{"id":35532,"date":"2017-11-14T14:54:26","date_gmt":"2017-11-14T13:54:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35532"},"modified":"2017-11-13T14:58:10","modified_gmt":"2017-11-13T13:58:10","slug":"historisches-wahlergebnis-fuer-sozialistische-kandidatin-in-minneapolis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/11\/historisches-wahlergebnis-fuer-sozialistische-kandidatin-in-minneapolis\/","title":{"rendered":"Historisches Wahlergebnis f\u00fcr sozialistische Kandidatin in Minneapolis"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/GingerSpeakingfor15-2016-430x244-e1498144544281.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-34884\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/GingerSpeakingfor15-2016-430x244-280x159.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"159\" \/><\/a>Sozialistische Ideen sind in den USA weiter auf dem Vormarsch<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Wahl zum Stadtrat im US-amerikanischen Minneapolis hat die Kampagne f\u00fcr Ginger Jentzen am 7. November im 3. Wahlbezirk der Stadt ein historisches Ergebnis eingefahren. Am Wahlabend passte der anf\u00e4ngliche Sechs-Punkte-Vorsprung zu unserem energisch gef\u00fchrten Wahlkampf, der von Anfang an die Themen f\u00fcr den gesamten Wahlkampf gesetzt hatte. Wir haben die Debatte \u00fcber eine Mietobergrenze zur\u00fcck auf die Agenda gebracht und von den arbeitenden Menschen breite Unterst\u00fctzung bekommen. Ein weiterer Grund daf\u00fcr ist unsere Forderung nach Steuern f\u00fcr die gro\u00dfen Baukonzerne und die Reichen, um dar\u00fcber angemessenen und bezahlbaren Wohnraum, Bildung und den Nahverkehr finanzieren zu k\u00f6nnen. Wir haben einen der umfangreichsten Wahlk\u00e4mpfe gef\u00fchrt, den Minneapolis je erlebt hat. Im Fokus stand einzig und allein die Ansprache an die Basis.<\/p>\n<p><em>Von Calvin Priest und Bryan Koulouris, \u201eSocialist Alternative\u201c (Schwesterorganisation der SAV in den USA)<\/em><\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend der Wahlkampf von \u201eSocialist Alternative\u201c starke Saiten anschlug und zu mehr Erststimmen (das Wahlsystem sieht drei Vorzugsstimmen vor, die dann gez\u00e4hlt werden, wenn der\/die KandidatIn f\u00fcr den\/die die erststimme abgegeben wurde, keine Chance mehr auf den Sieg hat; Anm. d. \u00dcbers.) f\u00fchrte als die drei anderen KandidatInnen auf sich vereinen konnten, kam es aufgrund der Ausz\u00e4hlung am Folgetag im zweiten und dritten Rang (\u201eranked choice voting\u201c) dazu, dass wir doch noch mit eintausend Stimmen das Nachsehen hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ergebnis nach dem Prinzip des nach drei Vorzugsstimmen gestaffelten Wahlverfahrens:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1. Vorzugsstimme \u00a0 \u00a02. Vorzugsstimme \u00a0 \u00a03. Vorzugsstimme \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0Endausz\u00e4hlung<\/p>\n<p>Steve Fletcher \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a02.705 (28,2%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 2.962 (38,2%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 1.338 (24,6%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a04.861 (55,8%)<\/p>\n<p>Ginger Jentzen \u00a0 \u00a0 \u00a03.290 (34,4%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 1.058 (13,7%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 997 (18,3%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a03.844 (44,2%)<\/p>\n<p>Tim Bildsoe \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a02.550 (26,6%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 1.851 (23,9%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 1.178 (21,6%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0-\/-<\/p>\n<p>Samantha<\/p>\n<p>Pree-Stinson \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 1.006 (10,5%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 1.830 (23,6%) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 1.780 (32,7 %) \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 -\/-<\/p>\n<p>Und dennoch ist dieses Ergebnis ein riesiger Erfolg f\u00fcr sozialistische Politik. Abgesehen von den Wahlkreisen im wohlhabenden Stadtzentrum von Minneapolis haben wir in allen anderen die Nase vorn gehabt. In den Arbeitervierteln entwickelte sich eine starke Dynamik als tausende Menschen durch unsere entschlossenen Forderungen und unseren Ruf nach einer politischen Revolution im Stadtrat motiviert worden sind.<\/p>\n<p>Das hohe Ma\u00df an Unterst\u00fctzung war f\u00f6rmlich greifbar: In nahezu jeder Stra\u00dfe in den Arbeitervierteln des 3. Wahlbezirks waren rot-wei\u00dfe Wahlkampfplakate mit der Aufschrift \u201eVote Ginger Jentzen\u201c zu sehen (in den USA werden diese \u00fcblicher Weise in privaten Vorg\u00e4rten aufgestellt; Anm. d. \u00dcbers.). Zwischen den Zeilen stand in gro\u00dfen Buchstaben \u201eNot for Sale\u201c (dt.: \u201enicht k\u00e4uflich\u201c) zu lesen. Dieser Haupt-Slogan, der auch die Wahlk\u00e4mpfe von Kshama Sawant und Bernie Sanders ausmachte, sollte darauf hinweisen, dass Ginger keine Spenden von Konzernen oder gro\u00dfen Bauunternehmen annehmen w\u00fcrde. Ihr Wahlkampf ist ausschlie\u00dflich mit den kleinen Einzelspenden der \u201eeinfachen\u201c arbeitenden Menschen finanziert worden.<\/p>\n<p>Trotzdem haben wir damit alle Rekorde gebrochen, die bisher bei Kommunalwahlen in Minneapolis zu verzeichnen waren. Am Ende kamen \u00fcber 175.000 Dollar zusammen \u2013 ohne einen Penny von den Konzernen. Die Einzelspenden beliefen sich im Mittel auf nicht mehr als 25 Dollar!<\/p>\n<p>In den Vierteln rund um die \u201eUniversity of Minnesota\u201c, in denen vor allem Studierende zur Miete wohnen, sorgte unsere Wahlkampagne daf\u00fcr, dass die Wahlbeteiligung sich verdreifachte und wir in diesem Wahlkreis insgesamt auf \u00fcber f\u00fcnfzig Prozent der Stimmen gekommen sind.<\/p>\n<p>Der Wahlkampf war aber auch in hohem Ma\u00df polarisiert. In den Gegenden im Stadtzentrum, in denen Luxusappartements und Eigentumswohnungen das Bild beherrschen, konnten die KandidatInnen der DFL (\u201eDemocratic Farmer Labor Party\u201c; Bezeichnung f\u00fcr die \u201eDemokraten\u201c im Bundesstaat Minnesota) stark abschneiden. Das ist auf die unterschiedlichen Klasseninteressen zur\u00fcckzuf\u00fchren, die dort anzutreffen sind. Ein weiterer Grund ist die verankerung, die die DFL dort hat.<\/p>\n<h4>Unser Einfluss und der Widerstand der Konzerne<\/h4>\n<p>Der Boden f\u00fcr einen historischen Wahlkampf ist diesen Sommer bereitet worden, als der Stadtrat von Minneapolis gezwungen war, einen Mindestlohn in H\u00f6he von 15 Dollar zu beschlie\u00dfen. Grund daf\u00fcr war eine Kampagne unter der F\u00fchrung von Ginger und \u201eSocialist Alternative\u201c, die die Aktionsgruppe \u201e15 Now!