{"id":35806,"date":"2018-01-26T14:09:52","date_gmt":"2018-01-26T13:09:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35806"},"modified":"2018-02-09T16:27:47","modified_gmt":"2018-02-09T15:27:47","slug":"wer-wind-saet-wird-sturm-ernten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/01\/wer-wind-saet-wird-sturm-ernten\/","title":{"rendered":"Tarifrunde Metall: Wer Wind s\u00e4t, wird Sturm ernten"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_35614\" aria-describedby=\"caption-attachment-35614\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-35614\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr-260x173.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr-260x173.jpg 260w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr-521x347.jpg 521w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr-600x399.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-35614\" class=\"wp-caption-text\">Foto: IG Metall<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Durchsetzung der Forderungen ist m\u00f6glich!<\/strong><\/p>\n<p>Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer m\u00fcsste 157 Jahre arbeiten, um das Jahreseinkommen eines Dax-Vorstandsvorsitzenden zu erzielen. Das ist die Erkenntnis aus dem diesj\u00e4hrigen Oxfam-Bericht, in dem festgestellt wurde, dass die Zahl der Milliard\u00e4re von 2016 bis 2017 weltweit noch nie so stark angewachsen ist. Auch in Deutschland gibt es eine schreiende Ungleichheit: die reichsten 40 Personen verf\u00fcgen \u00fcber das gleiche Verm\u00f6gen wie die \u00e4rmere H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung. Die Bosse in der Metallindustrie freuen sich wieder einmal \u00fcber Rekordgewinne. Umso dreister ihre Haltung gegen\u00fcber den Kolleginnen und Kollegen.<\/p>\n<h4>IG Metall und Kampf um Arbeitszeit<\/h4>\n<p>Die IG Metall hat mit ihren Forderungen zum ersten Mal seit langem das Thema Arbeitszeitverk\u00fcrzung auf die Tagesordnung gesetzt. Das ist positiv. Allerdings ist schade, dass gerade die potenziell kampfstarke IG Metall so bescheiden an die Frage der Arbeitszeitverk\u00fcrzung heran geht und die Forderung darauf begrenzt, dass es nur f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum und f\u00fcr einen Teil der KollegInnen gelten soll. Doch die Arbeitgeber sind inzwischen so arrogant geworden, dass sie selbst hier meinen, blockieren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<h4>Kampfkraft ist gro\u00df<\/h4>\n<p>Die Ausgangsposition f\u00fcr Streik ist extrem gut f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten! Die Durchsetzung der Forderungen ist m\u00f6glich. Die bisherigen Warnstreiks wurden sehr gut befolgt. Mit 24-Stunden-Warnstreiks k\u00f6nnte angesichts der Auftragslage und der Just-in-Time-Produktion ein gro\u00dfer Druck erzeugt werden. Das gilt umso mehr, wenn zu Urabstimmung und Streik aufgerufen w\u00fcrde.<\/p>\n<h4>Keine Ausweitung nach oben!<\/h4>\n<p>Die Verhandlungsf\u00fchrer der Metallarbeitgeber wollen keinen Teillohnausgleich und gleichzeitig eine flexible Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeiten auf 40 Stunden pro Woche. Eine weitere Flexiblisierung nach oben w\u00e4re aber fatal. Das, was bisher mit dem Kampf um die die 35-Stunden-Woche Mitte der 80iger Jahre erreicht wurde, w\u00fcrde noch weiter ausgeh\u00f6hlt. Schon jetzt werden laut IG Metall in Wirklichkeit 40,6 Stunden pro Woche in der Metall- und Elektroindustrie gearbeitet. Wo soll das enden, wenn jetzt noch weiter nach oben verl\u00e4ngert wird?!<\/p>\n<p>Bei dem Lohnausgleich darf es nat\u00fcrlich auch kein Zur\u00fcckweichen geben. Es geht schlie\u00dflich nicht um die befristete Umwandlung in Teilzeit, was sich viele \u00fcberhaupt nicht leisten k\u00f6nnen. Es darf also keine Kompensationen geben. Deshalb ist wichtig, dass Druck auf die IG Metallf\u00fchrung und Verhandlungskommissionen gemacht wird, um nicht in die Defensive zu geraten.<\/p>\n<h4>30-Stunden-Woche f\u00fcr alle?<\/h4>\n<p>Wenn die Arbeitgeber jetzt so mauern, sollte in der IG Metall die Diskussion aufgemacht werden, ob man stattdessen die Forderung noch ausweitet. Es ist ein Skandal, dass die Arbeitgeber, die keine Probleme haben, KollegInnen durch Fremdvergabe und Leiharbeit zu unterschiedlichen L\u00f6hnen f\u00fcr die gleiche Arbeit nebeneinander arbeiten zu lassen, jetzt bei der Forderung nach dem Anrecht auf Arbeitszeitverk\u00fcrzung meinen, das sei unzul\u00e4ssig, weil Ungleichheit geschaffen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dennoch \u2013 wenn sie darauf bestehen, k\u00f6nnte man auch das Argument umdrehen und sagen \u2013 dann fordern wir die Arbeitszeitverk\u00fcrzung f\u00fcr alle \u2013 bei vollem Lohn- und Personalausgleich\u2013 zum Beispiel auf 30 Stunden. Das w\u00e4re v\u00f6llig gerechtfertigt, angesichts des Produktivit\u00e4tszuwachses seit der letzten Arbeitszeitverk\u00fcrzung.