{"id":35740,"date":"2018-01-15T16:45:43","date_gmt":"2018-01-15T15:45:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35740"},"modified":"2018-01-25T10:07:38","modified_gmt":"2018-01-25T09:07:38","slug":"iran-revolution-und-konterrevolution-1978-1981","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/01\/iran-revolution-und-konterrevolution-1978-1981\/","title":{"rendered":"Iran: Revolution und Konterrevolution 1978-1981"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\"><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/iran-300x300-e1515686239210.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35741\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/iran-300x300-173x173.png\" alt=\"\" width=\"173\" height=\"173\" \/><\/a>Auszug aus dem Buch &#8222;Iran &#8211; Freiheit durch Sozialismus&#8220;<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Iran wurde 1978\/79 von einer der gr\u00f6\u00dften revolution\u00e4ren Massenbewegun\u00adgen in der Menschheitsgeschichte ersch\u00fcttert. Millionen gingen auf die Stra\u00dfe, wochenlang wurde das Land durch einen Generalstreik lahm gelegt, Arbeiterr\u00e4te wurden gebildet, Tausende lie\u00dfen im Kampf gegen die Monarchie des Schah Reza Pahlavi ihr Leben.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>von Sascha\u00a0Stani<span style=\"font-family: 'Times New Roman', serif;\">\u010d<\/span><span style=\"font-family: 'Times New Roman', serif;\">i<\/span><span style=\"font-family: 'Times New Roman', serif;\">\u0107<\/span><\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Diese Ereignisse sind als \u201eIslamische Revolution\u201c in die b\u00fcrgerlichen Geschichtsb\u00fc\u00adcher eingegangen. Schlie\u00dflich gelangte danach der schiitische Klerus unter Ayatollah Khomeini an die Macht und konnte die bis heute bestehende theokratische Diktatur etablieren. Die Ambitionen der Massen, eine \u201eRepublik der Armen\u201c zu er\u00adrichten und Unterdr\u00fcckung, Entrechtung und Armut abzuschaffen, wurden ent\u00adt\u00e4uscht. Denn tats\u00e4chlich war die Machtergreifung der Mullahs nicht Revolution, sondern Konterrevolution \u2013 gegen die wachsende Macht der Massen, die die Fra\u00adge der Abschaffung des Kapitalismus auf die Tagesordnung gesetzt hatten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Ereignisse der Jahre 1978 bis 1981 stellen gleichsam ein Trauma f\u00fcr die irani\u00adsche Linke und Arbeiterbewegung dar, von dem diese sich bis heute nicht erholt hat. F\u00fcr die neue Generation von Oppositionellen, GewerkschafterInnen und Re\u00advolution\u00e4rInnen im heutigen Iran ist ein Verst\u00e4ndnis der damaligen Ereignisse, und insbesondere der Fehler der traditionellen linken Organisationen, eine wich\u00adtige und notwendige Voraussetzung, um die Aufgaben der heutigen iranischen Revolution zu meistern. Dies gilt umso mehr, da die meisten Teile der traditionel\u00adlen iranischen Linken ihre damaligen Fehler nicht verarbeitet haben, sondern sie sogar wiederholen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die iranische Revolution von 1978\/79 brachte eine ungeheure Beteiligung der Volksmassen an den gesellschaftlichen Prozessen hervor. Millionen Iranerinnen und Iraner \u2013 ArbeiterInnen, Arbeitslose, Studierende, Frauen, PerserInnen, Kur\u00addInnen, AserbaidschanerInnen, Belutschen, AraberInnen, Kleinh\u00e4ndler, B\u00e4uerin\u00adnen und Bauern, Intellektuelle, Soldaten \u2013 beteiligten sich an Massendemonstra\u00adtionen, Stra\u00dfenschlachten mit den Staatsorganen der Schah-Diktatur, Streiks. Es war der enorme Druck der Massenbewegung, der die politischen Akteure vor sich her trieb. Diese waren weniger Akteure, als dass sie auf die Aktivit\u00e4t der Massen reagieren mussten, um nicht vollends die Kontrolle zu verlieren. Doch die Mas\u00adsen, insbesondere die Arbeiterklasse als treibende Kraft der Volksbewegung, ver\u00adf\u00fcgten \u00fcber kein von b\u00fcrgerlichen und islamistischen Kr\u00e4ften unabh\u00e4ngiges poli\u00adtisches Programm und keine Organisation, die ihren Ambitionen einen bewuss\u00adten Ausdruck h\u00e4tte verleihen k\u00f6nnen \u2013 bzw. die bestehenden Organisationen der Linken versagten und entwickelten keine unabh\u00e4ngige Politik. So konnte die schiitische Geistlichkeit, gef\u00fchrt von Ruhollah Khomeini, in die Revolution \u201eeindringen\u201c, sie \u00fcbernehmen und dadurch t\u00f6ten.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Der Iran im 20. Jahrhundert<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Geschichte Irans im 20. Jahrhundert ist eine Geschichte der Abh\u00e4ngigkeit von imperialistischen M\u00e4chten, von gescheiterten Versuchen eine b\u00fcrgerliche Demo\u00adkratie zu etablieren, extremer Ausbeutung der Massen und brutaler Unter\u00addr\u00fcckung der Arbeiterbewegung. Sie best\u00e4tigt eine Grundannahme von Leo Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution: In L\u00e4ndern mit ver\u00adsp\u00e4teter b\u00fcrgerlicher (kapitalistischer) Entwicklung ist die Kapitalistenklasse nicht in der Lage nationale Unabh\u00e4ngigkeit, Entwicklung der Volkswirtschaft, Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt durchzusetzen. Die Ergebnisse der revolution\u00e4ren Ereignisse von 1906, 1953 und 1978\/79 belegen diese Unf\u00e4higkeit des B\u00fcrgertums.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Iran war zwar niemals eine formale Kolonie eines imperialistischen Landes, faktisch aber war er seit dem 19. Jahrhundert ein quasi-kolonialisiertes Land, eine Halb-Kolonie, in \u00f6konomischer und politischer Abh\u00e4ngigkeit vor allem von Gro\u00dfbritannien und Russland. Diese beiden Staaten hatten 1907 einen Vertrag \u00fcber die Aufteilung des Iran in drei Zonen abgeschlossen: zwischen der russi\u00adschen Zone im Norden und der britischen im S\u00fcden gab es eine neutrale Puffer\u00adzone. Bis zur Entdeckung der Erd\u00f6lvorkommen 1908 dominierte die Landwirt\u00adschaft den Iran. Nur zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung lebte in St\u00e4dten, wo sich ein Handelskleinb\u00fcrgertum entwickelte \u2013 die so genannten Basaris, die bis heute einen wichtigen Teil des iranischen B\u00fcrgertums ausmachen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die \u00d6lfelder im S\u00fcdwesten des Landes wurden seit Beginn des 20. Jahrhunderts von der Anglo-Persischen \u00d6lgesellschaft kontrolliert. 1906 wurde als Folge einer den Widerstand gegen die imperialistische Dominanz zum Ausdruck bringenden b\u00fcrgerlichen Revolutionsbewegung die absolute Macht der seit 1775 herrschen\u00adden Kadscharen-Dynastie gebrochen und eine konstitutionelle Monarchie einge\u00adf\u00fchrt, also ein beratendes Parlament, das Madschlis, gegr\u00fcndet, was aber die im\u00adperialistische Dominanz und die Herrschaft der Monarchie nicht brechen konnte \u2013 kein Wunder, hatten doch nur die besitzenden Klassen Stimmrecht. Schon 1911 wurde das Madschlis wieder aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Anglo-Persische \u00d6lgesellschaft machte gigantische Gewinne, von denen nur ein Bruchteil im Iran selber landeten. Zwischen 1912 und 1933 betrugen diese zum Beispiel 200 Millionen britische Pfund, wovon nur 16 Millionen als Abgaben an die persische Regierung gezahlt wurden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs hatte die Russische Revolution gro\u00dfe Auswirkungen auf den Iran. Die neue, sozia\u00adlistische Regierung in Russland verzichtete weitgehend auf die f\u00fcr das Zarenreich bestehenden Konzessionsrechte, was ihr Ansehen unter den Massen im Iran stei\u00adgerte. 1920 wurde im nordiranischen Gilan eine R\u00e4terepublik ausgerufen, die brutal niedergeschlagen wurde. Einer der Hauptf\u00fchrer der konterrevolution\u00e4ren Truppen war Reza Khan, der von den imperialistischen M\u00e4chten unterst\u00fctzt wurde, 1921 einen Milit\u00e4rputsch anf\u00fchrte und sich 1925 zum Schah (Kaiser) kr\u00f6nen lie\u00df.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Unter Reza Khan entwickelte sich eine erste Phase der Industrialisierung, die je\u00addoch sehr einseitig verlief und den Interessen von Konzernen aus den imperialis\u00adtischen L\u00e4ndern nicht entgegen lief. Diese konnten profitabel Produktionsanla\u00adgen in den Iran verkaufen. Reza Khan investierte 260 Millionen Pfund in den Auf\u00adbau der Industrie. Dies f\u00fchrte zum Wachstum der Arbeiterklasse in den \u00d6lregio\u00adnen und einigen St\u00e4dten, wie Teheran, Isfahan oder T\u00e4briz \u2013 w\u00e4hrend das Gros des Landes weiterhin seiner \u00f6konomischen R\u00fcckst\u00e4ndigkeit \u00fcberlassen wurde. Das Gesetz der kombinierten und ungleichm\u00e4\u00dfigen Entwicklung wirkte auch im Iran. Neben modernsten Industrieanlagen existierten weiterhin primitive Hand\u00adwerksst\u00e4tten. Die Elektrifizierung der St\u00e4dte wurde in den D\u00f6rfern nicht umge\u00adsetzt. Die fortbestehende Dominanz durch den Imperialismus, vor allem Gro\u00dfbri\u00adtannien, dr\u00fcckte sich wohl am besten darin aus, dass nur die britische Imperial Bank of Persia das Recht hatte, Banknoten zu drucken.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Als Reza Khan im Zweiten Weltkrieg eine Ann\u00e4herung an Nazi-Deutschland er\u00adkennen lie\u00df und sich der uneingeschr\u00e4nkten Kooperation mit den Alliierten ver\u00adweigerte, intervenierten Gro\u00dfbritannien und die Sowjetunion, was zur Abset\u00adzung des Herrschers und zu seiner Ersetzung durch seinen Sohn Mohammad Reza Pahlavi f\u00fchrte, der der ergebene Diener der Imperialisten wurde. Das Ende des Krieges f\u00fchrte auch im Iran zu einer revolution\u00e4ren Welle. So wurden auto\u00adnome Republiken in Aserbaidschan und Kurdistan gebildet, die sich aber nicht halten konnten, nachdem die Rote Armee das Land verlassen hatte.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Teile des iranischen B\u00fcrgertums wendeten sich auch gegen die Dominanz Gro\u00dfbritanniens, vor allem gegen die imperialistische Ausbeutung der \u00d6lvorkommen. Die Nationale Front, ein b\u00fcrgerlich-demokratisches B\u00fcndnis verschiedener Par\u00adteien, spielte dabei die entscheidende Rolle. Deren F\u00fchrer Mohammed Mossadegh wurde 1951 Premierminister und das Parlament beschloss die Verstaatli\u00adchung der \u00d6lindustrie. Diese Ma\u00dfnahme, unter dem Druck der Bev\u00f6lkerung er\u00adgriffen und so begrenzt wie sie war, wurde vom Imperialismus als Bedrohung be\u00adtrachtet und rief eine Wirtschaftsblockade der westlichen kapitalistischen Staa\u00adten hervor. Am 19. August 1953 organisierten die Geheimdienste Gro\u00dfbritanniens und der USA einen Putsch gegen die Regierung Mossadegh und installierten Reza Pahlavi wieder als Schah. Dieser war drei Tage zuvor aufgrund der Massenprotes\u00adte aus dem Land geflohen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das Pahlavi-Regime wurde in den darauf folgenden Jahren zu einem wichtigen Statthalter des Imperialismus im Nahen Osten. Das iranische Erd\u00f6l war f\u00fcr den Westen von gro\u00dfer Bedeutung. Au\u00dferdem konnte der Imperialismus durch den Iran die Kontrolle \u00fcber wichtige Transportwege aus\u00fcben und sah in dem Land ein wichtiges Gegengewicht gegen die Sowjetunion.