\u201c sowie ein breit aufgestelltes B\u00fcndnis aus Gewerkschaften, progressiven Organisationen und AktivistInnen aufgebaut hatten. Dieses B\u00fcndnis sorgte f\u00fcr enormen Druck auf die Mehrheit im Stadtrat und auf den B\u00fcrgermeister, der bis dato gesagt hatte, dass 15 Dollar zu viel und auf kommunaler Ebene nicht durchsetzbar seien und im Bereich des Unm\u00f6glichen liegen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Unsere Wahlkampagne stie\u00df auf den vereinten Widerstand des politischen Establishments, der konzernfreundlichen Medien und f\u00fchrte zu einer m\u00e4chtigen Finanzspritze der Gro\u00dfkonzerne und profitgeleiteten Baul\u00f6wen kurz vor Ende des Wahlkampfes f\u00fcr die Kandidaten des Establishments. Die Chefredaktion der im Besitz von Milliard\u00e4ren befindlichen Zeitung \u201eStarTribune\u201c fungierte als das Sprachrohr der Konzernchefs von Minneapolis. Schlie\u00dflich wurde der Leitartikel \u201eAnybody But Ginger\u201c (dt.: \u201eAlle, nur nicht Ginger\u201c) ver\u00f6ffentlicht, in dem die anderen drei KandidatInnen zur Wahl empfohlen wurden: Steve Fletcher und Tim Bildsoe, die Kandidaten des Establishments von der DFL, aber auch Samantha Pree-Stinson von der \u201eGreen Party\u201c.<\/p>\n<p>Dabei waren es die Anstrengungen, die die Spendenkomitees der Konzerne unternommen haben, um die Wahlen zu kaufen, \u00fcber die die Angst des Polit-Establishments am st\u00e4rksten zum Ausdruck kam. Kein Wunder, war unsere Wahlkampagne doch voll und ganz auf die Arbeiterklasse ausgerichtet. Das gilt auch f\u00fcr die linken KandidatInnen, die in einer Reihe weiterer Wahlk\u00e4mpfe gegen ihre KontrahentInnen aus dem Establishment angetreten sind. Die Gro\u00dfkonzerne hatten begriffen, dass diese Herausforderung von links, an der auch einige von der Organisation \u201eOur Revolution\u201c unterst\u00fctzte KandidatInnen wie der B\u00fcrgermeister-Kandidat Ray Dehn beteiligt waren, um jeden Preis bek\u00e4mpft werden musste.<\/p>\n<p>Es kann jedoch kein Zweifel daran bestehen, dass die gro\u00dfen Konzerne am meisten Angst vor unserer unabh\u00e4ngigen sozialistischen Kampagne hatten. Der millionenschwere Baul\u00f6we Steve Minn und sein Spendenkomitee namens \u201eMinneapolis Works\u201c hatten sich Mitte Oktober in ihrem \u201eAufruf zum Handeln\u201c auf Ginger eingeschossen. Darin hie\u00df es: \u201eWenn Sie gedacht haben, dass es f\u00fcr eine bekennende Sozialistin unm\u00f6glich sei, auf der Basis von Mietobergrenze und der Forderung nach Einf\u00fchrung einer kommunalen Einkommenssteuer zu kandidieren [\u2026] dann besch\u00e4ftigen Sie sich mal mit \u2013 Ginger Jentzen\u201c. Man warnte davor, dass sie im 3. Wahlbezirk zu den \u201ef\u00fchrenden KandidatInnen\u201c geh\u00f6re. Rasch kam es dazu, dass Konzerngelder flossen, um den Wahlkampf zu beeinflussen. In den letzten Wochen des Wahlkampfs sind noch Wahlkampfflyer von sechs Spendenkomitees in diesem Wahlbezirk in Umlauf gebracht worden, die allesamt Tim Bildsoe unterst\u00fctzten. Unterdessen wurde Ginger in drei weiteren Wahlbrosch\u00fcren als \u201edurchgedreht\u201c bezeichnet, weil sie die Superreichen und Gro\u00dfkonzerne besteuern will und sich f\u00fcr eine Mietobergrenze ausspricht. Zum Schluss wurde dann noch die infame L\u00fcge verbreitet, sie wolle die Einf\u00fchrung \u201eneuer Steuern f\u00fcr arbeitende Familien\u201c.