{"id":35830,"date":"2018-02-01T11:39:14","date_gmt":"2018-02-01T10:39:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35830"},"modified":"2018-01-31T11:41:16","modified_gmt":"2018-01-31T10:41:16","slug":"berlin-volksentscheid-fuer-gesunde-krankenhaeuser-gestartet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/02\/berlin-volksentscheid-fuer-gesunde-krankenhaeuser-gestartet\/","title":{"rendered":"Berlin: Volksentscheid f\u00fcr Gesunde Krankenh\u00e4user gestartet"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/logo_artikel.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35831\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/logo_artikel-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/logo_artikel-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/logo_artikel-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/logo_artikel-768x474.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/logo_artikel-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/logo_artikel-600x370.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/logo_artikel-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/logo_artikel.jpg 1620w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>N\u00e4chster Schritt gegen Personalmangel und Profitorientierung im Berliner Gesundheitswesen<\/strong><\/p>\n<p>Die Krise in den Krankenh\u00e4usern spitzt sich zu. Schicht f\u00fcr Schicht gehen zehntausende Pflegekr\u00e4fte auf dem Zahnfleisch. Bundesweit wehren sich Besch\u00e4ftigte mit Streiks und Protesten gegen diese Bedingungen. In Berlin nahmen Streiks f\u00fcr mehr Personal an der Charit\u00e9 ihren Anfang. Nun startet im Februar in Berlin die erste Stufe eines Volksentscheides f\u00fcr mehr Personal und h\u00f6here Investitionen in die Krankenh\u00e4user. Gemeinsam mit vielen anderen im Berliner B\u00fcndnis ist die SAV an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung dieser Kampagne beteiligt.<\/p>\n<p><em>von Michael Koschitzki, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/www.mehr-krankenhauspersonal.de\">Berliner B\u00fcndnis f\u00fcr mehr Personal im Krankenhaus<\/a> gr\u00fcndete sich 2013 aus der Unterst\u00fctzung der Auseinandersetzung an der Berliner Charit\u00e9. Es organisierte Solidarit\u00e4tsveranstaltungen, politische Veranstaltungen, sammelte Unterschriften f\u00fcr eine Petition zum Berliner Krankenhausplan, mobilisierte zu Demonstrationen der Besch\u00e4ftigten und leistete aktive Streikunterst\u00fctzung. \u00dcber den <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2015\/07\/zehn-tage-die-die-charit-erschuetterten\/\">Streik der Pflegekr\u00e4fte<\/a> hinaus unterst\u00fctzte es auch den Kampf der KollegInnen der ausgegr\u00fcndeten T\u00f6chter f\u00fcr tarifliche Bezahlung und die<a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2016\/08\/aufstand-der-toechter-hat-begonnen\/\"> R\u00fcckf\u00fchrung aller Tochterunternehmen<\/a>.<\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis, das aus ver.di, linken Organisationen und Parteien und AktivistInnen der Charit\u00e9 besteht, dehnte sich \u00fcber die letzten Jahre auf weitere Krankenh\u00e4user wie das st\u00e4dtische Klinikum Vivantes oder das j\u00fcdische Krankenhaus aus. Anfang des Jahres 2017 beschloss das B\u00fcndnis, einen Volksentscheid zu initiieren und erarbeitete eine Gesetzes\u00e4nderung des Landeskrankenhausgesetzes, welche die Versorgung an Berliner Krankenh\u00e4usern stark verbessern w\u00fcrde. Der Volksentscheid ersetzt nicht die Streiks und tariflichen Auseinandersetzungen f\u00fcr mehr Personal, sondern erg\u00e4nzt sie, organisiert Unterst\u00fctzung, mobilisiert mehr MitstreiterInnen und kann so auch ermutigen, Streiks auf weitere Krankenh\u00e4user auszudehnen.