{"id":35847,"date":"2018-02-06T14:05:16","date_gmt":"2018-02-06T13:05:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35847"},"modified":"2018-02-07T08:46:56","modified_gmt":"2018-02-07T07:46:56","slug":"proteste-gegen-kuerzungen-in-tunesien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/02\/proteste-gegen-kuerzungen-in-tunesien\/","title":{"rendered":"Proteste gegen K\u00fcrzungen in Tunesien"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_30868\" aria-describedby=\"caption-attachment-30868\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tunesien.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-30868\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tunesien-280x158.png\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tunesien-280x158.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/tunesien.png 480w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-30868\" class=\"wp-caption-text\">CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org\/wiki\/User:TUBS<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Der Kapitalismus im Land kann sich auf keine \u00f6konomische und soziale Basis st\u00fctzen<\/strong><\/p>\n<p><em>Vorbemerkung: Wir ver\u00f6ffentlichen hier die \u00dcbersetzung eines Artikels, der schon am 11. Januar in Englischer Sprache auf socialistworld.net erschienen ist, welcher sich mit den wichtigen Protesten in Tunesien zum Jahresanfang auseinandersetzt.<\/em><\/p>\n<p>. Mit dem Ausbruch neuerlicher Proteste, zu denen es seit vergangener Woche anl\u00e4sslich des Haushaltsgesetzes f\u00fcr 2018 gekommen ist (und das eine Reihe von Ma\u00dfnahmen beinhaltet, die sich gegen die Arbeiterklasse und die Mittelschicht richten), ist die Geschichte vom \u201eerfolgreichen demokratischen Wandel\u201c, den es den liberalen KommentatorInnen zufolge in Tunesien gegeben haben soll, abermals ins Reich der Fabeln verwiesen worden. In Wirklichkeit stellt das Land weiterhin ein offenes Schlachtfeld dar, auf dem sich die Kr\u00e4fte von Revolution und Konterrevolution einander gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<p><em>Von Serge Jordan (CWI) und Mitglieder von &#8222;Al-Badil al-Ishtiraki&#8220; (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Tunesien) <\/em><\/p>\n<p>In den vergangenen vier Tagen ist es in vielen Teilen des Landes zu sozialen Protesten gekommen. Vor allem in den marginalisierten Regionen im Landesinnern und in den Arbeitervierteln von Tunis sind auch Ausschreitungen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen jungen Leuten und der Polizei damit einhergegangen. Indem sie zun\u00e4chst nur auf eine in den sozialen Medien gestartete Kampagne namens #Fech_Nestannew #<span lang=\"hi-IN\">\u0641\u0627\u0634<\/span>_<span lang=\"hi-IN\">\u0646\u0633\u062a\u0646\u0627\u0648 <\/span>(dt.: \u201eWorauf warten wir?\u201c) reagiert haben, lassen die Menschen ihrer lange schon angestauten Wut \u00fcber die sich verschlimmernden Lebensbedingungen nun freien Lauf.<\/p>\n<p>Der am 9. Dezember 2018 verabschiedete Haushalt ist f\u00fcr die Armen im Land regelrecht eine bittere Pille. Das gilt vor allem f\u00fcr die damit einhergehende Anhebung der Mehrwertsteuer, die zur Verteuerung von G\u00fctern des Grundbedarfs (Medikamente, Kraftstoff und Lebensmittel) f\u00fchrt. Aber auch die Einf\u00fchrung einer neuen Sozialabgabe und zus\u00e4tzlicher Z\u00f6lle auf Importwaren versch\u00e4rft die Situation. Untersuchungen gehen davon aus, dass tunesische Haushalte dadurch bis zu 300 Dinar an durchschnittlichen Mehrausgaben im Monat zu verzeichnen haben.