<\/p>\n<h4>\u00dcber Seattle hinaus \u2026<\/h4>\n<p>Dass unsere Wahlkampagne zu einem derart starken Ergebnis f\u00fchren konnte, hat gezeigt, dass es sich in puncto Unterst\u00fctzung f\u00fcr unabh\u00e4ngige SozialistInnen bei Seattle \u2013 wo Kshama Sawant in den Stadtrat gew\u00e4hlt wurde \u2013 in keinster Weise um eine Ausnahme gehandelt hat. Wie \u201eSocialist Alternative\u201c schon fr\u00fcher erkl\u00e4rt hat, ist \u00fcberall im Land ein Verlangen nach entschlossener Politik von der \/ f\u00fcr die Arbeiterklasse vorhanden. Auch wenn wir wissen, dass sich viele derer, die f\u00fcr uns gestimmt haben, nicht als \u201eSozialistInnen\u201c bezeichnen, so ist die \u201eMarke Sozialismus\u201c f\u00fcr die \u201eeinfachen\u201c Leute dennoch kein Hindernis mehr. Angesichts eines zunehmenden Interesses an sozialistischen Ideen ist Ginger ganz offen als Sozialistin angetreten. Das half tats\u00e4chlich dabei, etlicher junge Leute und Menschen aus der Arbeiterklasse in die Kampagne einzubeziehen, die im Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf bereits Bernie Sanders unterst\u00fctzt hatten.<\/p>\n<p>Irgendwann nahm die ganze Kampagne eine Art landesweiten linken Charakter an und fand Aufmerksamkeit in verschiedenen bekannten Medien wie etwa dem Magazin \u201eThe Nation\u201c, auf der Nachrichtenseite \u201eThe Intercept\u201c und im Medien-Netzwerk \u201eThe Young Turks\u201c. Ginger stand auf der Titelseite des Stadtmagazins \u201eCity Pages\u201c und fand Anerkennung in einer ganzen Reihe von Geschichten, die im Lokalblatt, der \u201eStarTribune\u201c, erschienen sind.<\/p>\n<p>Mehrere bedeutende linke Gewerkschaften haben eine Wahlempfehlung f\u00fcr uns abgegeben. Darunter waren zum Beispiel die \u201eMinneapolis Nurses Association\u201c, die \u201eCommunication Workers of America MN Council\u201c und die \u201eUnited Transportation Union\u201c, die 2016 schon zur Wahl von Sanders aufgerufen hatten. Auf kommunaler aber auch auf bundesweiter Ebene hatte sich die Partei \u201eDemocratic Socialists of America\u201c f\u00fcr die Wahl von Ginger ausgesprochen. Dasselbe hat auch die Ortsgruppe von \u201eOur Revolution\u201c getan. Zu den prominenten Einzelpersonen, die eine Wahlempfehlung f\u00fcr Ginger abgegeben haben, z\u00e4hlen Dr. Cornel West und der Wahlkampf-Manager von Ray Dehn, der linke Demokrat Joelle Stangler. Hinzu kamen verschiedene weitere \u00f6rtliche VertreterInnen der Linken, die in der Demokratischen Partei aktiv sind.<\/p>\n<p>Die Kampagne und das B\u00fcndnis, die von uns ins Leben gerufen worden sind, werden hilfreich sein, den Grundstein f\u00fcr einen Kampf zum Ausbau des Nahverkehrs und die Einf\u00fchrung einer Mietobergrenze in Minneapolis zu legen. Dieser Kampf wird in den n\u00e4chsten Monaten gef\u00fchrt. Die Besch\u00e4ftigten der Verkehrsbetriebe werden in K\u00fcrze \u2013 mit Ryan Timlin, der Mitglied von \u201eSocialist Alternative\u201c und seit Neuestem Vorsitzender der \u00f6rtlichen Gewerkschaft ist \u2013 in Tarifauseinandersetzungen einsteigen. Besch\u00e4ftigte aus dem gesamten Stadtgebiet von Minneapolis werden sich daran beteiligen. Gingers Wahlkampagne zeigt, dass es breite Zustimmung in der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Forderung nach einer Mietobergrenze gibt. Daran k\u00f6nnen wir ansetzen, wenn es um die Mobilisierung f\u00fcr den Kampf gegen die gro\u00dfen Baumagnaten und deren Versuche geht, Minneapolis zu einer Spielwiese f\u00fcr die Reichen zu machen.