{"id":35873,"date":"2018-02-13T12:22:00","date_gmt":"2018-02-13T11:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35873"},"modified":"2018-02-12T10:24:38","modified_gmt":"2018-02-12T09:24:38","slug":"fire-and-fury-kann-das-liberale-us-establishment-trump-stoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/02\/fire-and-fury-kann-das-liberale-us-establishment-trump-stoppen\/","title":{"rendered":"\u201eFire and Fury\u201c &#8211; Kann das liberale US-Establishment Trump stoppen?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_32673\" aria-describedby=\"caption-attachment-32673\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/25973486486_ffb6edb805_k-e1460369795949.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-32673\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/25973486486_ffb6edb805_k-e1460369795949-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/25973486486_ffb6edb805_k-e1460369795949-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/25973486486_ffb6edb805_k-e1460369795949-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/25973486486_ffb6edb805_k-e1460369795949-768x474.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/25973486486_ffb6edb805_k-e1460369795949-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/25973486486_ffb6edb805_k-e1460369795949-600x370.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/25973486486_ffb6edb805_k-e1460369795949-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/25973486486_ffb6edb805_k-e1460369795949.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32673\" class=\"wp-caption-text\">Donald Trump Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/cornstalker\/ CC BY-NC 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zum viel diskutierten Buch von Michael Wolff <\/strong><\/p>\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung des Buchs von Michael Wolff hat die politische Landschaft der USA in helle Aufregung versetzt, noch bevor es \u00fcberhaupt k\u00e4uflich zu erwerben war. F\u00fcr seine bizarren Nachrichten auf Twitter ist Trump bekannt. Was aber seine Tweets angeht, die er am Vorabend des Verkaufsstarts des Buchs \u201eFire and Fury: Inside the Trump White House\u201c gepostet hat, so befinden sich diese fernab jeder Realit\u00e4t.<\/p>\n<p><em>von Bryan Koulouris, Socialist Alternative <\/em><\/p>\n<p>Zuerst beschrieb er sich folgender Ma\u00dfen: \u201ewirklich schlau\u201c. Einige Minuten sp\u00e4ter korrigierte er sich dann und gab an, \u201enicht klug sondern genial\u201c zu sein. Und: \u201eein ziemlich stabiles Genie noch dazu!\u201c. Es ist erstaunlich, dass Trump wenige Tage nach der Bekanntgabe, er sei geistig voll auf der H\u00f6he und ein \u201eGenie\u201c, mit einer Tirade \u00fcber Haiti, El Salvador und afrikanische Nationen herausplatzt, diese w\u00fcrden in \u201eshitholes\u201c (dt.: \u201eDreckl\u00f6chern\u201c) leben.<\/p>\n<p>Steve Bannon, der absto\u00dfende Rassist und ehemalige bundesweite \u201eChef-Stratege\u201c in Trumps Wahlkampfteam sowie danach noch f\u00fcr die jetzige Regierungsadministration der USA, ist von seinen milliardenschweren fr\u00fcheren Unterst\u00fctzerInnen aufgrund von Enth\u00fcllungen fallen gelassen worden, die nun in \u201eFire and Fury\u201c ver\u00f6ffentlicht worden sind. Man dr\u00e4ngte ihn sogar dazu, sich aus der Redaktion des Internetportals Breitbart News zur\u00fcckzuziehen. Diese Isolierung Bannons findet