<\/p>\n<p>Dieser umfangreiche Angriff auf die Menschen aus der Arbeiterklasse ist vom \u201eInternationalen W\u00e4hrungsfonds\u201c (IWF) mit ausgearbeitet worden. Der IWF stimmt dem beschriebenen Vorgehen nicht nur zu sondern \u00fcbt auch starken Druck aus, damit mit h\u00f6herem Tempo die Verbindlichkeiten, die das Land bei den FinanzspekulantInnen hat, beglichen werden. Entgegen eines weit verbreiteten Ger\u00fcchts haben diese Schulden nichts mit den immer wieder zitierten \u201ehohen L\u00f6hnen\u201c der Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst zu tun. Es handelt sich dabei vielmehr um die schwere Hinterlassenschaft der Mafia, die vor der Revolution von vor sieben Jahren an der Macht gewesen ist. Die tunesische Bev\u00f6lkerung hat von diesen Geldern nie einen Pfifferling gesehen.<\/p>\n<p>Der Staat hat mit Gewalt auf die Bewegung reagiert und hunderte von Menschen verhaftet. Auf AktivistInnen, die Erkl\u00e4rungen ver\u00f6ffentlicht bzw. zur Beteiligung an Protesten aufgerufen haben, wurde eine regelrechte Hetzjagd veranstaltet. Montagnacht soll ein 43-J\u00e4hriger in Tebourba, einem Ort 30 km westlich der Hauptstadt Tunis, von einem Polizeifahrzeug \u00fcberrollt worden und dabei ums Leben gekommen sein. Den Menschen ist nicht entgangen, dass die Regierung systematisch schwerwiegende K\u00fcrzungsma\u00dfnahmen beschlossen hat, gleichzeitig aber den Etat f\u00fcr das Verteidigungs- und das Innenministerium erh\u00f6ht hat. Dennoch werden die Proteste kriminalisiert. Der Ausnahmezustand, der seit November 2015 immer wieder verl\u00e4ngert worden ist, ist ausgerufen worden, um demokratische Rechte au\u00dfer Kraft zu setzen. Parallel dazu ist letztes Jahr beschlossen worden, \u2013 als Reaktion auf die sozialen Bewegungen im S\u00fcden Tunesiens \u2013 bestimmte Produktionsanlagen milit\u00e4risch aufzur\u00fcsten. Im Gegensatz dazu begr\u00fc\u00dfen Trump und andere westliche Regierungschefs die j\u00fcngsten Proteste im Iran auf heuchlerische Art und Weise. Im Falle Tunesiens, das zu ihrer Einflusssph\u00e4re zu rechnen ist, verhalten sie sich hingegen seltsam ruhig.<\/p>\n<h4>Klassen-Gegens\u00e4tze<\/h4>\n<p>Die unfassbare Kluft zwischen Arm und Reich, die eine wesentliche Ursache f\u00fcr den revolution\u00e4ren Aufstand gegen das Regime von Ben Ali vor sieben Jahren war, hat sich seither noch weiter vergr\u00f6\u00dfert. Selbst von der arbeitgeberfreundlichen EU wird Tunesien als \u201eSteueroase\u201c der Superreichen gebrandmarkt. Gleichzeitig brechen die Preise im Bereich des Grundbedarfs (v.a. f\u00fcr Lebensmittel) einen Rekord nach dem anderen. Dieses Ph\u00e4nomen wird durch die Spekulation auf den Finanzm\u00e4rkten und den strukturellen Abbau des alten Subventionssystems noch versch\u00e4rft. Innerhalb von sieben Jahren hat sich das Handelsbilanzdefizit verdreifacht, was der Wert des tunesischen Dinar verfallen l\u00e4sst, die Kosten f\u00fcr den Schuldendienst in die H\u00f6he treibt und den Lebensstandard der \u201eeinfachen\u201c Leute zerst\u00f6rt. Da kann es kaum wundern, dass 73,3 Prozent der Befragten in einer aktuellen Umfrage angegeben haben, die Wirtschaft w\u00fcrde sich in \u201eeine falsche Richtung\u201c entwickeln.