{"id":35350,"date":"2017-11-18T16:48:41","date_gmt":"2017-11-18T15:48:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35350"},"modified":"2017-11-17T13:37:27","modified_gmt":"2017-11-17T12:37:27","slug":"kapitalismus-bedeutet-klimakollaps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/11\/kapitalismus-bedeutet-klimakollaps\/","title":{"rendered":"Kapitalismus bedeutet Klimakollaps"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_35208\" aria-describedby=\"caption-attachment-35208\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/s6_endegel\u00e4nde.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-35208\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/s6_endegel\u00e4nde-260x173.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/s6_endegel\u00e4nde-260x173.jpg 260w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/s6_endegel\u00e4nde-768x512.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/s6_endegel\u00e4nde-521x347.jpg 521w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/s6_endegel\u00e4nde-600x400.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/s6_endegel\u00e4nde.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-35208\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Ende Gel\u00e4nde, CC BY-NC 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie kann die Erde gerettet werden?<\/strong><\/p>\n<p>St\u00fcrme, \u00dcberschwemmungen, D\u00fcrren: Wetterextreme nehmen zu. Menschen sterben oder verlieren ihre Heimat. Hinter diesen Problemen steht der r\u00fccksichtslose Profitzwang des Kapitalismus. Im Rahmen dieses Systems ist jede L\u00f6sung eine Utopie: Wer erfolgreich gegen Umweltzerst\u00f6rung k\u00e4mpfen m\u00f6chte, sollte diesen Kampf grundlegend mit dem Kampf gegen den Kapitalismus und f\u00fcr eine sozialistische Wirtschaftsweise verbinden.<\/p>\n<p><em>Von Christian Walter<\/em><\/p>\n<p>Ende August 2017 steht die texanische Metropole Houston unter Wasser. Mindestens 33 Menschen sterben in den durch Hurrikan \u201eHarvey\u201c verursachten Fluten, der Sachschaden wird auf einen dreistelligen Milliardenbetrag gesch\u00e4tzt. Achtzig Prozent der Betroffenen sind nicht gegen die Sch\u00e4den versichert, mehr als eine Million Menschen werden obdachlos. Mittlerweile sch\u00e4tzen manche, dass die Kosten f\u00fcr den Wiederaufbau noch teurer werden k\u00f6nnten als beim bis dahin finanziell folgenschwersten Hurrikan \u201eKatrina\u201c im Jahr 2005. Die vom Milliard\u00e4r und US-Pr\u00e4sidenten Trump in Aussicht gestellte Spende von einer Million US-Dollar aus seinem Privatverm\u00f6gen ist eher Hohn als Hilfe, auch die bisher staatlich in Aussicht gestellten Gelder betragen nur etwa f\u00fcnf Prozent der ben\u00f6tigten Gesamtsumme.<\/p>\n<p>Gleichzeitig passiert noch viel Schlimmeres auf dem indischen Subkontinent ab: Teile Indiens, Bangladeschs und Nepals stehen nach den heftigsten Monsun-Regenf\u00e4llen seit Jahren unter Wasser, mindestens Vierzig Millionen Menschen sind betroffen. 1200 Todesopfer sind bisher bekannt, viele werden vermisst. Auch Teile Niedersachsens wurden diesen Sommer \u00fcberflutet, dramatische Bilder waren unter anderem aus Goslar zu sehen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen leiden die Menschen in Teilen Ostafrikas seit vielen Jahren unter Wassermangel. Trotzdem werden teilweise wasserintensive Pflanzen angebaut \u2013 und exportiert. Die Sahara w\u00e4chst, vor allem nach S\u00fcden und Westen. Mittlerweile werden riesige Summen in Projekte gesteckt, um diese W\u00fcsten-Ausbreitung durch k\u00fcnstliche, kilometerbreite Gr\u00fcnstreifen aufzuhalten. Ob diese Ma\u00dfnahme die Austrocknung aufhalten kann ist fraglich.