zu einem besonderen Zeitpunkt statt. Seinen ambitionierten Vorbereitungen hinsichtlich einer bundesweiten Kampagne f\u00fcr Kandidaten der \u201ealt-right\u201c (\u201eNeue Rechte\u201c in den USA) zu den Vorwahlen innerhalb der Republikanischen Partei wurde ein schwerer Schlag versetzt. Roy Moore, ein gewaltt\u00e4tiger Sexist, erlitt bei den Nachwahlen in Alabama eine Niederlage. Bannon hatte seine Absicht erkl\u00e4rt, hoch angesehene Abgeordnete des Republikaner-Establishments abw\u00e4hlen zu lassen \u2013 darunter auch den Sprecher der Mehrheitsfraktion im Senat, Mitch McConnell. Bislang scheint es jedoch so zu sein, dass McConnell sich seines Amtes sicher w\u00e4hnen kann.<\/p>\n<p>Und jetzt, da es zur Ver\u00f6ffentlichung von \u201eFire and Fury\u201c gekommen ist, wird dieses Buch von unz\u00e4hligen Menschen gelesen und wahrscheinlich zum Bestseller avancieren. Dazu beitragen werden eine liberale und linke Leserschaft, die Trump und dessen politisches Programm am Boden sehen wollen. Doch obwohl die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Trump aus einer Reihe von Gr\u00fcnden (nicht zuletzt wegen erneut aufkommender Anschuldigungen bez\u00fcglich sexueller \u00dcbergriffe) nachgelassen hat, wird sich der harte Kern seiner Anh\u00e4ngerschaft auch trotz des Buchs wahrscheinlich nicht davon beeindrucken lassen. Viele von ihnen f\u00fchlen sich von Trumps Au\u00dfenseiter-Gehabe und seinem populistischen Vorgehen ermutigt. Ein kleinerer Teil seiner Gefolgschaft f\u00fchlt sich durch die Tatsache, dass Trump rassistisches und sexistisches Verhalten zur Norm erkl\u00e4rt, sogar best\u00e4rkt. Ein weiterer Faktor, der daf\u00fcr sorgt, dass Trump nicht grunds\u00e4tzlich an Unterst\u00fctzung verliert, besteht in der scheinbaren wirtschaftlichen St\u00e4rke des Landes, die in Wirklichkeit aber auf den n\u00e4chsten Crash hinauslaufen wird, wie wir ihn erst im Jahr 2007 und 2008 erleben mussten.<\/p>\n<p>In der Tat handelt es sich bei \u201eFire and Fury\u201c um ein fesselndes Werk, in dem es um die Geschichte von sich gegenseitig bekriegenden Fraktionen, um Chaos, sich permanent ver\u00e4ndernden Machtverh\u00e4ltnissen und miteinander in Konflikt befindlichen Personen geht. Das Buch ist fesselnd geschrieben, und es w\u00e4re noch unterhaltsamer, wenn es sich dabei nicht um eine schaurige Beschreibung realer Verh\u00e4ltnisse handeln w\u00fcrde, die sich um einige der m\u00e4chtigsten Menschen der Welt dreht. W\u00e4hrend der Autor Michael Wolff als Journalist bislang eine eher zweifelhafte Bilanz vorzuweisen hat, so wird klar, dass das offenkundig niemanden dazu veranlasst hat, ihm den (beinahe uneingeschr\u00e4nkten) Zugang ins Wei\u00dfe Haus zu untersagen. Das hat es noch nie zuvor gegeben. Selbst die GegnerInnen von Wolff haben best\u00e4tigt, dass s\u00e4mtliche Zitate belegt sind, die in seinem Buch wesentlich sind und von exponierten Vertretern der Trump-Administration stammen.