<\/p>\n<p>In den \u00e4rmeren Regionen im Landesinnern ist die Lage besonders volatil, weil die Gemeinden dort keine Ver\u00e4nderung oder irgendwelche bedeutenden Investitionen durch die \u00f6ffentliche Hand erlebt haben. Viele junge Leute haben das Gef\u00fchl, 2010 und 2011 ihr Leben daf\u00fcr aufs Spiel gesetzt zu haben, nur um heute unter noch schlechteren Lebensbedingungen und unter Erwerbslosigkeit zu leiden. Da reicht schon der geringste Funke, um einen Fl\u00e4chenbrand zu entfachen. Das zeigt sich am Beispiel der Ortschaft Sejnane, einer Gemeinde, in der es Ende 2017 innerhalb weniger Wochen zu zwei Generalstreiks gekommen ist. Man protestierte damit gegen Erwerbslosigkeit, Armut und die Zerst\u00f6rung der \u00f6ffentlichen Versorgung. Ausgel\u00f6st wurde diese Bewegung durch die Selbstverbrennung einer f\u00fcnffachen Mutter, die sich vor dem Geb\u00e4ude einer \u00f6ffentlichen Beh\u00f6rde angez\u00fcndet hat. Das war ein tragischer Vorfall, der Erinnerungen an den Anlass des sogenannten \u201eArabischen Fr\u00fchling\u201c im Dezember 2010 wach werden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Selbst die Zahlen der \u201eWeltbank\u201c belegen, dass die Mittelschichten in Tunesien seit 2011 zahlenm\u00e4\u00dfig halbiert worden sind. Allein hieran zeigt sich das Dilemma, in dem sich der Kapitalismus in Tunesien befindet: Die herrschende Klasse ist durch die Revolution von 2010 gezwungen worden, sich selbst die Last der parlamentarischen Demokratie aufzub\u00fcrden. Allerdings fehlt es ihr an einer \u00f6konomisch gefestigten Basis, auf die sie sich st\u00fctzen k\u00f6nnte. In den letzten sechs Jahren ist es zu einem Wirtschaftswachstum von im Schnitt weniger als einem Prozent gekommen, weshalb die KapitalistInnen den abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten und den Armen keine merklichen Zugest\u00e4ndnisse zu machen in der Lage sind. sie konnten somit keine nachhaltige soziale Basis schaffen, die ihr umgeformtes neues politisches System dauerhaft unterst\u00fctzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ein Beleg hierf\u00fcr ist, dass in den sieben Jahren nach dem Sturz von Ben Ali schon die neunte Regierung im Amt ist. Sie alle sind durch soziale Erhebungen in Straucheln geraten, mitunter gar mit starken Blessuren daraus hervorgegangen. Und der jetzigen Regierung wird es kaum anders ergehen. Die sogenannte Koalition der \u201enationalen Einheit\u201c unter Premierminister Youssef Chahed setzt sich aus vier verschiedenen Parteien zusammen, bei denen \u201eNidaa Tounes\u201c (bei der es sich im Grunde um eine \u201eWiederaufbereitungsanlage\u201c handelt, die aus der mittlerweile aufgel\u00f6sten Partei RCD von Ben Ali hervorgegangen ist) und \u201eEnnahda\u201c (der rechtsgerichteten islamistischen Partei, die das Land seit 2013 regiert hat) eine f\u00fchrende Rolle zukommt. Beide leiden unter parteiinternen Krisen und Abspaltungen.