{"id":35965,"date":"2018-03-08T10:13:12","date_gmt":"2018-03-08T09:13:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35965"},"modified":"2018-03-07T15:17:03","modified_gmt":"2018-03-07T14:17:03","slug":"internationaler-frauentag-2018-der-kapitalismus-unterdrueckt-frauen-kampf-fuer-sozialismus-noetig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/03\/internationaler-frauentag-2018-der-kapitalismus-unterdrueckt-frauen-kampf-fuer-sozialismus-noetig\/","title":{"rendered":"Internationaler Frauentag 2018: Der Kapitalismus unterdr\u00fcckt Frauen \u2013 Kampf f\u00fcr Sozialismus n\u00f6tig"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/socialistwomen-e1520432186873.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35966\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/socialistwomen-203x173.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"173\" \/><\/a>Stellungnahme des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale<\/strong><\/p>\n<p>Als das 21. Jahrhundert begann wurde jungen Frauen in den USA und einem gro\u00dfen Teil Europas gesagt, dass die Gleichberechtigung in Reichweite sei. Sie br\u00e4uchten keinen Feminismus, weil der Kapitalismus eine gl\u00e4nzende Zukunft bieten w\u00fcrde, die auf wachsendem Wohlstand und Geschlechtergleichheit beruhen w\u00fcrde.\u00a0Heute liegt diese Illusion in Tr\u00fcmmern.<\/p>\n<p><em>Von Hannah Sell, CWI<\/em><\/p>\n<p>Weltweit ist der Mythos vom kapitalistischen Fortschritt &#8211; von jungen Menschen, die gr\u00f6\u00dfere Chancen haben als ihre Eltern &#8211; durch die Weltwirtschaftskrise von 2008 und ihre Folgen ersch\u00fcttert worden. Jugendliche aus der ArbeiterInnenklasse und der Mittelschicht stehen einer Welt gegen\u00fcber, die ihren Erwartungen nicht gerecht wird &#8211; dominiert von Massenarbeitslosigkeit, Niedriglohn- und unsicheren Arbeitsverh\u00e4ltnissen, K\u00fcrzungen \u00f6ffentlicher Dienstleistungen und unbezahlbarem Wohnraum. Krieg und Konflikte nehmen zu und f\u00fchren dazu, dass Millionen ihr Leben riskieren, wenn sie gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. F\u00fcr Frauen ist dies verbunden mit der geschlechtlichen Diskriminierung, die im gesellschaftlichen Gef\u00fcge verankert bleibt und bedeutet, dass Frauen in einer Welt mit geringer Entlohnung weltweit immer noch durchschnittlich 10-30% weniger verdienen als M\u00e4nner.\u00a0In der neokolonialen Welt, in der die meisten L\u00f6hne erb\u00e4rmlich niedrig sind, werden Frauen besonders ausgebeutet. Sie arbeiten manchmal 12 Stunden oder mehr pro Tag auf dem Land, auf den M\u00e4rkten, in Textil- und Schuhfabriken. An vielen Orten arbeiten Frauen und ihre Kinder als moderne SklavInnen.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Weit davon entfernt, dass sexuelle Diskriminierung automatisch allm\u00e4hlich aussterben w\u00fcrde, handeln Regierungen in einer Reihe von L\u00e4ndern, um sie zu versch\u00e4rfen. In Russland zum Beispiel, wo Sch\u00e4tzungen zufolge alle vierzig Minuten eine Frau an h\u00e4uslicher Gewalt stirbt, wurde h\u00e4usliche Gewalt teilweise entkriminalisiert. Die K\u00fcrzungspolitik hat sich direkt auf das Ausma\u00df der Gewalt und Bel\u00e4stigung, der Frauen ausgesetzt sind, und ihre F\u00e4higkeit, sich zu wehren, ausgewirkt. In Britannien zum Beispiel sind mehr als 30 Zufluchtsst\u00e4tten f\u00fcr Frauen, die vor Gewalt geflohen sind, wegen fehlender Mittel geschlossen worden, und viele der anderen stehen vor Schlie\u00dfung oder bestenfalls vor schweren