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zu Beginn der 1960er Jahre kam es zu scharfen sozialen Spannungen und einem Generalstreik, der brutal vom Regime unter Einsatz des Geheimdienstes SAVAK nieder geschlagen wurde. Um weiteren sozialen K\u00e4mpfen der Massen vorzubeugen und mit dem Ziel die Industrialisierung und Modernisierung des Landes voran zu treiben rief Schah Reza Pahlavi die Wei\u00dfe Revolution aus. Diese sah vor allem eine Landreform vor, die jedoch weniger den Kleinbauern zugute kam, als durch \u00fcppi\u00adge Entsch\u00e4digungszahlungen an die Gro\u00dfgrundbesitzer die Voraussetzung schaffte, dass diese in Industrie und Handel investierten. Die Wei\u00dfe Revolution traf die Geistlichkeit, deren wichtigste wirtschaftliche Basis der Gro\u00dfgrundbesitz war. Dies verst\u00e4rkte den Konflikt zwischen schiitischem Klerus und dem Schah-Re\u00adgime.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die im Iran vorherrschende schiitische Lehre des Islam war schon im Mittelalter Ausdruck von Opposition gegen die damals bestehende arabische Dominanz. Nachdem die schiitische Geistlichkeit in verst\u00e4rkte Opposition zum Schah geriet, entwickelte sich ein schiitischer Chiliasmus, also die Hoffnung auf die Entstehung eines irdischen Paradieses in Form einer gerechten und auf sozialer Gleichheit beruhenden islamischen Gesellschaftsordnung. Die Geistlichen schm\u00fcckten ihre Opposition zum Schah in soziale und quasi-sozialistische Rhetorik und konnten so eine soziale Basis unter den Armen und Unterdr\u00fcckten aufbauen, obwohl ihre Opposition gegen die Landreform vor allem Ausdruck ihrer eigenen Interessen als Gro\u00dfgrundbesitzer war.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Theoretische Wegbereiter dieser \u201erevolution\u00e4ren\u201c Umdeutung des Schiitentums waren Jalal Al-e Ahmad und Ali Schari\u2018ati. Letzterer kritisierte die \u201ekulturelle Kolonia\u00adlisierung\u201c durch den Westen. Anfang der 1940er Jahre trat er einer Gruppe na\u00admens Bewegung der Gott ergebenen Sozialisten bei, deren Anf\u00fchrer Mohammed als \u201eErfinder\u201c des Sozialismus sah.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eEr entwickelte die Konzeption eines k\u00e4mpferischen, dynamischen Islams, den er in der idealen muslimischen Urgemeinde der Zeit Mohammeds und Alis verwirklicht sah \u2026 Scha\u00adri\u2018ati forderte das ganze Volk dazu auf, selbst die Stellvertretung der verborgenen Imame zu \u00fcbernehmen, um hier und jetzt das Reich der Gerechtigkeit zu errichten &#8230;\u201c (Monika Gronke, Geschichte Irans, S. 106-107).<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Schari\u2018ati sprach sich f\u00fcr einen \u201eDritten Weg\u201c zwischen Kapitalismus und Sowjet\u00adblock aus. Die von ihm propagierte neue soziale Ordnung \u201ew\u00fcrde durch die Tugend vollkommen vereint sein und nach Gerechtigkeit, menschlicher Br\u00fcderlichkeit, Gemeinei\u00adgentum an den Reicht\u00fcmern und schlie\u00dflich einer klassenlosen Gesellschaft streben\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Verbindung von Schiitentum mit Antiimperialismus war f\u00fcr viele iranische Intel\u00adlektuelle attraktiv. Der Ayatollah Ruhollah Khomeini, der bis 1963 in der \u201eheiligen Stadt\u201c Qom isla\u00admisches Recht und Philosophie unterrichtete, wurde zum profiliertesten politi\u00adschen Islamisten. Er geh\u00f6rte nicht zu Ali Schari\u2019atis Gefolgsleuten, sondern ver\u00adtrat eher den traditionellen Klerus, aber er kn\u00fcpfte nach Schari\u2019atis Tod 1977 an dessen Propaganda an und stellte eine islamische Republik als eine \u201eRepublik der Armen\u201c dar. Schon in den 1960er Jahren rief er zu Widerstand und Revolution ge\u00adgen den Schah und die Wei\u00dfe Revolution auf. Er wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. Das Todesurteil wurde jedoch nicht exekutiert, sondern Khomeini des Landes verwiesen. Er ging zun\u00e4chst in die T\u00fcrkei, sp\u00e4ter in den Irak.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Seit der zweiten H\u00e4lfte der 1960er Jahre genoss der Iran drastisch steigende Ein\u00adnahmen aus dem \u00d6lgesch\u00e4ft. Diese stiegen zum Beispiel von 1965 bis 1969 von 522 Millionen US-Dollar auf 938 Millionen US-Dollar und 1974 auf 22 Milliarden US-Dollar. Diese Einnahmen erm\u00f6glichten dem Schah, ein Modernisierungs- und Infrastrukturprogramm durchzuf\u00fchren. Gleichzeitig stiegen die ausl\u00e4ndischen Investitionen. Die Industrialisierung setzte sich fort. Millionen Bauern gingen in die St\u00e4dte und wurden Arbeiter. 1947 gab es im Iran 175 gro\u00dfe Unternehmen mit 100.000 ArbeiterInnen, 1972 waren dies 6.000 bzw. 1,8 Millionen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Doch diese Entwicklung f\u00fchrte zu wachsender sozialer Polarisierung und nicht zu einem wachsenden Lebensstandard f\u00fcr die Massen. Das galt umso mehr, nach\u00addem der Boom 1976 ein Ende fand und der Schah seine Investitionsprogramme einstellte. Steigenden L\u00f6hnen stand eine wachsende Inflation von \u00fcber einhun\u00addert Prozent in den Jahren 1973 bis 1975 gegen\u00fcber. Ein gro\u00dfer Teil der Staats\u00adeinnahmen floss in den Ausbau des repressiven Staats- und Milit\u00e4rapparates. 31 Prozent des Staatshaushaltes gingen in den Verteidigungsetat. Der Schah wollte aus dem Iran die siebtgr\u00f6\u00dfte Macht der Welt machen und versuchte auch, eine gewisse Unabh\u00e4ngigkeit vom Imperialismus zu erlangen. Hinzu kam eine enorme Konzentration von Reichtum in den H\u00e4nden der herrschenden Elite, nicht zuletzt der Pahlavi-Familie selber. In den 1970ern wurden vierzig Prozent der Ausgaben von den reichsten zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung get\u00e4tigt. Die f\u00fchrenden 45 Fa\u00admilien kontrollierten 85 Prozent der gr\u00f6\u00dferen Unternehmen. Der Schah galt in den 1970ern als der reichste Mann der Welt. Nach dem Ausbruch der revolutio\u00adn\u00e4ren Proteste 1978 haben 178 Mitglieder der herrschenden Elite eine Milliarde britische Pfund ins Ausland geschafft. Hinzu kamen eine Milliarde, die der Schah in diesem Zeitraum auf Konten bei US-Banken transferierte \u2013 zus\u00e4tzlich zu einer weiteren Milliarde Pfund, die ohnehin schon auf Schweizer und anderen ausl\u00e4n\u00addischen Konten lagen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dem standen in den 1970ern katastrophale Lebens- und Arbeitsbedingungen f\u00fcr die Massen gegen\u00fcber. 73 Prozent der Besch\u00e4ftigten verdienten weniger als den gesetzlichen Mindestlohn. In Hamadan wurde die Arbeitszeit auf 18 Stunden ver\u00adl\u00e4ngert. In Mesched waren zwei Drittel der TeppicharbeiterInnen Kinder zwi\u00adschen sechs und zehn Jahren &#8211; trotz eines Kinderarbeitsverbots bis zum zw\u00f6lften Lebensjahr! Mit dem Ende des Booms stieg die Arbeitslosigkeit rasant. In Teheran entwickelten sich riesige Slumgebiete, Krankheiten grassierten. Das war der so\u00adziale Hintergrund f\u00fcr die wachsende Opposition gegen das Regime, die in der Re\u00advolution von 1978\/79 m\u00fcndete.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Die Linke im Iran<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">In der Revolution von 1978\/79 gab es drei Organisationen der Linken mit Massen\u00adeinfluss: die \u201ekommunistische\u201c, an der Sowjetunion orientierte, Tudeh-Partei, die sich marxistisch verstehenden Volksfedayin und die islamisch-nationalistisch gepr\u00e4gten Volksmodschahedin. Letztere sind von ihrer Zusammensetzung und Tra\u00addition nicht wirklich der sozialistischen Arbeiterbewegung zuzurechnen, vertra\u00adten aber zum Teil antikapitalistische Standpunkte.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Alle drei Organisationen versagten w\u00e4hrend der revolution\u00e4ren Ereignisse und waren unf\u00e4hig, den Massen einen Weg zur Durchsetzung ihrer Ambition einer auf sozialer Gleichheit beruhenden Gesellschaft aufzuzeigen und zu verhindern, dass sich die Mullahs der Revolution bem\u00e4chtigen. Stattdessen h\u00e4ngten sie sich an den Rockzipfel Khomeinis und unterst\u00fctzen ihn in der entscheidenden Phase der Re\u00advolution weitgehend unkritisch. Sie tragen, wie im Abschnitt \u00fcber die Revolution dargelegt wird, die Verantwortung f\u00fcr die Rettung des Kapitalismus auf theokra\u00adtisch-diktatorischer Grundlage, wie sie nach dem Aufstand vom 9. Februar 1979 in der Phase bis 1981 gelang. Ihre Fehler hatten jedoch eine politisch-theoreti\u00adsche Basis, die fr\u00fch in der Geschichte dieser Organisationen, vor allem der langen Geschichte der Tudeh, angelegt waren.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Tudeh bedeutet Massenpartei. Sie wurde 1941 als faktische Wiedergr\u00fcn\u00addung der verbotenen Kommunistischen Partei des Iran ins Leben gerufen. Die Kommunistische Partei war 1921 formell gegr\u00fcndet worden, hatte aber eine Vor\u00adgeschichte, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zur\u00fcck reichte. In den russi\u00adschen \u00d6lfeldern von Baku arbeiteten viele Iraner. So sind 1911 nach offiziellen Angaben 190.000 Iraner nach Russland gegangen und nur 16.000 kehrten im sel\u00adben Jahr zur\u00fcck. Viele iranische \u00d6larbeiter kamen mit der russischen Sozialde\u00admokratie und ihrem revolution\u00e4ren Fl\u00fcgel, den Bolschewiki, in Kontakt und wa\u00adren Teil der \u00d6larbeitergewerkschaft. Sie trugen die Ideen des Marxismus zur\u00fcck in den Iran, beteiligten sich an der konstitutionellen Revolution der Jahre 1906 bis 1911 und suchten einen Weg, die Monarchie zu st\u00fcrzen und eine Entwicklung zum Sozialismus zu erm\u00f6glichen. In der ersten Phase der revolution\u00e4ren Bewe\u00adgung im Iran dominierte dabei jedoch, wie in vielen halbkolonialen L\u00e4ndern, die Idee, man k\u00f6nne durch die Ermordung des Monarchen und anderer Mitglieder der herrschenden Elite deren Herrschaft st\u00fcrzen und die verarmten und unter\u00addr\u00fcckten \u2013 und weitgehend passiven \u2013 Massen dadurch aufr\u00fctteln.