<\/p>\n<p>Dennoch ist Wolffs Beschreibung von Trump als unbeholfenes, bockiges Kind bei anderen InsiderInnen der Szenerie in Washington umstritten. Das gilt unter anderem f\u00fcr den Trump-kritischen Konservativen David Brooks. Indem es Trump blo\u00dfstellt, wird der \u201enormale\u201c Politikbetrieb beider US-amerikanischer Parteien in Wolffs Buch stillschweigend glorifiziert. Dabei hat diese \u201enormale\u201c Politik von Demokraten und Republikanern doch erst die Grundlage daf\u00fcr geschaffen, dass Trumps Rechtspopulismus auf ein breites Echo sto\u00dfen konnte. Auch die Darstellung einer ungeschickten, verwirrten Regierungsadministration, deren Fittiche von Milliard\u00e4ren, Armeegener\u00e4len und PolitikerInnen gestutzt werden, kann zu der Annahme f\u00fchren, dass die Gefahren, die von der Trump-Administration ausgehen, gar nicht so schlimm sind. Auf diese Weise wird zudem die Frage in den Hintergrund ger\u00fcckt, was n\u00f6tig ist, um die gegenw\u00e4rtige Regierungspolitik zu vereiteln.<\/p>\n<h4>Best\u00e4tigte Bef\u00fcrchtungen<\/h4>\n<p>Das Buch best\u00e4tigt viele Dinge, die von vielen schon l\u00e4ngst bef\u00fcrchtet worden sind. So handelt es sich bei Trump tats\u00e4chlich und belegt um einen Menschen, dem permanente sexuelle Bel\u00e4stigung vorgeworfen werden muss. Er hat nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und ein zerbrechliches Ego, das niemand vollst\u00e4ndig berechnen kann. Bei seinem Wahlkampf hat es sich demnach um ein Prestige-Projekt gehandelt, bei dem seine Berater nicht davon ausgegangen sind, dass es derart erfolgreich enden w\u00fcrde. Viele waren davon ausgegangen, dass Trumps Wahlkampfteam in der Wahlnacht vom eigenen Triumph schockiert sein w\u00fcrde und dass sie nicht bereit gewesen w\u00e4ren, mit diesem Sieg umzugehen. \u201eFire and Fury\u201c belegt nun aber auch, dass dieses am Ende so erfolgreiche Wahlkampfteam gar nicht wollte, dass es den Sieg nach Hause holt.<\/p>\n<p>Eine unvorbereitete Amts\u00fcbernahme, die auf einen schlecht organisierten Wahlkampf folgte, f\u00fchrte in den ersten Tagen nach dem Amtsantritt von Trumps Administration dann zu einem nie dagewesenen Ausma\u00df an Chaos. So autorisierte Bannon rechtsgerichtete Gesetzesverordnungen, die massenhaften Protest nach sich zogen. Michael Flynn, der Nationale Sicherheitsberater, musste aufgrund von Falschaussagen, die er bez\u00fcglich seiner Verbindungen zu Russland get\u00e4tigt hatte, sein Amt bereits wieder aufgeben. Und weil Reince Priebus, seines Zeichens f\u00fchrender Vertreter des alten Partei-Establishments der Republikaner, zum Stabschef ernannt worden war, kam es zu einem Konflikt zwischen drei Polen (Bannon, Priebus und der Familie von Trump), der die Regierungsadministration \u00fcber Monate hinweg beherrschen sollte. In Wolffs Buch wird die Trump-Familie \u00fcbrigens als \u201eJarvanka\u201c bezeichnet (eine Anlehnung an Jared Kushner und seine Ehefrau Ivanka, die Tochter von Donald Trump; Erg. d. \u00dcbers.).<\/p>\n<p>Die Interna, die kontr\u00e4ren politischen Aussagen und die drastischen Wendungen in der politischen Ausrichtung, welche fortw\u00e4hrend vom \u201eWei\u00dfen Haus\u201c zu den Medien durchsickerten, waren Ausdruck der Machtverh\u00e4ltnisse zwischen diesen drei Fraktionen und von Trumps eigener Wankelm\u00fctigkeit. Zwar hatten viele so etwas schon im Vorfeld erwartet. In seinem Buch best\u00e4tigt Wolff diese Annahmen jedoch bis ins kleinste Detail und liefert daf\u00fcr Belege in Form eines Zitats nach dem anderen, die alle einen sehr konkreten Bezug haben und von f\u00fchrenden VertreterInnen aus dem Umfeld des \u201eWei\u00dfen Hauses\u201c stammen.