<\/p>\n<div style=\"margin: 0; margin-right: 10px; border: 2px solid #000000; padding: 0em 1em 1em 1em; background-color: #c0c0c0;\">\n<h2>Informationen, Gesetzestext, Unterschriftenlisten und Aktionen unter <a href=\"https:\/\/volksentscheid-gesunde-krankenhaeuser.de\/\">https:\/\/volksentscheid-gesunde-krankenhaeuser.de<\/a><\/h2>\n<\/div>\n<h4>Berliner Pflegenotstand<\/h4>\n<p>Ver\u00e4nderungen sind dringend notwendig. Wie im Rest der Republik herrscht auch in Berlin Notstand in der Pflege und im Krankenhaus. Laut Berechnungen von ver.di fehlen circa 3000 Pflegekr\u00e4fte in Berliner Krankenh\u00e4usern. Was ist die Antwort der Krankenhausleitungen darauf? Noch mehr F\u00e4lle f\u00fcr weniger Pflegekr\u00e4fte und noch mehr Arbeitsdruck! Jede f\u00fcnfte Pflegekraft \u00fcberlegt, aus dem Beruf auszusteigen, weil die Arbeitsbedingungen zu hart sind. W\u00e4hrend die Anf\u00e4ngerklassen in den Pflegeschulen voll sind, bleiben nur wenige im Beruf, nachdem sie die Arbeits- und Pflegebedingungen erlebt haben. Die jetzige Politik wird den Pflegenotstand nur versch\u00e4rfen, statt ihn zu beheben.<\/p>\n<p>Nur eine radikale \u00c4nderung der Arbeits- und Pflegebedingungen wird wieder mehr Menschen erm\u00f6glichen, den Beruf aufzunehmen, beizubehalten und Vollzeit darin zu arbeiten. Dann kann sich an der Pflegekrise etwas \u00e4ndern. Das muss auch mit einer besseren Bezahlung von Pflegekr\u00e4ften einher gehen.<\/p>\n<p>Eine Ver\u00e4nderung ist auch f\u00fcr die Sicherheit der PatientInnen dringend geboten. Personalmangel f\u00fchrt zur Gef\u00e4hrdung von PatientInnen. Es muss gesetzliche Regelungen geben, wieviel Personal auf einer Krankenstation vorgehalten werden muss, so wie zwei PilotInnen im Cockpit eines Flugzeuges sitzen! Das verlangt der Volksentscheid f\u00fcr Gesunde Krankenh\u00e4user.<\/p>\n<h4>Finanzierung<\/h4>\n<p>Ein Grund, warum Krankenh\u00e4user an Personal sparen, ist die finanzielle Lage, in die sie gebracht werden. Krankenkassen zahlen nicht die tats\u00e4chlichen Kosten einer Behandlung, sondern eine Pauschale. Die Einf\u00fchrung dieser Fallpauschalen (DRGs) f\u00fchrte zu erheblichem Kostendruck und Einsparungen beim Personal bei gleichzeitigem Ansteigen von Krankenkassenausgaben durch Mehrfachbehandlungen und unn\u00f6tigen Diagnosen. Neoliberale Profitkalkulation hielt Einzug ins Gesundheitswesen.<\/p>\n<p>Die zweite S\u00e4ule der Finanzierung eines Krankenhauses ist die \u00dcbernahme von Investitionskosten durch das Land. W\u00e4hrend Krankenkassen die laufenden Betriebskosten tragen, muss das Land f\u00fcr Investitionen aufkommen. Doch da die L\u00e4nder an \u00f6ffentlichen Ausgaben sparen und die Krankenhausinvestitionen immer weiter gesenkt wurden, steht nicht genug Geld zur Verf\u00fcgung. Da einige Anschaffungen aber nicht warten k\u00f6nnen, m\u00fcssen Krankenh\u00e4user Gelder aus dem ersten Topf nehmen und in den zweiten stecken. Gelder f\u00fcr Behandlungen und Pflege werden damit in Technik und Infrastruktur gesteckt: Personalstellen werden zu Baustellen.<\/p>\n<p>Die Berliner Krankenhausgesellschaft (eine Arbeitgebergesellschaft, die sich gegen tarifliche Personalbemessung wehrt) sch\u00e4tzt, dass eine Investitionsl\u00fccke von circa 2,1 Milliarden Euro an Berliner Krankenh\u00e4usern klafft. Sie kritisieren, dass die Zuwendungen immer noch unter dem Bundesdurchschnitt liegen und dass 256 Millionen Euro pro Jahr nur f\u00fcr laufende Investitionen von allen Krankenh\u00e4usern (ohne Charit\u00e9) n\u00f6tig w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Der Berliner Senat steckt im n\u00e4chsten Jahr 140 Millionen Euro in die Berliner Krankenh\u00e4user (ohne Charit\u00e9). Nur 90 Millionen Euro kommen aus dem Haushalt. Weitere 50 Millionen Euro sind aus Sondermitteln und Eigenkrediten der Krankenh\u00e4user eingeplant. Die Zukunft der Investitionen ist damit nicht gesichert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_35832\" aria-describedby=\"caption-attachment-35832\" style=\"width: 534px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/2017-12-28_Investitionen.