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Diese Taktik des individuellen Terrorismus \u2013 die Jahrzehnte sp\u00e4ter von den Fe\u00addayin und Volksmodschahedin wiederholt wurde \u2013 ist zum Scheitern verurteilt. Keine Klassenherrschaft ist durch die T\u00f6tung einzelner Repr\u00e4sentanten, seien es auch absolute Diktatoren, zu st\u00fcrzen. Diese k\u00f6nnen schnell ersetzt werden, aber der Staat findet im \u201eTerror\u201c linker Gruppen in der Regel eine willkommene Rechtfertigung, seinen Apparat und Repressionsma\u00dfnahmen auszubauen. Vor al\u00adlem aber kommt die Taktik des Terrorismus einer Stellvertreterpolitik gleich. Die Massen, und vor allem die Arbeiterklasse, werden nicht als das entscheidende handelnde Subjekt verstanden, das durch Selbstorganisation und bewusste Akti\u00adon einen revolution\u00e4ren Wandel erreichen kann, sondern zu Beobachtern und, bestenfalls, Unterst\u00fctzern der \u201erevolution\u00e4ren Avantgarde\u201c reduziert. Das f\u00fchrte in der Geschichte in den meisten F\u00e4llen dazu, dass links-terroristische Gruppen und Guerillabewegungen keine ausreichende Massenbasis erlangen konnten, um die Staatsgewalt zu erobern. Wo dies jedoch gelang, wie in China 1949 und Kuba 1959, \u00fcbertrug sich die milit\u00e4rische und hierarchische Struktur der Guerilla auf den neuen Staat und verhinderte die Entstehung einer wirklichen sozialisti\u00adschen Arbeiterdemokratie.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im Iran erlangten diese revolution\u00e4ren Gruppen zu Beginn des 20. Jahrhunderts keine Massenbasis und als es zu ersten Arbeiterstreiks kam, setzte sich unter den iranischen Revolution\u00e4ren die Meinung durch, dass die Arbeiterklasse organi\u00adsiert werden muss. Die KP wurde 1921 als ein Ergebnis der Auswirkungen der Russischen Revolution auf den Iran gegr\u00fcndet. Die revolution\u00e4re Welle, die auch den Iran nach dem Ers\u00adten Weltkrieg ergriff, wurde nieder geschlagen und die junge Kommunistische Partei musste eine Haltung zur neuen Herrschaft des Reza Khan entwickeln. In der Partei gab es jedoch breite Meinungsverschiedenheiten, die bis zu der Positi\u00adon reichten, man m\u00fcsse den neuen Despoten unterst\u00fctzen, um gegen den Impe\u00adrialismus zu k\u00e4mpfen. Diese Position gewann zum Ende der 1920er Jahre die Oberhand. Dies war eine Zeit, in der die Partei von einem Aufschwung bei Streiks und Arbeiterk\u00e4mpfen profitierte und ihren Einfluss ausdehnen konnte.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die stalinistische Konterrevolution in Russland \u2013 die politische Entmachtung der Arbeiterklasse und die Machtkonzentration in den H\u00e4nden der Partei- und Staatsb\u00fcrokraten \u2013 hatte auch zur Folge, dass die kommunistische Weltbewegung ihre Politik mehr und mehr an den Interessen der neuen Machthaber in Moskau statt an den Interessen der Arbeiterklasse in den verschiedenen L\u00e4ndern und in\u00adternational ausrichtete.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wie alle kommunistischen Parteien, so war auch die des Iran zum Ende der 1920er Jahre zu einem Au\u00dfenposten der Moskauer stalinistischen B\u00fcrokratie ge\u00adworden und hatte ihre politische Eigenst\u00e4ndigkeit weitgehend eingeb\u00fc\u00dft. Als die von der Sowjetb\u00fcrokratie geleitete Kommunistische Internationale 1928 einen Kurs\u00adwechsel beschloss, wurde dieser in Teheran sklavisch befolgt. Die Komintern rief die so genannte \u201eDritte Periode\u201c aus. Von einer \u201erechten\u201c Politik, die in vielen L\u00e4n\u00addern zur Zusammenarbeit mit kapitalistischen Kr\u00e4ften gef\u00fchrt hatte, wechselte sie nun zu einer ultralinken Politik, die Sozialdemokratie bzw. b\u00fcrgerlich-demo\u00adkratische Kr\u00e4fte mit dem Faschismus gleichsetzte und diese undifferenziert be\u00adk\u00e4mpfte. In Deutschland f\u00fchrte diese ultralinke Wende zur Gleichsetzung der SPD mit den Nazis und verhinderte eine Einheitsfront der Arbeiterorganisationen \u2013 wozu die SPD in den 1930er Jahren noch geh\u00f6rte \u2013 im Kampf gegen die Faschis\u00adten. Hitler konnte die Macht erobern. Der politische Zick-Zack der KP im Iran zwischen Anpassung an und Opposition gegen Reza Khan machte es dem Monar\u00adchen letztlich einfacher die KP 1931 zu verbieten. Repression, Verhaftungen und Hinrichtungen von Kommunisten und Arbeiteraktivisten folgten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nachdem Reza Pahlavi 1941 seinen Vater auf dem so genannten Pfauenthron be\u00aderbte und sich den Alliierten unterordnete, entlie\u00df er auch die Kommunisten aus den Gef\u00e4ngnissen. Dem B\u00fcndnis Moskaus mit den Alliierten folgend, unterst\u00fctz\u00adten diese den Schah als Teil des \u201eantifaschistischen Kampfs\u201c und gaben ihre anti-britische, anti-imperialistische Linie zugunsten einer v\u00f6lligen Unterst\u00fctzung der Alliierten auf. Auf dieser politischen Basis wurde die Tudeh-Partei am 2. Oktober 1941 gegr\u00fcndet. Diese Haltung f\u00fchrte auch dazu, dass sich die Partei w\u00e4hrend des Kriegs gegen Streiks aussprach, die vielerorts gegen die schweren Arbeitsbedin\u00adgungen ausgebrochen waren. Aber als einzige Arbeiterpartei im Land konnte sie bei den Wahlen zum Madschlis im Winter 1943 zehn der drei\u00dfig Sitze erringen, f\u00fcr die sie Kandidaten aufgestellt hatte.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land wieder von einer revolution\u00e4ren Welle und Streikbewegungen erfasst, die von der Tudeh-Partei und den mit ihr verbundenen Gewerkschaften unterst\u00fctzt wurden und einige Verbesserungen bei L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen erk\u00e4mpfen konnten. Doch nachdem die Be\u00adfreiungsbewegungen in Aserbaidschan und Kurdistan, die autonome Republiken ausgerufen hatten, nach dem Abzug der sowjetischen Roten Armee aus dem Land nieder geschlagen wurden, fand auch die soziale Bewegung ein Ende und die Tu\u00addeh-Partei geriet in eine weitere Krise, nicht zuletzt aufgrund ihrer v\u00f6llig unkri\u00adtischen Unterst\u00fctzung der Politik der Moskauer B\u00fcrokratie. Die Politik der Partei verfolgte keine sozialistische Perspektive. 1947 erkl\u00e4rte sie Gro\u00dfbritannien, die USA und Schweden zu ihrem \u201eModell\u201c. Im Februar 1947 machte der Schah dann die Tudeh f\u00fcr einen Anschlag auf ihn verantwortlich, illegalisierte die Partei wie\u00adder und die Parteif\u00fchrung wurde inhaftiert.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zu Beginn der 1950er Jahre entwickelte sich erneut eine Massenbewegung, die den b\u00fcrgerlichen Nationalisten Mohammed Mossadegh in das Amt des Premier\u00administers brachte und zur Verstaatlichung der \u00d6lindustrie f\u00fchrte. Die Tudeh ge\u00adwann wieder starke Unterst\u00fctzung durch die Streiks und Arbeiterk\u00e4mpfe, ver\u00adsagte aber dabei, eine klare revolution\u00e4re Politik im Bezug auf die Mossadegh-Re\u00adgierung zu betreiben. Bis 1952 griff sie ihn als \u201eAgenten des US-Imperialismus\u201c an, danach ging sie zu einer unkritischen Unterst\u00fctzung \u00fcber, vers\u00e4umte es aber, den Putsch gegen Mossadegh entschlossen zu bek\u00e4mpfen und als Ausgangspunkt f\u00fcr einen unabh\u00e4ngigen Kampf der Arbeiterklasse f\u00fcr eine sozialistische Ver\u00e4nde\u00adrung der Gesellschaft zu nutzen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In den folgenden Jahren versank die Partei geradezu in der Versenkung und spielte keine Rolle bei den Protesten gegen die Wei\u00dfe Revolution. Ihre Zur\u00fcckhal\u00adtung gegen\u00fcber dem Schah kann nur durch die Interessen der Sowjetb\u00fcrokratie erkl\u00e4rt werden. Diese waren an Handel und guten Beziehungen mit dem Iran in\u00adteressiert. Erst als sich in der zweiten H\u00e4lfte der 1970er Jahre die Massenbewe\u00adgung gegen den Schah entwickelte, machte die Tudeh den n\u00e4chsten Zick-Zack und beteiligte sich an der Revolution &#8211; jedoch wiederum ohne eine unabh\u00e4ngige sozialistische Arbeiterpolitik, sondern als Trittbrettfahrer Khomeinis.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Geschichte der \u201ekommunistischen\u201c Tudeh ist eine Geschichte von scharfen Wendungen und einer inkonsistenten Politik, die weitgehend von den Interessen der Machthaber im Kreml diktiert wurde. Ein roter Faden zieht sich jedoch durch die Politik der Partei: sie vertrat zu keinem Zeitpunkt eine unabh\u00e4ngige Klassen\u00adpolitik und eine sozialistische Strategie, sondern war immer auf der Suche nach Verb\u00fcndeten im b\u00fcrgerlichen Lager. Dies war Folge der stalinistischen Etappen\u00adtheorie, die besagt, dass in L\u00e4ndern mit versp\u00e4teter b\u00fcrgerlicher Entwicklung ein B\u00fcndnis mit den so genannten fortschrittlichen Teilen der nationalen Bourgeoi\u00adsie n\u00f6tig ist, um die Aufgaben der b\u00fcrgerlichen Revolution zu l\u00f6sen und eine Pe\u00adriode demokratisch-kapitalistischer Entwicklung einzuleiten. Diese sei eine not\u00adwendige Voraussetzung f\u00fcr den Kampf f\u00fcr Sozialismus zu einem unbestimmten sp\u00e4teren Zeitpunkt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Mit dieser Theorie im Hinterkopf zog die Tudeh v\u00f6llig falsche Schlussfolgerungen aus ihrem Versagen im Kampf gegen den Putsch gegen Mossadegh im Jahr 1953. Ebenso f\u00fchrte diese Grundannahme ihrer Politik 1978\/79 zur Unterordnung un\u00adter Khomeini \u2013 und auch heute findet sich auf der Webseite der Partei ein Text zu ihrem sechzigj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um mit folgender Aussage:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eDer erste Schritt in diesem Sinn (der Errichtung des Sozialismus, Anmerkung des Autors) ist jedoch die Errichtung einer demokratischen Regierung, welche die Basis f\u00fcr Freiheit, Unabh\u00e4ngigkeit und soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft schafft.\u201c<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Die Volksfedayin<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Organisation der Volksfedayin Guerilla Iran wurde formell 1971 durch den Zu\u00adsammenschluss zweier Guerillagruppen gegr\u00fcndet, die aus ehemaligen Mitglie\u00addern der Jugend der Tudeh-Partei bzw. der Nationalen Front bestanden. Ihre Ent\u00adstehung ist zur\u00fcckzuf\u00fchren auf die Niederlage von 1953, die nicht zuletzt der schwankenden und unentschlossenen Politik der Tudeh und der Nationalen Front angelastet wurde. Der f\u00fchrende Fedayin Bijan Dschazani schreibt dazu:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eDer 19. August stellt eine strategische Niederlage (&#8230;) dar. Der Mangel an subjektiven Voraussetzungen, d.h. das fehlen einer revolution\u00e4ren F\u00fchrung sowohl bei der National\u00adbourgeoisie als auch bei der Arbeiterklasse ist der wichtigste Grund daf\u00fcr. (&#8230;) Wenn die Tudeh-Partei oder die ,Nationale Front\u2019 (von der man es aufgrund ihres b\u00fcrgerlichen Cha\u00adrakters weniger erwartet h\u00e4tte) ihren revolution\u00e4ren Auftrag erf\u00fcllt und die Bewegung, gest\u00fctzt auf die gro\u00dfe Kraft der Massen, auf einen unvers\u00f6hnlichen Kampf gegen die Re\u00adaktion\u00e4re und Imperialisten vorbereitet h\u00e4tte, h\u00e4tte der 19. August zu einem Wendepunkt bei der Versch\u00e4rfung des Kampfes und dem \u00dcbergang der Bewegung vom politischen zum milit\u00e4rischen Kampf werden k\u00f6nnen.