<\/p>\n<p>Hagel im Sommer und matschige Winter, krasse Hitze- oder K\u00e4lteperioden, \u00dcberschwemmungen, D\u00fcrren und Jahrhundertst\u00fcrme, die alle paar Jahr aufkommen: Das alles ist schon fast an der Tagesordnung. ZynikerInnen und Rechte, die den Klimawandel leugnen oder kleinreden m\u00f6chten, sagen: \u201eDas nennt man Wetter\u201c. Unrecht haben sie nicht. Nur: Es wird h\u00e4rter. WetterforscherInnen sind sich weitgehend einig: Sogenannte Extremwettersituationen nehmen drastisch zu. Zur\u00fcckgef\u00fchrt wird das im wesentlichen auf die Erderw\u00e4rmung.<\/p>\n<h4>Die Erde wird hei\u00dfer<\/h4>\n<p>Die Atmosph\u00e4re, die die Erde umgibt, ist wie eine Schutzschicht. Hier finden sich verschiedene Schichten mit wesentlichen Funktionen f\u00fcr das Leben auf der Erde. So filtert beispielsweise die Ozonschicht in etwa 25 Kilometer H\u00f6he energiereiche UV-Strahlung und tr\u00e4gt so dazu bei, dass unser Planet f\u00fcr uns Menschen bewohnbar ist.<\/p>\n<p>Die Ozonschicht hat sich abgebaut, wurde teilweise sogar l\u00f6chrig. Jahrzehntelang wurde das Treibgas FCKW in Spraydosen, K\u00fchlschr\u00e4nken und Klimaanlagen verwendet. Tritt es aus und gelangt es in die Atmosph\u00e4re, zerst\u00f6rt es Ozon-Molek\u00fcle. Teilweise wurde die Ozonschicht so stark ausged\u00fcnnt, dass in Regionen \u00fcber der Antarktis, \u00fcber Australien und \u00fcber Chile von \u201eOzonl\u00f6chern\u201c gesprochen wird. Hier trifft energiereiche UV-Strahlung relativ ungefiltert auf die Erde, tr\u00e4gt zur Erderw\u00e4rmung bei und verursacht Krankheiten bei Menschen, Tieren und Pflanzen. Als dieser Zusammenhang deutlich wurde, wurde die weltweite FCKW-Produktion deutlich reduziert. Im Gegensatz zu vielen heute dr\u00e4ngenden Problemen gab es daf\u00fcr FCKW-\u00e4hnliche Alternativprodukte ohne die unerw\u00fcnschte Nebenwirkung.<\/p>\n<p>In der Erdatmosph\u00e4re sammeln sich sogenannte Treibhausgase an \u2013 vor allem Kohlendioxid (wird freigesetzt durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie \u00d6l und Kohle) und Methan (wird in gro\u00dfen Mengen produziert durch die Massentierhaltung). Haben die sich in der Atmosph\u00e4re festgesetzt, erschweren sie die W\u00e4rme-Abstrahlung von der Erde in den Weltraum. Auch Wasserdampf ist ein Treibhausgas, auf das der Mensch allerdings nur regional Einfluss nehmen kann (beispielsweise f\u00fcr Aufforstung oder Abholzung von W\u00e4ldern). Besonders an hei\u00dfen Tagen, wo die Wasserdampf-Konzentration in der Luft zunimmt, steigt dadurch der Treibhauseffekt weiter an: Wie in einem Treibhaus kann W\u00e4rme schlechter entweichen, die Erde (bzw. das Innere des Treibhauses) heizt sich auf.<\/p>\n<p>Die Sonne trifft also erstens intensiver und h\u00e4rter auf die Erde, zweitens wird weniger dieser W\u00e4rme wieder abgegeben. Auf der Erde selber schmelzen Schnee- und Eisschilde. Das setzt einen gef\u00e4hrlichen Prozess in Gang: Schnee- und Eisschilde reflektieren bis zu neunzig Prozent der auf sie einstrahlenden Sonnenenergie zur\u00fcck in den Weltraum. Das darunter liegende Land hingegen reflektiert nur noch zehn bis vierzig Prozent, absorbiert also, je nach Boden, zwei Drittel oder sogar mehr der Energie. Und wenn nicht Erde, sondern Wasser frei wird, ist es noch dramatischer, denn Wasser absorbiert \u00fcber neunzig Prozent. Deswegen ist das Abschmelzen von Gletschern und insbesondere der Eisschilde, die immer noch Teile der Pole bedecken, so dramatisch.