{"id":35355,"date":"2017-09-28T17:06:58","date_gmt":"2017-09-28T15:06:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35355"},"modified":"2017-09-28T17:07:53","modified_gmt":"2017-09-28T15:07:53","slug":"das-soll-ist-voll-auch-in-sachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/09\/das-soll-ist-voll-auch-in-sachsen\/","title":{"rendered":"Das Soll ist voll \u2013 auch in Sachsen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dorit-e1506611204662.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35356\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dorit-e1506611204662-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dorit-e1506611204662-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dorit-e1506611204662-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dorit-e1506611204662-768x476.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dorit-e1506611204662-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dorit-e1506611204662-600x372.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dorit-e1506611204662-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dorit-e1506611204662.jpg 934w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Krankenschwestern und -pfleger sind massiv \u00fcberlastet<\/p>\n<p>Kapitalismus macht krank \u2013 so einfach k\u00f6nnte man die Lehre aus den letzten 27 Jahren in Ostdeutschland formulieren. Laut statistik.sachsen.de wurde zwischen 1990 und 2015 jedes dritte der urspr\u00fcnglich 112 s\u00e4chsischen Krankenh\u00e4user geschlossen. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Betten von 90,6 auf 10.000 EinwohnerInnen auf 63,5. Allein f\u00fcr Sachsen, Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen geht die Gewerkschaft ver.di von gut 10.000 fehlenden Stellen in der Krankenpflege aus.<\/p>\n<p><em>Von Steve Hollasky, Dresden<\/em><\/p>\n<p>Die Auswirkungen auf das Personal sind ersch\u00fctternd. \u201eWir hatten einen extrem hohen Krankenstand, eigentlich hat jeden Morgen jemand angerufen und sich krank gemeldet\u201c, schildert Susanne Weller im Gespr\u00e4ch mit sozialismus.info. Dennoch habe sie ihre Arbeit als Krankenschwester in der Leipziger Uni-Klinik gemocht &#8211; trotz der Arbeitshetze, der st\u00e4ndig steigenden Fallzahlen und dem oft r\u00fcden Umgangston. Teilweise h\u00e4tten \u00c4rzte die Schwestern im Beisein von Patientinnen und Patienten angeschrien. \u201eDas sind so Stressmomente als Ergebnis der \u00dcberlastung\u201c, so Weller. Die Auswirkungen auf das Kollegium waren dramatisch. \u201eWeil jeder mit sich selbst zu tun hatte, halfen sich die Leute auf Station immer weniger.\u201c Schlie\u00dflich wurde es ihr zu viel. \u201eIch habe t\u00e4glich Schmerzmittel eingenommen, um zum Dienst gehen zu k\u00f6nnen.\u201c Weller erkrankte am Burnout-Syndrom. Zwei Jahre war sie arbeitsunf\u00e4hig, dann entschloss sie sich zur Selbstst\u00e4ndigkeit im kunsthandwerklichen Bereich.<\/p>\n<p>Mit dem Entschluss, dem Pflegeberuf den R\u00fccken zu kehren, steht Weller nicht allein da. Laut einer Befragung der Gewerkschaft ver.di aus dem Jahr 2014 glauben 75 Prozent der Pflegekr\u00e4fte in Deutschland nicht, dass sie ihren Beruf bis zur Rente durchhalten werden.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst sind die Auswirkungen auch f\u00fcr PatientInnen sp\u00fcrbar, wie Stefan R., bis vor Kurzem Pfleger an einem Krankenhaus im Dresdner Umland zu berichten wei\u00df: \u201eWenn die Station mit vielen pflegeaufw\u00e4ndigen Patientinnen und Patienten belegt ist, bleibt meist nicht viel mehr als die Grundversorgung &#8211; \u201asatt und sauber\u2018.\u201c Man habe kaum die M\u00f6glichkeit den Patientinnen und Patienten etwas zu erkl\u00e4ren, Fragen zu beantworten oder ihnen Anleitung zu T\u00e4tigkeiten zu geben, damit sie zu Hause allein zurecht k\u00e4men, schildert der junge Mann. Gerade an Demenz Erkrankte w\u00fcrden so ein St\u00fcck ihrer Selbstst\u00e4ndigkeit verlieren.<\/p>\n<p>Das Wissen um die M\u00e4ngel bei der Pflege wirke sich auch auf die Zufriedenheit des Personals aus, so R. Nicht wenige KollegInnen in seinem Alter verlie\u00dfen den Beruf nach einigen Jahren wieder. So auch R. selbst, der nun studiert: \u201eIch bin immer gern auf Arbeit gegangen. Zehn oder f\u00fcnfzehn Jahre w\u00e4ren bestimmt noch machbar gewesen, vierzig Jahre waren mir unvorstellbar.