K\u00fcrzungen. Gleichzeitig f\u00fchrt das v\u00f6llige Fehlen bezahlbaren Wohnraums dazu, dass Frauen, die vor ihren gewaltt\u00e4tigen Partnern fliehen m\u00fcssen, nichts haben, wo sie hin k\u00f6nnen. Oder sehen wir die Tatsache an, dass sich neun von zehn Besch\u00e4ftigten in Britannien, die in Bars, Restaurants und Hotels arbeiten, durch Arbeitgeber, Manager oder Kunden sexuellem Missbrauch ausgesetzt sehen. Ihnen wird aber gesagt, dass es \u201eein Teil des Jobs\u201c sei, den sie \u00fcber sich ergehen lassen m\u00fcssen, weil sie Gl\u00fcck haben, Arbeit zu haben. Heute, nicht weniger als in der Vergangenheit, werden Verbesserungen bei Frauenrechten nicht automatisch, sondern nur als Folge von Massenk\u00e4mpfen geschehen.<\/p>\n<h4 lang=\"de-AT\">Der Internationaler Frauentag bedeutender als je zuvor<\/h4>\n<p lang=\"de-AT\">Deshalb ist der Internationale Frauentag, mehr als ein Jahrhundert nachdem er in den USA angesto\u00dfen wurde, wichtiger denn je. Versuche von Gro\u00dfkonzernen, diesen Tag mithilfe von Kampagnen f\u00fcr Geschenke an Frauen mehr in eine zus\u00e4tzliche Verkaufschance zu verwandeln, geraten zunehmend in Vergessenheit, da der 8. M\u00e4rz zu einem wichtigen Ereignis im aufkeimenden globalen Kampf gegen die Unterdr\u00fcckung von Frauen wird. In diesem Jahr werden Spaniens Frauen den Weg weisen, wenn am 8. M\u00e4rz Millionen junger Frauen und M\u00e4nner an einem, von Sindicato de Estudiantes (eine spanische Sch\u00fclerInnen und Studentenvereinigung) ausgerufenen Streik teilnehmen werden, bei dem Izquierda Revolucionaria (die spanische Sektion des CWI) eine f\u00fchrende Rolle spielt.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Der endg\u00fcltige Todessto\u00df f\u00fcr das M\u00e4rchen vom nahtlosen Fortschritt in Richtung Gleichheit war die Wahl des unverhohlenen Frauenfeindes Donald Trump zum US-Pr\u00e4sidenten. Vom ersten Tag an hat seine Anwesenheit im Wei\u00dfen Haus als Rekrutierungsoffizier f\u00fcr den Kampf gegen Rassismus und jede Form von Unterdr\u00fcckung gedient und nicht zuletzt auch f\u00fcr den Kampf um Frauenrechte.<br \/>\nNach den Frauenm\u00e4rschen im vergangenen Jahr &#8211; den gr\u00f6\u00dften Demonstrationen an einem Tag in der US-Geschichte und den gr\u00f6\u00dften weltweit seit 2003 &#8211; besuchten die M\u00e4rsche 2018 bis zu 2,5 Millionen Menschen in US-St\u00e4dten. Aber die USA und Spanien sind nicht allein. In vielen L\u00e4ndern der Welt haben sich neue Frauenbewegungen entwickelt oder entwickeln sich.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Einige dieser Demonstrationen sind die Reaktion auf die Unterdr\u00fcckung, die Frauen seit langem erleiden, wie die anhaltende Bewegung gegen Vergewaltigung in Indien und die Bewegung &#8222;Ni una menos&#8220; (Nicht eine weniger) gegen geschlechtsspezifische Gewalt, die Hunderttausende auf die Stra\u00dfe Argentiniens und anderen L\u00e4ndern brachte. Andere Proteste sollen neue Angriffe auf die Rechte von Frauen stoppen \u2013 wie beispielsweise die teilweise erfolgreiche Bewegung, die sich 2016 in Polen gegen den Versuch der Regierung, die Abtreibung vollst\u00e4ndig zu verbieten, entwickelt hat. Und es gibt jene, die \u00fcber Versuche hinausgehen, Angriffe auf Frauenrechte zu verhindern, und sich f\u00fcr eine Verbesserung ihrer Rechte einsetzen. Dies gilt auch f\u00fcr Polen, wo zu Beginn dieses Jahres Proteste f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer legalen Abtreibung bis zur zw\u00f6lften Schwangerschaftswoche stattfanden.