<\/p>\n<h4>Der Meerespegel steigt<\/h4>\n<p>Die Erderw\u00e4rmung nimmt also zu. Im Jahr 2015 lag die durchschnittliche Erdoberfl\u00e4chentemparatur etwa ein Grad Celsius h\u00f6her als im Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900, und 0,76 Grad Celsius \u00fcber den Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. 2015 war das bis dahin hei\u00dfeste jemals gemessene Jahr, genauso wie das Jahr 2014 davor. Immer \u00f6fter werden solche Rekordwerte gemessen.<\/p>\n<p>Eine direkte Folge ist das Abschmelzen der polaren Eisschilde und der Gletscher, was dazu f\u00fchrt, dass der Meeresspiegel ansteigt. Seit 1900 ist der Meeresspiegel global um etwa zwanzig Zentimeter angestiegen. Derzeit steigt er j\u00e4hrlich um etwa drei Millimeter, etwa doppelt so schnell wie zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Die Geschwindigkeit wird weiter zunehmen. Sollte sich die Jahresmitteltemperatur (gegen\u00fcber 1900) bis zum Jahr 2100 um zwei Grad Celsius erh\u00f6hen, wird von einem weltweiten Anstieg um 1 bis 1,7 Meter gerechnet. Neben dem Schmelzwasser hat die Erw\u00e4rmung des Wassers die Folge, dass es sich ausdehnt. In Deutschland m\u00fcssten wegen der zu erwartenden \u00dcberflutungen 1,3 Millionen Menschen umsiedeln, weltweit mindestens 130 Millionen Menschen. Das sind die niedrigsten Sch\u00e4tzungen \u2013 und niemand glaubt daran, dass bei derzeitigen Klimaschutzanstrengungnen der Temperaturanstieg auf einen Mittelwert von zwei Grad Celsius begrenzt werden kann. Selbst wenn alle aktuellen Versprechungen und Ziele der Staaten eingehalten w\u00fcrden, wird ein Anstieg um 2,7 Grad Celsius errechnet. Doch kaum ein Land h\u00e4lt sich an die selbst gesteckten Ziele. W\u00fcrde sich die Erde bis 2100 um vier Grad Celsius erh\u00f6hen, w\u00fcrden weltweit bis zu 760 Millionen Menschen ihre Heimat an das Meer verlieren. Deutsche PolitikerInnen wollen \u201eihr\u201c Land nicht hergeben. Anstatt aber entschlossen gegen die Erderw\u00e4rmung vorzugehen, wird der Bau sogenannter Klimad\u00e4mme in K\u00fcstenregionen vorbereitet.<\/p>\n<h4>Das Klima wird h\u00e4rter<\/h4>\n<p>Aber nicht nur der steigende Meeresspiegel sollte uns sorgen. Die Meere nehmen rund ein Drittel des ausgesto\u00dfenen Kohlendioxids auf, das mit dem Wasser reagiert und zu Kohlens\u00e4ure wird. Sie l\u00e4sst die Meere versauern: Gegen\u00fcber der vorindustriellen Zeit ist der pH-Wert der Meere um 0,1 gesunken, was eine Erh\u00f6hung der S\u00e4urekonzentration um drei\u00dfig Prozent bedeutet. Plankton, aber auch Schnecken und Muscheln, bekommen Wachstumsschwierigkeiten. Da sie am Anfang einer langen Nahrungskette stehen, zieht das viele Folgen nach sich.<\/p>\n<p>In Deutschland ist die Temperatur durchschnittlich etwas st\u00e4rker angestiegen als weltweit (was generell f\u00fcr n\u00f6rdliche Regionen gilt). Sp\u00fcrbare Folgen sind, neben dem steigenden Meeres- und teilweise Flusspegel die Zunahme von Starkregen sowie eine Abnahme von Schneefall im Winter.<\/p>\n<p>K\u00fcnftig ist noch viel mehr zu erwarten: Die gr\u00f6nl\u00e4ndischen Eismassen, w\u00fcrden sie komplett abschmelzen, reichen aus, um den Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen zu lassen, das gesamte Eis in der Antarktis sogar um 65 Meter. Die bisherigen Prognosen enden meist beim Jahr 2100. Selbst wenn die Erderw\u00e4rmung verlangsamt werden k\u00f6nnte, w\u00fcrde der angesto\u00dfene Prozess noch Jahrhunderte weitergehen.