\u201d<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Aus diesem Zitat werden zwei charakteristische Merkmale der Politik der Fedayin deutlich: erstens verzichten auch sie auf eine unabh\u00e4ngige Klassenpolitik und ha\u00adben Illusionen in die \u201eNationalbourgeoisie\u201c und zweitens orientieren sie auf den bewaffneten Kampf statt auf den Aufbau einer unabh\u00e4ngigen sozialistischen Ar\u00adbeiterbewegung. Die Fedayin setzten darauf, durch bewaffnete Aktionen die irani\u00adschen Massen aufzur\u00fctteln und in Aktion zu versetzen. Nicht geduldige Aufkl\u00e4\u00adrungs- und Organisierungst\u00e4tigkeit in der Arbeiterklasse, sondern elit\u00e4res M\u00e4rty\u00adrertum standen im Mittelpunkt der Fedayin-Taktik:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eWenn Blut die F\u00e4higkeit besitzt, das Volk zu erwecken, soll durch unser Blut ein schreien\u00adder Fluss flie\u00dfen.\u201d<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In ihrer theoretischen Konzeption stellten sie \u201eVolk\u201c und \u201eAnti-Volk\u201c gegen\u00fcber. Zum \u201eVolk\u201c geh\u00f6rten aus Sicht der Fedayin die Nationalbourgeoisie, das Klein\u00adb\u00fcrgertum, B\u00e4uerinnen und Bauern, die verarmten Schichten in den St\u00e4dten und die Arbeiterklasse. Das \u201eAnti-Volk\u201c bestand dementsprechend aus Imperialismus, Staatsapparat und \u201eherrschender, reaktion\u00e4rer Klasse\u201c. Dschazani fasst das so zu\u00adsammen:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eDer Grundwiderspruch unserer Gesellschaft (&#8230;) [ist] nichts anderes als der Widerspruch zwischen dem Volk und dem Anti-Volk (&#8230;). Gesellschaftlich stehen sich bei diesem Wider\u00adspruch auf der einen Seite die Arbeiter, Bauern, die st\u00e4dtische und l\u00e4ndliche kleinb\u00fcr\u00adgerliche und Nationalbourgeoisie und auf der anderen Seite die Kompradorenbourgeoisie (&#8230;) und ausl\u00e4ndische Kapitalisten und imperialistische M\u00e4chte gegen\u00fcber.\u201d<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eIn der gegenw\u00e4rtigen Phase der Befreiungsbewegung (&#8230;) k\u00e4mpfen wir in erster Linie gegen die Schah-Diktatur und werden bei unserem Kampf von allen anti-imperialistischen Kr\u00e4ften unterst\u00fctzt. Unsere Einheit und Zusammenarbeit mit allen diesen Kr\u00e4ften basiert nicht auf einem Programm zur demokratischen Revolution, sondern auf einem Kampf gegen die Diktatur und gegen den Imperialismus. Es ist n\u00f6tig, dass wir mit reaktion\u00e4ren Elementen und Kr\u00e4ften, die unter den gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnissen in Opposition zur Diktatur ste\u00adhen, offiziell eine Einheitsfront bilden. (&#8230;) Dagegen m\u00fcssen wir mit den fortschrittlichen Kr\u00e4ften, d.h. der Nationalbourgeoisie und der Kleinbourgeoisie, in diesem Kampf eine Ein\u00adheit bilden und diese Einheit f\u00fcr die n\u00e4chsten Etappen weiter entwickeln.\u201d<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Bijan Dschazani zu Folge \u201e&#8230; kann der Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital, dessen gesellschaftliche Erscheinung der Widerspruch zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse ist, nicht als Grundwiderspruch des bestehenden Systems im Iran bezeichnet werden. Und aus demsel\u00adben Grunde befindet sich unser Land nicht in der Phase der sozialistischen Revolution, ei\u00adner Revolution, die die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und die Enteignung der Privatkapitalisten fordert.\u201c<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Offener kann man dem Klassenkampf keine Absage erteilen. Wie wir in den fol\u00adgenden Abschnitten sehen werden, entsprach jedoch die reale gesellschaftliche Entwicklung und der Verlauf der iranischen Revolution nicht diesem k\u00fcnstlichen Konzept der Fedayin. Denn die in machtvolle Bewegung geratene Arbeiterklasse machte in ihrem Kampf vor den sozialen Fragen nicht halt, forderte die L\u00f6sung der sozialen und \u00f6konomischen Probleme der Lohnabh\u00e4ngigen, dr\u00e4ngte auf Ar\u00adbeiterkontrolle der Betriebe und Verstaatlichung und stellte die Aufgaben einer sozialistischen Revolution im Prozess ihres Kampfes gegen die Schah-Diktatur auf die Tagesordnung.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Die nicht-persischen Nationen<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die wichtigsten Nationen neben den Persern im Iran sind die Kurden, Aserbai\u00addschaner, Belutschen und Araber. Ihnen wurden unter dem Schah grundlegende nationale Rechte vorenthalten. Persisch war die einzige Amtssprache und in den Schulen und Hochschulen wurde nur auf Persisch unterrichtet. Regionale Auto\u00adnomie gab es nicht. Eine Umfrage aus den 1960er zeigte, dass nur 17 Prozent der hohen Beamten eine andere Sprache als Persisch sprachen. Unabh\u00e4ngigkeitsbe\u00adstrebung in den kurdischen und aserbaidschanischen Gebieten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nieder geschlagen. Unter den nationalen Minderheiten exis\u00adtierten nationalistisch gepr\u00e4gte linke Bewegungen und b\u00fcrgerliche nationale Befreiungsorganisa\u00adtionen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In den kurdischen Gebieten war die Kurdische Demokratische Partei des Iran (KDPI) die st\u00e4rkste Kraft, die f\u00fcr Autonomie Kurdistans in einem iranischen Staat eintrat und sich in den 1970er Jahren nach links entwickelte und an der Sowjetunion ori\u00adentierte. Die Demokratische Liga von Aserbaidschan war 1960 in die Tudeh-Partei aufgegangen. In den s\u00fcdlichen arabischen Gebieten des Landes, in denen die meisten \u00d6lvorkommen zu finden sind, gab es die Front f\u00fcr die Befreiung von Ahvas (Jabhat Tahrir Ahvaz), die Unabh\u00e4ngigkeit forderte.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Beginn der Revolution<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das Ende des wirtschaftlichen Booms, die enorme soziale Polarisierung, Inflation, Arbeitslosigkeit, Armut f\u00fchrten zu einer G\u00e4rung in der Gesellschaft, die sich zu\u00aderst in Opposition aus dem intellektuellen und b\u00fcrgerlichen Lager ausdr\u00fcckte. Dies muss nicht verwundern, sind es doch oft die Intelligenz oder auch studenti\u00adsche Schichten, die mit hoher Sensibilit\u00e4t f\u00fcr gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen auf diese zuerst reagieren und in Aktion treten. 1977 begannen diese Schichten sich verst\u00e4rkt zu artikulieren. Es wurde eine Gesellschaft zur Verteidigung der Frei\u00adheit und der Menschenrechte gegr\u00fcndet. Anw\u00e4lte, Angeh\u00f6rige politischer Gefange\u00adner und Studierende forderten mehr demokratische Rechte. Im November des Jahres wurde die Nationale Front wieder gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ab Fr\u00fchsommer 1977 kam es vermehrt zu Streiks und Demonstrationen. Im Juni demonstrierten die BewohnerInnen der Teheraner Wellblechstadt, deren Sied\u00adlung von der Armee nieder gerissen werden sollte. Armee und Polizei schossen auf die Demonstranten, es gab Todesopfer. Ab November f\u00fchrte der Schriftstel\u00adlerverband regelm\u00e4\u00dfige \u00f6ffentliche Lesungen durch, die von Tausenden besucht wurden. Die zehnte Veranstaltung dieser Art wurde zu einem Protestmarsch ge\u00adgen das Schah-Regime, nachdem die Polizei versucht hatte, sie aufzul\u00f6sen. Auch in diesem, wie in vielen anderen F\u00e4llen, er\u00f6ffnete die Polizei das Feuer und t\u00f6tete viele Demonstranten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das Regime antwortete auf die zunehmenden Proteste mit einer Mischung aus Zugest\u00e4ndnissen und Repression. Der Schah, der auch unter entsprechendem Druck der US-amerikanischen Regierung von Jimmy Carter stand, k\u00fcndigte Re\u00adformen, einschlie\u00dflich der Einberufung des Parlaments und der Genehmigung von Fraktionsbildung in der herrschenden Partei Rastachiz, an. Vor allem ver\u00adsuchte er, mit Zugest\u00e4ndnissen an die Basaris und die Mullahs die soziale Basis seines Regimes zu st\u00e4rken und die Opposition zu spalten. Zu den Ma\u00dfnahmen ge\u00adh\u00f6rten \u00f6konomische Reformen, die die Kleinh\u00e4ndler beg\u00fcnstigen sollten, wie die Aufgabe des Planes, gro\u00dfe staatseigene M\u00e4rkte als Konkurrenz zum Kleinhandel zu gr\u00fcnden. Gleichzeitig wurde sich \u00f6ffentlich f\u00fcr staatliche \u00dcbergriffe auf religi\u00ad\u00f6se Demonstrationen entschuldigt, Pornografie wurde verboten, Spielcasinos ge\u00adschlossen, das Ministerium f\u00fcr Frauenfragen wurde durch ein Ministerium f\u00fcr Religionsfragen ersetzt, inhaftierte Mullahs aus der Haft entlassen. Medienwirk\u00adsam lie\u00dfen sich der Schah und seine Frau, diese den Tschador tragend, beim Ge\u00adbet filmen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Doch solche Zugest\u00e4ndnisse ermunterten die Massen nur, Protest und Wider\u00adstand fortzusetzen, w\u00e4hrend die anhaltende Repression gegen Demonstrationen die Wut der Bev\u00f6lkerung steigerte. Am 9. Januar schoss die Armee in der \u201eheili\u00adgen Stadt\u201c Qom in die Menge, die gegen einen in der Tageszeitung Ettela\u2019at er\u00adschienen Hetzartikel gegen Khomeini protestierte. Dem religi\u00f6sen Brauch fol\u00adgend wurde nach vierzig Tagen der Toten mit einer weiteren Demonstration ge\u00addacht. Wieder wurde geschossen, wieder gab es Todesopfer. Das wiederholte sich nun vierzigt\u00e4gig f\u00fcr einige Monate.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Am 19. August 1978 wurde dann in Abadan ein Kino in Brand gesteckt. 700 Men\u00adschen starben in dem von au\u00dfen verschlossenen Geb\u00e4ude. Das Regime versuchte den Brandanschlag der islamischen Opposition in die Schuhe zu schieben, aber in der Bev\u00f6lkerung setzte sich die \u00dcberzeugung durch, dass der ber\u00fcchtigte Ge\u00adheimdienst SAVAK diesen Massenmord durchgef\u00fchrt hatte, um ihn der Oppositi\u00adon anzulasten. Der SAVAK war eine brutale Maschine zur Unterdr\u00fcckung jegli\u00adcher Opposition, ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigt f\u00fcr seine brutalen Foltermethoden. Er be\u00adsch\u00e4ftigte 80.000 Personen. In jeder gr\u00f6\u00dferen Fabrik agierten dutzende SAVAK-Agenten. In den Jahren vor dem Sturz des Regimes gab es zwischen 40.000 und 100.000 politische Gefangene, vor allem aus der Arbeiterbewegung und den lin\u00adken Organisationen. Der Schah hatte einen gigantischen Unterdr\u00fcckungsapparat geschaffen. Zus\u00e4tzlich zum SAVAK gab es 300.000 Soldaten in den regul\u00e4ren Streitkr\u00e4ften. Es ist nicht \u00fcbertrieben von faschistischen Methoden des Regimes zu sprechen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nach dem Brandanschlag von Abadan spitzte sich die Protestbewegung zu und die Forderung nach dem Sturz des Schah griff um sich. Am 8. September demons\u00adtrierten bis zu drei Millionen Menschen in Teheran. Wenige Tage zuvor war in vielen St\u00e4dten das Kriegsrecht verh\u00e4ngt und ein Versammlungsverbot ausge\u00adsprochen worden. Die Truppen des Regimes er\u00f6ffneten das Feuer und es gab zahlreiche Todesopfer \u2013 86 nach offiziellen Angaben, Tausende nach inoffiziellen.