{"id":35347,"date":"2017-11-03T16:34:07","date_gmt":"2017-11-03T15:34:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35347"},"modified":"2017-11-01T23:00:40","modified_gmt":"2017-11-01T22:00:40","slug":"eine-bilanz-der-un-klimakonferenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/11\/eine-bilanz-der-un-klimakonferenzen\/","title":{"rendered":"Eine Bilanz der UN Klimakonferenzen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/csm_cop23_178c3a9a53.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35348\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/csm_cop23_178c3a9a53-173x173.png\" alt=\"\" width=\"173\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/csm_cop23_178c3a9a53-173x173.png 173w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/csm_cop23_178c3a9a53-32x32.png 32w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/csm_cop23_178c3a9a53-200x200.png 200w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/csm_cop23_178c3a9a53.png 240w\" sizes=\"(max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/a>Empfehlungen statt Handeln<\/strong><\/p>\n<p>Vom 6. bis 17. November 2017 tagt die 23. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Bonn. Nach bisherigen Planungen soll der Gipfel mit bis zu 20.000 TeilnehmerInnen der gr\u00f6\u00dfte seiner Art und eine \u201cechte\u201d Arbeitskonferenz werden. Ziel ist die Erarbeitung von Grundlagenentscheidungen, auf deren Basis die Inhalte des Pariser Klimaabkommens umgesetzt werden sollen.<\/p>\n<p><em>Von Birgit M\u00fcllenders-Heinrich<\/em><\/p>\n<p>Aber kann die Konferenz die verbindlichen und raschen Regelungen bieten, die notwendig sind, um nicht umkehrbare Folgen f\u00fcr das Klima und somit f\u00fcr die Menschheit aufzuhalten? Die Ergebnisse bisheriger Gipfel lassen daran Zweifel aufkommen. Schon in den 1970er Jahren warnten Forscher vor den katastrophalen Folgen eines menschgemachten Klimawandels. Im Jahr 1979 tagte eine erste Klimakonferenz in Genf und sp\u00e4testens Anfang der 1980er Jahre wurde das Thema auch der breiten \u00d6ffentlichkeit bewusst, als das Stichwort \u201esaurer Regen\u201c \u2013 schwefelhaltige Niederschl\u00e4ge die unter anderem zum Waldsterben f\u00fchren- die Schlagzeilen beherrschte.<\/p>\n<h4>Von Rio bis Kyoto<\/h4>\n<p>Aber erst 1992 fand die erste UN Klimakonferenzen statt. So wurde in Rio de Janero eine Klimarahmenkonvention mit dem Ziel verabschiedet, menschlich verursachte Eingriffe ins Klimasystem der Erde zu verhindern und eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu erreichen. Mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung der zustimmenden Staaten sollte dies gelingen, allerdings lehnten die USA bereits hier eine bindende Verpflichtung ab. Zu diesem Zeitpunkt waren die Eingriffe jedoch schon in vollem Gange.<\/p>\n<p>Erst auf der dritten UN Klimakonferenz in Kyoto 1997 einigten sich die teilnehmenden Staaten auf Referenzwerte als Basis f\u00fcr die Reduktion von Treibhausgasen. Allerdings trat dieses Abkommen erst 2005 in Kraft. Es folgten weitere Jahre der Diskussion und Verz\u00f6gerung ohne verbindliche Regelungen. Nahezu j\u00e4hrlich finden Klimakonferenzen statt, auf denen darum gerungen wird, die Ziele einerseits effektiv im Anspruch, andererseits so variabel wie m\u00f6glich zu stecken.