<\/p>\n<p>Wolff besch\u00e4ftigt sich auch sehr ausf\u00fchrlich mit der Frage, was es mit den Behauptungen auf sich hat, es habe Absprachen zwischen der Trump-Administration und Russland gegeben. Die diesbez\u00fcglichen Ausf\u00fchrungen in \u201eFire and Fury\u201c suggerieren, dass das Wahlkampfteam von Trump keine dauerhaften Verabredungen mit der russischen Regierung getroffen hat, obwohl es ein als unfassbar dumm zu bezeichnendes Treffen gegeben hat, dass von Donald Junior organisiert worden ist, im Endeffekt aber \u201ezu nichts gef\u00fchrt\u201c hat.<\/p>\n<p>Die Paranoia, das Hickhack und die unprofessionelle Herangehensweise der Trump-Administration hat dem liberal ausgerichteten Establishment eine l\u00e4ngere Festlegung auf den Russland-Skandal erm\u00f6glicht als anf\u00e4nglich berechtigt gewesen w\u00e4re. Diese Aktionen haben dazu gef\u00fchrt, dass ein juristisches Vorgehen behindert worden ist. Es ging schlie\u00dflich nur noch um unausgegorene Versuche, jegliche weitere Untersuchung zu verhindern und letztlich zu beenden. Dies gilt vor allem im Fall des geschassten FBI-Chefs James Comey. Sonderermittler Robert Mueller erscheint als jemand, der diese Untersuchungsstrategie ganz energisch verfolgt haben soll.<\/p>\n<p>Die Untersuchungen zu Russland haben ferner die M\u00f6glichkeit geboten, die Finanzgesch\u00e4fte von Trump und Kushner mit verschiedenen russischen Oligarchen zu untersuchen. So ging es auch um den Vorwurf der Geldw\u00e4sche. Fakt ist, dass neu an die \u00d6ffentlichkeit gelangte Aussagen, die von Glenn Simpson, dem Gr\u00fcnder des kommerziellen Strategie- und Forschungszentrums Global GPS, vor dem entsprechenden Ausschuss des Kongresses gemacht worden sind, das ganze Ausma\u00df der finanziellen Verflechtungen von Trump mit russischen Oligarchen und Kriminiellen bis ins letzte Detail belegen. Im Auftrag des Wahlkampfteams von Hillary Clinton hatte Simpson Untersuchungen zu Trump angestellt, mit deren Hilfe sich der Verdacht gegen ihn erh\u00e4rten sollte. Sein Bericht ist aus vielerlei Gr\u00fcnden jedoch zur\u00fcckgehalten worden. Es ist nicht klar, ob Mueller diesen Weg weiter verfolgen wird. Wenn er dies tut, dann k\u00f6nnten allerdings brisante Dinge ans Licht kommen.<\/p>\n<p>Steve Bannon ist von Mueller befragt worden, und in \u201eFire and Fury\u201c wird darauf hingedeutet, dass Bannon wahrscheinlich bei keinem einzigen Treffen mit VertreterInnen Russland zugegen war. Dass es an Belegen f\u00fcr eine nachhaltige Kooperation mit offizieller russischer Seite w\u00e4hrend des Wahlkampfs mangelt, ist ein Grund daf\u00fcr, weshalb wir uns nicht auf Behauptungen verlassen k\u00f6nnen, es habe eine Verbindung zu Russland bestanden. Auch ist eine Untersuchung dazu noch nicht zu belastbaren Ergebnissen gekommen, als dass wir dar\u00fcber Trump niederringen k\u00f6nnten. Festzuhalten bleibt aber, dass es viele Millionen von Menschen gibt, die Trump lieber jetzt als gleich aus dem Amt jagen wollen! Wir m\u00fcssen f\u00fcr Forderungen werben und mobilisieren, auf deren Grundlage wir unsere Lebensbedingungen verbessern k\u00f6nnen. Geschehen muss dies durch Proteste, die es auf der Stra\u00dfe zu organisieren gilt, und durch Organisationsarbeit an unseren Hochschulen, in unseren Betrieben und Nachbarschaften. Mit dieser Strategie k\u00f6nnen wir diese reaktion\u00e4re Administration in die Knie zwingen. Wir fordern, dass Trump, der keine absolute Mehrheit der Stimmen erreicht hat, wegen sexueller Bel\u00e4stigung gegen Frauen des Amtes enthoben wird, wegen seiner unerbittlichen F\u00f6rderung des Rassismus und seiner Ausl\u00e4nderfeindlichkeit sowie seiner unversch\u00e4mten Versuche, seine Pr\u00e4sidentschaft dazu zu nutzen, seine privaten Ziele und die seiner Familie zu erreichen.