<\/p>\n<p>Das Weltklima ist hochkomplex, feste Prognosen zu machen ist oft schwer. Selbst konservative Sch\u00e4tzungen sehen aber folgende Punkte als gesichert an: In manchen Regionen nehmen Trockenzeiten bis hin zu brutalen D\u00fcrren zu, Pflanzen verdorren, die Waldbrandgefahr steigt.<\/p>\n<p>In anderen Regionen geschehen \u00dcberschwemmungen \u2013 oder erwartete Regenzeiten bleiben aus: Der Monsun, der in Teilen Asiens als zuverl\u00e4ssiger Wasserlieferant gilt, kommt immer unregelm\u00e4\u00dfiger. Das f\u00fchrt zu Missernten \u2013 und manchmal, wie aktuell, zu harten \u00dcberschwemmungen. Sollte die Erw\u00e4rmung der Meere weiter zunehmen, gehen manche Modelle davon aus, dass der Monsun ganz ausbleiben k\u00f6nnte, mit dramatischen Folgen f\u00fcr viele hundert Millionen Menschen.<\/p>\n<p>Auch tropische Wirbelst\u00fcrme nehmen zu und werden h\u00e4rter. Wie beim Monsun ist vor allem die gestiegene Oberfl\u00e4chentemperatur der Meere daf\u00fcr verantwortlich.<\/p>\n<p>Regionaler Wassermangel nimmt zu: Steigt die Lufttemperatur um ein Grad Celsius, kann die Luft sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen. Hei\u00dfe, niederschlagsarme, trockene Regionen werden weiter austrocknen: Das wenige Wasser verdunstet und regnet in niederschlagsreichen Regionen wieder ab, die \u00f6fter unter \u00dcberflutungen zu leiden haben werden.<\/p>\n<p>Regionen, die ihr Wasser in niederschlagsarmen Zeiten aus der Gletscherschmelze gewinnen, werden verd\u00fcrren, wenn die Gletscher abgeschmolzen sind. Manche Regionen sind kaum noch bewohnbar, BewohnerInnen wurden zum Wegzug bzw. zur Flucht gezwungen.<\/p>\n<h4>Der Kapitalismus ist unf\u00e4hig<\/h4>\n<p>Das kapitalistische Wachstum hat unbestreitbar massive Fortschritte in der Produktivit\u00e4t gebracht. Allerdings hat es gleicherma\u00dfen dramatische Folgen gebracht (die, wie meistens, vor allem die \u00c4rmsten und am Wenigsten die Superreichen ausbaden m\u00fcssen). Was mittlerweile auch in b\u00fcrgerlichen Wissenschaftskreisen angekommen ist, ahnten MarxistInnen schon vor \u00fcber hundert Jahren.<\/p>\n<p>So schrieb Karl Marx 1867 im ersten Band seines Hauptwerks \u201eDas Kapital\u201c: \u201eUnd jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit f\u00fcr eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. [&#8230;] Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergr\u00e4bt: die Erde und den Arbeiter.\u201c Und Karl Liebknecht sagte 1912 in einer Rede im preu\u00dfischen Abgeordnetenhaus: \u201eEs ist leicht, einen Wald auszuroden, einen See trockenzulegen, es ist leicht, eine Landschaft zu verw\u00fcsten [&#8230;]; aber es ist ungemein schwer, das wiedergutzumachen. [&#8230;] Wir k\u00f6nnen nicht [&#8230;] die Natur zwingen, uns das wiederzugeben, was eine t\u00f6richte Zerst\u00f6rungslust, ein gef\u00e4hrlicher Egoismus mit kurzsichtiger Gewinnsucht in unserer Zeit ihr entrissen haben.