung nach der Abschaffung des Verbots zu argumentieren. Ziviler Ungehorsam per Abtreibungspillen kann die Entscheidung erzwingen.<\/p>\n<p>AktivistInnen von ROSA und der Socialist Party werden w\u00e4hrend der #Time4Choice-Kampagne versuchen, die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche, organisierte, sozialistisch-feministische Kraft w\u00e4hrend der Ja-Kampagne aufzubauen, um den Kampf gegen jeden Sexismus, jede Unterdr\u00fcckung und Ungleichheit nach dem Referendum fortzuf\u00fchren. Solch ein Kampf ist am entschlossensten, wenn er mit einem antikapitalistischen und sozialistischen Programm verbunden wird, welches versucht, alle Machtungleichheiten und Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft niederzurei\u00dfen \u2013 inklusive der Verm\u00f6gensungleichheit. Das Privateigentum am Verm\u00f6gen muss angegriffen werden, um der Wohnungskrise, der Prekarisierung und Niedrigl\u00f6hnen entgegenzutreten und kostenlose, \u00f6ffentliche und qualifizierte Kindererziehung und -betreuung zu gew\u00e4hrleisten. Das alles ist entscheidend, um die Basis f\u00fcr Gleichberechtigung von arbeitenden und armen Frauen zu schaffen. Frauen und LGBTQ-Personen, die in so einem Kampf der Arbeiterklasse eine f\u00fchrende Rolle spielen, k\u00f6nnen gleichzeitig sicherstellen, dass ihre Forderungen integraler Bestandteil dieser Bewegung werden, einschlie\u00dflich der Bek\u00e4mpfung sexistischer Machokultur.<\/p>\n<p>Im Grunde ist die Pro-Choice-Bewegung Teil des breiten Kampfes f\u00fcr die Trennung von Kirche und Staat \u2013 also die katholische Kirche aus den staatlichen Krankenh\u00e4usern und Schulen zu verbannen. Das ist eine riesige Aufgabe, da beispielsweise \u00fcber neunzig Prozent der staatlichen Grundschulen immer noch unter der Kontrolle der katholischen Kirche stehen \u2013 das gilt auch f\u00fcr die Mehrheit der weiterf\u00fchrenden Schulen und der meisten \u00f6ffentlichen Krankenh\u00e4user. Das politische Establishment in diesem Land hat keine Beweggr\u00fcnde aufzuweisen, einen gro\u00dfen Streit mit der katholischen Kirche in dieser Frage zu provozieren. Zum Beispiel hat erst letztes Jahr der Gesundheitsminister eine brandneue Entbindungsklinik der katholischen Kirche unterstellt, was nur wegen massiver \u00f6ffentlicher Zur\u00fcckweisung zur\u00fcckgenommen wurde. In einigen St\u00e4dten werden die neuen \u201eZusammen bilden\u201c-Grundschulen durch das Bildungsamt angewiesen, die Zahl der Neueinschulungen zu beschr\u00e4nken, um die anderen staatlichen Schulen unter dem Schirm der katholischen Kirche nicht ihrer Gr\u00f6\u00dfe nach nicht schrumpfen zu lassen.<\/p>\n<p>Deshalb haben feministische und LGBTQ-K\u00e4mpfe f\u00fcr s\u00e4kulare Schule, welche fortschrittliche, LGBTQ-inkludierende und auf Zustimmung der SexpartnerInnen basierende Sexualaufkl\u00e4rung sicherstellen, ein elementares Interesse an einer linken Regierung, die das konservative politische Establishment zum Teufel jagt. Solch eine Regierung w\u00fcrde sich die vollst\u00e4ndige Trennung von Kirche und Staat zur Aufgabe machen \u2013 neben antikapitalistischer und sozialistischer Aufhebung der Verm\u00f6gensungleichheit und des neoliberalen, wirtschaftlichen Status Quo.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus basiert als System auf der Unterdr\u00fcckung von Frauen. Es bedarf einer weltweiten Herausforderung dieses Systems. Weltweit sch\u00e4tzt Oxfam, dass sich 2017 der Wert unbezahlter Frauenarbeit auf bis zu zehn Billionen US-Dollar bel\u00e4uft. Wir sehen also, dass Frauenunterdr\u00fcckung untrennbar mit dem Profitsystem verbunden ist. Somit hat das kapitalistische System ein ureigenes Interesse daran, sexistische Ideen als Legitimation f\u00fcr diese Wirklichkeit zu verbreiten. Es liegt an der profitgetriebenen Natur des Kapitalismus, dass die Existenz dieser Wirklichkeit selbst zu einer Profitm\u00f6glichkeit wird. Wirtschaftsbereiche wie die Sexindustrie st\u00e4rken und profitieren gleichzeitig von Sexismus und verschlimmern weiter die Verbreitung von sexistischen Ideen in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Das globale kapitalistische System muss weltweit herausgefordert werden. Die Jugendlichen, die f\u00fcr \u201eRepeal\u201c und Abtreibungsrechte in Irland k\u00e4mpfen, folgen den globalen Bewegungen von #MeToo bis #NiUnaMenos in Lateinamerika bis hin zum Kampf gegen das Abtreibungsverbot in Polen. Diese Generation f\u00fcr die weltweite, sozialistische Bewegung und das CWI zu gewinnen, hat absolute Priorit\u00e4t f\u00fcr die Socialist Party in Irland.<\/p>\n<h5><em>Laura Fitzgerald ist f\u00fchrende Aktivistin von ROSA und der Socialist Party in Irland.<\/em><\/h5>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<h6><a href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Das Wort \u201eRepeal\u201c (dt: Aufhebung, Abschaffung) bezieht sich auf den achten Verfassungszusatz, der in Irland Abtreibungen verbietet.<\/h6>\n<\/div>\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> \u201ePro-Choice\u201c meint so viel wie \u201ef\u00fcr das Recht auf Abtreibung und sexuelle Selbstbestimmung\u201c; Anm. d. \u00dc.<\/p>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<h6><a href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> Solidarity ist ein linkes Wahl- und Parlamentsb\u00fcndnis, in dem auch drei Abgeordnete der Socialist Party vertreten sind; Anm. d. \u00dc.<\/h6>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Repeal und Abtreibungsrechte \u2013 ein entscheidender Kampf<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35972,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[1197,679,833,1196],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35971"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35971"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35971\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35984,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35971\/revisions\/35984"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35971"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35971"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35971"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}