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">In Irland hat der eng mit der katholischen Kirche verbundene Staat seit seiner Gr\u00fcndung eine extrem reaktion\u00e4re Haltung gegen\u00fcber dem Recht von Frauen, selbst \u00fcber ihre eigenen K\u00f6rper bestimmen zu k\u00f6nnen. Dies geht soweit, dass ein totales Abtreibungsverbot herrscht. Nach dem entsetzlichen Tod von Savita Halappanavar im Jahr 2012, nachdem ihr eine Abtreibung verweigert wurde, gab es eine Protestwelle f\u00fcr Ver\u00e4nderung. Die Socialist Party (irische Sektion des CWI) hat gemeinsam mit der sozialistisch-feministischen Kampagne ROSA, die von den Mitgliedern der Socialist Party initiiert wurde, eine zentrale Rolle bei der Mobilisierung und Organisation der aufstrebenden Bewegung gespielt. Jetzt sind die kapitalistischen PolitikerInnen in Irland unter dem Einfluss dieser Bewegung teilweise gezwungen, ihre Haltung zu \u00e4ndern. Ein parlamentarischer Ausschuss hat den uneingeschr\u00e4nkten Zugang zum Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Schwangerschaftswoche empfohlen, und am 25. Mai dieses Jahres wird ein Referendum zur Aufhebung des bestehenden Verbots stattfinden.<\/p>\n<h4 lang=\"de-AT\">#metoo<\/h4>\n<p lang=\"de-AT\">2017 war aber auch das Jahr von #metoo. Was in Hollywood begonnen hat \u2013 mit Schauspielerinnen, die sich gegen sexuelle \u00dcbergriffe und Bel\u00e4stigung durch Film-Mogul Harvey Weinstein und andere ausgesprochen haben \u2013 hat auf die ganze Welt \u00fcbergeschlagen. Quasi jede kapitalistische Institution von den Medien, \u00fcber Firmen, Parlamente bis hin zu Wohlt\u00e4tigkeitsorganisationen wurde von einer Lawine der Anschuldigungen getroffen. Dieser Ausbruch \u2013 gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcber soziale Netzwerke \u2013 ist ein Anzeichen f\u00fcr sowohl die andauernde Pr\u00e4senz sexueller Bel\u00e4stigung und Angriffe aber auch eines erh\u00f6hten Selbstbewusstseins, diese zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Wir weisen alle Behauptungen zur\u00fcck, dass dieses Ph\u00e4nomen das Ma\u00df f\u00fcr sexuelle Bel\u00e4stigung und Gewalt \u201e\u00fcbersch\u00e4tzt\u201c h\u00e4tte. Im Gegenteil, es hat nur einen Bruchteil des allt\u00e4glichen Lebens f\u00fcr unz\u00e4hlige Frauen offenbart, vor allem den Alltag der unterdr\u00fccktesten, einschlie\u00dflich der am schlechtesten bezahlten, jener ohne Arbeitssicherheit und Besch\u00e4ftigten aus ethnischen Minderheiten. Gleichzeitig kann man nat\u00fcrlich nicht davon ausgehen, dass jede einzelne Anschuldigung von #metoo als Fakt gilt; alle Einzelpersonen sollten das Recht auf eine faire Anh\u00f6rung haben, bevor sie schuldig gesprochen werden. Unabh\u00e4ngig von der Schuld oder Unschuld von Einzelpersonen, hat #metoo unmissverst\u00e4ndlich die Schuld des kapitalistischen Systems gezeigt, das millionenfache sexuelle Bel\u00e4stigung erst erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Es ist keine \u00dcberraschung, dass viele Vorw\u00fcrfe gegen M\u00e4nner erhoben wurden, die in einer Position der Macht \u00fcber ihre Opfer sind. Der Kapitalismus basiert auf einer kleinen Minderheit der Gesellschaft \u2013 allen voran die kapitalistische Klasse, die Milliard\u00e4re, welche Gro\u00dfkonzerne und Banken besitzen \u2013 die gewaltige Macht und M\u00f6glichkeiten hat, die Mehrheit auszubeuten. Wir leben in einer Welt, wo die acht reichsten Menschen so viel besitzen wie die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung. In einer solchen Gesellschaft ist es unausweichlich, dass unter jenen Menschen mit Macht auch welche sind, die ihren Status nutzen, um Frauen, M\u00e4nner und nicht zuletzt ihre Angestellten sexuell zu missbrauchen. Aber das bedeutet nicht, dass M\u00e4nner der ArbeiterInnenklasse von diesem Verhalten ausgenommen sind. Sexismus ist tief mit dem Kapitalismus verwoben und betrifft jede Schicht der Gesellschaft.