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Generalstreik und Aufstand<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Als Reaktion auf diese Ereignisse begann die Arbeiterklasse, durch Massenstreiks den Ereignissen den Stempel aufzudr\u00fccken. Am 9. September traten die Tehera\u00adner \u00d6larbeiter in den Streik und forderten das Ende des Ausnahmezustands.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ihre Forderungen, aufgestellt am 2. Oktober 1978, lauteten: 1. Beendigung des Kriegsrechts, 2. Solidarit\u00e4t und Zusammenarbeit mit den streikenden Lehrern, 3. Bedingungslose Freilassung aller politischen Gefangenen, 4. Verstaatlichung der \u00d6lindustrie, 5. Alle \u00f6ffentliche Kommunikation soll in persischer Sprache erfolgen (was sich nicht gegen die nationalen Minderheiten, sondern die ausl\u00e4ndischen Kapitalisten richtete), 6. Alle ausl\u00e4ndischen Besch\u00e4ftigten sollen das Land verlas\u00adsen (was sich wiederum nicht gegen ausl\u00e4ndische Arbeiter, sondern gegen die Manager, Ingenieure etc. richtete), 7. Ein Ende der Diskriminierung weiblicher Angestellter und Arbeiter, 8. Umsetzung gemachter Zusagen betreffend der Ver\u00adbesserung der Wohnverh\u00e4ltnisse, 9. Unterst\u00fctzung der Forderungen anderer Produktionsarbeiter, besonders betreffend der Aufl\u00f6sung des SAVAK, 10. Bestra\u00adfung korrupter Regierungsbeamter und Minister, 11. Verk\u00fcrzung der Arbeitszei\u00adten f\u00fcr die Mannschaften der Bohrinseln.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Schon am 10. September breitete sich der Streik auf \u00d6larbeiter in Schiras, T\u00e4bris, Abadan und Isfahan aus. In den n\u00e4chsten Tagen folgten Arbeiter auch anderer Sektoren im ganzen Land. Ein unbefristeter Generalstreik breitete sich aus. Transportarbeiter, Krankenhausbesch\u00e4ftigte, Angestellte des \u00f6ffentlichen Diens\u00adtes, Lehrer, Telekommunikationsarbeiter, Bankangestellte &#8211; das Land war lahm gelegt. Vor allem der Streik der \u00d6larbeiter, die als \u201eprivilegierte\u201c Schicht der ira\u00adnischen Lohnabh\u00e4ngigen galten, traf das Regime politisch und \u00f6konomisch \u2013 mit jedem Tag gingen Einnahmen in H\u00f6he von 74 Millionen US-Dollar verloren! Die\u00adser Streik der Arbeiterklasse war der entscheidende Faktor f\u00fcr den Sturz des Re\u00adgimes im Januar\/Februar 1979.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Massenbewegung und vor allem der Generalstreik der Arbeiterklasse trieb alle politischen Kr\u00e4fte vor sich her. Der Schah sah sich gezwungen Zugest\u00e4ndnis\u00adse in Form der Einsetzung von Regierungen unter b\u00fcrgerlich-nationalistischen Premierministern zu machen, Am 30. Dezember setzte er Sadhegi von der Natio\u00adnalen Front ein und ersetzte diesen am 6. Januar durch den Sozialdemokraten Schapur Bakhtiar, in der Hoffnung, dadurch die Massen beruhigen zu k\u00f6nnen. Als das die Bewegung nicht stoppen konnte, verlie\u00df der Schah am 16. Januar das Land. Als diese Nachricht bekannt wurde, str\u00f6mten die Massen auf die Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze und lie\u00dfen ihrer Freude freien Lauf. \u201eSchah raft\u201c \u2013 der Schah ist gegan\u00adgen \u2013 der Ruf des Tages. Die Konditoreien verteilten zur Feier des Tages S\u00fc\u00dfigkei\u00adten an die Menschen auf den Stra\u00dfen. Die Flucht Reza Pahlavis, die als \u201ezeitlich unbegrenzte Urlaubsreise\u201c bezeichnet wurde, bedeutete jedoch noch nicht das Ende des alten Regimes.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Khomeini, der mittlerweile von seinem Pariser Exil aus agierte, hielt zwar seine Forderung nach dem Sturz des Schah w\u00e4hrend der gesamten Ereignisse aufrecht, versuchte aber gleichzeitig, einen Kompromiss mit Teilen des B\u00fcrgertums und des Staatsapparates zu erzielen, die zu den Schah-Unterst\u00fctzern geh\u00f6rten. Schon vor dem Aufstand vom Februar begannen wichtige Teile der Armee, des Geheim\u00addienstes und des restlichen Staatsapparates, Khomeini zu unterst\u00fctzen. Doch der Generalstreik und der Druck der Massen zwang ihn, weiter zu gehen, als er ur\u00adspr\u00fcnglich vor hatte \u2013 um die Kontrolle \u00fcber die Bewegung zu erlangen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Ayatollah kehrte am 1. Februar nach Teheran zur\u00fcck und ergriff die Initiati\u00adve. In seiner Rede nach der Ankunft am Teheraner Flughafen, wo er von Millio\u00adnen empfangen wurde, erkl\u00e4rte er unter anderem die Bakhtiar-Regierung f\u00fcr il\u00adlegal und k\u00fcndigte an, dass er selber eine neue Regierung ernennen werde \u2013 \u201eauf\u00adgrund der Tatsache, dass diese Nation an mich glaubt.\u201c Am 5. Februar ernannte er Mehdi Bazargan zum Premierminister und es wurde eine provisorische Regie\u00adrung gebildet. Dieser wurde weithin als eine Person betrachtet, die einen Kom\u00adpromiss zwischen den unterschiedlichen b\u00fcrgerlichen Fraktionen und Khomeini erreichen k\u00f6nnte. Die USA sahen sich gezwungen, Bazargan mitzutragen. F\u00fcr Khomeini war dies die M\u00f6glichkeit, seinen Einfluss zu einem Zeitpunkt auszuwei\u00adten, als es den Mullahs noch nicht m\u00f6glich war, offen nach der ganzen Macht zu greifen. Dies dr\u00fcckt sich auch in seiner Rede vom 1. Februar aus, in der er nicht nur kostenlose Wasserversorgung, Elektrizit\u00e4t und \u00f6ffentlichen Nahverkehr ver\u00adsprach, sondern auch ein \u201epopul\u00e4res System\u201c, das \u201evon der Nation kommen und allge\u00admein akzeptiert sein\u201c soll und die Unabh\u00e4ngigkeit der Armee forderte.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Monika Gronke schreibt dazu:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eKhomeini verstand es, den Eindruck zu vermitteln, dass er selbst nur eine Integrationsfi\u00adgur sei und sich samt seiner Kollegen nach dem Erfolg der Revolution wieder in Moschee und Medresse zur\u00fcckziehen werde. (&#8230;) Er versprach die Beibehaltung des Gesellschafts\u00adsystems, demokratische Freiheiten und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Das trug ihm breite Zustimmung u.a. von den iranischen Frauen ein.\u201c<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Einige Schah-Unterst\u00fctzer im Milit\u00e4r wollten diesen Deal nicht mittragen und versuchten, einen Milit\u00e4rputsch durchzuf\u00fchren. Dies l\u00f6st am 9. Februar einen all\u00adgemeinen Volksaufstand aus, der zum endg\u00fcltigen Sturz der alten M\u00e4chte f\u00fchrte und eine Situation entstehen lie\u00df, die Elemente der Doppelmacht beinhaltete. Die Arbeiterklasse war ein Machtfaktor, gegen den in dieser Phase nicht regiert werden konnte. Der alte Staatsapparat war gespalten und nur begrenzt handlungsf\u00e4hig.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Risse in der Armee<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Risse in der Armee spielten eine entscheidende Rolle f\u00fcr den Sturz der Pahla\u00advi-Dynastie. In Zeiten relativer Ruhe und wirtschaftlichen Aufschwungs erschien der Staatsapparat des Regimes \u00fcberm\u00e4chtig und unschlagbar. Zum Beginn der Proteste schossen SAVAK und Armee wahllos in eine Demonstration nach der an\u00adderen und t\u00f6teten tausende Iranerinnen und Iraner. Doch mit dem steigenden Druck und der wachsenden Entschlossenheit der Massen, brach die Geschlossen\u00adheit der Armee schnell zusammen und es entwickelten sich Differenzierungen und Risse entlang von Klassenlinien, denn schlie\u00dflich setzt sich die Armee letzt\u00adlich aus Personen zusammen, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten kommen und die Verbindung zu ihren Familien, Nachbarn, Verwand\u00adten nicht v\u00f6llig gekappt hatten. Dies gilt umso mehr bei einer modernen Armee der Gr\u00f6\u00dfe der iranischen Streitkr\u00e4fte. Diese Differenzierung ist ein komplexer Prozess, der sich unter dem beidseitigen Druck der Armeef\u00fchrung einerseits und der Massenbewegung andererseits entwickelte. Je mehr die Oppositionsbewegung ihre Bereitschaft, bis zum \u00c4u\u00dfersten zu gehen, ausdr\u00fcckte und je st\u00e4rker gleichzei\u00adtig die Spaltungen in der herrschenden Elite deutlich wurden, desto mehr entwickelte sich unter den Armeeangeh\u00f6rigen die Haltung, nicht mehr bereit zu sein, wahllos auf Demonstranten zu schie\u00dfen und desto mehr stellte sich ihnen die Frage, ob sie durch das Befolgen der Befehle nicht eine Macht st\u00fctzten, de\u00adren Untergang schon l\u00e4ngst besiegelt war.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das waren die Momente, in denen Soldaten die Gewehre nicht mehr auf Demons\u00adtranten richteten, sondern auf ihre Vorgesetzten. Es gab viele Berichte \u00fcber Soldaten, die sich mit den DemonstrantInnen verbr\u00fcderten. Die US-amerika\u00adnische Zeitschrift Newsweek berichtete:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eEin w\u00fctender P\u00f6bel von 1.500 Trauernden br\u00fcllte letzte Woche ,Tod dem Schah\u2019 und fiel \u00fcber ein einzelnes gepanzertes Fahrzeug am Tor von Teherans Bescheste-Zahra-Friedhof her. Das gepanzerte Fahrzeug hielt seine Stellung und der junge kommandierende Major ergriff das Wort.,Wir haben nicht die Absicht, Euch zu t\u00f6ten\u2019, rief er. ,Ihr seid unsere Br\u00fc\u00adder\u2019. Er nahm seine Pistole aus dem Halfter. ,Hier, nehmt meine Pistole und t\u00f6tet mich, wenn Ihr wollt\u2019, rief er. Die Trauernden jubelten und begannen den Major und seine Leute mit Blumen zu bewerfen.