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-35832 size-large\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/2017-12-28_Investitionen-534x347.jpg\" alt=\"\" width=\"534\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/2017-12-28_Investitionen-534x347.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/2017-12-28_Investitionen-266x173.jpg 266w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/2017-12-28_Investitionen-768x499.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/2017-12-28_Investitionen-600x390.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 534px) 100vw, 534px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-35832\" class=\"wp-caption-text\">Quelle der Abbildung: Berliner Krankenhausgesellschaft http:\/\/www.bkgev.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Was will der Volksentscheid?<\/h4>\n<p>Die Gesetzes\u00e4nderung des Volksentscheides f\u00fcr Gesunde Krankenh\u00e4user zielt auf verbindliche Qualit\u00e4tsregelungen im Landeskrankenhausgesetz in Bezug auf Personalschl\u00fcssel. Dabei wird gr\u00f6\u00dftenteils auf die Personalregelungen zur\u00fcckgegriffen, die der Tarifvertrag Gesundheitsschutz an der Charit\u00e9 vorsieht. Sie beinhalten Personalquoten f\u00fcr die Intensivstation (zum Beispiel maximal zwei IntensivpatientInnen mit normalem Pflegebedarf pro Pflegekraft) sowie Vorgaben nach der Personal-Pflege-Regelung PPR, die bis 1996 Gesetz war. Au\u00dferdem werden Vorschriften f\u00fcr andere Bereiche wie beisipielweise Radiologie, Krei\u00dfsaal und Reinigung gemacht.<\/p>\n<p>Die Krankenh\u00e4user werden dabei verpflichtet, \u00fcber die Einhaltung dieser Grenzen zu informieren und Personal daf\u00fcr vorzuhalten. Sollte ein Krankenhaus dem nicht nachkommen, ist das Land verpflichtet, das Krankenhaus anzuweisen, Kapazit\u00e4ten zu reduzieren.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wird eine verbindliche \u00dcbernahme von Investitionen festgelegt. Das Land Berlin muss dann laut Gesetz, 8,6 Prozent der bereinigten Kosten eines Krankenhauses \u00fcbernehmen. Der Senat rechnet mit Mehrkosten von j\u00e4hrlich 160 Millionen Euro gegen\u00fcber heute. So eine Finanzspritze w\u00fcrde Krankenh\u00e4user bei den Investitionen deutlich entlasten und Mittel f\u00fcr mehr Personal frei machen. Mittel daf\u00fcr sollten aufzutreiben sein, gerade wenn man bedenkt, dass die Baustelle vom Berliner Flughafen allein 25 Millionen Euro laufende Kosten pro Monat bedeutet, ohne dass die Verursacher und Nutznie\u00dfer zur Verantwortung gezogen wurden oder dass pro Jahr 1,3 Milliarden Euro Zinsen an Banken bezahlt werden.<\/p>\n<h4>Bundesweite Bewegung<\/h4>\n<p>Bundesweit fanden in den letzten Monaten im Rahmen der Tarifbewegung Entlastung eine Reihe von Streiks f\u00fcr mehr Personal in Krankenh\u00e4usern statt. Darunter war auch der erste Streik in einer katholischen Einrichtung. In zahlreichen St\u00e4dten haben sich \u00e4hnlich dem Berliner B\u00fcndnis Gruppen zur Unterst\u00fctzung gebildet und in Hamburg gibt es ebenfalls Planungen, einen Volksentscheid zu starten.