<\/p>\n<h4>Das Establishment schl\u00e4gt zur\u00fcck<\/h4>\n<p>Das Establishment von Minneapolis hat sich das \u201eranked choice\u201c-Wahlverfahren zunutze gemacht, um sich gegen unsere unabh\u00e4ngige sozialistische Wahlkampagne in Stellung zu bringen. Als Mitte August klar wurde, dass der Wahlkampf von Fletcher nicht wirklich abhob, f\u00fchrte dies mit Tim Bildsoe zur Aufstellung eines weiteren Kandidaten.<\/p>\n<p>Die anderen KandidatInnen haben dann \u00fcber die Zweit- und die Drittstimme zu den Gesamtstimmen gef\u00fchrt, die n\u00f6tig waren, um den Sieg der DFL und Steve Fletchers sicherzustellen. In dieses Gef\u00fcge ist auch Samantha Pree-Stinson von der \u201eGreen Party\u201c mit einzubeziehen. Es zeigt sich daran nicht nur, dass es sich beim \u201eranked choice voting\u201c (RCV) nicht um ein Patentrezept handelt. Vielmehr wird deutlich, dass dieses Wahlsystem vom Establishment auch als Werkzeug eingesetzt werden kann, um unabh\u00e4ngige Wahlkampagnen ins Visier zu nehmen. Der gesamte Wahlkampf h\u00e4tte nat\u00fcrlich ohne RCV eine ganz andere Dynamik bekommen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass das \u201eArgument vom kleineren \u00dcbel\u201c gegen unsere Kandidatin ins Feld gef\u00fchrt worden ist, um die W\u00e4hlerschaft f\u00fcr Steve Fletcher zu gewinnen. Es wurde das Bild gezeichnet, dass eine Stimme f\u00fcr Fletcher helfen w\u00fcrde, um den noch konservativeren Tim Bildsoe zu verhindern, der ebenfalls auf dem Ticket der \u201eDemokraten\u201c angetreten ist, nachdem er 16 Jahre lang als \u201eRepublikaner\u201c Mitglied der Stadtrats in einem Vorort gewesen war.<\/p>\n<p>Als R\u00fcckschlag f\u00fcr unabh\u00e4ngig gef\u00fchrte Wahlk\u00e4mpfe muss der Umstand gewertet werden, dass die Kampagne von Ginger Jentzen am offensten und heftigsten ausgerechnet von der Kandidatin der Gr\u00fcnen Partei, Samantha Pree-Stinson, angegriffen worden ist. Vormals war Pree-Stinson Teil des Polit-Establishments der Demokraten, die Parteiaussch\u00fcsse geleitet hat und aktiv daran beteiligt war, \u00fcber Jahre hinweg die Demokratische Partei aufzubauen. Aufgeh\u00f6rt hat sie mit diesen T\u00e4tigkeiten erst zu Beginn dieses Jahres, als sie sich um Unterst\u00fctzung von der Gr\u00fcnen Partei bem\u00fchte. Obwohl ihr Wahlkampf ganz offensichtlich rechts vom Demokraten Steve Fletcher anzusiedeln war, ist sie von den Gr\u00fcnen unterst\u00fctzt und gepusht worden. Von ihr kamen \u00c4u\u00dferungen, mit denen sie sich gegen den 15-Dollar-Mindestlohn aussprach, und sie hat unsere Wahlkampagne daf\u00fcr angegriffen, dass wir zur Unterst\u00fctzung f\u00fcr die B\u00fcrgerrechtsbewegung \u201eBlack Lives Matter\u201c, des Krankenkassen-Systems \u201eMedicare for All\u201c und die Initiative \u201eNo Ban, No Wall, No Raids\u201c, das gegen den Mauerbau an der mexikanischen Grenze ist, aufgerufen haben. Sie selbst hat die Idee von der Mietobergrenze ebenso wenig unterst\u00fctzt wie die Forderung nach einer Reichen-Steuer. Bedauerlicherweise hat sich die Bundesleitung der Gr\u00fcnen uneingeschr\u00e4nkt f\u00fcr den Wahlkampf von Pree-Stinson stark gemacht, obwohl es mehrere Aufrufe der Mitglieder von \u201eSocialist Alternative\u201c gab, man m\u00f6ge die eigene W\u00e4hlerschaft zur Abgabe der Zweitstimme f\u00fcr Ginger aufrufen.