<\/p>\n<h4>Paris<\/h4>\n<p>Ende 2015 wurde dann das Paris-Protokoll beschlossen, welches am 4. November 2016 als neuer internationaler Klimavertrag in Kraft trat. Es gibt vor, die globale Erw\u00e4rmung durch Minderung der Emission von Treibhausgasen deutlich unter zwei Grad Celsius senken zu wollen. Um dies zu erreichen soll die Menschheit ab 2050 ihre Emissionen neutralisieren. Somit d\u00fcrfte dann nur noch so viel Kohlendioxid ausgesto\u00dfen werden, wie etwa Waldanpflanzungen aus der Erdatmosph\u00e4re ziehen. Das daf\u00fcr notwenige klare Bekenntnis zum Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe fehlt dem Abkommen jedoch. Und der vereinbarte Schadensersatz an Staaten, die mit den ganz realen Folgen des Klimawandels bereits zu k\u00e4mpfen haben wurde zwar empfohlen, ein Rechtsanspruch kann daraus jedoch nicht abgeleitet werden.<\/p>\n<p>Alles in allem erscheint bei n\u00e4herer Betrachtung der gefeierte Durchbruch von Paris vielfach nur eine weitere vage Absichtserkl\u00e4rung ohne verbindliche und klare Vorgaben zu sein. Und so wird es wohl auch in den n\u00e4chsten Jahren weiter gehen, denn die Ergebnisse der nun stattfindenden Konferenz in Bonn sollen wiederum lediglich nur Beschlussfassungsgrundlagen f\u00fcr den n\u00e4chsten Gipfel 2018 in Polen sein.<\/p>\n<h4>Die Industrie bestimmt<\/h4>\n<p>Die Empfehlung des Weltklimarates, rasch und konsequent zu handeln, versandet weiterhin in Sitzungen. Herrschte in den ersten Jahren noch die gro\u00dfe Angst davor, Gewinne durch Ma\u00dfnahmen des Klimaschutzes zu verringern ist es nun die Angst vor den Kosten der aus der Klimaver\u00e4nderung entstehenden Umweltkatastrophen und die Frage, wer diese \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p>Es scheint fast, dass das Sprichwort \u2026\u201cnach mir die Sintflut\u201c zum Leitgedanken der Gro\u00dfindustrie geworden ist, denn das durch Lobbyisten vertretene Interesse der umweltverschmutzenden Industrie an kurzfristiger Gewinnmaximierung scheint bisher noch jeden Umweltgipfel an konkreten und raschen Ma\u00dfnahmen zum aktiven Umweltschutz gehindert zu haben.<\/p>\n<p>Und so entstehen Ziele und Vereinbarungen, die abh\u00e4ngig von den jeweilig vertretenen Interessen, m\u00f6glichst unverbindlich sind und gen\u00fcgend Schlupfl\u00f6cher bieten, um den kurzfristigen Gewinnw\u00fcnschen ganzer Industrien nicht im Weg zu stehen. Ein Beispiel f\u00fcr wirtschaftsfreundlichen Umweltschutz stellt der sogenannte Emissionshandel dar. Dieser erlaubt es Firmen, Kontingente von sch\u00e4dlichen Abgasen oder eben auch Guthaben derselben national wie auch international zu verkaufen oder zu kaufen.<\/p>\n<p>Die Notwendigkeit der Umr\u00fcstung technischer Anlagen r\u00fcckt so in weite Ferne, denn solange solche M\u00f6glichkeiten existieren, kann das Hauptaugenmerk weiterhin auf kurzfristige Gewinne gelegt werden und eben nicht auf langfristig sinnvolle Ver\u00e4nderung der Produktionsabl\u00e4ufe. Aber auch mit diesen Tricks gelingt es nicht, die vereinbarten Ziele einzuhalten. Alleine Deutschland hat bereits im April 2017 sein im Pariser Klimaabkommen beschlossenes Jahresbudget an Emissionen aufgebraucht.<\/p>\n<h4>Drastische Reduzierung n\u00f6tig<\/h4>\n<p>Notwendig ist bei jetzigem wissenschaftlichem Stand aber ein drastischer und schneller R\u00fcckgang der klimafeindlichen Emissionen. Dies gelingt nur mit dem sofortigen Ausstieg aus der Kohlenutzung und der Umr\u00fcstung von Industrieanlagen auf umweltfreundliche Technologien. Mit den Erfahrungen der letzten 25 Jahre UN Klimagipfel ist jedoch auch f\u00fcr Bonn nicht zu erwarten, dass endlich die notwendigen und verpflichtenden Vorgaben gemacht werden; es werden wohl auch hier weitere Absichtserkl\u00e4rungen folgen, bindende Regelungen sind nicht zu erwarten.