\u201d<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dieser Bericht war kein Einzelfall. Soldaten erschossen ihre Offiziere, als sie sich weigerten, das Feuer auf Demonstranten zu er\u00f6ffnen und begingen danach Selbst\u00admord. Gleichfalls wurde von Erschie\u00dfungen von Soldaten durch Offiziere berich\u00adtet, um zu verhindern, dass diese sich an Demonstrationen beteiligen. Die Spaltung der Armee im Iran ging weit und f\u00fchrte dazu, dass sie f\u00fcr den Schah kein verl\u00e4ssliches Herrschafts- und Unterdr\u00fcckungsinstrument mehr war. Die Spitzen der Armee orientierten ab einem gewissen Zeitpunkt ebenfalls auf eine Aufrechterhaltung der Ordnung ohne den Schah &#8211; und empfingen Ruhollah Kho\u00admeini nach seiner R\u00fcckkehr in das Land sofort zu Gespr\u00e4chen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Revolution paralysierte die Armee, sie f\u00fchrte aber nicht zu einem offenen \u00dcbertritt von Teilen der Armee auf die Seite der Revolution, wie dies in anderen Revolutionen geschehen war. Dies hing vor allem damit zusammen, dass die Re\u00advolution keine entschlossene F\u00fchrung in Form einer sozialistischen Arbeiterpar\u00adtei hatte, die an den Aufbau einer alternativen Staatsordnung heran gegangen w\u00e4re. Stattdessen konnten Khomeini und die Islamisten sich an die Spitze der Re\u00advolution stellen, den alten Staatsapparat retten und schrittweise in ihrem Sinne \u2013 zur Aufrechterhaltung von \u201eRuhe und Ordnung\u201c und zur Verhinderung einer so\u00adzialistischen Revolution \u2013 einsetzen, sowie neue islamische Repressionsorgane schaffen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Vom 9. bis 12. Februar fanden erbitterte K\u00e4mpfe mit Einheiten der Armee statt, die dem Schah die Treue hielten. Die Arbeiterklasse und die Massen hatten sich bewaffnet und den Kampf gewonnen. Die politischen Gefangenen waren aus dem Evin-Gef\u00e4ngnis befreit worden. Die Macht lag auf der Stra\u00dfe, doch keine Arbei\u00adterpartei existierte, die zur allgemeinen Bildung von Schoras in allen Betrieben und Stadtteilen und deren Vernetzung aufgerufen h\u00e4tte. Dadurch h\u00e4tte eine al\u00adternative staatliche Struktur unter der Kontrolle der Massen gebildet werden k\u00f6nnen. Dies geschah nicht und die Islamisten f\u00fcllten das Vakuum.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Die Schoras<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">W\u00e4hrend der riesigen Streikbewegung hatten sich in vielen Betrieben Streikko\u00admitees gebildet, die die Schah-treuen und oftmals von SAVAK-Agenten gef\u00fchrten Syndikate (Gewerkschaften) herausforderten und ersetzten. Es entwickelten sich Elemente von Arbeiterkontrolle \u00fcber die Produktion und \u00fcber die Verteilung von G\u00fctern. So musste zum Beispiel das Management der Stahlwerke in Isfahan mit den Eisenbahnarbeitern \u00fcber den Kohlentransport verhandeln. Ein \u00e4hnliches Beispiel ist, eine Abmachung zwischen \u00d6larbeitern und Eisenbahnern zum Trans\u00adport von Benzin f\u00fcr den Hausgebrauch, w\u00e4hrend die restliche Produktion still stand. Die \u00d6larbeiter setzten die \u00d6lproduktion herunter und produzierten nur noch f\u00fcr den Inlandsverbrauch. Z\u00f6llner und Hafenarbeiter erlaubten nur noch die Einfuhr von Medikamenten, Babynahrung und Papier. Die Frage der \u00dcbernah\u00adme der Kontrolle und Verwaltung \u00fcber Betriebe wurde nicht zuletzt auch da\u00addurch auf die Tagesordnung gesetzt, dass die Kapitalisten aus Angst vor der Re\u00advolution scharenweise das Land verlie\u00dfen. In vielen Betrieben \u00fcbernahmen ge\u00adw\u00e4hlte Komitees die Aufgaben der Betriebsleitung und setzten Produktionsziele, Arbeitszeiten etc. fest.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Als die Arbeiter nach dem Sturz des Schah von Khomeini wieder an die Arbeit ge\u00adschickt wurden, wurden aus den Streikkomitees nun in vielen Betrieben Arbei\u00adterr\u00e4te, Schoras, gebildet \u2013 teils weil Manager und Eigent\u00fcmer gefl\u00fcchtet waren und ein Machtvakuum im Betrieb existierte, teils gerade weil die selben Manager wie vor der Revolution noch da waren und sich auch so verhielten wie vor dem Sturz des Schah.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Schoras bildeten nun einen Machtfaktor der Belegschaften im Betrieb und der gesamten Arbeiterklasse in der Gesellschaft. Die Industrie war weitgehend unter der Kontrolle der Arbeiter. Sie spielten die zentrale Rolle bei betrieblichen Entscheidungen \u00fcber Ein- und Verkauf, Preisfestlegungen, Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz, Sozialversicherungen etc. Es wurden Unterkomitees gebildet, die f\u00fcr verschiedene Bereiche zust\u00e4ndig waren, darunter Kontaktkomitees f\u00fcr die Zusammenarbeit mit den Schoras anderer Betriebe, politische Komitees f\u00fcr die Informierung und politische Bildung der Belegschaften, Sicherheitskomitees zur bewaffneten Verteidigung der Betriebe vor konterrevolution\u00e4ren Angriffen, Frauenkomitees zur Durchsetzung frauenspezifischer Interessen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In einigen Orten \u00fcbte das in Schoras organisierte Volk die v\u00f6llige Kontrolle \u00fcber das gesellschaftliche Leben aus. Die Arbeiterklasse des Iran war im Prozess der Revolution gegen den Schah nicht bei der Frage demokratischer Rechte auf der politischen Ebene stehen geblieben, sondern hat die soziale Frage in einem Atem\u00adzug auf die Tagesordnung gestellt. Das ist eine eindrucksvolle Best\u00e4tigung von Leo Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution, die erkl\u00e4rt, dass in L\u00e4ndern mit versp\u00e4teter kapitalistischer Entwicklung nur die Arbeiterklasse die Aufgaben der b\u00fcrgerlichen Revolution l\u00f6sen kann und ohne Unterbrechung \u2013 also im Gegen\u00adsatz zur stalinistischen Vorstellung einer kapitalistisch-demokratischen Etappe \u2013 zu den Aufgaben der sozialen Revolution \u00fcbergehen muss.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine Erkl\u00e4rung des Gr\u00fcndungskomitees der Iranischen Nationalen Arbeiterunion, ein Versuch die Schoras zu st\u00e4rken und zu koordinieren, macht deutlich, dass die Aufgaben der sozialen Revolution zwar auf die Tagesordnung gestellt waren, aber dies den Vertretern in den Schoras nicht bewusst war:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eWir, die Arbeiter Irans, haben durch unsere Streiks, Besetzungen und Demonstrationen den Schah gest\u00fcrzt. W\u00e4hrend dieser Streikmonate haben wir Arbeitslosigkeit, Armut und sogar Hunger erduldet. Viele von uns wurden im Kampf get\u00f6tet. Wir taten dies alles, um einen Iran frei von Unterdr\u00fcckung und frei von Ausbeutung zu schaffen. Wir machten die Revolution, um der Arbeitslosigkeit und der Obdachlosigkeit ein Ende zu setzen, um die SAVAK-orientierten Syndikate durch unabh\u00e4ngige Arbeiterschoras zu ersetzen, die durch die Arbeiter eines jeden Betriebes f\u00fcr die eigenen wirtschaftlichen und politischen Bed\u00fcrf\u00adnisse gebildet wurden. Deshalb fordern wir: 1. Anerkennung der Schoras durch die Regie\u00adrung; 2. Abschaffung des Arbeitsgesetzes des Schahs und Inkrafttreten einer neuen Ar\u00adbeitsgesetzgebung, die von den Arbeitern selbst geschrieben wurde; (&#8230;) 5. Ein kostenloses Gesundheitswesen (&#8230;); 8. Eine 40-Stunden- und 5-Tage-Woche; 9. Entlassung aller Elemen\u00adte, die mit dem alten Regime verstrickt sind; (&#8230;) 16. Beteiligung der Arbeiterschoras an den betrieblichen Entscheidungen in Bezug auf die Investitionen und den allgemeinen Zustand des Betriebs, wie den Einkauf, den verkauf, die Preisfestsetzung und die Gewinnverteilung; (&#8230;) 18. Demonstrations- und Protestfreiheit und das Streikrecht (&#8230;)\u201c<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Der Aufstieg der Islamisten<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wieso konnte Khomeini sich an die Spitze einer revolution\u00e4ren Bewegung set\u00adzen, deren eigentliche Ambitionen er doch gar nicht vertrat? Nat\u00fcrlich war der Iran auch 1979 noch eine weitgehend r\u00fcckst\u00e4ndige, l\u00e4ndlich gepr\u00e4gte Gesell\u00adschaft. Zwei Drittel der Bev\u00f6lkerung waren Analphabeten. Die Religion hatte aus historischen Gr\u00fcnden einen gro\u00dfen Einfluss unter den r\u00fcckst\u00e4ndigeren Schich\u00adten. Das galt zwangsl\u00e4ufig auch f\u00fcr Teile der Arbeiterklasse, die ja in gro\u00dfen Tei\u00adlen aus ehemaligen Bauern bestand, die erst nach der Wei\u00dfen Revolution und durch die Industrialisierungsprogramme der ersten H\u00e4lfte der 1970er Jahre in die St\u00e4dte gekommen waren.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Obwohl die schiitische Geistlichkeit in letzter Instanz immer Teil des Staates war, und zum Beispiel den Sturz Mossadeghs unterst\u00fctzt hatte, war sie nach der Wei\u00ad\u00dfen Revolution in Opposition zum Schah-Regime geraten. Aufgrund der Illegali\u00adt\u00e4t der Arbeiterbewegung, aber auch der Passivit\u00e4t der Tudeh-Partei und der Kon\u00adzentration der Fedayin auf den Guerillakampf, waren die Moscheen die einzigen Orte geworden, in denen sich politische Opposition zum Regime artikulieren konnte. Khomeinis Predigten wurden auf Musikkassetten im Land verbreitet. Er erlangte den Ruf eines konsequenten Widersachers des Schah und wurde zur wichtigsten Bezugsperson des Widerstands.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dies war aber auch nur deshalb m\u00f6glich, weil Khomeini seine wirklichen reaktio\u00adn\u00e4ren Zielsetzungen hinter sozialer und demokratischer Rhetorik verbarg. Vor seiner R\u00fcckkehr erkl\u00e4rte Khomeini, er wolle keine halbfeudale Diktatur errich\u00adten, sondern Freiheit und Demokratie. Er sprach von zwei Gruppen in der Bev\u00f6l\u00adkerung &#8211; den Mustaz\u2019afeen, den Armen und Unterdr\u00fcckten, und den Mustakbereen, den Reichen und Unterdr\u00fcckern.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die von ihm geforderte \u201eIslamische Republik\u201c wurde von den Massen nicht als ein Widerspruch zu ihren sozialen Zielen betrachtet. \u201eIslamische Republik\u201c war in den Augen der Massen eine Republik der Armen. Auf Demonstrationen wurde eine \u201esozialistische Republik auf der Grundlage des Islam\u201c gefordert.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Verfassunggebende Versammlung oder Referendum?<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine wichtige Forderung, die die revolution\u00e4re Bewegung erhoben hatte, war die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung. Die freie Wahl von Volksvertre\u00adterInnen zu einer verfassungsgebenden Versammlung h\u00e4tte die Frage des Charak\u00adters eines neuen iranischen Staates zur \u00f6ffentlichen Debatte gemacht und w\u00e4re eine enorme Chance f\u00fcr die Linke gewesen. In Worten stimmten Bazargan und Khomeini dieser Forderung zu. Tats\u00e4chlich aber taten sie alles um eine solche Entwicklung zu verhindern. Statt einer solchen Konstituierenden Versammlung wurde nur ein Referendum abgehalten, dessen Fragestellung lautete: \u201eStimmen Sie zu, dass die Monarchie durch eine Islamische Republik ersetzt wird?\u201c Nat\u00fcrlich stimmten dieser Frage, mangels Alternative, 97 Prozent zu. Niemand wollte schlie\u00dflich die Pahlavi-Diktatur zur\u00fcck. Doch diese Abstimmung als Beleg f\u00fcr die uneingeschr\u00e4nkte Unterst\u00fctzung des Volkes f\u00fcr Khomeini anzuf\u00fchren oder die Ereignisse tats\u00e4chlich als \u201eislamische\u201c Revolution zu interpretieren, w\u00e4re v\u00f6llig falsch.