\u201c<\/p>\n<p>Derartige Geschichten sind f\u00fcr Jens Uhlig nichts Neues. \u201eDie Situation des Klinikpersonals ist unertr\u00e4glich geworden\u201c, hielt der f\u00fcr das st\u00e4dtische Klinikum Dresden zust\u00e4ndige Betreuungssekret\u00e4r der Gewerkschaft ver.di unl\u00e4ngst gegen\u00fcber der \u201ejungen Welt\u201c fest. Und weiter: \u201eDie Betreuung von bis zu 26 Patientinnen und Patienten durch eine Krankenschwester in der Nachtschicht ist der normale Zustand.\u201c Zusammen mit der ver.di-Betriebsgruppe des St\u00e4dtischen Klinikums organisierte er am 19.09., anl\u00e4sslich des bundesweiten Krankenhausaktionstages, eine Kundgebung, die auf die Zust\u00e4nde aufmerksam machen sollte.<\/p>\n<p>Mit dabei war auch Dorit Hollasky, Personalr\u00e4tin im St\u00e4dtischen Klinikum und Vorsitzende der ver.di-Betriebsgruppe. \u201eIn einem Fall musste ein Pfleger 21 Tage hintereinander zum Dienst erscheinen, ohne auch nur einen Tag frei\u201c, schildert sie gegen\u00fcber sozialismus.info. Von dem Argument, dass kein Geld da w\u00e4re f\u00fcr eine bessere Pflege, habe sie endg\u00fcltig genug. Das Problem sei, dass in der Gesundheitsversorgung mittlerweile die \u00d6konomie wichtiger ist als die Genesung der Patientinnen und Patienten. \u201eDas muss ge\u00e4ndert werden. Gesundheitsversorgung muss eine staatliche Aufgabe sein. Um diese zu finanzieren, muss Reichtum umverteilt werden. Zehn Prozent der deutschen Bev\u00f6lkerung besitzen 5,3 Billionen Euro \u2013 Geld ist genug da.\u201c<\/p>\n<p>Auf der Kundgebung selbst wurden die Anwesenden mit einem Quiz \u00fcber die Situation in der Pflege aufgekl\u00e4rt und Reden gehalten. Die TeilnehmerInnen kamen aus verschiedenen Krankenh\u00e4usern aus Dresden und Umgebung, sowie Einrichtungen der Altenpflege.<\/p>\n<p>Im wahrsten Sinne des Wortes ersch\u00fctternd waren jedoch die Darstellungen der Krankenschwestern und -pfleger am offenen Mikrofon. Ein Krankenpfleger erz\u00e4hlte wie er vollkommen ersch\u00f6pft vom Dienst nach Hause kommt und keine Kraft mehr hat mit seinem zweij\u00e4hrigen Sohn zu spielen. Eine Altenpflegerin beschrieb den Fall einer Rentnerin, die mit Lungendrainage aus dem Krankenhaus direkt ins Altersheim \u00fcberstellt wurde, obwohl die Altenpflegerinnen und -pfleger f\u00fcr solche F\u00e4lle nicht ausgebildet und in keiner Weise ausgestattet sind. Die Ursache hier, wie in vielen anderen F\u00e4llen, die Zunahme der \u201eblutigen Entlassung\u201c seit Einf\u00fchrung der Fallpauschalen. Die Rentnerin verstarb an den durch die zu fr\u00fche Entlassung entstandenen Komplikationen auf qualvolle Weise.<\/p>\n<p>Ein Krankenpfleger legte dar, dass er am Tag der Kundgebung mit einer Auszubildenden allein auf Station und vollkommen \u00fcberfordert war.<\/p>\n<p>Zum Abschluss richtete Katja Kipping, Bundesvorsitzende der Partei DIE LINKE, noch ein Gru\u00dfwort an die Kundgebung.<\/p>\n<p>Auch auf den Stationen der Dresdner Krankenh\u00e4user scheint sich mehr und mehr eine Stimmung zu entwickeln, die die ganzen Ohnmacht, die viele Besch\u00e4ftigte im Angesicht der katastrophalen Situation empfinden, beiseite schiebt. Langsam scheinen Krankenschwestern und -pfleger f\u00fcr sich selbst den Schluss zu ziehen, dass sie k\u00e4mpfen m\u00fcssen, f\u00fcr sich, f\u00fcr ihre PatientInnen und ihren Beruf, in dem es nicht um das Erwirtschaften von Profit, sondern um Hilfe f\u00fcr Kranke gehen sollte.<\/p>\n<p>Aber gerade deshalb w\u00e4re endlich ein wirklicher Kampagnenplan von ver.di wichtig und ein bundesweites Treffen von Aktiven in den Krankenh\u00e4usern und Unterst\u00fctzerInnen, auf dem diskutiert und verbindlich beschlossen werden kann, wie es nach der Bundestagswahl weiter gehen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krankenschwestern und -pfleger sind massiv \u00fcberlastet<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35356,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[262,631,891,799],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35355"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35355"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35355\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35358,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35355\/revisions\/35358"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35356"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35355"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35355"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}