<\/p>\n<h4>Der Verbraucher ist schuld?<\/h4>\n<p>Und im Zuge der Diskussion um den Klimawandel hat sich, quasi nebenbei, ein neues Einnahmefeld aufgetan: Der Verbraucher. Jedem ist klar, dass die Klimaerw\u00e4rmung \u00fcberwiegend auf menschliches Handeln zur\u00fcck zu f\u00fchren ist: Die Verbrennung fossiler Brennstoffe, Tierhaltung in sehr gro\u00dfem Stil sowie die Rodung von W\u00e4ldern sind die Hauptgr\u00fcnde, warum die Treibhausgase in der Erdatmosph\u00e4re zunehmen.<\/p>\n<p>Aber welche \u201emenschlich verursachten Eingriffe\u201c sind konkret gemeint? Die Eingriffe der Gro\u00dfindustrien sind zwar f\u00fcr die schlimmsten Sch\u00e4den an Klima und Umwelt verantwortlich, aber im Sinne vom Profitausbau gelingt hier ein gro\u00dfer Trick. Die Verschiebung des Umweltschutzes in den privaten Konsumbereich des Verbrauchers: \u201eKlimaschutz beginnt im Haushalt.\u201c (NABU)<\/p>\n<p>So wird der Eindruck erweckt, dass Auto fahren \u2013 vor allem Diesel \u2013 schlimmer ist, als Autos zu produzieren und den \u00f6ffentlichen Personennah- und -fernverkehr abzubauen, dass der Blick aufs Portemonnaie beim Fleischkauf im Discounter moralisch verwerflich ist und man doch umweltbewusster beim Bio Bauern kaufen solle. Plastikt\u00fcten m\u00fcssen jetzt bezahlt werden und die in den l\u00e4ndlichen Gegenden so beliebten Kamin\u00f6fen werden als gr\u00f6\u00dfere Luftverpester dargestellt als Industrieschornsteine.<\/p>\n<p>Und so kaufe ich als VerbraucherIn dann Bio-\u00c4pfel aus dem Alten Land und verzehre in Wirklichkeit Obst aus Chile, welches einfach nur neu deklariert wurde. Mit dem Stempel Bio jedoch deutlich teurer. Ich bezahle nun f\u00fcr Plastikt\u00fcten, die noch im letzten Jahr gratis waren. Und meinen Kaminofen im Wohnzimmer r\u00fcste ich mit einem teuren Filter nach, nat\u00fcrlich der Umwelt zu liebe.<\/p>\n<p>Die Individualisierung des Umweltschutzes erm\u00f6glicht es der Wirtschaft neben Emissionshandel und Betrug \u2013 siehe zum Beispiel Autoindustrie \u2013 ein neues Einnahmefeld zu generieren und das Konsumverhalten zu lenken. Ganz sicher sind auch individuelle Ver\u00e4nderungen der Lebensweise sinnvoll, sie aus einem sozialen Kontext zu rei\u00dfen hilft jedoch nur der Nahrungs- und Konsumg\u00fcter produzierenden Industrie, und das gleich in mehrfacher Hinsicht.<\/p>\n<p>Solange sich Umweltverschmutzung wirtschaftlich noch lohnt, sieht es mit einem schonenden Umgang der vorhandenen Ressourcen schlecht aus. Wie auch mit effektiven Ergebnissen von Klimagipfeln.<\/p>\n<p><em>Birgit M\u00fcllenders-Heinrich arbeitet im Sozialbereich und ist Mitglied der SAV in Stade.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Empfehlungen statt Handeln<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35348,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[117],"tags":[1021,1019,1020,947,996,948],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35347"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35347"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35347\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35349,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35347\/revisions\/35349"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35348"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35347"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}