\u201c<\/p>\n<p>Leider konnten sich diese Revolution\u00e4re nicht durchsetzen. Jetzt sind die Probleme da, und die meisten B\u00fcrgerlichen scheinen sie ernst zu nehmen. Aber nicht alle: US-Pr\u00e4sident Donald Trump hat Umweltschutzabkommen und Klimaziele zur\u00fcckgenommen. Die AfD meint: \u201eJe mehr Kohlendioxid es in der Atmosph\u00e4re gibt, desto kr\u00e4ftiger f\u00e4llt das Pflanzenwachstum aus\u201c, womit sie den Schadstoffaussto\u00df legitimieren m\u00f6chte. Und die Str\u00f6mung \u201eBerliner Kreis\u201c in der CDU sagte k\u00fcrzlich, die wirtschaftlichen Chancen des Klimawandels w\u00fcrden die Risiken \u00fcbertreffen: Fischfang und Rohstoffabbau in polaren Regionen und eine eisfreie Nordpassage f\u00fcr die Schifffahrt. SPD und Gr\u00fcne verbreiten in der Regel zwar nicht solchen Unsinn. In Regierungsverantwortung unternehmen sie aber nichts ernsthaftes, um das Klima zu sch\u00fctzen \u2013 beispielsweise hat die im Mai abgew\u00e4hlte rot-gr\u00fcne Landesregierung in NRW den Energiekonzern RWE im rheinischen Braunkohlerevier weiter Braunkohle abbauen und verbrennen lassen.<\/p>\n<p>Trotzdem, die Mehrheit der B\u00fcrgerlichen ist der Meinung, dass Klimaschutzma\u00dfnahmen ergriffen werden sollten. Als Trump die Klimaschutzabkommen aufk\u00fcndigte, gab es eine Emp\u00f6rungswelle nicht nur in der Bev\u00f6lkerung: Chefs von Konzernen wie Google, Microsoft, Walmart und General Electric, selbst der \u00d6lriesen BP und Shell forderten Investitionen in den Klimaschutz statt K\u00fcrzungen. Es ist dabei aber etwas ganz anderes, ob Staaten beispielsweise Immobiliend\u00e4mmung f\u00f6rdern und W\u00e4lder aufforsten, oder ob sie so weitgehende Klimaschutzma\u00dfnahmen beschlie\u00dfen w\u00fcrden, dass die Profitinteressen der Konzerne ber\u00fchrt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Deutschland gibt sich gerne als Vorreiter in Klimaschutzfragen. Doch dieses Jahr war bereits im April die Kohlendioxidmenge ausgesto\u00dfen, die Deutschland im ganzen Jahr freisetzen d\u00fcrfte, w\u00fcrde es das Pariser Klimaschutzabkommen erf\u00fcllen. Das rheinische Braunkohlerevier ist die gr\u00f6\u00dfte Kohlendioxidquelle Europas, Braunkohle ist immer noch eine zentrale St\u00fctze der deutschen Energiewirtschaft.<\/p>\n<p>Viele Konzernchefs verstehen vermutlich, dass f\u00fcr die Profite ihrer Konzerne die Umwelt zerst\u00f6rt wird und dass das kein Zukunftsmodell sein kann. Das Problem ist: Beginnt ein Konzern, umweltfreundlicher zu wirtschaften, hat er im Wettbewerb Nachteile. Denn Umweltschutz kostet nun mal Geld. Das will sich niemand leisten. Denn statt Wettbewerbsnachteilen m\u00f6chte man Wettbewerbsvorteile haben. Das kapitalistische System ist damit als ganzes ein Problem und macht wirkliche Ma\u00dfnahmen in Umweltschutzfragen unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Viele appellieren an den Staat, er solle verbindliche Vorgaben machen. Die m\u00fcssten alle Konzerne gleicherma\u00dfen umsetzen, womit Wettbewerbsargumente au\u00dfer Kraft gesetzt w\u00fcrden. Daf\u00fcr gibt es keine Garantien: Denn erstens werden Konzerne in ihrem Zwang, maximale Profite zu erwirtschaften, Spielr\u00e4ume maximal ausdehnen oder Vorgaben auch schon mal verletzen. Es ist klar, dass viel zu wenig kontrolliert wird. Vor allem aber wirkt das Prinzip der Konkurrenz nicht nur zwischen Konzernen in einem Land, sondern auch international. Wenn ein Staat strenge Vorgaben einf\u00fchrt, w\u00fcrde das Konzernen aus anderen L\u00e4ndern einen Wettbewerbsvorteil auf dem Weltmarkt verschaffen, was kaum eine Regierung ihrem Kapital zumuten will. Dazu kommt, dass durch viele Regelungen beispielsweise in Freihandelsabkommen Umweltschutzvorgaben umgangen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>F\u00fcr sozialistische Demokratie<\/h4>\n<p>Ganz anders s\u00e4he es in einer sozialistischen Demokratie aus. Im Gegensatz zum Kapitalismus, wo die