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaft ver.di sollte bundesweit offensiv die Gr\u00fcndung solcher B\u00fcndnisse unterst\u00fctzen und Kampagnen vorantreiben. Die Streiks m\u00fcssen entschlossen gef\u00fchrt und auf mehr Krankenh\u00e4user ausgedehnt werden. Sie erzeugen den h\u00f6chsten Druck und tarifliche Regelungen f\u00fcr mehr Personal in einzelnen Krankenh\u00e4usern schaffen bessere Voraussetzungen, auch gesetzliche Regelungen f\u00fcr alle Krankenh\u00e4user zu erk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Bundesweite Treffen sollten offen f\u00fcr neue AktivistInnen sein und m\u00f6glichst viele Aktive aus Krankenh\u00e4usern einbeziehen. Dort sollte es die Gelegenheit geben, die Forderungen und die weitere Strategie f\u00fcr Entlastung zu besprechen. Die Vorschl\u00e4ge sollten dann entschlossen und mit den n\u00f6tigen Mitteln umgesetzt werden. Ob solche Volksentscheide wie in Berlin und Hamburg auch woanders sinnvoll sind oder dort von der Orientierung auf Streiks ablenken, k\u00f6nnte dort ebenfalls diskutiert werden.<\/p>\n<h4>Grenzen eines Volksentscheides<\/h4>\n<p>Dass Volksentscheide in der Form m\u00f6glich sind, musste \u00fcber viele Jahre erk\u00e4mpft werden. Zahlreiche Initiativen setzten sich daf\u00fcr ein, dieses Instrument zu erhalten und die H\u00fcrden daf\u00fcr zu senken. Erst seit der Reform 2006 gab es in Berlin erfolgreiche Volksbegehren. Doch dieses Zugest\u00e4ndnis an direkte Demokratie hat Grenzen. Volksentscheiden sind enge Grenzen gesetzt bez\u00fcglich des Eingriffs in den Haushalt, die unternehmerische Freiheit, in Bundesgesetze oder europ\u00e4isches Recht. W\u00fcrde es nach uns gehen, w\u00fcrden wir ein Gesetz schreiben, das private Krankenh\u00e4user rekommunalisiert, Profitmacherei und Ungleichheit aus dem Gesundheitswesen verbannt, Kosten gerecht und bedarfsdeckend \u00fcbernimmt, das Wohl der PatientInnen in den Mittelpunkt stellt und gute Arbeitsbedingungen und Bezahlungen vorschreibt. Das ist in diesem Rahmen nicht m\u00f6glich, sondern muss zuk\u00fcnftig zusammen mit einer grundlegenden Ver\u00e4nderung der Macht- und Eigentumsverh\u00e4ltnisse erk\u00e4mpft werden.<\/p>\n<p>Seit dem erfolgreichen Volksentscheid f\u00fcr die Offenlegung der Teilprivatisierungsvertr\u00e4ge der Berliner Wasserbetriebe 2011 hat es zahlreiche Volksbegehren und Volksentscheide in Berlin gegeben. Sie hatten teilweise eine enorme Dynamik entfacht. Der Berliner Fahrradvolksentscheid sammelte \u00fcber 100.000 Unterschriften in den ersten drei Wochen.<\/p>\n<p>Doch viele Volksentscheide k\u00e4mpften mit engen gesetzlichen Grenzen, wurden angezweifelt oder scheiterten an der hohen Zustimmungsh\u00fcrde. Am Abstimmungstag muss nicht nur eine Mehrheit mit Ja stimmen, sondern auch ein Viertel aller Wahlberechtigten. Das sind derzeit \u00fcber 600.000 Menschen. Ohne deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft kann man weder abstimmen noch unterschreiben. Eine Umsetzung des Fahrradvolksentscheides, dessen Inhalten eigentlich zugestimmt wurde, verz\u00f6gert sich derzeit immer mehr. \u00c4hnliche Probleme k\u00f6nnten auch dem Volksentscheid f\u00fcr Gesunde Krankenh\u00e4user drohen. Er k\u00f6nnte aufgrund der angestrebten bundesweiten Regelung f\u00fcr Personal rechtlich angezweifelt werden oder trotz der gro\u00dfen Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Thema an den immer noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohen Kriterien f\u00fcr eine Zustimmung scheitern. Doch sollte er nicht gestoppt werden k\u00f6nnen, h\u00e4tte er unmittelbare Wirkung. Nach einer \u00dcbergangszeit m\u00fcssten zwischen 3.000 und 5.000 Pflegekr\u00e4fte eingestellt werden und die Versorgung w\u00fcrde sich schnell verbessern.