<\/p>\n<p>Und es w\u00e4re eine klare Forderung, die mobilisierend auf alle Kolleginnen und Kollegen wirken w\u00fcrde. Die jetzige Kampfkraft sollte unbedingt genutzt werden, um in die Offensive zu kommen. Und wenn schon richtig streiken, warum dann nicht gleich so, dass es sich lohnt?!<\/p>\n<h4>Zusammen k\u00e4mpfen!<\/h4>\n<p>Auch f\u00fcr andere Bereiche laufen Tarifrunden: \u00f6ffentlicher Dienst, Post, Telekom, Bauhauptgewerbe und andere, insgesamt sind zur Zeit f\u00fcr sechs Millionen Besch\u00e4ftigte. Die Probleme sind \u00fcberall dieselben: zu viel Arbeitsdruck und zu wenig Geld. Es w\u00e4re an der Zeit, gemeinsam auf die Stra\u00dfe zu gehen!<\/p>\n<p>Gemeinsame Proteste und Demonstrationen w\u00e4hrend der Streiks k\u00f6nnten ein starkes Signal setzen, dass sich gemeinsames K\u00e4mpfen lohnt.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnte eine gesellschaftliche Bewegung f\u00fcr Umverteilung von oben daraus entstehen. Das ist angesichts der Tatsache, dass CDU\/CSU und SPD auf Steuererh\u00f6hungen f\u00fcr die Reichen verzichten wollen und gleichzeitig eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes anstreben, umso dringender.<\/p>\n<h2>&#8222;Dumm, dreist, t\u00f6richt&#8220;<\/h2>\n<p>Mit diesen Worten bezeichnete vor gut 35 Jahren der damalige CDU-Bundeskanzler Helmut Kohl die Forderung der Gewerkschaft IG Metall und der Gewerkschaft Druck und Papier nach der 35-Stunden-Woche. Die Arbeitgeber gingen zum Frontalangriff \u00fcber und reagierten mit Aussperrung von einer halben Million Besch\u00e4ftigten auf die Arbeitskampfma\u00dfnahmen. Mit Streik \u00fcber mehrere Wochen, begleitet von Warnstreiks und Demonstrationen, konnte der Einstieg in die 35 Stunden-Woche erk\u00e4mpft werden.<\/p>\n<p>Leider wurde durch verschiedene Ma\u00dfnahmen das Rad der Geschichte wieder zur\u00fcck gedreht. Es ist ein untragbarer Zustand, dass man kaum noch M\u00f6glichkeiten sieht, sich genug um Angeh\u00f6rige zu k\u00fcmmern oder zu wenig Zeit f\u00fcr die Kinder hat. Mit der Forderung nach einer weiteren Arbeitszeitverk\u00fcrzung f\u00fcr alle, wie der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich, k\u00f6nnte man zwei sinnvolle Dinge erreichen:<\/p>\n<p>Erstens mehr Zeit zum Leben, Lieben, Lachen: Dieser Slogan aus den Zeiten des Arbeitskampfes um die 35-Stunden-Woche hat heute \u2013 in Zeiten von permanentem Druck sogar eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung als damals.<\/p>\n<p>Zweitens Verhinderung von Arbeitsplatzabbau: Wenn die Bosse damit drohen, dass mit der Digitalisierung und Automatisierung ein Teil der menschlichen Arbeitskraft \u00fcberfl\u00fcssig wird, muss die Gewerkschaft sagen: Wenn es technischen Fortschritt gibt, dann weil die Besch\u00e4ftigten ihn geschafften haben. Entsprechend soll dieser auch f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten genutzt werden. Daher: Verteilung der Arbeit auf alle \u2013 ohne Lohnabstriche!<\/p>\n<p>Diese Forderung muss auch da gelten, wo die Konzernchefs von Siemens, General Electrics und anderen auf einmal entlassen wollen, obwohl sie Rekordgewinne eingefahren haben. Wenn sie das nicht einsehen, sollten sie enteignet werden. Unter demokratischer Kontrolle von Besch\u00e4ftigten, Gewerkschaften und Staat k\u00f6nnte ein Plan f\u00fcr sinnvolle Produktion erstellt werden \u2013 bei Erhalt aller Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>[wpfilebase tag=file id=2143 \/]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flugblatt der SAV zur Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35614,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[1017,1126,1102],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35806"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35806"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35806\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35811,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35806\/revisions\/35811"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35614"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35806"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35806"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35806"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}