<\/p>\n<p>\u201eNidaa Tounes\u201c ist auch die Partei von Caid Essebsi, dem Pr\u00e4sidenten der Republik. Sein Sohn, Hafedh, geh\u00f6rt dem Parteivorstand an. Letzterer steht auf Platz eins der Liste der unbeliebtesten Personen im Land, gefolgt von Rached al-Ghannouchi, dem Vorsitzenden von \u201eEnnahda\u201c. Die Prognosen deuten darauf hin, dass sich bei den anstehenden Kommunalwahlen rund 70 Prozent der Wahlberechtigten ihrer Stimme enthalten werden. Das alles spricht B\u00e4nde, was die Beliebtheit des herrschenden Establishments angeht. Gekr\u00f6nt wird die Situation durch eine Kabinettsumbildung, durch die nun auch wieder Personen auf der Regierungsbank sitzen, die enge Verbindungen zum Regime von Ben Ali unterhalten haben.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr hat die Regierung versucht, ihr Ansehen durch eine lautstark gepriesene \u201eAnti-Korruptionskampagne\u201c zu verbessern. Die Korruption ist heute ein noch st\u00e4rker verbreitetes Ph\u00e4nomen als noch unter Ben Ali. Trat sie damals nur stark kontrolliert und zentralisiert im inneren Machtzirkel der Diktatur in Erscheinung, so ist sie heute allerorten vorhanden. Die zum Himmel schreiende Korruption der Regierungselite war ein ganz wesentlicher Faktor f\u00fcr den Ausbruch der Revolution, was den heutigen PolitikerInnen sehr bewusst ist. Die o.g. Anti-Korruptionskampagne bestand vor allem darin, dass einige wenige Personen mit Rang und Namen verhaftet worden sind, die sich am Schmuggel und an Schmuggler-Netzwerken beteiligt haben. Die \u00d6ffentlichkeit hat jedoch kein Vertrauen in die Regierung, dass diese sich des Problems ernsthaft annehmen w\u00fcrde. Das gilt vor allem seit vergangenem September, als im Parlament ein \u201eVers\u00f6hnungsgesetz\u201c beschlossen worden ist, das seinen Namen nicht verdient und das im Prinzip dazu dient, um Staatsbedienstete, die sich unter Ben Ali der Korruption schuldig gemacht haben, wieder eine \u201ewei\u00dfe Weste\u201c bekommen.<\/p>\n<h4>Verr\u00e4terische Rolle der Gewerkschaftsspitzen<\/h4>\n<p>Trauriger Weise habe die zentralen VertreterInnen des \u201eallgemeinen Gewerkschaftsbunds der ArbeiterInnen Tunesiens\u201c (UGTT) gegen\u00fcber der Regierung eine \u00e4u\u00dferst kooperative Haltung angenommen, was deren Austerit\u00e4tsvorhaben angeht; und das, obwohl die aktuelle Bewegung sie dazu gezwungen hat, sich zumindest verbal von der Regierung zu distanzieren. \u00dcber das gesamte Jahr 2017 hinweg waren die Mainstream-Medien voll des Lobs f\u00fcr den UGTT-Vorsitzenden Noureddine Taboubi, weil seine Wahl an die Spitze des Gewerkschaftsbunds den weiteren Schritt in Richtung einer offeneren Form der Klassen-Kollaboration dargestellt hat. Nachdem sie wie die \u201eSozial-BeraterInnen\u201c des derzeitigen neoliberalen Kabinetts agiert und nichts daf\u00fcr getan hat, um den Kampf gegen den unsozialen Krieg dieser Regierung vorzubereiten (der sich gegen ArbeiterInnen und Arme richtet), versucht die F\u00fchrungsriege der UGTT nun so zu tun, als st\u00fcnde sie auf der Seite der Unterdr\u00fcckten. Korrekter Weise haben die Protestierenden nicht auf ein m\u00f6gliches Signal der Gewerkschaftsspitze gewartet, um auf die Stra\u00dfe zu gehen. H\u00e4tten sie dies getan, w\u00fcrden sie wahrscheinlich immer noch darauf warten.