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Ohne Zweifel wird es 2018 weitere Entwicklungen und Bewegungen geben, die Frauenrechte verteidigen und weitere erk\u00e4mpfen. Das ist die logische Konsequenz wenn die Erwartungen von Frauen sowie die Gleichberechtigungs-Propaganda von Teilen der kapitalistischen Klasse auf die sexistische Realit\u00e4t des Kapitalismus treffen.<\/p>\n<h4>M\u00e4nnliche Dominanz in der Klassengesellschaft<\/h4>\n<p lang=\"de-AT\">Sexuelle Unterdr\u00fcckung ist tief verwurzelt \u2013 aber nicht angeboren oder unver\u00e4nderlich: Im Gro\u00dfteil der Menschheitsgeschichte existierte Sexismus nicht. Das Patriarchat, in seinem Ursprung und auch in der aktuellen Form, ist wesentlich mit Strukturen und Ungleichheiten der Klassengesellschaft verbunden, die vor ungef\u00e4hr 10.000 Jahren entstanden sind. Der Aufschwung des Patriarchats geschah als Bestandteil der Etablierung der Familie als Institution f\u00fcr die Aufrechterhaltung von Klasse und Besitz sowie Disziplin. W\u00e4hrend Familien heute, gleicherma\u00dfen wie in der Vergangenheit, meistens aus Personen bestehen, die sich zueinander am n\u00e4chsten aber auch am sichersten f\u00fchlen, ist die Institution der Familie in ihren verschiedenen Formen immer auch ein Instrument der sozialen Kontrolle in allen Klassengesellschaften. Man findet die hierarchische Struktur der Gesellschaft auch in der traditionellen Familie wieder, wo der Mann das Oberhaupt des Haushaltes ist und Frauen und Kinder ihm Folge leisten m\u00fcssen.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Obwohl der Einfluss der kapitalistischen Familieninstitution auf die ArbeiterInnenklasse so schwach wie noch nie ist, leben Millionen von Frauen weltweit als \u201eSklavinnen der Sklaven\u201c und die Vorstellung der Frau als unterw\u00fcrfiger, loyaler Besitz des Mannes ist immer noch tief im Bewusstsein vieler verankert. Die gesamte Gesellschaft ist von Werbung, welche die \u201erichtige Rolle der Frau\u201c &#8211; sei es als Hausfrau, Mutter, Sex-Objekt, etc. &#8211; propagiert, durchzogen.<\/p>\n<h4>Belastung der Familie<\/h4>\n<p lang=\"de-AT\">F\u00fcr den Kapitalismus hat die Familie die zentrale Aufgabe, eine neue Generation von Arbeitskr\u00e4ften heranzuziehen und sich gleicherma\u00dfen um die Kranken und Alten zu k\u00fcmmern. In der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts, zumindest in einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, wurde diese Aufgabe zum Teil von den Errungenschaften der ArbeiterInnenklasse \u00fcbernommen. Sie erk\u00e4mpfte billige bis kostenlose Gesundheitssysteme, Pflegeanstalten, Altenheime und -pflege. Nun sind diese Errungenschaften aber bedroht, sodass Familien, insbesondere Frauen eine enorme Last tragen: Viele arbeiten Vollzeit (oder mehr) in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen, um am Ende des Monats irgendwie genug Geld zu haben. Der sozialistische Feminismus k\u00e4mpft f\u00fcr die Gleichberechtigung der Geschlechter. Unsere Rolle ist es aber nicht, die Lasten der kapitalistischen Familie zu akzeptieren und nur dar\u00fcber zu reden, wer den gr\u00f6\u00dferen Anteil verdient, sondern einen entschlossenen Kampf f\u00fcr ordentlich finanzierte \u00f6ffentliche Dienstleistungen und gut bezahlte Jobs mit verk\u00fcrzter Arbeitswoche zu f\u00fchren. Erst wenn das geschafft ist, wird der Druck und die Arbeitslast auf Familien der ArbeiterInnenklasse abnehmen und den Menschen die M\u00f6glichkeit gegeben, ihr Leben zu genie\u00dfen; einschlie\u00dflich Zeit mit jenen zu verbringen, die sie lieben.