<\/p>\n<h4>Zur\u00fcck zur Normalit\u00e4t?<\/h4>\n<p>Viele der Schl\u00fcsselfiguren, die in \u201eFire and Fury\u201c eine Rolle spielen, residieren mittlerweile nicht mehr im Westfl\u00fcgel des \u201eWei\u00dfen Hauses\u201c. Dies gilt f\u00fcr Bannon, Flynn, Priebus, Rex Tillerson, Sean Spicer, Anthony \u201eMooch\u201c Scaramucci und Katie Walsh, die allesamt weg sind. Doch steht das f\u00fcr eine grundlegende Umkehr zur\u00fcck zur \u201eNormalit\u00e4t\u201c? Sind unsere Bef\u00fcrchtungen, ist unsere Emp\u00f6rung \u00fcber den Rechtspopulismus mittlerweile fehl am Platze?<\/p>\n<p>In schillernden Farben zeichnet Wolff das Bild von der ehemaligen stellvertretenden Stabschefin und Kennerin des Innenlebens der Republikaner, Katie Walsh. Dar\u00fcber kommt eine Art Unterton von politischen Botschaften zum Ausdruck, die sich durch das gesamte Buch zieht. Auf den Seiten, auf denen der Ansatz von Walsh gepriesen wird, den diese im \u201eWei\u00dfen Haus\u201c verfolgt hat, schreibt Wolff: \u201ePolitik sollte [\u2026] wie ein Unternehmen funktionieren, das von einer professionellen politischen Klasse unterst\u00fctzt wird, die sich k\u00fcmmert und dem Ganzen in der Tat einen besonderen Rang verleiht\u201c.<\/p>\n<p>Diese \u201eprofessionelle politische Klasse\u201c besteht aus Lobbyisten, hochrangigen Milit\u00e4rs und Politikern, die sich aus Sicht der Milliard\u00e4re so richtig bezahlt machen. Deren Politik hat direkt zur zunehmenden Einkommensungleichheit, zu den Rettungspaketen f\u00fcr die Banken, Sozialk\u00fcrzungen und der Privatisierung der Bildung gef\u00fchrt. Sie f\u00f6rdern den staatlichen Rassismus und Sexismus und haben zugunsten der Konzernprofite und zum Wohle des \u201eAnsehens\u201c der Weltmacht USA einen Krieg nach dem anderen gef\u00fchrt. Es sind exakt diese Aktionen der \u201eprofessionellen politischen Klasse\u201c, wie sie bei Wolff genannt wird, die die Grundlage sowohl daf\u00fcr geschaffen haben, dass Trumps Wahlkampagne als auch die Forderung von Bernie Sanders nach einer \u201epolitischen Revolution gegen die Milliard\u00e4rs-Klasse\u201c bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen von 2016 auf ein derart starkes Echo sto\u00dfen konnten.<\/p>\n<p>Die unkritische und unverhohlene Glorifizierung des \u201e\u00fcblichen Politikbetriebs\u201c, wie sie in Wolffs Buch betrieben wird, w\u00fcrde uns glatt zu der Annahme verleiten, dass Milliard\u00e4re und Polit-InsiderInnen das Washingtoner Chaos beheben k\u00f6nnten. Bei dieser Analyse wird jedoch vollkommen die Dynamik eines sich in der Krise befindlichen und im Niedergang begriffenen kapitalistischen Systems au\u00dfer Acht gelassen. Was bei dieser Sichtweise ebenfalls hinten \u00fcber f\u00e4llt, ist die dringende Notwendigkeit, dass wir jetzt die rassistischen Abschiebungen und die sexistischen \u00dcbergriffe am Arbeitsplatz beenden sowie eine Wirtschaftspolitik umkehren m\u00fcssen, die im Kern nur den Superreichen von Nutzen ist.