<\/p>\n<h4>Kampagne f\u00fcr mehr Personal<\/h4>\n<p>Die Kampagne f\u00fcr den Volksentscheid wird einen enormen Druck aus\u00fcben und ist eine Gelegenheit, gewerkschaftliche Strukturen in den Krankenh\u00e4usern wieder kampfbereit zu machen und die Basis zu vergr\u00f6\u00dfern. Positives Feedback bei Unterschriftensammlungen bei PatientInnen und gute \u00d6ffentlichkeit k\u00f6nnen motivieren und so die gewerkschaftliche Position festigen. Auf der Grundlage lie\u00dfen sich zuk\u00fcnftige Streiks leichter vorbereiten. In zahlreichen Betriebsgruppen wurde der Volksentscheid schon vorgestellt und Gewerkschaftsmitglieder gehen mit dem Material \u00fcber Stationen und laden zu n\u00e4chsten Treffen ein. In fast allen Berliner Krankenh\u00e4usern hat das B\u00fcndnis Kontakte und AktivistInnen. Die Unterschriftenlisten und die Informationen \u00fcber Personalnotstand und Alternativen werden in den n\u00e4chsten Wochen in hunderte Wartezimmer und in zahlreiche Stadtteile getragen. Dadurch kann sich die Schicht von AktivistInnen noch weiter verbreitern.<\/p>\n<p>ver.di Berlin unterst\u00fctzt den Volksentscheid f\u00fcr Gesunde Krankenh\u00e4user. Andere Gewerkschaften sollten sich der Kampagne ebenfalls anschlie\u00dfen. Alle ihre Mitglieder sind potentielle PatientInnen und haben ein Interesse an einer guten Versorgung. Bei der letzten Berliner DGB- Delegiertenversammlung wurde der Volksentscheid schon vorgestellt. Doch die Unterst\u00fctzung sollte \u00fcber eine formale hinaus gehen und bedeuten, dass in Betrieben und Verwaltungen Flugbl\u00e4tter verbreitet und Unterschriften aktiv \u00fcber Gewerkschaftsstrukturen gesammelt werden.<\/p>\n<p>Zahlreiche Mitglieder der LINKEN sind schon jetzt an der Kampagne beteiligt. DIE LINKE Neuk\u00f6lln hilft mit, eine breite Kampagnenstruktur im Bezirk zu etablieren. DIE LINKE Berlin hat auf dem Parteitag im November die Unterst\u00fctzung beschlossen. Mitglieder sollten sich \u00fcberall aktiv in die Kampagne einbringen und beim Sammeln helfen. Im Wahlprogramm der LINKEN von 2017 hei\u00dft es: \u201eUm den Personalnotstand zu bek\u00e4mpfen, will DIE LINKE eine gesetzliche Personalbemessung einf\u00fchren. Wir brauchen verbindliche bundesweite Vorgaben, wie viele Pflegekr\u00e4fte f\u00fcr wie viele Patientinnen und Patienten vorhanden sein m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Wie wird sich der rot-rot-gr\u00fcne Senat zum Volksentscheid verhalten? An der Charit\u00e9 wird der abgeschlossene Tarifvertrag Gesundheitsschutz nur unzureichend umgesetzt und der Senat, auch unter Beteiligung der LINKEN, unternimmt zu wenig, den Aufsichtsrat zur Umsetzung verbindlicher Regelungen zu zwingen. Auch die Kolleg*innen der Charit\u00e9 Tochtergesellschaft CFM warten weiterhin auf einen vern\u00fcnftigen Tarifvertrag.<\/p>\n<p>Der Volksentscheid wird auch Druck aus\u00fcben auf die bundesweite Diskussion \u00fcber gesetzliche Regelungen f\u00fcr eine Personalbemessung im Krankenhaus. Dort sollen Krankenkassen und Krankenhausgesellschaft bis Sommer diesen Jahres einen Vorschlag f\u00fcr Personalregelungen unterbreiten. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass sie vollkommen unzureichend sein werden. Im Sondierungspapier von CDU, CSU und SPD f\u00fcr die Gro\u00dfe Koalition wird angek\u00fcndigt, Untergrenzen f\u00fcr alle bettenf\u00fchrenden Bereiche einzuf\u00fchren. Was und wieviel da kommt, ist jedoch noch offen.<\/p>\n<h4>F\u00fcr ein sozialistisches Gesundheitswesen<\/h4>\n<p>Die Kampagne f\u00fcr mehr Personal im Krankenhaus ist auch ein Angriff auf die weitere Profitorientierung im Krankenhaus und in der Gesundheitsversorgung. Der Kampf dagegen wird nicht mit einer Unterschriftensammlung enden und nicht an der Berliner Landesgrenze halt machen. Schon jetzt sind weitere Demonstrationen von Pflegekr\u00e4ften geplant, so zum Beispiel mit der Demonstration von Pflegesch\u00fclerInnen am 12. Mai in Berlin.