<\/p>\n<p>Nun wundern sich die Gewerkschaftsvorst\u00e4nde \u00fcber den Ausbruch der Gewalt und die Pl\u00fcnderungen. Gewiss m\u00fcssen derartige Aktionen verurteilt werden, weil sie dem Staat in die H\u00e4nde spielen und Argumente liefern, mit denen sich Versuche rechtfertigen lassen, die Forderungen der Bewegung zu diskreditieren und hart auch gegen friedliche DemonstrantInnen vorzugehen. \u201eAgents provocateurs\u201c und Pl\u00fcnderer m\u00fcssen von der Bewegung isoliert und an den Rand gedr\u00e4ngt werden. Die Verantwortung f\u00fcr diese Entwicklungen liegt aber ebenfalls bei den bereits angesprochenen Gewerkschaftsf\u00fchrerInnen. Tats\u00e4chlich werden viele verarmte und entfremdete junge Leute fehlgeleitet und zu verzweifelten Aktionen ver-leitet, weil diese \u201ef\u00fchrenden Instanzen\u201c ihren Job nicht gemacht haben. Die Gewerkschaftsvorst\u00e4nde haben keine ernsthaften Initiativen ergriffen, die auch nur im Entferntesten zu einem entschlossenen Vorgehen gegen die nicht hinnehmbaren sozialen Bedingungen gef\u00fchrt h\u00e4tten, unter denen die Jugend im Lande leidet.<\/p>\n<p>Wenn diese F\u00fchrungspersonen nicht bereit sind, ernstzunehmende Ma\u00dfnahmen zu ergreifen mit denen die aktuelle Bewegung ausgeweitet und gest\u00e4rkt werden kann, dann sollten sie durch Personen ersetzt werden, die dies zu tun in der Lage sind. Die Notwendigkeit des Aufbaus einer m\u00e4chtigen Streikbewegung gegen das Haushaltsgesetz steht ganz oben auf der Agenda. Das sollte f\u00fcr jede Gliederung der UGTT im ganzen Land gelten. Es war immerhin die organisierte Phalanx der Arbeiterklasse, die vor sieben Jahren mit all ihrer Macht das Schicksal von Ben Ali besiegelt hat. Und es ist genau diese Macht, mit der all jene bezwungen werden k\u00f6nnen, die versuchen, mit der Wirtschaftspolitik des alten Regimes fortzufahren.<\/p>\n<p>Die Spitzen des Linksb\u00fcndnisses namens \u201eVolksfront\u201c liegen richtig, wenn sie zu verst\u00e4rkter Mobilisierung aufrufen. Ihr parallel dazu gestarteter Ruf nach vorgezogenen Neuwahlen greift angesichts der derzeitigen Lage hingegen zu kurz. Nat\u00fcrlich sind wir nicht prinzipiell gegen Wahlen, die diese Regierung vorzeitig abberufen w\u00fcrde. Wenn sie diese Forderung aber auf dem H\u00f6hepunkt einer k\u00e4mpferischen Bewegung aufstellen, dann \u00fcben sie damit Verrat den sonst \u00fcblichen \u00dcberlegungen der f\u00fchrenden VertreterInnen der \u201e<span lang=\"fr-FR\">Front populaire pour la r\u00e9alisation des objectifs de la r\u00e9volution\u201c, so der volle Name der <\/span>\u201eVolksfront\u201c. Denn eigentlich will man doch eben nicht, dass die Basis der sozialen K\u00e4mpfe in die sicheren Bahnen institutionalisierter Politik abgeleitet wird. Viele haben noch klar vor Augen, dass diese f\u00fchrenden K\u00f6pfe 2013 zwei hervorragende revolution\u00e4re M\u00f6glichkeiten mit einer ganz \u00e4hnlichen Strategie vertan haben.<\/p>\n<p>Aus unserer Sicht muss eine starke Einheitsfront organisiert werden, die die Kampagne-F\u00fchrerInnen von \u201eFech Nestannew\u201c, ArbeiterInnen, GewerkschafterInnen, Erwerbslosen-Organisationen und die Kommunen vor Ort, politische und soziale AktivistInnen im Kampf miteinander vereint und eskaliert wird bis das \u00e4tzende Haushaltsgesetz wieder au\u00dfer Kraft gesetzt und die daf\u00fcr verantwortliche Regierung Chahed aus dem Amt getrieben worden ist. Doch wie die Erfahrung der vergangenen sieben Jahre so anschaulich gezeigt hat, wird die kapitalistische herrschende Klasse so lange irgendwelche Regierungskonstellationen zusammenstellen, wie die Bewegung