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Hinzu kommt, dass das Referendum in einer Atmosph\u00e4re der Bedrohung durch die Staatsorgane abgehalten wurde. Die Armee war offiziell in Alarmbereitschaft. Es gab zwei verschiedenfarbige Wahlzettel: Rot f\u00fcr \u201eNein\u201c und gr\u00fcn f\u00fcr \u201eJa\u201c. Den W\u00e4hlern wurde der von ihnen gew\u00fcnschte Zettel ausgeh\u00e4ndigt und ihr Ausweis dann abgestempelt. Von einer geheimen Abstimmung kann also nicht die Rede sein, sowohl ein Boykott als auch eine \u201eNein\u201c-Stimme waren f\u00fcr die neuen Macht\u00adhaber pers\u00f6nlich zuzuordnen. Gleichwohl war das Referendum und die Einf\u00fch\u00adrung einer islamischen Verfassung ein wichtiger Schritt zur Festigung von Kho\u00admeinis Macht.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Die Linke versagt<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Diese Festigung war aber nur m\u00f6glich aufgrund der katastrophalen Politik der linken Organisationen, die sich alle an Khomeinis Rockzipfel hingen und den gro\u00dfen Zulauf, den sie erhielten, nicht in eine unabh\u00e4ngige Arbeiterpolitik und einen Kampf f\u00fcr Sozialismus umwandelten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Noch nach Beginn der Massenproteste gegen den Schah war die Tudeh-Partei nicht in klare und deutliche Opposition gegen die Diktatur gegangen. Sie sprach von der \u201eSchaffung k\u00fcnstlichen Aufruhrs\u201c und widersprach nicht, als der sowjeti\u00adsche Staatsf\u00fchrer Leonid Breschnew dem Schah 1978 mit folgenden Worten zum Geburtstag gratulierte:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eEuer Majest\u00e4t, Reza Pahlavi, Licht der Arier, K\u00f6nig der K\u00f6nige des Iran: nehmt bitte bei Gelegenheit eines Tages der nationalen Freude f\u00fcr die iranische Nation \u2013dem Geburts\u00adtag Eurer Majest\u00e4t \u2013 die ehrlichen Gr\u00fc\u00dfe des Exekutivkomitees des Obersten So\u00adwjets der UdSSR, und auch meine eigenen, an.\u201c<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Hua, stand dem in nichts nach und w\u00fcnschte dem Schah \u201egute Gesundheit\u201c und die \u201eVerteidigung der Unab\u00adh\u00e4ngigkeit und nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t des Iran\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">So \u00fcberlie\u00df die Tudeh im Jahr 1978 den Islamisten, die Massenproteste politisch zu beeinflussen und schwenkten viel zu sp\u00e4t auf eine Unterst\u00fctzung der Revolu\u00adtion um, die sie dann aber als Unterst\u00fctzung von Khomeini verstanden. In einer besonders kreativen Interpretation der stalinistischen Etappentheorie k\u00fcrte die Tudeh den reaktion\u00e4ren Islamisten Khomeini zum Garanten f\u00fcr eine demokrati\u00adsche Etappe der Revolution. Im Januar erkl\u00e4rte die Partei, sie sehe \u00dcbereinstim\u00admung zwischen dem Programm Khomeinis und ihren eigenen Positionen. Im M\u00e4rz 1979 erkl\u00e4rte das 16. Plenum des Zentralkomitees der Tudeh:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eDie Tudeh-Partei Irans unterst\u00fctzt die Initiativen Seiner Heiligkeit, des Ayatollah Kho\u00admeini, in Bezug auf die Verk\u00fcndung einer islamischen Republik. Sie wird sich voll und ganz f\u00fcr deren Realisierung einsetzen.\u201c<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Diese Unterst\u00fctzung fand wohlgemerkt zu einem Zeitraum statt, in dem die neue Regierung mittels neuer und alter Organe gegen Streiks, Schoras und vor allem auch die Bewegungen der nationalen Minderheiten vorging. Immer wieder kam es zu Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen demonstrierenden Arbeitern und den neu ent\u00adstandenen Islamischen Revolutionsgarden, Schergen des neuen Regimes. Doch die gro\u00dfen linken Organisationen des Iran sahen in Khomeini einen Antiimperia\u00adlisten und Garanten f\u00fcr den Sturz des Schah und eine demokratisch-b\u00fcrgerliche Entwicklung. Sie riefen, im Gegensatz zu den Frauenorganisationen, vielen Scho\u00adras und den Organisationen der nationalen Minderheiten, auch zu einer Unter\u00adst\u00fctzung f\u00fcr die islamische Republik beim Referendum auf.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Khomeini sah sich im Verlauf des Jahres 1979 gezwungen, dem Druck der Arbei\u00adterklasse in einer Reihe sozialer und \u00f6konomischer Fragen nachzugeben. So wur\u00adden viele der von den Arbeitern \u00fcbernommenen Betriebe verstaatlicht und bei\u00adspielsweise eine kostenlose medizinische Versorgung, kostenloser Nahverkehr und die Streichung der Strom- und Wasserrechnungen zugestanden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Parallel dazu wurden aber reaktion\u00e4re Gesetze erlassen, wie das Verbot von ge\u00admischt-geschlechtlichem Schwimmen, das Auspeitschen unverheirateter Liebes\u00adpaare und das Erschie\u00dfen von Prostituierten. Schon am 26. Februar 1979 wurde das vom Schah erlassene und nicht besonders weit gehende Reformgesetz zum Schutz der Familie, das gewisse Rechte f\u00fcr Frauen fest geschrieben hatte, aufge\u00adhoben. M\u00e4nner erhielten wieder das exklusive Scheidungsrecht und das Recht, ohne die Zustimmung der ersten Ehefrau vier weitere dauerhafte Ehefrauen und eine unbegrenzte Anzahl vor\u00fcbergehender Ehefrauen zu heiraten. Frauen durf\u00adten mit Beschluss vom 3. M\u00e4rz kein Richterinnenamt mehr aus\u00fcben, am 6. M\u00e4rz wurden sie aus dem Milit\u00e4rdienst entfernt. Die linken Organisationen f\u00fchrten keinen entschlossenen Kampf gegen diese Angriffe auf die Rechte der Frauen, sa\u00adhen ihn als Ablenkung vom aus ihrer Sicht wichtigeren antiimperialistischen Kampf oder betrachteten die Forderungen der Frauen als \u201eb\u00fcrgerlich\u201c. Und das, obwohl Millionen Frauen am 8. M\u00e4rz, dem internationalen Frauentag, gegen die diskriminierenden Gesetze auf die Stra\u00dfe gingen und sich gegen Angriffe von Is\u00adlamisten wehren mussten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ebenso wurde Sondergerichten die Befugnis erteilt, Gef\u00e4ngnisstrafen zwischen zwei und zehn Jahren f\u00fcr \u201eSt\u00f6rungstaktiken in den Fabriken oder Arbeiteragitation\u201c zu verh\u00e4ngen. Die Bewegungen der unterdr\u00fcckten Nationen, vor allem in Kurdis\u00adtan, wurden brutal durch die iranische Armee und Pasdaran nieder geschlagen und an einer persisch-nationalistischen Politik fest gehalten. Die kurdischen Ge\u00adbiete, die nach Autonomie strebten und sich gegen die Armee aufgelehnt hatten, wurden am 18. M\u00e4rz bombardiert, auch gegen turkmenische Bauern in Gonbad\u00adkavus, die mit einer Landverteilung begonnen hatten, ging die Armee vor. Die neue islamische Verfassung sah weder Autonomie noch Selbstbestimmungsrecht f\u00fcr die nationalen Minderheiten vor, die immerhin die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung des Iran ausmachten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Schon am 12. Februar riefen Khomeini und die aus Geistlichen und b\u00fcrgerlichen Nationalisten bestehende Bazargan-Regierung die Arbeiter dazu auf, die Waffen wieder abzugeben. \u201eRuhe und Ordnung\u201c sind das erste Ziel, sprich: die Demobilisie\u00adrung der Massen. Dies gelang nicht von heute auf morgen. Schon am 9. Februar hatten die \u00d6larbeiter erkl\u00e4rt, dass sie ihren Kampf auch nach einer Macht\u00fcber\u00adnahme Khomeinis fortsetzen w\u00fcrden. Die zu Bewusstsein und Aktivit\u00e4t erlangten Massen waren nicht bereit, ohne weiteres wieder an den Arbeitsplatz und in ihre Wohnungen zur\u00fcckzukehren. Linke und sozialistische Ideen hatten au\u00dferdem einen Zulauf. 1979 wurden \u00fcber zehn Millionen Exemplare kommunistischer B\u00fc\u00adcher verkauft. Die neuen Machthaber setzten die politische Linke sofort unter massiven Druck. Bazargan sagte am 18. Februar, die linken Gruppen \u201em\u00fcssen ver\u00adnichtet werden, wenn sie ihre bewaffneten Aktionen fortsetzen\u201c. Khomeini erkl\u00e4rte einen Tag sp\u00e4ter, er dulde keine Anarchie.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Aber die durch die Revolution zu Selbstbewusstsein gekommene Arbeiterklasse versuchte auch nach dem Sturz des Schah ihre Interessen zur Geltung zu brin\u00adgen. So kam es zum Beispiel zur Besetzung des Justiz- und des Arbeitsministeri\u00adums durch erwerbslose Arbeiter. Einer der Besetzer sagte:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eIch schlage vor, dass wir an diesem Ort bleiben, bis dieses Ministerium der Bosse zu ei\u00adnem Ministerium der Arbeiter wird. Der Arbeitsminister sollte wissen, dass er Minister in einer provisorischen Regierung und selbst nur provisorisch, nicht f\u00fcr die Dauer, ist. Es ist seine Pflicht, den Besitzern und Managern zu sagen, dass sie 25 Jahre lang Millionen und Abermillionen geraubt haben, wieso sollen sie denn nun auf einmal bankrott sein? Wir wollen Eure Versprechungen nicht, wir wollen taten sehen. Werft uns nicht Ungl\u00e4ubig\u00adkeit vor. Ihr erf\u00fcllt unsere Forderungen und wir werden 37 mal am Tag beten statt 17 mal.\u201c<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Am 1. Mai demonstrierten nach verschiedenen Angaben zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Arbeiter durch Teheran. Aufgerufen hatte das Gr\u00fcndungskomitee der Iranischen Nationalen Arbeiterunion. Auf den Bannern, die in persischer, kurdischer, arabischer und aserbaidschanischer Sprache verfasst waren, standen Forderungen nach Auszahlung der L\u00f6hne, einem neuen Arbeitsgesetz und der Verstaatlichung der Industrie. Am Rande der Demonstration kam es zu Provoka\u00adtionen durch Anh\u00e4nger Khomeinis. Zu den gleichzeitig stattfindenden Demons\u00adtrationen von Khomeinis Islamischer Republikanischer Partei und der Volksmod\u00adschahedin kamen jeweils nur einige Tausend Teilnehmer. Dieser Tag zeigte die St\u00e4rke und potenzielle Macht der Arbeiterklasse, die aber von keiner Organisati\u00adon zusammengefasst und zu einem politischen Machtinstrument entwickelt wurde.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Deshalb konnte die Revolution Schritt f\u00fcr Schritt zur\u00fcck gedr\u00e4ngt werden. Die Schoras wurden von Islamisten unterwandert oder islamische Schoras gebildet. Streiks und unabh\u00e4ngige Gewerkschaften waren verboten. Im Herbst 1979 wur\u00adden zw\u00f6lf Aktivisten der trotzkistischen HKS (Sozialistische Arbeiterpartei) verhaf\u00adtet und zum Tode verurteilt. Das war ein erstes Exempel gegen linke Aktivisten, wohlweislich gegen solche, die \u00fcber keine gro\u00dfe Verankerung in der Arbeiter\u00adklasse verf\u00fcgten \u2013 deren politische Orientierung aber eine Bedrohung f\u00fcr das neue Regime darstellte.