<\/p>\n<p>Die SAV ist seit Anfang an Teil der Bewegung f\u00fcr mehr Personal im Krankenhaus. Unsere Mitglieder in und au\u00dferhalb der Charit\u00e9 haben die Streiks f\u00fcr bessere L\u00f6hne, gegen Ausgr\u00fcndung und den ersten Streik f\u00fcr mehr Personal unterst\u00fctzt und vorangetrieben. Die SAV war gemeinsam mit vielen anderen an der Gr\u00fcndung und der erfolgreichen Arbeit des Berliner B\u00fcndnisses f\u00fcr mehr Personal im Krankenhaus beteiligt und treibt den Volksentscheid mit voran.<\/p>\n<p>Wir wollen eine umfassende Ver\u00e4nderung des Gesundheitssystems. Zus\u00e4tzlich zu einer bedarfsgerechten Personalausstattung streiten wir f\u00fcr ein Ende des DRG-Systems, die Rekommunalisierung der privaten Kliniken und ein \u00f6ffentliches kostenloses Gesundheitssystem. Das muss ausreichend und nach den Bed\u00fcrfnissen der PatientInnen und Besch\u00e4ftigten finanziert sein. Das wollen wir durch eine drastische Besteuerung von Reichtum und Gewinnen erreichen. Pharmakonzerne geh\u00f6ren enteignet und unter demokratische Kontrolle und Verwaltung gestellt. So w\u00fcrde nicht erforscht, was Gewinn bringt, sondern transparent daran gearbeitet, was dringend n\u00f6tig gebraucht wird. Diese Ver\u00e4nderungen gehen f\u00fcr uns einher mit einer grundlegenden Ver\u00e4nderung der Gesellschaft zu einer sozialistischen Demokratie.<\/p>\n<p>Werde aktiv f\u00fcr mehr Personal im Krankenhaus. Unterst\u00fctze den Volksentscheid f\u00fcr Gesunde Krankenh\u00e4user und schlie\u00dfe dich der SAV an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehr Informationen \u00fcber die K\u00e4mpfe in Krankenh\u00e4usern und unser Programm f\u00fcr ein sozialistisches Gesundheitswesen sind hier zu finden:<\/p>\n<p>\u00dcbersicht: <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/category\/themen\/sozialesundgesundheit\/gesundheitspolitik\/\">https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/category\/themen\/sozialesundgesundheit\/gesundheitspolitik\/<\/a><\/p>\n<p>Gesundheit im Sozialismus: <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2017\/08\/gesundheit-im-sozialismus\/\">https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2017\/08\/gesundheit-im-sozialismus\/<\/a><\/p>\n<p>Kampf an der Charit\u00e9: <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2016\/05\/charit-erster-tarifvertrag-fuer-gesundheitsschutz-und-mindestbesetzung\/\">https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2016\/05\/charit-erster-tarifvertrag-fuer-gesundheitsschutz-und-mindestbesetzung\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>N\u00e4chster Schritt gegen Personalmangel und Profitorientierung im Berliner Gesundheitswesen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35831,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,111,81],"tags":[724,891,1110,1116,967],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35830"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35830"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35830\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35833,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35830\/revisions\/35833"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35831"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35830"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35830"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35830"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}