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Dieser Kampf ist verbunden mit dem Kampf f\u00fcr Abtreibungsrechte, weil erst dann haben Frauen das ECHTE Recht auf Entscheidungsfreiheit \u2013 ob sie Kinder wollen oder nicht. SozialistInnen k\u00e4mpfen daf\u00fcr, dass Frauen das Recht \u00fcber ihren eigenen K\u00f6rper haben, damit sie selbst entscheiden k\u00f6nnen, wann sie Kinder haben und wann nicht. Aber auch dar\u00fcber hinaus k\u00e4mpfen SozialistInnen f\u00fcr leistbare und qualitativ hochwertige Wohnm\u00f6glichkeiten, Kinderbetreuung, ordentliches Einkommen und alles andere, was notwendig ist, um wirklich frei entscheiden zu k\u00f6nnen, ob bzw. wie viele Kinder man haben m\u00f6chte.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Der Kampf f\u00fcr die Frauenbefreiung ist in seiner Wurzel Teil des Klassenkampfes. K\u00e4mpfe von Frauen gegen ihre spezifischen Unterdr\u00fccker gliedern sich ein in den Kampf der ArbeiterInnenklasse f\u00fcr die fundamentale Umstrukturierung der Gesellschaft und dem Ende aller Ungleichheiten und Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n<h4>Kapitalistischer Feminismus liefert keine Antworten<\/h4>\n<p lang=\"de-AT\">Wir lehnen den kapitalistischen Feminismus ab, weil dieser keinen Klassenzugang zum Kampf f\u00fcr die Frauenbefreiung besitzt. Einfach gesagt haben Frauen der ArbeiterInnenklasse mehr mit M\u00e4nnern der ArbeiterInnenklasse gemeinsam als mit Margaret Thatcher oder Theresa May in Gro\u00dfbritannien, Hillary Clinton in den USA, oder Sheikh Hasina Wazed in Bangladesch. Das bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass nur Frauen der ArbeiterInnenklasse unterdr\u00fcckt sind. Frauen aus allen Gesellschaftsschichten leiden unter Repression wegen ihres Geschlechts \u2013 das beinhaltet oftmals h\u00e4usliche Gewalt oder sexuelle Bel\u00e4stigung. Um aber wirkliche sexuelle Gleichberechtigung f\u00fcr Frauen, einschlie\u00dflich der Frauen der Elite, zu gewinnen, braucht es einen kompletten Wandel der bisherigen Ordnung in jedem Bereich: Wirtschaft, Gesellschaft und Familie. Der notwendige Start f\u00fcr einen solchen Umsturz, ist das Ende eines Systems, das Thatcher, May, Clinton und viele andere verteidigen \u2013 Kapitalismus \u2013 und die Vergesellschaftung von Gro\u00dfkonzernen, um eine demokratisch organisierte Planwirtschaft zu erm\u00f6glichen. Die ArbeiterInnenklasse, die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in vielen L\u00e4ndern, ist die Kraft in der Gesellschaft, die zu einem solchen Umsturz f\u00e4hig ist. Das schlie\u00dft einzelne Frauen der Elite der Gesellschaft \u2013 sogar T\u00f6chter der KapitalistInnenklasse \u2013 nicht davon aus, zu erkennen, dass der einzige Weg, um Sexismus zu beenden, der Bruch mit der eigenen Klasse und der Kampf f\u00fcr Sozialismus ist.