<\/p>\n<p>Bundesweit sind viele KandidatInnen gew\u00e4hlt worden, die von \u201eOur Revolution\u201c und\/oder den \u201eDemocratic Socialists of America\u201c unterst\u00fctzt worden sind. Das ist eine \u00e4u\u00dferst positive Entwicklung. Es wird aber gleichzeitig auch ein Test sein, ob die neuen Funktionstr\u00e4gerInnen dem Druck der Konzerne und der gro\u00dfen Bauunternehmen aber auch von Seiten der Demokratischen Partei und des gesamten Polit-Establishments werden standhalten k\u00f6nnen. Alle genannten Instanzen werden sie zu zwingen versuchen, ihre Politik abzumildern. In Seattle haben wir gezeigt, wie nur eine ins Amt gew\u00e4hlte Stadtr\u00e4tin die politische Landschaft im Sinne der sozialistischen Bewegung ver\u00e4ndern kann, wenn es eine Verbindung zwischen ihr, einem klaren politischen Programm, der Mobilisierung arbeitender Menschen von unten und dem Aufbau einer unabh\u00e4ngigen Organisation gibt.<\/p>\n<p>Die Kommunalwahlen in Minneapolis haben genau an dem Tag stattgefunden, an dem es in Russland vor hundert Jahren zur Oktoberrevolution gekommen ist. Damals haben die arbeitenden Menschen die Macht \u00fcbernommen und sie zum ersten Mal in der Geschichte auch verteidigen k\u00f6nnen. Sie haben bis dato nicht gekannte Errungenschaften f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten, B\u00e4uerinnen, Bauern, Mitglieder der LGBTQ-Community, Frauen und unterdr\u00fcckten Nationalit\u00e4ten gebracht. Auch wenn viele dieser Errungenschaften wieder verloren gegangen sind, nachdem Stalin an die Macht gekommen ist, der es bis an die Spitze einer grotesken B\u00fcrokratie schaffte, sind der historische Sieg der russischen Arbeiterklasse im Jahr 1917 und die Lehren, die aus dieser Revolution zu ziehen sind, heute von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung denn je.<\/p>\n<p>Wenn die politisch bewusstesten ArbeiterInnen und jungen Leute dieser Welt die Bedeutung der Russischen Revolution diskutieren, dann werden einige von ihnen in den n\u00e4chsten Tagen auch von der unglaublichen Kampagne von Ginger und \u201eSocialist Alternative\u201c h\u00f6ren, die wir in Minneapolis verfolgt haben. Die Ideen und Erfahrungen des Oktober und des echten Marxismus leben fort, weil sie f\u00fcr den Kampf f\u00fcr eine Welt von zentraler Bedeutung sind, die auf Solidarit\u00e4t und wirklicher Demokratie basiert und in der es weder Armut, Rassismus, die Unterdr\u00fcckung nationaler Minderheiten und Sexismus gibt noch Umweltzerst\u00f6rung. Eine neue Generation von Besch\u00e4ftigten verliert zunehmend den Glauben an das bankrotte System des Kapitalismus und h\u00e4lt Ausschau nach einer Alternative.<\/p>\n<p>Der Sozialismus befindet sich weiter auf dem Vormarsch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sozialistische Ideen sind in den USA weiter auf dem Vormarsch<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":34884,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[42],"tags":[707,1060,300],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35532"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35532"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35532\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35533,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35532\/revisions\/35533"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34884"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}