{"id":35700,"date":"2018-01-02T06:00:08","date_gmt":"2018-01-02T05:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35700"},"modified":"2018-01-15T17:44:52","modified_gmt":"2018-01-15T16:44:52","slug":"volle-durchsetzung-der-forderungen-keine-kompensationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2018\/01\/volle-durchsetzung-der-forderungen-keine-kompensationen\/","title":{"rendered":"Volle Durchsetzung der Forderungen \u2013 keine Kompensationen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_35614\" aria-describedby=\"caption-attachment-35614\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-35614\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr-260x173.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr-260x173.jpg 260w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr-521x347.jpg 521w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr-600x399.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/s10_metall-tr.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-35614\" class=\"wp-caption-text\">Foto: IG Metall<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Flugblatt der SAV zur Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie<\/strong><\/p>\n<p>In der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland werden Jahr f\u00fcr Jahr Rekordgewinne eingefahren. Trotz Klagen der Unternehmer \u00fcber gestiegene Lohnst\u00fcckkosten liegt die durchschnittliche Umsatzrendite mit vier Prozent auf Rekordniveau. Die Forderung nach 6 Prozent mehr Lohn und Gehalt ist daher noch bescheiden.<\/p>\n<p>Nun wollen die Bosse eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit nach oben (42 Stunden). Angesichts der massiven \u00dcberstunden, die aktuell geleistet werden, w\u00fcrden sie so Lohnkosten einsparen. Sie wollen das Rad der Geschichte zur\u00fcckdrehen. Der Kampf um Arbeitszeiten ist schon seit \u00fcber hundert Jahren eine zentrale Auseinandersetzung f\u00fcr die Gewerkschaften. Genau vor einhundert Jahren wurde der Achtstundentag gesetzlich verankert \u2013 ein Resultat der Novemberrevolution 1918\/19, wo die Unternehmer Angst hatten, ihre Macht ganz zu verlieren. Gerade heute, in Zeiten der Digitalisierung und der damit verbundenen Drohungen eines massiven Stellenabbaus ist die Frage der Arbeitszeiten aktueller denn je.<\/p>\n<h4>\u201eDumm, dreist, t\u00f6richt\u201c<\/h4>\n<p>Mit diesen Worten bezeichnete vor gut 35 Jahren der damalige CDU-Bundeskanzler Helmut Kohl die Forderung der Gewerkschaft IG Metall und der Gewerkschaft Druck und Papier nach der 35-Stunden-Woche. Die Arbeitgeber gingen zum Frontalangriff \u00fcber und reagierten mit Aussperrung von einer halben Million Besch\u00e4ftigten auf die Arbeitskampfma\u00dfnahmen. Mit Streik \u00fcber mehrere Wochen, begleitet von Warnstreiks und Demonstrationen, konnte der Einstieg in die 35 Stunden-Woche erk\u00e4mpft werden.<\/p>\n<p>Seit vielen Jahren geht die Entwicklung wieder r\u00fcckw\u00e4rts. In vielen Bereichen wurde die 35-Stunden-Woche durch Aufweichung der Tarifvertr\u00e4ge (Potsdamer Abkommen) schon abgeschafft, in Ostdeutschland wurde die Angleichung nie vollzogen. Nach einigen Jahren von bescheidenen Lohnabschl\u00fcssen erscheint es vielen j\u00fcngeren Kolleginnen und Kollegen attraktiv, durch das Leisten von \u00dcberstunden zu mehr Geld zu kommen. Verschlechterung von Pausenregelungen, Verk\u00fcrzung von Taktzeiten, st\u00e4ndige Optimierungsprozesse tragen dazu bei, dass der Leistungsdruck auf den einzelnen Besch\u00e4ftigten kontinuierlich zugenommen hat, w\u00e4hrend die Gewinne steigen.<\/p>\n<p>Es ist ein untragbarer Zustand, dass man kaum noch M\u00f6glichkeiten sieht, sich genug um Angeh\u00f6rige zu k\u00fcmmern oder zu wenig Zeit f\u00fcr die Kinder hat. Positiv ist, dass dieses Thema von der Gewerkschaft aufgegriffen wurde. Die Forderung der IG Metall nach dem Recht auf eine individuelle Arbeitszeitverk\u00fcrzung mit Teillohnausgleich f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum mag eine Hilfe f\u00fcr konkrete Lebenslagen sein, reicht aber bei weitem nicht aus.<\/p>\n<h4>Arbeitszeitverk\u00fcrzung f\u00fcr alle \u2013 bei vollem Lohn!<\/h4>\n<p>N\u00f6tig w\u00e4re die Forderung nach einer weiteren Arbeitszeitverk\u00fcrzung f\u00fcr alle, bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Damit k\u00f6nnte man zwei sinnvolle Dinge erreichen:<\/p>\n<p>Erstens mehr Zeit zum Leben, Lieben, Lachen: Dieser Slogan aus den Zeiten des Arbeitskampfes um die 35-Stunden-Woche hat heute \u2013 in Zeiten von permanentem Druck sogar eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung als damals. Leider haben sich viele schon an den Zustand des st\u00e4ndigen Gehetztseins gew\u00f6hnt. Es ist Zeit, umzudenken \u2013 auch im Interesse der Kinder! Die haben erstens ein Recht darauf, dass ihre Eltern entspannt und gl\u00fccklich Zeit mit ihnen verbringen und zweitens auf menschliche Arbeitsbedingungen in der Zukunft!