Wirtschaft chaotisch nach Marktmechanismen funktioniert, g\u00e4be es einen gesamtgesellschaftlichen Plan. Er w\u00fcrde sich an den Bed\u00fcrfnissen der Menschen orientieren \u2013 und diese w\u00fcrden ihn gemeinsam diskutieren, aufstellen und umsetzen. Es ist klar, dass so weitgehende Klimaschutzma\u00dfnahmen schnell beschlossen und umgesetzt werden k\u00f6nnten und w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die SAV k\u00e4mpft f\u00fcr eine solche Gesellschaft, international an der Seite von Schwesterorganisationen in 45 L\u00e4ndern auf allen bewohnten Kontinenten. Bis es so weit ist, verbinden wir allt\u00e4gliche K\u00e4mpfe mit der Idee solch einer Gesellschaftsordnung. Wer das Klima retten m\u00f6chte, sollte alle Illusionen in die kapitalistische Welt \u00fcber Bord werfen und sich uns anschlie\u00dfen!<\/p>\n<p>Das ist unser Programm gegen den drohenden Klimakollaps:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00dcberf\u00fchrung der Energiekonzerne in \u00f6ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung. Dadurch: Stopp der Verbrennung fossiler Energietr\u00e4ger f\u00fcr Strom oder Fernw\u00e4rme, Schluss mit Braunkohle-Abbau. Garantierte gleichwertige Ersatzarbeitspl\u00e4tze f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten.<\/li>\n<li>Massive Investitionen in Sonnenenergie, Windkraft und andere regenerative Energiegewinnungsmethoden sowie in die Forschung, um sie zu verbessern.<\/li>\n<li>Abschaltung der energieintensiven Kriegsindustrie, Abbau der \u00dcberproduktion der sonstigen Wirtschaftsbereiche auf ein bed\u00fcrfnisdeckendes Niveau, Produktion langlebiger Produkte. Die verbleibende Arbeit sollte auf alle verteilt werden, bei vollem Lohnausgleich. Deswegen: \u00dcberf\u00fchrung der Schl\u00fcsselindustrien in \u00f6ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung.<\/li>\n<li>Umstellung des Verkehrswesens: Weg vom Individualverkehr hin zu einem m\u00f6glichst weitgehend durch \u00f6ffentliche Verkehrsmittel best\u00fcckten Verkehrswesen. Die Busse, Bahnen etc. sollten mit regenerativ gewonnenen Energien betrieben werden und kostenlos nutzbar sein.<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzung von Bewegungen, die klimapolitische Verbesserungen erk\u00e4mpfen wollen. Daf\u00fcr k\u00e4mpfen wir auch in Gewerkschaften, der LINKEN und Linksjugend [\u00b4solid]<\/li>\n<li>Das \u00dcbel an der Wurzel ziehen: \u00dcberwindung des Kapitalismus und Ersetzung durch eine sozialistische Demokratie, in der sich die Wirtschaft an den Bed\u00fcrfnissen von Mensch und Natur orientiert.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Christian Walter ist Verfasser des Buches \u201eVolle B\u00e4uche statt volle Tonnen\u201c, das sich mit Containern und Lebensmittelvernichtung befasst. Er ist aktiv bei Linksjugend und SAV.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann die Erde gerettet werden?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35208,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[117],"tags":[920,1021,1020,947,923,297,904,996,948],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35350"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35350"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35350\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35351,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35350\/revisions\/35351"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35208"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}