<\/p>\n<p>Seit Einsetzen der kapitalistischen Krise in den Jahren 2007 bzw. 2008 haben der rechte wie auch der linke Populismus weltweit zugenommen. Diese politische Polarisation wird sich fortentwickeln und die Rechte wird gest\u00e4rkt daraus hervorgehen, wenn die Linke den Glauben an eine \u201eprofessionelle politische Klasse\u201c (die in Wirklichkeit an Ansehen und Autorit\u00e4t verliert) aufrecht erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Anstatt sich jetzt mit aller Energie f\u00fcr die Absetzung von Trump einzusetzen, versuchen bestimmte f\u00fchrende VertreterInnen der Demokraten, die bestehende Abneigung gegen\u00fcber Trump auf zynische Art und Weise zu nutzen, nur um die n\u00e4chste Wahl wieder f\u00fcr sich zu entscheiden. Dass sie sich aktiv dagegen aussprechen, die Menschen auf die Stra\u00dfe zu mobilisieren oder auf die gesellschaftliche Macht der Arbeiterklasse zu setzen, versetzt die Republikaner in die Lage, ihre Politik durchzubringen, die \u2013 wie im Falle der aktuellen Steuerreform \u2013 die Lebensbedingungen der arbeitenden Menschen angreift. Sollten die Demokraten schlie\u00dflich doch noch dazu \u00fcbergehen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump anzustrengen, so wird das mit dem Versuch einhergehen, zur arbeitgeberfreundlichen \u201e\u00fcblichen Politik\u201c zur\u00fcckzukehren. Das aber wird noch st\u00e4rkere Entt\u00e4uschung bei den Leuten hervorrufen und den Boden f\u00fcr noch viel mehr rechte Populisten in der Zukunft bereiten.<\/p>\n<p>Anstelle von Demokraten, die es ablehnen, f\u00fcr Trumps Absetzung zu k\u00e4mpfen bzw. alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um seine Politik zu blockieren, brauchen wir 2018 starke und unabh\u00e4ngige Kampagnen der Linken, die den Weg in Richtung einer neuen Partei der arbeitenden Menschen bereiten. Wir brauchen eine politische Kraft, die Konzernspenden ablehnt und mutig f\u00fcr eine \u201epolitische Revolution\u201c k\u00e4mpft. Es muss um Forderungen nach einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung, bezahlbarem Wohnraum und Bildung f\u00fcr alle gehen. Parallel dazu muss ein Kampf gegen s\u00e4mtliche rechtsgerichteten Angriffe gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h4>Aktiv werden<\/h4>\n<p>Dadurch, dass sie die \u201eInsidergeschichte\u201c \u00fcber das \u201eWei\u00dfe Haus\u201c von Donald Trump zu lesen bekommen, werden Millionen von Menschen aufgrund der im Buch nachgezeichneten Szenen entsetzt sein. Einige von ihnen werden s\u00e4mtliche Hoffnungen begraben, weil man angeblich ohnehin nichts daran \u00e4ndern kann. Andere werden sich zum Protest animiert f\u00fchlen, und wieder andere k\u00f6nnten der Versuchung unterliegen davon auszugehen, dass der Schlag gegen Bannon die Lage wieder kontrollierbar gemacht hat. Und dann wird es noch diejenigen LeserInnen geben, die hoffen, dass die VertreterInnen des Establishments in Trumps Kabinett die Lage noch retten k\u00f6nnen, wenn sie der \u201eBeweisf\u00fchrung\u201c des Buches folgen und auf Artikel 25 der Verfassung zur\u00fcckgreifen, um den Pr\u00e4sidenten abzusetzen.<\/p>\n<p>Ohne dass es zu einer Versch\u00e4rfung der politischen Krise und dem Druck der Massen von unten kommt, werden die Enth\u00fcllungen mit denen \u201eFire and Fury\u201c aufwartet, nicht unmittelbar zum Abstieg von Trump f\u00fchren. Wir sollten uns alle an Ronald Reagan erinnern, der \u00fcber Jahre hinweg den Westfl\u00fcgel des Wei\u00dfen Hauses besetzt hielt, obwohl er an Alzheimer litt. Auch haben es die Demokraten abgelehnt, dagegen anzugehen, dass George W. Bush die Wahlen des Jahres 2000 gekauft hatte. Kapitalistische Investitionen brauchen stabile Verh\u00e4ltnisse und das Polit-Establishment dient dem Willen der zur herrschenden Klasse z\u00e4hlenden Milliard\u00e4re.