es nicht vermag, sich auf politischer Ebene eigenst\u00e4ndig und unabh\u00e4ngig Ausdruck zu verschaffen. Das muss auf Basis der Forderungen der Revolution geschehen. Ansonsten wird es immer neue Koalitionen geben, die den Interessen des Kapitals entsprechen und die W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerung zerst\u00f6ren. Um zu verhindern, dass es wieder und wieder dazu kommt, sollten in den Betrieben und Kommunen Aktionskomitees der Massen aufgestellt werden, um dar\u00fcber die Bewegung von unten aufzubauen und einen politischen Kampf der Massen zu koordinieren, der darauf abzielt, die Regierung zu Fall zu bringen und die Gr\u00fcndung einer revolution\u00e4ren Volks-Regierung vorzubereiten, die sich auf von ArbeiterInnen, armen B\u00e4uerinnen und Bauern sowie jungen Leuten demokratisch gew\u00e4hlte VertreterInnen gr\u00fcndet. Mit einer demokratischen und sozialistischen Politik, die auf dem \u00f6ffentlichen Eigentum an den Banken, Fabriken, Agrar-Holdings und Energieunternehmen basiert, kann f\u00fcr die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung eine radikal andere Zukunft geschaffen werden.<\/p>\n<p>Wir fordern:<\/p>\n<ul>\n<li>R\u00fccknahme des Haushaltsgesetzes \u2013 die Schuldenzahlungen m\u00fcssen abgelehnt werden!<\/li>\n<li>R\u00fccknahme der Preiserh\u00f6hungen \u2013 staatliche Subventionen m\u00fcssen verteidigt und ausgeweitet werden \u2013 f\u00fcr L\u00f6hne und Sozialleistungen, die zur Deckung der Lebenshaltungskosten reichen!<\/li>\n<li>Umgehende Freilassung aller inhaftierten AktivistInnen \u2013 der Ausnahmezustand muss sofort aufgehoben werden!<\/li>\n<li>F\u00fcr eine Serie von Generalstreiks in Vorbereitung eines landesweiten 24-st\u00fcndigen Generalstreiks, um die Regierung Chahed zu Fall zu bringen!<\/li>\n<li>F\u00fcr einen umfassenden Plan f\u00fcr \u00f6ffentliche Investitionen in die Infrastruktur und die Entwicklung der Regionen im Landesinnern, um Arbeitspl\u00e4tze mit angemessenen L\u00f6hnen zu schaffen und die Erwerbslosigkeit zu verringern!<\/li>\n<li>Verstaatlichung der Banken, Schl\u00fcsselkonzerne und Agrar-Holdings unter demokratischer Kontrolle der Bev\u00f6lkerung!<\/li>\n<li>F\u00fcr eine Regierung des Volkes, die sich auf die VertreterInnen der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten, der Armen und jungen Leute st\u00fctzt, welche in den Betrieben, Kommunen und Universit\u00e4ten demokratisch gew\u00e4hlt werden m\u00fcssen!<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kapitalismus im Land kann sich auf keine \u00f6konomische und soziale Basis st\u00fctzen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":30868,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[1164,293],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35847"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35847"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35847\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35850,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35847\/revisions\/35850"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30868"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35847"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35847"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35847"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}