<\/p>\n<h4>Rolle der ArbeiterInnenbewegung<\/h4>\n<p lang=\"de-AT\">SozialistInnen w\u00fcrden nie behaupten, dass der Kampf gegen Sexismus hinten angereiht werden soll, als etwas, mit dem man sich nach dem Ende des Kapitalismus besch\u00e4ftigt. Ganz im Gegenteil: Es ist wichtig, dass jeder Aspekt der Unterdr\u00fcckung von Frauen, einschlie\u00dflich sexueller Bel\u00e4stigung, jetzt bek\u00e4mpft wird. Die effektivste M\u00f6glichkeit, um das zu erreichen, ist ein geeinter Kampf der ArbeiterInnenbewegung. K\u00fcrzlich traten F\u00e4hrenarbeiterInnen in London gegen das tyrannische Management in den Streik, das unter anderem eine Sekret\u00e4rin systematisch sexuell bel\u00e4stigte. Die Besch\u00e4ftigten \u2013 mehrheitlich m\u00e4nnlich \u2013 konnte einen Sieg erk\u00e4mpfen! F\u00fcr unz\u00e4hlige Millionen von Menschen, die weltweit unter Sexismus leiden, ist der beste Weg, sich zu verteidigen, einer kollektiven Organisation beizutreten, welche die Mehrheit ihrer ArbeitskollegInnen umfasst \u2013 eine k\u00e4mpferische Gewerkschaft \u2013 und ArbeiterInnen dort verteidigt, wo sie sich gegen Unterdr\u00fcckung ausgesprochen haben. Im gr\u00f6\u00dferen Rahmen braucht die ArbeiterInnenklasse Massenparteien, politisch mit einem sozialistischen Programm bewaffnet, welche den Kampf f\u00fcr Gleichberechtigung als einen zentralen Punkt ihrer Agenda sieht.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Die ArbeiterInnenbewegung selbst ist auch nicht immun gegen sexistisches Verhalten und es ist unerl\u00e4sslich, dass SozialistInnen daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass solche Vorkommnisse im Rahmen einer Kampagne der ArbeiterInnenbewegung f\u00fcr Gleichberechtigung aufgegriffen werden. Die ArbeiterInnenklasse hat das Potenzial, dieses verrottete, sexistische System an sein Ende zu bringen, aber das ist nur durch einem geeinten Kampf von Frauen und M\u00e4nner der ArbeiterInnenklasse m\u00f6glich. Das kann nicht durch Ignorieren oder Herunterspielen von sexistischen Vorf\u00e4llen, sondern nur indem diese bewusst bek\u00e4mpft werden erreicht werden.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Vor einhundert Jahren in Russland, am internationalem Frauentag, starteten ein Streik und eine Demonstration von arbeitenden Frauen die m\u00e4chtigen revolution\u00e4ren Ereignisse, die sp\u00e4ter, im Oktober, unter der F\u00fchrung der bolschewistischen Partei, dazu f\u00fchrten, dass die ArbeiterInnenklasse zum ersten Mal in der Geschichte an der Macht war. Sp\u00e4ter, unter der stalinistischen Degeneration und der Vernichtung der ArbeiterInnendemokratie, wurden auch viele erk\u00e4mpfte Verbesserungen f\u00fcr Frauen nach der Revolution wieder aufgehoben. Nichtsdestotrotz war was in 1917 in einem \u00e4rmlichen, isolierten Land begonnen hatte, ein kurzer Einblick in das, was Sozialismus f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner erreichen k\u00f6nnte, wenn der enorme Wohlstand, die Wissenschaft und Technik, die aus dem Kapitalismus entstanden sind, f\u00fcr das Wohl der Menschheit eingesetzt w\u00fcrden. Die rechtliche Gleichstellung der Frau \u2013 einschlie\u00dflich dem Wahlrecht und dem Recht auf Heirat und Scheidung \u2013 sowie die Abschaffung von Gesetzen zur Diskriminierung von Homosexuellen, gab es in Russland lange bevor das in der kapitalistischen Welt umgesetzt wurde.<\/p>\n<p lang=\"de-AT\">Ein Jahrhundert sp\u00e4ter ist die st\u00e4rker werdende Bewegung f\u00fcr Frauenrechte erneut stark mit dem Kampf f\u00fcr eine sozialistische Welt verflochten.