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen nicht selbstzufrieden sein oder einfach darauf warten, dass die \u201emidterm elections\u201c (Wahlen nach Ablauf der H\u00e4lfte der Pr\u00e4sidentschaftszeit; Erg. d. \u00dcbers.) Trump und den Republikanern einen Schlag versetzen werden. Die Proteste vom 20. Januar werden die Wut nicht nur aufgrund des Sexismus sondern infolge der gesamten Agenda von Trump zutage f\u00f6rdern. Dies ist eine gute Gelegenheit, die Bewegung auf der Stra\u00dfe neu zu entfachen.<\/p>\n<p>SozialistInnen m\u00fcssen mit starken Kontingenten bei diesen Demonstrationen vertreten sein, um mit ganzer Kraft das Gespr\u00e4ch mit den Menschen zu suchen. Wir m\u00fcssen dar\u00fcber sprechen, wie das Programm der Arbeiterklasse auszusehen hat, mit dem der arbeitende Teil der Bev\u00f6lkerung mobilisiert, die Basis von Trump gespalten und der Rechtspopulismus ein f\u00fcr alle Mal bezwungen werden kann. Wir sollten eine Bewegung zur Amtsenthebung von Trump aufbauen und dies mit Forderungen verbinden, die die Lebensumst\u00e4nde der Menschen hier und jetzt verbessern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dieses im Niedergang begriffene System bringt Kreaturen wie Trump hervor, weil der Rassismus, Sexismus und die zunehmende \u00f6konomische Ungleichheit charakteristisch f\u00fcr den Kapitalismus sind. Ein sozialistisches Programm f\u00fcr demokratische Kontrolle durch die Arbeiterschaft \u00fcber die Kommandozentralen der Wirtschaft, eine unabh\u00e4ngige linke Partei und dynamische soziale Bewegungen sind n\u00f6tig, um diese Angriffe zu beenden.<\/p>\n<p>Die \u201eprofessionelle politische Klasse\u201c wird nur als letztes Mittel gegen Trump vorgehen, um eine noch heftigere Krise oder gar Aufst\u00e4nde zu vermeiden. Selbst nachdem Bannon geschasst ist, hat ein rassistischer Ideologe wie Stephen Miller weiterhin Einfluss auf den Westfl\u00fcgel des Wei\u00dfen Hauses. Ein Jahr ist genug! Wir werden nicht selbstgef\u00e4llig oder kampflos zum \u201ebusiness as usual\u201c zur\u00fcckkehren, das das Synonym f\u00fcr die kapitalistische Krise und Zerst\u00f6rung ist. Die Arbeiterklasse muss mit \u201efire and fury\u201c (dt.: \u201eFeuer und Wut\u201c) gegen die Milliard\u00e4re und Politiker k\u00e4mpfen, die f\u00fcr dieses Chaos verantwortlich sind, sowie gegen das rassistische, sexistische kapitalistische System, f\u00fcr das sie stehen.<\/p>\n<h5>\n<em>Dieser Artikel erschien zuerst in englischer Sprache am 19.01.2018 auf <a href=\"http:\/\/www.socialistalternative.org\/\">www.socialistalternative.org<\/a><\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum viel diskutierten Buch von Michael Wolff<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32673,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[42],"tags":[1169,789,300],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35873"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35873"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35873\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35874,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35873\/revisions\/35874"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32673"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35873"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35873"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35873"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}