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ein Mittel, mit dem Khomeini die Massen ablenkte und die Linke desorientierte, war eine \u201eantiimperialistische\u201c Kampagne, die nach der Besetzung der US-Bot\u00adschaft in Teheran durch die Islamische Studentenbewegung auf der Linie des Imams Khomeini durchgef\u00fchrt wurde. Jede Opposition gegen die Aufrechterhaltung des Kapitalismus und die sich entwickelnde theokratische Diktatur wurde als impe\u00adrialistisch, amerikanisch und zionistisch dargestellt. Die iranische Linke lie\u00df sich auf diese Argumentation grundlegend ein und erkl\u00e4rte sich f\u00fcr die antiimperia\u00adlistische Einheit mit den Islamisten. Sie riefen auch zur Unterst\u00fctzung f\u00fcr die is\u00adlamische Verfassung auf, die in einem weiteren Referendum zur Abstimmung ge\u00adstellt wurde.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine weitere wichtige Rolle bei der Festigung der Konterrevolution und der Er\u00adrichtung der Mullah-Diktatur spielte auch der Krieg gegen den Irak, der im Sep\u00adtember 1980 nach einem Angriff des Irak auf die \u00d6lregion Khusistan ausgebro\u00adchen war. Der irakische F\u00fchrer Saddam Hussein war damals noch der treue Va\u00adsall des Imperialismus und versuchte die Ausdehnung der Revolution im Nahen Osten zu verhindern. Der Krieg war eine m\u00e4chtige Propagandawaffe in den H\u00e4n\u00adden Khomeinis, der dadurch gro\u00dfe Teiles des Volks hinter sich sammeln konn\u00adte. Auf dieser Basis konnte er die Repression gegen die Linke und die Arbeiterbe\u00adwegung verst\u00e4rken bis zum Verbot aller linken Organisationen 1983. Zehntausende ArbeiterInnen, Jugendliche, Frauen, Mitglieder von Tudeh, Fedayin und anderer linker Organisationen wurden Opfer von Verhaftung, Folter, Mord oder mussten ins Exil gehen.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Eine Alternative war m\u00f6glich<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Doch die Entwicklung zur islamistischen Diktatur war nicht alternativlos. H\u00e4tte eine marxistische Partei existiert, die ein Programm und eine Strategie der sozia\u00adlistischen Revolution vertreten h\u00e4tte, w\u00e4re ein anderer Gang der Ereignisse m\u00f6g\u00adlich gewesen. Khomeini hatte nicht die uneingeschr\u00e4nkte Unterst\u00fctzung der Volksmassen. Nicht umsonst hat er sich niemals freien Wahlen gestellt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Arbeiter organisierten in der ersten H\u00e4lfte des Jahres 1979 Streiks und Demons\u00adtrationen gegen die Politik der neuen Machthaber. Bei den ersten Wahlen zum Madschlis im M\u00e4rz 1980 erhielten die linken Parteien 1,5 Millionen Stimmen und die Volksmodschahedin zwei Millionen Stimmen. Die Volksfedayin und Volksmod\u00adschahedin erlangten schnell eine Massenbasis und auch die Tudeh, der aufgrund ihrer Geschichte falscher Politik mit gro\u00dfer Skepsis begegnet wurde, hatte wie\u00adder wachsenden Einfluss. Ihre Zeitung hatte eine Auflage von 100.000. Hinzu ka\u00admen die Bewegungen der unterdr\u00fcckten Nationen, die in den kurdischen Gebie\u00adten einen ersten Versuch der Armee, die Kontrolle zu erlangen, zur\u00fcck schlagen konnten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im Iran war die Arbeiterklasse 1979 st\u00e4rker als die Arbeiterklasse Russlands im Jahr 1917, dem Jahr der ersten erfolgreichen sozialistischen Revolution. Dort gab es vier Millionen Arbeiter in einer Nation von 150 Millionen Menschen, im Iran waren es wahrscheinlich \u00fcber vier Millionen &#8211; von nur 35 Millionen Einwohne\u00adrInnen. Ein ungleich st\u00e4rkeres gesellschaftliches Gewicht.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Den Unterschied im Russland von 1917 machte die Bolschewistische Partei, die mit einem Programm und einer Strategie zum Sturz von Zarismus und Kapitalis\u00admus ausgestattet war und f\u00fcr dieses Programm \u2013 zusammen gefasst in den Paro\u00adlen \u201eLand, Frieden, Brot\u201c und \u201eAlle Macht den R\u00e4ten\u201c \u2013 die Mehrheit der russischen Arbeiter und Soldaten gewinnen konnte. Dies war auch nur m\u00f6glich, weil die Bol\u00adschewiki der Versuchung widerstanden, den nach-zaristischen b\u00fcrgerlichen Re\u00adgierungen des Jahres 1917 ihre Unterst\u00fctzung zu geben. Eine solche Partei gab es 1979 im Iran nicht. Tudeh und Fedayin versagten und selbst unter den sehr klei\u00adnen trotzkistischen Kr\u00e4ften entwickelte sich ein Trend, eine unkritische Hal\u00adtung zu Khomeini einzunehmen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine revolution\u00e4r-marxistische Kraft h\u00e4tte ein unabh\u00e4ngiges Klassenprogramm aufgestellt. Dieses h\u00e4tte die dr\u00e4ngendsten demokratischen Forderungen \u2013 Mei\u00adnungs- und Pressefreiheit, gleiches Wahlrecht f\u00fcr alle, Selbstbestimmungsrechte f\u00fcr die Nationalit\u00e4ten, Gleichberechtigung f\u00fcr die Frauen \u2013 mit einem Programm sozialer und \u00f6konomischer Forderungen zur Hebung der Lebensbedingungen der Massen verbunden: Acht-Stunden-Tag, automatische Anpassung der L\u00f6hne an die Inflation etc.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">W\u00e4hrend die Forderung nach einer revolution\u00e4ren Verfassungsgebenden Ver\u00adsammlung dem pseudo-demokratischen Referendum entgegen gestellt worden w\u00e4re, h\u00e4tte eine marxistische Kraft zum systematischen Auf- und Ausbau der Schoras auf allen Ebenen der Gesellschaft aufgerufen und diese durch demokratische Delegiertenkongresse auf stadtweiter, regionaler und landesweiter Ebene miteinander vernetzt und so die Basis f\u00fcr einen sozialistischen Arbeiterstaat gelegt. Dies w\u00e4re einher gegangen mit der Weigerung, die im Volksaufstand vom Februar eroberten Waffen wieder abzugeben und demokratische Arbeitermilizen zu bilden. Und nicht zuletzt h\u00e4tte eine solche Politik den Appell an die Arbeiterbewegung aller L\u00e4nder des Nahen und Mittleren Ostens und der ganzen Welt beinhaltet, den iranischen Massen zu Hilfe zu eilen. Eine Klassenappell an die irakische Arbeiterklasse h\u00e4tte es Saddam Hussein zumindest enorm erschwert, den Krieg gegen den Iran zu beginnen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine solche Politik w\u00e4re mit den Illusionen von gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung in Khomeini und der weit verbreiteten Religiosit\u00e4t der Menschen konfrontiert ge\u00adwesen. Sie h\u00e4tte konkret und geduldig anhand der praktischen Fragen sozialer, demokratischer und nationaler Rechte aufzeigen m\u00fcssen, dass Khomeini seinen eigenen Versprechungen von Demokratie, sozialer Gleichheit und \u201eRepublik der Armen\u201c nicht gerecht wurde. Durch die unabh\u00e4ngige Mobilisierung von Arbeite\u00adrInnen im Kampf f\u00fcr diese Rechte h\u00e4tte auch ein Keil in die islamische Bewegung getrieben werden k\u00f6nnen und linke Teile derselben von Khomeini getrennt wer\u00adden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ob eine marxistische Kraft mit einer solchen Politik im Jahr 1979 die Arbeiter\u00adklasse an die Macht h\u00e4tte f\u00fchren und die islamistisch-kapitalistische Konterrevo\u00adlution h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen, ist sicher nicht garantiert. Aber das w\u00e4re die einzige m\u00f6gliche Alternative gewesen. Und mindestens w\u00e4re die iranische Arbei\u00adterbewegung in diesem Prozess gest\u00e4rkt worden und h\u00e4tte der Zerschlagung durch die Islamisten effektiven Widerstand entgegen stellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Quellen<\/h4>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">60 Jahre Tudeh Partei Iran, hrsg. von der Tudeh-Partei im September 2001<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Bijan Dschazani &#8211; Bewaffneter Kampf im Iran, deutsche \u00dcbersetzung, ohne Erscheinungsdatum<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Dawud Gholamassad &#8211; Iran: Die Entstehung der \u201eIslamischen Revolution\u201c, Hamburg 1985<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Ted Grant &#8211; The Iranian Revolution. in Militant vom Februar 1979<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Monika Gronke &#8211; Geschichte Irans, M\u00fcnchen 2003<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Fred Halliday &#8211; Iran, Analyse einer Gesellschaft im Entwicklungskrieg, Berlin 1979<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">KOMALA document series (2) &#8211; Komala and the Kurdish people\u2019s resistance movement, Uppsala, Schweden, Oktober 1980<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">KOMALA document series (5) &#8211; Resistance to the huge military attack on Kurdistan, and to the repression of workers and stu\u00addents, Uppsala, Schweden, Januar 1981<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Bob Labi &#8211; Iran: neue Etappe in der Revolution in Militant International Review Herbst 1979<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Bob Labi &#8211; Die Revolution ist festgefahren in Militant Juni 1979<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Karl Mitterst\u00f6ger &#8211; Revolution und Konterrevolution im Iran 1978-1981 in Revolutionen nach 1945, Wien 1998<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Revolution and Counter-revolution in Iran: A Marxist View, Stellungnahme der Iranischen Sozialistischen Arbeiterpartei HKS, 1983<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Maryam Poya &#8211; Iran 1979: Lang lebe die Revolution! &#8230; Lang lebe der Islam?, Frankfurt 1988<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Dave Todd &#8211; Iran &#8211; reif f\u00fcr die sozialistische Revolution in Militant Oktober 1978<\/h5>\n<h5 align=\"JUSTIFY\">Union Iranischer Studenten in BRD und West-Berlin &#8211; Iran-heute, Februar 1980<\/h5>\n<h5 align=\"LEFT\">Dr. Zayar &#8211; Iran &#8230; revolution in resilience, Lahore 2000<\/h5>\n<h5 align=\"LEFT\">Artikel aus den Zeitschriften VORAN, SPIEGEL und von de.wikipedia.org<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus dem Buch &#8222;Iran &#8211; Freiheit durch Sozialismus&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35741,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[40],"tags":[337,1138,1139,1140],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35740"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35740"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35740\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35763,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35740\/revisions\/35763"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35740"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35740"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35740"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}