<\/p>\n<h4 lang=\"de-AT\">Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr:<\/h4>\n<ul>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">das Ende jeder Diskriminierung wegen Rasse, Geschlecht, Behinderung, Sexualit\u00e4t, Alter und allen anderen Formen von Vorurteilen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">eine Massenkampagne, angef\u00fchrt von der ArbeiterInnenbewegung, gegen sexuelle Bel\u00e4stigung, Gewalt und alle Formen von sexueller Diskriminierung.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">k\u00e4mpferische Gewerkschaften, die demokratisch von ihren Mitgliedern kontrolliert werden.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">Massenparteien der ArbeiterInnenklasse mit sozialistischen Programmen, einschlie\u00dflich dem Kampf f\u00fcr Gleichberechtigung der Geschlechter<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">eine Massenbewegung f\u00fcr gleichen Lohn, als Teil einer Kampagne f\u00fcr ein menschenw\u00fcrdiges Einkommen f\u00fcr alle, in Verbindung mit einer verk\u00fcrzten Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">ein Ende von ALLEN K\u00fcrzungen. Menschenw\u00fcrdige Arbeit, Lohn und Unterkunft f\u00fcr alle. F\u00fcr eine massive Ausweitung der \u00f6ffentlichen Dienstleistungen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">Karenz- und Kindergeld, welche die tats\u00e4chlichen Kosten der Erziehung widerspiegeln.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">das Recht auf bezahlte Karenz.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">die Bereitstellung von kostelosen, hochwertigen und flexiblen \u00f6ffentlichen Kinderbetreuungseinrichtungen, die jedem Kind zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">das Recht der Frau, selbst zu entscheiden. Leicht verf\u00fcgbare, qualitative und gratis Verh\u00fctung und Fruchtbarkeitsbehandlung f\u00fcr alle, die es in Anspruch nehmen wollen. F\u00fcr das Recht auf Abtreibung ohne Einschr\u00e4nkung.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">F\u00fcr die Vergesellschaftung der Pharma-Industrie.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">F\u00fcr die Vergesellschaftung von Gro\u00dfkonzernen und Banken in die \u00f6ffentliche, demokratische Kontrolle und Verwaltung der ArbeiterInnen, mit Entsch\u00e4digungen nur f\u00fcr jene mit bewiesener Notwendigkeit.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-AT\">Eine demokratische und sozialistische Planwirtschaft, nach den Bed\u00fcrfnissen der \u00fcberwiegenden Mehrheit der Bev\u00f6lkerung; durchgef\u00fchrt so, dass die Umwelt gesch\u00fctzt wird und die Basis f\u00fcr echte Gleichberechtigung f\u00fcr alle Menschen gelegt wird. F\u00fcr eine Welt ohne Klassen und ohne Krieg.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p lang=\"de-AT\">\n<h5 lang=\"de-AT\"><em><strong>Wir danken den GenossInnen der Sozialistischen LinksPartei in \u00d6sterreich f\u00fcr die \u00dcbersetzung dieser Stellungahme.<\/strong><\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35966,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[31],"tags":[1111,679,913,833,712],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35965"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35965"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35965\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35967,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35965\/revisions\/35967"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35966"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35965"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35965"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35965"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}