<\/p>\n<p>Zweitens Verhinderung von Arbeitsplatzabbau: Wenn die Bosse damit drohen, dass mit der Digitalisierung und Automatisierung ein Teil der menschlichen Arbeitskraft \u00fcberfl\u00fcssig wird, muss die Gewerkschaft sagen: Wenn es technischen Fortschritt gibt, dann weil die Besch\u00e4ftigten ihn geschafften haben. Entsprechend soll dieser auch f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten genutzt werden. Daher: Verteilung der Arbeit auf alle \u2013 ohne Lohnabstriche!<\/p>\n<p>Diese Forderung muss auch da gelten, wo die Konzernchefs von Siemens, General Electrics und anderen auf einmal entlassen wollen, obwohl sie Rekordgewinne eingefahren haben. Wenn sie das nicht einsehen, sollten sie enteignet werden. Unter demokratischer Kontrolle von Besch\u00e4ftigten, Gewerkschaften und Staat k\u00f6nnte ein Plan f\u00fcr sinnvolle Produktion erstellt werden \u2013 bei Erhalt aller Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Immer wieder gelingt es den Konzernspitzen, mit der Drohung von Arbeitsplatzabbau oder der angeblichen Gef\u00e4hrdung des Standortes, weitere Verschlechterungen gegen die Besch\u00e4ftigten durchzusetzen. In vielen F\u00e4llen sind Betriebsratsspitzen in Gro\u00dfkonzernen der Meinung, dass solche Zugest\u00e4ndnisse n\u00f6tig sind, um die Konkurrenzf\u00e4higkeit des eigenen Konzerns zu sichern. Eine solche Perspektive ist die eines Co-Managers. N\u00f6tig ist, stattdessen die Perspektive der Kolleginnen und Kollegen einzunehmen.<\/p>\n<h4>Interessengegensatz<\/h4>\n<p>Es ist wichtig, dass man den grundlegenden Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit erkennt, anstatt ihn zu verwischen. Unternehmer und Gro\u00dfaktion\u00e4re sind interessiert an der Maximierung ihres Profites, an ihrer Konkurrenzf\u00e4higkeit und Marktanteilen. Dabei ist ihnen das Wohl der Besch\u00e4ftigten ziemlich egal. Nat\u00fcrlich habe sie auch lieber Frieden im Unternehmen, um die Produktion nicht zu hemmen. An erster Stelle aber steht die Profitabilit\u00e4t. Diese l\u00e4sst sich vor allem dadurch steigern, indem die Arbeitskraft aller im Betrieb Arbeitenden maximal und mit den geringst m\u00f6glichen Kosten ausgenutzt wird. Und wenn sich auf dem Weltmarkt aufgrund einer Konjunktur- oder Branchenkrise nicht genug verkaufen l\u00e4sst, kriegt man keinen Dank und soll auf einmal arbeitslos sein. Den Profit, der mit der Arbeit erwirtschaftet wird, eignen sich allein die Kapitaleigner an. Wie wir aus dem Skandal um die Paradise Papers erneut erfahren haben, werden diese Gewinne kaum versteuert, so dass Milliarden von Euro auf den Konten von Reichen liegen, anstatt sie f\u00fcr sinnvolle \u00f6ffentliche Investitionen zu nutzen. Wie es richtig in einem Entwurf f\u00fcr ein Thesenpapier von etwa einhundert IG Metall-Funktion\u00e4rInnen f\u00fcr eine offensive Gewerkschaftspolitik steht: \u201eOffensive Gewerkschaftspolitik nimmt den Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit zum Ausgangspunkt. \u2026Aufgabe der Tarifpolitik muss es sein, die tarifpolitischen Auseinandersetzungen in ein gesamtgesellschaftliches Umverteilungskonzept (Umverteilung von Arbeitszeiten, Einkommen, Verf\u00fcgungsrechten) einzuordnen&#8230;Handlungsoption muss es dabei immer sein, Umverteilung gemeinsam mit gesellschaftlicher Bewegung gegebenenfalls auch im Wege des Arbeitskampfes durchzusetzen.\u201c<\/p>\n<h4>Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse<\/h4>\n<p>Was in einer Tarifauseinandersetzung erreicht werden kann, ist eine Frage der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse. Es ist schon fast zwei Jahrzehnte her, dass die IG Metall die Kampfkraft der Besch\u00e4ftigten in die Waagschale geworfen hat. Im Sommer hat allein die Verweigerung von \u00dcberstunden im Werk Daimler Untert\u00fcrkheim zu Produktionsstops in Sindelfingen gef\u00fchrt. Gerade jetzt, in Zeiten der Just-in-time-Produktion, k\u00f6nnte man die Unternehmer mit einem fl\u00e4chendeckenden Streik schnell in die Knie zwingen! Deshalb:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr die volle Durchsetzung der Forderungen! Keine Kompensation durch Zugest\u00e4ndnisse an die Arbeitgeber<\/li>\n<li>F\u00fcr eine k\u00e4mpferische Gewerkschaftspolitik<\/li>\n<li>F\u00fcr die Forderung nach einer kollektiven Arbeitszeitverk\u00fcrzung bei vollem Lohn-und Personalausgleich sp\u00e4testens in der n\u00e4chsten Tarifrunde<\/li>\n<\/ul>\n<p>[wpfilebase tag=file id=2132 \/]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flugblatt der SAV zur Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35614,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[1017,1126,297,1102],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35700"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35700"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35700\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35702,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35700\/revisions\/35702"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35614"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}